Erdbebenschwarm am Fagradalsfjall, Vulkanausbruch ist möglich

Von gestern Morgen 10 Uhr bis heute Mittag sind mehr als 1600 Erdbeben am Fagradalsfjall auf der Halbinsel Reykjanes aufgezeichnet worden. Die Beben waren im ganzen Südwesten und bis nach Borgarnes zu spüren gewesen. Der isländische Zivilschutz war heute morgen mit Polizei und Einsatzkräften zu einer Lagebesprechung zusammengetroffen. Kurz darauf wurde für die Region die Ungewissheitsstufe ausgerufen. Diese zweite Warnstufe ermöglicht Einsatzkräften im Ernstfall ein schnelleres Handeln. Der Flugcode ist bislang unverändert, aber der Farbcode des Wetterdienstes ist in orangefarben geändert worden.

Landhebung seit April im Gange
Das Land auf der Halbinsel hatte sich bereits im April zu heben begonnen. Bis gestern hatte es jedoch keinerlei Anzeichen dafur gegeben, dass ein Vulkanausbruch bevorsteht. Um 10 Uhr gestern Morgen begann dann jedoch am Fagradalsfjall ein Bebenschwarm, der immer noch anhält. Das stärkste Beben hatte eine Stärke von 4,8 heute Morgen um 8.21 Uhr, um 10 Uhr folgte eines mit einer Stärke von 4,1.
In einem Report der Erdbebenabteilung beim isländischen Wetterdienst heisst es, dass schon im Juni über tausend Erdbeben registriert wurden, größtenteils beim Erdwärmekraftwerk Svartsengi, am Fagradalsfjall und am See Kleifarvatn. Die tiefe seismische Aktivität hat dem Bericht zufolge bereits seit Jahresbeginn zugenommen. Aktuelle Gas- und Temperaturmessungen zeigen, dass das Lavafeld, das sich im August 2022 in die Meradalir ergossen hatte, immer noch ausgast. An einigen Stelle waren Temperaturen von über 219 Grad gemessen worden. Modellen zufolge könnte es sich um einen Magmaeinschuss in 15 Kilometern Tiefe handeln.

Intrusion ähnlich wie vor dem letzten Ausbruch
Die Region wird engmaschig überwacht. In einem Interview mit RÚV hatte der Experte für Naturkatastrophen, Magnús Freyr Sigurkarlsson am Morgen angegeben, die Intrusion könnte sich in einer Tiefe von fünf Kilometern zutragen, dort gebe es offenbar eine Magmaansammlung. Die Entwicklung sei ähnlich der im vergangenen Jahr kurz vor dem Ausbruch, damals hatte es ebenfalls eine Intrusion gegeben, und fünf Tage später war die Lava an der Erdoberfläche zu sehen gewesen.
“Wenn das so weitergeht, gibt es die Möglichkeit eines Ausbruchs innerhalb weniger Tage,” sagte Magnús. Es habe auch den Anschein, als ob die Erdbeben näher an die Erdoberfläche gestiegen seien.
Der Vulkanologe Magnús Tumi Guðmundsson sagte Vísir gegenüber, die Magma habe es diesmal eher leicht, voranzukommen, weil das Gestein noch sehr heiss und durchlässig sei. Aber auch diesmal sei es ungewiss, ob es ihr gelinge, die Erdoberfläche zu durchstossen oder nicht. Wenn die Entwicklung unverändert so weitergehe, bestehe eine hohe Wahrscheinlichkeit für einen Ausbruch.

Gelände ist Gefahrengebiet
Touristen werden dringend davor gewarnt, das alte Lavagebiet zu betreten. Stellenweise ist die Oberfläche sehr dünn, und man kann sich schwer verletzten, wenn man durch die Lava bricht. Vielerorts ist es unter der Oberfläche noch sehr heiss. Ausserdem besteht durch die Erdbeben die Gefahr von Steinschlag und Bergrutsch. Die freiwillige Rettungseinheit Þorbjörn aus Grindavík steht für den Einsatz bereit, immerhin haben sich seit dem letzten Ausbruch pro Tag bis zu 800 Besucher auf demn Wanderwegen im Gelände befunden. Bislang stehe keine Sperrung des Gebietes an.

Die Erdbebenaktivität kann man auf dieser interaktiven Karte mitverfolgen.

 

Rettungswacht beendet Einsatz in den Meradalir

iceland eruption 2022

Die freiwilligen Mitglieder der Rettungswacht befinden sich in den Meradalir nicht mehr im Einsatz, weil es auf der Halbinsel keine vulkanische Aktivität mehr gibt und auch die seismische Unruhe stark rückgängig ist. Dies geht aus dem Statusbericht hervor, den die Koordinierungsstelle des Zivilschutzes veröffentlicht hat.
Dafür sollen nach dem Wochenende dann Ranger die Aufsicht im Gelände übernehmen.

Es ist verboten, über die Lava zu laufen, sowohl über die vom letzten Jahr als auch über die neue Lavadecke, unter anderem aus Naturschutzgründen.
Aus dem Statusbericht geht ebenfalls hervor, dass die Rettungswacht in Notfällen auch weiterhin Einsätze fahren wird.
Noch gilt für das Gebiet die Gefahrenstufe, die Situation soll aber in der kommenden Woche erneut geprüft werden.
Zusätzlich zu den Rangern befinden sich zwei Teams von Polizisten und Rettungssanitätern im Gelände, die nach Angaben des Zivilschutzes bislang alle Probleme hatten lösen können.
Schätzungen zufolge besuchen immer noch 1000 bis 1500 Schaulustige das Gebiet jeden Tag.

 

Meradalir: Vulkanausbruch in Pause, keine Aktivität zu sehen

Meradalir eruption, August 2022

Der Vulkanausbruch in den Meradalir ist entweder beendet oder legt eine Pause ein. Seit gestern Morgen gibt es keine Anzeichen von Tremor oder vulkanischer Unruhe mehr, zitiert Vísir die Expertin für Naturkatastrophen, Lovísa Mjöll Guðmundsdóttir, vom isländischen Wetterdienst.
“Wir überwachen das weiterhin, denn beim letzten Ausbruch war es so, dass einige Tage zwischen dem Rückgang der Aktivität und einem erneuten Aufleben vergingen. Das schauen wir uns also ganz genau an,” erklärte Lovísa Mjöll. Beim Vulkanausbruch in der Holuhraun im Jahr 2015 hatte es ähnliche Pausen gegeben, erklärte ihre Kollegin Sig­ríður Magnea Óskars­dótt­ir.

Noch sei es zu früh, den Ausbruch offiziell für beendet zu erklären. Normalerweise geschehe das erst drei Monate nach der letzten vulkanischen Aktivität. Der Ausbruch in den Meradalir hatte am 3. August 2022 begonnen.

Meradalir: Zwei Ranger sind Tropfen auf den heissen Stein

Meradalir eruption, August 2022

Mehr als 13.000 Menschen haben den Vulkanausbruch in den Meradalir am Wochenende besucht. Eine grosse Anzahl dieser Besucher war für die 14 Kilometer lange Wanderung zu schlecht ausgerüstet, sagen Mitglieder der Rettungseinheiten. Islands Regierung hatte versprochen, den Dauereinsatz der Freiwilligenorganisation Landsbjörg durch Ranger zu ersetzen, doch die wären nur ein Tropfen auf den heissen Stein, meint der Grindavíker ICE-SAR Leiter Bogi Adolfsson.

“Am Ende haben wir viele verschiedene Aufgaben erledigt, wir haben den Parkplatz gemanagt, den Verkehr geregelt, der Polizei geholfen, alles mögliche transportiert, auch verletzte Besucher, und wir haben ihnen sogar zu essen gegeben,” erklärte Bogi RÚV gegenüber.  “Ranger helfen schon, aber zwei, oder zwei Planstellen, ich weiss nicht, was die Regierung da genau versprochen hat, das ist nur die Hälfte von dem was wir brauchen, finde ich. Ein Tropfen auf dem heissen Stein.” Bogi will mehr Polizei vor Ort sehen, was natürlich mehr Personal in der Polizeistation Suðurnes verlangt.
“Wenn die Regierung da nicht mehr investiert, damit das läuft, dann ist natürlich ganz einfach, dann annoncieren wir nach Leuten aus der Regierung, um den Freiwilligenjob mit uns zu machen,” sagt Bogi.

Dauereinsatz von 35 Rettungseinheiten
Seit Beginn des Vulkanausbruchs am 3. August haben mehr als 35 Rettungsteams mit mindestens 350 Freiwilligen an den Projekten rund um den Vulkan teilgenommen. Unter anderem hatten Freiwillige zu Beginn des Ausbruchs bei schlechtestem Wetter Holzpfosten für einen Wanderweg in die Berge geschleppt. Das Ausbruchsgelände befindet sich auf Privatland, und die Einnahmen vom Parkplatz gehen an die Landbesitzer, die das Geld für bauliche Massnahmen nutzen wollten.
ICE-SAR-Leiter Otti Sigmarsson schrieb in einem Facebook-Beitrag, einen touristischen Ort vollzeit zu überwachen gehöre nicht zu den typischen Aufgaben von Rettungsteams. Wie auch Bogi ruft Otti nach einer Verstärkung der Polizeimannschaft, nach mehr Geld für die Zivilschutzabteilung der Polizei, nach Rangern und anderen Möglichkeiten, um das Gelände jeden Tag zu überwachen. Die Rettungsteams könnten dann endlich wieder das tun, wofür sie ursprünglich geschaffen wurden: Einsätze bei Notfällen fahren.

Die Behörden hatten immer wieder betont, dass die Wanderung zu den Kratern nichts für Unerfahrene oder schlecht vorbereitete Besucher sei. Das aber hat so manchen nicht davon abgehalten, ohne Proviant oder Wasser und ohne Ausrüstung loszuziehen. Trotz des Verbots für Kinder unter 12 Jahren waren auch gestern wieder zahlreiche Kleinkinder auf dem Wanderweg zu sehen gewesen.

 

Touristen in Lebensgefahr am Krater mit Drone verscheucht

Wenn Vulkanbesucher sich selbst in eine Notlage begeben und in der Lava landen, gibt es kaum Hilfe für sie. Ein Video von gestern zeigt zwei Touristen unterhalb des Kraters in den Meradalir und in unmittelbarer Nähe eines glühenden Lavaabflusses. Das Dronenvideo stammt von Ísak Atli Finnbogason, der die Bilder seiner Drone gerade streamte, als er die beiden Wanderer auf der frischerstarrten Lava kurz unterhalb des Kraters entdeckte.

Im Gespräch mit Vísir berichtet Ísak, er habe sich daraufhin entschlossen, die beiden mit seiner Drone aufmerksam zu machen, in welcher Gefahr sie sich befanden, denn die Lava in dem Abfluss hätte sich jederzeit einen neuen Weg bahnen und die Touristen mitreissen können. Doch der Dronenversuch glückte: als die beiden Abenteurer das Fluggerät entdeckten, machten sie sich davon.

Sicherheit der Einsatzkräfte geht vor
Der Polizeileiter der Direktion Suðurnes gab an, es sei schwer, Leute aus solch einer Lage zu retten. Zum Glück sei es bislang nicht zu lebensgefährlichen Situationen gekommen.
“Bislang ist das ganz gut gegangen, aber da ist immer einer, der auf die frische Lava hinausläuft. Das passt uns natürlich nicht, aber wer immer das unternimmt, tut dies auf eigene Veantwortung. Wenn Leute in der Lava verschwinden, können wir eh kaum was machen.” sagt Polizeichef Úlfar Lúðvíksson.
Man könne Strafen verhängen, wenn Leute sich nicht an die Anweisungen der Polizei halten, dazu gehöre auch das Betreten der Lava. Doch Strafen verhängen wolle man eigentlich lieber nicht, und bisher hätten die Touristen sich auch an die Anweisungen gehalten.

Klar sei jedoch, dass man Touristen, die sich so nah an die Krater begeben, nicht hinterherlaufe. “Das ist unglaublich schwer für uns, diese Leute am Schlawittchen zu halten. Wir versuchen natürlich, die da runterzuholen, aber wir schicken keine Einsatzkräfte in die Gefahrengebiete. Das tun wir nicht, wir sorgen erst für die Sicherheit unserer Leute, bevor wir daran denken, andere zu retten.”

An diesem Wochenende hat der Vulkanausbruch in den Meradalir eine Rekordbesucherzahl erlebt, mehr als 10.000 Besucher sind an den Zählern der Tourismusbehörde vorbeigelaufen. Auch in diesen Tagen hatte Familien mit kleinen Kindern der Zugang zum Gelände verwehrt werden müssen, denn seit letzter Woche dürfen Kinder unter 12 Jahren aus Sicherheitsgründen nicht mehr zum Vulkan. Siebzehn Personen hatten Hilfe benötigt, weil sie sich verletzt hatten oder zu erschöpft waren, um weiterzulaufen.

 

Egilsstaðir als Flughafenalternative im Rennen

Die Gemeindeverwaltung im ostisländischen Bezirk Fljótsdalshérað möchte die Infrastruktur des Flughafens von Egilsstaðir stärken und ausbauen, nachdem die seismische Aktivität auf der Halbinsel Reykjanes offenbar ein längerfristiges Phänomen zu werden scheint, berichtet RÚV.

Wissenschaftler hatten schon zuvor Vermutungen angestellt, dass die Eruptionen aus dem letztem und diesem Jahr den Beginn einer neuen und langen Periode vulkanischer Unruhe auf der Halbinsel markieren, welche Gefahren für den internationalen Flughafen in Keflavík mit sich bringen. Der Flughafen liegt an der Spitze der Halbinsel, auf dem Gebiet des ehemaligen amerikanischen Militärstützpunktes. Es gibt mit Reykjanesbraut nur eine direkte Strassenverbindung zwischen Reykjavík und dem Flughafen, sowie einen Umweg an der Südküste entlang.

Der Südküstenweg könnte wie schon im letzten Jahr während des Ausbruchs am Fagradalsfjall durch Lavafluss bedroht werden, denn das Meradalir ist beinahe gefüllt. Bislang ist unklar, in welche Richtung die Lava von dort aus fliessen könnte, Suðurstrandavegur ist eine Möglichkeit. In diesem Fall wäre die Strassenverbindung zwischen den Orten Grindavík und Þorlákshöfn auf unbestimmte Zeit abgeschnitten.

Alternativflughafen geniesst breite politische Unterstützung
Führende Politiker, darunter Premierministerin Katrín Jakobsdóttir und Infrastrukturminister Sigurður Ingi Jóhannsson, sind einer Meinung über die Wichtigkeit einer Flughafenalternative an einem anderen Ort der Insel.
Egilsstaðir im Osten ist nicht die einzige Stadt, die sich um Entwicklungsgelder bemüht. In der vergangenen Woche hatte die Abgeordnete der Fortschrittspartei, Halla Signý Kristjánsdóttir sich für einen Flughafen in Mýrar im Borgarfjörður starkgemacht. Auch Akureyri im Norden der Insel ist im Gespräch gewesen.

Vilhjálmur Jónsson, einer der Lokalpolitiker der Region Fljótsdalshérað, hält Egilsstaðir für ausgesprochen geeignet. “Die Bedingungen in Egilsstaðir sind in vielerlei Hinsicht geeigneter und ich denke auch dass wenn es diese wöchentlichen Unterbrechungen gibt, es gut wäre, den Flugverkehr auf andere Flughäfen zu verteilen, falls es da einen grösseren Vorfall gibt.”
Die Lage sei ja nicht neu. “Aber diese Erdbeben in Reykjanes werden die Sache jetzt vielleicht endlich vorantreiben.”

Reykjanes: Kinder unter 12 Jahren haben keinen Zutritt mehr zum Vulkangebiet

Meradalir eruption, August 2022

Kinder unter 12 Jahren dürfen das Vulkangebiet in den Meradalir nicht mehr betreten, berichtet RÚV. Der isländische Zivilschutz hat dies gemeinsam mit der Polizeidirektion Suðurnes und den übrigen Einsatzkräften heute morgen auf einer Sitzung beschlossen.
Das Gebiet ist auch heute wetterbedingt gesperrt, bereits seit Sonntag ist die Sperrung gültig. Morgen früh um 8.30 Uhr wird entschieden, ob der Zugang wieder geöffnet werden kann. In der Region herrscht Starkregen, stürmischer Wind und richtig schlechtes Wetter.
Der Weg zur Eruption ist um 17 Kilometer lang, er führt durch steiles, steiniges Gelände und ist nur für geübte, gut ausgerüstete Bergwanderer geeignet. Die Strassenverwaltung arbeitet zur Zeit an Planierung und Kennzeichnung besserer Wanderpfade.

Gasentwicklung für Kinder gefährlich
In den vergangenen Tagen waren mehrere Personen mit Kleinkindern am Vulkan angetroffen worden, unter anderem ein deutsches Brautpaar mit zweijährigem Kind für ein Fotoshooting, und ein Touristenpaar mit zwei Kleinkindern, letztere Wanderer waren so erschöpft und durchnässt, dass sie die Rettungskräfte um Hilfe bitten mussten. Freiwillige berichteten von weiteren totmüden Kindern, die von ihren Eltern zum Auto gezogen werden mussten.
Von Beginn des Vulkanausbruchs an war klar kommuniziert worden, dass die Gasentwicklung in den Meradalir stärker ist und Kindern und Hunden aufgrund ihrer geringen Grösse lebensgefährlich werden kann.
“Das ist ein Problem gewesen.” sagte Polizeichef Úlafur Lúðviksson Vísir gegenüber. “Wir versuchen, die Interessen der Kinder zu wahren. Das tue ich auf diese Weise.”

Noch mehr Kontrolle und bessere Sperrungen
Die Einsatzkräfte hoffen, heute keine Besucher in den gesperrten Gebiet anzutreffen, nachdem gestern Abend gleich zwei Touristengruppen hatten gesucht werden müssen. Eine Gruppe hatte sich verlaufen, und bei extrem schlechter Sicht hatte zunächst selbst der Rettungshubschrauber seine Suche abbrechen müssen. Die andere Gruppe war durchnässt und erschöpft gewesen und benötigte Hilfe. “Das lief noch mal gut gestern,” sagt Úlfar, “aber wir hatten uns das so nicht gedacht.”

Damit die Sperrung auch wirklich für jeden verständlich ist, wird heute noch mehr Aufsichtspersonal im Gebiet unterwegs sein, um Wanderer zurückzuschicken, ausserdem gibt es eine grosse Sperrung am Suðurstrandavegur.
“Wir verfügen jetzt über bessere und mehr Sperrvorrichtungen, ausserhalb des Vulkangebietes selbst und ich schätze, da werden sich heute nicht mehr viele Touristen im Gebiet selbst sehen lassen.”

update 12.45 Uhr
Gegen Mittag bestätigte die Polizei, dass sie das Recht hat, bei Zuwiderhandlung Strafen zu verhängen. In Paragraph 23 des Zivilschutzgesetzes heisst es unter anderem, dass die Polizei bei Gefahr im Verzug berechtigt ist, den Verkehr zu regeln, das Verweilen oder Betreten bestimmter Gebiete zu verbieten, abzuzäunen und Zutritt zu verwehren, sowie Personen abzuweisen oder zu entfernen.

 

Reykjanes: Erste Verletzte auf schwerer Wanderung zum Ausbruch

björgunarsveitin þorbjörn

Zwei Personen haben sich verletzt, als sie den gestern begonnenen Vulkanausbruch auf der Halbinsel Reykjanes besuchen wollten. Eine Person brach sich den Knöchel, und musste mit dem Hubschrauber der isländischen Küstenwache ins Krankenhaus gebracht werden. Einige Personen benötigten Hilfe vor Ort, weil sie sich auf dem Weg verletzten. Vermutlich tausende haben die neue Eruptionsstelle gestern besucht, obwohl die Behörden gewarnt hatten, dass die Wanderung lang und beschwerlich ist und nichts für unerfahrene und schlecht ausgerüstete Abenteurer.

17 Kilometer, nichts für Ungeübte
Der Ausbruch befindet sich in den Meradalir, nördlich des ehemaligen Ausbruchsgebietes am Fagradalsfjall, es sind daher 17 Kilometer durch steiles, unwegsames Gelände zurückzulegen.
Der Leiter der Polizeidirektion Suðurnes, Úlfar Lúðvíksson, erinnerte die Öffentlichkeit daran, dass diese Wanderung nicht für jeden geeignet ist. Viele nächtliche Besucher hätten nicht mal Taschenlampen dabeigehabt.
Obwohl das Offroadfahren in Island auch weiterhin verboten ist und richtig teuer werden kann, sind letzte Nacht mehrere Personen dabei erwischt worden, wie sie sich den Weg bequemer machten.

Gasgefahr für Kinder und Hunde
Das austretende giftige Gas ist neben dem beschwerlichen Weg wohl die grösste Gefahr in der Nähe der sprudelnden Lava. Die Behörden warnen davor, Kinder und Hunde mitzubringen, denn die Gase befinden sich in Bodennähe.
Das ruhige, windstille Wetter sorgt ebenfalls dafür, dass sich Gas in den Niederungen ansammelt. Morgen werden Gasmessgeräte in dem Gebiet aufgestellt.

Reykjanesausbruch: Lava glich einem orangefarbenem Dettifoss

Die Lavabesucher, die das Glück besassen, am frühen Donnerstagmorgen auf dem Fagradalsfjall zu sitzen, wurden für ihre Mühen mit einem Naturschauspiel belohnt: sie erlebten mit, wie sich ein glühender Schwall frischer Lava über einen Berg in die Tiefe ergoss. Zum Glück für die Daheimgebliebenen nahm der Geologe Daníel Páll Jónasson den Anblick auf Video auf:

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“Das war als ob man neben einem orangefarbenen Dettifoss stehen würden,” beschrieb Daníel sein Erlebnis. Dettifoss ist der mächtigste Wasserfall Europas.
Daníel ist seit Beginn des Ausbruchs regelmässig in den Geldingadalir gewesen. Das Video entstand bei seinem 27. Besuch, und immer noch empfindet er den Anblick des Vulkanausbruchs berührend. “Unglaublich, danebenzustehen. Total wild.”

Die Lava ergoss sich über eine Anhöhe in die Syðri-Meradalir, von dort aus fliesst sie nach Nátthagi. Der Professor für Vulkanologie, Þorvaldur Þórðarsson, erklärt, nun sei Nátthagi wieder aktiv, und man warte darauf, dass die Lava den Schutzwall am Ende des Tales überwinde. Bei der jetztigen Geschwindigkeit rechne man mit zwei Wochen bis zu dem Ereignis. Vom Schutzwall aus ist es nur noch ein kurzes Stück zum Suðurstrandavegur, und zum Meer. Auf diese möglichen Ereignisse hatten sich Behörden und Einsatzkräfte schon vor einigen Wochen intensiv vorbereitet.

Mbl.is veröffentlichte heute auch ein neues Drohnenvideo des Fotographen Björn Steinbekk, welches Eindrücke über die Grösse des Ausbruchsgebietes vermittelt.

 

Reykjanesausbruch: Schutzwall geplant, um Lava vom Suðurstrandavegur wegzulenken

Der Vulkanausbruch in den Geldingadalir, dessen Lavafeld in der vergangenen Woche den Namen Fagradalshraun erhalten hatte, ist inzwischen zweimal so kräftig wie zuvor. Das hatten letzte Messungen des geologischen Institutes ergeben. Der Zivilschutz befindet sich in Alarmbereitschaft, um einen Schutzwall aufzuschütten, damit die Lava nicht in das Tal Nátthagi läuft und von dort aus auf den Suðurstrandavegur, berichtet Vísir.
Mit dem veränderten Rhythmus und der hochschiessenden Fontäne hat sich auch die Fördermenge der Lava erhöht. Inzwischen können 13 Kubikmeter pro Sekunde gemessen werden, zuvor waren es acht Kubikmeter gewesen.

Auf einem 3D Modell des Naturkundeinstitutes ist zu erkennen, dass die Lava sowohl die Geldingadalir gefüllt hat, als auch in ein namenloses Seitental der Meradalir gelaufen ist. Dorthin und hinab in die Meraldalir läuft zur Zeit auch die meiste Lava. Nátthagi ist nur einen Abhang davon entfernt, doch dort will niemand die Lava haben.
“Dann läuft sie auf den Suðurstrandavegur, und dann hat das ernsthafte Auswirkungen auf die Infrastruktur, also auf die Strasse und den Verkehr,” erklärte Rögnvaldur Ólafsson,der stellvertretende Leiter des isländischen Zivilschutzes der Polizei.

(Screenshot Vísir)

Einen Schutzwall hat man bereits entworfen. Rögnvaldur schätzt, dass die beidseits des namenlosen Tals vorgesehenen Wälle an die vier Meter hoch ausfallen. Man könne schweres Gerät ohne lange Vorwarnzeit in das Tal bringen und die Wälle aufschütten.
“Am Freitag war es fast soweit gewesen. Da strömte erneut Lava in das namenlose Tal und wir sassen in den Startlöchern, um damit zu beginnen.” Doch dann stellte sich die Lavamenge als geringer heraus, ausserdem floss sie in eine andere Richtung, sodass das Vorhaben erst mal gestoppt wurde.

Lavabomben und Gasgefahr
Heute hatte sich auch der wissenschaftliche Beirat des Zivilschutzes getroffen. In einer Mitteilung des Rates hiess es, die Gesamtfläche der Lava betrage inzwischen 1,78 Quadratkilometer, mit einem Gesamtvolumen von 30,7 Millionen Kubikmetern. Mit dem vermehrten Lavafluss steige auch die ausströmende Gasmenge.

In den vergangenen Tagen war die Lavafontäne bis zu 300 Meter in die Höhe geschossen. Bei einer Windstärke von 15 m/s können da Lavabomben bis zu 600 Meter weit fliegen. Die glühenden Brocken haben an einigen Stellen bereits Moos und Vegetation in Brand gesetzt. Der entstehende Qualm ist stark kohlenmonoxidhaltig. Feuerwehrleute würden Atemmasken benutzen, wenn sie sich in das Gebiet begeben müssten, hiess es in der Mitteilung.

Für alle, die das Spektakel aus der Ferne beobachten, gibt es eine neue Webcam von Vísir, die auf die Fontäne ausgerichtet ist, und die nach Bedarf gedreht werden kann. Betrachter in Island werden gleichzeitig mit Musik versorgt.