Zahl der COVID-Infektionen steigt in Island an, neue Mutante gefunden

keflavik airport COVID-19 testing

Heute Morgen haben sich Vertreter des Zivilschutzes und des Gesundheitsamtes getroffen, um die Entwicklung der COVID-Epidemie seit dem 8. Juli in Island zu besprechen. Mit dem heutigen Tag sind 21 Fälle von aktiver COVID-19 Infektion bestätigt, alle Personen befinden sich in Isolierung. Am gerade vergangenen Wochenende hatte es bei einem Fussballtunier in Akranes eine kleine Gruppeninfektion gegeben.
Aktuelle Infektionszahlen findet man auf COVID.is.

Nach Angaben von Jóhann K. Jóhannsson, dem Kommunikationsleiter des Zivilschutzes, handelt es sich um zehn Inlandsinfektionen, von denen sieben im Zusammenhang stehen. Bei sechs Personen wurde die Infektion gestern Abend festgestellt, die siebte Person war am Samstag diagnostiziert worden.

Am Freitag waren zwei Fälle positiv getestet worden, bei denen eine Virusmutation gefunden wurde, die bislang in Island unbekannt war. Keine der beiden Personen war im Ausland gewesen.
Jóhann bezeichnet diese Tage als “kritische Zeit” und ermahnt alle, die persönlichen Schutzmassnahmen wie Abstand halten, Hände waschen und desinfizieren besonders ernst zu nehmen.

Bei den 21 Fällen handelt es sich um 11 voneinander unabhängig aufgetauchte Fälle, ihretwegen sitzen nun 173 Personen in Quarantäne. Bei zwei der COVID-Fälle konnte der Ursprung der Infektion bislang nicht benannt werden, das Genforschungsinstitut deCODE untersucht die Proben derzeit auf Herkunft des Virus.
Alle Personen mit bestätigter Infektion zeigten Symptome. Bislang ist niemand ernsthaft krank oder musste im Krankenhaus behandelt werden.

In der Mitteilung des Zivilschutzes wird nochmals darauf hingewiesen, dass alle Personen, die sich haben testen lassen, sich solange zuhause oder in ihrer Unterkunft aufhalten, bis sie ein negatives Ergebnis erhalten haben, bzw nach neuer Regelung kein positives bekommen.
In Anbetracht der aktuellen Lage trifft sich die Regierung morgen früh, um zu besprechen, ob Seuchenschutzmassnahmen angepasst werden müssen.

Unbekannte Mutationen bereiten Sorge
Auch deCODE Chef Kári Stefánsson äusserste sich besorgt darüber, dass unbekannte Virusmutanten aufgetaucht seien, deren Ursprünge immer noch nicht geklärt werden konnten, und bezeichnete diese Situation als “gefährlichen Moment”.
Ein israelischer Tourist hatte seinen Reiseleiter mit einer bislang unbekannten Virusmutante angesteckt, die man auch nicht in Israel findet. Zwei Personen auf einem Fussballturnier in Akranes und ein heimkehrender Ausländer mit Wohnsitz in Island zeigten die gleiche bislang unbekannte Mutante, ohne jedoch miteinander in Kontakt gestanden zu haben.

Kári befürchtet, dass es Verbindungsglieder zwischen diesen Fällen gibt, von denen man bisher nichts weiss. Er drängte im Gespräch mit mbl.is darauf, dass alle Personen, die Symptome zeigen, sich unverzüglich testen lassen.
“Wir müssen wach sein und uns schnell bewegen, wir müssen sicher sein, dass wir wirklich alles tun, um die zu finden, die in Kontakt mit dem Infizierten gekommen sind und sie in Quarantäne setzen.” sagte Kári.

Die Reykjavíker Gesundheitszentren weiten ab morgen ihre Testkapazitäten aus. Personen, die Symptome verspüren, werden dringend gebeten, sich telefonisch anzumelden und nicht einfach für den Test vorbeizufahren.

update 21.48 Uhr

Am Abend wurde ein 22. Fall bestätigt, der in Zusammenhang mit dem Heimkehrer und der Gruppeninfektion in Akranes steht. Der Heimkehrer hatte den Zweittest nicht durchführen lassen (bei dem die Infektion festgestellt worden wäre), weil er bei der Einreise ein englischsprachiges Formular ausgefüllt hatte, auf welchem keine Personenkennziffer eingetragen werden muss. Damit fiel er durch das Wohnsitz-Raster und wurde nicht zum Zweittest einbestellt.