Namensliste der Íslandsbanki-Aktionäre veröffentlicht

Nachdem Opposition und Öffentlichkeit den niedrigen Aktienpreis und den generellen Mangel an Transparenz beim Verkauf des 22,5 Prozentanteils der Íslandsbanki durch die Regierung kritisiert hatten, hat das Finanzministerium gestern Abend die Liste der Investoren veröffentlicht. Der Aktienverkauf am 22. März hatte in den Abendstunden hinter verschlossenen Türen stattgefunden, die Käufer waren handverlesen und eingeladen gewesen und hatten ihre Aktienpakete zu Vorzugspreisen erwerben können. Gleich am nächsten Tag war der Aktienwert der Íslandsbanki gestiegen.

Alte Bekannte unter den neuen Aktionären
Wie Stundin berichtet, haben 209 Investoren an dem Verkauf partizipiert, der Löwenanteil ging dabei an isländische Rentenfonds. Alle anderen Investoren erwarben jeweils weniger als vier Prozent der verfügbaren Aktien.
Unter den bekannteren Namen befinden sich Jón Ásgeir Jóhannesson, der grösste Aktionär der Vorgängerbank Glitnir vor dem wirtschaftlichen Kollaps in 2008, der Geschäftsführer von Samherji und frühere Glitnir-Vorstand Þorsteinn Már Baldvinsson, sowie Benedikt Sveinsson, der Vater von Finanzminister Bjarni Benediktsson. Auch der in einen Vergewaltigungsskandal verwickelte zurückgetretene Chef der Investmentbank Straumur, Þórður Már Jóhannesson, befindet sich unter den Aktienkäufern.
Hier gibt es die vollständige Liste der Investoren.

Aktie mit Wachstumsgarantie
Die Aktieneinkäufer mussten nicht lange auf ein lohnendes Geschäft warten, nur wenige Tage nach dem Verkauf verzeichnet die Aktie ein Plus von 11 Prozent.
Stundin rechnete nach, dass der Vater des Finanzministers bereits sechs Millionen Kronen Gewinn mit seinem Aktienpaket gemacht hat, während das Fischereiunternehmen Jakob Valgeir ehf. schon 102 Millionen Kronen mehr auf dem Konto hat.
Íslandsbanki war nach dem Wirtschaftskollaps vom Staat übernommen worden, in 2021 war dann ein Anteil von 45 Prozent verkauft worden. Während der Verkauf im letzten Jahr für die Öffentlichkeit zugänglich gewesen war, stand der Verkauf vom 22. März nur professionellen und persönlich geladenen Investoren offen, wobei die Aktien nach Börsenschluss zu einem Discount von 5 Prozent innerhalb von nur drei Stunden veräussert wurden.

Die isländische Landesbankenverwaltung (ISFI) hatte zuvor angegeben, sie sei nicht in der Lage, die Daten der Käufer zu veröffentlichen, weil die Namen unter das Bankengeheimnis fielen. ISFI Chef Lárus Blöndal hatte noch gestern Morgen in einem Interview angegeben, dass bei solchen Transaktionen im Ausland die Käufernamen niemals genannt würden. Am selben Abend gab das Finanzministerium dann die Namen frei.