Bauer verschenkt seine Milch im Schneesturm

icelandic cows

Der Milchviehhof Engihlíð in Vopnafjörður hat den Leuten aus der Nachbarschaft angeboten, sich Milch am Hof abzuholen, berichtet austurfrett.is. Seit vor dem Wochenende war das Milchauto wetterbedingt nicht mehr bis zum Hof durchgekommen.
„Das war nicht möglich, bei uns Milch zu holen, und dann wurde klar, dass heute auch nichts daraus wird. Wir sind gerade in Maximalproduktion und ertrinken quasi in Milch,“ erklärt Bauer Gauti Halldórsson auf Engihlíð. „Da dachten wir, das anzubieten. Wir dürfen die Milch auf diese Weise verschenken.“

Nachfrage aus der Nachbarschaft
In letzter Zeit hätten ohnehin Leute aus der Nachbarschaft, vor allem solche mit ausländischen Wurzeln, Interesse daran gezeigt, Milch vom Hof holen zu können, um daheim Käse und andere Milchprodukte herzustellen. Mit dem seit gestern überquellenden Tank habe dann die Idee Gestalt angenommen.
„Gestern kamen ein paar. Heute ist totales Unwetter. Wir versuchen, die Milch an die Kälber zu verfüttern, den Rest müssen wir wegschütten. Man darf nicht klagen, das ist einfach so,“ meint Gauti.
Die Strassen Sandvíkurheiði und Vopnafjarðarheiði waren heute völlig unbefahrbar. Auch das Möðrudalsöræfi und die Fjarðarheiði sind wegen Schneesturms gesperrt.

Rohmilch streng verboten
In Island ist der Verkauf von Rohmilch ab Hof streng verboten, ganz gleich ob Kuh- Ziegen oder Schafsmilch. Ein Erzeuger kann allenfalls eine Verkaufslizenz beantragen und dann ausschliesslich pasteurisierte Milch vermarkten. In dem Fall wird sein Betrieb aber natürlich von den Gesundheitsbehörden regelmässig überprüft. Nur sehr wenige Milcherzeuger gehen daher diesen Weg. Alle anderen lassen ihre Milch von der Grossmolkerei MS, oder den drei kleineren Molkereien im Norden bzw in den Westfjorden abholen.
Eine kleine Gruppe von Interessierten setzt sich jedoch für die Freigabe von Rohmilch ein. Nicht nur die Slowfood-Bewegung in Reykjavík, auch die Molkerei Erpsstaðir im Westen argumentieren, dass Hygienestandards in modernen Melkbetrieben die potentiellen Gefahren, die nicht-pasteurisierte Milch mit sich bringen kann, wieder wettmachen. Immer mehr Kunden fragten nach Rohmilch. Auf einer Facebookseite sammeln die Aktivisten dazu Fachartikel und Informationen.

Preise für Milch und Milchprodukte steigen

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Der landwirtschaftliche Preisausschuss hat beschlossen, den Mindestpreis für Milch anzuheben, und zwar nicht nur den Preis, den Milchbauern von den Molkereien erhalten, sondern auch den Grosshandelspreis für Milch und Milchprodukte.
Die Preissteigerungen können auf die Kostensteigerungen in Produktion und Verarbeitung zurückgeführt werden, begründet die Regierung auf ihrer Webseite. In einer Ankündigung gab die Ministerin für Lebensmittel, Landwirtschaft und Fischerei gestern bekannt dass der Ausschuss die Preisanhebung auf allen Ebenen des Milchmarktes festgesetzt habe.

Damit steigt der Mindestpreis für den Liter Milch um 4,33% oder von 119,77 ISK (80 Cent) auf 124,96 ISK (83 Cent). Der Grosshandelspreis für Milch und Milchprodukte steigt in der Folge um 3,60%.
Seit der letzten Anhebung im Dezember 2022 waren die Kosten für Milchbauern um 4,33% gestiegen. Im gleichen Zeitraum stiegen die Kosten der industriellen Milchverarbeitung um 2,74%.

Straff organisierte Milchwirtschaft
Der Privatverkauf von Rohmilch ab Hof ist in Island streng verboten, die Bauern dürfen ihre Milch ausschliesslich an Molkereien abgeben, wenn sie keine eigene genehmigte Verarbeitung betreiben.
Ein Milchhof mit eigener Verarbeitung im Süden des Landes hat Milchautomaten aufgestellt, wo man tagesfrische pasteurisierte Milch zapfen kann. Die Zapfsäulen befinden sich in Selfoss (Krónan) und in Reykjavík (Hagkaup).

Den Löwenanteil der isländischen Milch greift die Grossmolkerei MS ab, die ihren Hauptsitz in Selfoss hat und in Egilsstaðir, Akureyri, Sauðárkrókur, Búðadalur und Reykjavík Filialen betreibt, wobei jede Filiale andere Molkereiprodukte herstellt. Neben MS gibt es die kleinen Molkereien Mjólka und Árna (ausschliesslich laktosefreie Milchprodukte), sowie die Biomolkerei Bíobú, die die Milch der drei Biomilchhöfe verarbeitet.
Ausserdem finden sich einige kleinere private Käsereibetriebe für Kuhmilchprodukte (Erpstaðir, Hvammshlíð), sowie drei Ziegenbetriebe, die Käseprodukte herstellen (Háafell, Geitagott, Háhóll, Brunastaðir), und einen Betrieb, der Schafmilchprodukte fertigt (Sauðagull).

 

Jodmangel bei Schwangeren ist Ernährungsproblem

Zum ersten Mal ist in Island bei Schwangeren Jodmangel festgestellt worden. Jodmangel kann negative Auswirkungen auf die Entwicklung des Fötus haben. Als Grund wird der verminderte Konsum von Fisch und Milchprodukten genannt. Bei den Gesundheitsbehörden sieht man die Entwicklung mit Besorgnis, berichtet RÚV.

Der fangfrische Fisch auf dem Teller gehört in Island der Vergangenheit an. Wo früher mehrmals pro Woche Fisch verzehrt wurde, essen heute vor allem junge Frauen so gut wie keinen Fisch mehr. Nach Angaben von Hólmfríður Þorgeirsdóttir aus der Abteilung für Ernährung beim Gesundheitsamt ernährt sich gerade mal ein Prozent der jungen Frauen nach den Empfehlungen, und hier sei man besonderes wegen der jüngsten Altersgruppe besorgt.
Gründe für den stark zurückgegangenen Fischkonsum gibt es zahlreiche. Unter anderem die Tatsache dass frischer Fisch ziemlich teuer ist, aber auch dass junge Menschen gar nicht mehr wissen wie man Fisch zubereitet, und dann lieber Fast food essen.

Zum ersten Mal fand man nun auch einen Jodmangel bei Schwangeren. “Das ist wirklich besorgniserregend, weil Jod sehr wichtig für diese Altersgruppe ist, Jod ist wichtig für die Bildung von Schilddrüsenhormonen, die wiederum wichtig für Körperfunktionen sind, und unter anderem während der Schwangerschaft,” erklärt Hólmfríður. Ein Jodmangel kann Wachstum und Entwicklung des Fötus verzögern.
Jodmangel entsteht jedoch auch durch das Weglassen von Milch aus der Ernährung. Die Ärztin hält es für wichtig, junge Frauen zu Fisch- und Milchkonsum zu ermuntern.
Da das allerdings bislang wenig Wirkung zeigt, müssen andere Lösungen her. Einem Artikel in der Ärztezeitschrift Læknablaðið zufolge prüft man nun, ob der Zusatz von Jodsalt im Brot ein gangbarer Weg wäre.