Lawinen und Schneesturm kennzeichnen Ostern 2024

snow, snowstorm, car, accident

Seit dem Morgen hat sich das Wetter im Nordteil des Landes zusehends verschlechtert, und vielerorts sind nicht nur Strassen gesperrt, sondern auch Autofahrer sassen im Schnee fest und mussten auf Hilfe warten, die nur langsam vorankam.

Lawine und Sperrungen der Ringstrasse
Gegen Mittag fiel eine Schneelawine im Ljósaskarð auf den Ringstrassenabschnitt zwischen der Region Mývatn und der Strasse nach Akureyri. Dort gibt es eine Vollsperrung. Wegen starken Schneefalls kann mit Räumungsarbeiten vermutlich erst morgen begonnen werden.

Die Ringstrasse 1 ist ab dem Möðrudalsöfæfi unbefahrbar, sowie Öxnadalsheiði, Þverárfjall, Dalsmynni, der Vikurskarð, dazu alles rund um Siglufjörður und die Strassen rund um Blönduós vom Vatnsskarð herunterkommend sind ebenfalls nicht befahrbar. Am Vatnsskarð mussten Mitglieder der Rettungsteams einige Fahrzeuge sogar den Berg hinunterfahren, nachdem die Autofahrer sich nicht trauten, im Convoi mit den Rettungsfahrzeugen zu fahren.  Auch an der Westseite des Eyjafjörður im Raum Dalvík steckten am Mittag Dutzende von Fahrzeugen im Schnee fest.
Bei umferdin.is sieht man alle Sperrungen auf einen Blick. Die meisten Strassenabschnitte bleiben bis morgen gesperrt.

Schneesturm auf der Piste
Die Betreiber des Skigebietes am Hlíðarfjall in Akureyri mussten nach einem strahlenden Vormittag am Mittag ihren Skilift abstellen und das Gelände sperren, als der Schneesturm auch die Pisten erreichte. Ostern ist eins der grössten Wochenende für das Skigebiet.
Gestern sind vier ausländische Skigäste im Fnjóskadalur in einer Schneelawine gelandet, eine Person wurde bei dem Unfall erheblich verletzt und musste von ihren Kollegen aus der Lawine gegraben werden.

Grosseinsatz bei Skiunfall
Jón Þór Viglundsson sagte mbl.is, die Rettungsaktion sei für die Retter sehr gefährlich gewesen, nicht etwa weil sich die Skifahrer so weit obenbefanden, sondern weil soviel Schnee gefallen war. Dadurch bestand Gefahr dass die Retter selbst weitere Lawinen in Bewegung setzten. An der Aktion waren rund 130 freiwillige Retter beteiligt, sowie 20 Fahrzeuge, 24 Motorschlitten, Suchhunde, ein Schneekettenfahrzeug, Drohnen und zwei Krankenwagen.

Auch andernorts im Eyjafjörður, an den Hängen der Halbinsel Tröllaskagi, in den nördlichen Westfjorden und in den Ostfjorden besteht Lawinengefahr.

Seyðisfjörður abgeschnitten
Die Stadt Seyðisfjörður im Osten der Insel ist seit drei Tagen von der Aussenwelt abgeschnitten, weil die Fjarðarheiði wegen Schneesturms gesperrt wurde. Die auf 600 Metern liegende Bergstrasse ist die einzige Verbindung des Fährhafens zum Rest der Insel. In Seyðisfjörður selbst ist das Wetter relativ ruhig. Wenn sich das Wetter am Berg nicht bald bessert, könnten im einzigen Geschäft am Ort die Lebensmittel knapp werden. Ein Tunnel durch den Berg steht auf dem Verkehrsplan der Regierung an oberster Stelle, allerdings deckt die Liste die kommenden 15 Jahre ab, ein wenig müssen sich die Leute von Seyðisfjörður also noch in Geduld üben.

Die Behörden raten dringend, jegliche Reisen vor allem im Norden auf morgen oder übermorgen zu verschieben.

Lawinengefahr in Westfjorden und Nordland

Avalanche in Iceland February 2014.

Für den nördlichen Teil der Westfjorde gilt auch am heutigen 1. Weihnachtsfeiertag immer noch die Ungewissheitsstufe. Reisende, die dort schneewandern gehen wollen, werden um äusserste Vorsicht gebeten, damit sich unter ihren Füssen keine Lawine losreisst, berichtet RÚV.

Für die Westfjorde und das Nordland war wegen erhöhter Lawinengefahr gestern die Ungewissheitsstufe ausgerufen worden. Viele Strassen der Region hatte man vorsichtshalber gesperrt, ausserdem hatte das Küstenwachschiff Freyja vor Ísafjörður geankert, um im Notfall zur Stelle zu sein. Gestern Abend lösten sich dann zwei Schneelawinen zwischen Ísafjörður und dem Hnífsdalur, zwei weitere gingen auf den Strassenabschnitt Siglufjarðarvegur auf der Halbinsel Tröllaskagi herab.

Schneewanderer lassen Vorsicht walten
Heute sieht die Lage im Norden schon etwas besser aus, und die Ungewissheitsstufe für das Nordland konnte aufgehoben werden. Allerdings verspricht die Wettervorhersage nicht unbedingt Gutes, sodass ab morgen unter Umständen wieder Gefahr von den Berghängen droht.
In den nördlichen Westfjorden bleibt die Ungewissheit weiter bestehen, gab die wachthabende Lawinenspezialistin beim Wetterdienst, Minney Sigurðardóttir, RÚV gegenüber an.
Das Wetter sei launisch, so Minney, und alle, die sich zum Wandern in die Berge begeben, seien zu erhöhter Vorsicht aufgefordert. Jeder Wanderer könne eine Lawine lostreten, auch wenn für heute keine natürliche Lawinengefahr bestehe. Für morgen sehe das schon wieder anders aus, weil Tiefdruckgebiete auf dem Weg nach Island seien. Man überwache die Lage engmaschig.

Die meisten Abschnitte der Ringstrasse sind inzwischen wieder geöffnet. Gestern hatten Holtavörðuheiði, Brattubrekka und die westfirdische Strasse Súðavíkurhlíð gesperrt werden müssen. Die Bergstrassen der Westfjorde wie etwa die Dynjandisheiði, Steingrímsfjarðarheiði und Þröskuldar sind derzeit noch unbefahrbar.
Wer unterwegs ist, sollte unbedingt die Wetterkarte und die Strassenzustandskarte im Auge behalten.

 

 

Lawinengebiet: Hilfszentrum in Neskaupstaðir eröffnet

neskaupstaður avalanche

Für die Einwohner von Neskaupstaðir und Umgebung wird heute ein Hilfszentrum eröffnet, wo von Schneelawinen Betroffene Unterstützung erhalten können.
Am Morgen des 27. März hatten um die 850 Einwohner in einer der grössten Evakuierungsmassnahmen der isländischen Geschichte ihre Häuser verlassen müssen. Der Lawinenalarm war auch eine der grössten Rettungsaktionen der freiwilligen Retter von Landsbjörg gewesen, zeitweise hatten sich mehr als 300 Mitglieder in dem von Lawinenschnee eingeschlossenen Städtchen in den Ostfjorden aufgehalten.

Islands Premierministerin Katrín Jakobsdóttir und Umweltminister Guðlaugur Þór Þórðarson hatten am Wochenende das Lawinengebiet besucht und sich mit Vertretern der Kommune zu einem Austausch über Rettungseinsatz und Präventionsmassnahmen getroffen.

Katrín sagte RÚV gegenüber “Es ist eine grosse Erleichterung, dass es nicht schlimmer verlaufen ist und dass niemand in den Lawinen sein Leben lassen musste. Das ist das Allerwichtigste, aber gleichzeitig ist der Schaden sehr gross und es macht betroffen, die Auswirkungen der Lawinen zu sehen. Es ist extrem wichtig, dass wir jetzt starke Unterstützung gewähren.”
Sie verstehe, dass die städtischen Behörden jetzt Druck dafür machten. Sie und ihre Minister müssten jetzt die Pläne prüfen und schauen, wie man das Projekt tatsächlich beschleunigen könnte.

Inzwischen konnten viele Einwohner wieder in ihre Häuser zurückkehren. Damit dies reibungslos verläuft, bietet der Zivilschutz Unterstützung durch ein Hilfszentrum an. Zusätzlich gibt es beim Roten Kreuz psychologische Hilfe für Betroffene.

Auch das Küstenwachschiff Þór verlässt das Gebiet heute. Seit dem 27. März hatte sich die Þór als Rettungsplattform in den Ostfjorden befunden, sie war mit 40 Rettern und Feuerwehrleuten eingelaufen und hatte unter anderem als Übernachtungsmöglichkeit für Freiwillige und als Krankentransportschiff gedient. Das Schiff war zum ersten Mal in dieser Eigenschaft im Katastrophenschutz eingesetzt worden.

Lawinengefahr: Evakuierungen in mehreren Fjorden

Slysavarnafélagið Landsbjörg / ICE‑SAR

Für die Betroffenen im Lawinengebiet Ostislands gibt es noch keine Entwarnung. Zahlreiche Menschen mussten auch heute ihre Häuser verlassen, weil Evakuierungen in Neskaupstaðir, Eskifjörður, Stöðvarfjörður und im Fáskrúpsfjörður vorgenommen wurden. In den vergangenen Stunden sind mehrere Schneelawinen abgegangen, allerdings nicht in bewohntem Gebiet. Die Strasse zwischen Eskifjörður und Reyðarfjörður hatte man vorsichtshalber gesperrt, nachdem gegen 16 Uhr eine Lawine am Hólmatindur abgegangen war.

Evakuierungen im Fáskrúðsfjörður sind in der Region die Ausnahme, sagt Einsatzleiter Óskar Þór Guðmundsson. “Das ist hier nicht normal, dass man räumen muss, und ich kann mich nicht erinnern, dass das schon mal vorgekommen ist,” sagte er RÚV gegenüber. Seiner Einschätzung nach tragen die Leute das jedoch mit Fassung und begreifen, dass es sich um reine Vorsichtsmassnahmen handle. “Wir haben noch nicht gesehen, dass sich in diesem Gebiet eine Lawine nach unten bewegt, und auch keine Anzeichen dafür, dass etwas passieren könnte, aber Vorsicht ist immer besser.”

Die meisten sind bei Freunden und Verwandten untergekommen, einige wenige haben Schutz im Auffangzentrum des Roten Kreuzes gesucht. Die Stimmung sei relativ munter, aber natürlich fühle es sich für so manchen nicht gut an, im Angesicht einer solchen Gefahr leben zu müssen. Aber jetzt habe der Regen zugenommen und es werde wärmer.

Schlimmste Lawinenserie seit 50 Jahren
Der Überschwemmiungsexperte Tómas Jóhannesson vom isländischen Wetterdienst erklärt, die Evakuierungen seien die weitreichendsten seit 1995 gewesen. Diese Lawinenserie bezeichnete er als die schlimmste in Neskaupstaðir seit 1974, nachdem es dort jahrzehntelang vergleichsweise ruhig gewesen sei. Für die Einwohner sei dies eine grosse Sache. Er hoffe, so Tómas, dass der Regen die Lawinengefahr morgen reduziere. Regen und Schneematsch festigen den Schnee ziemlich schnell und die Schwächen in der Schneedecke verschwinden in kurzer Zeit.

In Neskaupstaðir hatte sich am Nachmittag eine Lawine oberhalb des Lawinenbauwerks gelöst, sie war jedoch auf halber Strecke liegengeblieben. Der örtliche Polizeileiter Ólafur Tryggvi Ólafsson ist froh darüber, zeige es doch dass der Berg sich befreie und die Schlucht reinige. Die Evakuierung sei so gut wie beendet, und die Experten seien wegen möglicher Lawinen nun nicht mehr allzu besorgt.
Währenddessen hat das Küstenwachschiff Þór den Hafen von Neskauptstaðir verlassen, wo es die letzten zwei Tage vor Anker gelegen hatte, und ist nach Seyðisfjörður gefahren, um dort einen Patienten abzuholen und ins Krankenhaus zu bringen. Da sämtliche Strassen unbefahrbar sind, dient das Schiff nun auch als Krankentransporter.

Hubschrauber der Küstenwache kann wegen Ruhezeit nicht im Dauerensatz sein

Gestern morgen hatte der Hubschrauber der Küstenwache nicht abheben können, um Verletzte aus einem Busunfall im Öræfi abzutransportieren, weil keine Besatzung zur Verfügung stand, berichtet mbl.is. Die Besatzung befand sich in der gesetzlich vorgeschriebenen Ruhezeit und wollte nicht einspringen.
Seit vier Jahren verhandeln Islands Berufspiloten mit dem Staat um einen neuen Tarifvertrag, und es wird immer schwieriger, Leute aus der Ruhezeit zum Dienst zu rufen.

Ásgeir Erlendsson, der Pressesprecher der Küstenwache, gab mbl.is gegenüber an, der Hubschrauber sei für den Busunfall angefordert worden, weil es sich um einen langen Transportweg für die Verletzten gehandelt habe, nicht etwa weil die Verletzungen so schwer gewesen seien. Drei Insassen seien mit dem Krankenwagen nach Höfn gefahren worden und von dort per Krankenflugzeug nach Reykjavík geflogen. Keiner von ihnen hatte schwere Verletzungen davongetragen.

Langer Dienst im Lawinengebiet
Die Hubschrauberbesatzung hatte in den vergangenen Tagen wegen der Lawinensituation in den Ostfjorden lange Dienste verrichtet und war von acht Uhr morgens bis zum nächsten Morgen beinahe dauerhaft im Einsatz gewesen, unter anderem um eine Schwangere aus dem von Lawinen eingeschlossenen Neskaupstaðir ins Krankenhaus zu fliegen. In der gleichen Nacht hatte der Hubschrauber einen Einsatz am Eyjafjallajökull fliegen müssen, wo zwei Touristen aus einer Felswand abgestürzt waren.
Nach Angaben der Küstenwache stand nur ein Hubschrauber bereit, und statt zwei Besatzungen gab es nur eine. Die beiden anderen Hubschrauber befinden sich in Reparatur. In der Vergangenheit sei es immer gelungen, so Ásgeir, den Hubschrauber aus Gutmütigkeit zu besetzen, also Leute aus der vorgeschriebenen Erholungspause zu rufen. Das sei diesmal nicht gelungen und gestalte sich wegen des andauernden Tarifstreites auch immer schwieriger.

Mehr Einsätze als Mannschaft
Dabei werden die Unfälle ja nicht weniger. Gestern Abend ereignete sich im Lawinengebiet der Ostfjorde ein Verkehrsunfall, bei dem zwei Fahrzeuge frontal zusammengeprallt waren. Die Touristen, die in dem einen Fahrzeug sassen, blieben unverletzt, die Insassen des anderen Fahrzeugs, Einheimische, trugen kleinere Verletzungen davon und wollten sich heute selbst ins Krankenhaus begeben. Ein Kranwagen hatte die beiden verkeilten Fahrzeuge auseinanderziehen müssen.

Am vergangenen Wochenende ereigneten sich gleich drei Unfälle mit Motorschlitten, einer auf dem Langjökull, einer an den Jarlshettur, und einer im Norden des Landes. Der Hubschrauber hatte den Unfall im Norden nicht bedienen können, weil er im Süden unterwegs war. Zum Glück war der Verunfallte im Svarfaðardalur nicht allzu schwer verletzt und konnte im Krankenwagen transportiert werden.

Schneelawinen fallen auf Neskaupstaðir

Avalanche in Iceland February 2014.

Das Städtchen Neskaupstaðir im Norðfjörður ist am Morgen von zwei Schneelawinen getroffen worden, Die eine Lawine ging in der Nesgil ab, die erste Schlucht ausserhalb des Lawinenschutzes, und fiel auf ein Mehrfamilienhaus im Wohngebiet, die zweite Lawine ging im Einflussbereich des Lawinenschutzes oberhalb von Urðarteigur ab und rutschte über die Strasse und ins Meer, berichtet Austurfrétt.
Teile der Stadt mussten evakuiert werden, unter anderem das Bezirkskrankenhaus.

Durch geborstene Fensterschreiben ist es zu geringfügigen Verletzungen gekommen, schwer verletzt wurde nach letzten Angaben jedoch niemand. Die regionale Rettungsgruppe hat Kontakt zu allen in dem Haus gemeldeten Personen. Das Rote Kreuz hat im Gemeindehaus Egilsbúð für die Evakuierten eine Auffangstation eröffnet. Für die Ostfjorde gilt die Notfallstufe des Zivilschutzes.

Auch in Seyðisfjörður mussten Häuser geräumt werden, nachdem von der Wetterbehörde eine Lawinenwarnung ausgegeben worden war. Dort ist noch kein Abgang zu verzeichnen, die Evakuierung erfolgt prophylaktisch.
In weiten Teilen der Ostfjorde herrscht Schneesturm, die Leute waren aufgefordert worden, zuhause zu bleiben. Auch die Schule fällt heute aus. Der Tunnel Norðfjarðargöng ist wegen Lawinengefahr gesperrt.
Bürgermeister Jón Björn Hákonarsson gab RÚV gegenüber an, es sei klar dass der Lawinenschutz oberhalb der Stadt noch weiter ausgebaut werden müsse.

update 11.00 Uhr
RÚV berichtet dass sich eine fünfköpfige Familie in dem Mehrfamilienhaus befunden hatte, als die Lawine auf das Haus niederging und von den Einsatzkräften aus schneegefüllten Räumen geholt werden musste. Die Schneemasen hatten Tür und Fenster regelrecht gesprengt. Nach Angaben des Zivilschutzes war die Lawine nicht schneereich gewesen, aber hatte sich mit hohem Tempo den Berg hinunterbewegt.
Das Küstenwachschiff Þór ist von Akureyri aus losgefahren und wird gegen Abend in Vopnafjörður eintreffen. Ausserdem ist ein Hubschrauber der Küstenwache mit Freiwilligen der Rettungsorganisation Landsbjörg und Suchhunden auf dem Weg nach Osten. Zivilschutzleiter Víðir Reynisson hatte angegeben, man wolle die Hilfskräfte jeweils nach Bedarf in die betroffene Stadt holen, weil die Lage in der gesamten Region brenzlig sei.

 

Lawinengefahr im Osten, Seyðisfjörður unter Beobachtung

Seyðisfjörður

Im Osten Islands regnet es seit gestern ergiebig und ohne Unterbrechung. „Das fing gegen vier Uhr an, und es regnet eigentlich immer noch,“ sagt Ester Hlíðar Jensen, eine Hochwasserexpertin beim isländischen Wetterdienst, RÚV gegenüber. Die Behörde hatte vor den Regenfällen der kommenden Tage im Südosten und südlichen Teil der Ostfjorde gewarnt, weil Gefahr von Schlamm- und Gerölllawinen und an Flüssen Hochwassergefahr besteht.

Doch trotz des relativ nassen Wetters der letzten Wochen war der Wasserstand in den Bohrlöchern in den Hängen oberhalb von Seyðisfjörður sogar gesunken, sobald der Regen aufhörte. „Das ist sehr positiv. Wir haben bislang keinen Anlass gesehen, Massnahmen zu ergreifen, wir beobachten das derzeit nur,“ sagte Esther im Morgenradio.
Die Hänge der Hafenstadt werden vom Wetterdienst überwacht, dort sind Spiegel, GPS- und Radarsensoren und andere Messinstrumente angebracht, die über jegliche Bewegung am Hang Daten liefern.

Gestern hatte in Seyðisfjörður eine Einwohnerversammlung stattgefunden. „Um noch einmal klarzustellen, dass der Evakuierungsplan weiterhin steht und dass sich daran gehalten wird. Es wurde auch dargelegt, dass die Niederschläge im Dezember 2020 weitaus kräftiger gewesen sind.“ Damals hatte eine riesige Schlammlawine Teile des Ortes unter sich begraben. Wie durch ein Wunder hatte es keine Verletzten gegeben, aber viele alte Häuser waren durch die Schlammassen zerstört worden.
Man nähere sich nun der selben Jahreszeit, aber diesmal verzeichne man nur ein Drittel der Niederschläge von 2020.
An der Lawinenbruchstelle am Búðarhryggur waren am Freitag fünf bis 15 Millimeter Bewegung gemessen worden, seither herrscht dort wieder Ruhe. Massnahmen seien daher derzeit nicht notwendig.

 

Lawinenabgang vor Súðavík, Strassen gesperrt

Avalanche in Iceland February 2014.

Die Strasse nach Súðavík in den Westfjorden hatte gestern Abend nach Lawinenabgang gesperrt werden müssen.
Bragi Þór Thoroddsen, der Gemeindedirektor im Súðavíkurhreppur, sagt, die Sperrungen hätten grosse Auswirkungen auf Einwohner und andere, was Berufstätigkeit wie Wohnen angehe. Wegen der Sperrung hatten gestern Abend 25 Personen in Súðavík übernachten müssen.

Mit der covid-bedingt geltenden Versammlungsregel von derzeit 10 Personen war es nicht so einfach, die 25 Gestrandeten in Súðavík unterzubringen. “Wir sind nicht besonders vorbereitet für so etwas, da haben wir halt die Sporthalle geöffnet, alle Lagerkammern ausgeräumt und Matratzen ausgelegt und Leute zusammengetrommelt,” erzählt Bragi.
Seiner Ansicht nach ist die Gefahr an dem Hang allgegenwärtig, und die Bürger wollten so schnell wie möglich einen Tunnel haben. “Das ist nur eine Frage der Zeit, wann jemand durch eine Lawine zu Schaden kommt, und darauf wollen wir nicht warten,” sagte Bragi RÚV gegenüber. Ein junger Mann aus Súðavík hatte gestern Abend beschrieben, wie mehrere Fahrzeuge im Schnee festsassen, bevor die Strasse gesperrt wurde, und wie gefährlich er es empfunden hatte, anderen zu helfen, während über ihm am Hang rutschender Schnee lauerte. Er selbst war zuvor einer Lawine nur knapp entkommen.

Zur Zeit sind die meisten Strassen zwischen den Orten der Westfjorde unbefahrbar, und die beiden gefährlichen Strassenabschnitte Súðavíkurhlíð und Eyrarhlíð zwischen Ísafjörður und dem Hnífsdalur sind gesperrt. Heute Abend soll es mit steigenden Temperaturen im Breiðafjörður und den Westfjorden regnen, dann steigen die Flusspegel an und es besteht die Gefahr von Schlammlawinen. Für den gesamten Norden und die Westfjorde gilt daher die gelbe Warnstufe.

Tunnel ist geplant, aber ohne Zeitplan
Der Januar sei für die Leute von Súðavík immer schwer, denn vor 25 Jahren hatte eine schwere Lawine dort viele Menschenleben gekostet. Ein Tunnel zwischen dem Álftarfjörður und dem Skutulsfjörður stehe zwar auf dem Strassenbauplan, aber ohne Zeitvorgabe, und offenbar interessiere die Politik sich nicht für das Problem, obwohl es sich hier um einen Abschnitt der Ringstrasse handle.

Vor zwei Jahren hatte die Strasse nach Súðavík in den ersten drei Monaten ganze 40 Mal gesperrt werden müssen, mit Konsequenzen für Anwohner und Pendler, die nicht zur Arbeit fahren konnten, und Warentransport gab es auch nicht. Stattdessen sassen die Leute jedesmal zuhause fest.
Damals hatte Bragi angegeben, die Lage bedrohte die Sicherheit der Bürger. Es sei vorgekommen, dass erkrankte Personen mit dem Schiff von Súðavík nach Ísafjörður gebracht werden müssen, weil die Strasse gesperrt war. “Ich weiss, dass Leute das immer wieder als Gefahr aus dem Berghang empfunden haben, entweder wegen der Schneelawinen oder wegen Steinschlags. Das ist das ganze Jahr über gefährlich. Ehrlich gesagt finden es viele unangenehm, an diesem Hang vorbei zu fahren.” hatte Bragi gesagt.

 

133 Schneelawinen in zehn Tagen

avalanche

Eine ungewöhnlich hohe Anzahl an Schneelawinen hat sich in den vergangenen Tagen im Osten Islands, im Norden und in den Westfjorden ereignet. Einer Mitteilung des Wetterdienstes zufolge wurden in den vergangenen zehn Tagen 133 gemeldete Schneelawinen gezählt, die Dunkelziffer liegt vermutlich noch höher. Für die nördlichen Westfjorde, den Norden und Osten des Landes gilt daher auch weiterhin die Unsicherheitsstufe des Zivilschutzes.

Die meisten der 133 Lawinen ereigneten sich in den Westfjorden (52) und im Nordosten (41), an dritter Stelle stehen die Ostfjorde mit 24 Lawinen.
“Es ist klar, dass manche Lawinen abgegangen sind, ohne dass sie gemeldet wurden. Manche gehen in abgelegenen Regionen nieder, andere werden nicht bemerkt, und längst nicht alle Schneelawinen werden dem Weterdients gemeldet,” heisst es in der Mitteilung des Wetterdienstes.
In den genannten Regionen hatten sich zuvor schwere Schneefälle ereignet, und die Schneedecke an steilen Hängen wird als instabil bewertet. Dem Wetterdienst zufolge sind manche Lawinen sogar bei Windstille abgegangen.

Auch grössere Strassen waren diesmal betroffen und mussten gesperrt werden, wie etwa die Öxnadalsheiði am 23. Januar. Die Strassenverwaltung informiert über lawinenbedingte Sperrungen, der Wetterdienst ist für das Lawinenrisiko zuständig.
Niemand wurde bislang verletzt, allerdings hat eine der Lawinen im Kolbeinsdalur (Skagafjörður) drei Pferde getötet und eine Hütte zerstört. Die Lawine im Skarðsdalur richtete grosse Schäden im Skigebiet von Siglufjörður an, in Eskifjörður wurde unter anderem ein Schiessgelände schwer beschädigt.