“Beauty of Freedom”: Reykjavíker Pride Festival beginnt

Das alljährliche PrideFestival in Reykjavík hat heute offiziell mit dem Aufmalen des Regenbogens auf der Shoppingmeile Bankastræti begonnen. Bis zum Sonntag wird es Karaokeveranstaltungen, Vorträge und Dragevents geben, und natürlich am Samstag die traditionelle Pride Parade.

Das diesjährige Thema der Parade lautet “Beauty of Freedom”, eine Textzeile aus dem isländischen Eurovisionsbeitrags Með hækkandi sól. “Nach der langen Isolierung der letzten Jahre haben wir jetzt die Freiheit, zusammenzukommen und uns in Solidarität zu vereinigen. Endlich haben wir die Freiheit, unsere Siege zu feiern und im Kampf um die Menschenrechte, Bewusstseun und Gleichheit zusammenzustehen,” heisst es auf der Webseite von Reykjavík Pride.
Auch wenn die Freiheit der LGBTQI Gemeinschaft in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten zugenommen hat,  so “haben wir doch den höchsten Grad der wahren Freiheit nicht erreicht. Manche Gruppen innerhalb der queeren Gemeinschaft kämpfen immer noch jeden Tag, ihre Freiheit und Schönheit wird in Frage gestellt, sowohl in Island als auch im Ausland.”

Aufklärung hilft gegen Rückschlag
Erst kürzlich hatte es Vandalismus gegen einen Regenbogen vor der Kirche von Grafarvogur gegeben, anonyme Briefe und despektierliche Facebookbeiträge eines Staatsanwaltes gegen queere Asylbewerber, die existierende Vorurteile in der Gesellschaft deutlich machten. Daníel Arnason, der Direktor des nationalen Queer-Verbandes Samtökin 78, sagt, Vorurteile gegen die LGBTQIA+Gemeinschaft hätten zugenommen und seien inzwischen ein Allgemeinplatz geworden.

“Wenn wir Vorurteilen einen Platz einräumen, dann öffnen wir auch die Tür für Vorurteile gegen andere Minderheiten.” sagte Daníel RÚV gegenüber. Die Aufklärung der Öffentlichkeit über die Realität, in der queere Menschen leben, sei der Schlüssel im Kampf gegen den Rückschlag, den die Gemeinschaft gerade erlebt habe.
Das Festivalprogramm kann man auf der Webseite von Reykjavík Pride einsehen.

Hassbotschaft gegen LGBTQIA vor Grafarvogskirche ist Rückschlag im Kampf um Anerkennung

Als herben Rückschlag im Kampf der LGBTQIA-Gemeinschaft um Anerkennung bezeichnet eine Genderwissenschaftlerin die Schmierereien vor der Grafarvogskirche, die in der letzten Woche und gestern erneut dort gefunden wurden.
Am 23. Juli hatte jemand das Wort Antichrist auf den in Regenbogenfarben gestrichenen Boden gesprüht. Eine schwedische Familie, die die Kirche besuchte, erklärte sich sofort bereit, die Schmierei zu übermalen.
Zwei Tage später gab es erneut eine gesprühte Botschaft an derselben Stelle, diesmal lautete sie Leviticus 20,13. In dem alttestamentarischen Text heisst es unter anderem, dass Männer, die mit Männern schlafen, getötet werden müssen.

Undenkbar für Island, dachte man
Die Dozentin für Genderwissenschaften an der Universität Íslands, Auður Magndís Auðardóttir, hat ähnliche Entwicklungen in Grossbritannen schon länger beobachtet, und weist auf bereits erfolgte Übergriffe auf homosexuelle Jugendliche in Island hin. “Das war eigentlich nur eine Frage der Zeit, wann das hier auftaucht, und vor einigen Jahren war es noch undenkbar, dass sowas in Island passiert,” meint Auður. “Aber nun sehen wir dennoch, dass da eine Art Rückschlag im Gange ist. Was uns daran erinnert, dass es im Kampf immer zwei Schritte vor und einen zurück geht.”

Auch für andere Bevölkerungsgruppen macht Auður sich Sorgen, denn zeigten die Leute wenig Geduld mit einer Randgruppe, sei es nur ein kurzer Weg dahin, einer anderen Randgruppe die Geduld zu versagen. Wie etwa den Behinderten, bei denen es zudem viele homosexuelle Menschen gebe, die nun besonders gefährdet seien, schreibt RÚV.

Machtmissbrauch durch Personen in leitender Position
In der vergangenen Woche war ein Oberstaatsanwalt mit Hetzreden gegen homosexuelle Asylbewerber und Männer generell ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. Da er damit nicht zum ersten Mal aufgefallen war, hatte der LGBTQIA-Verband Samtökin 78 angekündigt, Anzeige gegen den Juristen zu erstatten.

Auður verweist auf diesen Vorfall als gefährliches Vorbild. “Wir haben sowas bei Leuten in Machtpositionen der Gesellschaft erlebt, wie der stellvertretende Oberstaatsanwalt, einzelnen Politikern und Leuten, die Macht in der Gesellschaft besitzen. Diese Leute haben die Macht leider missbraucht und Öl ins Feuer gegossen.” Auður verlangt, dass diese Personengruppe Nabelschau betreibe und die Verantwortung übernehme, die ihre Position mit sich bringe, damit alle in Frieden miteinander leben können.

Schulen stehen in der Aufklärungspflicht
Schon in den Schulen fehle es an entsprechender Aufklärung zum Thema, damit man nicht zwei Schritte vor und einen zurück gehe. “Wir haben ja immer gedacht, Rechte der Homosexuellen, haben wir die nicht längst, hatten wir die nicht schon, als die Leute im Jahr 2010 heiraten durften? Aber so einfach ist das nicht.” Hier fehle es an Kenntnis und Verstehen, dass LGBT Sexualität marginalisiert wird und wurde. “Und das wird so lange so bleiben, bis wir diese erzwungene Dynamik verstehen, die da stattfindet. Das gilt auch für andere Gruppen der Gesellschaft.“

Gemeinde steht hinter LBGTQIA
Pastorin Guðrún Karls Helgudóttir von der betroffenen Grafarvogskirche schrieb auf der Facebookseite ihrer Kirchengemeinde: “Wir in der Grafarvogskirche möchten lieber der Botschaft Christi folgen, der uns sagte, wir sollen einander lieben. Wir glauben, dass jeder einzelne Mensch eine geliebte Kreatur Gottes ist, der sein Leben leben darf, so wie er geschaffen wurde. Die Botschaft Christi entspricht den Menschenrechtserklärungen, und wir in der Grafarvogskirche stehen hinter den Menschenrechten und kämpfen gegen Hass und Vorurteile.”