Arnarlax muss 120 Mio. ISK wegen entkommenem Zuchtfisch zahlen

aquaculture farm iceland

Die Veterinär- und Lebensmittelaufsichtsbehörde MAST hat dem Fischzuchtunternehmen Arnarlax die Zahlung einer Strafgebühr von 120 Millionen ISK auferlegt, weil das Unternehmen ein Loch im Netz eines Zuchtbeckens im Arnarfjörður nicht gemeldet hatte. Solche Betriebsunfälle sind meldepflichtig. Bei der Lachsschlachtung im Oktober stellte sich heraus, dass sich viel weniger Fische im Becken befanden als gedacht. Das Unternehmen hatte keine Erklärung für den Verbleib der fehlenden 82.000 Fische liefern können, die offenbar aus dem Becken entkommen waren, berichtet RÚV.

Höchste Strafe in der Fischerei
Mehr als die Hälfte aller Lachse, die die Fischereibehörde in diesem Jahr im Fluss Mjólká im Arnarfjörður aus dem Wasser gezogen hatte, stammte aus dem zerlöcherten Zuchtbecken.
Bei den 120 Mio ISK handelt es sich um die höchste Strafe, die MAST je verhängt hat, und auch um die erste für einen Verstoss gegen das Gesetz zur Aquazucht. Dort ist eine Höchststrafe von 150 Millionen ISK vorgesehen.
In einer schriftlichen Antwort auf Anfrage von RÚV bedauert Unternehmensleiter Kjartan Ólafsson den Betriebsunfall. Zwei Dinge hätten oberste Priorität in seinem Unternehmen: dass die Mitarbeiter heil nach Hause kommen, und dass keine Fische aus den Becken entkommen. Die Voraussetzungen für die Strafe hält er jedoch für falsch und kündigte an, vor Gericht zu ziehen,

MAST vermutet wissentliche Verheimlichung
Das Loch im Zuchtbecken war Ende August 2021 gemeldet worden, jedoch nicht, dass dort bereits Lachse entkommen waren. Einer Untersuchung von MAST zufolge muss das Unternehmen mindestens zwei Monate lang von dem Loch gewusst haben, und auch davon, dass Lachse entkommen waren, denn ab Juni waren deutliche Abweichungen in der Futtermenge für dieses Becken festgestellt worden.
MAST-Direktorin Hrönn Jörundsdóttir gab an, ihre Behörde betrachte den Vorfall als sehr ernst. Die Verantwortung liege beim Unternehmen, derartige Vorfälle zu kontrollieren. „Man traut ihnen zu, Fischzucht auf verantwortungsvolle Weise zu betreiben, und wir glauben, dass dort wissentlich Fahrlässigkeit am Werk gewesen ist“.  Ob auch die Meldung des Unfalls wissentlich ausgeblieben ist, dazu wollte Hrönn sich nicht äussern.

Zuchtlachs ist Gefahr für Wildlachs
Das Entkommen von Zuchtfischen in die freie Wildbahn hat schwere Auswirkungen auf die Fauna, denn es besteht die Gefahr dass diese Fische in die Lachsflüsse hochschwimmen und sich mit Wildlachsen paaren. Damit wird das Erbgut des wilden Bestandes nachhaltig verändert.
Wie schon erwähnt, waren im August in den Westfjorden ungewöhnlich viele Zuchtlachse geangelt worden, die aus dem zerlöchertem Becken stammten. Die Fischereibehörde hatte die Hälfte der aus der Mjólká gezogenen Lachse auf den Unfall bei Arnarlax zurückverfolgen können.

 

Erneut entkommende Zuchtlachse in den Westfjorden

fish farming iceland

Die isländische Lebensmittel-und Veterinäraufsichtsbehörde MAST ist kürzlich über ein Loch in einem Lachszuchtbecken im Tálknafjörður in den Westfjorden benachrichtigt worden. Das defekte Zuchtbecken wird vom Aquakulturkonzern Arnarlax betrieben, das Loch war bei einer Routineinspektion entdeckt und sofort reapriert worden, heisst es in einer Mitteilung von MAST.
Informationen von Arnarlax zufolge war das Loch 14 Zentimeter gross und befand sich in einer Tiefe von neun Metern. In dem Netzbecken werden 99.000 Junglachse gehalten.
Nach Entdeckung des Lochs hat MAST eine Untersuchung der anderen Becken im Fjord angeordnet, um sicherzustellen, dass es keine weiteren Löcher gibt.

Fischzucht hat Freunde und Gegner
Aquakultur und Lachszucht ist in den vergangenen Jahren immer wieder Gegenstand von Diskussionen gewesen. Verfechter der Industrie glauben, sie nimmt den Druck von der Überfischung wilder Bestände. Beim Fang von wild lebendem Fisch gelten in Island strenge Quoten. Aquakultur wird da von vielen als gangbare Alternative gesehen, die hohe Nachfrage nach Lachs zu befriedigen, ohne die Wildbestände zu gefährden.

Umweltakivisten sind da anderer Meinung, sie kritisieren die Praktiken als Extremverschmutzung der einst so klaren und sauberen Fjordgewässer. Ein weiterer Grund zur Besorgnis, der sich immer wieder bestätigt, ist das Entkommen von Zuchtfischen aus den Netzbecken. Sie finden den Weg in Wildbestände und paaren sich dort. Die Auswirkungen dieser Vermischung von Wildbestand und Zuchtbestand wird wissenschaftlich noch nicht ganz verstanden, aber man weiss dass entkommende Zuchtfische zusätzlichen Druck auf die Wildbestände ausüben, wenn es um Futter und andere Resourcen geht.

 

Nationaler Rechnungshof überprüft MAST-Tierschutzkontrollen

Der Oberste Rechnungshof hat entschieden, eine Initiativprüfung der Tierschutzkontrollen bei der Veterinär- und Lebensmittelaufsichtsbehörde MAST durchzuführen. Das ist auf der Webseite des Rechnungshofs zu lesen. Ein Grund für diese Prüfung wird nicht angegeben, aber sie folgt unmittelbar auf die heftige Kritik an der Tierschutzüberwachung durch MAST im westisländischen Borgarbyggð, berichtet Vísir.
Dort waren an die 30 unterernährte Jungpferde in einem engen Stall eingesperrt gewesen, und die Tierschutzkontrolleure hatten sich trotz mehrfacher Meldung offenbar nicht des Falles angenommen. Daraufhin hatten sich verärgerte Pferdebesitzer, die das Elend nicht mehr ertrugen, an die Medien gewandt. Der Besitzer hatte in der vergangenen Nacht die Jungpferde an einen unbekannten Ort verbracht.

Prüfung von MAST stand ohnehin an
Rechnungshofleiter Guðmundur Björgvin Helgason gab an, dass der Zeitpunkt der Prüfung kein Zufall sei. Es habe vielmehr schon länger den Plan gegeben, die Tierschutzaufsicht bei MAST zu überprüfen, da solche Fragen seit geraumer Zeit in der Öffentlichkeit diskutiert würden. “Das ist ja  nicht das erste oder zweite Mal, bei dem die Behörde für ihren Umgang mit dem Thema kritisiert wird,“ sagt Guðmundur Björgvin.

Im Jahr 2013 hatte der Rechnungshof eine Verwaltungsprüfung bei MAST durchgeführt. In dem Jahr war die Tierschutzüberwachung von der Umweltbehörde an MAST verlagert worden. Seitdem hatte der Rechnungshof keine Berührungspunkte mehr mit der Kontrollinstanz gehabt.
„Wir haben bestimmte Prüfungsmöglichkeiten, von denen wir glauben, dass wir die aus eigener Initiative durchführen können,“ erklärt Guðmundur. Es handle sich um eine konzeptionelle Arbeit, die schon länger geplant war.

„Dies ist ein Beispiel, aber es hat andere Vorfälle gegeben, wo die Aufsichtsführung kritisiert worden ist. Wenn es ein Versehen ist, dann denke ich, dass die Prüfung das aufdecken wird. Wenn da irgendwelche Mängel vorliegen, Fehler oder Mangel an Mitarbeitern, Geld oder was auch immer, die verhindern, dass die Behörde die Verantwortung für ihre rechtmässige Rolle übernehmen kann, dann denke ich, dass die Prüfung dies ebenfalls aufdecken wird.“
Er rechnet damit, dass die Prüfung ein paar Monate dauern wird. Man stehe kurz davor, mit der Arbeit zu beginnen. Die Ergebnisse werden dann in einer offiziellen Bericht an das Parlament veröffentlicht.

 

Gefischter Lachs in den Westfjorden könnte Zuchtlachs sein

fish farming iceland

In den Westfjorden gefangene Lachse stehen im Verdacht, aus industriellen Lachsfarmen entkommende Fische zu sein. Das ist einer Mitteilung der isländischen Veterinäraufsichtsbehörde MAST zu entnehmen. Die Fische waren am 26. August gemeldet worden, daraufhin hatte die Behörde Proben entnommen, um die Herkunft der Lachse bestimmen zu können. Aus den Zuchtbecken entkommene Lachse stellen eine Gefahr für den Bestand der Wildlachse dar, weil Kreuzungen die Überlebenschancen der Wildlachse mindern.

Die isländische Fischzuchtindustrie ist in den vergangenen Jahren stark angewachsen, und kaum ein Fjord in den Westfjorden oder im Osten ist mehr ohne Zuchtanlagen. Die meisten Lachse werden in offenen Meeresbecken gezüchtet, einige wenige Unternehmen produzieren an Land in Meerwasserbecken. In den wenigsten Fällen befinden sich die Unternehmen in isländischer Hand. Die Kayakerin Veiga Grétarsdóttir hatte im vergangenen Jahr Unterwasseraufnahmen von zerrissenen Netzen, erkrankten Fischen und verschmutztem Meeresboden veröffentlicht.

Die Expansion der Industrie hat heftige Kritik von Umweltgruppen und Anwohnern auf sich gezogen. Im Jahr 2019 war dem isländischen Parlament eine Petition mit 18.000 Unterschriften gegen eine neue Zuchtanlage im Meer überreicht worden.
Entkommene Zuchtlachse hat es seit 2018 schon mehrfach gegeben. MAST will mehr Informationen zu dem Fisch veröffentlichen, sobald die DNA bestimmt worden ist.

 

Walfang: Wal mit vier Harpunen in der Kontroverse, MAST beginnt Untersuchung

Ein kontrollführender Tierarzt der Veterinäraufsichtsbehörde MAST war zugegen, als am Montag letzter Woche ein erlegter Walbulle mit vier Harpunen im Körper in der Zerteilstation im Hvalfjörður angelandet wurde. Nach Angaben des Tierarztes waren die ersten beiden Harpunen zu weit nach vorne gerichtet gewesen, sie seien im Kopf des Tieres gelandet und deshalb nicht detoniert. Das ist der schriftlichen Antwort von Amtsleiterin Sigurborg Daðadóttir zu entnehmen, nachdem Kjarninn weitere Informationen zur Anlandung dieses Wales angefordert hatte.

Vier Harpunen statt einer
Am letzten Dienstag hatte Kjarninn geschrieben, dass der Todeskampf des Wales, gemessen an den vier Harpunen, sehr lang gewesen sein muss. Unter normalen Umständen soll eine Sprengladung ausreichen, um einen Wal zu töten.
Auf den Fotos der Walschutzorganisation Hard to Port ist zu erkennen, dass drei Harpunen aus dem Leib des Kadaver herausragen. Die vierte Harpune kam erst beim Zerteilen des Wals zum Vorschein. Alle vier Geschosse sind auf den Fotos im Körper des Wals zu sehen, und nicht etwa im Kopf.

Dieser Fall ist nur der letzte von mehreren Vorfällen, wo mehr als eine Harpune benötigt wurde, um einen gefangenen Meressäuger zu erlegen.
In der schriftlichen Antwort der Amtsleiterin heisst es, dass die Waljagd des Sommers “bei der Veterinäraufsichtsbehörde näher untersucht werde”, und dass anschließend „eine Bewertung vorgenommen wird, ob sie mit Artikel 27 des Tierschutzgesetzes vereinbar ist, welches sich speziell damit befasst, wie die Jagd durchgeführt werden soll.“
In einem Facebookbeitrag kündigte Hard to Port am Mittag an, man wolle der Behörde eine umfassende Sammlung von Fotos zur Verfügung stellen.

Untersuchung der Vorfälle wird dauern
Wie schon zuvor erwähnt, ist MAST nicht dazu verpflichtet, die Jagd auf wilde Tiere regelmässig zu kontrollieren, aber die Behörde muss sich darum kümmern, dass das Tierschutzgesetz geachtet wird, und da vor allem der Passus, dass wilde Tiere so rasch und schmerzlos wie nur möglich getötet werden. Verstümmelungen und das Zufügen von Qualen sind verboten.
„Es muss damit gerechnet werden, dass die Untersuchung einige Zeit in Anspruch nimmt,“ kündigt Sigurborg in ihrem Antwortschreiben an.

Tierschutzbeauftragter an Bord stiess auf Kritik
Die vorliegenden Pläne von Islands Ministerin für Fischerei, Landwirtschaft und Lebensmittel, Svandís Svavarsdóttir, aus jeder Walfangmannschaft eine Person als Tierschutzbevollmächtigten zu erwählen, der den gesamten Jagdvorgang bis zur Tötung filmen soll, damit das Material dann von MAST an Land angeschaut werden kann, ist auf heftigste Kritik aus der Branche gestossen. Das Walfangunternehmen Hvalur ehf bemängelte das Fehlen jeder rechtlichen Grundlage für diese Massnahme, die Interessensvertretungen der Seeleute sehen keinen Grund, ihre Mitglieder schwierige Aufgaben erfüllen zu lassen, die eigentlich Behördensache sind.
Ab dem kommenden Jahr soll dann ein Tierarzt an Bord gehen und die Tötungsdokumentation durchführen.

Drei Wale mit nicht detonierter Sprengladung dokumentiert

Am 4. Juli diesen Jahres lief das Walfangschiff Hvalur 9 in den Hafen der Zerteilstation im Hvalfjörður ein, mit zwei erlegten Finnwalen, die man längs des Schiffs vertäut hatte. Die Wale waren am Vortag erlegt worden, wo sie getötet wurden, ist jedoch nicht bekannt, denn das Walfangunternehmen Hvalur hf. kommt in den Genuss einer Ausnahmegenehmigung: die Walfangschiffe fahren unter dem Radar, ihr Aufenthaltsort auf hoher See ist nicht einsehbar.
Als das eine tote Tier an Land gezogen wird, um mit Messern, Sägen und schwerem Gerät zerteilt zu werden, gelingt Tierschützern hinter dem Zaun des Betriebs ein folgenschwerer Schnappschnuss: in dem Wal steckt nämlich eine nicht-detonierte Harpune, berichtet Kjarninn.

Tierwohl beim Walfang immer fraglicher
Die Frage nach dem Tierwohl beim Walfang – wie lange ein Wal leiden muss bis er durch die Detonation des Sprengstoffs in seinem Leib den Verletzungen erliegt – steht damit wieder im Vordergrund der umstrittenen Unternehmung. Die Harpune samt Sprengsatz war schnell entfernt und der Sprengsatz entschärft. Der Vorgang wurde jedoch von der Walschutzorganisation Hard to Port auf Bild gebannt.
Die Leitende Amtstierärztin der Veterinäraufsichtsbehörde MAST, Sigurborg Daðadóttir, bestätigte Kjarninn gegenüber, die Angelegenheit sei so verlaufen wie Hard to Port sie beschreibe. “Den Informationen des Amtstierarztes vor Ort zufolge, der sich jeden einzelnen Wal anschaut, der an Land gezogen wird, hat dieser Schuss bei der Jagd auf diesen Wal nicht getroffen,” sagt Sigurborg. “Die Sprengladung traf auf Knochen, auf den Schädel, wie man auf dem Foto sieht, und deswegen explodierte sie nicht. Die Sprengladung muss in weiches Gewebe treffen, damit sie detoniert.”
Hard to Port hatte die Fotos an Kjarninn geschickt, das Magazin hatte sie an die Veterinäraufsichtsbehörde und das Amt für Fischerei mit einer Bitte um Kommentierung weitergeleitet. Beiden Behörden obliegt die Kontrolle beim Fang.
Der Wal war durch den misslungenen Schuss nur verletzt worden. Sigurborg sagt, die Zeit des Todeskampfes habe sich um die Zeit verlängert, die es dauere, eine weitere Harpune mit Sprengsatz abzufeuern. Das kann bis zu acht Minuten dauern. Es gibt keine Informationen darüber, wie lange dieser betreffende Wal um sein Leben hat kämpfen müssen.

Todeskampf dauert bis zu 15 Minuten
Einer Studie aus dem Jahr 2015 zufolge, die zunächst nicht veröffentlicht worden war, kann der Todeskampf eines Wals bis zu 15 Minuten andauern. Kjarninn schreibt, das sei etwa die Zeit, die ein Fahrzeug in erlaubtem Tempo von Litla Kaffistofa nach Hveragerði benötigt. Der Studie zufolge starben 42 Wale (84 Prozent) gleich nach dem Schuss. Acht starben nicht sofort und mussten erneut geschossen werden. Der längste bei der Studie beobachtete Todeskampf hatte 15 Minuten gedauert.
Die Waljäger hatten alle vor Beginn der Saison einen Kurs zum Töten von Walen besuchen müssen. Dort war ihnen empfohlen worden, auf den Leib des Tieres zu zielen, wo sich alle lebenswichtigen Organe befinden. Bei der Studie von 2014/15 waren die acht Wale an anderen Körperstellen getroffen worden und hatten erneut beschossen werden müssen.
Aktuell gültigen Bestimmungen zufolge muss der Wal mit einer Sprengladung namens Hvalgranat99 erlegt werden und das in kürzest möglicher Zeit. Im Tierschutzgesetz ist Artikel 27 speziell der Jagd gewidmet, wonach durch Jäger erlegte Tiere so wenig wie möglich leiden sollen. Verboten ist es, den Tieren zusätzliche Schmerzen durch Verstümmelungen zuzufügen.

Am gestrigen 17. Juli konnte die Walschutzorganisation Hard to Port erneut fotografisch nachweisen, dass ein erlegter Wal zweimal geschossen wurde. Das an Land gezogene Tier wies einen Durchschuss unterhalb der Flosse auf, die Sprengladung hatte den Wal offensichtlich nur in die Speckschicht getroffen und war kurz darauf wieder aus dem Körper ausgetreten, ohne zu detonieren.
Für die diesjährige Jagdsaison sind damit innerhalb von drei Wochen drei Wale dokumentiert, die zur Tötung zweifach geschossen werden mussten.

Tierschutzbeauftragter an Bord muss filmen
Im Januar hatte die Ministerin für Fischerei, Landwirtschaft und Lebensmittel, Svandís Svavarsdóttir, in einem Artikel im Morgeunblaðið geschrieben, unverändert spreche nur wenig dafür, die Waljagd nach dem Jahr 2024 noch zu erlauben. Bis dahin müsse ein wirtschaftlicher Nutzen nachgewiesen werden, um die Lizenz zu erneuern. Anfang Juni hatte sie die Bestimmungen dahingehend geändert, dass an Bord der Walfänger demnächst ein aus der Mannschaft aufgestellter Tierschutzbeauftragter die Jagd und das Töten der Wale filmisch dokumentieren muss, diese Videos sollen dann an die Veterinäraufsichtsbehörde gehen. Ab der kommenden Saison hat sich auch ein Amtstierarzt an Bord zu befinden.

Sævar Guðmundsson, Abteilungsleiter der Küsteninspektion beim Amt für Fischerei, sagte Kjarninn gegenüber, der Walschütze müsse einen Kursus mit den genannten Waffen absolvieren, um die Wale sachgerecht töten zu dürfen. Die Vorgänge vom 4. Juli kommentierte er dahingehend, dass seine Behörde sämtliche Meldungen überprüfe und bei Verstössen den Kapitän und die Reederei befrage. Solche Verstösse seien jedoch gegenüber der Fischereibehörde nicht meldepflichtig. Die Aufsicht in Bezug auf das Tierwohl führe die Veterinäraufsichtsbehörde.

 

Kontrolle der Blutstuten von Behörde und Unternehmen einvernehmlich geplant

Die Lebensmittel- und Veterinäraufsichtsbehörde MAST hat im Jahr 2020 mit einem von ihr zu kontrollierenden Unternehmen bei einer Sitzung besprochen, wie man die Betriebskontrolle am besten durchführen könnte. Dabei durften die Unternehmensvertreter sich dazu äussern, welche Art von Aufsicht ihnen “nicht gefällt”, berichtet Fréttablaðið.

Das Pharmaunternehmen Ísteka kauft Blut aus tragenden und laktierenden Stuten, um daraus ein Hormon zu extrahieren, welches an Pharmaunternehmen im Ausland verkauft wird. Das Stutenhormon findet in der Fleischindustrie bei Schweinen und kleinen Ruminanten Verwendung bei der Zyklussteuerung. In Island werden auf 119 Höfen um die 5400 tragende und laktierende Stuten gehalten, aus denen im Sommer acht Wochen lang bis zu fünf Liter Blut entnommen wird. Die Gesamtmenge an Blut ist nach Gutachten von MAST tierverträglich. Im europäischen Ausland wird die Menge im Verhältnis zum Körpergewicht eines Islandpferdes als viel zu hoch angesehen.

Blutgewinnung nicht mehr genehmigungspflichtig
Im Jahr 2020 kam MAST zu dem Ergebnis, dass nach behördlicher Auslegung von Gesetz und Vorschriften die Blutgewinnung aus den Stuten zur Medikamentenherstellung eine Tätigkeit sei, die keine Zulassung benötige. Während des oben genannten Treffens mit Ísteka stellte man fest, dass die Erstellung einer  Rechtsgrundlage und Regulierung der Aktivität “ein riesiges Projekt sind, das möglicherweise nicht viel einbringt”.

Fréttablaðið schreibt, dass MAST und Ísteka am 25. Mai 2020 eineinhalb Stunden am Besprechungstisch verbrachten, sechs Monate bevor das Video der Schweizer Tierschutzorganisation Animal Welfare Foundation veröffentlicht wurde, welches Tierquälereien auf isländischen Blutfarmen zeigte.
Konferenzteilnehmer waren die Tierärztin für Pferdekrankheiten bei MAST Sigríður Björnsdóttir, Ísteka-Geschäftsführer Arnþór Guðlaugsson, der Haupteigentümer der Ísteka Hörður Kristjánsson, ein Jurist, sowie die Qualitätsbeauftragte der Ísteka.

Dem Fréttablað vorliegenden Protokoll ist zu entnehmen, dass alle Teilnehmer sich über die Auslegung von MAST einig waren, dass es sich bei der Blutgewinnung um eine Aktivität handelt, die nicht genehmigungspflichtig ist. Dies entspreche auch der allgemeinen Tendenz, Genehmigungen zu reduzieren, obendrein sei es ungewiss, ob das Thema “jemals vom Gesetzgeber aufgegriffen” werde.
Bei dieser Sitzung befanden sich damit Kontrollbehörde und Unternehmen, welches von der Behörde unabhängig kontrolliert werden sollte, an einem Tisch.

Blutstuten sind keine Versuchstiere mehr
Man stellte fest, dass nach Änderung der Gesetzeslage die Blutstuten keine Versuchstiere mehr seien (wie noch zuvor), für die Bestimmungen und Genehmigungen gelten. Die Kontrolle der anzeigepflichtigen Aktivität erfolge daher in Form einer Überwachung des Wohlergehens der Pferde. Dazu gab es mehrere Vorschläge:
“1. MAST könnte Betriebsbestimmungen vorgeben, die das Wohlergehen der Stuten sichern. Dabei würde es sich um öffenlich zugängliche Daten handeln.
2. MAST erstellt ein Handbuch mit Vorschriften (Ísteka gefällt dies nicht, weil es keine Transparenz gewährleistet)
3. Ísteka bereitet eine schriftliche Erklärung über die Aktivitäten des Unternehmens vor. Dies würde nicht von MAST zertifiziert, weil MAST keine Zertifizierungsbehörde ist. Dieser Ansatz ist eher schwach gegenüber Kritik von aussen, dass das Unternehmen die Bestimmungen selbst festlegt.
4. Gesetzliche Grundlagen und Vorschriften, die zu der Aktivität erlassen werden. Das könnte eine langfristige Lösung sein, ist aber auch ein riesiges Projekt, welches möglicherweise nicht viel einbringt und möglicherweise auch unnötig ist, wenn Option 1 funktioniert.”
Das Protokoll endet mit der Feststellung „Die Einsichten von Ísteka und MAST passen daher gut zusammen.“

Die bei dieser Konferenz für MAST anwesende Tierärztin hat nicht nur Gutachten zum Blutfarming auf der Grundlage von Ísteka-Daten erstellt, in denen Vorgehensweise und Blutmenge behördlich abgesegnet werden, sie sitzt auch als Vertreterin für MAST in der von Landwirtschaftsministerin Svandís Svavarsdóttir gegründeten Arbeitsgruppe zur Blutstutenwirtschaft, die ihre Arbeit vor dem 1. Juni abliefern soll.

MAST legt neue Bestimmungen für Blutgewinnung vor

Die isländische Lebensmittel- und Veterinäraufsichtsbehörde MAST hat neue Bestimmungen für die Blutgewinnung aus tragenden und laktierenden Stuten für das Jahr 2022 veröffentlicht.
Wie das Bændablaðið berichtet, darf der Tierarzt darf nur noch bei drei Stuten gleichzeitig Blut ablaufen lassen, eine Herde darf statt 100 Stuten nur noch 70 Stuten umfassen, und das Höchstalter für Stuten zur Blutgewinnung wurde auf 24 Jahre festgelegt.  Ausserdem muss der Tierarzt sofort mit der Blutentnahme aufhören, wenn das Pferd sichtbar leidet oder Angst hat. Verletzungen müssen sofort behandelt werden, im Notall muss sofort euthanaisiert werden. Zusätzlich gibt es verschärfte Anforderungen für die interne Betriebskontrolle, so sollen ab jetzt etwa sämtliche Vorkommnisse, wie Krankheitsfälle und Todesfälle von Stute oder Fohlen notiert werden. Auch Vorkommnisse bei der Blutabnahme, wie Angst oder Stress, müssen festgehalten werden. Ausserdem soll der Hämoglobinwert regelmässig kontrolliert und den Fohlen mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden. Diese neue Buchführung ist MAST einmal jährlich abzuliefern.

Blutgewinnung schadet nicht der Gesundheit

Die Behörde ist der Ansicht, dass die Blutgewinnung aus tragenden und laktierenden Stuten, so wie sie in Island nach Gesetzen, Bestimmungen und Voraussetzungen von MAST durchgeführt wird, nicht gegen das Gesetz zum Tierwohl Nr. 55/2013 verstösst.
Sie sieht auch keine Hinweise darauf, dass die entnommene Blutmenge zu hoch sei. Es gebe keine negativen Auswirkungen auf den Bluthaushalt der Stuten.
Im Winter hatten zwei Schweizer Tierärzte die Gesamtmenge von 40 Litern pro Stute und Sommer scharf kritisiert. International anerkannte Daten legen nahe, dass die Menge für eine Islandstute viel zu hoch ist, zumal wenn sie tragend ist und ein Saugfohlen bei Fuss hat.

Die schwerwiegenden Vorfälle, die zwei Tierschutzorganisationen auf Video gebannt hatten, riefe nach Reaktion und vermehrter Kontrolle. In den Videoaufnahmen war zu sehen, wie Stuten sowohl von Helfern als auch von Tierärzten während Aufstallung und Blutgewinnung wiederholt zum Teil schwer misshandelt wurden. Gegen die namentlich bekannten Personen hatte es keine Ermittlung wegen Tierquälerei gegeben. Wie schon einige Male zuvor hatte das Pharmaunternehmen Ísteka stattdessen Verträge mit einzelnen Höfen aufgekündigt.

Mehr Kontrolle, bessere Haltung
Von den 2340 Pferdezuchten in Island betreiben 119 die Blutwirtschaft. In etwa zehn Prozent der Fälle sei es in den letzten fünf Jahren laut MAST zu schwerwiegenden Vorfällen in der Pferdehaltung gekommen, zumeist ging es dabei um mangelnde oder fehlende Fütterung im Winter.
Im vergangenen Jahr hatte auf 782 Höfen eine Kontrolle stattgefunden. Allerdings erfolgt die MAST-Kontrolle über das Jahr verteilt, während die Inspektion  der Blutgewinnung selbst durch die agierenden Tierärzte der Ísteka als betriebsinterne Eigenkontrolle betrieben wird. MAST hatte im letzten Jahr bei der Blutstutenhaltung nichts zu beanstanden gefunden. Die gefilmten Vorfälle hatten sich auf mehreren Höfen während der Blutgewinnung ereignet, als die betriebsinterne Kontrolle der Ísteka hätte greifen müssen.
Laut MAST haben in den letzten fünf Jahren acht Höfe ihren Betrieb eingestellt, sowie drei weitere nach Beschwerden in den Jahren 2017, 2019 und 2020.

Arbeitsgruppe unter Zeitdruck, Ansichten unterschiedlich
Landwirtschaftsministerin Svandís Svavarsdóttir hatte zu Jahresbeginn eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die die Grundlagen des Gewerbes prüfen soll. Sie hat der Ministerin bis zum 1. Juni ein Ergebnis vorzulegen. In der Arbeitsgruppe befinden sich unter anderem ein Ethikprofessor, sowie eine Tierärztin der Veterinäraufsichtsbehörde, die die Blutgewinnungspraktik verteidigt.
Gestern hatte der Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses angegeben, er glaube nicht, dass zum Thema Blutstuten vor der Sommerpause eine Entscheidung falle, weil die Ansichten gar zu verschieden seien.
Auch vom Pferdezuchtverband waren gestern noch einmal mahnende Worte gekommen, der Verbandsvorsitzende Sveinn Steinarsson hatte vor der Arbeitsgruppe angegeben, die Blutstutenbranche sei in Island weitaus mehr gewachsen als wünschenswert ist, und viele Züchter befürchteten, dieser Wirtschaftszweig könnte der Reitpferdezucht und dem Image Islands als Pferdeland Schaden zufügen.

Blutstuten: Umweltbehörde genehmigt Verarbeitung von 600 Tonnen Blut

Die isländische Umweltbehörde hat am 13. Januar dem Pharmaunternehmen Ísteka ehf. die Genehmigung erteilt, pro Jahr 20 Kilogramm medizinischen Rohstoff aus insgesamt 600 Tonnen Blut von tragenden Stuten zu produzieren. Bei der Produktion handelt es sich um vorbereitende Prozesse am Rohstoff, Weiterverarbeitung und Isolierung des Endstoffes.  Weiter heisst es in der Betriebserlaubnis, sollte der Betrieb in andere Hände übergehen, kann beantragt werden, dass die Betriebsgenehmigung auf den neuen Besitzer überschrieben wird. Erteilt wird die Genehmigung auf der Grundlage isländischen Rechts und der EU-Richtlinie 1069/2009 zu tierischen Nebenprodukten.

Umweltbehörde ist nicht für Tierschutz zuständig
Auf der Webseite der Umweltbehörde sind alle 237 eingesandten Einwände gegen eine solche Genehmigung veröffentlicht. Die Behörde weist darauf hin, dass die Genehmigung auf Grundlage der Gesetze zu Hygieneregeln und Vermeidung von Umweltbelastungen erteilt wurde, weil es sich um die Herstellung von Medikamenten handle. Die Einwände hingegen thematisierten vor allem die Blutgewinnung aus tragenden Stuten.

Nach Angaben der Behörde betrifft die erteilte Genehmigung eine Medikamentenherstellung an einem bestimmten Arbeitsumfeld des Betreibers und enthält Auflagen zur Schadstoffbegrenzung und Überwachung. Sie umfasst nicht die Gewinnung und Bevorratung des Blutes, aus dem produziert wird. Der Veterinäraufsichtsbehörde MAST obliegt diese Kontrolle im Rahmen des Tierschutzgesetzes.
Die Genehmigung ist bis zum Jahr 2038 gültig. Gegen sie kann innerhalb eines Monats beim Schlichtungsausschuss für Umwelt- und Resourcenfragen Einspruch eingelegt werden.

Bislang hatte das Unternehmen Ísteka ehf. 170 Tonnen Blut verarbeitet, welches aus 5400 tragenden und laktierenden Stuten gewonnen wurde. Jeder Stute werden im Sommer zwei Monate lang wöchentlich fünf Liter Blut entnommen, aus dem Blut extrahiert Ísteka das für die Schweine- und Ruminantenzucht wichtige Hormon PMSG. Für eine Produktion von 600 Tonnen Blut wären 20.000 Stuten nötig, die dann 20.000 säugende Fohlen bei Fuss hätten. Der Gesamtpferdebestand in Island wird aktuell auf ca. 70.000 Pferde geschätzt.
Zur Zeit liegt dem isländischen Parlament ein Gesetzantrag vor, mit dem die Blutstutenwirtschaft verboten werden soll, nachdem Ende letzten Jahres tierschutzrelevante Vorgänge bekannt geworden waren.
Mehr zum Thema.

Zwingerhusten bei Hunden, Suche nach Erreger

Icelandic Sheepdog.

Bei der isländischen Veterinäraufsichtsbehörde MAST sind in den vergangenen Tagen zahlreiche Meldungen von Hustenfällen bei Hunden eingegangen, demnach hat es den Anschein, als ob es sich um eine Erkrankung handelt, die sich leicht und schnell zwischen den Hunden ausbreitet, berichtet das Bændablaðið.
In Zusammenarbeit mit der Versuchsanstaltinstitut Keldur ist nun eine Reihenuntersuchung in Angriff genommen worden, um herauszufinden, was die Krankheit verursacht. Die betroffenen Hunde sind allen Alters und geimpft wie ungeimpft. Manche sind in Hundehotels oder Hundespielplätzen gewesen, andere nicht. Die meisten erkranken nicht schwer und erholen sich nach wenigen Tagen.

Die ansteckende Atemwegserkrankung beim Hund, allgemein als Zwingerhusten (kennel cough) bekannt, betrifft die oberen Atemwege und kann durch Bakterien oder Viren verursacht werden. Dabei kommt es zu Husten, tränenden Augen und laufender Nase, in manchen Fällen Schlappheit und Appetitlosigkeit, in schwereren Fällen entwickeln die Hunde Fieber und Lungenentzündung. Leichtere Symptome können auch denen eines Fremdkörpers im Hals ähneln.
Die meisten Hunde in Island sind geimpft. Der Impfstoff enthält einen Schutz gegen ernsthafte Erkrankungen wie Leberentzündung und andere bekannte Seuchen, auch den Zwingerhusten. Es gibt jedoch auch Erreger, die durch die Impfung nicht erfasst sind, und die im Verdacht stehen, Zwingerhusten zu verursachen.

Daher ist nun eine Reihenuntersuchung begonnen worden, um den Erreger des aktuell grassierenden Zwingerhustens zu isolieren. Dazu werden Tupferproben und Blutproben entnommen und auf die bekannten Erreger Bordetella bronchiseptica und Streptococcus zooepidemicus getestet. Letzterer hatte im Jahr 2011 bei den Pferden im ganzen Land für eine Hustenseuche gesorgt, in deren Folge alle sportlichen Veranstaltungen des Sommers hatten abgesagt werden müssen.
Im Herbst 2017 war in Island eine ansteckende Atemwegserkrankung bei Katzen und Hunden aufgetaucht, die Tiere husteten nicht, sondern zeigten verstärktes Niesen. Damals hatte trotz zahlreicher Probeneinsendung kein Erreger gefunden werden können.
Der COVID-19 auslösende SARS-CoV2 Erreger konnte für den aktuell grassierenden Zwingerhusten bislang ausgeschlossen werden.