Eiðar im Múlaþing: Keine Unterkunft für Flüchtlinge mehr

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Die Gemeinde Múlaþing im Osten Islands kann möglicherweise keine Flüchtlinge mehr aufnehmen, weil Wohnraum fehlt. Bislang waren die in der Mehrzahl ukrainischen Flüchtlinge in der ehemaligen Landwirtschafts- und Volksschule in Eiðar untergekommen. Für diese Menschen könnte es nun schwierig werden, berichtet RÚV. Viele der Ukrainer sind beim Sägewerk im Fljótsdalur beschäftigt. Bis zum Mai müssen sie eine neue Unterkunft gefunden haben.

Eiðar bietet Zimmer bis Mai
Die Gemeinde Múlaþing hatte sich wegen Wohnraummangels ursprünglich nicht an der Aufnahme von Flüchtlingen aus der Ukraine beteiligen wollen. Doch dann hatten die neuen Eigentümer der ehemaligen Schule Zimmer im Rahmen einer Auffangstation angeboten. Die meisten der anfangs 44 Bewohner haben inzwischen andere Wohnmöglichkeiten gefunden, einige wenige allerdings leben noch in Eiðar. Die einzige Option, die sich ihnen derzeit bietet, ist ein Umzug nach Akureyri, wo es in Bezug auf Wohnraum nicht viel besser aussieht.
Gerne wolle man helfen, doch die Wohnraumsituation in der Gemeinde sei angespannt, sagt die Sozialdezernentin im Múlaþing, Júlía Sæmundsdóttir. Vom Ministerium aus werden keine Auffangheime mehr betrieben, stattdessen unterstützt die Regierung Gemeinden direkt bei der Wohnungssuche für Flüchtlinge.

Schwierige Lage für Gemeinde
An der Universität Bifröst in Westisland steht Flüchtlingen weiterhin Wohnraum zur Verfügung, wenn auch nicht mehr staatlich finanziert. Im Múlaþing hat es bislang keine Gespräche zwischen Gemeinde und den Betreibern von Eiðar gegeben, letztere hatten die ehemalige Schule 2023 zu einem Ferienzentrum mit Gästehaus ausgebaut. Im November hatte der Gemeinderat sich darauf verständigt, auch weiterhin am Flüchtlingsprogramm teilzunehmen, vorausgesetzt, die Einrichtungen in Eiðar können genutzt werden.
Sollte Eidar jedoch wegfallen, befindet sich die Gemeinde in einer sehr schwierigen Lage, weil sie im Rahmen der Aufnahme von Flüchtlingen auch die Verpflichtung hat, ihnen Wohnraum zur Verfügung zu stellen.

Linksgrüner schlägt Atomkraftwerk vor, um Debatte anzuheizen

Auf der Gemeinderatssitzung im ostisländischen Múlaþing ist gestern Abend der Vorschlag, die Möglichkeit eines Atomkraftwerk in der Gemeinde zu prüfen, mit sechs zu fünf Enthaltungen abgeschmettert worden. Die Idee stammte vom Gemeinderatsvertreter der Linksgrünen, Helgi Hlynur Ásgrímsson, und auch wenn sie sich vollkommen übertrieben anhöre, so gebe es da einen ernsten Hintergrund. Er habe vor allem eine Diskussion zu den Ideen für Windradparks im Land anzetteln wollen, berichtet Vísir.
“Ich wollte die Dinge in einen grösseren Zusammenhang bringen. Diese Windparkpläne, die es da gibt, die sind doch vollkommen irre. Da wird über unglaubliche Mengen und überall im Land geredet. Ich wollte daher die Frage aufwerfen, ob es nicht sinnvoller wäre, die Möglichkeit zu prüfen, ein Atomkraftwerk zu bauen, anstelle von tausenden von Windrädern, die den Leuten sehr unsichere Energie liefern würden.” erklärte Helgi Hlynur.
Sein Wunsch ging in Erfüllung, Helgi bekam seine Debatte im Gemeinderat. Am Ende wurde sein Vorschlag von der Ratsmehrhet abgelehnt, die Opposition enthielt sich der Stimme.

Wndparks sind “irre Ideen”
In den vergangenen Jahren habe die Gemeinde, so Helgi, mögliche Standorte für Windparks innerhalb der Gemeindegrenze prüfen lassen. Um die fünf Mio. ISK seien in diese Gutachten geflossen.
“Das sind irre Ideen, die es da gibt. Ich wollte eine Diskussion anstossen.” meint der Linksgrüne.
Die Energiedebatte sei in letzter Zeit machohaft und einzig nach Kriterien der ausländischen Konzerne geführt worden, welche Möglichkeiten witterten, in grossem Stil Windparks auf der Insel zu betreiben.

Wasserkraft wäre im Zugzwang
In Anbetracht des derzeitigen Strompreises in Island sollte allen klar sein, dass diese Rechnung wirtschaftlich nicht aufgehe.
“Und wie soll diese Verwindradung dann in Bezug auf das isländische Stromnetz funktionieren? Soll Landsvirkjun die Einspeisung in das Stromnetz für die ausländischen Unternehmen ausgleichen? Soll Landsvirkjun die Produktionskapazität seiner Wasserkraftwerke erhöhen, damit es möglich wird, die Produktion bei viel Wind zu reduzieren und bei Windstille zu erhöhen, und dafür Hunderte von Milliarden ausgeben? Oder ist etwa ein Kabel nach Europa geplant?“ sagte Helgu Hlynur in seiner Rede vor dem Gemeinderat.

Am Ende einigte man sich darauf, dass die Möglichkeit eines Atomkraftwerkes in Múlaþing nicht geprüft werde, denn niemand habe Interesse an solch einem Betrieb in der Gemeinde. Der Vorschlag wurde mit sechs Nein-Stimmen zu fünf Enthaltungen abgelehnt.