Zuchtlachs: Polizei ermittelt wegen entkommener Fische in den Westfjorden

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Die Lebensmittel- und Veterinaraufsichtsbehörde MAST hat im Fall der mutmasslichen Fischflucht beim Lachszuchtkonzern Arctic Sea Farm eine polizeiliche Ermittlung angefordert. Dem Unternehmen wird ein Verstoss gegen die Fischzuchtbestimmungen zur Last gelegt.
Konkret geht es um aus dem offenen Meeresgehege entwichene Zuchtlachse im Kvígindisdalur im Patreksfjörður, nachdem dort im Sommer zwei Löcher in den Netzen festgestellt worden waren. Angler hatten in bekannten Lachsflüssen im Westen und Norden Dutzende von Zuchtlachsen an der Angel gehabt. Eine Zählung im Meeresgehege ergab, dass dort von 73.000 Zuchtlachsen 3500 Exemplare fehlten.
“Gemäss Art. 22 des Fischzuchtgesetzes drohen Vorstandsmitgliedern und Geschäftsführern des Lizenzinhabers Geldstrafen oder eine Haft von bis zu zwei Jahren, wenn es sich um einen schweren Verstoss handelt, wenn Zuchtfische aus einer Zuchtanlage entweichen, wo die Ausrüstung für die Fischfarm aufgrund vorsätzlicher oder fahrlässiger Handlungen oder Unterlassungen zu wünschen übrig lässt,“ heisst es in einer Mitteilung von MAST.
Die Polizeidirektion in den Westfjorden ermittelt in der Angelegenheit, MAST zufolge erteilt das Büro derzeit keine weiteren Informationen.

Taucher durchkämmen Flüsse
Derweil befinden sich im Fluss Ísafjarðará zwei norwegische Taucher, die dort nach Zuchtlachsen suchen und sie per Harpune töten. RÚV berichtet, die Taucher seien von einem norwegischen Unternehmen geschickt worden. In Norwegen durchkämme man jedes Jahr mehr als 100 Flüsse auf diese Weise, um sie von Zuchtlachsen zu reinigen. Die Problematik von entwichenen Zuchtlachsen in die Wildnis, die von den vor allem norwegischen Lachszuchtkonzernen in Island lange vehement bestritten worden war, ist im Mutterland der Konzerne also wohl bekannt.
MAST hatte im Sommer zahlreiche aus westfirdischen Flüssen geangelte Lachse genetisch bestimmt und in den allermeisten Fällen Zuchtlachse gefunden.

Keine weiteren Lizenzen
Gestern hatte die isländische Regierung angekündigt, vorerst keine weiteren Lizenzen für meeresgestützte Lachszucht auszugeben, nachdem die Industrie in den vergangenen Jahren stark angewachsen war. Der Exportwert von Zuchtlachs hatte im Jahr 2014 bei 1,4 Mrd ISK gelegen, letztes Jahr waren er auf 40,5 Mrd ISK gestiegen. Gleichzeitig ist der Export von Zuchtlachs um das 26-fache gestiegen, von 1.460 Tonnen auf 38.840 Tonnen.
Grösster Kunde für den industriell hergestellten Speisefisch aus isländischen Gewässern war im letzten Jahr die USA mit einem Gegenwert von rund 9,4 Mrd ISK. Auf Platz zwei folgten die Niederlande mit 7,3 Mrd ISK, gefolgt von Polen, Dänemark, Frankreich und Grossbritannien.
Die Zahl der Beschäftigten in der Lachszuht hat sich in Island von 309 Personen im Jahr 2014 auf 685 im Jahr 2022 erhöht.

Rechnungshof monierte das Fehlen von Kontrolle
In einem Bericht des nationalen Rechnungshofes zu Jahresbeginn waren Verwaltung und Kontrolle in der Lachszucht als schwach und fehlerhaft moniert worden. Geänderte Bestimmungen seien nicht befolgt worden, dafür sei die Branche unkontrolliert gewachsen, und der Aufbau von meeresgestützen Zuchtbecken sei beinahe diskussionslos und ohne Reaktion der Politik vonstatten gegangen. Unternehmen hätten Zuchtgewässer langfristig gratis zur Verfügung gestellt bekommen, und Zuchtbecken seien zu dicht an Schifffahrtsrouten und entlang von Telekommunikations- und Stromkabeln aufgesetzt worden.
In den Westfjorden verfügen die Lachskonzerne über Lizenzen für die Zucht von 53.000 Tonnen Lachs, in den Ostfjorden sind es 43.800 Tonnen.

Seuchen und Fischsterben
Auch Krankheiten tauchten in den letzten Jahren auf, nachdem der isländishe Zuchtlachs lange als ausgesprochen gesund und parasitenfrei vermarktet worden war. Im letzten Jahr hatten im Berufjörður und im Reyðarfjörður alle Lachse in den Becken geschlachtet werden müssen, weil sich dort die infektiöse Fischanämie ISA ausgebreitet hatte. An dieser Virusinfektion erkrankte Fische sind für den menschlichen Verzehr nicht geeignet. MAST hatte seinerzeit behauptet, an ISA leidender Zuchtfisch sei durchaus essbar. Das Virus kann im Meerwasser überleben und sich auf andere Bestände übertragen.
Der Fachtierarzt für Fischkrankheiten bei MAST, Gísli Jónsson, gab an, in Norwegen seien aus den Abfällen Düngemittel hergestellt worden.
Im Februar 2020 waren in den Westfjorden 500 Tonnen Lachs verendet, vermutlich starben die Fische wetterbedingt.

Die Fischereiministerin plant einen Gesetzentwurf, der die Lachszucht gründlich auf den Prüfstand stellt. Schon im vergangenen Winter waren deswegen zahlreiche Anträge auf Produktionsstätten im Osten des Landes auf Eis gelegt worden. Im piktoresken Fährhafen Seyðisfjörður hatte sich ein Grossteil der lokalen Bevölkerung gegen Lachszuchtanlangen im Fjord ausgesprochen.

 

Rechtliche Voraussetzungen für Blutstutenhaltung geändert

Die isländische Verordnung, die seit letztem Jahr für die Blutstutenhaltung gilt, wird ausser Kraft gesetzt, berichtet Vísir. Stattdessen fällt die Haltung und Blutgewinnung aus tragenden Stuten unter die Verordnung 460/2017 zum Schutz von für wissenschaftliche Zwecke verwendete Tiere. Diese Änderung ist einer Mitteilung des Ministeriums für Landwirtschaft, Fischerei und Lebensmittel zu entnehmen. Sie wurde nach einem Briefwechsel zwischen dem Ministerium und der Regulierungsbehörde der EFTA (ESA) vorgenommen. Mehrere Tierschutzverbände hatten in der Blutstutensache eine Beschwerde bei der ESA eingereicht.

Island darf keine Sonderregeln schaffen
Mit der Verordnung 460/2017 zum Schutz von für wissenschaftliche Zwecke genutzte Tiere wird eine Richtlinie umgesetzt, die im Jahr 2014 in das EWR-Abkommen aufgenommen worden war.
In einem offiziellen Mahnschreiben der ESA an die isländische Regierung vom 10. Mai erklärt die Regulierungsbehörde, dass Island mit dem Erlass einer Sonderregelung für die Blutstutenhaltung gegen die oben genannte Richtlinie 460 und die Bestimmungen des EWR-Abkommens verstoßen habe.  Dem Schreiben der ESA nach gehe es im Fall der betreffenden Verordnung um die Auslegung des Anwendungsbereichs. Die isländische Regierung habe zugestimmt, dass die Blutgewinnung aus tragenden Stuten zur Herstellung des PMGS/eCG-Hormons in den Geltungsbereich der Verordnung 460 fällt.

Blutgeschäft zukünftig genehmigungspflichtig
Das Ministerium informiert, dass die derzeit geltende Verordnung zur Blutgewinnung aus tragenden Stuten, Nr. 900/2022, ab dem kommenden 1. November ausser Kraft treten wird. „Der Schwerpunkt liegt auf der Wahrung der Verhältnismäßigkeit und darauf, dass den Beteiligten die Möglichkeit gegeben wird, sich an den neuen Rechtsrahmen anzupassen. Nach dem 1. November gilt die Verordnung 460/2017 zum Schutz von für wissenschaftliche Zwecke verwendeten Tiere.”
Die Haltung und kommerzielle Blutgewinnung aus tragenden Stuten unter die genannte Verordnung zu stellen bedeutet, dass sich die formalen Anforderungen für bestimmte Aspekte der Tätigkeit ändern, etwa hinsichtlich der Lizenz, um die sich die Veterinäraufsichtsbehörde (MAST) gemäß Verordnung 460 dann kümmert. Vor drei Jahren war die kommerzielle Blutgewinnung in einen landwirtschaftlichen Zweig umgewandelt worden, für den keine Genehmigung mehr erforderlich war.
Aber nicht nur in Sachen Genehmigung, sondern auch bei Blutmenge und Häufigkeit der Blutgewinnung dürften Neuerungen ins Haus stehen, die die wirtschaftliche Grundlage der Branche verändern könnten.

Wichtige Punkte aus 460/2017
In der Verordnung 460/2017 geht es um das Wohlergehen von für wissenschaftliche Zwecke verwendete Tiere, es soll sichergestellt werden, dass Tiere, die solcherart genutzt werden, keine unnötige Belastung erleiden müssen.
Nach Artikel 4.1 ist jegliche Tierhaltung zu obigem Zweck genehmigungspflichtig, und die Genehmigung kann bei Verstössen durch die Veterinäraufsichtsbehörde entzogen werden.
In Art 10.1 heisst es dass kein Tierversuch durchgeführt werden darf, wenn es eine andere anerkannte Methode ohne den Einsatz von Versuchstieren gibt, um den gewünschten Effekt zu erzielen.

Mehr zum Thema Blutstuten in Island.

 

Neue Walfangverordnung: Wichtigste Regeln gelten erst ab 18. September

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Einige der schärfsten Anforderungen in den neuen Walfangbestimmungen von Fischereiministerin Svandís Svavarsdóttir treten erst am 18. September in Kraft, berichtet Heimildin. An diesem Wochenende waren die Walfangschiffe nicht auf Jagd gegangen, denn das andauernde Tiefdruckgebiet brachte Sturm und hohen Seegang in den Fanggründen. Morgen soll es aber endlich losgehen. Im vergangenen Jahr war der letzte Finnwal am 28. September erlegt worden, eine 18 Meter lange Walkuh, die zweimal harpuniert werden musste, bevor sie verendete.

Erfahrung in Augen der Fischereibehörde
Die neue Verordnung soll den Tod der Wale wenn schon nicht unbedingt schneller gestalten, so doch zumindest aber transparenter, denn jeder einzelne Handgriff der Schützen ist in einem speziellen Logbuch zu dokumentieren. Teile von Paragraph 8 und 9 treten allerdings erst am 18. September 2023 in Kraft.
Der erste Teil von im Paragraph 8 behandelte Abschnitt zu Training, Ausbildung und Eignung der Schützen an Bord der Walfangschiffe ist bereits gültig. Mindestens drei Personen aus der Besatzung müssen der neuen Bestimmung nach Erfahrung in der Jagd auf Wale vorweisen können – mindestens sechs Monate innerhalb der letzte fünf Jahre. Von dieser Vorgabe könne in dringenden Fällen jedoch abgewichen werden, etwa wenn ein Besatzungsmitglied seine Fähigkeiten und sein Wissen in den Augen der Fischereibehörde bereits gezeigt habe.
An Bord der Hvalur-Schiffe befinden sich also möglicherweise Schützen, die in den letzten fünf Jahren weniger als sechs Monate lang Wale mit Sprengladungen beschossen haben.

Bis 18. September keine Dokumentation nötig
Teil zwei des Paragraphen tritt erst in zwei Wochen in Kraft: “Ein Schütze, der die Tiere jagt und tötet, muss einen Kursus absolviert haben, in welchem die Handhabung von Harpune und Sprengladung gelehrt wird, sowie die Tötungsmethoden beim Walfang. Der Schütze muss auch einen von der Aufsichtsbehörde anerkannten Kursus absolviert haben, bei dem mindestens die Biologie der Wale, darunter auch Verhalten, Schmerzempfinden und Stress, sowie Ökologie im Hinblick auf den Wal behandelt wurde, ausserdem die geltenden Bestimmungen zum Walfang.”

Auch Paragraph 9, in dem es um Qualitätskontrolle und Dokumentierung der Jagden geht, tritt erst am 18. September in Kraft. Demnach muss der Lizenzinhaber (Hvalur hf) zwingend das oben erwähnte Logbuch führen, welches Aufsichtspersonen und Ministerium zugänglich ist. Darin muss unter anderem verzeichnet sein, auf welche Weise man sichergestellt hat, dass einer Walkuh kein Kalb folgte, wie man die Länge eines zum Beschuss anvisierten Wales feststellt und wie man den Wiederholungsschuss vorbereitet hat. Damit soll sichergestellt werden, dass der Wal so schnell und schmerzlos wie möglich getötet wird und dass Verstümmelungen und Qualen vermieden werden, heisst es im Paragraphen.
Wenn die Voraussetzungen nicht eingehalten werden, kann die Aufsichtsperson verlangen, dass die Vorgehensweise verbessert wird.
Bis zum 18. September muss Hvalur hf also nicht dokumentieren, ob und wie etwa man ein Kalb ausfindig gemacht hat und wie der erneute Beschuss eines verletzten Wales vorgenommen wird.

Galgenfrist für Tierschutzverstösse
“Ich verstehe nicht, warum da eine Galgenfrist für Bestimmungen gewährt wird, die das Ministerium für diese Tätigkeit notwendig hält, um sicherzustellen, dass sie dem Rahmen entspricht, der dort gezeichnet wird,” kritisierte Katrín Oddsdóttir, die Anwältin des Naturschutzbundes. “Ich sage das mal ganz offen heraus, ich finde diese Frist einfach unglaublich. Das ist sehr sehr seltsam, ein Rahmenwerk zu erstellen, und dann gleich wieder einen Rabatt zu geben, was die Zeit angeht. Entweder braucht man diese Regeln, damit die Jagd korrekt abläuft, oder nicht.”

In den neuen Bestimmungen finden sich allerhand Voraussetzungen, manche sind neu, andere galten bereits letzten Sommer und sind rausgefallen.
Unter anderem muss Hvalur hf. der Aufsichtsperson alle Vorfälle bei der Jagd “so schnell wie möglich” melden, mindestens aber innerhalb von zwei Tagen nach Ende der Fahrt. Diese Vorfälle sind besonders verzeichnet, etwa wenn ein erneuter Schuss notwendig wird, und so war es in der letzten Saison schon gewesen.
Ebenfalls zu melden ist es wenn die Sprengladung im Wal nicht eplodiert, oder wenn sie nicht das anvisierte Ziel trifft, wenn der Verdacht besteht dass der Walkuh ein Kalb folgt, oder wenn ein beschossenes Tier “entkommt oder verloren wird.”
Ganz neu im Regelwerk ist die Vorgabe, dass die Jagd bei Tageslicht stattzufinden hat, und dass der Schütze verpflichtet ist, sicherzustellen dass keine Walkuh mit Kalb beschossen wird.

Weiter Dokumentierung, obwohl Gesetzverstoss bestätigt ist
Auch weiterhin wird die Veterinäraufsichtsbehörde MAST per Videodokumentation die Aufsicht über den Walfang führen, damit gewährleistet wird, dass die Jagd im Rahmen des Gesetzes stattfindet.
Katrín Oddsdóttir kann nur mit dem Kopf schütteln. “Wir wissen doch, dass sowohl der Aufsichtsbericht von MAST über den Walfang im letzten Jahr als auch der Bericht des Fachrats für Tierwohl zu dem Ergebnis kamen, dass diese Jagd nicht im Einklang mit diesem Gesetz ablaufen kann,” sagt sie.
Die von der Ministerin eingesetzte Arbeitsgruppe sollte Möglichkeiten prüfen, um die “Abweichungen” bei der Jagd zu verringern. Katrín zufolge hat sie “in keinster Weise versucht, dieses Problem anzusprechen.” Svandís verwies auf den Bericht ihrer Arbeitsgruppe, als sie das Walfangverbot gestern aufhob.
“Ich finde, die Bestimmung sagt ganz deutlich: Die Jagd darf durchgeführt werden, aber es ist klar dass sie nicht durchgeführt werden kann.” Sie sehe nicht, wie MAST sicherstellen soll, dass die Jagd im Einklang mit dem Tierschutzgesetz verläuft, wenn die gleiche Aufsichtsbehörde zuvor angegeben hatte, dass diese Gesetze nicht standhalten, “mal abgesehen von irgendwelchen Sprengladungen und anderen Dingen.”

Politische Posse, sagen Piraten
Die Fraktionsvorsitzende der Piratenpartei, Þorhildur Sunna Ævarsdóttir, bezeichnete es Vísir gegenüber als “politisches Possenspiel”, zu behaupten, man habe die Anforderungen verschärft, wenn das für etwa die Hälfte der Jagdsaison, die Hvalur zur Verfügung stehe, gar nicht gelte. Ihre Partei möchte das Parlament noch vor Beginn der offiziellen Wintersaison zusammenrufen, um neben anderen dringenden Angelegenheiten auch den Walfang im Plenum zu besprechen, doch das Interesse der Regierungskoalition, so Þorhildur Sunna, sei leider herzlich gering.

 

Entkommene Zuchtlachse in mehreren Flüssen, Angelverband sieht Umweltkatastrophe

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Die Veterinär- und Lebensmittelaufsichtsbehörde MAST hat bei Zählungen herausgefunden, dass die Diskrepanz zwischen der ursprünglichen Anzahl von Zuchtlachsen in den offenen Meeresgehegen von Arctic Seafarm und geschlachteten Fischen bis zu 3.462 Tiere betragen könnte. Dies ist die Zahl an Fischen, die möglicherweise aus den Gehegen in die Natur entkommen sind, berichtet RÚV.

Rechenexempel für geflüchtete Lachse
Im Kvígindisdal in Patreksfjörður sind Lachse aus einem Gehege geschlachtet worden, wo vor über einer Woche zwei Löcher im Netz gefunden worden waren. Zählungen zufolge könnten dort bis zu 3.462 Zuchtlachse entkommen sein.
Dies geht aus der Mitteilung von MAST hervor. Während des Zeitraums, in dem das Loch vermutlich entstanden ist, befanden sich 83.672 Fische in dem Gehege. Berücksichtigt man die Ausgangszahl der Jungfische, die zuvor erfassten Rückwürfe und die Zahl der bereits aus dem Gehege geschlachteten Fische, beträgt die Differenz zwischen der Zahl der ursprünglich im Gehege befindlichen Fische und der Zahl der geschlachteten Fische 2,6 Prozent. Damit befinden sich 3.462 Zuchtlachse nicht mehr im Meeresgehege, sondern voraussichtlich auf dem Weg in die Flüsse. Nach Angaben von MAST ist allerdings mit einer Schwankung von zwei bis vier Prozent zu rechnen.

Warten auf genetische Ergebnisse
Die offenen Zuchtbecken gehören der Firma Arctic Seafarm. MAST untersucht die Angelegenheit – die Flucht der Lachse und den Grund, warum Löcher im Netz entstanden sind. Momentan wartet man auf die genetische Analyse gefangener Lachse mit Zuchtmerkmalen, um deren Herkunft bestätigen zu können.
Schon zuvor waren Berichte von möglichen Zuchtlachsen in Flüssen im Westen und Nordwesten eingegangen, nachdem in Patreksfjörður ein Loch entdeckt wurde.
Die Fischereibehörde sucht derzeit Lachse in den Flüsssen Ósá im Patreksfjörður und Mjólká im Arnarfjörður. In der Ósá waren Zuchtlachse gesehen worden, und es liegen auch Berichte vor, dass in der Mjólká Zuchtlachse unterwegs sind. Fischereibehörde und das Marineforschungsinstitut arbeiten in der Sache eng zusammen und überwachen die Fortschritte genau.

Guðni Magnús Eiríksson, der Direktor der Abteilung für Lachs- und Forellenfische sagte in den Mittagsnachrichten, dass man Proben aus mehr als einem Fluss erhalten habe. Ausserdem wisse man bereits dass Zuchtlachse gesehen und gefangen worden seien, einige seien auch in Wildkameras zu sehen gewesen.
Gunnar Örn Petersen, Geschäftsführer des nationalen Angeldachverbandes sagt, bei seinem Verband seien in den letzten Tagen Berichte über Zuchtlachse in mindestens acht Lachsflüssen im Nordwesten eingegangen. Dies sei die Umweltkatastrophe, vor der seit Jahren gewarnt werde.

 

Dienstaufsichtsbeschwerde gegen südisländische Polizei eingereicht

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Gegen die südisländische Polizeidienststelle ist eine Dienstaufsichtsbeschwerde eingereicht worden, weil der zuständige Polizeileiter seine Ermittlungen im Fall der misshandelten Blutstuten eingestellt hat. Beschwerdeführer sind die deutsch/schweizerischen Tierschutzverbände AWF und TSB, die sowohl die Einstellung der Ermittlung als auch das Verhalten des damit betrauten Polizeichefs als verwerflich bezeichnen und über einen isländischen Anwalt nun rechtliche Schritte eingeleitet haben, berichtet Heimildin.

Die isländische Veterinäraufsichtsbehörde MAST hatte nach Erscheinen des Blutstutenvideos im Winter 2021 eine Aushändigung des ungeschnittenen Videomaterials verlangt, um die im Video dokumentierten Tierquälereien zu untersuchen. Wie einem Briefwechsel zwischen dem deutschen Anwalt der Verbände und den isländischen Behörden zu entnehmen ist, hatten die Verbände darum gebeten, dass das personenschutzrechtlich sensible Datenmaterial per offizieller Amtshilfe aus Island angefordert wird, damit das Material im Fall eines Gerichtsverfahrens juristisch verwendbar bleibt. Dies ist der übliche Amtsweg auch auch in zwischenstaatlichen Angelegenheiten.
Bei der Staatsanwaltschaft in Freiburg ist ein solches Amtshilfeersuchen jedoch niemals eingegangen.
Ein Jahr später, am 25. Januar 2023, ging die Bitte eines polizeilichen Ermittlers um bürokratische Hilfe ein, nur einen Tag später stellte die südisländische Polizei ihre Ermittlungen ein, mit der Begründung, es fehle an Beweismitteln.

Nicht gerechtfertigt und inakzeptabel
Die Tierschutzverbände halten die Einstellung der Ermittlungen für nicht gerechtfertigt und verlangen in ihrer Dienstaufsichtsbeschwerde eine Untersuchung darüber, warum die Polizei ihre Arbeit nicht gemacht hat. Das Verhalten des Dienststellenleiters sei völlig inakzeptabel, widerspreche jeglicher Moral und stehe im Widerspruch zu Wahrheit und Datenlage.
Es wecke Besorgnis, dass die Polizeidienststelle offenbar „nicht in der Lage zu sein scheint, die Beschaffung von Informationen für Ermittlungen in einem Fall kriminellen Verhaltens, der Verbindungen ins Ausland hat, weiterzuverfolgen und abzuschliessen.“
Die Aussagen des Polizeileiters in den Medien stünden nicht im Einklang mit der Datenlage – der dokumentierten Misshandlung der Stuten und Fohlen durch Veterinäre und Helfer – oder der Kommunikation zwischen Dienststelle und Verbänden und seien unwahr. Dies schade der Debatte zum Thema, untergrabe die Glaubwürdigkeit der Tierschutzverbände und schade ihrem Ruf. Dasselbe liesse sich über die Glaubwürdigkeit der Polizei selbst sagen.

Ísteka meldet tote Stuten an MAST
Nachdem der isländische Tierschutzbund (DÍS) gestern offiziell eine Beendigung der kommerziellen Blutgewinnung gefordert hatte, weil dem DÍS vorliegenden zuverlässigen Informationen zufolge weitaus mehr als die acht bei MAST gemeldeten Blutstuten verendet waren, hat sich nun Ísteka-Chef Arnþór Guðlaugsson zu Wort gemeldet und Daten zu den zusätzlichen toten Pferden gefordert, ansonsten halte er die Behauptung für unglaubwürdig.

MAST-Direktorin Hrönn Ólína Jörundsdóttir gab Heimildin gegenüber an, der Behörde lägen aus dem letzten Jahr nur acht gemeldete Fälle vor. MAST habe DÍS schriftlich aufgefordert, Daten zu den nicht bei MAST gemeldeten Todesfällen zu übermitteln.

Die DÍS-Vorsitzende Linda Karen Gunnarsdóttir sagt, es sei sogar die Pflicht der Behörde, solche Fälle zu untersuchen, immerhin sei sie für das Tierwohl zuständig. Weiter erklärt Linda Karen, dass Blutstutenhalter vom blutaufkaufenden Pharmaunternehmen Ísteka eine Entschädigung erhalten können, wenn ihnen eine Stute bei der kommerziellen Blutgewinnung verendet. Die Meldung solcher Todesfälle an die Behörden obliege jedoch der Ísteka. MAST habe gar nicht genug Personal, um alle 90 Höfe während der Blutsaison permanent zu überwachen. Daher kümmert sich der Blutaufkäufer nicht nur um die Blutgewinnung selbst, sondern auch um die Registrierung und Meldung von sogenannten “Vorfällen” und Todesfällen.

Zu schnell verblutet für Euthanasie
Weiterhin wird die Verantwortung am Tod der gemeldeten acht Stuten unerfahrenen ausländischen Veterinären angelastet, die auch in dieser Saison für die Ísteka tätig sein werden, aber zuvor bei MAST in der kommerziellen Blutgewinnung geschult wurden.

Den Fall der Stute, bei der die Kanüle in der Luftröhre landete, worauf sie qualvoll verblutete, kommentierte der Ísteka-Chef damit, die Stute sei ja so schnell verendet, dass man sie nicht mal habe klinisch untersuchen können. Daher habe es auch keine Nottötung gegeben. „Ein paar Minuten sind in diesem Zusammenhang eine sehr kurze Zeit, und alles Gerede über Tierquälerei richtet sich selbst.“ zitiert Heimildin Arnþór Guðlaugsson.
Von MAST heisst es, man führe „erhebliche Kontrollen“ bei der Blutgewinnung durch und untersuche alle gemeldeten Fälle in allen Branchen.

 

 

Acht tote Stuten im Sommer 2022

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Von den acht Blutstuten, die im Sommer 2022 im Rahmen der Blutgewinnung verendeten, ist mindestens eine Stute noch im Fixierstand verblutet oder erstickt, berichtet Heimildin. Diese acht Fälle, soviele wie nie zuvor, seien der Veterinäraufsichtsbehörde MAST gemeldet worden. Mindestens drei Todesfälle ereigneten sich auf dem gleichen Hof.  Eine tragende Stute mit Saugfohlen war gleich nach der Blutentnahme im Paddock verendet, sechs weitere in den drei Tagen danach. Die Kadaver waren vor einer möglichen Obduktion vergraben worden. Man habe der Sache daher nicht auf den Grund gehen können, so die Fachtierärztin für Pferdemedizin bei MAST, Sigríður Björnsdóttir.

Schuld liegt bei unerfahrenen Veterinären
Die Todesfälle waren auf Höfen aufgetreten, wo isländische und ausländische Veterinäre in der Blutgewinnung tätig waren. “Es besteht vor allem der Verdacht, dass dort Veterinäre gearbeitet haben, die nicht ausreichend ausgebildet waren,” glaubt Sigríður.
Diese Ansicht teilt Ísteka-Chef Arnþór Guðlaugsson. Fehlende Erfahrung der beteiligten Veterinäre könne noch am ehesten die Todesfälle der letzten Saison erklären, sagte er Heimildin gegenüber. Nach der Berichterstattung um die Blutwirtschaft hätten viele lokale Tierärzte ihren Tätigkeit im Blut aufgegeben und man habe im Ausland nach willigen Arbeitskräften suchen müssen. Drei polnische Tierärzte seien angeworben worden, die aber natürlich angelernt werden mussten, weil es die Blutbranche in Polen nicht gebe. Ausser in Island betreiben nur Argentinien, Uruguay, Russland und China Blutgewinnung aus tragenden und laktierenden Stuten.

“Keine Katastrophe”
Ob die achte Stute verblutet oder erstickt sei, dazu liegen MAST keine näheren Information vor, sagte Sigríður auf Anfrage des isländischen Tierschutzbundes SDÍ. Aber sie sei unter Aufsicht eines unerfahrenen, ausländischen Tierarztes verendet. MAST halte “vorbeugende Massnahmen” jetzt für notwendig. Mit einem Trainingsplan für Neulinge in der Blutgewinnung könne man die Todeszahlen zumindest weiter drücken. Aber auch erfahrene Veterinäre hätten schon Stuten bei der Blutgewinnung verloren.
“Das ist keine Katatrophe, in Bezug auf Todesfälle in der Tierhaltung,” sagt Sigríður über die acht verendeten tragenden Stuten.

Die Ísteka hält eine Blutverarbeitungslizenz der Umweltbehörde, hat sogenannte “Tierwohlverträge” mit den Blutbauern geschlossen und muss nach einem Regelwerk arbeiten, das nach heftiger öffentlicher Kritik im letzten Jahr mit deutlichen Verschärfungen erneuert worden war. Sigríður sieht bei den verbluteten Pferden keinen Verstoss gegen das Gesetz zum Tierwohl.

Mehr tote Pferde vor der Registrierung?
“Das ist absolut untragbar, dass Stuten bei der Blutgewinnung sterben, und die einzige Reaktion von MAST besteht darin, Tierärzte zu einem Kurs zu schicken.” kritisiert Meike Witt, Vorstandsmitglied und eine der GründerInnen des Tierschutzvereins. Seit November habe man die Kontrollberichte der letzten Saison bei der Behörde angefordert, doch erst jetzt, lange nachdem die Informationen anderweitig vorlagen, sei auf mehrmalige Anfrage ein Bericht eingegangen. Gemeldet worden waren die Todesfälle bereits im Herbst.
Der SDÍ hat Meike zufolge von weitaus mehr Vorfällen gehört. “Wir haben den Verdacht, dass Stuten schon vorher wegen der Blutgewinnung verendet sind, dass das aber vor dem letzten Jahr nicht registriert wurde, als MAST mit der Überwachung begann.” sagt Meike. Der letzte Sommer sei daher keine Ausnahme gewesen, was Todesfälle von Blutstuten angehe.

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Lukratives Gewerbe mit umstrittenen Methoden
Aus dem Blut der tragenden Stuten wird das Hormon PMSG gewonnen, welches vor allem nach Deutschland in die industrielle Schweinezucht exportiert wird.
Die Blutgewinnung findet im Sommer einmal pro Woche in schmalen Fixierständen statt. Dabei wird die in die Box getriebene Stute am Rumpf gefesselt und ihr Kopf wird an einem Pfosten fixiert, damit sie sich nicht bewegen kann, das Injektionsgebiet wird betäubt, dann wird eine bleistiftdicke Kanüle in die Halsvene gestochen, und fünf Liter Blut durch einen Schlauch in den Kanister abgelassen. Über acht Wochen lang sind das 40 Liter Blut pro Stute, die tragend ist und ein Saugfohlen bei Fuss hat. Im vergangenen Sommer war auf 90 Höfen aus 4,141 Stuten Blut gewonnen worden.
Das bei Isländern weitgehend unbekannte Gewerbe hatte jahrelang Zuwachsraten verzeichnet, bis im November 2021 die Dokumentation einer deutschen Tierschutzvereinigung schlimme Zustände bei der Blutgewinnung aufdeckte. Da wurden Stuten und Fohlen systematisch getreten, mit Stangen geschlagen, misshandelt und von Hunden gehetzt, und immer wieder sah man Stuten mit Todesangst bei der Prozedur im Fixierstand. In Reaktion auf Video und öffentliche Empörung war dann das Regelwerk um die Blutgewinnung verschärft worden. Die im Video agierenden Personen konnten zwar identifiziert werden, im Januar war der Fall aber “aus Mangel an Beweisen” von der südisländischen Polizei einfach zu den Akten gelegt worden.

Alles “im Rahmen”
Jetzt sei das ganze Gewerbe besser überwacht und dokumentiert, so Sigríður Björnsdóttir. Mit den neuen Bestimmungen habe sich auch der Stress bei der Blutgewinnung reduziert, denn statt 100 Stuten dürften nur noch 75 pro Tag bearbeitet werden. Jeder Veterinär dürfe nur noch drei Stuten gleichzeitig im Fixierstand haben, statt zuvor vier, so die MAST-Tierärztin. Weitere Massnahmen über das Training der Veterinäre hinaus seien nicht geplant. Sigríður selbst ist in der Fachaufsicht des Gewerbes tätig. Die Stuten würden am Kopf gefesselt, das sei natürlich “unbequem”, aber es helfe, die Sache kurz zu halten.

Und überhaupt gehe es den Blutstuten von allen isländischen Tieren in der Landwirtschaft doch am allerbesten. Blutstuten seien viel besser dran als Schafe oder Kühe. Auch die von Tierärzten und Humanmedizinern scharf kritisierte hohe Blutmenge sieht sie nicht als problematisch. Pferde verfügten über ausreichende Hämoglobinreserven in der Milz. Die Blutstuten stünden nur auf der Weide, grasten und gäben Milch. Die reite ja niemand durchs Hochland. Deshalb sei es möglich, soviel Blut aus ihnen herauszuholen, so die Veterinärin. Sie habe bei ihren Kontrollen keinen Stress und keine klinischen Symptome gesehen, alles sei da “im Rahmen”.
Von den Überwachungskameras, die der Fachrat für Tierwohl im letzten Jahr in seinem Gutachten empfohlen hatte, hält Sigríður nichts. “Ich habe sehr fähiges Aufsichtspersonal,” sagt sie. “Wir üben viel, viel mehr Aufsicht als in anderen landwirtschaftlichen Zweigen. Und wir fotografieren auch, wenn es nötig ist. Ich denke, das reicht.” Zumal man eine Begründung finden müsse, warum im Blutstutenstall eine Überwachungskamera hängt, im Schafstall aber nicht.
Im vergangenen Jahr war die mangelnde bzw. gänzlich fehlende Aufsichtsführung der Tierschutzbeauftragten von MAST immer wieder kritisiert worden. Bei näherer Prüfung hatte sich herausgestellt, dass die Ísteka sich selbst kontrolliert, und MAST lediglich Stichproben durchführt.

Meike Witt vom SDÍ findet, in Sachen Tierschutz müssten jetzt mal Nägel mit Köpfen gemacht werden. Immerhin habe die Ministerin im Frühjahr gesagt, dass wenn Politik und Lizenzinhaber die Anforderungen zum Tierwohl der Wale nicht gewährleisten könnten, die Branche keine Zukunft habe.
“Wir fordern sie auf, den Worten Taten folgen zu lassen im Hinblick auf die Stuten, die zur Blutgewinnung benutzt werden.”

Blutstuten: Polizei hat Ermittlungen eingestellt

Die Ermittlungen im Fall der möglichen Misshandlungen von Stuten bei der kommerziellen Blutgewinnung sind eingestellt worden, weil aus dem Ausland kein ausreichendes Beweismaterial vorgelegt worden ist. Die Polizei hatte in der Vergangenheit mehrfach versucht, weitere Daten von der Tierschutzorganisation zu erhalten, die den Fall ans Licht gebracht hatte, doch diese Daten sind nie geliefert worden, berichtet mbl.is.
Der südisländische Polizeidienststellenleiter Sveinn Kristján Rún­ars­son gab auf Anfrage von mbl.is an, die Organisation habe sich hinter deutschem Recht versteckt, wonach sie keine weiteren Daten liefern müssten. Der Fall sei in Island bereits Ende Januar zu den Akten gelegt worden. Ein Jahr lang habe man ermittelt und versucht, weiteres Material zu erhalten, jedoch ohne Erfolg.

Umstrittene Praktiken
Der Tierschutzbund Zürich (AWB/TSB) hatte im November 2021 ein Video veröffentlicht, wo per versteckter Kamera die Misshandlung von Stuten bei der kommerziellen Blutgewinnung in Island dokumentiert worden war. Unter anderem ist im Video zu sehen, wie Stuten geschlagen und getreten werden, sowohl beim Einsperren in den Fangstand, beim Fesseln und bei der Blutgewinnung selbst durch einen Veterinär. Die Stuten werden mit einem Gurt über den Rücken fixiert, damit sie nicht steigen, und ihr Kopf wird am Pfosten festgebunden, damit sie sich beim Einstich der dicken Kanüle nicht bewegen. Auch zu sehen ist im Video, wie gefesselte Stuten im Fangstand in Panik verfallen und zu steigen versuchen. Den tragenden Stuten mit Saugfohlen bei Fuss werden im Sommer jede Woche bis zu acht Litern Blut entnommen, diese hohe Menge war von ausländischen Tierärzten als tierschutzrelevant kritisiert worden.

Ermittlungen versackten
Die Veterinäraufsichtsbehörde MAST hatte die Sache untersucht und angegeben, sie sehr ernst zu nehmen. Versuche, das ungeschnittene Videomaterial von den Tierschützern zu erhalten, schlugen jedoch fehl. MAST gab an, die Tierschutzorganisation habe sich geweigert, das ungeschnittene Material zu übersenden, sie habe nur Informationen dazu übermittelt, wann das Material aufgenommen worden war.
MAST hatte ermitteln können, wo sich die Vorfälle ereignet hatten und wer daran beteiligt war.
“Bei den Ermittlungen verlangte die Behörde nach Erklärungen und einer Stellungnahme der Leute, die in dem Video zu sehen sind. Wie bereits erwähnt, hatte die Behörde keinen Zugang zu ungeschnittenem Bildmaterial, was ihre Möglichkeiten einschränkt, den Ernst der Verstösse zu bewerten, daher kann die Behörde den Fall nicht vollständig untersuchen.” hatte es in einer Mitteilung im Januar 2022 gehiessen, als die Angelegenheit an die Polizei weitergereicht wurde.
Im Februar 2022 hatte Medienberichten zufolge Blutbetriebe ihren Vertrag mit dem blutverarbeitenden Pharmaunternehmen Ísketa ehf. gekündigt. Die Ísteka extrahiert aus dem Stutenblut das Hormon PMSG, welches im Ausland zur Zyklusregulierung vor allem in der industriellen Schweinezucht benutzt wird.

Neue Bestimmungen für weitere drei Jahre
MAST zufolge liegt die Verantwortung der Blutgewinnung bei Ísteka, und die Blutgewinnung wird durch unternehmenseigene Veterinäre durchgeführt.
Im vergangenen Jahr hatte die Ministerin für Landwirtschaft, Fischerei und Lebensmittel neue und strengere Bestimmungen für die kommerzielle Blutgewinnung eingeführt und die Blutwirtschaft für weitere drei Jahre genehmigt.
Auf dem Tisch der Ministerin liegt seit Ende Mai auch ein Schreiben der EFTA-Regulierungsbehörde ESA, wonach in der kommerziellen Blutgewinnung ein Verstoss gegen europäisches Recht vorliegt, denn in Europa fallen Blutstuten unter die Richtlinie zum Schutz von für wissenschaftliche Zwecke verwendete Tiere. Die isländische Regierung vertritt jedoch den Standpunkt, dass die Blutstuten keine Versuchstiere sind, weil das aus ihnen gewonnene Blut ein landwirtschaftliches Produkt darstelle, daher falle die Blutstutenhaltung auch nicht unter die genannte Bestimmung. Das Mahnschreiben der ESA war eingegangen, nachdem bei der EFTA im April letzten Jahres eine von 17 isländischen Verbänden formulierte Klage eingegangen war. Islands Regierung hat zwei Monate Zeit, auf den Brief zu reagieren.
Mehr zum Thema Blutstuten.

Walfang: Jobverlust und Vorwürfe wegen Minister-Entscheidung

Páll Stefánsson. Whaling in Iceland, 2010

Auch an Tag zwei nach der Ministerentscheidung, den Walfang in Island bis zum 31. August auszusetzen, befinden sich grosse Teile der Seemannsbranche in Aufruhr. Vor allem im westisländischen Städtchen Akranes war die Empörung gross, dort veröffentlichte der Stadtrat eine Erklärung, in der kritisiert wurde, dass die Entscheidung unverhältnismässig sei, sowie schlechte Politik, weil erst entschieden wurde, um dann zu untersuchen. Überdies reiche die Meinung des Fachrates für Tierschutz nicht aus, um eine solch schicksalhafte Entscheidung zu rechtfertigen, die sich unmittelbar auf das Überleben vieler Haushalte auswirke. Auch die Stadt selbst ist betroffen, geht sie doch nun mehrerer Millionen ISK an Steuereinkünften verlustig. Der Stadtrat hat die Ministerin aufgefordert, ihre Entscheidung zurückzuziehen.
Wie gestern bekannt wurde, hatten durch das Aussetzen des Walfangs um die 200 Personen ihre Arbeit unerwartet verloren, darunter auch Leute, die eine Stellung extra gekündigt hatten, um das ausgesprochen lukrative Walschlachten über den Sommer auszuüben, sowie Studenten, die sich mit diesem Sommerjob ihr Studium finanzieren.  Heute Abend fand eine offene Sitzung von Bürgern, Gewerkschaft und Lokalpolitik statt, zu der auch Ministerin Svandís Svavarsdóttir angereist war.

Hvalur-Chef greift Minister und Fachrat an
Hvalur-Chef Kristján Loftsson hat bislang nur der konservativen Tageszeitung Morgunblaðið ein Interview gegeben, wo er angab, die Entscheidung sei wie ein Blitz aus heiterem Himmel gekommen. Er erhob Heimildin zufolge auch schwere Vorwürfe gegen die Ministerin für Fischerei, Landwirtschaft und Lebensmittel: „Was hier vor sich geht, ist, dass ein extremer Kommunist das Lebensmittelministerium kontrolliert und alles außer der Verstaatlichung zu hassen scheint.“

Auch der Fachrat für Tierschutz bekam sein Fett weg. Das Gremium hatte in seinem am 19. Juni veröffentlichten Bericht den Walfang so eingeschätzt, dass es nach heutiger Praktik und aktuellem Wissensstand nicht möglich sei, einen Grosswal im Einklang mit den Gesetzen zum Tierschutz zu töten. Auf diesen Bericht hatte die Ministerin ihre Entscheidung gegründet und verfügt, dass die diesjährige Walfangsaison statt Mitte Juni erst am 31. August beginne.  Der Zeitraum bis dahin solle genutzt werden, um Möglichkeiten zu finden, wie man Wale tierschutzgerecht jagen und töten kann.
Kristján bezeichnete den Bericht als „von Experten verfasst, die keine Erfahrung mit diesen Themen haben“. Er wirft dem Fachrat vor, die Sache noch weiter auf den Kopf zu stellen, und bezeichnete den Fachratsvorsitzenden Henry Alexander Henrysson vom Instituts für Ethik an der Universität Island als erklärten Gegner des Walfangs und daher für unfähig, in der Sache zu urteilen.

Fachrat sollte nur eine Frage beantworten
Henry Alexander weist die Vorwürfe zurück. Der Fachrat habe lediglich die Anfang Mai veröffentlichte Studie zu Überwachungsvideos aus der Walfangsaison 2022 samt damit in Zusammenhang stehende Daten sowie andere Daten zum Walfang prüfen sollen. Der Ministerin habe die Überwachungsstudie nämlich für eine Entscheidung nicht ausgereicht.
„Deshalb hat man den Fachrat gebeten, die Sache intensiv zu prüfen und eine einfache Frage zu beantworten: Ob es möglich ist, sicherzustellen, dass ein Wal auf tierschutzgerechte Art und Weise getötet werden kann,“ erklärt Henry Alexander. „Wir sind nach reiflicher Überlegung zu dem Ergebnis gekommen, nein, es ist nicht möglich, das sicherzustellen.“ Diese Antwort sei an die Veterinäraufsichtsbehörde MAST gegangen, und von da aus an die Ministerin. „Wir fällen keine Entscheidungen, und wir haben keine rechtliche Handhabe.“ betont der Ethiker.
Die Antwort des Fachrates sei gut begründet gewesen, ganz anders als die Debatte der letzten Tage, das Interview mit dem Hvalur-Chef sei da beispielhaft. „Er redet um etwas ganz anderes als unsere Argumentation, aber ich glaube, die sollte er sich eher mal genauer anschauen. In gewisser Weise finde ich, wenn er nach zwei Tagen mit nichts Besserem aufwartet, dann bestätigt er damit nur unser Ergebnis.“

Saisonstart war bis zuletzt ungewiss
Die Walfangsaison 2023 hatte zuletzt einem Kopf-an-Kopf-Rennen geähnelt. Nach Bekanntwerden der Überwachungsvideos, in denen zum Teil stundenlange Todeskämpfe von geschossenen Walen zu sehen waren, hatte die Ministerin angegeben, über keine gesetzliche Handhabe für einen Widerruf der Walfanglizenz zu verfügen. Stattdessen hatte sie die Überwachungsstudie an den Fachrat für Tierschutz weitergeleitet und um eine fachliche Einschätzung gebeten. Diese Einschätzung stand noch aus, selbst als Hvalur hf. in der vergangenen Woche unerwartet eine Betriebsgenehmigung für die Schlachtanlage im Hvalfjörður erhalten hatte, wo zuvor von den Gesundheitsbehörden schwerwiegende Mängel in Sachen Umweltschutz festgestellt worden waren.
Die von der Ministerin angeforderte Einschätzung des Fachrates für Tierschutz wurde am 19. Juni veröffentlicht – einen Tag bevor Kristján Loftsson unbeirrt mit seinen beiden Walfangschiffen in See stechen wollte.

 

Walfangsaison bis 31. August ausgesetzt

In diesem Sommer werden keine Finnwale gejagt, berichtet Vísir. Das hat die Ministerin für Landwirtschaft, Fischerei und Lebensmittel, Svandís Svavarsdóttir heute morgen entschieden. Eigentlich hätten die Walfangschiffe morgen früh in See stechen sollen, doch nun ist klar, dass die Jagdsaison frühestens am 1. September beginnt.

Im Mai 2023 war ein Überwachungsbericht der Veterinäraufsichtsbehörde MAST veröffentlicht worden, nach der die Tötung der erbeuteten Wale aus Sicht des Tierschutzgesetzes zu lange gedauert habe. Manche Wale hatten mehrfach harpuniert werden müssen, der Todeskampf hatte bis zu zwei Stunden gedauert. Nach Bekanntwerden der Videos hatte die Ministerin mehrfach angegeben, über keine rechtliche Handhabe zu verfügen, um den Walfang im Sommer auszusetzen.

Dann war der Fachrat für Tierwohl in seiner am 19. Juni veröffentlichten Bewertung zu dem Ergebnis gekommen, dass die für Grosswale angewandte Jagdmethode nicht mit dem Tierschutzgesetz in Einklang steht.

Im Lichte dieser Ergebnisse sei es notwendig, so die Ministerin, den Beginn der Waljagd so zu verschieben, damit ein Ermessensspielraum entstehe, um zu prüfen, ob sichergestellt werden kann, dass die Jagd im Einklang mit den Bestimmungen des Tierschutzgesetzes durchgeführt wird.
„Ich habe die Entscheidung getroffen, die Waljagd im Lichte der eindeutigen Meinung des Fachrats für Tierschutz vorübergehend auszusetzen,“ gab Svandís Svavarsdóttir an. „Die Bedingungen des Tierschutzgesetzes sind meiner Meinung nach nicht umgehbar, und wenn Regierung und Lizenznehmer die Tierschutzanforderungen nicht gewährleisten können, hat diese Aktivität keine Zukunft.“ steht in ihrer Erklärung auf der Webseite der Regierung zu lesen.

Das Ministerium wird in den kommenden Monaten mögliche Verbesserungen und die rechtlichen Voraussetzungen für weitere Beschränkungen der Jagd auf der Grundlage des Tierschutzgesetzes und des Walfangesetzes prüfen und dazu die Einschätzung von Experten und Lizenzinhabern einholen.
In diesem Jahr geht es auch darum, ob die mit dem Herbst auslaufende Jagdlizenz des einzigen in Island tätigen Walfangunternehmens Hvalur hf. generell verlängert werden kann. Svandís hatte im Winter in einem Kommentar im Morgunblaðið geschrieben, sie sehe im Walfang keine Zukunft.

Blinder muss Einfuhrkosten für seinen Blindenhund nicht tragen

Gestern gab das Ministerium für Landwirtschaft, Fischerei und Lebensmittel bekannt, dass ein blinder Mann nicht die hohen Kosten zu tragen habe, die entstehen, wenn er seinen Blindenhund mit auf Heimaturlaub nach Island bringen will. Damit scheint ein monatelanger Kampf für den Sänger Már Gunnarsson zuende zu gehen, berichtet Vísir. Már hatte vor einigen Tagen sein Leid auf Facebook geklagt und seinen Kampf gegen das System beschrieben, wenn es darum geht, seinen Blindenhund Max nach Island zu bringen.

Már ist blind und befindet sich in der Gesangsausbildung in London. Er ist auf seinen Blindenhund Max angewiesen, aber Heimaturlaub bei der Familie in Island stellt ein Problem dar, denn Einfuhr und Quaratäneunterbringung für den Hund haben um die 600.000 ISK gekostet: Már hatte einen um ein Vielfaches teureren Flug zu Büroöffnungszeiten der Veterinäraufsichtsbehörde MAST buchen müssen, damit die Behördenmitarbeiter den Fall bearbeiten konnten, er hatte Medikamente und Untersuchungen für Max bezahlen müssen, und schliesslich war ihm der Hund am Flughafen in Keflavík einfach abgenommen worden. Und für die speziell genehmigte Quarantäneaufsicht im Haus der Familie hatte Már selbst einen Tierarzt beauftragen und bezahlen müssen, MAST hatte keinen Veterinär dafür abgestellt. Schnell war klar, dass bei solch hohen Kosten aus dem nächsten Heimaturlaub nichts werden würde.

Ministerium rät zu Spendenaufruf
„Ich habe monatelang versucht, Kontakt zum Ministerium aufzunehmen, aber die haben mich einfach ignoriert,“ erzählt Már. „Das Sozialministerium hat mir dann geraten, bei Wohlfahrtsverbänden wie dem Lions Club um eine Spende zu bitten, was ich eine ausgesprochen traurige Denkweise finde. Lions hat damals geholfen, Geld für den Kauf des Blindenhundes zu sammeln, und ich finde es eine unglaubliche Frechheit, zu erwarten, dass die immer auf den Zug springen und alles finanzieren sollen.“

Ungleichbehandlung Behinderter
Im Gesetz zu den Dienstleistungen für Blinde und Sehbehinderte heisst es unter anderem, dass der Nutzer eines Blindenhundes nicht die Kosten tragen müsse, die durch Erwerb und Training solcher Hunde, oder jedesmal durch den Transport solcher Hunde von und in das Land entstehen.“ Már sagt, vor dem Gesetz sei der Hund ein „Hilfsmittel“, der im übrigens im Besitz des Staates stehe. Dennoch habe er als Nutzer des „Hilfsmittels“ die Einfuhrkosten tragen müssen.
Mbl.is gegenüber sagte er, er habe vollstes Verständnis für die Seuchenschutzbestimmungen, auf die Ministerium und MAST sich berufen. Aber der Hund sei sein Augenpaar und man dürfe ihn nicht einfach wegnehmen, wie es gerade am Flughafen geschehen sei. “Ich fühle mich, als ob man von mir erwartet, dass ich meine Augen in London zurücklasse.” klagt Már.
Er befinde sich für die nächsten fünf Jahre in Ausbildung im Ausland und frage sich nun, ob er als behinderter Mensch jedesmal ungleich behandelt werde, wenn er in sein Heimatland einreisen wolle. Rollstuhlfahrer könnten einreisen, ohne Extrakosten tragen zu müssen.

Auch für Vísir hatte niemand beim Ministerium zu einem Kommentar zur Verfügung gestanden, aber gestern Nachmittag wurde dann bekanntgegeben, dass man innerhalb des Ministeriums eine Lösung gefunde habe, und dass Már die Kosten für den Hundetransport nicht zu zahlen habe.