Schwerbehinderte zahlen 50-75% ihrer Rente für Miete

Erst Ergebnisse einer Umfrage des Instituts für Gesellschaftswissenschaften für den isländischen Schwerbehindertenverband ÖBÍ weisen darauf hin, dass jeder zehnte Schwerbehinderte mehr als 75 Prozent seiner monatlichen Mittel für Wohnen ausgibt. In den meisten Fällen wird davon Miete bezahlt.
Die finanzielle Mietbelastung behinderter Menschen liegt einer weiteren Studie zufolge sogar weit über den Landesdurchschnitt, demnach muss ein Drittel der Behinderten mehr als 50 Prozent für die monatliche Miete aufwenden, berichtet Vísir.

Þuríður Harpa Sigurðardóttir, die Vorsitzende des Schwerbehindertenverbands, gab an, die Entwicklung bereite grosse Sorge, denn immer häufiger seien Betroffene gezwungen, sich an den Verband zu wenden, weil sie den Monat finanziell sonst nicht überlebten. Die Kosten für Wohnung, Lebensmittel, Medikamente und medizinische Versorgung seien gestiegen, die Renten der Betroffenen hätten sich jedoch nicht im Einklang mit den Preissteigerungen für lebensnotwendige Güter verbessert.

Behinderte müssten mit um ein Viertel niedrigeren Zahlungen als der monatliche Mindestlohn auskommen, die derzeitige Inflation verstärke das Problem nur noch weiter. “Besonders hart wirkt sich das auf Kinder von Schwerbehinderten aus, die kaum an gesellschaftlichen Unternehmungen teilnehmen können. Am schlimmsten aber stehen schwerbehinderte Alleinerziehende mit ihren Kindern da.”
Nach Angaben der Schuldnerberatung kommt fast die Hälfte aller Hilfegesuche von Personen mit Behinderungen. Diese Zahl habe sich seit 2016 verdoppelt.

Mieterverband sieht Ausnahmezustand auf dem isländischen Mietmarkt

architecture downtown Reykjavík houses

Die bevorstehenden Gemeindewahlen in Island thematisieren hauptsächlich den „Notstand auf dem Wohnungsmarkt“, wie ein Sprecher des isländischen Mieterverbandes sagt. Seit dem Jahr 2005 hat sich die Zahl der Personen, die mehr als eine Wohnung besitzt, nahezu verdoppelt, berichtet RÚV.
Der Mieterverband war gestern im Kex Hostel zusammengetroffen, um von den Kandidaten der Gemeindewahl Antworten darauf zu verlangen, wie sie die hoffnungslose Wohnsituation für Mieter in Reykjavík lösen wollten.

Mietmarkt mit Absicht leergefegt
In einem Interview mit RÚV hatte der Sprecher des Mieterverbandes, Guðmundur Hrafn Arngrímsson, angegeben, man lasse die Mieter mit der langsamen Entwicklung des Wohnungsmarktes in der Hauptstadtregion durch ständige Mieterhöhungen gezielt leiden und setze sie grösserer Unsicherheit und dem Verlust ihres sozialen Status aus.
Der Verband sagt, das Unternehmen und reiche Personen den Immobilienmarkt aus Profitgier leergesaugt hätten, auf der anderen Seite hätten Investoren keinen Ehrgeiz, die Entwicklung voranzutreiben, weil ein langsames Bautempo und Wohnungsmangel eine höhere Mieteinnahme garantieren.

RÚV nannte gestern eine Reihe von Tatsachen, die den Wohnungsmarkt in Island charakterisieren:
– Seit 2005 hat sich die Zahl der Personen, die mehr als eine Wohnung besitzt, nahezu verdoppelt (von 11.000 auf 22.000)
– Der Mietpreis hat sich in einem Jahrzehnt verdoppelt. Zur gleichen Zeit sind die Mieten in anderen Teilen Europas nur um 15 Prozent gestiegen.
– Einer aktuellen Umfrage nach, die von der Bau- und Wohnungsbehörde durchgeführt worden ist, wählen nur 10 Prozent aller Mieter bewusst, zur Miete zu wohnen. 25 Prozent befinden sich aus Notwendigkeit auf dem Mietmarkt, und zwei Drittel mieten vorübergehend.
– Mehr als 10 Prozent aller Mieter investieren 70 Prozent ihrer Einnahmen in die Mietkosten, wobei der Anteil des sozialen Wohnungsbaus trotz hoher Nachfrage in Island sehr niedrig ist.
Nach Angaben des Mieterverbandes haben Personen über 35 Jahren sehr geringe Möglichkeiten, dem Mietmarkt zu entkommen. 63 Prozent der jungen Erwachsenen über 24 leben noch bei ihren Eltern , und 39 Prozent unter 29 Jahren.