Reykjanes: Vulkanausbruch Nr. 8 hat begonnen

Ein neuer Vulkanausbruch hat sich an der Kraterreihe Sundhnúksgigaröð östlich des Berges Sylingarfell auf der Halbinsel Reykjanes ereignet. Um viertel vor eins heute Mittag öffnete sich auf einer Länge von zunächst einem Kilometer die Erde, und Lavafontänen von bis zu 50 Metern schossen in die Höhe, berichtet RÚV. Berechnungen zufolge hatten sich in der Magmakammer unter Svartsengi mehr als 20 Kubikkilometer Magma angesammelt, mehr als je zuvor in dieser Ausbruchsserie, ein fulminantes Ereignis konnte also erwartet werden. Auf den Ausbruch selbst hätten die Experten aber lange warten müssen, sagte die Vulkanologin beim Wetterdienst, Kristín Jónsdóttir.

Evakuierungen nach Sirenenwarnung
Die Blaue Lagune, das Kraftwerk Svartsengi und der Küstenort Grindavík wurden umgehend evakuiert. In Grindavík weigerten sich die letzten drei Bewohner, den Ort zu verlassen, am Ende konnten sie aber doch überzeugt werden. Einer von ihnen war noch damit beschäftigt, seine Schafe in Sicherheit zu bringen.
Im Frühjahr waren in der Stadt wie auch in der Lagune Sirenen installiert worden, die ihren Nutzen inzwischen schon mehrfach unter Beweis gestellt haben.
Der Ort ist jetzt menschenleer, und das keine Stunde zu früh, denn gegen Abend war die schnellfliessende Lava über Zufahrtsstrassen im Westen und Norden geströmt, und die Behörden befürchten, dass auch der nach Osten führende Suðurstrandavegur überrollt werden könnte. Grindavík wäre dann nur vom Meer aus erreichbar, bis es möglich ist, einen Weg über die noch heisse Lava zu legen.
Die Lavaföntänen waren deutlich von der Reykjanesbraut zu sehen. Zeitweise zogen dunkle Rauchschwaden über die Halbinsel, nach Angaben der Expertin für Naturkatastrophen, Lovísa Mjöll Guðmundsdóttir, ein Hinweis auf Aschebeimischung, die hatte es bei den sieben vorherigen Ausbrüchen nicht gegeben. Später wurde bekannt, dass die Lava in Kontakt mit Grundwasser gekommen war. Wegen günstiger Winde besteht keine Gefahr für den Flugverkehr, hiess es bei den Fluglinien Icelandair und Play.

Screenshot mbl

Zweimal stärkerer Ausbruch
Am Abend bezeichnete Zivilschutzleiter Víðir Reynisson die Lage als nicht gut, nicht nur weil Lava über die Strassen fliesst, sondern auch weil die Schutzwälle bedroht sind, ausserdem Telekommunikationsmasten, darunter Masten, die sich im Besitz der amerikanischen Marine befinden. Einige Strommasten waren bereits umgekippt und brannten.
Der Professor für Geophysik, Magnús Tumi Guðmundsson, sagte in einem Interview am Abend, der Ausbruch sei bis zu zweimal stärker als alle vorherigen gewesen, und auch wenn die Kraft bereits merklich zurückgehe, sei dies immer noch der grösste Ausbruch in dieser Serie. Die Lava sei sehr heiss, sehr dünnflüssig und dadurch sehr schnell unterwegs. Sie tendiere allerdings dazu, an den Schutzwällen entlang zu fliessen, die damit wieder einmal ihren Nutzen bewiesen. Auch Víðir betonte in einem Interview, dass Grindavík ohne die Schutzwälle nicht mehr existieren würde. Die neuverlegten Wasser- und Stromleitungen seien zwar alle von Lava bedeckt, aber aufgrund ihrer speziellen Isolierung noch intakt.

Schutzwälle ohne Lücken
Ari Guðmundsson, ein Ingenieur bei Verkís, der in den vergangenen Monaten die Errichtung der Schutzwälle geleitet hatte, zeigt sich zufrieden mit den Ergebnissen. Die vorletzte für Durchfahrten genutzte Lücke im Wall sei heute in aller Eile geschlossen worden, nun gebe es nur noch eine Lücke in der Nähe eines Telekommunikationsmastes, durch die jetzt Lava hinter den Wall fliesse. Der Mast habe bei den heutigen Arbeiten aber keine Priorität gehabt, und man bringe niemanden dafür in Gefahr.
Magnus Tumi sagte in den Abendnachrichten, die Spalte habe sich von ursprünglich vier Kilometern auf 2,4 Kilometer verkürzt, und auch die Fulminanz des Ausbruchs lasse merklich nach. Die Aktivität im Magmatunnel verebbe im Süden und verlagere sich derzeit nach Norden. Möglicherweise kommt Grindavík mit dem Schrecken davon.

Auf den östlich von Grindavík gelegenen Hauptstadtbereich kommt jedoch wegen westlicher Winde in der Nacht eine nicht unerhebliche Gasverschmutzung zu. Es wird empfohlen, die Fenster zu schliessen und Säuglinge nicht im Kinderwagen draussen schlafen zu lassen.

Reykjanes: ein aktiver Krater, neue Entwicklungen im Gange

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Von den vormals drei Kratern am Sundhnúkur ist noch ein Krater aktiv, der inzwischen 25 Meter über der Lavadecke in die Höhe gewachsen und weithin auszumachen ist. Die Vulkangruppe Südisland hatte in einem Facebookbeitrag angemerkt, es sei nur noch eine Frage der Zeit, wann die Lava nicht mehr nach Süden, sondern nach Norden fliesse.
Aus dem Krater ergiesst sich ein Lavastrom nach Süden und bildet einen See. Aus diesem Lavasee fliessen kleinere Ströme in alle Richtungen, aber es scheint auch unterirdische Kanäle zu geben.
„Die Lavadecke südlich des Kraters ist inzwischen höher als das Land nördlich des Kraters. Die Lavadecke hat die Senke zwischen den Bergen Hagafell und Vatnsheiði ausgefüllt,“ schreibt die Vulkangruppe. Wenn die Lava ihre Flussrichtung nach Norden ändere, würde sie über die grosse Lavadecke aus dem Winter fliessen. Die Vulkangruppe schätzt, dass es da ein Gefälle von zehn bis 15 Metern gibt, über das Lava dann einen leichten Weg nach Norden hätte.

Neue Ausbruchsphase mit stetigem Lavafluss
Der Geologe Ari Trausti Guðmundsson schrieb gestern auf seiner Facebookseite, die wachsende Landhebung bei Svartsengi könne dazu führen, dass sich neue Magmakanäle im Spaltensystem öffneten. Er hält es für möglich, dass das Gebiet in eine neue Ausbruchsphase eingetreten ist, berichtet Vikurfréttir.
„Das Zusammenspiel von Magmakammer und einem weitaus grösseren Magmareservoir in 10 bis 20 Kilometern Tiefe unter dem Vulkansystem von Svartsengi ist jetzt sichtbar. Nach wiederholten Lavausbrüchen nordöstlich von Grindavík gibt es nun einen offenen Magmagang zwischen den Überresten der Lavaspalte vom 16. März und dem Zufluss aus dem Reservoir in die Kammer.“ schreibt Ari Trausti. Der Ablauf habe sich geändert. Jetzt fliesse die Magma stetig, wie beim Ausbruch in den Geldingadalir. „Der Druck von unten wird stärker, weil sich das Land über der Magmakammer wieder hebt.“ Das könne die Aktivität des Kraters verstärken, der im übrigen 2000 Jahre alt sei.

Dronenvideo zeigt Krater
Heimildin veröffentlichte heute ein Dronenvideo, welches den aktiven Krater aus der Sicht von Grindavík und dem Erdwärmekraftwerk Svartsengi zeigt.
Die benachbarte Blaue Lagune, die ihr heisses Wasser aus dem Kraftwerk erhält, hatte heute Mittag nach dreiwöchiger Zwangspause wieder ihre Türen für Badegäste geöffnet. Auf dem Lagunengelände sind eine Vielzahl von Gasmessgeräten und eine Wetterstation installiert, liess die Polizeidirektion von Suðurnes wissen. Auch eine Sirene befindet sich auf dem Gelände.

Die Badeanlage ist seit letztem November vulkanbedingt fünfmal für insgesamt 106 Tage geschlossen worden, schreibt Heimildin. Beim ersten Mal dauerte die Schliessung vom 9. November bis 17. Dezember. Am 18. Dezember brach der Vulkan an den Sundhnúkagígar aus, und die darauf folgende Schliessung dauerte bis zum 6. Januar.
Acht Tage später, am 14. Januar, gab es einen weiteren Ausbruch an der Kraterreihe Sundhnúkagígaröð, die Lagune wurde evakuiert und war vom 8. bis 16. Februar geschlossen. Zwei Wochen konnte der Badebetrieb aufrecht erhalten werden, am 2. März kam dann die nächste Schliessung. Noch während dieser Schliessung hatte ein Angestellter wegen Gasvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert werden müssen.
Die Polizeidirektion Suðurnes hatte gestern vermeldet, in der Region Grindavík und Svartsengi seien hohe Schwefeldioxidwerte gemessen worden. Allen Personen in der Region war geraten worden, sich im Haus aufzuhalten, Fenster zu schliessen und die Klimaanlage abzuschalten.
Aktuelle Messungen zur Luftqualität findet man auf loftgaedi.is.

Reykjanes: Formschöner Krater erhebt sich 25 Meter aus der Lava

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An der Spalte Sundhnjúksgígarröð, aus der seit fast zwei Wochen Lava quillt, hat sich erstmals ein formschöner Krater gebildet, berichtet Vísir. Zu Beginn des Ausbruchs strömte die Lava auf einer Länge von etwa vier Kilometern an die Erdoberfläche, in den darauffolgenden Tagen war diese Förderstrecke auf einzelne Krater zusammengeschrumpft. Dem Dronenfotograf Ísak Finnbogason gelangen nun Aufnahmen des Kraters. Das Eruptionsgebiet liegt in unzugänglichem Gelände.

Landhebung schwer zu interpretieren
Die Vulkanologin Lovísa Mjöll Guðmundsdóttir geht davon aus, dass der Ausbruch noch eine Weile erhalten bleibt, berichtete RÚV gestern. Drei Krater sind noch aktiv, und in Svartsengi hebt sich das Land bereits wieder, wenn auch weitaus langsamer als vor dem derzeitigen Magmaeinschuss. Es sei schwer zu sagen, ob die Landhebung den Ausbruch mit Magma füttere, oder ob sich unter Svartsengi wieder Magma ansammle.
Der Lavafluss stehe unter ständiger Beobachtung, erklärt Lovísa Mjöll. Jeden Tag prüfe man die Entwicklung, um entscheiden zu können, wo und wie die Schutzwälle erhöht werden müssen.

Begrenzter Zugang zum Eruptionsgebiet
Das Kratervideo und das obige Foto stammt vom 24. März, und ist eins der besten, die vorliegen. „Solches Bildmaterial ist sehr willkommen, um sich zu orientieren, immerhin gibt es nur sehr begrenzten Zugang zum Eruptionsgebiet, und die Aufnahmen aus den Webcams sind eigentlich die einzigen verfügbaren,“ schrieb die Vulkan- und Naturkatastrophengruppe Südisland gestern auf ihrer Facebookseite. Ísaks Video zeige gut, wie der formschöne grösste Krater enstanden sei. Seine Lage ähnelt bekannten älteren Kratern auf der Halbunsel Reykjanes, wie etwa der im Lavafeld Stampa am Kraftwerk Reykjanesvirkjun.

Der Krater erhebt sich 20 bis 25 Meter hoch über das Lavafeld und rund 40 Meter über dem Land vor dem Ausbruch, heisst es in dem Beitrag.

Hier gibt es das Dronenvideo von Ísak Finnbogason:

 

 

Reykjanes: Ausbruch könnte Monate andauern

Die Lava aus der Kraterreihe Sundhnjúkargígaröð hat sich vor dem nördlichen Schutzwall, der den Ort Grindavík umgibt, so hoch aufgetürmt, dass Experten gestern befürchteten, sie könne den Wall überwinden, und dann ungehindert auf den Ort zufliessen. Bislang war von der lavafördernden Spalte für Grindavík keine unmittelbare Gefahr ausgegangen, und es stand Bewohnern und Unternehmen frei, den Ort zu nutzen. Doch inzwischen strömt sogar ein Lavafluss an der Oberfläche und unter der erstarrten Kruste nach Süden.

Lava ergiesst sich in Grube
Schätzungen zufolge betrug der durchschnittliche Lavafluss zwischen dem 17. und 20. März etwa 14,5 Kubikmeter pro Sekunde. Experten des Instituts für Naturwissenschaften und Landesvermessung haben gestern das Gebiet überflogen. Demnach bedeckt die Lava eine Fläche von 5,58 Quadratkilometern, das Volumen liegt bei fast 21 Millionen Kubikmetern.

Gestern Abend floss die Lava dann jedoch überraschend nördlich des Erdwalles vorbei und schoss in Richtung Sandgrube, aus der die Strassenarbeiter das Material für die Schutzwälle entnehmen.
In der Melhólsnáma waren Arbeiter beschäftigt, sie hatten sich rechtzeitiug in Sicherheit bringen können, bevor sich Lava in die Grube ergoss. Auch in Richtung Suðurstrandavegur hatte sich ein Lavastrom ergossen, er schaffte es jedoch nicht bis auf die Strasse. Heute wurde damit begonnen, die Schutzwälle an sensiblen Stellen zu erhöhen.

Hohe Gasbelastung
Die Gasbelastung in der Region ist gestern erheblich gewesen, RÚV hatte eine Liveschaltung aussetzen müssen. Vorgestern war ein Mitarbeiter der Blauen Lagune ins Krankenhaus gebracht worden, nachdem er giftigem Vulkangas ausgesetzt gewesen war. Das Touristenbad ist seit Beginn des Ausbruchs gesperrt, aber Beschäftigte befanden sich vor Ort.
Heute kommt der Wind aus Nord/Nordwest und weht das Gas nach Süden und Südwesten.

Ausbruch könnte Monate dauern
Gestern Abend hatte der Geophysiker Benedikt Ófeigsson den Verdacht bestätigt, dass die Magma sich nicht mehr in der Kammer unter dem Svartsengigebiet ansammelt, sondern direkt hochsteigt und durch die Schlote an die Erdoberfläche gelangt. Eine Landhebung werde man dann erst wieder verzeichnen, wenn der Ausbruch aufhört.
Nach einem Überflug sei man zu dem Schluss gekommen, dass dieser Ausbruch tatsächlich mit dem am Fagradalsfjall vergleichbar sei, mit einem fulminanten Beginn, und dann gleichmässiger Lavaförderung, die Wochen, wenn nicht sogar Monate andauern könne, sagte Benedikt.

Reykjanes: Neuer Magmaeinschuss in Kürze zu erwarten

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Die Lage auf der Halbinsel Reykjanes hat sich nach dem gestrigen Magmaeinschuss wieder beruhigt. Gegen 16 Uhr hatte sich an der Kraterreihe Sundhnjuksgígaröð ein Erdbebenschwarm ereignet, kurz darauf wiesen Messdaten auf einen unterirdischen Magmaeinschuss hin. Die Magma erreichte jedoch nicht die Erdoberfläche und es kam zu keinem Ausbruch.

Nächster Einschuss in den Startlöchern
Es gilt jedoch als wahrscheinlich dass es in den kommenden Tagen zu einem weiteren Magmaeinschuss kommt, der dann zu einem Ausbruch führen könnte.
“Da der gestrige Einschuss es nicht an die Oberfläche geschafft hat, blieben Druckveränderungen und Verwerfungen geringer als vorher. Die seismische Aktivität war gegen 18 Uhr zurückgegangen, und es scheint, dass der Einschuss da zum Stillstand gekommen ist,“ erklärte der Geophysiker Benedikt Ófeigsson Vísir gegenüber. Der unterirdische Magmatunnel erstreckt sich vom Hagafell in nordöstliche Richtung zum Stóra-Skógfell.

“Und da besteht immer noch die Möglichkeit, dass Magma dort an die Erdoberfläche kommt, aber wir sehen dafür jetzt keinen Hinweis. Wahrscheinlich ist das erst mal vorbei, das bedeutet jedoch, dass sich die Spannung in Svartsengi nicht hat lösen können, sodass wir recht bald mit einem weiteren Einschuss zu rechnen haben.” Die Verwerfungsdaten zeigten bei Svartsengi so gut wie keine Veränderungen. Benedikt hält es daher für hochwahrscheinlich, dass sich der Prozess fortsetzt – mit oder ohne Lavaausbruch.
Die Magmakammer liegt unter dem Kraftwerk Svartsengi. Auch wenn die Magma sich bislang immer in Richtung der alten Kraterreihe in Bewegung gesetzt hatte, kann nach Angaben des Vulkanologen Þorvaldur Þórðarson nicht ausgeschlossen werden, dass sich bei Svartsengi und damit an der Blauen Lagune eine neue Spalte bildet, aus der Magma an die Erdoberfläche bricht.

Neue Satellitendaten am Abend
Gegen Abend erwarten die Experten beim Wetterdienst aktuelle Satelitenbilder, die deutlich zeigen, ob die Magma im unterirdischen Tunnel immer noch in Bewegung ist oder nicht, so Benedikt. Je mehr Zeit vergehe, desto unwahrscheinlicher sei es, dass sie noch strömt. Benedikt sagt, das gestrige Ereignis habe die Ungewissheit über die Zukunft nur noch weiter erhöht.

Heute um 15 Uhr wird entschieden, ob der Ort Grindavík für Anwohner wieder geöffnet wird. Grindavík und die Blaue Lagune waren gestern mit Einsetzen der Erdbeben evakuiert worden. Einer neuen Risikobewertung von 13.00 Uhr zufolge besteht für Grindavík und die Kraterreihe Sundhnúksgígaröð immer noch erhebliche Eruptionsgefahr. Die Bewertung gilt bis zum 5. März.

 

Grindavík: Magma sammelt sich weiter, neuer Graben im Entstehen

Grindavík volcanic eruption

Die Magmaakkumulation unter dem Svartsengi-Gebiet geht in der gleichen Geschwindigkeit weiter wie vor den letzten beiden Vulkanausbrüchen. In einer Mitteilung der isländischen Wetterbehörde heisst es, zu diesem Ergebnis seien Wissenschaftler bei einem informativen Treffen heute morgen gekommen.
Wenn sich ein Magmatunnel nahe der Erdoberfläche bilde, zerre dies an der Erdkruste und in der Mitte des Magmatunnels senke sich das Land. Damit entstehe noch mehr Druck auf die Erdkruste beiderseits des Tunnels.

Keine Absenkung in Sicht
In Svartsengi seien GPS Sender dort am Rand des Magmatunnels installiert, wo sich während der Bildung des Tunnels das Land anhob. Das hätten Rechenmodelle gezeigt. „Jetzt, zwei Tage nachdem sich der Magmatunnel gebildet hat, sollte der Sender in Svartsengi langsam eine Absenkung des Landes anzeigen, wenn die Magmaakkumulation zu einem Halt gekommen wäre. Das ist nicht der Fall, und damit ist klar, dass sich dort wie schon zuvor Magma ansammelt.“
In der Mitteilung heisst es weiter, dass die Gefahr durch Erdspalten und wegbrechendem Erdreich im Ostteil Grindavíks weiter steige.

Neuer Graben im Osten der Stadt
Östlich des Grabens, der am 10. November entstanden war, habe sich ein neuer Graben gebildet. Sein Ostrand liegt unter dem Ortsteil Þórkötluhverfi im Osten Grindavíks. Der neue Graben ist 800 bis 1000 Meter breit, die meiste Absenkung über dem Graben beträgt derzeit 30 Zentimeter. Der Graben sinkt und dehnt sich weiter aus. Die westliche Grenze des Grabens verläuft dort, wo aus der südlichen Spalte am Sonntag Lava in die Ortschaft geströmt war.
Innerhalb des neuen Grabens waren zuvor schon Spalten aufgezeichnet worden, die in der Landschaft sichtbar sind. Diese Spalten sind grösser geworden, dazu haben sich neue Spalten aufgetan. Hier findet man eine Karte zu den Gräben und Spalten.
„Zum Vergleich war der Graben vom 10. November quer durch Grindavík etwa zwei Kilometer breit. Die meiste Absenkung betrug 1,30 Meter,“ heisst es in der Mitteilung.

Eruption: kaum begonnen, schon (wahrscheinlich) zuende

Iceland eruption

Der Vulkanausbruch, der in der Montagnacht auf der Halbinsel Reykjanes mit viel Wucht losgegangen war, ist aller Wahrscheinlichkeit nach vorüber. Bei einem Überflug am Morgen konnten die Wissenschaftler keinerlei Aktivität mehr erkennen. Zwischen erstarrter Lava ist zwar noch Glut im Untergrund zu sehen, gefördert wird allerdings nichts mehr. Experten halten es dennoch für verfrüht, die Eruptiom offiziell für beendet zu erklären.

Magma sammelt sich erneut
Der Geophysiker Halldór Geirsson glaubt, dass sich nun erneut über Wochen und Monate Magma unter dem Erdwärmekraftwerk Svartsengi ansammelt und dann von dort entweicht.  Sein Fachkollege Magnús Tumi Guðmundsson teilt diese Ansicht.
Nach einem kontinuierlichen Druckaufbau sei die Decke der Magmakammer geborsten, so der Wissenschaftler, und die Magma floss nach oben, allerdings nicht stetig genug, weswegen der Ausbruch zu einem Ende gekommen sei. Doch sammle sich nun erneut Magma in der bereits vorhandenen Kammer, mit der Aussicht auf einen neuen Ausbruch. Bis dahin könnten allerdings Wochen bis Monate vergehen. Die Ereigniskette könne auch ins Stocken geraten.

Nach Magnús’ Ansicht müsse man über eine Neubewertung der Gefahr für Grindavík nachdenken, es sei aber klar, dass jetzt nicht die Zeit sei, Einwohner in der Stadt übernachten zu lassen. Die Bewohnerund auch Journalisten hatten sich heute bis zum Anbruch der Dunkelheit in Grindavík aufhalten dürfen, Fremde dürfenden Ort auch weiterhin nicht betreten.

Mit weiteren Ausbrüchen ist zu rechnen
Der Ausbruch hatte erst vor drei Tgen nahe des Sýlingafell begonnen, der Küstenort Grindavík liegt nur drei Kilometer entfernt. Recht schnell war klar, dass es sich um einen weitaus kräftigeren Ausbruch handelte als die vergangenen drei, die sich in den letzten drei Jahren in der Region ereignete hatten. Schon in den ersten Stunden produzierte der Ausbruch mehr Lava als in dem drei Wochen andauernden Ausbruch am Litli Hrútur im Sommer.
Experten hatten zuvor schon angedeutet, dass es sich um einen typischen flachen Kammerausbruch und ein eher kurzes Ereignis handeln könnte. Allerdings glauben sie, dass die Region in den kommenden Jahren mit weiteren derartigen Eruptionen zu rechnen habe.

 

Grindavík: Ausbruch in Ortsnähe ist weiter wahrscheinlich

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Auch weiterhin gilt ein Vulkanausbruch auf der Halbinsel Reykjanes als wahrscheinlich, heisst es in einer Mitteilung des isländischen Wetterdienstes. Das Land hebt sich weiter in der Region um Svartsengi, es liegt dort inzwischen höher als noch Anfang November, als sich unter dem Küstenort Grindavík eine unterirdische Magmaintrusion bildete. Damals waren die rund 3000 Bewohner evakuiert worden. Die Evakuierung besteht immer noch, nachdem die seismische Aktivität weiter anhält und eine Grabenbildung innerhalb der Stadt zu massiven Schäden an Häusern, Strassen und Infrastruktur geführt hatte.

Magma könnte den Tunnel vom 10. November nutzen
Am Wochenende hatte die Landhebung etwas nachgelassen, sie ist nach Angaben des Wetterdienstes aber weiterhin hoch. „Solange sich Magma weiter bei Svartsengi ansammelt, bleibt die Wahrscheinlickeit eines neuen Magmaausbreitung und eines Ausbruchs,“ heisst es in der Mitteilung.
„Wenn ein Magmafluss aufkommt, dann sieht das wahrscheinlichste Szenario so aus, dass die Magma von Svartsengi aus in den Tunnel vom 10. November fliessen wird. Der wahrscheinlichste Ort für einen Ausbruch wäre dann nördlich von Grindavík, in Richtung des Berges Hagafell und der Region um die Kraterreihe Sundhnjúksgígar. Die seismische Aktivität ist in den vergangenen Tagen stabil und gering geblieben und hat sich auf den Hagafell beschränkt.“

Schäden in Höhe von 66 Mio EUR
Die Schäden an Wohngebäuden und Infrastruktur könnten bis zu 10 Mrd ISK (66,3 Mio EUR) betragen, schätzt die Leiterin der isländischen Katastrophenschutzversicherung, Hulda Ragnheiður Árnadóttir. Bevor es jedoch zu Auszahlungen kommen kann, müssen die Behörden den Stadtplan prüfen und entscheiden, ob bestimmte Stadtviertel nicht mehr bewohnbar sind. Bislang sind 230 Gebäude als beschädigt gemeldet worden.

Die Blaue Lagune hatte am Freitag angekündigt, bis zum Donnerstag geschlossen zu bleiben und dann die Lage erneut zu prüfen. Es gibt auch weiterhin keine offizielle Einschätzung dazu, ob und wann es zu einem Vulkanausbruch kommen könnte. Daher ist auch nicht klar, wann es für die Bewohner von Grindavík sicher genug ist, nach Hause zurückzukehren.

 

Magma könnte Grindavík erneut und mehrfach bedrohen

grindavík evacuation

In den kommenden Tagen oder Monaten könnte Magma von neuem in den unterirdischen Tunnel unter dem Küstenort Grindavík unterwegs sein. Die Stadt bleibt daher auch weiterhin evakuiert. Experten sagen, es sei unklar, wann die Bewohner in ihre Häuser zurückkehren können. Ein Vulkanausbruch scheint zumindest in naher Zukunft immer unwahrscheinlicher, aber eine neue Phase seismischer Aktivität könnte bevorstehen.

Ende Oktober hatte sich die Erde auf der Halbinsel Reykjanes angehoben, die Hebung im Zusammenspiel mit einer Serie zum Teil schwerer Erdbeben hatte Hinweise darauf verdichtet, dass sich Magma unter der Erdoberfläche sammelt. Ein unterirdischer Magmagang bildete sich vom Berg Keilir aus in Richtung Grindavík, die dort entlangströmende Magma füllte einen Graben unterhalb des Ortes, weswegen die Behörden am 10. November den Ort evakuieren liessen, weil die Gefahr einer Eruption bestand.

Der Magmafluss in den Tunnel ist sehr wahrscheinlich zu einem Halt gekommen, wie es in einer Mitteilung der Wetterehörde heisst. Die Chancen für einen Vulkanausbruch entlang des unterirdischen Tunnels sind gesunken. Dennoch sammelt sich Magma nördlich von Grindavík, und zwar unterhalb des Erdwärmekraftwerks Svartsengi und der Blauen Lagune.
Die anhaltende Aktivität in Svartsengi, die im Oktober einsetzte, ist noch nicht vorüber, und es könnte auch ein neues Kapitel beginnen haben, mit einer erneuten Magmaausbreitung, und einer langsam ansteigenden Wahrscheinlichkeit einer Eruption, heisst es in der Mitteilung.
„Der Tunnel unterhalb von Grindavík ist durch Magmaansammlung unterhalb von Svartsengi gespeist worden. Es ist wahrscheinlich, dass sich diese Ereignisfolge wiederholt. Eine neue Magmaausbreitung würde sich durch Erdbeben und Bodenverformungen ankündigen, die von Geräten erkannt würden, „einige Stunden bevor die Magmaausbreitung wahrscheinlich eine Bedrohung für Svartsengi oder Grindavík darstellt“.

Nach Ansicht des Wetteramtes wiederholt sich dieses Muster der Magmaansammlung unter Svartsengi und das Eindringen in den unterirdischen Tunnel, möglicherweise sogar mehrfach. Ob dies jedoch „in den nächsten Tagen oder möglicherweise erst nach mehreren Monaten“ der Fall sein wird, lässt sich nicht abschätzen. Ebensowenig lässt sich sagen, wann die Bewohner endgültig in ihren Ort zurückkehren können.

 

Reykjanes: Grindavík evakuiert, Magma könnte unter der Stadt lauern

Der Küstenort Grindavík wird zu Stunde evakuiert, nachdem sich am Abend der Verdacht erhärtete, dass der Magmaintrusionsgang unter dem Ort liegen könnte. Die letzten heftigen Erdbeben hatten sich direkt in Grindavík ereignet. Der isländische Zivilschutz hat die Notfallphase ausgerufen. Bewohner haben drei bis vier Stunden Zeit, ihre Sachen zu packen und den Ort zu verlassen. Das Rote Kreuz betreibt seit dem Abend mehrere Auffangstationen. Alle Evakuierten werden gebeten, sich in einer der Auffangstationen zu registrieren, oder wenn sie bei Verwandten unterkommen, sich unter der Nummer 1717 zu registrieren, damit niemand verloren geht.

Hilfsbedürftige erhalten beim Verlassen ihres Hauses Unterstützung, nach der Räumung fährt die Polizei Streife, um Plünderungen zuvorzukommen. Das von der Polizei angeforderte Küstenwachschiff Þór befindet sich auf dem Weg nach Grindavík.
Die Ausfallstrassen sind derzeit alle gesperrt, um unnötigen Verkehr zu unterbinden, jeder der den Ort verlässt, muss sich bei den Sperrposten ausweisen. Bis drei Uhr heute Nacht soll die Evakuierung abgeschlossen sein.
Das Erdwärmekraftwerk Svartsengi, in unmittelbarer Nachbarschaft der Blauen Lagune gelegen und seit Tagen im Fokus, weil es die Strom- und Heisswasserversorgung auf der Halbinsel gewährleistet, war am Abend vollständig evakuiert worden. Der Kraftwerksbetrieb kann per Computer ferngesteuert werden.

Grosse Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung
Wie so oft in Notzeiten, ist die Hilfsbereitschaft der Landsleute gross. In den sozialen Medien wurden sofort Betten und Zimmer für Evakuierte angeboten, die niemanden haben, bei dem sie unterschlüpfen können. Auch Weide- und Stallplätze für Pferde stehen überall im Süden des Landes bereits zur Verfügung.
Das Katzenheim Kattholt in Reykjavík kündigte an, Katzen aus Grindavík aufzunehmen, deren Besitzer evakuieren müssen und die Katze nicht mitnehmen können. DÍS, der isländische Tierschutzbund, forderte in einer Mitteilung, alle Tiere müssten aus der Gefahrenzone gebracht werden, also auch Nutztiere wie Schafe und Pferde.

Magma wandert offenbar nach Süden
An den Sundahnjúkargígar hat es am Abend ein starkes Auseinandergleiten von Erdschichten gegeben. Dies könnte Experten zufolge darauf hindeuten, dass die Magma dicht unter der Erdoberfläche angekommen ist. Das Südende der Kraterreihe befindet sich etwa einen Kilometer vom nördlichsten Punkt Grindavíks und 1500 Meter vom Erdwärmekraftwerk entfernt.
Nach Angaben der Erdbebenabteilung beim Wetterdienst hat sich die Erdbebenaktivität am Abend stark verändert: nachdem am Nachmittag Beben der Stärke M5,2 an den Sundhjnúkargígar aufgezeichnet worden waren, sind die Beben nach Süden in Richtung Grindavík gewandert. Es besteht die Möglichkeit, dass sich die Magmaintrusion ebenfalls unter die Stadt geschoben hat. Die Magmamenge wird als erheblich bezeichnet, und als weitaus grösser als im grössten Magmagang beim Ausbruch am Fagradalsfjall.

Flughafen hat vorgesorgt
Am Flughafen Keflavík stehen drei Dieselaggregate bereit, falls die Stromversorgung durch eine Eruption ausfällt. Für heute Nacht werden zwei Flugzeuge erwartet, zur Zeit geht der Flughafenbetrieb unverändert weiter. Im Fall eines Ausbruchs wird ein Kreis von 220 Kilometern um die Ausbruchsstelle gezogen, innerhalb dieses Kreises ist jeder Luftverkehr untersagt, bis der isländische Wetterdienst eine Vorhersage zum Aschefall veröffentlicht. Das passiert in der Regel innerhalb von einer Stunde, danach entscheiden die Fluggesellschaften über ihr weiteres Vorgehen, berichtet Vísir.