Lachsflucht in den Westfjorden: Polizei stellt Ermittlungen ein

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Die Polizeidirektion der Westfjorde hat ihre Ermittlungen im Fall der Lachsflucht beim Fischzuchtkonzern Arctic Sea Farm ehf. eingestellt. Im August waren im Patreksfjörður um die 3500 Zuchtlachse aus einem Meeresgehege in die freie Natur entkommen. Im September hatte MAST den Fall zur Anzeige gebracht.

In einem Facebookbeitrag der Polizeibehörde heisst es, die Ermittlungen seien eingestellt worden, weil es keine Grundlage gebe, um sie weiter voranzutreiben. Aus den Akten gehe nicht hervor, dass die Ausrüstung der Meeresgehege aufgrund von Handlungen oder unterlassenen Handlungen mangelhaft gewesen sei, oder dass es sich um ein grosses Verschulden handle.
Dem Gesetz nach haftet die Unternehmensleitung mit Geldstrafen oder Gefängnis von bis zu zwei Jahren, wenn Zuchtfische aus einer Zuchtanlage in die freie Natur entkommen, wenn die Ausrüstung vorsätzlich oder durch Leichtsinn mangelhaft war, heisst es in einer Mitteilung von MAST.

Der Sportangler Elías Pétur Viðfjörð Þórarinsson war einer der ersten, der seinerzeit die vielen Zuchtlachse in den Flüssen entdeckt hatte. “An einem Tag fingen wir sechs Zuchtfische, die sich alle in sehr schlechtem Zustand befanden. Die hatten offene Wunden, zerfetzte Flossen und waren voller Lachsläuse. Wir fingen auch Wildlachs, und der war auch voller Lachsläuse, und wir waren überrascht, dass da kein Mitarbeiter der Fischereibehörde unterwegs war, um die entkommenen Zuchtfische in den Flüssen zu suchen.“ sagte Elías Vísir gegenüber.
Im Herbst wurden dann Spezialtaucher aus Norwegen ins Land geholt, die die entkommenen Lachse in den Flüssen aufspürten und vor Ort töteten.

 

Lachszucht im Mjóifjörður: Ausschreibung auf Eis und Warten auf ein neues Gesetz

Auch der stille Mjóifjörður im Osten Islands ist vor den grossen Lachszuchtkonzernen nicht mehr sicher: zwar wird vorerst nichts aus einer Ausschreibung für neue Lizenzen, bevor der Gesetzgeber nicht ein Gesamtziel für die Branche formuliert und auf die Kritik des isländischen Rechnungshofes reagiert hat. Bereits vorliegenden Anträge auf Zuchtgebiete, die von der Ausschreibung nicht betroffen sind, werden allerdings dennoch bearbeitet, berichtet RÚV.

Die Ausschreibungen für Lachszuchtgenehmigungen im Mjóifjörður liegen solange auf Eis, wie die Überprüfung des Rahmenwerk für die meeresgestützte Fischzucht dauert. Die Ministerin für Fischerei, Landwirtschaft und Lebensmittel, Svandís Svavarsdóttir, hat für die Parlamentssaison 2024 einen Gesetzentwurf in Aussicht gestellt, der die industrielle Fischzucht in Island in eine klare Bahn bringen soll.

Lachszucht auf Ausschreibung?
Der Mjóifjörður in den Ostfjorden, der “enge Fjord”, könnte der erste Fjord des Landes werden, wo die meeresgestützte Fischzucht auf gesetzlicher Basis ausgeschrieben wird. Das funktioniert jedoch nicht rückwirkend, daher gehen die Standorte etwa in Seyðisfjörður und Stöðvarfjörður an die Parteien, die sie zuerst beantragt hatten.
Mit 75% hat sich in Seyðisfjörður ein grosser Teil der Bevölkerung gegen diese Industrie ausgesprochen, wie die Abgeordnete der Linksgrünen, Jódís Skúladóttir, gestern in einer Rede vor dem Parlament darlegte.
Sie sei gekommen um von dem “Horror” zu sprechen, der in ihrem Wahlkreis daheim gerade geschehe, und es sei beispiellos, dass weder Regierung noch Kommune oder sonst wer auf 75% der Einwohner hören könne, die dagegen seien. Es könne nicht sein, dass die industrielle Fischzucht auf Verlangen ausländischer Investoren einfach durchgedrückt werde.

Belastungsempfehlung für Mjóifjörður steht aus
Für den Mjóifjörður hatte das Marineforschungsinstitut auf Bitten des damaligen Ministers Kristján Þór Júlíusson ein Belastungsgutachten angefertigt.
Ein solches Gutachten über die Belastungsfähigkeit eines Standortes ist der erste Schritt in der Vorbereitung einer Region für die meergestützte Fischzucht: es wird beurteilt, wie der Fjord mit wieviel Lebendmasse in den Gehegen fertig wird. Eine in Tonnen angegeben Belastungsempfehlung liegt für den Mjóifjörður jedoch noch nicht vor, obwohl sowohl Fischkonzerne als auch Einheimische darauf drängen.

Ministerium arbeitet auf Hochtouren an Rahmengesetz
In einer Antwort des Ministeriums an RÚV heisst es, man arbeite daran, auf den Bericht des Finanzhofes zu reagieren, der unlängst auf erhebliche Mängel bei Verwaltung und Aufsicht über die Lachszucht hingewiesen hatte. Ausserdem liegt ein Bericht der Unternehmensberatung Boston Consulting Group zu Lage und Zukunft der industriellen Fischzucht in Island vor. Eine ministerielle Arbeitsgruppe, die sich mit Seuchenschutz in meeresgestützten Gehegen befasst hat, hat ihre Ergebnisse bereits abgeliefert, im Frühjahr soll eine weitere Arbeitsgruppe ihren Bericht zum Entkommen von Zuchtfisch aus den Meeresgehegen einreichen. Aus all diesen Ergebnissen soll dann innerhalb des Ministeriums ein neues Ziel erarbeitet werden, welches im Frühjahr 2024 dem Parlament als Gesetzentwurf vorgelegt wird.
Während also Politik und Ziele in der Fischzucht auf dem Prüfstand stehen, habe man entschieden, die Ausgabe neuer Lizenzen zu drosseln. Die Ausschreibung für den Mjóifjörður sitzt damit in der Warteschleife. Bereits vorliegende Anträge werden jedoch trotz der Formulierung neuer Ziele bearbeitet.

 

Immer mehr Isländer sind gegen Lachszucht in Meeresgehegen

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Um die 61 Prozent aller Isländer stehen der Lachszucht in offenen Meeresgehegen negativ gegenüber. Das ist das Ergebnis einer neuen Umfrage, die die Interessensgruppe zum Schutz der Lachse hat durchführen lassen, berichtet Vísir. Nur 14 Prozent der Befragten sprach sich für die Lachszucht im Meer aus.
Auf die Frage, ob die Lachszucht in offenen Meeresgehegen verboten werden sollte, sprachen sich von den 79% der abgegebenen Antworten 52% für ein Verbot aus.
Die Befragung war in allen Landesteilen zwischen dem 16. und 27. Februar durchgeführt worden. Per Zufallsprinzip ausgewählt worden waren 1822 Personen, 956 Personen nahmen an der Befragung schlussendlich teil.

Das ist eine starke Veränderung seit der letzten Befragung im Herbst 2021. Damals hatten sich noch ca,. 28% für die Lachszucht in offenen Becken ausgesprochen und ca. 35% waren dagegen. Auch die Anzahl der Personen ohne Meinung ist geschrumpft, von 38,4% im Februar 2021 auf 24,7% bei der jetztigen Befragung.

Regierung gefordert, auf den Volkswillen zu hören
Der Fonds zum Schutz des Wildlachsbestandes (NASF), der isländische Naturschutzfonds (IWF), der Landesverband der Angelvereine und Laxinn Lifi fordern gemeinsam die isländische Regierung auf, auf den Willen des Volkes zu hören und sich von der umweltbelastenden und schädlichen Industrie der offenen Meeresgehege abzuwenden.
“Die Erfahrung anderer Länder zeigt, dass die Umweltauswirkungen der Fischzucht in offenen Meeresgehegen untragbar ist, und dass eine Ausrottung des Wildlachsbestandes und der Ökosysteme für den Reibach der Lachszuchtkonzerne mit nichts zu gerechtfertigen ist,” heisst es in einer Mitteilung der Verbände.

“Der gerade veröffentlichte Bericht der Steuerprüfung zeigt, dass Regelwerk und Aufsicht der Industrie nicht funktionieren und dass die Lobbyisten der Industrie unnatürlich grossen Einfluss auf die Gesetzgebung gehabt haben. Die Industrie darf sich selber beaufsichtigen, und es hat schon ausgesprochen schwerwiegende Umweltunfälle gegeben. Allem voran ist da der Vorfall bei Arnarlax zu nennen, wo 88.000 geschlechtsreife norwegische Zuchtlachse aus einem Meeresgehege in das isländische Ökosystem entkommen sind.”
Alle Pläne zur Ausweitung der Industrie seien ein echter Angriff auf die Natur des Landes, und auf den Wildlachs, gegen den Willen eines grösseren Teils der Bevölkerung.
Der grösste Teil der in Island aktiven Lachszuchtkonzerne befindet sich in ausländischer Hand.