10 Schneelawinen durch Outdoorfreunde ausgelöst

Avalanche in Iceland February 2014.

Seit der Karwoche und Ostern sind rund 10 Schneelawinen durch Menschenhand vom Berg abgegangen, berichtet RÚV. Bei der Hälfte der Fälle sind Menschen vor oder unter der Lawine gelandet. Schwer verletzt wurde niemand. Der isländische Wetterdienst fordert alle Schneefreunde auf, jede Lawine zu melden, vor allem solche, die sich durch äussere Einwirkung lösen.
Acht Lawinen meldete die Wetterbehörde, inzwischen sind zwei weitere hinzugekommen. Der Meteorologe Einar Sveinbjörnsson bezeichnete die hohe Zahl der Lawinen in einem Facebookbeitrag als “Spiel mit dem Feuer”.

Äusserste Vorsicht vonnöten
Seit Mitte März hatte vor allem im Nordteil des Landes starker Wind aus Nordost geherrscht und in den Bergen sammelte sich der Schnee. Schneebretter bauten sich auf, die zum Teil noch während des Unwetters abgingen, aber auch danach rutschten die Massen – letztere bezeichnet der Wetterdienst als ungewöhnlich. Er weist in einem Artikel darauf hin, dass Skifahrer, Bergwanderer und Motorschlittenfahrer unter solchen Bedingungen äusserste Vorsicht walten lassen müssten und steile Hänge, Schluchten und Klippen meiden sollten.
Auch weiterhin besteht grosse Lawinengefahr im Nor- und Ostland., zumal für dieses Wochenende wieder Unwetter mit Schnee und Schneesturm für den Nordteil des Landes angekündigt ist.

Motorschlitten und Skifahrer
Der Wetterdienst hat folgende Liste zusammengestellt, die deutlich macht, dass menschliche Einwirkung bei Lawinenabgang durchaus eine Rolle spielt:
26. März: Lawine durch Motorschlitten im Héðinsfjörður
28. März: Lawine durch Motorschlitten nahe Húsavík, bei gutem Wetter. Ein Mann wurde unter dem Schnee begraben, konnte aber gerettet werden.
30. März: Lawine durch Skifahrer im Skigebiet Hlíðarfjall, Akureyri ausgelöst (M1,5)
31. März: Skifahrergruppe landet in einer Lawine in Dalsmynni. Eine Frau wurde erheblich verletzt, nachdem die Schneemassen sie durchs Gebüsch mitgezogen hatten. Mehr als 100 freiwillige Retter samt Gerätschaften waren im Einsatz.
1. April: Lawine durch Skifahrer oberhalb des Skigebiets am Böggistaðafjall (M1,5)
2. April: Lawine durch Skigruppe unterhalb von Kaldbak, (M2-2,5)
2. April: grosse Lawine durch Motorschlittengruppe im Dýjadalur bei Dalvik ausgelöst. Grosse Rettungsaktion, am Ende stellte sich heraus, dass entgegen erster Meldungen niemand vom Schnee begraben wurde.
2. April: Lawine durch Motorschlittengruppe im Fljótum ausgelöst, (M2)
3. April: Lawine durch Motorschlitten an einem kurzen Hang des Höskuldarvatnshnjúkur bei Húsavík ausgelöst. Ein Mann am Fuss des Berges wurde im Schnee begraben, konnte gerettet werden.
3. April: Lawine durch Skifahrer im Ólafsfjörður ausgelöst, drei wurden teilweise im Schnee begraben.

Der Wetterdienst fordert alle auf, Lawinen sofort zu melden, entweder mit diesem Meldeformular oder per Email: [email protected].
Eine neue Karte der Wetterbehörde zeigt das Gefälle in der Landschaft an und gibt vor allem Motorschlittenfahrern und Skifahrern wichtige Informationen.

Seltener Textilfund bei Ausgrabung in Seyðisfjörður

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Bei Ausgrabungen in Seyðisfjörður sind Teile einer Frauenkleidung gefunden worden, berichtet RÚV. Einer Archäologin zufolge kommt es äusserst selten vor, dass man Kleidung aus der Wikingerzeit findet, erst recht in Island.
Die Ausgrabung hatte 2021 stattgefunden, bevor dort eine Lawinenschutzanlage unterhalb des Bjólfur errichtet wurde. Man fand Siedlungsreste aus 1000 Jahren, die ersten aus dem 10. Jahrhundert, und bis ins 20. Jh war an diesem Ort gewohnt worden. Gegen Ende der Untersuchung stellte sich dann heraus, dass im Jahr 1100 eine Lawine auf den damaligen Hof abgegangen war. Unter den Erdmassen fanden sich vier Grabhügel mit Menschen- und Tierknochen, Bootsreste und alle möglichen Gegenstände. Eins der Gräber war unberührt, dort lag eine Frau begraben. In ihrem Grab fanden sich unter anderem Bronzenadeln und Perlen, sowie eine Schere, und grosse Textilreste.

Kleidungsreste sind Puzzleteile
„Hier haben wir das bemerkenswerte Grab einer Frau. Diese Reste geben Hinweis darauf, dass sie in drei Kleidungsstücke gewandet war,“ erklärt Marianne Vedeler, eine Archäologin und Textilsachverständige. „Diese kleinen Stücke sind Teil eines Puzzlespiels, um herauszufinden, wie sie gekleidet war.“
Marianne sagt, man könne aus den Textilresten viel erkennen, obwohl sie nicht grösser seien, und das sei nicht zuletzt den Archäologen zu verdanken, die bei der Ausgrabung alle Funde ganz genau vermerkt hatten. Die Nadeln und Klemmen aus der Wikingerzeit fänden sich hin und wieder, aber es sei doch sehr besonders, dass man welche mit Textilresten finde. Die zeigten, wie die Nadeln am Kleid befestigt waren. Man hat Unter- und Oberkleid gefunden, unter anderem ein blauer Umhang mit Verzierung. Zu klären bleibt, wie die blaue Farbe hergestellt wurde.
“Das Grab stammt aus dem 10. Jh, darauf weist das Kleid hin, welches typisch für skandinavische Frauen aus dieser Zeit war. Die Kleidung war in Dänemark ein bisschen früher aus der Mode gekommen, später dann in Norwegen und Island. Das ist eine etwas spätere Ausführung dieses Frauenkleids.“ Marianne hält den Fund für bemerkenswert.

Seltener Fund
„Das ist sehr selten, dass man erhaltene Kleidungsreste aus der Wikingerzeit findet, das gilt für alle Orte der Wikinger. Das hängt davon ab, wie die Erhaltung im Erdreich gewesen ist. Und in Island ist es erst recht selten, dass man Textilreste findet, und wenn wir solche grossen Stücke finden wie hier, und das so gut zuordnen können, dann würde ich das einen ausserodentlichen Fund nennen.“
Auch wenn man nicht weiss, wer die Frau gewesen ist, zeigen die Funde und wie die Tote zu Grabe gelegt worden war, dass sie sehr gut und passend gekleidet war. Die Textilreste befinden sich auf dem Weg in Labore nach Kopenhagen und Brüssel, und Marianne ist schon sehr gespannt auf die Untersuchungsergebnisse vor allem der Wolle, denn die dürfte einiges zu erzählen haben.

Lawinengebiet: Heute Verschnaufpause, ab morgen wieder Schneefall und Wind

avalanche neskaupstaður

Im Städtchen Neskaupstaðir herrscht nach den gestrigen Lawinenabgängen immer noch eine Art Ausnahmezustand. Drei Lawinen waren auf Wohnhäuser abgegangen, eine von ihnen an der gleichen Stelle wie 1974, als 12 Menschen ums Leben kamen. Diesmal hatte es zum Glück nur geringfügige Verletzungen durch Glassplitter gegeben. Alle Zufahrtswege sind seit gestern durch Schneemassen versperrt, der Tunnel war am Morgen geschlossen worden.
Im Auffangzentrum des Roten Kreuzes hatten sich 300 Menschen versammelt, die aus ihren Häusern evakuiert worden waren.

Aus allen Landesteilen waren freiwillige Helfer und Experten nach Egilsstaðr geflogen worden, darunter auch Suchhunde und ein Anästhesist für das Krankenhaus in Neskaupstaðir, doch sassen sie alle in Egilsstaðir fest, weil es selbst für schwere Fahrzeuge nicht möglich war, in die Stadt vorzudringen. Sie sollen vorerst in Egilstaðir bleiben, solange die Lage es erfordert.
Von Akureyri aus hatte sich das Küstenwachschiff Þór auf den Weg nach Süden gemacht und war gegen Abend am Kai von Neskaupstaðir angekommen. An Bord befanden sich Helfer, Gerät und Lebensmittelvorräte, und 20 Helfer fanden dort auch einen Schlafplatz für die Nacht. Am Abend hatte der Hubschrauber eine Schwangere mit Arzt und zwei Rotkreuzmitarbeitern von Neskaupstaðir nach Egilsstaðir gebracht, die Mannschaft übernachtete dort, am Morgen flog der Hubschrauber dann zurück in die eingeschlossene Stadt.

Víðir Reynisson, der Leiter des isländischen Zivilschutzes, der den Einsatz vom Hauptquartier in Reykjavík aus koordiniert, sagte gestern Abend, dies sei mit insgesamt um die 500 Personen die mit Abstand grösste Evakuierung der letzten Jahre.
In Seyðisfjörður hatten 40 Häuser evakuiert werden müssen. Hier hatte man auch die Maschinen der Heringsfabrik heruntergefahren, weil das Gebäude im Evakuierungsgebiet liegt. Es ist soviel Schnee gefallen, dass die Einwohner der Stadt in ihren Häuern festsitzen. Auch in Eskifjörður waren wegen unsicherer Schneelage 16 Wohnhäuser geräumt worden.
Für heute
rechnet man mit eher ruhigem Wetter und einer Normalisierung der Lage, aber ab Morgen stehen wieder Wind und Schneefall bevor und die Situation in den Ostfjorden könnte sich verschlechtern.

Schneelawine reisst 15 Pferde in den Tod

Im Skagafjörður ist heute gegen 13 Uhr zwischen den Höfen Stekkjaból und Hólkot im Unadalur westlich von Hofsós eine Schneelawine abgegangen. Das Team “Grettir” der örtlichen freiwilligen Retter rückte aus, denn in dem Gebiet, wo die Lawine ins Tal traf, hatten sich 15 Pferde befunden, doch leider kamen sie zu spät..
Die Pferde sind bei dem Unglück alle ums Leben gekommen. Bewohner des Unadalur gaben an, beide Höfe seien nicht in Gefahr gewesen, auch Gebäude wurden nicht beschädigt, berichtet Vísir.

Fataler Unfall in Svarfaðardalur

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Gestern Abend sind drei amerikanische Skifahrer bei einem Lawinenabgang in Svarfaðardalur verunglückt, einer von ihnen starb bei dem Unfall.

Um 19.10 Uhr gestern Abend war der Notruf von einem der Verunglückten eingegangen, um 19.55 Uhr trafen die ersten Einsatzkräfte vor Ort ein und fanden zwei Personen nahe beieinander im Schnee. Kurz darauf wurde auch der dritte Skifahrer gefunden. Alle drei waren nach Angaben der Polizei schwer verletzt. Sie wurden ins Krankenhaus nach Akureyri gebracht, einer von ihnen später nach Reykjavík in die Universitätsklinik geflogen.

Bei den Skifahrern handelte es sich um trainierte und gut ausgerüstete 34-jährige Sportler. An der Bergungsaktion waren 130 Einsatzkräfte beteiligt. Die Lawine hatte sich aus dem Skeiðsfjall im Svafaðardalur gelöst.

 

Blumen aus Búðardalur für den Lawinengarten in Seyðisfjörður

Ein Mann aus dem Búðardalur im Westen Islands fuhr die Tage den ganzen Weg nach Seyðisfjörður im Osten der Insel, im Gepäck zweihundert farbenfrohe Blumen, die er selbst gezogen hatte. Mit den Blumen verschönerte er die Landschaftswunde, die die Schlammlawine vor acht Monaten in das Städtchen gerissen hat, berichtet RÚV.

“Das war eine Katastrophe, nicht nur für die Leute aus Seyðisfjörður, sondern für die ganze Nation, dieses Strassenbild und all die alten Häuser zu verlieren.” sagt Svavar Garðarsson aus Búðardalur. “Das kommt nie mehr zurück, und das gibt es in dieser Form auch nirgendwo anders. Deshalb ist es nur selbstverständlich, dass man tut was man kann. Blumen erfreuen das Herz, und ich hab beschlossen, mit ihnen zum Ende des Sommers hierher zu kommen, damit sie als Sommerverlängerung dienen.”

Svavar hatte die Blumen aus Samen selbst gezogen und mehr als 1000 Pflanzen erhalten. Die meisten zieren jetzt Búðardalur, aber 200 von ihnen sind nach Seyðisfjörður gereist. Um grosse Felsbrocken herum, die mit der Lawine zu Tal gerutscht waren, legte Svavar einen Blumengarten an. Die Brocken hatte man dort liegen gelassen wo sie gelandet waren. Andere Bumen pflanzte er in Gärten von Häusern, die es nicht mehr gibt.
“Da kam eine Frau mit vielen Kindern und hält bei mir an und sagt, ‘danke dass du in meinem Garten Blumen pflanzt. Mein Haus hat genau hier gestanden’,” erzählt der Blumengärtner.

Das Gebiet, in dem die Lawinen abgegangen waren, sieht heute völlig anders aus, nachdem das Flussbett der Búðará mit Steinen befestigt und das umliegende Land mit Dämmen neugestaltet worden ist. Nach der Aussaat von Gras im Erdreich der Lawinen ist es inzwischen auch überall grün geworden.

“Als ich das zuerst sah, war das ein echtes Trauerspiel. Und jetzt sind acht Monate vergangen, seit die Lawine abgegangen ist. Und sieh nur all die Veränderungen, die hier passiert sind. Das glaubt man kaum, man muss das mit eigenen Augen sehen. Dieses Trauerspiel in ein Kunstwerk verwandelt worden. Und die Lawine liegt verborgen hinter einem Bauwerk, das Seinesgleichen sucht. Das ist so eine wunderschöne Arbeitsweise, mit der man hier aufgeräumt hat,” findet Svavar, der Blumengärtner aus dem Búðardalur.

Im Nachrichtenlink gibt es einen Filmclip zu sehen.

Erdrutsch in Seyðisfjörður: Evakuierung beendet, Gefahrenstufe gesenkt

Eine ganze Reihe von Einwohner in Seyðisfjörður kann in ihr Zuhause zurückkehren, nachdem die Evakuierung von einzelnen Häusern im Bereich Múli in der Hafnargata aufgehoben worden ist. Zur Zeit besteht keine Gefahr weiterer Erdrutsche, daher haben Zivilschutz und Polizei in Ostisland die Warnstufe von Gefahr auf Ungewissheit gesenkt.
Seit dem 20. Dezember hatte die Gefahrenstufe gegolten, nachdem zwei Tage zuvor ein riesiger Erdrutsch mit Schlamm und Geröll auf den Ort abgegangen war.
Mehr als ein Dutzend Gebäude wurden durch diese und weitere Lawinen zerstört, sowohl Wohnhäuser als auch Gewerbegebäude, und viele von ihnen mit historischem Hintergrund. Die Häuser unterhalb des Múli waren gleich nach dem Erdrutsch am 18. Dezember evakuiert worden.

In einer Mitteilung des Zivilschutzes hiess es, die Aufräumarbeiten der letzten Wochen seien erfolgreich verlaufen. In einigen Bereichen habe man die Lawinenschutzvorrichtungen fertigstellen können. Die Lage werde auch weiterhin engmaschig überwacht, doch zum jetzigen Zeitpunkt und in den kommenden Tagen sehe man keine Gefahr. Die Schutzvorrichtungen sind provisorischer Natur und verbleiben, bis eine endgültge Entscheidung zu bleibenden Bauwerken getroffen worden ist.

Vier Wohnhäuser am Teich Stöðvarlækur bleiben auch weiterhin für den Zutritt gesperrt Zur Zeit wird ein Risikogutachten für den Bereich erstellt, mit Ergebnissen ist in einigen Tagen zu rechnen. Die Bewohner von Seyðisfjörður sind gewarnt worden, dass es in den kommenden Monaten zu weiteren Evakuierungen kommen könnte “wenn die Wetterbedingungen ungünstig werden oder schwere Regenfälle zu erwarten sind.”

Lawinenabgang auf der Öxnadalsheiði, niemand verletzt

Driving in the snow in Iceland

Gestern Abend sind zwei Schneelawinen auf der Öxnadalsheiði zwischen Bakkaselsbrekka und Grjótár niedergegangen, der Bergabschnitt der Ringstrasse musste daraufhin gesperrt werden. Verletzt wurde niemand, es bedurfte jedoch eines Grossaufgebots an freiwilligen Rettern, um Autofahrern aus dem Schnee zu helfen, berichtet RÚV.

Die erste Lawine ging gegen 21 Uhr ab, zum Glück als niemand dort unterwegs war, und versperrte die Strasse. Auf beiden Seiten stauten sich etwa 15 Fahrzeuge. Polizei und Rettungseinheiten aus dem Eyjafjörður und Skagafjörður machten sich auf den Weg, Fahrzeuge aus dem Schnee zu ziehen und die Leute in die Orte zu bringen.

Als gegen Mitternacht nur noch drei Fahrzeuge feststeckten, ging ganz in der Nähe die zweite Lawine ab. Sie traf vier Verkehrsteilnehmer, die gerade dabei waren, ein Auto mit einer Familie an Bord aus dem Schnee zu graben. Niemand wurde verletzt, aber Hannes Rúnarsson, einer der betroffenen Helfer und selbst Berufsfahrer, der mit dem Leben davon gekommen ist, wirft Vísir zufolge der Strassenverwaltung nun vor, Öxnadalsheiði zu spät für den Verkehr gesperrt zu haben und die Gefahrenkennzeichnung im Internet nicht angepasst zu haben. So hätte verhindert werden können, dass sich soviele Fahrzeuge dort oben ansammelten, meint Hannes.

Nach Angaben von Smári Sigurðsson, dem Einsatzleiter der Rettungsmannschaft des Eyjafjörður, habe man nach der zweiten Lawine die Leute einfach ins Auto von Landsbjörg umgeladen und den Berg verlassen, weil Gefahr weiterer Lawinenabgänge bestand. Das Wetter dort oben sei gut gewesen, aber es habe zuvor viel geschneit. Im Öxnadalur selber war das Wetter schlechter. Smári sagt, Schneelawinen seien durchaus ein bekanntes Phänomen auf der Öxnadalsheiði, allerdings würden sie nur selten auf die Ringstrasse abgehen.

Insgesamt nahmen 40 Retter an dem Einsatz teil, der gegen zwei Uhr in der Nacht vorläufig beendet wurde. Gestern hatte im gesamten Norden und Nordwesten sehr schlechtes Wetter geherrscht, die meisten Bergstrassen waren unbefahrbar. Schneestürme aus Nord brachten an die 20 Einsätze für die freiwilligen Retter, die meisten betrafen Autofahrer auf der Holtavörðuheiði, auf der Halbinsel Tröllaskagi und auf der Öxnadalsheiði. Ausserdem halfen die Retter einem Bauern im Ólafsfjörður, Futter per Motorschlitten zu seinen Tieren zu bringen.

Andauernde Schneefälle im Norden haben auch die Gefahr von Lawinenabgängen in Siglufjörður weiter erhöht. Nachdem vor einigen Tagen das Skigebiet von einer Lawine getroffen worden war, sind nun auch innerorts Evakuierungen vorgenommen worden. Gestern Abend waren im Skutulsfjörður mehrere kleinere Lawinen abgegangen. Der Zivilschutz gibt an, dass bis mindestens Morgen noch mit Schneefall zu rechnen ist. Lawinengefahr und Verkehrsbehinderungen werden ebenfalls aus den Westfjorden gemeldet.

 

Seyðisfjörður und Eskifjörður wegen Lawinen evakuiert

Die Lage im Küstenort Seyðisfjörður hat sich nach dem Abgang weiterer Schlammlawinen heute so verschärft, dass der Krisenzustand ausgerufen wurde und die Bevölkerung am Abend geschlossen evakuiert worden ist, berichtet Vísir.
Am Nachmittag gegen 16 Uhr hatte eine Schlammlawine ein Haus mitgerissen und dem Erdboden gleich gemacht.

Alle Gebäude der Stadt wurden heute geräumt. Die Bewohner sind nach Egilstaðir in ein Auffanglager des Roten Kreuzes gebracht worden. Nach Angaben von Þorhallur Árnason, dem Leiter der ostisländischen Polizei, seien die Evakuierungen problemlos verlaufen. Die Leute seien alle sehr kooperativ gewesen. Die meisten fuhren mit Privatauts und Bussen in die Nachbarstadt, einige hatten jedoch auch mit einem Boot abgeholt werden müssen, weil Schlamm ihnen den Weg versperrte. Diese Lawine war bis ins Meer abgerutscht.

Derzeit ist man damit beschäftigt, Übernachtungsplätze für die Betroffenen zu finden und für ihr leibliches und psychisches Wohl zu sorgen. Personen, die dringend zB Medikamente oder notwendige Gegenstände aus ihrem Haus benötigten, hatten dies mit Hilfe von Polizisten und Rettungsmitarbeitern erledigen können.
Die Hilfsmannschaft ist gross, inzwischen sind auch Polizisten und Mitarbeiter des Sonderkommandos aus Reykjavík eingetroffen, und im Hafen liegt das Küstenwachschiff Týr vor Anker. Die Feuerwehr arbeitet daran, Keller und Drainagen leerzupumpen, viele Häuser stehen unter Wasser.
Þorhallur zeigt sich mit der Zusammenarbeit der Einsatzkräfte sehr zufrieden.

Evakuierung nun auch in Eskifjörður
Auch in Eskifjörður musste der Gefahrenzustand ausgerufen werden, nachdem in den vergangenen 24 Stunde mehrere kleine Schlammlawinen die Berghänge heruntergerutscht waren. Nach Angaben von Víðir Reynisson, dem Leiter des isländischen Zivilschutzes, sind die Evakuierungsmassnahmen auch in Eskifjörður gut im Gange.
“Hier wird geräumt und wir ändern gerade etwas, das Auffanglager in Eskifjörður liegt innerhalb des Evakuierungsgebietes und wir müssen einen neuen Ort dafür finden, in der Kirche und im Kulturzentrum,” sagte Víðir in den Abendnachrichten.

Insgesamt seien alle Aktionen heute erfolgreich verlaufen. “Das geht sehr gut. Viele Leute sind von Seyðisfjörður nach Egilsstaðir gekommen, und die Räumung in Eskifjörður läuft auch gut, aber das ist natürlich eine Riesenaktion. Es passiert nicht jeden Tag, das ein ganzer Ort wie Seyðisfjörður evakuiert werden muss. Das ist sicher 25 bis 30 Jahre lang nicht vorgekommen,” sagte Víðir.
Bislang werde niemand vermisst. Noch sind nicht alle Bewohner von Seyðisfjörður eingetragen, doch arbeite man daran, um eine vollständige Personenliste zu bekommen.
Die Behörden rechnen anhaltender Lawinengefahr im Ostland, mindestens bis morgen, vermutlich aber für sie kommenden zwei Tage. Man hoffe dass der Regen nachlasse, doch auch da gibt es keine verlässliche Vorhersage.

Islands Staatspräsident Guðni Th. Jóhannesson sandte am Abend eine Grussbotschaft an die Gemeinde in Seyðisfjörður und beschwor den Zusammenhalt seiner Landleute bei dramatischen Ereignissen wie diesen.
Ein Hotel in Keflavík hatte bereits kostenlose Übernachtungsmöglichkeiten über die Feiertage für betroffene Bewohner von Seyðisfjörður angeboten, die auf diese Weise Weihnachten mit Verwandten und Freunden im Südwesten verbringen können.

Im Nachrichtenlink gibt es ein Video, welches den Abgang einer der Lawinen zeigt.

 

Letzte Hochlandstrasse geöffnet

Der Eyjafjarðarleið, auch bekannt als Strasse Nr. F821, ist am vergangenen Freitag für den Verkehr geöffnet worden. Die Mitarbeiter des Strassenbauamtes mussten sich dafür durch eine sieben Meter hohe Schneewehe graben, um einen Durchgang zu schaffen, das ganze Vorhaben dauerte eineinhalb Tage. In einer Mitteilung auf der Webseite der Behörde heisst es, die Schneewehe sei eigentlich eine Lawine gewesen berichtet RÚV.

Grétar Ásgeirsson, ein Mitarbeiter des Strassenbauamtes, sagte, es sei durchaus ungewöhnlich, sich durch derart hohe Schneewehen graben zu müssen. Er erinnere sich nicht, dass in dieser Region jemals eine so grosse Lawine niedergegangen sei, zumindest nicht in den letzten Jahren. Die Lawine erstreckte sich über 75 Meter und mass an ihrer höchsten Stelle sieben Meter. Zum Graben nutzte man einen Schaufelbagger vom Typ CAT 972M.

Der Eyjafjarðarleið ist damit einer der letzten Hochlandwege, die in diesem Sommer geöffnet werden, und das Datum liegt noch im Rahmen. Der früheste Termin war in den vergangenen sechs Jahren der 28. Juni, der späteste der 24. Juli gewesen.
Im Nachrichtenlink findet man Grétars Fotos von der Tagesaktion.