Lachsflucht: Risikobewertung 2023 muss überarbeitet werden

Bíldudalur Arnarfjörður

Aufgrund veränderter Bedingungen hat das Marineforschungsinstitut beschlossen, die Risikobewertung der genetischen Vermischung von Lachsen zu überarbeiten, berichtet RÚV. Im August waren etwa 3.500 Lachse aus einem Meereszuchtgehege des Unternehmens Arctic Fish im Patreksfjörður in die freie Natur entkommen, und viele dieser Zuchtlachse waren Sportanglern an die Angel gegangen.

Risikobewertung aus 2020 und 2023 veraltet
Eine der Aufgaben des Marineforschungsinstituts besteht darin, in regelmäßigen Abständen Risikobewertungen für die Fischzucht durchzuführen. Dabei wird analysiert, wie viel Zuchtlachs in einem Jahr die Flüsse hochwandern kann, ohne dem Wildbestand genetischen Schaden zuzufügen. Die letzte Risikobewertung stammt aus dem Jahr 2020. Damals war vereinbart worden, dass die maximale inländische Produktion von Zuchtlachs in offenen Meeresgehegen 106.500 Tonnen betragen würde. Das ist etwa doppelt so viel, wie bereits jetzt im Land produziert wird.

Das Marineforschungsinstitut hat Anfang des Monats seine aktuelle Risikobewertung an den Beratenden Ausschuss für Fischzucht geschickt. In der Bewertung ging man nicht davon aus, dass viele ausgewachsene Zuchtlachse in die Lachsflüsse eindringen. Die Realität sah jedoch anders aus, und inzwischen ist auch klar geworden, dass ein beträchtlicher Teil der aus den Meeresgehegen von Arctic Fish entkommenen Zuchtlache die Geschlechtsreife erreicht hat: Anfang dieses Monats hatte nämlich die Fischereibehörde norwegische Taucher ins Land geholt, um in Flüssen der Westfjorde nach Fluchtlachsen zu jagen. Bei Untersuchung der erbeuteten Fische stellte sich heraus, dass 40 von 42 Zuchtfischen geschlechtsreif und damit fruchtbar waren.

Defekte Beleuchtung schuld an der Frühreife
Ein Grund für die frühe Geschlechtsreife der Fische (die laut Zuchtplan eigentlich noch nicht hätten fortpflanzungsfähig sein sollen) ist bislang nicht angegeben worden, als wahrscheinliche Erklärung gilt jedoch eine defekte Lichtsteuerung. In einer Bekanntmachung von Hafro hiess es, wegen dieser veränderten Bedingung müsse die Risikobewertung überprüft werden. Der Verband der Fischereiunternehmen hat diese Entscheidung akzeptiert.

Die Flucht der Zuchtlachse in den Westfjorden wird derzeit von der örtlichen Polizeidirektion untersucht. Ebenso prüft man, ob Arctic Fish gegen das Fischzuchtgesetz 71/2008 verstossen hat, dort sieht Art. 22 vor, dass Manager und Vorstandsmitglieder eines Lizenzinhabers mit einer Geldstrafe oder Freiheitsentzug von bis zu zwei Jahren belegt werden können, wenn es sich um schwerwiegende Verstöße handelt.
Als schwerwiegender Verstoss würde etwa die Flucht eines Zuchtfischs aus einer betrieblichen Zuchteinrichtung gelten, wo die Ausrüstung aufgrund vorsätzlicher oder fahrlässiger Handlungen oder Unterlassungen unzureichend war.

 

Ausgedehnte Hybridisierung zwischen Wildlachs und Zuchtlachs

aquaculture farm iceland

Eine neue Studie des Marineforschungsinstitutes weist darauf hin dass die Hybridisierung zwischen wilden Fischen und Zuchtfischen weitreichender sein könnte als ursprünglich angenommen.
Die Studie mit dem Titel Hybridization between wild Icelandic salmon and farmed salmon of Norwegian origin, untersuchte Wildlachslaich aus 89 Flüssen in Island, wobei der Fokus auf Flüssen lag, die sich in der Nähe von Fischzuchtbetrieben befinden. Insgesamt 6348 Laichproben wurden untersucht.

Immer mehr Zuchtlachse entkommen
Die industrielle Fischzucht hat sich in den letzten Jahren zu einem lukrativen Geschäft in Island entwickelt, nicht zuletzt dank der stetig steigenden Nachfrage nach der beliebten Fischart. Im Jahr 2015 wurden noch um die 8000 Tonnen Zuchtlachs in offenen Meeresgehegen produziert, in 2022 war die Zahl auf 45.000 Tonnen gestiegen.

Hagstofa

Aktuelle Untersuchungen haben ebenfalls gezeigt dass eine erhebliche Zahl an Zuchtfischen aus ihren Gehegen entkommen ist. Die Regelmässigkeit und die Grösse dieser Vorfälle geben Raum für Befüchtungen, Parasiten und Krankheiten könnten sich unter den Wildlachsen ausbreiten, allem voran aber geht es um die Hybridisierung der beiden vollkommen verschiedenen Fischarten.
“Die Hybridisierung von Zuchtlachs mit wilden Beständen kann die lokale genetische Zusammensetzung verändern, zu Veränderungen in den lebenshistorischen Charakteristiken führen und möglicherweise sogar zum Rückgang einer Population.” heisst es in der Studie.

Westfjorde viel stärker hybridisiert
Für die Studie waren zwischen den Jahren 2014 bis 2019 Proben auf genetische Vermischung untersucht worden. Insgesamt 133 Hybriden der ersten Generation, also eine Kreuzung zwischen Wildlachs und Zuchtlachs, waren in 17 Flüssen gefunden worden, oder 2,1% aller Proben in 18% aller Flüsse. Ältere Hybridisierung wurden in 141 Fischen in 26 Flüssen gefunden (2,2% der Proben in 29% der Flüsse)
Hybriden der ersten Generation treten häufiger in den Westfjorden als in den Ostfjorden auf, was daran liegen mag, dass die Fischzucht in den Ostfjorden erst später begonnen hat und weniger ausgedehnt ist.
Die genetische Vermischung wurde generell in einer Entfernung von weniger als 50 Kilometer von den Zuchtanlagen gefunden, aber manche Hybriden wurden auch bis zu 250 Kilometer weit weg gefunden.
“Diese extensive Studie bestätigt die Wichtigkeit weiterer Forschung. Wir müssen den Austausch von hybridisierten Generationen untersuchen, ihr Ausmass und die Gründe für die Streuung älterer Hybriden,” sagte Guðni Guðbergsson vom Marineforschungsinstitut.
Hier gibt es die gesamte Studie.

 

Wasser in der Silfra-Spalte wird nicht durch Tauchen belastet

Two people scuba diving in Silfra Fissure

Eine neue Studie des Marineforschungsinstitutes zur Messung der Wasserzusammensetzung der Silfra-Spalte in Þingvellir zeigt auf, dass der Tauchbetrieb das Wasser dort nicht messbar verschmutzt hat, berichtet mbl.is.
Am 3. Oktober 2022 wurden Wasserproben entnommen, um herauszufinden, ob die Tauchaktivitäten Auswirkungen auf die chemische Zusammensetzung des Wassers haben. Dabei ging es vor allem um mögliche Reinigungsmittel und Kosmetika, wie organische Kohlenstoffe, Fette, Phthalate, Terpentine und PFAS-Verbindungen. Ausserdem untersuchte man, ob ein erhöhter Tauchverkehr in der Spalte zu vermehrter Wassertrübung durch Sedimente führt. Die Wasserproben wurden oberhalb und unterhalb der Taucherplattform entnommen und brachten vergleichbare Ergebnisse wie in den Jahren zuvor. Das Wasser in der Silfraspalte wird seit 2007 kontrolliert.

Alle Stoffe, nach denen man suchte, wurden entweder nicht gefunden oder befanden sich unterhalb der Nachweisgrenze, mit Ausnahme einer zu den Phthalaten gehörenden Verbindung, ein bekannter Weichmacher im Kunststoff.
In diesem Fall geht man davon aus, dass die Probenentnahme im Herbst 2022, nach der Hochsaison, Auswirkungen auf das Ergebnis hatte, bei einer erneuten Probe im Februar 2023 lagen die Werte dann unthalb der Nachweisgrenze.
In der Studie heisst es, man halte es für wichtig, die Zusammensetzung des Wassers in der Silfra-Spalte auch weiterhin zu kontrollieren, um sofort einschreiten zu können, wenn sich dort etwas ändert.

Windräder sollen in Island Strom für Grossbritannien produzieren

Ein ausländischer Investor will südöstlich von Island Meereswindparks mit einem Produktionsvolumen von 10 Gigawatt errichten, berichtet mbl.is. Die dort produzierte Windenergie soll dann per Seekabel nach Grossbritannien transportiert werden. Zu den Risiken von Windparks im Meer und ihren Auswirkungen auf die Meeresfauna gibt es in Island bislang keine Forschungen.

Mbl.is berichtet, dass norwegische Fischereiunternehmen in Norwegen Einwände gegen solche Projekte erhoben haben, und auch das norwegische Marineforschungsinstitut hat sich gegen die Errichtung von Windrädern in Laichgebieten ausgesprochen.
Beim isländischen Marineforschungsinstitut ist der Aktenordner zum Thema Lärmbelästigung für die Meerestiere allerdings leer, vielmehr verweist man dort auf Studien der Norweger und darauf, dass viele der Auswirkungen ja eher lokal zu finden seien.
Man sei der Ansicht, dass Windparks im Meer keine negativen Auswirkungen auf Fischbestände oder Merresäugetiere hätten, weil es darauf ankomme, wo der Windpark errichtet werde, wie gross das Bauprojekt ausfalle und welche Fischbestände man in dem Zusammenhang betrachte. In einigen Fälle sei es auch zu positiven Auswirkungen gekommen, wenn nämlich von Menschenhand geschaffene Strukturen Lebensräume für Arten schaffen, die man für optimal halten würde.
In einer Antwort von Hafro auf die Anfrage von mbl.is heisst es, dass Entscheidungen über den Bau von Windparks im Meer jedoch die Störungen und Auswirkungen berücksichtigen müssten, die solche Projekte verursachen können. Besonderes Augenmerk müsse den Migrationsrouten von Vögeln, Walen und Fischen geschenkt werden, sowie den Lebensräumen von Meereslebewesen und den Laichplätzen kommerziell genutzter Fischbestände.
Einem Aufbau von Windparks in isländischen Gewässern sollte daher eine Prüfung darüber vorausgehen, welche Auswirkungen sie auf Umwelt und Lebewesen haben würden, also ein Umweltgutachten, aber das sei ja für alle Bauvorhaben in dieser Grössenordnung notwendig.

Bislang interessieren sich noch nicht viele Unternehmen für die Errichtung von Windparks im Meer rund um Island. In diesem Fall handelt es sich um das Unternehmen Hecate Independant Power (HIP), die im Besitz der amerikanischen Hecate LLC und der britischen Independant Power Corporation (PLC) steht.

Sollte aus den Plänen etwas werden, dann will HIP zunächst mit der Errichtung von je 85 Windrädern in zwei Parks etwa 40 Kilometer vor der Südküste Islands beginnen und dort 2000 Megawatt produzieren. Der Strom fliesst per Seekabel nach Grossbritannien. Das Gesamtproduktionsvolumen des Projektes soll am Ende dann 10 Gigawatt betragen.

Sturm schleuderte 30.000 Rotbarsche an Land

Mindestens 29.000 Fische sind bei dem Unwetter in der Montagnacht bei Stóra Sandvík auf der Halbinsel Reykjanes an den Strand geworfen worden und verendet, berichtet das Fréttablaðið. Einer Mitteilung des Marineforschungsinstitutes zufolge handelt es sich vor allem um kleine Rotbarsche.
Bei dem Unwetter waren extrem hohe Wellen gemessen worden, an vielen Orten hatte es Monsterwellen von 20 Metern und mehr gegeben. Am Dienstagnachmittag erfuhr das Institut, dass sich am Strand von Stóra Sandvík Tausende von Fischkadavern befinden.
Auf einem Kontrollgang fanden Institutsmitarbeiter am Mittwoch in der etwa ein Kilometer langen Bucht eine Menge toter Fische, die auf mindestens 29.000 Exemplare geschätzt wurde, und möglicherweise mehr, weil ein Teil auch davon geweht sein dürfte, denn die kleinsten der Rotbarsche sind nur etwa fünf Zentimeter lang.
Neben Rotbarsch fand man Seequappen, zwei Brosmen, Kabeljau, Seelachs, Stintdorsch und Sandaale, sowie tote Seevögel: fünf Basstölpel, zwei Trottellummen, Eissturmvögel und Eiderenten.
“Auch am Leuchtturm von Garðskagi wurde der Strand kontrolliert, dort waren viele Algen angespült worden, sowie Dutzende von kleinen Rotbarschen. Letztere fanden sich auch am Strand von Sandgerði, in Sandhöfn am Hafnaberg und bei Ísólfsskáli an der Südküste von Reykjanes,” heisst es in der Institutsmitteilung.
Das Marineforschungsinstitut bittet darum, weitere Funde per Email zu melden: hafog­vatn@hafog­vatn.is

 

Korallenriffs vor der Küste Islands entdeckt

Vor der Südküste Islands sind ausgedehnte Korallenriffe entdeckt worden, von denen einige durch den Fischfang zerstört sind, berichtet RÚV. Wissenschaftler hoffen, noch weitere solcher Korallengebiete zu finden.

Die meisten Isländer verbinden Korallenriffe wohl eher mit Australien, wo weltweit die grössten ihrer Art zu finden sind. Isländische Wissenschaftler haben nun jedoch Korallenriffe vor der isländischen Küste entdeckt. Vor etwa 20 Jahren hatten sie damit begonnen, Schiffskapitäne nach solchen Gebieten zu befragen, und wo man wohl danach suchen könnte, und vor einigen Jahren war dann eine grossangelegte Kartierung des Meeresbodens begonnen worden.
Sie zeigte auf, dass es vor der Südküste der Halbinsel Reykjanes und noch weiter westlich ausgedehnte Korallenriffe gibt.

“Das sind Tiefseekorallen. Die suchen sich kälteres Wasser, man findet sie in grösserer Tiefe. Unsere Korallen hier in Island findet man in einer Tiefe von 200 bis 600 Metern und das sind eigentlich die gleichen Korallenarten, das sind Steinkorallen. Aber die Korallen hier in Island sind Raubtiere, die brauchen kein Sonnenlicht wie die Korallen in Australien,” erklärt Steinunn Hilma Ólafsdóttir, eine Meeresexpertin beim Marineforschungsinstitut, die zusammen mit Kollegen an der Kartierung der Riffs arbeitet.

Fischfang hat vieles zerstört
Die Korallenriffe in Australien haben in den vergangenen Jahrzehnten stark gelitten, und ein grosser Teil der Korallen ist durch den Anstieg der Meerestemperatur zugrunde gegangen. Diese Gefahr wird für die isländischen Korallen nicht angenommen, dennoch sind auch diese Riffs in Teilen stark zerstört.
“Wir haben Korallengebiete gesehen, die kaputt sind, wenn man das so sagen darf, komplett zerstört, weil sie in Fischfanggebieten liegen. Dann haben wir Korallengebiete gesehen, die wirklich schön sind, gross und ausgedehnte Gebiete mit riesigen Riffs.”

Einige Fischfanggebiete sind bereits gesperrt worden, um die Riffs zu schützen. Steinunn Hilma glaubt, es gibt noch mehr solcher Korallenriffs vor der Küste als die, die man bereits kartiert hat. “Wir hoffen, dass wir auch weiterhin diese Gebiete erforschen können, denn da sind noch mehr solcher Korallengebiete, die wir gerne erfassen wollen, wo die sich befinden.”

Isländische Lodde auf Besuch bei den Färöerinseln

Ein grosser Loddenschwarm ist kürzlich bei den Färöerinseln entdeckt worden, und Wissenschaftler glauben, dass der Fisch möglicherweise aus isländischen Gewässern dorthin geschwommen ist, berichtet RÚV.

Der Loddenbestand in Island ist in den vergangenen zwei Jahren wahrscheinlich bedingt durch einen Anstieg der Meerestemperaturen zurückgegangen. Kleinere Fischbestände bedeuten, dass es keine Quote für diese Fischart gibt, weil die Lodde sich erholen darf. Die Entwicklung wirkte sich negativ auf die Wirtschaft im Osten des Landes aus, wo in der Gemeinde Fjarðarbyggð im Jahr 2018 etwa 47 Prozent des gesamten isländischen Loddefangs angelandet und verarbeitet wurde.

Meeresbiologen auf den Färöerinseln hatten den Fischbesuch entdeckt, als sie den heimischen Sprottenbestand untersuchten. Die Sprotte, die zu den Heringsarten gehört, wurde vor drei Jahren zum ersten Mal in isländischen Gewässern entdeckt. Nun hat es den Anschein, als ob die Lodde sich von Island aus auf den Weg zu den Färöerinseln gemacht hat. Der Fischexperte Jan Arge Jacobsen bezeichnet das als selten, wenn nicht sogar beispiellos. Zudem hat die Lodde dort mit dem Laichen begonnen.

Die Wissenschaftler auf den Inseln wollen Proben der Fische an das isländische Marineforschungsinstitut schicken. Dort soll nun herausgefunden werden, ob die Lodden aus den Gewässern rund um die Färöerinseln tatsächlich aus Island stammen.