Staatssender RÚV prangert Blutstutenhaltung an

Gestern Abend war im staatlichen TV-Sender RÚV eine Dokumentation über die Stutenblutgewinnung in Island zu sehen. Die Journalisten des Investigativmagazins Kveikur hatten sich aufgemacht, Blutfarmer zu befragen, aber nur eine Landwirtin gefunden, die nicht mehr im Geschäft ist und bereit war, vor der Kamera zu sprechen.

Sæland kritisiert MAST
Heute kritisierte Inga Sæland, die Vorsitzende der Volkspartei, die Veterinäraufsichtsbehörde MAST für ihre mangelnde Aufsichtsführung und Tatenlosigkeit und warf der leitenden Tierärztin der Behörde vor, ihren Aufgaben nicht gewachsen zu sein.
„Das kommt ja nicht unerwartet,“ sagt Inga. „MAST versagt seit vielen vielen Jahren, wenn nicht sogar einfach immer.“ Im vergangenen Jahr hatte der nationale Steuerprüfer ein vernichtendes Urteil zur Aufsichtsführung der Behörde abgegeben. Inga verlangt, dass bei MAST aufgeräumt und die Leitung ausgetauscht wird. Die Landwirtin, die im Filmbeitrag vor laufender Kamera aussagte, was mit ihren Blutstuten geschehen war, bezeichnete Inga als Heldin.
Bereits zum dritten Mal liegt dem Parlament von der Parteivorsitzenden ein Gesetzesentwurf zum Verbot der Blutwirtschaft vor.

Am eigenen Blut erstickt
Sæunn Þóra Þórarinsdóttir auf Lágafell in Landeyjar steht im Kveikur-Beitrag vor der Kamera Rede und Antwort. Sie hat im Jahr 2022 vier Stuten nach der Blutgewinnung verloren. Ihrer Einschätzung nach seien die beteiligten Tierärzte der Aufgabe nicht gewachsen gewesen. Vom blutaufkaufenden Pharmaunternehmen Ísteka sei sie aufgefordert worden, die Kadaver so schnell wie möglich zu vergraben, damit die Tierschützer nicht Wind davon bekämen,  und den Mund über die Sache zu halten. Das vierte tote Pferd hat Sæunn dann auf eigene Verantwortung obduzieren lassen. Dabei stellte sich heraus, dass die bleistiftdicke Entnahmekanüle durch die Halsschlagader in den Kehlkopf der Stute gedrungen war. Das Pferd war noch im Fangstand an seinem eigenen Blut erstickt.
Der obduzierende Tierarzt habe ihr geraten, den Obduktionsbericht in der Schublade verschwinden zu lassen und nicht darüber zu reden. Sæunn ist nicht mehr bei Ísteka unter Vertrag und verkauft derzeit ihren Stutenbestand.

Meldepflicht für Todesfälle
Im Jahr 2022 war eine neue Verordnung in Kraft getreten, die eine weitaus strengere Kontrolle der Bluthöfe mit sich brachte. Unter anderem wurden die Höfe verpflichtet, am Jahresende eine Statistik über Vorfälle, Krankheiten und Todesfälle im Zusammenhang mit der Blutgewinnung abzuliefern. Dabei stellte sich heraus dass in 2022 weitaus mehr Stuten bei der Blutgewinnung verendet waren als im Jahr zuvor. Heimildin hatte seinerzeit berichtet, dass acht tote Stuten in den Statistik auftauchten.  Der isländische Tierschutzbund geht von einer höheren Dunkelziffer aus. Allerdings waren alle Kadaver vor Feststellung der Todesursache vergraben worden. Im letzten Jahr sind sechs tote Pferde verzeichnet. MAST hatte vor der Saison alle beteiligten Veterinäre zu einem Blutabnahmekurs verpflichtet.

Blutstuten sind nach EU-Recht Versuchstiere
Die oben genannte Verordnung fiel am 1. November 2023 ausser Kraft. An ihre Stelle trat eine Verordnung der EU zum Schutz von Tieren in Kraft, die für Versuchszwecke eingesetzt werden. Die Regulierungsbehörde der EFTA hatte Islands Regierung dafür gemassregelt, dass das Land eine „Sonderregel“ für die Blutstutenwirtschaft unterhalte. Treibende Kraft für das Eingreifen der EU waren isländische und Schweizer Tierschutzverbände gewesen, Videos des Schweizer Tierschutzbundes AWF hatten Tierquälereien während der Blutsaison offenbart. Eine Anzeige gegen die beteiligten Landwirte war im Sand verlaufen, eine neue Anzeige ist bei der Reykjavíker Polizei in Bearbeitung.
Doch das EU-Regelwerk kommt mit grossen Einschränkungen daher. „In erster Linie müssen strenge Auflagen hinsichtlich der Anzahl der Tiere eingehalten werden.“ erklärte die leitende Veterinärin bei MAST, Sigurborg Daðadóttir Vísir gegenüber. „Wie viele Tiere sind für die Durchführung eines Experiments mindestens erforderlich? Die grosse Zahl an Tieren, die es hier in Island gibt, da sind ja tausende von Stuten für Blut genutzt worden. Das wird nie funktionieren, wenn das unter Tierversuche fällt.“
Sollte es eine Genehmigung für die Blutgewinnung geben, dann werde die in diesem Jahr für weitaus weniger Stuten ausgestellt. Jeder einzelne Hof müsse eine Betriebsgenehmigung beantragen, danach müsse die Ísteka eine Genehmigung für Tierversuche beantragen, erklärt Sigurborg.

Lukrative Landwirtschaft
Die Ísteka ist das einzige Unternehmen in Island, welches Stutenblut aufkauft und daraus das Trächtigkeitshormon PMSG extrahiert. Das Hormon wird ins Ausland exportiert und dort zur Zyklussteuerung in der Schweinezucht und bei kleinen Ruminanten verwendet. Hauptabnehmer ist Deutschland. Für das isländische Unternehmen springt dabei ein Jahresumsatz von um die zwei Milliarden ISK heraus.
Im Februar hatte die Ísteka Klage gegen den isländischen Staat erhoben. Die Blutgewinnung sei keine Versuchstierhaltung, sondern ein Zweig der Landwirtschaft, und das seit mehreren Jahrzehnten, argmentierte das Unternehmen. Der isländische Bauernverband unterstützt die Blutstutenhaltung und befürchtet einen grossen Stellenverlust, wenn sich die Blutgewinnung nach der neuen Verordnung als unrentabel herausstellt.

Blutstuten: Anzeige wegen Tierquälerei vorgelegt

Zwei Tierschutzverbände haben Fälle von körperlicher Gewalt gegen tragende Stuten und Fohlen, sowie unzumutbare Umstände bei der Blutgewinnung aus den tragenden Stuten bei der isländischen Polizei zur Anzeige gebracht, berichtet Heimildin. Die Verbände verlangt von den Polizeibehörden, dass der im Zusammenhang mit der kommerziellen Blutgewinnung stehende Fall strafrechtlich verfolgt wird, da ihrer Ansicht nach Daten vorliegen, die schwere Gewalt gegen Pferde belegen. Die Anzeige lautet auf Tierquälerei und Verletzung des Tierschutzgesetzes und wurde der Polizeidirektion in Reykjavík von der Anwaltskanzlei Réttur vorgelegt.

Unbefriedigend und gesetzeswidrig
Der Tierschutzbund Zürich (TSB) und die Animal Welfare Foundation (AWF) untersuchen seit einigen Jahren die Umstände, unter denen in Island aus tragenden Stuten Blut zur kommerziellen Verwertung gewonnen wird. Zwei Dokumentarvideos sind bereits entstanden, das letzte stammt vom November letzten Jahres und zeigt Filmmaterial von zwei Blutfarmen. In der Anzeige heisst es, sowohl Haltungsbedingungen als auch Stalleinrichtung sei unbefriedigend, „aber auch die Massnahmen und das Verhalten der Personen, die sich mit den Stuten befassen, ist brutal und gegen das Gesetz.“ Im Film sieht man wie Stuten und ihre Fohlen mehrfach getreten werden, „unter anderem ein kräftiger Tritt in das Gesicht einer Stute, die in der Fangbox festhängt.“
An anderer Stelle ist ein Mann zu sehen, der offenbar kein Veterinär ist, und der aber mit der Blutgewinnung betraut wurde. Über eine Minute lang versucht er mehrfach, die Halsvene zu treffen, was der Stute Leiden und Unwohlsein zufügt. Zusätzlich zu den brutalen Punktionversuchen benutze er ein Holzscheit, um die Stute abzuwehren. Die Anzeige führt weitere Attacken an, wie Tritte in den Bauch von tragenden Stuten und gegen Fohlen.

Im Filmmaterial von dem zweiten Hof sieht man wie Stuten in den Fangboxen mit dem Kopf gegen Bretter schlagen beim Punktionsversuch immer wieder zucken. „Der Kopf einiger Stuten ist so hoch gebunden, dass er überstreckt ist und sich in sehr unbequemer Haltung für die Blutentnahme befindet.“ Eine sich wehrende Stute muss dreimal gestochen werden, bevor die Vene punktiert werden kann.

Verstoss gegen geltenes Tierschutzrecht
Die Verbände sind Heimildin zufolge der Ansicht, dass das in den Videos gezeigte Verhalten einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz darstellt. Dieses Gesetz verbietet die Misshandlung von Tieren und schreibt vor, dass Tierhalter für eine gute Pflege der Tiere sorgen und sie vor Verletzungen schützen müssen
Der Gesetzesvorstoss vor allem im zweiten Fall sei vorsätzlich durchgeführt worden, was die Verbände als schwerwiegend bezeichnen. Die Verfahrensweise stehe weder mit der seinerzeit geltenden Verordnung zur Blutgewinnung aus tragenden Stuten noch mit der aktuellen Verordnung im Einklang.
Alle verfügbaren Informationen und Erklärungen zu den in der Dokumentation gezeigten Vorfällen liessen kriminelles Verhalten erkennen. Die Verbände erklärten sich zur Zusammenarbeit bereit und Mithilfe bei der Beweissicherung an.

Polizei im Süden legte Fall zu den Akten
Die isländische Veterinäraufsichtsbehörde (MAST) hatte bereits eine Voruntersuchung des im November erschienenen Videomaterials durchgeführt und den Fall im Anschluss an die Polizeidirektion im Südland weitergeleitet.
Diese Polizeidirektion hatte jedoch im Jahr 2022 eine Untersuchung zur Gewalt gegen Blutstuten zu den Akten gelegt. Damals hatte MAST Gewalt gegen tragende Stuten zur Anzeige gebracht, die in dem ersten Dokumentarfilm der Tierschutzorganisationen aus dem November 2021 zu sehen gewesen waren. Dieser Film hatte in Island für grossen Unmut gesorgt. Im Jahr 2022 waren im unmittelbaren Zusammenhang mit der kommerziellen Blutgewinnung in Island mindestens acht tragende Stuten verendet.

Hinter der kommerziellen Blutgewinnung steht das Pharmaunternehmen Ísteka, das mit den Pferdehaltern einen Abnahmevertrag schliesst und aus dem Stutenblut ein Hormon extrahiert, welches die Fruchtbarkeit von Nutztieren steigert. Das Hormon kommt vor allem in der deutschen Landwirtschaft zur Anwendung.

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Lachsflucht in den Westfjorden: Polizei stellt Ermittlungen ein

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Die Polizeidirektion der Westfjorde hat ihre Ermittlungen im Fall der Lachsflucht beim Fischzuchtkonzern Arctic Sea Farm ehf. eingestellt. Im August waren im Patreksfjörður um die 3500 Zuchtlachse aus einem Meeresgehege in die freie Natur entkommen. Im September hatte MAST den Fall zur Anzeige gebracht.

In einem Facebookbeitrag der Polizeibehörde heisst es, die Ermittlungen seien eingestellt worden, weil es keine Grundlage gebe, um sie weiter voranzutreiben. Aus den Akten gehe nicht hervor, dass die Ausrüstung der Meeresgehege aufgrund von Handlungen oder unterlassenen Handlungen mangelhaft gewesen sei, oder dass es sich um ein grosses Verschulden handle.
Dem Gesetz nach haftet die Unternehmensleitung mit Geldstrafen oder Gefängnis von bis zu zwei Jahren, wenn Zuchtfische aus einer Zuchtanlage in die freie Natur entkommen, wenn die Ausrüstung vorsätzlich oder durch Leichtsinn mangelhaft war, heisst es in einer Mitteilung von MAST.

Der Sportangler Elías Pétur Viðfjörð Þórarinsson war einer der ersten, der seinerzeit die vielen Zuchtlachse in den Flüssen entdeckt hatte. “An einem Tag fingen wir sechs Zuchtfische, die sich alle in sehr schlechtem Zustand befanden. Die hatten offene Wunden, zerfetzte Flossen und waren voller Lachsläuse. Wir fingen auch Wildlachs, und der war auch voller Lachsläuse, und wir waren überrascht, dass da kein Mitarbeiter der Fischereibehörde unterwegs war, um die entkommenen Zuchtfische in den Flüssen zu suchen.“ sagte Elías Vísir gegenüber.
Im Herbst wurden dann Spezialtaucher aus Norwegen ins Land geholt, die die entkommenen Lachse in den Flüssen aufspürten und vor Ort töteten.

 

MAST hätte Guðmundas Hühner und Pferde nicht schlachten dürfen

Die Entscheidung der isländischen Veterinäraufsichtsbehörde MAST, im vergangenen Winter alle Tiere der Landwirtin Guðmunda Tyrfingsdóttir zu beschlagnahmen und sie unverzüglich schlachten zu lassen, ist vom Ministerium für Landwirtschaft als gesetzeswidrig eingestuft worden, berichtet Vísir. Guðmundas Anwalt sagt, seine Mandantin sei mit diesem Urteil zufrieden, obwohl ihre Tiere nie mehr zurückkommen.

Beschlagnahmung in Abwesenheit
Die 90-Jährige vom Hof Lækjartún im südisländischen Ásahreppur hatte sich im Dezember letzten Jahres die Schulter ausgerenkt und musste ins Krankenhaus gebracht werden. Im Anschluss an den Unfall beschlagnahmte MAST sämtliche Tiere auf dem Hof, da sich nach Einschätzung der Behörde niemand fand, der sich in Guðmundas Abwesenheit um die Tiere kümmerte.
Guðmunda ist die Überlebende von zehn Geschwistern, die jahrzehntelang alleine mit ihren Tieren auf Lækjartún gelebt hatte. Vor einigen Jahren hatte sie die Milchwirtschaft aufgegeben und ihre Kühe verkauft, behielt jedoch einige Schafe, Kälber, Hühner und ein paar Pferde.
Bekannte und Nachbarn der alten Dame hatten angegeben, ihr helfen zu wollen und die Tiere zu versorgen, seien jedoch von den Verwandten per Telefon davon abgehalten worden. Im Januar hatte Vísir berichtet, einige hilfsbereite Nachbarn seien gar vom Hof gejagt worden.
Anfang des Jahres liess MAST dann den gesamten Tierbestand, Hühner und Pferde inklusive, schlachten, weil die Bäuerin nicht zuhause war.

Kein Spielraum für derart endgültige Massnahme
Das Landwirtschaftsministerium hat nun geurteilt, dass MAST keinen rechtlichen Spielraum gehabt habe, auf diese Weise über die Tiere zu verfügen. MAST habe nach Guðmundas Einlieferung ins Krankenhaus am 22. Dezember und erneut am 2. Januar, bevor sie nach Hause zurückkehrte, Einwände zum Tierwohl auf dem Hof erhoben. In den Einwänden der Behörde ging es vor allem darum, dass es auf dem Hof Tiere gebe, um die sich niemand kümmere.
Auf Bitten von MAST habe Guðmunda Personen genannt, die sich um das Vieh kümmern sollten, doch sei nach Angaben der Behörde niemand bereit gewesen, diese Aufgabe zu übernehmen. Daraufhin habe man die Tiere geschlachtet.

In den behördlichen Daten finde sich jedoch keine Bestätigung dafür, dass sich die Tiere wegen Futtermangel, Unfall oder maroder Stalleinrichtung in einem dauerhaft schlechten Zustand befunden hätten. Der Zustand der Tiere – Pferde, Kälber, Schafe und Hühner – sei vielmehr gut gewesen, als die Entscheidung getroffen wurde, das Vieh zu beschlagnahmen und zu schlachten, heisst es in dem Urteil des Ministeriums. Auch sei der Zustand nicht derart gewesen, dass man die Massnahmen so schnell und final hätte treffen müssen, ohne der Klägerin Gelegenheit zu einer Äusserung oder zum Ergreifen eigener Massnahmen zu geben. Guðmunda war von der blitzschnellen Aktion von MAST im wahrsten Sinne des Wortes überrumpelt worden.
Es sei daher Ansicht des Ministeriums, dass bei der Bearbeitung des Falles die Verfahrensregeln des Verwaltungsrechts und die Bestimmungen des Informationsrechts nicht beachtet wurden. Auch die Voraussetzungen des Tierschutzgesetzes, auf das man sich berufen habe, seien von der Behörde nicht eingehalten worden.

Behörde unter Kritik
Guðmundas Anwalt gab an, die alte Dame habe sich damit zufriedengegeben. Sie wolle einfach nur anerkannt haben, dass die Aktion mit Gewalt durchgeführt worden sei. Die Tiere seien ihr Ein und Alles gewesen. Einst hatte Guðmunda 18 Kühe gehalten und zu den Höfen mit dem höchsten Milchertrag im ganzen Land gehört.

Im vergangenen Jahr war MAST mehrfach in die Kritik geraten, nachdem bei Tierhaltern im Westen des Landes über Jahre tierschutzwidrige Zustände dokumentiert wurden, ohne dass von Behördenseite etwas passierte. Privatpersonen hatten sich für die hungernden Pferde und Rinder starkgemacht und sogar Pflegeplätze organisiert, doch erst geschah monatelang nichts, der Zustand der Tiere verschlechterte sich, dann hatte MAST in einer Blitzaktion 13 Pferde beschlagnahmt und schlachten lassen, obwohl das Tierschutzgesetz den Spielraum erlaubt hätte, diese Tiere in Pflege zu geben oder zu verkaufen.

 

Blutstutenhaltung: Neuer Verbotsversuch, neues Tierschutzvideo

Zum vierten Mal liegt dem isländischen Parlament in diesem Herbst ein Vorschlag zum Verbot der Blutstutenhaltung vor, berichtet Vísir. Der Vorschlag kommt einmal mehr von der Vorsitzenden der Volkspartei, Inga Sæland.  Vísir gegenüber gab sie an, sie hoffe dass die neue EU-Regelung dazu führe, dass sie den Vorschlag zum letzten Mal einreichen müsse.

Neue Verordnung nach ESA-Mahnung
Die zuletzt geltende Bestimmung für die Durchführung der kommerziellen Blutgewinnung aus tragenden Stuten war am 1. November ausser Kraft getreten, nachdem die europäische Regulierungsbehörde ESA dem isländischen Landwirtschaftsministerium vorgeworfen hatte, gegen europäisches Recht zum Schutz von Tieren zu verstossen, die für Versuchszwecke benutzt werden. Das Mahnschreiben war vom Ministerium erst kommentiert worden, so schreibt Heimildin, als die Blutsaison 2023 auf isländischen Höfen fast vorüber war.
Ende vom Lied ist, dass die Blutstutenhaltung seit dem 1. November unter eine Verordnung aus dem Jahr 2017 zum Schutz von Versuchstieren fällt, mit entsprechenden verschärften Anforderungen für die Branche. Unter anderem muss die Blutmenge aus jeder Stute radikal reduziert werden. In Island werden über acht Wochen lang um die 40 Liter aus jeder tragenden und laktierenden Blutstute gewonnen, das entspricht etwa der Menge ihres Gesamtblutvolumens. Ausländische Tierschützer und Tierärzte hatten diese Menge und Häufigkeit scharf kritisiert, isländische Tierschutzorganisationen hatten sich schliesslich mit einer Beschwerde an die ESA gewandt. Die Veterinäraufsichtsbehörde MAST hatte immer wieder darauf hingewiesen, dass älteren Bluttests zufolge diese Mengen keine Belastung für die Stuten darstellten. Die Fohlen gehen nach dem Sommer ohnehin in die Schlachtung.

Tierschützer: Quälereien gehen weiter
Dieser Tage erschien ein weiterer Aufklärungsfilm der deutschen und Schweizer Tierschutzorganisationen AWF/TSB, zum Teil geht es da um die deutsche Schweinezuchtindustrie, die auf dem in Island gewonnenen Stutenhormon PMSG zur Zyklusmanipulation der Zuchtsauen basiert, sowie um Betriebe, die gangbare Alternativen gefunden haben und weniger Todesfälle bei den Ferkeln verzeichnen – es geht aber einmal mehr auch um die Blutstuten in Island. Dort hat sich offenbar trotz der Verordnung aus 2022 und trotz vorgeblich vermehrter Aufsichtsführung des staatlichen Tierschutzes sowie besserer Schulung der Veterinäre für die Stuten offenbar nicht viel geändert. Ausser dass auf vielen Höfen jetzt im geschlossenen Stall Blut abgenommen wird.

In dem mit versteckter Kamera aufgenommenen Film sieht man, wie Stuten in der Fixierbox drangsaliert, an den Kopf getreten und geschlagen werden, man sieht erfolglose Punktionsversuche, man sieht lahme Pferde und Fohlen auf drei Beinen, um die sich niemand kümmert, und man sieht wie Hunde verängstigte Pferde jagen. Man sieht durch häufige Punktionen vernarbte Hälse und verängstigte, gestresste Tiere.
Der Film ist hier zu finden und nichts für sensible Gemüter.

Belastung von Blutstuten niedriger als von Reitpferden
Zur Vorlage des Blutstutenhaltungsverbotes im Parlament hat das einzige in Island blutverarbeitende Pharmaunternehmen, Ísteka, eine Kommentierung eingereicht, nach der man hoffe dass die Vorlage zum Verbot der Blutstutenhaltung nicht zur „alljährlichen Tradition“ werde.
Ísteka-Chef Arnþór Guðlaugsson schreibt, die Wiedervorlage verschwende die Zeit aller, die mit der Sache zu tun hätten und baue auf „ganz besonders vielen Vorurteilen gegenüber einer kleinen Gruppe in der Gesellschaft.“  Er bezeichnete die Debatte als vorurteilsbeladen und unausgewogen und von Parlamentariern vorangetrieben. Ísteka zufolge hätten die Blutfarmer Kontrollbesuche nach höchsten Vorgaben über sich ergehen lassen müssen, seit die Branche vor zwei Jahren “im Auge des Sturms” gelandet sei, mit dem Ergebnis dass Vorfälle und Todesfälle in diesem landwirtschaftlichen Zweig besonders niedrig ausfielen und die Belastung der Tiere geringer sei als bei anderen Nutztieren, darunter auch bei Reitpferden.

Acht tote Stuten nach Blutgewinnung
Im Sommer hatte Heimildin berichtet dass es im Jahr 2022 mindestens acht registrierte Todesfälle von Stuten unmittelbar nach der Blutgewinnung gegeben habe, eine davon sei noch während des Eingriffs im Beisein des Tierarztes verblutet. Von der Fachtierärztin für Pferde bei MAST war damals verlautet, das sei “keine Katastrophe”. Die Schuld wurde auf ausländische Veterinäre geschoben, die in der Blutabnahme nicht ausreichend ausgebildet seien. Ausländische Veterinäre waren vermehrt zum Einsatz gekommen, weil sich isländische Tierärzte immer öfter weigerten, den Job zu übernehmen. Nach den Bestimmungen aus 2022 hatten alle im Sommer eingesetzten Blutsammler einen Kurs in der Blutabnahme besuchen müssen. Die Kanüle, mit der die grosse Halsvene punktiert wird, ist etwa so dick wie ein Bleistift.

Braucht es PSMG?
Nach Ansicht der Tierschützer muss die Veterinäraufsichtsbehörde nun prüfen, ob es andere Medikamente zur Steigerung der Fruchtbarkeit gibt, bei denen keine lebenden Tiere zum Einsatz kommen. Der Schaden und das Leid, das die Blutgewinnung als Tierversuch verursachen könnte, müsse unter Berücksichtigung ethischer Gesichtspunkte, sowie seines Nutzens für Mensch, Tier und Umwelt bewertet werden.
In Island gab es im Jahr 2022 auf 90 Höfen um die 4800 Stuten, die zur kommerziellen Blutgewinnung genutzt werden. Grösster Stutenbesitzer ist das Pharmaunternehmen Ísteka, das im letzten Jahr auch angekündigt hatte, Pferde mit einer grösseren Blutmenge züchten zu wollen. Die Stuten werden jedes Jahr gedeckt und haben ein Saugfohlen bei Fuss, wenn sie in die Blutgewinnung gehen. Aus dem Blut wird das Trächtigkeitshormon PMSG extrahiert, das in Europa zu Medikamenten für die Zuchtindustrie verarbeitet wird. Hauptabnehmer solcher Medikamente ist Deutschland.


 

Tierschutzaufsicht: Vernichtendes Urteil vom Rechnungshof

Die isländische Veterinäraufsichtsbehörde MAST hat es nicht geschafft, das Vertrauen aufzubauen, das für jede aufsichtsführende Behörde notwendig ist. In Einzelfällen, wo es um Tierschutz ging, habe die Behörde ausgesprochenen Langmut an den Tag gelegt. Das ist einem Urteil des nationalen Rechungshofes zu entnehmen, der nach den Tierschutzskandalen des vergangenen Sommers vor allem die Tierschutzkontrolle der Behörde unter die Lupe genommen hatte, berichtet Vísir.
Es sei zwar wichtig, dass das Verfahren zur Anwendung von Zwangsmassnahmen von hoher Qualität sei, die Behörde müsse jedoch mehr Wert darauf legen, sicherzustellen, dass der Verwaltungsprozess nicht zu Lasten des Tierschutzes gehe. Ausserdem müsse die Behörde an ihrem internen wie öffentlichen Informationsfluss arbeiten, intern besser kooperieren und Kontakt wie Zusammenarbeit mit den Betroffenen verbessern. Verbesserungswürdig seien zudem Struktur, Verfahren und Durchführung der Kontrollen, und auch eine Risiko- und Leistungsbewertung müsse in größerem Umfang als bisher angewendet werden.

Vernichtendes Urteil für MAST
Vísir schreibt, der Bericht sei ein vernichtendes Urteil über die Arbeitsweise der Behörde, die für den Tierschutz in Island zuständig ist. Der Rechnungshof hat allerhand Defizite bei der Tierschutzkontrolle festgestellt, wo in einigen Fällen zu viel Nachsicht gezeigt wurde, in anderen Fällen waren die Maßnahmen nicht zielgerichtet genug und die Nachverfolgung unzureichend.
„Daraus lässt sich die Schlussfolgerung ziehen, dass die behördliche Behandlung teilweise so zurückhaltend angewendet wird, dass sie den Zielen des Tierschutzgesetzes sogar zuwiderläuft“ heisst es in dem Bericht. Es gebe Beispiele von engmaschiger Kontrolle bei Tierhaltungen, wo die Vielzahl der Tierschutzverstösse über Jahre und sogar Jahrzehnte penibel registriert worden waren, ohne dass sich an den Zuständen selbst etwas gebessert habe.

Ziel des Tierschutzgesetzes ist die Förderung des Tierwohls, d.h. dass Tiere weder Unbehagen noch Hunger und Durst, Angst und Leid erleiden. Darüber hinaus sollen Tiere so weit wie möglich ihr natürliches Verhalten ausleben können. “Vor diesem Hintergrund muss es als unzumutbar angesehen werden, dass lange Zeiträume vergehen, in denen Tiere Hunger, Not und Leid erleiden oder unter unzumutbaren Bedingungen leben,“ heisst es im Bericht des Rechnungshofes.
Den Daten zufolge habe es den Anschein, dass der Widerstand oder Kooperationswille des jeweiligen Tierhalters offenbar Auswirkung darauf habe, welche Massnahmen MAST ergreife und wann die Behörde Massnahmen ergreife.

Vertrauensverlust ist schwerwiegend
Es sei ausgesprochen schwerwiegend, wieviel Misstrauen MAST entgegenschlage, sowohl von Fachleuten als auch aus der Öffentlichkeit. Die Behörde müsse dieses Vertrauen neu aufbauen, denn dies sei Grundlage dafür, dass sie ihre Aufgaben gut und erfolgreich erfüllen könne. Die Behörde müsse Kritik an ihrer Arbeitsweise mit mehr Demut aufnehmen und es vielmehr begrüssen, dass die Fälle mitverfolgt werden und viele Menschen da draussen sich um den Tierschutz scheren.
“Um Vertrauen in Tierschutzfragen aufzubauen, muss die Behörde sicherstellen, dass die Umsetzung der Kontrolle qualitativ hochwertig und geeignet ist, die Situation der Tiere zu verbessern,“ heisst es in dem Bericht.
Die Behörde müsse daher fortlaufend mögliche Interessenskonflikte, sowie die Qualifikation ihrer Mitarbeiter im Auge behalten. Der Rechnungshof schlägt vor, den Bedarf für einen Informationsbeauftragten oder eine andere ständige Fachberatung für Informations- und Kommunikationsangelegenheiten zu prüfen.

Prüfung nach letztem grossen Tierschutzfall begonnen
Der nationale Rechnungshof hatte im Oktober 2022 entschieden, die Tierschutzkontrolle der Behörde unter die Lupe zu nehmen, nachdem ein Tierschutzfall in Borganes ein dramatisches Ende gefunden hatte. Dort waren 14 halbverhungerte Pferde unter der Aufsicht von MAST getötet worden, obwohl es monatelang Hinweise und Briefe aus der Bevölkerung gegeben hatte, dass auf dem Hof Tierquälerei in grossem Stil stattfinde. Der zuständige Tierschutzbeauftragte vor Ort hatte sich nach Angaben von Tierschützern nicht gerührt. MAST hatte mit einer Beschlagnahme erst eingegriffen, als es für einen Grossteil der betroffenen Pferde fast zu spät war, und sich dann aber geweigert, bereitstehende Pflegeplätze für die Tiere anzunehmen, obwohl das Gesetz eine solche Massnahme ausdrücklich vorsieht.

Im Fall der acht oder mehr während der Blutgewinnung verendeten Blutstuten waren erst Massnahmen ergriffen worden, nachdem das Investigativmagazin Heimildin den Tod der Pferde öffentlich gemacht hatte. Die Tierquälereien in der Blutstutenbranche waren vor zwei Jahren von einer Schweizer Tierschutzorganisation angeprangert worden, bis heute rechtfertigt Islands Tierschutzaufsicht die international umstrittene Blutgewinnung, die Milliarden in die Kassen des einzigen in Island tätigen Stutenblutsammlers spült.

Geldmangel bei MAST
In einem Interview machte MAST-Amtsleiterin Hrönn Ólina Jörundsdóttir vor allem Geldmangel für die Tatenlosigkeit der Tierschutzaufsicht verantwortlich. Für das Vorgehen bei Tierschutzfällen, die sich vor langer Zeit und vor Bestehen der Behörde ereignet hätten, könne MAST keine Verantwortung übernehmen.
Man nehme die Hinweise aus dem Bericht des Rechnungshofes sehr ernst und prüfe den Bedarf für einen Informationsbeauftragten, der die Kommunikation mit der Öffentlichkeit übernehme. Hrönn Ólina begrüsste die wachsende Debatte um das Tierwohl in Island, das sei positiv und übe Druck auf ihre Behörde aus, dem man versuche, sich zu stellen.

 

Fischzucht: Verbraucherschützer wollen kranken Zuchtlachs kennzeichnen

Der isländische Verbraucherschutzverband (Neytendasamtökin) zeigt Interesse daran, Zuchtfische aus Meeresgehegen speziell zu kennzeichnen. Ähnliches verlautete auch aus Norwegen. In den vergangenen Monaten hatte die Flucht von Zuchtlachsen in die freie Natur Kritik an der Umweltverträglichkeit der Branche laut werden lassen. Eine Kennzeichnung des Zuchtfisches würde seinen Gesundheitszustand zum Zeitpunkt der Schlachtung festhalten.

Norwegen könnte Vorbild sein
In Norwegen könnte der Verbraucher schon bald eine Art medizinische Geschichte auf der Verpackung von Zuchtlachs finden. Inger Lise Blyverket, die Leiterin des norwegischen Verbraucherschutzverbands, sagte kürzlich der staatlichen Sendeanstalt NRK, sie glaube, “viele Verbraucher würden ein Kennzeichnungssystem für Lachs begrüssen.”
Obwohl Lachs als Premium Produkt vermarktet wird, findet sich auf der Verpackung kein Hinweis darauf, dass der Fisch krank gewesen sein könnte, sagt Inger. Dabei leiden Fische an so manchen Erkrankungen, wie Parasitenbefall oder Herzkrankheiten, und werden trotzdem für den menschlichen Verzehr geschlachtet.
Inger kündigte an, dass der Verbraucherschutzverband diese Praktik beenden wolle. Es sei an der Zeit, dass die Fischzuchtindustrie in Norwegen den Gesundheitszustand des Lachses zum Zeitpunkt der Schlachtung auf der Verpackung angebe.
“Norwegische Lachsproduzenten und andere Lebensmittelhersteller müssen sich klarmachen, dass der Verbraucher mehr über die Herstellungsbedingungen und über Tierwohl wissen möchte,” sagte Inger NRK gegenüber.

Unnötig und undurchführbar, finden Gegner
Ähnlich wie in Island gibt es auch in Norwegen eine öffentliche Debatte über die industrielle Fischzucht. Und auch dort ereignete sich erst kürzlich ein Massensterben bei Norwegens grösstem Fischkonzern.
Die Idee findet natürlich nicht nur Anhänger. Jon Arne Grøttum, der Aquakulturdirektor bei der Norwegian Seafood Federation etwa sagte in einem Interview mit NRK, er halte eine solche Kennzeichnung für unnötig, weil die Fischkrankheiten sich nicht auf den Menschen übertragen.

“Alles um uns herum ist voller Bakterien und Viren, die sind überall, aber das hat nicht unbedingt Auswirkungen auf die Lebensmittelsicherheit,” sagte Jon. “Ich sehe nicht, dass das irgendeinen Zweck hat. Zweitens ist die Durchführung sehr schwierig: man würde jeden Fisch einzeln untersuchen müssen, selbst wenn man den Grund kennt. Drittens ist es ein bisschen seltsam, diese Art der Kennzeichnung für Lachs einzuführen, aber nicht für andere Fleischsorten.”

Erkrankte Fische gelangen in den Verkauf
In Island findet man die Idee hingegen gar nicht so abwegig. Breki Karlsson, der Vorsitzende des isländischen Verbraucherschutzverbandes, befürwortet eine Kennzeichnung. Verbraucher hätten ein Recht, mehr über die Herkunft ihrer Lebensmittel zu erfahren, erst recht nach den Vorkommnissen der letzten Wochen und Monate bezüglich Lachsflucht und Lachslaus.
Die MAST-Tierärztin Berglind Harpa Bergsdóttir, die auf Gesundheit und Tierwohl von Zuchtfischen spezialisiert ist, sagte RÚV gegenüber, in Island würden viele erkrankte Fische für den menschlichen Verzehr geschlachtet. Sie erwähnte die Infektiöse Fischanämie (ISA) aus dem Jahr 2021, die der Öffentlichkeit mitgeteilt worden war. Damals hatte es gehiessen dass der infizierte Fisch durchaus verzehrt werden könne. Berglind betont dass solche Virusinfektionen sich nicht auf den Menschen übertragen.

 

Lachszucht: eine Million tote Lachse durch Lachslausbefall

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Die Kayakfahrerin und Naturschützerin Veiga Grétarsdóttir hat erneut Videos von von der Lachslaus befallenen und schwer verletzten Zuchtlachsen im Meeresgehegen des Fischereikonzerns Arctic Fish im Tálknafjörður veröffentlicht, berichtet Heimildin. Der Leiter der Abteilung für Fischzucht bei MAST, Karl Stein­ar Ósk­ars­son, gab an, vergleichbare Zustände habe es in der isländischen Fischzucht noch nie zuvor gegeben.

Alle Fische in den Gehegen befallen
Sämtliche Zuchtlachse in den Gehegen sind verletzt und verstümmelt, weil ihnen die Lachslaus offene Wunden zugefügt hat, durch die Bakterien unter die Haut gelangten und die Fische von innen anfressen, bis diese verenden.
Etwa eine Million Fische ist durch die Lachslaus bislang verendet oder getötet worden, sagt Karl Steinar. Das Unternehmen habe den Befall gemeldet und dass man dagegen vorgehe. Karl zufolge ist dies der erste Fall in der Geschichte der isländischen Lachszucht, wo ein derartiges Lachslausproblem auftauche.

Bislang ist nicht bekannt, wie der Parasit in die Meeresgehege gelangt ist. Beim Unternehmen Arnarlax ist die Keulung der befallenen Lachse bereits beendet, bei Arctic Fish versucht man, mit der Keulung vor dem Wochenende fertig zu werden.
Genauere Zahlen dazu, wieviele Lachse aufgrund des Parasitenbefalls verendet seien, liegen Karl zufolge erst Mitte November vor. Ende September hätten sich etwa eine Million Fische in den von der Lachslaus befallenen Gehegen befunden.

Die Entwicklung sei im Oktober besonders schnell vorangeschritten. “In diese Wunden, die die Lachslaus in den Fisch beisst, dringen Bakterien ein, die sehr schnell wirken. Der Fisch wird kraftlos und verendet. Das passierte in einem Zeitraum von zwei Wochen im Oktober,” erklärt Karl Steinar. “Der Fisch war frei von Wunden, und zwei Wochen später dann das. Das ist nicht nur die Laus, die den Fisch von innen auffrisst, sondern die Kombination aus Lachslaus und Bakterien.”
Wegen der raschen Entwicklung habe MAST dem Unternehmen die Erlaubnis erteilt, ein Spezialschiff aus Norwegen kommen zu lassen, welches die toten Lachse dort aus den isländischen Gehegen pumpte, wo der Befall am stärksten war.

Drohnenaufnahmen zeigen toten Fisch
Veiga Grétarsdóttir hatte die Lachse mit einer Drohne aus 100 Metern Höhe gefilmt. Von der Umweltaktivistin liegen auch ältere Videos von zerrissenen Netzen und verschmutztem, leblosem Meeresboden unter den Zuchtgehegen vor.
Sie habe das ausländische Pumpschiff gesehen, das zuvor schon in Island gewesen sei, um toten Lachs an Bord zu pumpen. Was da vor sich gehe, habe sie aber erst beim Filmen bemerkt, auch dass da “alle” Fische, wie sie sagt, entweder befallen oder schon tot waren. Ein grosser Schock, sagt Veiga, soetwas habe sie noch nie gesehen. Die Fische hätten sich in drei Krankheitsstadien befunden – von der Laus befallen und verstümmelt, geschwächt oder gelähmt, oder tot an der Oberfläche. Kein Fisch sei unversehrt gewesen. Die schon länger toten Fische seien auf den Boden des Netzes gesunken.

Toter Fisch geht in Haustierfutter
Karl Steiner stellt klar, dass es verboten ist, toten oder gekeulten Fisch für die menschliche Ernährung zu nutzen. Der tote Fisch werde anderweitig verarbeitet, stirbt er von selbst, werden Nerze damit gefüttert, gekeulter Fisch gehe in die Herstellung von Haustierfutter.
Bei MAST arbeite man Karl zufolge nun daran, sicherzustellen dass sich solche Zustände in der isländischen Lachszucht nicht wiederholen. Unter anderem müssten die Fischzuchtunternehmen eine bessere Ausrüstung anschaffen, um reagieren zu können, wenn die Lachslaus im Bestand auftauche.
Im September waren die Lachse mit einer Sondergenehmigung in Medikamenten gebadet worden, doch hatte dies nur gegen ausgewachsene Läuse geholfen, nicht jedoch die Larven getötet.

Regeländerung in Arbeit
Die Fachtierärztin für Fischkrankheiten bei MAST, Berglind Helga Bergsdóttir, sagte RÚV gegenüber, die langen Genehmigungswege bei der Behörde hätten eine schnellere Reaktion auf das Problem verhindert. Auch das zuständige Ministerium arbeite bereits an einer geetzlichen Änderung. Vorgeschlagen wurde eine Erweiterung der Lizenzgebiete, sodass nur noch ein Unternehmen in einem Gebiet tätig ist.
Ausserdem prüfe man, ob die Fischdichte im Fjord einen Einfluss auf den Parasitenbefall habe, und ob der Fjord regelmäßig von allen Zuchtlachsen geleert werden sollte, damit das Gebiet sich zwischendurch erholen kann.

Geschäftsmodell mit 20% einkalkuliertem Verlust
Vísir berichtet, der Million toter Zuchtlachse stünden 80.000 Wildlachse in isländischen Flüssen gegenüber. “Diese Bilder zeigen uns schwarz auf weiss, wie diese Unternehmen arbeiten. Es ist wichtig, dass die Leute sich klarmachen dass die Fischzucht in offenen Meeresgehegen auf einem Geschäftsmodell basiert, wo man grosses Leiden und tote Tiere miteinkalkuliert.” erklärt Jón Kaldal, ein Sprecher des isländischen Naturschutzfonds. Das Geschäftsmodell gehe von einem jährlichen Verlust von 20% aus. Diese Tiere würden keines friedlichen Todes sterben.
Würde es hier um Säugetiere gehen, so Jón, wäre der Betrieb längst ausgesetzt worden. Er nennt das Vorgehen Vísir zufolge “verbrecherisch”, und seiner Ansicht nach “gehörten die Verantwortlichen ins Gefängnis”.

 

 

Lachszucht: MAST erhält neue Mitarbeiter und zwei Boote für Kontrollgänge

A salmon farm in Arnarfjörður, Westfjords.

Die isländische Lebensmittel- und Veterinäraufsichtsbehörde MAST wird bald über eigene Boote verfügen und damit in der Lage sein, unangemeldete Inspektionsfahrten zu offenen Fischzuchtgehegen unternehmen zu können, berichtet RÚV. Auch die Zahl der Inspektoren soll erhöht werden.

Bislang waren nur 5,6 Planstellen für die Inspektion der Fischzuchtbetriebe in den Ostfjorden und Westfjorden vorhanden gewesen, und ein Teil dieser Mitarbeiter war mit der Erteilung von Genehmigungen beschäftigt gewesen. Die beschränkte Aufsichtsführung in der industriellen Fischzucht ist schon lange Gegenstand von Kritik, ebenso die Wartezeit auf Lizenzen. In einer Studie des Rechnungshofes war auf zahlreiche Verstöße in der Verwaltung hingewiesen worden, die den Tierschutz, den Umweltschutz und auch die Nutzung von Ressourcen betrafen.

Technische Aufrüstung für mehr Kontrolle
MAST hatte im Mai eine Erweiterung der Fischabteilung beantragt. Abteilungsleiter Karl Steinar Óskarson gab an, jetzt habe die Regierung reagiert und in einem ersten Schritt 126 Mio ISK zur Verfügung gestellt. Dieses Geld finanziert sechs neue Mitarbeiter und die Entwicklung einer neuartigen elektronischen Überwachung. Ausserdem plant MAST den Erwerb von zwei sechs Meter langen Booten samt Bootsanhänger und Zugfahrzeugen, die diese Inspektionsboote in die Ost- und Westfjorde bringen sollen. “Die können wir dann nutzen, um die Meeresgehege zu überprüfen, wann immer wir das wollen. Wir sind dann nicht mehr von Unternehmen abhängig und das ist sehr wichtig für uns,” erklärt Karl Steinar. Allein in den Westfjorden gebe es über 100 Fischzuchtgehege. “Wir haben seit diesem Jahr Unterwasserdrohnen, damit können wir in diese Gehege gelangen und den Besatz überprüfen. Wir können mitverfolgen, ob etwa an den Netzen Reparaturen vorgenommen wurden, über die wir nicht unterrichtet wurden und so weiter, und wir können auch die Fische selber untersuchen.”

3500 entkommende Lachse bedrohen Flüsse
Im August diesen Jahres waren etwa 3.500 Lachse aus einem Meereszuchtgehege des Unternehmens Arctic Fish im Patreksfjörður in die freie Natur entkommen. Ein beträchtlicher Teil dieser Zuchtlache waren wider Erwarten bereits geschlechtsreif gewesen: Anfang September hatte die Fischereibehörde norwegische Taucher ins Land geholt, um in Flüssen der Westfjorde nach Fluchtlachsen zu jagen. Bei Untersuchung der erbeuteten Fische stellte sich heraus, dass 40 von 42 Zuchtfischen fortpflanzungsreif waren.

Inzwischen sind immer mehr Flüsse im Norden Islands zuchtlachsverseucht, und Sportangler gehen davon aus, dass es nicht mehr möglich ist, diese Lachse aus den Flüssen zu entfernen. Gestern hatten Angler 12 Zuchtlachse in der Miðfjarðará gesehen, auf ihrem Weg zum Ablaichen.
Die in den Húnaflói mündende Miðfjarðará ist einer der besten Lachsflüsse des Landes. Zuvor waren in dem Fluss um die zehn Zuchtlachse gefangen worden. In mindestens sechs weiteren in den Húnaflói mündenden Flüssen war Zuchtlachs aus Gehegen von Arctic Fish im Patreksfjörður in die Netze gegangen.
Die Lizenzhalter von Angelrechten befürchten, dass der Zuchtlachs den Wildlachs genetisch verändern könnte. Inzwischen wird auch gefordert, den Zuchtlachs in den Meeresgehegen grundsätzlich unfruchtbar zu halten.
Der Fischzuchtkonzern Arctic Fish plant nun, in Zusammenarbeit mit der Fischereibehörde erneut zwei Taucherteams aus Norwegen ins Land zu holen, um Zuchtlachse in den Flüssen aufzuspüren und zu entnehmen.

Öffentliche Kritik wächst
Die Lachsfluchten des Sommers haben das öffentliche Bewusstsein für diese Industrie und ihre Umweltprobleme geweckt – nicht nur die Verseuchung von isländischen Fjorden mit Fischmüll, Antibiotika und Pestiziden, sondern auch die Gefahr die der Zuchtfisch mit seinen Genen, Krankheiten und Parasiten für den Wildlachs darstellt, wenn er seinem Gehege entkommt. Vor gut einem Jahr war ein Video der Kayakerin Veiga Grétarsdóttir erschienen, in welchem sie Filmmaterial aus Tauchgängen an den Gehegen zusammengestellt hatte, unter anderem sind dort verstümmelte Fische und vermüllten Meeresboden unter den Netzen zu sehen.

Am vergangenen Samstag hatte auf dem Austurvöllur vor dem Parlament eine Demonstration gegen die kommerzielle Fischzucht stattgefunden.

Seltene Variante der Vogelgrippe bei Seeadler und Eiderente gefunden

White-tailed Eagle Haförn Hafernir

Bei einem im September tot aufgefundenen Seeadler und einer ebenfalls verendeten Eiderente ist ein aggressiver Stamm der Vogelgrippe isoliert worden, die bislang in Island noch nicht vorgekommen war. Das Ansteckungsrisiko für Geflügel und andere Vögel ist nach Angaben der Veterinäraufsichtsbehörde jedoch gering.
Proben aus einem toten Seeadler, der Mitte September auf einer Insel in der Nähe von Barðaströnd in den Westfjorden gefunden worden war, weisen auf die Virusvariante HPAI H4N5 der Vogelgrippe hin. Im Ólafsfjörður war eine tote Eiderente gefunden worden, bei ihr fand sich die gleiche Virusvariante.

Die Untersuchungsergebnisse unterstreichen die Wichtigkeit einer guten Infektionsprävention bei Geflügeln und anderen Vögeln in Gefangenschaft. Anhand der vorhandenen Daten kann man bislang zumindest sagen, dass die Verbreitung der Vogelgrippe auf andere Vogelarten in Island gering ist, und dass das Infektionsrisiko für Geflügel damit auch eher niedrig ausfällt.

Seit dem Frühjahr waren der Behörde einige tote Wildvögel gemeldet worden, nachdem es immer weniger Berichte über ein weit verbreitetes Vogelsterben bei Dreizehenmöwen, Papageientauchern und anderen Seevögeln gab. Eine von MAST untersuchte Probe schloss die Vogelgrippe als Ursache für diese Todesfälle aus. Seit Juni waren dann nur fünf Proben aus wilden Vögeln genommen worden, drei von ihnen waren negativ für Vogelgrippe, die beiden obengenannten zwei waren positiv. Forscher hoffen nun, die Virenproben genetisch analysieren zu können, um festzustellen, ob die neue Variante aus Europa oder von Zugvögeln stammt, die im Spätsommer von Nistplätzen im Westatlantik eintreffen. HPAI H5N5 war kürzlich nur in vier Proben in Europa nachgewiesen worden, allesamt in Wildvögeln in Norwegen und Schweden und in einigen Proben von Wildvögeln, Rotfüchsen und Stinktieren im Osten Kanadas.

Die Veterinäraufsichtsbehörde MAST erinnert die Öffentlichkeit daran, dass das Melden von kranken und toten Wildvögeln eine Schlüsselrolle bei der Überwachung der Vogelgrippe und ihrer Verbreitung darstellt.