Reykjanesausbruch: Schutzwall geplant, um Lava vom Suðurstrandavegur wegzulenken

Der Vulkanausbruch in den Geldingadalir, dessen Lavafeld in der vergangenen Woche den Namen Fagradalshraun erhalten hatte, ist inzwischen zweimal so kräftig wie zuvor. Das hatten letzte Messungen des geologischen Institutes ergeben. Der Zivilschutz befindet sich in Alarmbereitschaft, um einen Schutzwall aufzuschütten, damit die Lava nicht in das Tal Nátthagi läuft und von dort aus auf den Suðurstrandavegur, berichtet Vísir.
Mit dem veränderten Rhythmus und der hochschiessenden Fontäne hat sich auch die Fördermenge der Lava erhöht. Inzwischen können 13 Kubikmeter pro Sekunde gemessen werden, zuvor waren es acht Kubikmeter gewesen.

Auf einem 3D Modell des Naturkundeinstitutes ist zu erkennen, dass die Lava sowohl die Geldingadalir gefüllt hat, als auch in ein namenloses Seitental der Meradalir gelaufen ist. Dorthin und hinab in die Meraldalir läuft zur Zeit auch die meiste Lava. Nátthagi ist nur einen Abhang davon entfernt, doch dort will niemand die Lava haben.
“Dann läuft sie auf den Suðurstrandavegur, und dann hat das ernsthafte Auswirkungen auf die Infrastruktur, also auf die Strasse und den Verkehr,” erklärte Rögnvaldur Ólafsson,der stellvertretende Leiter des isländischen Zivilschutzes der Polizei.

(Screenshot Vísir)

Einen Schutzwall hat man bereits entworfen. Rögnvaldur schätzt, dass die beidseits des namenlosen Tals vorgesehenen Wälle an die vier Meter hoch ausfallen. Man könne schweres Gerät ohne lange Vorwarnzeit in das Tal bringen und die Wälle aufschütten.
“Am Freitag war es fast soweit gewesen. Da strömte erneut Lava in das namenlose Tal und wir sassen in den Startlöchern, um damit zu beginnen.” Doch dann stellte sich die Lavamenge als geringer heraus, ausserdem floss sie in eine andere Richtung, sodass das Vorhaben erst mal gestoppt wurde.

Lavabomben und Gasgefahr
Heute hatte sich auch der wissenschaftliche Beirat des Zivilschutzes getroffen. In einer Mitteilung des Rates hiess es, die Gesamtfläche der Lava betrage inzwischen 1,78 Quadratkilometer, mit einem Gesamtvolumen von 30,7 Millionen Kubikmetern. Mit dem vermehrten Lavafluss steige auch die ausströmende Gasmenge.

In den vergangenen Tagen war die Lavafontäne bis zu 300 Meter in die Höhe geschossen. Bei einer Windstärke von 15 m/s können da Lavabomben bis zu 600 Meter weit fliegen. Die glühenden Brocken haben an einigen Stellen bereits Moos und Vegetation in Brand gesetzt. Der entstehende Qualm ist stark kohlenmonoxidhaltig. Feuerwehrleute würden Atemmasken benutzen, wenn sie sich in das Gebiet begeben müssten, hiess es in der Mitteilung.

Für alle, die das Spektakel aus der Ferne beobachten, gibt es eine neue Webcam von Vísir, die auf die Fontäne ausgerichtet ist, und die nach Bedarf gedreht werden kann. Betrachter in Island werden gleichzeitig mit Musik versorgt.

 

Reykjanesausbruch: Pele’s Haar in Grindavík gefunden, Lavabomben setzten Moos in Brand

Lava spewing from the crater in Geldingadalur on the Reykjanes Peninsula

Splitterbröckchen aus dem Vulkanausbruch in den Geldingadalir haben es mit dem Wind bis nach Grindavík geschafft, berichtet mbl.is. Diese aus vulkanischem Glas bestehenden Mineralpartikel sind federleicht und können daher weite Wege zurücklegen.
Teresa Bangsa in Grindavík hat gestern miterlebt, wie solche Bröckchen auf ihr Auto niedergingen. Die Splitterbröckchen präsentierten sich scharfkantig, daher war es nicht möglich, sie abzuwischen, weil sie sonst Kratzer im Lack hinterlassen hätten, und Teresa musste sie einzeln von ihrem Auto sammeln. Ein Foto des Splitters findet man im Nachrichtenlink.
Auch sogenanntes nornahár (Pele’s hair, Hexenhaar) ist in Grindavík gefunden worden.

Der Geologe Magnús Tumi Guðmunds­son bezeichnete es als bemerkenswert, dass die Bröckchen bis nach Grindavík getrieben seien, obwohl es keine chemischen Veränderungen am Vulkan gegeben habe. “Der Schlot fördert fliessende Lava, aber dann gibt es diese Fontäne, wo die Lava in tausend Stücke gerissen wird, und ein Teil davon nimmt diese Form an,” erklärte er. Offenbar werde inzwischen mehr von diesem Material gebildet.

Bröckchen wie die oben beschriebenen sind normale Bestandteile eines Vulkanausbruchs. Doch der Wind kann sie nur dann so weit tragen, wenn die Lavafontäne ausreichend hoch in die Luft emporschiesst. Die Fontäne am Fagradalsfjall hat es bislang an die 300 Meter in die Höhe geschafft, was 500 Metern über dem Meeresspiegel entspricht. Gestern war die Fontäne von Grindavík aus problemlos zu sehen.
Der Geologe sieht diese Partikel im Zusammenhang mit der schwarzen Aschewolke, die sich im Livestream präsentiert hatte.

Hier kann man nornahár in einem Video von 2018 betrachten. Dieses im zentralen Hochland gefundene nornahár hat die Form von zusammengefilzten Haaren, besteht aber ausschliesslich aus vulkanischem Glas. Die lange Form nehmen diese “Haare” erst an, wenn der Wind sie auseinanderzieht.

Die Forschungsgruppe zu Vulkanausbrüchen und Naturkatastrophen der Hochschule hatte gestern auch vor umherfliegenden Lavabomben gewarnt, welche Moos und Vegetation rund um die Ausbruchsstelle in Brand setzen. Auf Safetravel wird Besuchern geraten, die Kapuze hochzuziehen, dem Ausbruch den Rücken zuzukehren und stehenzubleiben, falls es heisse Aschepartikel regnet, da sie Verbrennungen verursachen können.