Grosser Müllsammeltag im ganzen Land

Heute findet zum 7. Mal der grosse Müllsammeltag in Island statt. Organisiert wird dieser Tag vom Rotary-Club in Zusammenarbeit mit dem Umweltministerium und dem nationalen Energieversorger Landsvirkjun. Auf der Facebookseite der Veranstaltung heisst es, man rechne mit einer Rekordbeteiligung, nicht zuletzt, weil die Wettergötter sich gnädig zeigen.

Zusammen sammeln macht Spass
Staatspräsident Guðni Th. Jó­hann­es­son und Umweltminister Guðlaug­ur Þór Þórðar­son haben den Tag formell um 10.00 Uhr vor dem ehrwürdigen Gebäude Stórhöfði in Reykjavík eröffnet. Auf dem Foto sieht man Islands Präsidenten zusammen mit Kindern beim Werk.
In den Supermärkten waren in den letzten Tagen Sammelzangen angeboten worden, damit Müllsammler sich nicht bücken müssen, wenn sie teilweise stundenlang unterwegs sind. Also braucht man nur noch wetterdichte Kleidung mit Warnweste, Handschuhe, eine durchsichtige Plastiktüte und gute Laune. Die Mülltüten können rund um den Sammeltag umsonst an den Mülldeponien abgegeben werden.

Im Grossraum Reykjavík gibt es in jedem Stadtviertel einen Treffpunkt, von wo aus losgezogen wird, vielerorts sind danach Grill, Kaffee oder Eis im Angebot. Im Nordland sammeln die Menschen in Akureyri und im Kelduhverfi, im Osten wird im Stöðvarfjörður gesammelt, im Südland finden Veranstaltungen in Selfoss, Hveragerði und Eyrarbakki statt, und auch im westfirdischen Tálknafjörður ziehen Leute zusammen los, um Müll zu sammeln.
Auch ausserhalb des grossen Müllsammeltages sieht man des öfteren Leute im Strassengraben umherwandern, und mit der charakteristischen Müllzange aus dem Auto weggeworfenes Verpackungsmaterial einsammeln.

Müllentsorgung für den Einzelnen
Für Besucher des Landes ist wichtig zu wissen, dass auch organisches Material, wie Obstschalen, Papier und menschliche Hinterlassenschaften samt WC-Papier in Island nicht so verrotten wie man es aus dem Heimatland gewohnt ist. Die Temperaturen liegen im Durchschnitt zu niedrig, als dass Rottebakterien ausreichend aktiv werden.
In Island wird der Müll getrennt, in Plastik, Papier, organische Abfälle und Restmüll. Die Tonnen werden in allen Gemeinden regelmässig abgeholt, jeder Hausbesitzer entrichtet eine jährliche Entsorgungsgebühr. Jede Gemeinde betreibt einen Entsorgungshof, der meist ausserhalb gelegen zu bestimmten Zeiten geöffnet ist, manche Gemeinden bieten ein personengängiges Tor für die Entsorgung von kleinen Restmülltüten an, oder haben einen Restmüllcontainer vor dem Zaun aufgestellt.

Vor allem Touristen die als Selbstversorger unterwegs sind, wissen oft nicht, wohin mit ihrem Müll, denn öffentliche Mülltonnen gibt es in den wenigsten Orten. Bevor man Hotels oder Geschäfte mit seinen Abfalltüten bedenkt, lohnt es sich, auf der Durchfahrt nach dem Deponieschild Ausschau zu halten und sein Auto dort zu erleichtern. Hier findet man auf einer interaktiven Karte die Deponien im ganzen Land.

Isländischer Müll zur Verbrennung nach Schweden

recycling iceland

Die Unternehmensleitung des Müllverwerters SORPA verhandelt derzeit mit der schwedischen Stena Recycling AB über den Export von verbrennbarem Müll aus Reykjavík nach Schweden. Wenn alles nach Plan läuft, soll der Müll ab dem Herbst dann zur Verbrennung exportiert werden.
Damit kann isländischer Müll dann in Schweden zur Energiegewinnung genutzt werden, statt in Island auf Deponien zu landen. Schätzungen zufolge könnten jährlich um die 43.000 Tonnen Müll der Verbrennung im Ausland zugeführt werden.

Stenas Angebot lag um 35% unter dem Kostenplan der SORPA, das dürfte sich dann auch auf die Gebühren für den Verbraucher auswirken. Der Export des verbrennbaren Mülls führt dann schon in diesem Jahr voraussichtlich zu einem Rückgang von 65% der Müllmenge in der Sammelstation Álfsnes, im Vergleich zum Vorjahr. Einer Mitteilung der SORPA zufolge wird der anvisierte Export auch die Müllansammlung im ganzen Land mindern und die Müllprobleme auf kommunaler Ebene etwas erleichtern.

Müll war erst kürzlich in die Schlagzeilen geraten, nachdem bekannt geworden war, dass die Tetrapaks für Milchprodukte schon seit Jahren zur Verbrennung ins Ausland geschickt werden, obwohl sie eigentlich im Inland hätten recycled werden sollen.

 

Müll im Mer: Webseite für Strandsäuberung eröffnet

Das isländische Umweltministerium hat gemeinsam mit der Umweltbehörde eine Webseite eröffnet, auf der man eine erfolreiche Strandreinigungsaktion eintragen kann, berichtet RÚV. Island hat eine 5000 Kilometer lange Küstenlinie, die in den kommenden Jahren von Müll befreit werden soll. Auf der Webseite kann jeder Freiwillige eintragen, wo er einen Strandabschnitt gereinigt und wieviel Müll er eingesammelt hat.

Die Webseite Strandhreinsun.is war gestern online gegangen, als Umweltminister Guðlaugur Þór Þórðarson und die Leiterin der Umweltbehörde, Sigrún Ágústsdóttir, einen Strandabschnitt in Geldinganes säuberten. Sie ist Teil des Aktionsplanes Úr viðjum plastsins der Regierung in Sachen Plastik, der im September 2020 vorgelegt worden war und um die 150 Mio ISK kosten soll.

Strand ist Islands Landesgrenze
Es ist nicht so einfach, die wirkliche Mülmenge an den Stränden der Insel zu beziffern. Bislang hatten nicht genügend Daten vorgelegen, um beurteilen zu können, ob die Menge wächst oder zurückgeht. In den vergangenen Jahren hatte die Umweltbehörde die Strände überwacht und regelmässig festgehalten, wieviel Mül aus dem Meer an den Strand gelangt.
Katrín Sóley Bjarnadóttir, eine Expertin bei der Umweltagentur, gab an, die Müllmenge sei zumindest nicht grossartig mehr geworden. Im Ausland sei sie dort wo es eine regelmässige Überwachung gebe, sogar zurückgegangen. “Die Strände sind sehr unterschiedlich, jenachdem wieviel Müll sich dort verfängt. Manche sind richtige Müllfallen. Da türmt sich der Müll, während an anderen Stränden, die eher aus Sand bestehen, der Müll wieder zurück ins Meer geschwemmt wird und sich nicht an Land verfängt. Das ist sehr unterschiedlich zwischen den Strandgebieten des Landes,” beschreibt Katrín Sóley das Problem.
Nach Berechnungen der Umweltorganisation Plastic Oceans landen jedes Jahr 10 Mio Tonnen Plastik in den Weltmeeren, und etwa 70% der Gesamtmüllmenge, 15% von schwimmt auf dem Meer und 15% werden an die Strände gespült.
“Island ist eine Insel und unsere Grenze ist die Strandlinie. Wir bekommen den Müll, der überall auf der Welt im Meer landet. Das hört nicht auf, bevor diese Einleitung von Müll ins Meer nicht beendet wird,” sagt Katrín Sóley. “Der ganze lose Müll endet in der Umwelt und an den Stränden. Es ist sehr wichtig, dass das gesäubert wird, damit es den geringstmöglichen Schaden für Flora, Fauna und Mensch verursacht. Das wird nicht aufhören, eine Notwendigkeit zu sein, bevor nicht das Grundproblem vom Tisch ist,” erklärt sie.

Gefährliche Strände meiden
Jeder kann an dem Strandreinigungsprojekt teilnehmen, ganz gleich ob Einzelperson, Schulklasse, Unternehmen oder Verein. Sammelwillige registrieren einen Strandabschnitt auf der Webseite, nach erfolgter Säuberung soll der Müll gewogen und kurz beschrieben werden, um was für einen Müll es sich handelt. Die Ergebnisse erscheinen dann auf der interaktiven Karte. Die Umweltbehörde bietet während der kommenden drei Jahre auch finanzielle Unterstützung für Reinigungsaktionen.

Allerdings sollte man aufpassen dass man sich bei der Strandsäuberung nicht selbst in Gefahr bringt. Gerade die gefährlichen Strände sollten nicht aufgesucht werden. “An manchen Stränden kann man das nicht, die sind einfach nicht zugänglich. Wir würden niemals alle Strände ablaufen. Ich rate niemandem, nach Látrabjarg zu gehen und dort Müll zu sammeln,” warnt Katrín.
Sie hofft, in den kommenden Jahren Erfolge zu sehen, um dann beurteilen zu können, was zukünftig nötig ist.
Schon jetzt werden Strandabschnitte in Island regelmässig von grossen Gruppen Freiwilliger gesäubert. Das Blaue Heer etwa ist eine dieser Gruppen, und Sprecher der Organisation gehen davon aus, dass sich etwa eine Tonne Müll an jedem einzelnen Kilometer Strand in Island findet.