Reykjanes kann jederzeit erneut ausbrechen

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Ein erneuter Vulkanausbruch auf der Halbinsel Reykjanes könnte sich schon in der kommenden Woche ereignen, berichtet RÚV. Die Landhebung bei Svartsengi geht rascher voran als vor dem letzten Ausbruch am 14. Januar. Kristín Jónsdóttir, die Leiterin der Abteilung für Naturkatastrophen beim isländischen Wetteramt, sagt, ein Ausbruch oder ein ähnliches vulkanisches Ereignis könnte sich mit minimaler Vorwarnung ereignen.

Magmakammer unter Svartsengi
Das Land am Erdwärmekraftwerk Svartsengi und an der Touristenlagune Blue Lagoon hat sich an den vergangenen Tagen täglich um bis zu acht Millimeter gehoben, und ist damit rascher unterwegs als vor dem letzten Ausbruch am 14. Januar.
Das weist darauf hin dass die Magmakammer unter dem Svartsengi-Gebiet sich ausdehnt und entweder aufbrechen und einen Vulkanausbruch verursachen, oder einen Magmatunnel bilden, wie jener, der Ende letzten Jahres unter dem Küstenort Grindavík entstanden war.

Minimale Vorwarnung
Kristín glaubt dass solch ein Ereignis nicht weit hergeholt ist. „Sollte der Prozess im gleichen Tempo voranschreiten wie zuvor, dann kann man damit rechnen dass es im Februar, Mitte Februar oder sogar in der kommenden Woche zu einem Ausbruch kommen könnte,“ erklärte sie.
„Die Magma könnte dort losströmen, ohne besondere seismische Aktivität und ohne uns grossartig zu warnen.“ Beim Dezemberausbruch an den Sundhnjúkargígar hatte die Erde eine Stunde vor dem Ausbruch zu beben begonnen.

Schweres Erdbeben in Reykjavík möglich
Auch in Reykjavík sollten Bewohner darauf vorbereitet sein, dass sich dort ein Erdbeben der Stärke M6 und höher ereignen kann. Die Beben, die am letzten Wochenende südöstlich der Heiðmörk aufgezeichnet worden waren, seien auf Plattenverschiebungen an der Hvalhnjúks-Verwerfung zurückzuführen, sagt Kristín. In dem Gebiet ereigneten sich alle 50 Jahre schwere Erdbeben mit einer Stärke um M6. Das letzte Beben dort wurde im Jahr 1968 aufgezeichnet, davor gab es 1929 ein schweres Beben.
Die Hauptstadtfeuerwehr erinnert daran, dass es auf der Seite des isländischen Zivilschutzes Anweisungen gibt, wie man sich bei Erdbeben zu verhalten hat.

 

Grindavík: Magma sammelt sich weiter, neuer Graben im Entstehen

Grindavík volcanic eruption

Die Magmaakkumulation unter dem Svartsengi-Gebiet geht in der gleichen Geschwindigkeit weiter wie vor den letzten beiden Vulkanausbrüchen. In einer Mitteilung der isländischen Wetterbehörde heisst es, zu diesem Ergebnis seien Wissenschaftler bei einem informativen Treffen heute morgen gekommen.
Wenn sich ein Magmatunnel nahe der Erdoberfläche bilde, zerre dies an der Erdkruste und in der Mitte des Magmatunnels senke sich das Land. Damit entstehe noch mehr Druck auf die Erdkruste beiderseits des Tunnels.

Keine Absenkung in Sicht
In Svartsengi seien GPS Sender dort am Rand des Magmatunnels installiert, wo sich während der Bildung des Tunnels das Land anhob. Das hätten Rechenmodelle gezeigt. „Jetzt, zwei Tage nachdem sich der Magmatunnel gebildet hat, sollte der Sender in Svartsengi langsam eine Absenkung des Landes anzeigen, wenn die Magmaakkumulation zu einem Halt gekommen wäre. Das ist nicht der Fall, und damit ist klar, dass sich dort wie schon zuvor Magma ansammelt.“
In der Mitteilung heisst es weiter, dass die Gefahr durch Erdspalten und wegbrechendem Erdreich im Ostteil Grindavíks weiter steige.

Neuer Graben im Osten der Stadt
Östlich des Grabens, der am 10. November entstanden war, habe sich ein neuer Graben gebildet. Sein Ostrand liegt unter dem Ortsteil Þórkötluhverfi im Osten Grindavíks. Der neue Graben ist 800 bis 1000 Meter breit, die meiste Absenkung über dem Graben beträgt derzeit 30 Zentimeter. Der Graben sinkt und dehnt sich weiter aus. Die westliche Grenze des Grabens verläuft dort, wo aus der südlichen Spalte am Sonntag Lava in die Ortschaft geströmt war.
Innerhalb des neuen Grabens waren zuvor schon Spalten aufgezeichnet worden, die in der Landschaft sichtbar sind. Diese Spalten sind grösser geworden, dazu haben sich neue Spalten aufgetan. Hier findet man eine Karte zu den Gräben und Spalten.
„Zum Vergleich war der Graben vom 10. November quer durch Grindavík etwa zwei Kilometer breit. Die meiste Absenkung betrug 1,30 Meter,“ heisst es in der Mitteilung.

Magma könnte Grindavík erneut und mehrfach bedrohen

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In den kommenden Tagen oder Monaten könnte Magma von neuem in den unterirdischen Tunnel unter dem Küstenort Grindavík unterwegs sein. Die Stadt bleibt daher auch weiterhin evakuiert. Experten sagen, es sei unklar, wann die Bewohner in ihre Häuser zurückkehren können. Ein Vulkanausbruch scheint zumindest in naher Zukunft immer unwahrscheinlicher, aber eine neue Phase seismischer Aktivität könnte bevorstehen.

Ende Oktober hatte sich die Erde auf der Halbinsel Reykjanes angehoben, die Hebung im Zusammenspiel mit einer Serie zum Teil schwerer Erdbeben hatte Hinweise darauf verdichtet, dass sich Magma unter der Erdoberfläche sammelt. Ein unterirdischer Magmagang bildete sich vom Berg Keilir aus in Richtung Grindavík, die dort entlangströmende Magma füllte einen Graben unterhalb des Ortes, weswegen die Behörden am 10. November den Ort evakuieren liessen, weil die Gefahr einer Eruption bestand.

Der Magmafluss in den Tunnel ist sehr wahrscheinlich zu einem Halt gekommen, wie es in einer Mitteilung der Wetterehörde heisst. Die Chancen für einen Vulkanausbruch entlang des unterirdischen Tunnels sind gesunken. Dennoch sammelt sich Magma nördlich von Grindavík, und zwar unterhalb des Erdwärmekraftwerks Svartsengi und der Blauen Lagune.
Die anhaltende Aktivität in Svartsengi, die im Oktober einsetzte, ist noch nicht vorüber, und es könnte auch ein neues Kapitel beginnen haben, mit einer erneuten Magmaausbreitung, und einer langsam ansteigenden Wahrscheinlichkeit einer Eruption, heisst es in der Mitteilung.
„Der Tunnel unterhalb von Grindavík ist durch Magmaansammlung unterhalb von Svartsengi gespeist worden. Es ist wahrscheinlich, dass sich diese Ereignisfolge wiederholt. Eine neue Magmaausbreitung würde sich durch Erdbeben und Bodenverformungen ankündigen, die von Geräten erkannt würden, „einige Stunden bevor die Magmaausbreitung wahrscheinlich eine Bedrohung für Svartsengi oder Grindavík darstellt“.

Nach Ansicht des Wetteramtes wiederholt sich dieses Muster der Magmaansammlung unter Svartsengi und das Eindringen in den unterirdischen Tunnel, möglicherweise sogar mehrfach. Ob dies jedoch „in den nächsten Tagen oder möglicherweise erst nach mehreren Monaten“ der Fall sein wird, lässt sich nicht abschätzen. Ebensowenig lässt sich sagen, wann die Bewohner endgültig in ihren Ort zurückkehren können.