Handwerksschlachthaus Seglbúðir fällt Brand zum Opfer

Das kleine Handwerksschlachthaus Seglbuðir im Landbrot in der Skaftafellssýsla ist am 1. April bis auf die Grundmauern abgebrannt, berichtet Bændablaðið. Das Schlachthaus war im Herbst 2014 in Betrieb genommen worden.

Kleinschlachthaus mit Vision
Die Betreiber, Þórunn Júlíusdóttir und Erlendur Björnsson, hielten eine Lizenz für die Schlachtung von maximal 100 Schafen pro Tag. Sie hatten nach Schliessung des Schlachthofes in Kirkjubæjarklaustur die Einrichtung mit der Vision von Nachhaltigkeit gegründet, dass Schafe ihren Heimatbezirk nicht verlassen müssen und ohne Stress verursachende Langstreckenransporte geschlachtet werden können.
Nach Angaben der südisländischen Polizei wird in dem Brand ermittelt. Die Spurensicherung ist vor Ort gewesen, aber bislang gibt es keinen Hinweis auf die Brandursache. Es handelt sich um einen Totalschaden.

Im vergangenen Herbst hatten Erlendur und Þórunn mitgeteilt, ihren Schlachtbetrieb einstellen zu müssen, nachdem die Veterinär- und Lebensmittelaufsichtsbehörde MAST angekündigt hatte, die Gebühren für die Fleischbeschau durch Veterinäre der Behörde kräftig anzuheben. Obwohl die Behörde später von der Gebührenanhebung abliess, wurde bei Seglbúðir nicht mehr geschlachtet. Nach Angaben von Seglbúðir sei die Gebührenanhebung zu spät abgeblasen worden. Landwirte müssen überdies den Schlachttransport ihrer Tiere im Voraus buchen und bekommen einen Abholtag zugeteilt.
Nun sollte im kommenden Herbst der Betrieb bei Seglbúðir möglicherweise wieder aufgenommen werden, zumindest stand alles für eine Öffnung bereit, als das Feuer ausbrach.

Monopolisierung im Schlachtgeschäft
Die Verdichtung der Schlachthöfe in Island hat in den letzten Jahren stark zugenommen, inzwischen sind nur noch zwei grosse Schlachtbetriebe während der Schafsaison aktiv, Selfoss und Húsavík. Grossvieh, Schweine und Geflügel werden auch ausserhalb der Schafsaison geschlachtet.
Fast alle anderen kleineren Schlachthöfe im Land sind aus Kostengründen geschlossen worden, und Schlachtvieh muss bis zu 500 Kilometer über Bergstrassen und bei winterlichen Strassenbedingungen transportiert werden. Vor zwei Jahren gestattete das Ministerium für Landwirtschaft, Fischerei und Lebensmittel die Errichtung von Minischlachthöfen, allerdings ist das Regelwerk streng und die Kosten sind erheblich. Mobile Schlachtanlagen und Weidetötung sind nicht gestattet.

Hausschlachtung für kommerzielle Zwecke ist streng verboten, allenfalls darf für den eigenen Bedarf auf dem eigenen Hof Fleisch produziert werden. Wer Fleisch von eigenen Tieren ‘ab Hof’ vermarkten will, muss seine Tiere im Schlachthof töten lassen und das Fleisch gegen eine erhebliche Gebühr abholen, entweder zur eigenen Verarbeitung in lizenzierten Räumlichkeiten, oder bereits fertig abgepackt. Daher ist dieses Fleisch oft sehr viel teurer als im Supermarkt.
Icelandreview berichtete, dass es inzwischen immer mehr private Initiativen gibt, um das Problem zu lösen.

Blutstuten: Ísteka behält Betriebslizenz für Blutgewinnung

bloodmare

Die isländische Veterinäraufsichtsbehörde MAST ist der Ansicht, dass es keine ausreichenden rechtlichen Gründe für einen Widerruf der Betriebslizenz des Pharmaunternehmens Ísteka gibt, und dass der Betrieb auf der Grundlage einer bis Oktober 2025 gültigen Lizenz weitergeführt werden kann. Ísteka ehf. ist das einzige Unternehmen in Island, welches das Blut tragender und laktierender Stuten aufkauft und daraus ein Hormon extrahiert, das in der europäischen Nutztierindustrie zum Einsatz kommt.

Daten und Standpunkte geprüft
Auf der Webseite heisst es, dass Mitarbeiter der Behörde verfügbare Daten und den Standpunkte der Ísteka geprüft worden seien. Das Blutfarming steht seit 2021 in Island in der Kritik, nachdem ausländische Tierschutzverbände Videos veröffentlicht hatten, in denen katastrophale Einrichtungen für die Blutgewinnung und brutale Misshandlungen der tragenden Stuten zu sehen gewesen waren. Im Jahr 2022 waren acht Todesfälle im Zusammenhang mit der Blutgewinnung gemeldet worden, Tierschützer vermuten, dass die Dunkelziffer weitaus höher liegt. MAST und Ísteka hatten die Verantwortung für die Todesfälle auf ausländische Veterinäre geschoben.

MAST schreibt, dass die Ísteka seit Jahrzehnten über eine Lizenz zur Blutgewinnung aus tragenden Stuten verfügt. Die derzeit gültige Lizenz des Unternehmens war im Jahr 2022 nach Veröffentlichung einer entsprechenden Verordnung ausgestellt worden und ist bis zum 5. Oktober 2025 gültig.

Trotz EFTA-Mahnbrief keine “starken Gründe”
Im vergangenen Jahr hatte die Überwachungsbehörde der EFTA (ESA) Islands Regierung darauf hingewiesen, dass die Stuten unter die Verordnung Nr. 460/2017 zum Schutz von für wissenschaftliche Zwecke verwendete Tiere fallen müssen. Dort waren sie zwei Jahre zuvor herausgenommen worden, stattdessen hatte man damals die Blutgewinnung als „landwirtschaftliche Tätigkeit“ umgemünzt. In einer neuen Verordnung aus dem vergangenen Jahr ist ein Widerruf der Lizenz nicht erwähnt, vielmehr wird ausdrücklich auf der Vorliegen der Betriebslizenz verwiesen.
Daraufhin hat MAST geprüft, ob das Verwaltungsrecht eine Grundlage für den Widerruf der Lizenz hergibt, und ist auch dort nicht fündig geworden. Vielmehr müssten „starke Gründe“ vorliegen, um eine Verwaltungsentscheidung wie die des Ministeriums aus dem vergangenen Jahr zu widerrufen.

Keine ausreichenden Quellen vorhanden
„Die Veterinäraufsichtsbehörde ist der Ansicht, dass die derzeit verfügbaren Kontroll- und Forschungsergebnisse keinen Anlass zur Annahme geben, dass ausreichende Quellen im Hinblick auf das Wohlergehen und die Gesundheit der für die Blutentnahme verwendeten Stuten vorliegen.“ Mit anderen Worten, die Beweise für tierquälerische Vorgänge bei der Blutgewinnung sind der Behörde nicht ausreichend.
 Eine Anzeige wegen Tierquälerei aus dem Jahr 2022 wurde wegen Mangel an Beweisen fallengelassen, eine weitere aus dem letzten Jahr ist bei der Polizei in Reykjavík anhängig.
„Der Widerruf einer bereits genutzten Lizenz bedarf zwingender Gründe und ist inhaltlich und zeitlich begrenzt.“ heisst es weiter bei MAST. Zudem habe die Behörde die betriebswirtschaftlichen Erwartungen des Lizenzinhabers berücksichtigt.

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Misshandlungen und merkwürdige Studie
Kritiker des Blutgeschäfts hatten der Branche nicht nur systematische Misshandlung von Stuten und Fohlen vorgeworfen, sondern auch die grosse Blutmenge angeprangert. Über acht Wochen lang werden jeder Stute wöchentlich rund fünf Liter Blut entnommen, in der Summe ist diese Blutmenge grösser als das Gesamtblutvolumen der Stute. Mediziner hatten zudem kürzlich darauf hingewiesen dass die Studie zum Gesundheitszustand der Stuten, auf die Behörde und Befürworter sich beziehen, auf unzureichenden Daten beruht und falsche Schlüsse zieht.
Die Verordnung 460/2017 zum Schutz von für wissenschaftliche Zwecke verwendete Tiere, sowie die Forderungen der ESA sehen eine weitaus geringere Blutmenge vor, die aus jeder Stute entnommen werden darf. Bislang ist nicht zur Sprache gekommen, wie dieses Problem betriebswirtschaftlich gelöst werden soll. Im Februar hatte Ísteka wegen dieser Verordnung gegen den isländischen Staat geklagt, ein Urteil ist noch nicht gesprochen.

In Island gibt es ca 5000 Blutstuten auf rund 90 Höfen. Das extrahierte Hormon PMSG hat einen Exportwert von rund 2 Mrd ISK. Hauptabnehmer ist die industrielle Schweinezucht in Deutschland. In Island ist kein PMSG-haltiges Medikament für die Nutztierhaltung registriert, stattdessen kommt das synthetische Prostaglandin Cloprostenol zum Einsatz. Für eine Registrierung in der Arzneimittelliste müsste eine Ausnahmeregelung beantragt und der Einsatz vom PMSG besonders begründet werden.

 

MAST bringt drei Fälle von illegalem Hundeimport durch Touristen zur Anzeige

Die isländische Veterinär-und Lebensmittelaufsichtsbehörde (MAST) hat drei Fälle bei der Polizei angezeigt, in denen Touristen Hunde in der Flugzeugkabine nach Island geschmuggelt haben. Einer der Hunde war mit einem in Island nicht heimischen Parasiten infiziert.

Parasit eingeschleppt
Auf der Webseite von MAST ist von drei unabhängigen Vorfällen die Rede, bei denen Touristen gesetzeswidrig Hunde in der Fahrgastkabine ins Land transportierten. Der Hundetransport ist erst aufgefallen, als die Grenzbehörden am Flughafen Keflavík sich bei MAST meldeten. Da hatten die Touristen nach einigen Tagen Aufenthalt im Lande mitsamt ihrer Hunde versucht, sich für den Rückflug einzuchecken.

MAST gestattete den Abflug der Hunde erst, nachdem sie einer tierärztlichen Untersuchung und einer Probenentnahme auf Kosten der Eigentümer unterzogen worden waren. In einem Fall wurde ein Parasit gefunden, der bislang in Island nicht heimisch gewesen ist.
Nachdem Informationen, die der Behörde vorlagen, hatte der Hund während seines Aufenthaltes im Lande keinen Kontakt zu anderen Tieren gehabt, und weil es so kalt war, hält die Behörde es für unwahrscheinlich, dass Würmer oder Eier überlebt haben, sollte der Besitzer den Hundekot nicht eingesammelt haben.

Importverbot schützt Tiere und Menschen
Dem Gesetz zum Import von lebenden Tieren nach ist es nicht erlaubt, Tiere oder deren Erbgut ins Land zu bringen. Damit sollen die in Island vorhandenen Tiere und auch die Menschen vor ansteckenden Krankheiten geschützt werden. Eine Ausnahme von der Regel kann nach Befolgung strenger Verhaltensmassregeln erteilt werden, dazu braucht es aber eine besondere Genehmigung von MAST. Grundsätzlich muss für Haustiere, die bis auf einige Ausnahmen (bestimmte Kampfhunderassen) importiert werden dürfen, ein Gesundheitszertifikat aus dem Herkunftsland vorgelegt werden, ausserdem werden sie gleich nach der Ankunft für zwei Wochen in Quarantäne gebracht. Zuwiderhandlungen werden mit Geldstrafen geahndet.

Blindenhunde müssen auch in Quarantäne
Im letzten Jahr hatte nicht einmal ein in London lebender blinder isländischer Gesangsstudent, der mit seinem Blindenhund auf Familienbesuch nach Island reiste, eine Ausnahmegenehmigung erhalten, ihm war der Blindenhund, der ihm ein selbstständiges Leben ermöglichte, noch am Flughafen für den Quarantäneaufenthalt weggenommen worden.
Hier lesen Sie die Geschichte von Már und seinem Blindenhund.

Schwerwiegender Gesetzesverstoss
MAST schreibt, man betrachte die illegale Einfuhr von Tieren als schwerwiegend, weil wegen der Infektionsgefahr strenge Einfuhrregeln gelten. Die Behörde hat alle drei Fälle bei der Polizei zur Anzeige gebracht.
Mit der kürzlich durchgeführten Regeländerung zur Einfuhr von Hunden und Katzen ist es nicht mehr möglich, diese Tiere in der Fahrgastkabine zu transportieren. Die Regelung soll genau solche illegalen Einfuhren verhindern, wo Flugpassagiere mit ihren Tieren nach Island und unbemerkt durch die Zollkontrollen gelangen.
Illegal importierte Tiere, die im Land entdeckt werden, sind in der Vergangenheit zumeist euthanasiert worden.

Misshandlung von Filmpferden könnte mit Anzeige enden

A close-up of an Icelandic horse

Die Veterinäraufsichtsbehörde MAST hat gestern das Training von Islandpferden für eine Kinofilmproduktion des Regisseurs Baltasar Kormákur ausgesetzt, nachdem es Hinweise auf Misshandlung der Pferde gegeben hatte, berichtet RÚV. Baltasar gab RÚV gegenüber an, die Pferde hätten keine dauerhaften Schäden davongetragen. Die spanischen Trainer seien sofort entlassen worden.

Video bringt Ball ins Rollen
Gestern war auf Facebook ein Video kursiert, indem zu sehen war, wie ein mit Ausbindern und scharfem Gebiss gerittenes Pferd massiv geriegelt und mit einem Gegenstand immer wieder auf den Kopf geschlagen wird, während es brutal im Kreis vorwärtsgetrieben wird. Bei einem anderen Pferd werden währenddessen rollkurartige Übungen durchgeführt. Die Tierschutzaktivistin Steinunn Árnadóttir hatte das Video auf ihrer Facebookseite geteilt. Sie fand auch die mit Ketten verschnürte Gebisskonstruktion eigenartig. Das Pferd habe sich durch die Ketten verletzt, ein herbeigerufener Tierarzt habe die blutige Verletzung jedoch auf eine “allergische Reaktion” zurückgeführt. Das in dem Video zu sehende Pferd sei völlig brav, da stelle man sich die Frage, wie mit den nicht ganz so braven Pferden umgesprungen werde.

Anzeige wegen Tierquälerei in Arbeit
Die Tierärztin Ingunn Reynisdóttir sagt, dort würden ganz klar Pferde gequält, und niemand verstehe, was damit beabsichtigt werde. Man sehe dass der Reiter etwas in der Hand habe, womit er auf das Pferd einschlage, ausserdem lege er einen sehr harten und unfairen Reitstil an den Tag, er reisse an den Zügeln und schlage das Pferd auf den Kopf. Das sei sehr unnormal.
Die Veterinäufaufsichtsbehörde liess das Training durch einen Inspekteur vor Ort einstellen. Möglicherweise komme es zu einer Anzeige bei der Polizei, gab die Fachtierärztin für Pferdekrankheiten, Sigríður Björnsdóttir, RÚV gegenüber an.

MAST war benachrichtigt worden, nachdem Guðni Halldórsson, der Vorsitzende des isländischen Reiterdachverbandes, Informationen über die zweifelhaften Machenschaften beim Training der Filmpferde erhalten hatte. Er kontaktierte auch den Regisseur der Produktion King and Conqueror, für die die Pferde trainiert wurden.

“Topleute” mit Empfehlungen
Baltasar gab an, dass diese Trainer entlassen worden seien. „Wir haben sofort entschieden, die zu entlassen, nicht nur den Reiter auf dem Video, sondern das ganze Team, sieben Reiter. Das sind Leute, die mit hervorragenden Empfehlungen kamen und im Ausland viele Kinofilme gemacht hatten, wie Gladiator oder Game of Thrones.“ sagte Baltasar.
Man habe ihnen zu Beginn des Arbeitsverhältnisses erklärt, dass sie sich an die isländische Tierschutzverordnung zu halten hätten. Sie seien bereits entlassen gewesen, als MAST das Training aussetzen liess, so Baltasar.
Schon zuvor seien in Island Pferde für Kinofilme trainiert worden, doch dies sei das bislang grösste Projekt gewesen. Da sei es schwierig, Fachleute zu finden, es gebe niemanden, der sich in Island auf das Traning von Filmpferden spezialisiere. „Und wir dachten, wir hätten da Topleute gefunden. Die Empfehlungen waren hervorragend.“

Keine langfristigen Schäden
Baltasar gab an, Tierärzte hätten die Pferde gestern untersucht, und die Tiere hätten keinen langfristigen Schaden davongetragen. Nun müsse man den nächsten Schritt entscheiden. Er gehe davon aus dass man Lösungen mit isländischen Reitern finden werde.
Guðni Halldórsson gab mbl.is gegenüber an, ein schaler Geschmack im Mund bleibe, weil man wisse dass diese Leute im Ausland weiter so mit Pferden umgingen.
Für die Filmproduktion waren im Winter 70 bis 80 Pferde zum Kauf oder als Leihgabe gesucht worden. Schön und brav sollten sie sein, mit viel Mähne und mindestens 145 cm Stockmass haben. Der Film King and Conqueror erzählt die Geschichte der Schlacht von Hastings.

Lachszucht: MAST erteilt Lizenz, Baugenehmigung fehlt

Bíldudalur Arnarfjörður

Die isländische Veterinär- und Lebensmittelaufsichtsbehörde (MAST) hat dem Fischzuchtunternehmen Arctic Sea Farms ehf. (Arctic Fish) eine erweiterte Betriebsgenehmigung für die Meeresfischzucht bei Sandeyri im Ísfjarðardjúp erteilt. Damit wächst die erlaubte Menge an Zuchtlachs und Regenbogenforelle von 5,300 Tonnen auf 8000 Tonnen im Fjord.

5200 Tonnen fortpflanzungsfähiger Lachs
In einer Mitteilung von MAST heisst es, dass von diesen 8000 Tonnen maximaler Biomasse höchstens 5.200 Tonnen fortpflanzungsfähiger Lachs sein dürfen. Dem Unternehmen waren im August letzten Jahren mehr als 3500 fortpflanzungsfähige Zuchtlachse in die Natur entkommen. In der Folge hatten norwegische Spezialtaucher ins Land gebracht werden müssen, um die Zuchtlachse aus den Angelflüssen zu entnehmen, damit die Zuchtfische sich nicht mit den Wildlachsen paaren.
„Das Ministerium für Fischerei und Landwirtschaft hat ein Belastungsgutachten und eine Risikobewertung für die Erbgutvermischung in der Fischzucht in Island erstellt. Das Belastungsgutachten sieht für das Ísafjarðardjúp 30.000 Tonnen vor, und die Riskobewertung für die Erbgutvermischung erlaubt eine maximale Biomasse von 12.000 Tonnen fortpflanzungsfähigem Lachs im Djúpið,“ heisst es weiter in der Mitteilung. Auch das Umweltgutachten fiel positiv aus. Gegen die Lizenzerteilung von MAST kann beim Berufungsausschuss für Umwelt- und Resoucenangelegenheiten bis Ende März Einspruch eingelegt werden.

Baugenehmigung für Meeresgehege
Allerdings muss seit dem 15. Februar eine Baugenehmigung für jegliche Fischzuchtanlagen auf dem Meer beantragt werden, nachdem die Behörde diese Einrichtungen als „Bauwerke“ klassifiziert hatte.  Eine solche Baugenehmigung ist für die Zuchtanlage im Djúpið bislang nicht erteilt worden.

Die Rechtsanwältin und Naturschutzaktivistin Katrín Oddsdóttir hatte die Ankündigung, dass Fischzuchtanlagen auf dem Meer eine Baugenehmigung benötigen, als „grosse Nachricht“ bezeichnet und verlangt, die kommerzielle Fischzucht im ganzen Land sofort auszusetzen, weil kein Unternehmen in Island eine solche Baugenehmigung halte. Sie verwies auf Paragraf 13 im Baugesetz, wonach bei Ungewissheit darüber, ob das geplante Vorhaben, für das eine Baugenehmigung erforderlich ist, schwerwiegende oder irreversible Auswirkungen auf das Ökosystem hat, der Antragsteller ein Gutachten über die potenziellen und erheblichen Auswirkungen des Bauvorhabens auf das Ökosystem beibringen muss.

In einem Facebookbeitrag von gestern verweist die Anwältin nicht nur auf das geltende Naturschutzgesetz, sondern auch darauf, dass die bereits vorhandenen Zuchtgehege die Schiffahrtsroute in den Fjord behindern und gefährden und rein rechtlich durch die Verkehrswegsbehörde entfernt werden könnten.

Lachslausbefall im Tálknafjörður
Arctic Fish hatte im letzten Jahr nicht nur mit fortpflanzungsfähigen Lachsflüchtlingen zu tun, sondern auch mit der Lachslaus, einem Parasiten, der Zuchtfische verstümmelt und tötet. Einen Massivbefall mit Lachsläusen hat MAST in der Arctic Fish-Zuchtanlage im Tálknafjörður kritisiert. In der Studie, die Ende Februar veröffentlicht worden war, heisst es dass das Unternehmen schlecht vorbereitet war und den Lachsbefall unterschätzt habe. Im Herbst waren rund zwei Millionen Zuchtlachse verendet oder hatten gekeult werden müssen. Bei Zählungen hatten bis zu 100 Lächsläuse auf einzelnen Fischen gesessen. In die Öffentlichkeit geraten war der Befall durch Drohnenvideos der Kajakerin Veiga Grétarsdóttir.
Die Autoren der MAST-Studie empfehlen die Schaffung eines gesetzlichen Rahmenwerks für die kommerzielle Fischzucht in Island, um zu verhindern, dass sich derartige Fälle wiederholen.

 

Geldstrafe: MAST verhängt 2650 Euro für langen Todeskampf eines Finnwals

Im September letzten Jahres vergingen 29 Minuten zwischen dem ersten und dem zweiten Harpunengeschoss aus der Kanone der Hvalur 8-Walfänger auf den ersten erbeuteten Finnwal der Saison. Das bedeutet, dass dieser Wal mehr als 30 Minuten brauchte, um zu sterben. Die isländische Veterinäraufsichtsbehörde (MAST) hat dem Walfangunternehmen Hvalur hf. heute eine Geldstrafe von 400.000 ISK (2,650 EUR) wegen Verletzung des Tierschutzgesetzes auferlegt, berichtet Heimildin. “Der Walfangverordnung zufolge muss ein Zweitschuss unverzüglich erfolgen, wenn das Tier nicht nach dem ersten Schuss verendet.”

Neue Lizenz über 10 Jahre beantragt
“Wir haben auf dem Video gesehen, dass 29 Minuten vergehen zwischen dem ersten Schuss auf das Tier, bis zum Abfeuern des zweiten Schusses. Das ist diese Verzögerung des Zweitschusses, die wir als sehr schwerwiegend betrachten,” hatte MAST-Direktorin Hrönn Ólina Jörundsdóttir im September in einem Gespräch mit Heimildin angegeben. MAST stoppte die Waljagd des Schiffes Hvalur 8 am 14. September. Als Grund wurde dieser Verstoss gegen das Tierschutzgesetz während der Jagd auf Finnwale angegeben.

Hvalur hf. hatte Ende Januar einen Brief an das Ministerium für Fischerei und Landwirtschaft geschickt, in dem um Erneuerung der Fanglizenz für Finnwale ersucht wurde. Der Geschäftsführer des Unternehmens, Kristján Loftsson, sah es als “richtig und normal” an, dass die neue Lizenz auf fünf Jahre ausgestellt werde und sich automatisch zum Jahresende erneuere, “oder aber dass die Lizenz für mindestens 10 Jahre” ausgestellt werde. Damit sei eine “normale Vorhersehbarkeit” im Betrieb von Hvalur gewährleistet.

Weitere Strafen wegen Tierwohlvergehen
Hvalur war nicht das einzige Unternehmen, das heute zur Kasse gebeten wurde. „Ein Schlachthof in Südwestisland erhielt eine Strafe über 160.000 ISK (1070 EUR) dafür dass ein Schwein mit gebrochenem Bein ein ganzes Wochenende in der Halle liegen gelassen wurde, bevor es geschlachtet wurde.” Das Schwein hatte sich das Bein während des Transportes gebrochen und hätte daher sofort nach der Ankunft geschlachtet werden müssen.
Ein anderer Schlachthof im Südland muss 145.000 ISK (970 EUR) zahlen, weil es ein Schwein aus Versehen vor der Schlachtung nicht betäubt hatte und bei lebendigem Leibe hat ausbluten lassen.
Im Sommer 2023 waren auf drei Höfen im Westen des Landes Rinder für insgesamt acht Wochen im Stall gehalten worden, obwohl das Tierschutzgesetz Weidegang vorsieht. Die Höfe müssen zwischen 350.000 und 540.000 ISK (2340-3610 EUR)  Strafe zahlen. Die Höhe der Summe bemisst sich unter anderem an der Zahl der eingesperrten Rinder.

 

Blutstuten: Reaktionen auf Kveikur-Beitrag

Nach dem TV-Beitrag zur Blutstutenhaltung vom 27. Februar ist die Debatte über die umstrittene Branche in Island wieder aufgeflammt. In dem Beitrag war unter anderem über vier im Zusammenhang mit der Blutgewinnung verendete Stuten berichtet worden. Die Besitzerin hatte angegeben, sie sei vom Blutaufkäufer Ísteka angewiesen worden, die Kadaver so schnell wie möglich zu vergraben, bevor Tierschützer Wind davon bekämen. Das letzte Pferd hatte sie auf eigene Initiative obduzieren lassen, dabei stellte sich heraus, dass die Entnahmekanüle das Pferd tödlich verletzt hatte. Es war an seinem Blut erstickt.

MAST sieht keinen Beweis für Kunstfehler
Heute veröffentlichte die Veterinäraufsichtsbehörde MAST einen Kommentar zum Kveikur-Beitrag über Blutstuten und die vier verendeten Pferde im Besonderen. Darin wird hervorgehoben, dass man nicht sagen könne, ob es sich um einen Kunstfehler des Veterinärs gehandelt habe, weil keine schriftlichen Daten vorlägen. Ausserdem sei der damals mit der Blutgewinnung betraute Veterinär polnischer Nationalität gewesen und damit polnischen Behörden unterstellt. Er gehörte zu den ausländischen Veterinären, die der Blutaufkäufer Ísteka für die Saison 2021 ins Land geholt hatte, weil sich immer mehr isländische Tierärzte wohl aus Furcht vor Rufschädigung aus der Blutbranche verabschiedeten. Für die Saison 2023 hatten alle beteiligten Veterinäre ein Sondertraining absolvieren müssen.
MAST schreibt, aus Tierwohlperspektive sei die Blutgewinnung im letzten Sommer gut verlaufen, damit sei klar, dass prophylaktische Massnahmen wie das Training neuer Veterinäre und die verstärkte Kontrolle erfolgreich gewesen seien. Im Jahr 2023 waren sechs Stuten im Zusammenhang mit der Blutgewinnung verendet. Im Jahr 2022 waren es acht gewesen. Tierschutzorganisationen gehen von einer höheren Dunkelziffer aus, weil nur das blutaufkaufende Pharmaunternehmen Ísteka die Todesfälle an MAST meldet.

Studie zum Stutenwohl nach Blutentnahme
MAST verweist auf eine aktuelle Studie, in der der Hämoglobingehalt während der Entnahmesaison untersucht worden war. Demnach wurde bei 8,6 Prozent der untersuchten Blutstuten eine durchschnittliche Blutarmut festgestellt, und bei 1,2 Prozent eine manifeste Blutarmut. Damit bestätige sich die fachliche Einschätzung von MAST hinsichtlich der „milden Auswirkung“ der in Island praktizierten Blutgewinnung auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der Stuten.
Für die erwähnte Studie war während der gesamten Saison 160 Stuten aus zwei Herden – eine im Norden, eine im Süden – Blutproben entnommen worden. In Island werden insgesamt rund 5000 Stuten für die kommerzielle Blutgewinnung benutzt. Der Studie nach fiel der Hämatokrit bei allen Stuten nach der dritten Entnahmewoche und hatte sich drei Wochen nach der letzten Blutgewinnung wieder erholt. Die Blutstuten haben während der „Saison“ ein Saugfohlen bei Fuss und sind tragend.
Die Studie erwähnt ausserdem 17 Vorfälle im Fixierstand, wo Stuten sich gegen die Punktion wehrten.

Verband der Tierärzte kritisiert Angriff auf MAST
Gegen die Kritik der Parteivorsitzenden der Volkspartei, Inga Sæland, bei MAST müsse mal „aufgeräumt“ werden, verwahrte sich heute der Verband isländischer Tierärzte. Inga hatte gestern angegeben, MAST und die tierärztliche Leitung hätten in Bezug auf die Blutstutenhaltung ihre Aufgaben nicht erfüllt. In einer Erklärung schreibt der Verband, dass es keine Daten gebe, die die Behauptung Sælands stützten. Der Verband unterstreicht, ein solcher Angriff auf die Berufsehre öffentlicher Angestellter, die zur Vertraulichkeit verpflichtet sind, müsse sachlich begründet werden und dürfe nicht auf persönlicher Meinung basieren. Medien und Öffentlichkeit seien zu einer sachlichen Debatte aufgefordert.

Ísteka vergleicht Blut mit Käse
Die derzeit amtierende Landwirtschaftsministerin und Premierministerin Katrín Jakobsdóttir verwies gestern Abend im RÚV-Magazin Kastljós darauf, dass für die Blutstutenbranche europäisches Recht gelte – Islands 5000 Blutstuten sind seit dem 1. November 2023 für wissenschaftliche Zwecke genutzte Tiere. Es stehe nicht zur Debatte, dies zu ändern. Ein Verbot der Blutgewinnung sei derzeit nicht geplant, wohl aber die Prüfung des gesamten Betriebsumfelds. Katrín gab zu bedenken, dass die Blutgewinnung ethische Fragen aufwerfe, etwa wie weit man gehen darf, ein Tier als Werkzeug zu benutzen, um einen bestimmten Stoff herzustellen. Ihrer politischen Ansicht nach müsse man da ausgesprochen vorsichtig sein.

In der gleichen Sendung trat auch Ísteka-Geschäftsführer Arnþór Guðlaugsson vor die Kamera. Er betonte unter anderem, dass Island das einzige Land in Europa sei, wo aus Pferden Blut gewonnen werde, daher fehle ausländischen Tierärzten die Erfahrung für die Tätigkeit, und sie müssten speziell geschult werden. Die derzeit gültige Lizenz stehe für zwei weitere Jahre. Die Stuten seien keine für wissenschaftliche Zwecke eingesetzten Tiere, wie die EU-Verordnung es vorsieht.
„Im Gegenteil, das sind Tiere, die in der Landwirtschaft genutzt werden, das [Blut] ist ein landwirtschaftliches Produkt wie jedes andere.“ Arnþór zufolge ist die Blutstutenhaltung mit der Käseherstellung vergleichbar. Nach dem Melken werde Milch von Kühen zu einem neuen Produkt weiterverarbeitet. Er habe keine ethischen Vorbehalte gegen die Praxis.

Zahl der Blutstuten könnte steigen
Die Ísteka ist nicht nur Islands grösster Blutstutenbesitzer, sie hält auch eine Monopolstellung am Markt, mit einem Jahresumsatz von rund zwei Milliarden Kronen. Im letzten Jahr hatte die Umweltbehörde dem Pharmaunternehmen eine Lizenz für die Gewinnung von 600 Tonnen Stutenblut ausgestellt. Das ist die fünffache Menge des derzeitigen Ertrages aus 5000 Stuten. Tierschützer befürchten, dass die Zahl der Blutstuten dadurch auf 20.000 und mehr ansteigen könnte.
Das aus dem Blut tragender und laktierender Stuten extrahierte Hormon PMSG wird in Europa zu Medikamenten verarbeitet, mit denen die Fruchtbarkeit von Nutztieren (Schweine, Ziegen) in der industriellen Tierhaltung gesteigert wird. Hauptabnehmer ist Deutschland.

In Island ist kein PMSG-haltiges Medikament für die Nutztierhaltung registriert, stattdessen kommt das synthetische Prostaglandin Cloprostenol zum Einsatz. Für eine Registrierung in der Arzneimittelliste müsste eine Ausnahmeregelung beantragt und der Einsatz vom PMSG speziell begründet werden.

Mehr zu Thema Blutstuten gibt es hier.

Staatssender RÚV prangert Blutstutenhaltung an

Gestern Abend war im staatlichen TV-Sender RÚV eine Dokumentation über die Stutenblutgewinnung in Island zu sehen. Die Journalisten des Investigativmagazins Kveikur hatten sich aufgemacht, Blutfarmer zu befragen, aber nur eine Landwirtin gefunden, die nicht mehr im Geschäft ist und bereit war, vor der Kamera zu sprechen.

Sæland kritisiert MAST
Heute kritisierte Inga Sæland, die Vorsitzende der Volkspartei, die Veterinäraufsichtsbehörde MAST für ihre mangelnde Aufsichtsführung und Tatenlosigkeit und warf der leitenden Tierärztin der Behörde vor, ihren Aufgaben nicht gewachsen zu sein.
„Das kommt ja nicht unerwartet,“ sagt Inga. „MAST versagt seit vielen vielen Jahren, wenn nicht sogar einfach immer.“ Im vergangenen Jahr hatte der nationale Steuerprüfer ein vernichtendes Urteil zur Aufsichtsführung der Behörde abgegeben. Inga verlangt, dass bei MAST aufgeräumt und die Leitung ausgetauscht wird. Die Landwirtin, die im Filmbeitrag vor laufender Kamera aussagte, was mit ihren Blutstuten geschehen war, bezeichnete Inga als Heldin.
Bereits zum dritten Mal liegt dem Parlament von der Parteivorsitzenden ein Gesetzesentwurf zum Verbot der Blutwirtschaft vor.

Am eigenen Blut erstickt
Sæunn Þóra Þórarinsdóttir auf Lágafell in Landeyjar steht im Kveikur-Beitrag vor der Kamera Rede und Antwort. Sie hat im Jahr 2022 vier Stuten nach der Blutgewinnung verloren. Ihrer Einschätzung nach seien die beteiligten Tierärzte der Aufgabe nicht gewachsen gewesen. Vom blutaufkaufenden Pharmaunternehmen Ísteka sei sie aufgefordert worden, die Kadaver so schnell wie möglich zu vergraben, damit die Tierschützer nicht Wind davon bekämen,  und den Mund über die Sache zu halten. Das vierte tote Pferd hat Sæunn dann auf eigene Verantwortung obduzieren lassen. Dabei stellte sich heraus, dass die bleistiftdicke Entnahmekanüle durch die Halsschlagader in den Kehlkopf der Stute gedrungen war. Das Pferd war noch im Fangstand an seinem eigenen Blut erstickt.
Der obduzierende Tierarzt habe ihr geraten, den Obduktionsbericht in der Schublade verschwinden zu lassen und nicht darüber zu reden. Sæunn ist nicht mehr bei Ísteka unter Vertrag und verkauft derzeit ihren Stutenbestand.

Meldepflicht für Todesfälle
Im Jahr 2022 war eine neue Verordnung in Kraft getreten, die eine weitaus strengere Kontrolle der Bluthöfe mit sich brachte. Unter anderem wurden die Höfe verpflichtet, am Jahresende eine Statistik über Vorfälle, Krankheiten und Todesfälle im Zusammenhang mit der Blutgewinnung abzuliefern. Dabei stellte sich heraus dass in 2022 weitaus mehr Stuten bei der Blutgewinnung verendet waren als im Jahr zuvor. Heimildin hatte seinerzeit berichtet, dass acht tote Stuten in den Statistik auftauchten.  Der isländische Tierschutzbund geht von einer höheren Dunkelziffer aus. Allerdings waren alle Kadaver vor Feststellung der Todesursache vergraben worden. Im letzten Jahr sind sechs tote Pferde verzeichnet. MAST hatte vor der Saison alle beteiligten Veterinäre zu einem Blutabnahmekurs verpflichtet.

Blutstuten sind nach EU-Recht Versuchstiere
Die oben genannte Verordnung fiel am 1. November 2023 ausser Kraft. An ihre Stelle trat eine Verordnung der EU zum Schutz von Tieren in Kraft, die für Versuchszwecke eingesetzt werden. Die Regulierungsbehörde der EFTA hatte Islands Regierung dafür gemassregelt, dass das Land eine „Sonderregel“ für die Blutstutenwirtschaft unterhalte. Treibende Kraft für das Eingreifen der EU waren isländische und Schweizer Tierschutzverbände gewesen, Videos des Schweizer Tierschutzbundes AWF hatten Tierquälereien während der Blutsaison offenbart. Eine Anzeige gegen die beteiligten Landwirte war im Sand verlaufen, eine neue Anzeige ist bei der Reykjavíker Polizei in Bearbeitung.
Doch das EU-Regelwerk kommt mit grossen Einschränkungen daher. „In erster Linie müssen strenge Auflagen hinsichtlich der Anzahl der Tiere eingehalten werden.“ erklärte die leitende Veterinärin bei MAST, Sigurborg Daðadóttir Vísir gegenüber. „Wie viele Tiere sind für die Durchführung eines Experiments mindestens erforderlich? Die grosse Zahl an Tieren, die es hier in Island gibt, da sind ja tausende von Stuten für Blut genutzt worden. Das wird nie funktionieren, wenn das unter Tierversuche fällt.“
Sollte es eine Genehmigung für die Blutgewinnung geben, dann werde die in diesem Jahr für weitaus weniger Stuten ausgestellt. Jeder einzelne Hof müsse eine Betriebsgenehmigung beantragen, danach müsse die Ísteka eine Genehmigung für Tierversuche beantragen, erklärt Sigurborg.

Lukrative Landwirtschaft
Die Ísteka ist das einzige Unternehmen in Island, welches Stutenblut aufkauft und daraus das Trächtigkeitshormon PMSG extrahiert. Das Hormon wird ins Ausland exportiert und dort zur Zyklussteuerung in der Schweinezucht und bei kleinen Ruminanten verwendet. Hauptabnehmer ist Deutschland. Für das isländische Unternehmen springt dabei ein Jahresumsatz von um die zwei Milliarden ISK heraus.
Im Februar hatte die Ísteka Klage gegen den isländischen Staat erhoben. Die Blutgewinnung sei keine Versuchstierhaltung, sondern ein Zweig der Landwirtschaft, und das seit mehreren Jahrzehnten, argmentierte das Unternehmen. Der isländische Bauernverband unterstützt die Blutstutenhaltung und befürchtet einen grossen Stellenverlust, wenn sich die Blutgewinnung nach der neuen Verordnung als unrentabel herausstellt.

Blutstuten: Anzeige wegen Tierquälerei vorgelegt

Zwei Tierschutzverbände haben Fälle von körperlicher Gewalt gegen tragende Stuten und Fohlen, sowie unzumutbare Umstände bei der Blutgewinnung aus den tragenden Stuten bei der isländischen Polizei zur Anzeige gebracht, berichtet Heimildin. Die Verbände verlangt von den Polizeibehörden, dass der im Zusammenhang mit der kommerziellen Blutgewinnung stehende Fall strafrechtlich verfolgt wird, da ihrer Ansicht nach Daten vorliegen, die schwere Gewalt gegen Pferde belegen. Die Anzeige lautet auf Tierquälerei und Verletzung des Tierschutzgesetzes und wurde der Polizeidirektion in Reykjavík von der Anwaltskanzlei Réttur vorgelegt.

Unbefriedigend und gesetzeswidrig
Der Tierschutzbund Zürich (TSB) und die Animal Welfare Foundation (AWF) untersuchen seit einigen Jahren die Umstände, unter denen in Island aus tragenden Stuten Blut zur kommerziellen Verwertung gewonnen wird. Zwei Dokumentarvideos sind bereits entstanden, das letzte stammt vom November letzten Jahres und zeigt Filmmaterial von zwei Blutfarmen. In der Anzeige heisst es, sowohl Haltungsbedingungen als auch Stalleinrichtung sei unbefriedigend, „aber auch die Massnahmen und das Verhalten der Personen, die sich mit den Stuten befassen, ist brutal und gegen das Gesetz.“ Im Film sieht man wie Stuten und ihre Fohlen mehrfach getreten werden, „unter anderem ein kräftiger Tritt in das Gesicht einer Stute, die in der Fangbox festhängt.“
An anderer Stelle ist ein Mann zu sehen, der offenbar kein Veterinär ist, und der aber mit der Blutgewinnung betraut wurde. Über eine Minute lang versucht er mehrfach, die Halsvene zu treffen, was der Stute Leiden und Unwohlsein zufügt. Zusätzlich zu den brutalen Punktionversuchen benutze er ein Holzscheit, um die Stute abzuwehren. Die Anzeige führt weitere Attacken an, wie Tritte in den Bauch von tragenden Stuten und gegen Fohlen.

Im Filmmaterial von dem zweiten Hof sieht man wie Stuten in den Fangboxen mit dem Kopf gegen Bretter schlagen beim Punktionsversuch immer wieder zucken. „Der Kopf einiger Stuten ist so hoch gebunden, dass er überstreckt ist und sich in sehr unbequemer Haltung für die Blutentnahme befindet.“ Eine sich wehrende Stute muss dreimal gestochen werden, bevor die Vene punktiert werden kann.

Verstoss gegen geltenes Tierschutzrecht
Die Verbände sind Heimildin zufolge der Ansicht, dass das in den Videos gezeigte Verhalten einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz darstellt. Dieses Gesetz verbietet die Misshandlung von Tieren und schreibt vor, dass Tierhalter für eine gute Pflege der Tiere sorgen und sie vor Verletzungen schützen müssen
Der Gesetzesvorstoss vor allem im zweiten Fall sei vorsätzlich durchgeführt worden, was die Verbände als schwerwiegend bezeichnen. Die Verfahrensweise stehe weder mit der seinerzeit geltenden Verordnung zur Blutgewinnung aus tragenden Stuten noch mit der aktuellen Verordnung im Einklang.
Alle verfügbaren Informationen und Erklärungen zu den in der Dokumentation gezeigten Vorfällen liessen kriminelles Verhalten erkennen. Die Verbände erklärten sich zur Zusammenarbeit bereit und Mithilfe bei der Beweissicherung an.

Polizei im Süden legte Fall zu den Akten
Die isländische Veterinäraufsichtsbehörde (MAST) hatte bereits eine Voruntersuchung des im November erschienenen Videomaterials durchgeführt und den Fall im Anschluss an die Polizeidirektion im Südland weitergeleitet.
Diese Polizeidirektion hatte jedoch im Jahr 2022 eine Untersuchung zur Gewalt gegen Blutstuten zu den Akten gelegt. Damals hatte MAST Gewalt gegen tragende Stuten zur Anzeige gebracht, die in dem ersten Dokumentarfilm der Tierschutzorganisationen aus dem November 2021 zu sehen gewesen waren. Dieser Film hatte in Island für grossen Unmut gesorgt. Im Jahr 2022 waren im unmittelbaren Zusammenhang mit der kommerziellen Blutgewinnung in Island mindestens acht tragende Stuten verendet.

Hinter der kommerziellen Blutgewinnung steht das Pharmaunternehmen Ísteka, das mit den Pferdehaltern einen Abnahmevertrag schliesst und aus dem Stutenblut ein Hormon extrahiert, welches die Fruchtbarkeit von Nutztieren steigert. Das Hormon kommt vor allem in der deutschen Landwirtschaft zur Anwendung.

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Lachsflucht in den Westfjorden: Polizei stellt Ermittlungen ein

fish farming iceland

Die Polizeidirektion der Westfjorde hat ihre Ermittlungen im Fall der Lachsflucht beim Fischzuchtkonzern Arctic Sea Farm ehf. eingestellt. Im August waren im Patreksfjörður um die 3500 Zuchtlachse aus einem Meeresgehege in die freie Natur entkommen. Im September hatte MAST den Fall zur Anzeige gebracht.

In einem Facebookbeitrag der Polizeibehörde heisst es, die Ermittlungen seien eingestellt worden, weil es keine Grundlage gebe, um sie weiter voranzutreiben. Aus den Akten gehe nicht hervor, dass die Ausrüstung der Meeresgehege aufgrund von Handlungen oder unterlassenen Handlungen mangelhaft gewesen sei, oder dass es sich um ein grosses Verschulden handle.
Dem Gesetz nach haftet die Unternehmensleitung mit Geldstrafen oder Gefängnis von bis zu zwei Jahren, wenn Zuchtfische aus einer Zuchtanlage in die freie Natur entkommen, wenn die Ausrüstung vorsätzlich oder durch Leichtsinn mangelhaft war, heisst es in einer Mitteilung von MAST.

Der Sportangler Elías Pétur Viðfjörð Þórarinsson war einer der ersten, der seinerzeit die vielen Zuchtlachse in den Flüssen entdeckt hatte. “An einem Tag fingen wir sechs Zuchtfische, die sich alle in sehr schlechtem Zustand befanden. Die hatten offene Wunden, zerfetzte Flossen und waren voller Lachsläuse. Wir fingen auch Wildlachs, und der war auch voller Lachsläuse, und wir waren überrascht, dass da kein Mitarbeiter der Fischereibehörde unterwegs war, um die entkommenen Zuchtfische in den Flüssen zu suchen.“ sagte Elías Vísir gegenüber.
Im Herbst wurden dann Spezialtaucher aus Norwegen ins Land geholt, die die entkommenen Lachse in den Flüssen aufspürten und vor Ort töteten.