Fataler Unfall in Svarfaðardalur

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Gestern Abend sind drei amerikanische Skifahrer bei einem Lawinenabgang in Svarfaðardalur verunglückt, einer von ihnen starb bei dem Unfall.

Um 19.10 Uhr gestern Abend war der Notruf von einem der Verunglückten eingegangen, um 19.55 Uhr trafen die ersten Einsatzkräfte vor Ort ein und fanden zwei Personen nahe beieinander im Schnee. Kurz darauf wurde auch der dritte Skifahrer gefunden. Alle drei waren nach Angaben der Polizei schwer verletzt. Sie wurden ins Krankenhaus nach Akureyri gebracht, einer von ihnen später nach Reykjavík in die Universitätsklinik geflogen.

Bei den Skifahrern handelte es sich um trainierte und gut ausgerüstete 34-jährige Sportler. An der Bergungsaktion waren 130 Einsatzkräfte beteiligt. Die Lawine hatte sich aus dem Skeiðsfjall im Svafaðardalur gelöst.

 

Rekordlawine in Flateyri – Verschüttete war guter Hoffnung

Lawinenexperten des isländischen Wetteramtes haben in den vergangenen Tagen die Schneemassen der beiden Lawinen von Flateyri untersucht, berichtet RÚV. Ihren Messungen zufolge war dies eine der grössten Schneelawinen, die weltweit auf eine Verbauung gefallen war. Die Verbauung in Flateyri soll Lawinen nicht aufhalten, sondern in eine andere Richtung lenken.

Nach Angaben des Wetteramtes haben sich die Lawinen oberhalb von Flateyri auf einem langen Abschnitt über die Verbauung geschoben, auch sind enorme Schneemassen am Verbindungsstück der beiden Verbauungsäste oberhalb der Stadt zu finden. Sie waren mit einer Geschwindigkeit von 150 bis 200 km/h zu Tal gegangen. Von der Schneemenge her dürfte die Lawine, die in den Hafen abgegangen war, der Lawine vom Jahr 1995 entsprechen. Damals waren 20 Menschen ums Leben gekommen.

Halldór Halldórsson, der Leiter des isländischen Fonds für Verbauungswerke, kritisierte RÚV gegenüber, das Parlament habe die finanziellen Mittel für Verbauungswerke in gefährdeten Gebieten zu knapp bemessen. Im Fonds befänden sich ungenutzte 23 Mio. ISK, und geplante Verbauungsprojekte hätten bis 2010 vollendet sein sollen. Die Projektdauer wurde per Gesetz auf das Jahr 2020 verlängert, doch glaube er nicht an eine Fertigstellung vor dem Jahr 2050.

Bei dem Unglück war niemand getötet oder verletzt worden, jedoch war ein Mädchen in ihrem Zimmer verschüttet worden. Iin einem Interview mit RÚV sagt die 14-jährige Alma, sie habe nicht daran gezweifelt, dass sie aus ihrer Notlage gerettet werden würde.

Das war wie Beton,” berichtete sie. “Ich war eigentlich wie in einer Form. Ich konnte mich vielleicht zwei Zentimeter weit bewegen. Ich konnte eine Faust machen und ein bisschen den Kopf heben. Aber ich konnte mich nicht aufrichten oder mich in eine andere Lage bringen.” Die ganze Zeit habe sie daran geglaubt, dass man sie retten würde. Sie habe viel mehr Sorge um ihre Familie gehabt als um sich selber.

Ich glaube, ich habe das Bewusstsein verloren, aber ich glaube dass ich fünf oder sechs Minuten wach gewesen bin. Ich dachte an Mama und meine Geschwister, weil ich glaubte, dass die auch in der Lawine liegen. Ich hoffte, dass mit denen alles in Ordnung war. Ich hab eigentlich erwartet, dass irgendwer kommen würde.” Der Mutter war es gelungen, mit den beiden Geschwistern durch ein Fenster ins Freie zu klettern. Etwa 30 Minuten später hatte man die verschüttete Tochter ausgegraben.

Gestern hatten sich die isländische Premierministerin Katrín Jakobsdóttir, Finanzminister Bjarni Benediktsson und Verkehrsminister Sigurður Ingi Jóhannesson per Hubschrauber auf den Weg in die Westfjorde gemacht, um sich ein Bild von der Lage zu machen.

Bei dem Lawinenunglück am Dienstag hatte eine der beiden Lawinen ein Wohnhaus verschüttet, ein junges Mädchen hatte gerettet werden müssen. Die grössere Lawine war in den Hafen von Flateyri abgegangen und hatte sechs der sieben Fischerboote des Ortes versenkt. Der Ort war zwei Tage lang nur vom Wasser aus erreichbar gewesen, das Küstenwachschiff Þór hatte den Transport von Rettungspersonal, Ausrüstung und Versorgungsgütern übernommen.

Gestern Abend hatte dann erneut die Ungewissheitsstufe ausgerufen werden müssen, nachdem auf unbewohntem Gebiet in der Nachbarschaft eine kleinere Lawine abgegangen war. Die Strassen nach Flateyri sind aus diesem Grund noch nicht wieder freigegeben worden, und auch die Koordinationsstelle für Katastrophenschutz in Skógarhlíð in Reykjavík bleibt weiterhin aktiv. Rund 20 freiwillige Retter sind in Flateyri im Einsatz, sie räumen Schnee und helfen dabei, Wertgegenstände aus betroffenen Häusern zu bergen. Auch die Auffangstation des Roten Kreuzes ist noch geöffnet, das Team für Traumaersthilfe widmet sich dort Bewohnern, bzw besucht die Leute in Suðureyri, wo nach einem Lawinenabgang am gegenüberliegenden Berg eine Flutwelle das Dorf getroffen hatte. Das Küstenwachschiff Þór konnte gestern endlich im vereisten Hafen anlegen, und erste Reinigungsarbeiten haben begonnen, nachdem etwa 15.000 Tonnen Öl aus einem beschädigten Öltank in den Hafen ausgelaufen waren.

Im Wetterweb blika.is ist zu lesen, dass Lawinenserien wie diese nur alle 10 bis 20 Jahre vorkommen. Die Voraussetzungen für die Lawinen seien gut gewesen, schreibt der Meteorologe Einar Sveinbjörnsson, es habe soviel in den Bergen geschneit dass alle Spalten und Vertiefungen mit Schnee gefüllt gewesen seien. Die Berghänge seien bis an die Bergkämme glatt gewesen und an vielen dafür bekannten Orten seien Lawinen abgegangen, selbst an Berghängen die nach Südwesten zeigten.

Drei schwere Lawinenabgänge in den Westfjorden

Avalanche in Iceland February 2014.

Drei schwere Lawinen sind letzte Nacht kurz bevor Mitternacht kurz hintereinander in den Westfjorden abgegangen, berichtet RÚV. Zwei gingen in Flateyri nieder, die dritte in Suðureyri im Súgandafjörður. Letztere verursachte eine Flutwelle, welche die kleine Stadt traf. Es gab keine Verletzten, aber beträchtlichen Sachschaden.

Ein Mädchen wurde in Flateyri von den freiwilligen Helfern gerettet, sie war eine halbe Stunde eingeschlossen gewesen, nachdem die Lawine auf einen Teil des Hauses gefallen war und ihr Kinderzimmer mit Schnee gefüllt hatte. Ihre Geschwister, eine Fünfjährige und ein Neunjähriger, konnten sich mit ihrer Mutter aus dem Fenster retten. Das Küstenwachschiff Þór transportierte die Kinder mit ihren Angehörigen nach Íafjörður. Der Zustand des Mädchens wird als den Umständen entsprechend gut beschrieben.

Die zweite Lawine, die auf Flateyri gefallen war, hat beträchtlichen Schaden am Hafen angerichtet. Magnús Einar Magnússon, der Leiter der freiwilligen Helfertrupps in Flateyri, sagte im Interview auf Vísir:

Der Yachthafen ist weg. Alle Boote sind gesunken. Wir schätzen dass sieben Boote gesunken sind oder fast verloren,” sagte er. “Der kleine Leuchtturm, alles weg.”

Gísli Jón Kristjánsson, der Besitzer der Alda ÍS, dem einzigen Boot welches nicht zerstört worden war, sagte RÚV, die Lawine sei offenbar ziemlich kraftvoll gewesen: “Die gesamte Flotte ist verschwunden, und auch der Anlegekai. Das muss eine riesige Wucht gehabt haben, da ist auch sehr viel Schnee im Hafen. Eine Katastrophe.”

Einwohner kamen einander sofort zu Hilfe, so mancher erinnerte sich an das schwere Lawinenunglück vor 25 Jahren, als am 26. Oktober 20 Menschen bei einem ähnlich schweren Lawinenabgang in Flateri ums Leben kamen.

Die Flutwelle, die durch die Lawine im Súgandafjörður ausgelöst worden war, verursachte nicht annähernd so schwere Schäden in Suðureyri. Hier drang Meerwasser nur in ein einziges Haus ein und verlief sich dann auf der Strasse.

Experten des isländischen Wetterdienstes prüfen derzeit die Aufzeichnungen aus dem Lawinenradar, um herauszufinden, wo noch weitere Lawinen abgegangen sind und wieviel Schnee sie mitgebracht haben. Wichtig ist auch, herauszufinden, wo und mit wieviel Schneemassen die Lawinenverbauungen überwunden wurden. Die Lawinen haben ihren Angaben zufolge eine Geschwindigkeit von 150 bis 200 km/h gehabt.

Bestätigt sind auch Lawinenabgänge im Önundarfjörður und im Skutulsfjörður. In Ísafjörður sind am Morgen vier Häuser wegen Lawinengefahr geräumt worden. Zur Zeit ist die Þór wieder auf dem Weg nach Flateyri, an Bord befindet sich ein Team für Traumahilfe, sowie Lebensmittel, die in dem Ort seit dem Wochenende knapp geworden waren.