Reykjanes: Lava in Richtung Strasse unterwegs, Lagune geschlossen

Volcano Reykjanes eruption on May 31, 2024

Die Lava aus dem letzten aktiven Krater des gegenwärtigen Ausbruchs an der Sundhnúksgígaröð nordöstlich von Grindavík strömt zu dieser Stunde auf den Grindavíkurvegur zu, berichtet Vísir. Die Durchfahrtslücken in den Schutzwällen auf dieser Strasse und an der Zufahrt zur Blauen Lagune werden derzeit geschlossen. Die Blaue Lagune hat ihren Betrieb ebenfalls geschlossen, alle auf dem Gelände Anwesenden sollen bis spätestens zum Mittag evakuiert sein.

Lavafluss beschleunigt sich
In den vergangenen Tagen war die Lava eher langsam am Berg Sýlingarfell entlang in Richtung Strasse unterwegs gewesen. Einer Mitteilung des Wetteramtes zufolge begann sie am Morgen, in höherem Tempo vorwärts zu fliessen, jetzt sei offensichtlich, dass sie die Strasse nördlich des Schutzwalls bei Svartsengi erreichen werde. Die Durchfahrtslücken der Wälle werden daher zur Stunde geschlossen.

Gestern morgen gegen fünf Uhr war eine Wand des Kraters eingestürzt, und riesige Lavamengen hatten sich in die Landschaft ergossen. Der Krater hat inzwischen eine Höhe von 20 bis 30 Metern und ist auch aus der Ferne gut zu erkennen.
In einem Facebookbeitrag schrieb die Vulkangruppe Südisland gestern, dass sich bei Svartsengi erneut Magma in der unterirdischen Kammer ansammle. Nach einem fulminanten Beginn des Ausbruchs sei die Lavaförderung recht schnell zurückgegangen, und gleich darauf habe die Magmaakkumulation wieder eingesetzt. Eine Senkung des Landes bei Svartsengi war schon vor zwei Tagen zu Stillstand gekommen.

Ein einziges Vulkansystem
Heute morgen berichtet die Vulkangruppe von ersten Analyseergebnissen gezogener Lavaproben. Die Magma, die derzeit an die Erdoberfläche steigt, habe nur wenig Ähnlichkeit mit der Magma der letzten vier Ausbrüche an der Kraterreihe Sundhnúksgígaröð. Bemerkenswert sei der hohe Anteil an Kaliumperoxid (K2O) und Titandioxid (TiO2). Man deute diese Ergebnisse dahingehend, dass sich derzeit Veränderungen im Gebiet der Magmaansammlung bei Svartsengi ereignen. Dort sammle sich offenbar seit April eine neue und veränderte Magma in einer separaten Kammer. Die aktuelle Magma zeige vielmehr Ähnlichkeit mit dem Material, das im Jahr 2021 am Fagradalsfjall gefördert wurde – der erste Vulkanausbruch von acht der Ausbruchsserie auf der Halbinsel Reykjanes.

Bislang war man davon ausgegangen, dass Fagradalsjall und Svartsengi getrennte Vulkansysteme sind, doch die miteinander verbundene Eruptionsaktivität und die enge chemische Beziehung könnten darauf hindeuten, dass es sich hier um ein großes, miteinander verbundenes System handelt.

Reykjanes: Ausbruch deutlich vermindert, erste Aufräumpläne

eruption lava volcano

Der Lavaausbruch, der gestern Mittag an der Kraterreihe Sundhnúksgígaröð fulminant begonnen hatte und aus einer Spalte von zeitweise bis zu vier Kilometern Länge kräftig sprudelte, hat erheblich an Kraft verloren. Zwar ist der vulkanische Tremor seit gestern Abend gleichbleibend, aber die Lavaförderung ist stark zurückgegangen. Auch explosive Episoden wie gestern, als Lava in Kontakt mit Grundwasser am Hagafell kam, sind nicht mehr beobachtet worden.

Entwarnung für Strassen und den Ort
Die meiste Aktivität ist an dem Krater zu verzeichnen, der beim letzten Ausbruch übriggeblieben war, sowie nördlich davon. Lavafluss wird nur noch am Hagafell beobachtet. Der Lavastrom, der gestern noch in Richtung Grindavík unterwegs und die Schutzwälle entlang geflossen war, hat sich verlangsamt, daher ist die nach Osten führende Küstenstrasse Suðurstrandavegur auch weiterhin befahrbar. RÚV berichtet, das Land bei Svartsengi habe sich seit Beginn der Eruption um 15 Zentimeter abgesenkt. Neusten Schätzungen zufolge sind 15 Millionen Kubikmeter der vermutlich vorhandenen 20 Millionen aus der Magmakammer an die Erdoberfläche gestiegen.
Der Vulkanologe Magnús Tumi Guðmundsson hatte in einem Radiointerview am Mittag gesagt, die Lava kühle sich sehr schnell ab, daher fliesse sie gar nicht mehr so weit.
Gestern nachmittag hatte Icelandreview dem Vulkanausbruch einen Besuch abgestattet, hier sehen Sie das Video.

Stromleitung zerstört
Fannar Jónsson, der Bürgermeister von Grindavík, zeigte sich mit der aktuellen Lage zufrieden. Zwar sei der Strom ausgefallen, nachdem die erst kürzlich neu verlegte oberirdische Stromleitung der Lava zum Opfer gefallen war, aber die Kalt- und Heisswasserversorgung des Ortes funktioniere. Schon jetzt prüfe man, wo die Möglichkeit einer neuen Strasse bestehe, und was als erstes repariert werde. Das Elektrizitätswerk HS Orka ist über den Verlust der Stromleitung nicht glücklich, der Schaden wird als sehr hoch beziffert. Aber das Kraftwerk in Svartsengi sei nicht von der Lava bedroht.
Die Gaswolke, die in der Nacht über der Halbinsel und dem Hauptstadtbereich gelegen hatte, war mit westlichen Winden nach Osten getrieben. Der Reyðarfjörður und die nordisländische Stadt Húsavík erwachten mit mit Vulkannebel. Für heute besteht keine Gefahr, alle Messstandorte der Umweltbehörde zeigen grüne Farbe.

Fisch und Schafe
Kaum war heute Vormittag Entwarnung gegeben worden, erhielten die ortsansässigen Fischereibetriebe die Erlaubnis, rund 20 Tonnen frischen Fisch aus ihren Hallen am Hafen zu holen. Einhamar-Chef Stefan Kristjánsson sagte Vísir gegenüber, man sei erwachsen und habe nun so einige Vulkanausbrüche hinter sich, man lasse sich jetzt nichts mehr von den Behörden sagen. Alle befänden sich in einem Lernprozess, auch die Einsatzzentrale, die gelernt habe, den Unternehmen Zugang zum Ort zu gewähren, wenn dies nötig sei und sie dort wirklich was zu erledigen hätten.
Ähnlich abgeklärt beurteilt Stefán auch die Lage seiner Schafe, die er gestern noch innerorts in Sicherheit gebracht hatte. In Grindavík befanden sich zum Zeitpunkt der Evakuierung rund 70 Schafe und Lämmer. Auch ein anderer Schafhalter macht sich nicht soviel Sorgen um seine Tiere wie der isländische Tierschutzverband, der gestern forderte, alle Schafe sofort aus dem Ort zu holen. Theodor hatte die Weidetore geöffnet und seine Schafe freigelassen. Er sagt, er wisse von zahlreichen Fällen, in denen Auen durch die Evakuierungstransporte unter Zeitdruck verlammt hätten. Viele Schafhalter hätten auch gar keine Ausweichmöglichkeit. Schafe aus Grindavík dürfen den Bezirk Suðurnes aus Seuchenschutzgründen nicht verlassen.

Reykjanes: Vulkanausbruch Nr. 8 hat begonnen

Ein neuer Vulkanausbruch hat sich an der Kraterreihe Sundhnúksgigaröð östlich des Berges Sylingarfell auf der Halbinsel Reykjanes ereignet. Um viertel vor eins heute Mittag öffnete sich auf einer Länge von zunächst einem Kilometer die Erde, und Lavafontänen von bis zu 50 Metern schossen in die Höhe, berichtet RÚV. Berechnungen zufolge hatten sich in der Magmakammer unter Svartsengi mehr als 20 Kubikkilometer Magma angesammelt, mehr als je zuvor in dieser Ausbruchsserie, ein fulminantes Ereignis konnte also erwartet werden. Auf den Ausbruch selbst hätten die Experten aber lange warten müssen, sagte die Vulkanologin beim Wetterdienst, Kristín Jónsdóttir.

Evakuierungen nach Sirenenwarnung
Die Blaue Lagune, das Kraftwerk Svartsengi und der Küstenort Grindavík wurden umgehend evakuiert. In Grindavík weigerten sich die letzten drei Bewohner, den Ort zu verlassen, am Ende konnten sie aber doch überzeugt werden. Einer von ihnen war noch damit beschäftigt, seine Schafe in Sicherheit zu bringen.
Im Frühjahr waren in der Stadt wie auch in der Lagune Sirenen installiert worden, die ihren Nutzen inzwischen schon mehrfach unter Beweis gestellt haben.
Der Ort ist jetzt menschenleer, und das keine Stunde zu früh, denn gegen Abend war die schnellfliessende Lava über Zufahrtsstrassen im Westen und Norden geströmt, und die Behörden befürchten, dass auch der nach Osten führende Suðurstrandavegur überrollt werden könnte. Grindavík wäre dann nur vom Meer aus erreichbar, bis es möglich ist, einen Weg über die noch heisse Lava zu legen.
Die Lavaföntänen waren deutlich von der Reykjanesbraut zu sehen. Zeitweise zogen dunkle Rauchschwaden über die Halbinsel, nach Angaben der Expertin für Naturkatastrophen, Lovísa Mjöll Guðmundsdóttir, ein Hinweis auf Aschebeimischung, die hatte es bei den sieben vorherigen Ausbrüchen nicht gegeben. Später wurde bekannt, dass die Lava in Kontakt mit Grundwasser gekommen war. Wegen günstiger Winde besteht keine Gefahr für den Flugverkehr, hiess es bei den Fluglinien Icelandair und Play.

Screenshot mbl

Zweimal stärkerer Ausbruch
Am Abend bezeichnete Zivilschutzleiter Víðir Reynisson die Lage als nicht gut, nicht nur weil Lava über die Strassen fliesst, sondern auch weil die Schutzwälle bedroht sind, ausserdem Telekommunikationsmasten, darunter Masten, die sich im Besitz der amerikanischen Marine befinden. Einige Strommasten waren bereits umgekippt und brannten.
Der Professor für Geophysik, Magnús Tumi Guðmundsson, sagte in einem Interview am Abend, der Ausbruch sei bis zu zweimal stärker als alle vorherigen gewesen, und auch wenn die Kraft bereits merklich zurückgehe, sei dies immer noch der grösste Ausbruch in dieser Serie. Die Lava sei sehr heiss, sehr dünnflüssig und dadurch sehr schnell unterwegs. Sie tendiere allerdings dazu, an den Schutzwällen entlang zu fliessen, die damit wieder einmal ihren Nutzen bewiesen. Auch Víðir betonte in einem Interview, dass Grindavík ohne die Schutzwälle nicht mehr existieren würde. Die neuverlegten Wasser- und Stromleitungen seien zwar alle von Lava bedeckt, aber aufgrund ihrer speziellen Isolierung noch intakt.

Schutzwälle ohne Lücken
Ari Guðmundsson, ein Ingenieur bei Verkís, der in den vergangenen Monaten die Errichtung der Schutzwälle geleitet hatte, zeigt sich zufrieden mit den Ergebnissen. Die vorletzte für Durchfahrten genutzte Lücke im Wall sei heute in aller Eile geschlossen worden, nun gebe es nur noch eine Lücke in der Nähe eines Telekommunikationsmastes, durch die jetzt Lava hinter den Wall fliesse. Der Mast habe bei den heutigen Arbeiten aber keine Priorität gehabt, und man bringe niemanden dafür in Gefahr.
Magnus Tumi sagte in den Abendnachrichten, die Spalte habe sich von ursprünglich vier Kilometern auf 2,4 Kilometer verkürzt, und auch die Fulminanz des Ausbruchs lasse merklich nach. Die Aktivität im Magmatunnel verebbe im Süden und verlagere sich derzeit nach Norden. Möglicherweise kommt Grindavík mit dem Schrecken davon.

Auf den östlich von Grindavík gelegenen Hauptstadtbereich kommt jedoch wegen westlicher Winde in der Nacht eine nicht unerhebliche Gasverschmutzung zu. Es wird empfohlen, die Fenster zu schliessen und Säuglinge nicht im Kinderwagen draussen schlafen zu lassen.

Reykjanes: Vulkanausbruch offiziell beendet, Warten auf den nächsten Ausbruch

Geldingadalir Reykjanes eruption

Die Eruption in der Kraterreihe Sundhnúkagígarröð nördlich von Grindavík gilt seit heute offiziell als beendet. Gestern Abend hatten Fachleute des isländischen Zivilschutzes das Eruptionsgebeit überflogen und keinerlei Hinweise auf vulkanische Aktivität in dem zuletzt nur noch schwach aktiven Krater gefunden. Auch der vulkanische Tremor war gestern zurückgegangen. In der Nacht konnte kein Glühen von frischer Lava entdeckt werden. Die isländische Wetterbehörde sieht den Ausbruch daher als beendet an.

Drittlängster Ausbruch des 21. Jh.
Der Ausbruch hatte am 16. März begonnen und 54 Tage angedauert. Er war damit der drittlängste Ausbruch in diesem Jahrhundert, nur die Eruptionen in den Geldingadalir im Jahr 2021 und in der nordisländischen Holuhraun im Jahr 2014-15 hatten länger angedauert.
Allerdings sind die Fachleute sich auch einig, dass ein neuer Ausbruch der Reykjanesserie unmittelbar bevorsteht. Die Magmasammlung unter Svartsengi wächst nämlich weiter, und die 13 Millionen Kubikmeter Magma, die sich bereits in der unterirdischen Kammer angesammelt haben, übersteigen die Magmamenge vor den letzten drei Ausbrüchen. Auch das Land hebt sich stetig weiter, und Bebenschwärme weisen auf steigende Spannung hin, die sich nun nicht mehr an die Oberfläche entladen kann.

Neuer Ausbruch wahrscheinlich
Am wahrscheinlichsten halten Experten eine erneute Magmaintrusion in die alte Kraterreihe Sundhnúkagígaröð sowie eine Eruption entlang dieser Spalte, auch wenn die Magma theoretisch an jedem anderen Ort hervorbrechen kann.
Die Behörden warnen davor, dass sich ein solcher Ausbruch mit entsprechender Gasentwicklung jederzeit und ohne Vorwarnung ereignen kann. Beim letzten Ausbruch war der Lavastrom so schnell unterwegs, dass für Lavatouristen ein Entkommen unmöglich gewesen wäre.

Alle Besucher sind daher aufgefordert, sich mit äusserster Vorsicht in der Region zu bewegen. Für den Küstenort Grindavík und das umliegende Gelände gilt weiterhin die derzeit aktuelle Risikobewertung.

 

Reykjanes: Polizei warnt vor Kraterwanderungen, Lage ungewiss

crater

Die Polizeidirektion in Suðurnes bittet inständig darum, nicht zum Ausbruchsgebiet an den Sundhnúksgígar zu wandern. Jederzeit können sich dort neue lavafördernde Spalten öffnen, oder mehr Lava aus dem aktiven Krater strömen.
Seit letztem November hat sich jedesmal dann ein Ausbruch ereignet, wenn die Magmamenge in der Kammer unter Svartsengi acht bis 13 Millionen Kubikmeter erreicht hatte. Gemessen daran ist die derzeitige Magmamenge mit 10 Millionen Kubikmetern an der Grenze zu einem neuen Ausbruch angelangt.

Lage ist ungewiss
Benedikt Ófeigsson, der Fachleiter für Verwerfungsmessungen beim isländischen Wetterdienst, sagte gestern in den Abendnachrichten, die Lage sei ausgesprochen ungewiss.
„Wir haben das bislang noch nicht erlebt, dass es einen Ausbruch und eine Landhebung zur gleichen Zeit gibt. Daher herrscht nun grosse Ungewissheit darüber, was als nächstes passiert. Am meisten bereitet uns wohl Sorge dass aus dem bestehenden Ausbruch ein weiterer so entsteht wie es begonnen hat,“ erklärte Benedikt. „Dass sich also mit geringer Vorwarnzeit eine zwei bis drei Kilometer lange Spalte öffnet, die erheblich Gefahr mit sich bringt.“ Vor solch einem Geschehen könne man nicht rechtzeitig warnen.
Auch der Professor für Geophysik, Páll Einarsson, äusserte sich besorgt. “Wenn der Druck in der magmagespeisten Kammer zunimmt, würde man erwarten, dass die Eruption nach und nach zunimmt, aber das ist nicht der Fall.“ Weder bei den Vulkangeschehen auf der Halbinsel Reykjanes noch an der Krafla in den Achtzigerjahren habe man dergleichen beobachtet. Auch Páll warnt davor, dass hier ohne Vorwarnung eine gefährliche Situation entstehen kann. „Dann besteht die Möglichkeit einer neuen Spalteneruption, und der Beginn von Spalteneruptionen ist am gefährlichsten, wenn in kurzer Zeit eine große Menge Magma entsteht, die sich über ein großes Gebiet ausbreitet und mit hoher Geschwindigkeit fliessen kann.”

Keine Rettung vor Lavastrom
Schon in der vergangenen Woche war davor gewarnt worden, sich auf den Weg zum Krater zu machen, weil ein möglicher Lavastrom so schnell unterwegs sein kann, dass es keine Rettung gibt. Auch die Wand des aktiven Kraters kann unter verstärktem Lavastrom jederzeit brechen und Lavafluten unter hohem Tempo in alle Richtungen entlassen. Hinzu kommt die Gefahr durch plötzlich ansteigende Gasentwicklung. Bislang hat die Gasverschmutzung durch den Vulkanausbruch nicht abgenommen, und empfindliche Personen sind angehalten, sich unter loftgaedi.is zur Luftqualität auf dem Laufenden zu halten.

Reykjanes: Sechs Quadratkilometer Lava und kein Ende in Sicht

Auch wenn die Kraft des Lavaausbruchs an der Kraterreihe Sundhnúksgígarröð nachgelassen hat, gibt es Vísir zufolge keine Hinweise darauf, dass die Gesamtmenge des Magmaflusses aus der Tiefe weniger wird. Damit ist die unter Svartsengi angesammelte Magma gemeint, sowie die Magma, die aus dem Krater an die Oberfläche gelangt.

Vorgang könnte sich wiederholen
In einer Mitteilung des Wetterdienstes heisst es, das Land hebe sich bei Svartsengi erneut, und seit letzter Woche sogar mehr, zeitgleich zum Rückgang des Ausbruchs. Es sei schwierig, Angaben zu einem Ende des Ausbruchs zu machen, dieser könne auch längere Zeit mit stetigem Fluss andauern, oder bald zu Ende gehen.
„Da sich unter Svartsengi weiterhin Magma ansammelt und der Druck dort zunimmt, besteht auch die Möglichkeit, dass die Kraft der Eruption wieder zunimmt, wie es beim Ausbruch am Fagradalsfjall im Jahr 2021 geschehen ist. Wenn die Eruption in naher Zukunft aufhört, ist es am wahrscheinlichsten, dass die Magmaansammlung unter Svartsengi weitergehen wird und sich ein Szenario wiederholt, wie es in den letzten Monaten beobachtet wurde,“ heisst es in der Mitteilung. Die seismische Aktivität am Magmatunnel bei Grindavík sei auch weiterhin sehr gering. Allenfalls beobachte man Aktivität zwischen den Bergen Sýlingarfell und Stóra-Skógfell und westlich von Grindavík. Am Fagradalsfjall werde seismische Aktivität in einer Tiefe von sechs bis sieben Kilometern Tiefe aufgezeichnet.

3D-Karte der Lavadecke
Das Naturkundinstitut hat heute eine 3D-Karte der Lavadecke veröffentlicht. Neusten Messungen zufolge besteht die Decke aus 31 Millionen Kubikmeter Lava, was ein Fünftel der Lava ist, die 2021 in den Geldingadalir geflossen ist. Sie bedeckt eine Fläche von rund sechs Quadratkilometern. Zwischen dem 27. März und dem 3. April lag der durchschnittliche Lavafluss bei rund 6,6 Kubikmeter pro Sekunde, danach hat er sich erheblich verringert.

Risikogutachten: weiter “grosse” Gefahr durch Gas
Das aktuelle Risikogutachten des Wetterdienstes gilt bis zum 16. April. Für die gesamte Region besteht “grosse” Gefahr durch Gasverschmutzung, im Gebiet rund um den Krater ist die Gefahr “sehr gross”. Für die Gebiete 4 und 6, Grindavík und die Region östlich des Lavafeldes, besteht “grosse” Gefahr durch Spalten, Erdrutsche in Spalten, Spaltenbewegungen, Lavafluss und Gasverschmutzung. Die Lava aus dem letzten noch aktiven Krater fliesst wieder nach Süden.

Reykjanes: Kraterrand eingestürzt, Lava strömt nach Norden

crater

Die Kraterwand des letzten Kraters zwischen dem Hagafell und dem Stóra-Skógfell ist gestern Abend am Nordrand eingestürzt, seitdem quillt Lava aus dem Krater.
Nach Angaben des wachthabenden Experten beim isländischen Wetterdienst, Böðvar Sveinsson, stürzte die Kraterwand gegen 21.30 Uhr ein. Die Lava strömt seitdem in nördliche Richtung.

Gestern war die Magma im Krater stärker hochgestiegen als zuvor, und es hatte sich ein breiter Lavafall über den Kraterrand hinweg in südliche Richtung gebildet.
Der Lavastrom bedroht derzeit keine Strassen oder ähnliches, könnte aber, wenn er es weit schafft, den Grindavíkurvegur erreichen.
Hier sieht man gestrige Aufnahmen des Dronenpiloten Björn Steinbekk.

Hier gibt es die Webcam vom Hagafell aus, die den Krater in Echtzeit und Nahaufnahme zeigt.

 

Reykjanes: ein aktiver Krater, neue Entwicklungen im Gange

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Von den vormals drei Kratern am Sundhnúkur ist noch ein Krater aktiv, der inzwischen 25 Meter über der Lavadecke in die Höhe gewachsen und weithin auszumachen ist. Die Vulkangruppe Südisland hatte in einem Facebookbeitrag angemerkt, es sei nur noch eine Frage der Zeit, wann die Lava nicht mehr nach Süden, sondern nach Norden fliesse.
Aus dem Krater ergiesst sich ein Lavastrom nach Süden und bildet einen See. Aus diesem Lavasee fliessen kleinere Ströme in alle Richtungen, aber es scheint auch unterirdische Kanäle zu geben.
„Die Lavadecke südlich des Kraters ist inzwischen höher als das Land nördlich des Kraters. Die Lavadecke hat die Senke zwischen den Bergen Hagafell und Vatnsheiði ausgefüllt,“ schreibt die Vulkangruppe. Wenn die Lava ihre Flussrichtung nach Norden ändere, würde sie über die grosse Lavadecke aus dem Winter fliessen. Die Vulkangruppe schätzt, dass es da ein Gefälle von zehn bis 15 Metern gibt, über das Lava dann einen leichten Weg nach Norden hätte.

Neue Ausbruchsphase mit stetigem Lavafluss
Der Geologe Ari Trausti Guðmundsson schrieb gestern auf seiner Facebookseite, die wachsende Landhebung bei Svartsengi könne dazu führen, dass sich neue Magmakanäle im Spaltensystem öffneten. Er hält es für möglich, dass das Gebiet in eine neue Ausbruchsphase eingetreten ist, berichtet Vikurfréttir.
„Das Zusammenspiel von Magmakammer und einem weitaus grösseren Magmareservoir in 10 bis 20 Kilometern Tiefe unter dem Vulkansystem von Svartsengi ist jetzt sichtbar. Nach wiederholten Lavausbrüchen nordöstlich von Grindavík gibt es nun einen offenen Magmagang zwischen den Überresten der Lavaspalte vom 16. März und dem Zufluss aus dem Reservoir in die Kammer.“ schreibt Ari Trausti. Der Ablauf habe sich geändert. Jetzt fliesse die Magma stetig, wie beim Ausbruch in den Geldingadalir. „Der Druck von unten wird stärker, weil sich das Land über der Magmakammer wieder hebt.“ Das könne die Aktivität des Kraters verstärken, der im übrigen 2000 Jahre alt sei.

Dronenvideo zeigt Krater
Heimildin veröffentlichte heute ein Dronenvideo, welches den aktiven Krater aus der Sicht von Grindavík und dem Erdwärmekraftwerk Svartsengi zeigt.
Die benachbarte Blaue Lagune, die ihr heisses Wasser aus dem Kraftwerk erhält, hatte heute Mittag nach dreiwöchiger Zwangspause wieder ihre Türen für Badegäste geöffnet. Auf dem Lagunengelände sind eine Vielzahl von Gasmessgeräten und eine Wetterstation installiert, liess die Polizeidirektion von Suðurnes wissen. Auch eine Sirene befindet sich auf dem Gelände.

Die Badeanlage ist seit letztem November vulkanbedingt fünfmal für insgesamt 106 Tage geschlossen worden, schreibt Heimildin. Beim ersten Mal dauerte die Schliessung vom 9. November bis 17. Dezember. Am 18. Dezember brach der Vulkan an den Sundhnúkagígar aus, und die darauf folgende Schliessung dauerte bis zum 6. Januar.
Acht Tage später, am 14. Januar, gab es einen weiteren Ausbruch an der Kraterreihe Sundhnúkagígaröð, die Lagune wurde evakuiert und war vom 8. bis 16. Februar geschlossen. Zwei Wochen konnte der Badebetrieb aufrecht erhalten werden, am 2. März kam dann die nächste Schliessung. Noch während dieser Schliessung hatte ein Angestellter wegen Gasvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert werden müssen.
Die Polizeidirektion Suðurnes hatte gestern vermeldet, in der Region Grindavík und Svartsengi seien hohe Schwefeldioxidwerte gemessen worden. Allen Personen in der Region war geraten worden, sich im Haus aufzuhalten, Fenster zu schliessen und die Klimaanlage abzuschalten.
Aktuelle Messungen zur Luftqualität findet man auf loftgaedi.is.

Reykjanes: Alarmstufe gesenkt, Journalisten erhalten mehr Zutritt

Gestern hat die isländische Landespolizei in Abstimmung mit der Polizeidirektion Suðurnes entschieden, die Alarmstufe für die vom Vulkanausbruch betroffene Region herabzustufen. Der Ausbruch zwischen Hagafell und Stóra-Skógfell ist jetzt in der Alarmstufe, und nicht mehr in der Notfallstufe.

Notfallstufe war falsch ausgelegt worden
Die Notfallstufe war am Tag des Ausbruchs, am 16. März, ausgerufen worden. Seither ist die Lage relativ stabil, und nach Angaben von Zivilschutz und den Vulkanexperten beim isländischen Wetterdienst liegen für die Region auch keine nennenswerten seismischen Aktivitäten vor. Am Ausbruchsort selbst besteht weiterhin die Gefahr von Flächenbränden, und zwar dort wo Lavaströme auf trockene Vegetation treffen, und auch die Luftverschmutzung auf der Halbinsel kann bei ungünstigen Wetterverhältnissen erheblich sein.

Ausländische Medien hatten die „Notfallstufe“ misinterpretiert und ihren Lesern suggeriert, dass in Island der Notstand herrsche, was sich offenbar negativ auf Buchungen im Tourismus auswirkte. Die jeweilige Stufe gilt jedoch stets für eine ausgewählte Region, in diesem Fall das vom Vulkanausbruch betroffene Gebiet. Sie betrifft vor allem die Zusammenarbeit von Behörden und Einsatzkräften und versetzt diese in die Lage, durch Beschränkungen, Sperrungen und Evakuierungen Sicherheit für die Bevölkerung zu schaffen.

Keine Touristen am Krater
Gestern hatte der Polizeichef von Suðurnes allerdings auch angekündigt, dass Touristen in naher Zukunft keinen Zutritt zum Ausbruchsgebiet am Sundhnúkur erhalten werden. Das Interesse ist dennoch gross, und bislang hatten Ausbruchslustige nur Hubschrauberflüge buchen können. Alle anderen, die sich zu Fuss in das gesperrte Gebiet aufgemacht hatten, sind von Einsatzkräften zurückgeschickt worden. Seit 19 Tagen quillt Lava aus immerhin noch zwei Kratern, und wenig deutet darauf hin, dass der Ausbruch zuende gehen könnte.

Polizeichef Úlfur Lúðvíksson gab Vísir gegenüber an: „Wie es im Moment aussieht, können wir keine weiteren Aufgaben übernehmen. Das muss bis zum Frühjahr warten.“ Man sei vollauf damit beschäftigt, Unwillkommene aus Grindavík fernzuhalten. Würde man Besuchern erlauben, den Vulkanausbruch zu besuchen, hätte man die Besucher auch in Grindavík stehen. Dort lauern jedoch gefährliche Erdspalten, und den Anwohnern war dringend abgeraten worden, in ihre Heimatstadt zurückzukehren. Der Ort muss jedoch bewacht werden, unter anderem weil es in den vergangenen Wochen mehrere Diebstähle gegeben hatte.

Úlfur hofft, dass der Vulkanausbruch bald zuende geht. „Das würde uns helfen.“

Journalistenverband erklagt Zutrittsgenehmigung
Islands Journalistenverband hatte sich mit dem Zutrittsverbot nicht zufrieden gegeben und geklagt. Heute nun wurde eine Einigung zwischen dem Verband und dem Justizministerium erzielt. Einer Erklärung zufolge herrsche Konsens darüber, dass Journalisten eine wichtige Überwachungs- und Informationsrolle spielen, und dass für die Einschränkung ihrer Meinungsfreiheit gute Gründe vorliegen müssten. Aufgrund des Zivilschutzgesetzes verfüge die Regierung über Befugnisse, um im Krisenfall schnell und gezielt reagieren zu können, wie etwa den Zugang zu bestimmten Bereichen einzuschränken. Die Beschränkungen, die die Regierung Journalisten in einer Gefahrensituation möglicherweise auferlegen muss, sollten in der Regel nicht größer sein als die, die anderen Einsatzkräften aus Sicherheitsgründen auferlegt werden.

 

 

Reykjanes: Formschöner Krater erhebt sich 25 Meter aus der Lava

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An der Spalte Sundhnjúksgígarröð, aus der seit fast zwei Wochen Lava quillt, hat sich erstmals ein formschöner Krater gebildet, berichtet Vísir. Zu Beginn des Ausbruchs strömte die Lava auf einer Länge von etwa vier Kilometern an die Erdoberfläche, in den darauffolgenden Tagen war diese Förderstrecke auf einzelne Krater zusammengeschrumpft. Dem Dronenfotograf Ísak Finnbogason gelangen nun Aufnahmen des Kraters. Das Eruptionsgebiet liegt in unzugänglichem Gelände.

Landhebung schwer zu interpretieren
Die Vulkanologin Lovísa Mjöll Guðmundsdóttir geht davon aus, dass der Ausbruch noch eine Weile erhalten bleibt, berichtete RÚV gestern. Drei Krater sind noch aktiv, und in Svartsengi hebt sich das Land bereits wieder, wenn auch weitaus langsamer als vor dem derzeitigen Magmaeinschuss. Es sei schwer zu sagen, ob die Landhebung den Ausbruch mit Magma füttere, oder ob sich unter Svartsengi wieder Magma ansammle.
Der Lavafluss stehe unter ständiger Beobachtung, erklärt Lovísa Mjöll. Jeden Tag prüfe man die Entwicklung, um entscheiden zu können, wo und wie die Schutzwälle erhöht werden müssen.

Begrenzter Zugang zum Eruptionsgebiet
Das Kratervideo und das obige Foto stammt vom 24. März, und ist eins der besten, die vorliegen. „Solches Bildmaterial ist sehr willkommen, um sich zu orientieren, immerhin gibt es nur sehr begrenzten Zugang zum Eruptionsgebiet, und die Aufnahmen aus den Webcams sind eigentlich die einzigen verfügbaren,“ schrieb die Vulkan- und Naturkatastrophengruppe Südisland gestern auf ihrer Facebookseite. Ísaks Video zeige gut, wie der formschöne grösste Krater enstanden sei. Seine Lage ähnelt bekannten älteren Kratern auf der Halbunsel Reykjanes, wie etwa der im Lavafeld Stampa am Kraftwerk Reykjanesvirkjun.

Der Krater erhebt sich 20 bis 25 Meter hoch über das Lavafeld und rund 40 Meter über dem Land vor dem Ausbruch, heisst es in dem Beitrag.

Hier gibt es das Dronenvideo von Ísak Finnbogason: