Regierung kündigt finanzielle Unterstützung für Landwirte an

Landwirtschaftsministerin Svandís Svavarsdóttir, Finanzministerin Þórdís Kolbrún Reykfjörð Gylfadóttir und Infrastrukturminister Infrastructure Sigurður Ingi Jóhannsson haben der Regierung eine Liste mit möglichen Massnahmen vorgelegt, um Landwirte in finanziellen Schwierigkeiten während der aktuell schwierigen wirtschaftlichen Lage zu unterstützen.
Die Massnahme zielen darauf ab, die Anwerbung von Landwirten zu fördern und junge Landwirte zu unterstützen, sowie eine effizientere systematische Unterstützung für die gesamte Agrarindustrie bereitzustellen, die mit erhöhten Kapitalkosten und einem langfristigen Mangel an Rentabilität zu kämpfen hat.

Die Initiative der Regierung war durch eine kürzlich stattgefundene Grossveranstaltung junger isländischer Landwirte angeregt worden, bei der die Behörden aufgefordert wurden, Maßnahmen zu ergreifen, um die dringenden Probleme des Sektors zu lösen. Die Maßnahmen sehen bis Ende 2023 die Auszahlung von insgesamt 1,6 Mrd. ISK [10,7 Mio EUR] an 982 Landwirte vor.
Der stellvertretende Vorsitzende des isländischen Bauernverbandes sagt, es sei ein Meilenstein für die Regierung, die Probleme zu erkennen, mit denen die Landwirte konfrontiert seien, dass jedoch zusätzliche 12 Mrd ISK erforderlich seien.

 

Junge Landwirte in der Krise, Arbeitsgruppe soll Lösungen finden

Minister of Agriculture, fisheries and food Svandís Svavarsdóttir

Der Bund junger Landwirte verlangt von der Regierung sofortige Massnahmen, um eine Krise in der Branche zu verhindern. Landwirtschaftsministerin Svandís Svavarsdóttir hat nun eine Arbeitsgruppe damit beauftragt, mögliche Lösungen aufzuzeigen.

Gestern hatte der Bund junger Landwirte (Samtök ungra bændur) bei einer gutbesuchten Veranstaltung in Kópavogur die kritische Lage innerhalb der isländischen Landwirtschaft angemahnt. Verbandleiter Steinþór Logi Arnarsson verlangte von der Regierung die Ergreifung sofortiger Massnahmen, um drohende Insolvenzen und eine Entvölkerung der ländlichen gebiete zu verhindern.
Vom Gesetzgeber vorgeschriebene Neuerungen und Aufrüstungen vor allem im Tierhaltungsbereich haben viele Betriebe zur Aufnahme von Krediten gezwungen, und mancher Landwirt ist kaum noch in der Lage, von seiner Hände Arbeit zu leben. Gleichzeitig sei immer wieder davon die Rede dass die isländische Landwirtschaft für die Nahrungsmittelsicherheit des Landes zu sorgen habe.

In einem Interview mit RÚV bestätigte die Ministerin für Landwirtschaft, Svandís Svavarsdóttir, den Ernst der Lage: “Das ist ein schweres Problem zu einem gewissen Mass, und wir sehen, dass die aktuellen Bedingungen nicht opimal sind.” bemerkte sie und bezog sich unter anderem auf die mit dem Staat geschlossenen Agrarerzeugnisverträge. Am meisten drücke die jungen Landwirte die hohen Zinsen und die Inflation.

Sie habe eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die das Problem analysieren und in den kommenden Wochen Lösungsvorschläge liefern soll. Innerhalb der Regierung gebe es einen Konsens darüber, das Problem zeitnah angehen zu müssen.
“Es gibt ja unglaubliche Chancen innerhalb der isländischen Landwirtschaft,” sagte die Ministerin. “Wir haben viel Wasser, wir haben viel Land, und wir haben viele gutausgebildete und starke Leute. Ich möchte dazu beitragen, jungen Landwirten Mut und Optimismus zu vermitteln.”

 

Zollfreier Fleischimport aus Ukraine durch Parlament und Genossenschaft beendet

Bei der Hauptversammlung der Genossenschaft Kaupfélag Skagfirðinga (KS) am 6. Juni ist der Vorstand per Resolution angewiesen worden, keine ausländischen Agrarprodukte mehr zu importieren. Der Beschluss kam zeitgleich mit der Entscheidung des Parlaments, die zollfreie Einfuhr von ukrainischem Fleisch zu beenden, berichtet Vísir.
Die Entscheidung ist besonders bemerkenswert im Bezug auf letzteres, dass nämlich Parlamentsabgeordnete die Ausnahmeregelung für den zollfreien Import von Agrarprodukten aus der Ukraine nicht verlängern wollen. Diese Ausnahmegenehmigung war eine der Hauptmöglichkeiten der Isländer gewesen, die Ukraine zu unterstützen. Eine ganze Reihe Abgeordneter war ans Redepult getreten und hatte ihrer Enttäuschung über den Beschluss Luft gemacht. Zuvor hatten der Vorsitzende des Arbeitgeberverbandes sowie Abgeordnete der Reformpartei angegeben, Interessensvertreter aus der Landwirtschaft hätten Druck ausgeübt und damit eine Verlängerung der Ausnahmegenehmigung verhindert.

Inländische Produktion stärken
KS-Genossenschaftsdirektor Sigurjón R. Rafnsson sagte, der Beschluss der Hauptversammlung sei eine klare Botschaft dazu, wofür die Genossenschaft und ihre Tochtergesellschaften stünden. Das Ziel müsse sein, die inländische Fleischproduktion zu erhöhen.
„Island sollte alle seine Fleischerzeugnisse nach Möglichkeit selber produzieren, so wie das aus Norwegen bekannt ist, wo der inländische Produktonsanteil bei über 90 Prozent liegt. Wir haben die Bodenqualität, das Wasser und die Kapazität zur Mehrproduktion. Aber um dieses Ziel zu erreichen, muss die Regierung mit mehr Unterstützug dazukommen. Die Unterstützung der isländischen Landwirtschaft ist gefährlich gering, im Vergleich zur Unterstützung in Europa, und die Produktionszentren können die Lücke alleine nicht schliessen,“ zitiert das Bændablaðið Sigurjón.

In einem weiteren Beschluss wurde der Vorstand aufgefordert, dafür zu sorgen dass Genossenschaft und Tochtergesellschaften keine Agrarprodukte verkaufen, deren Herkunft nicht ganz klar erkennbar und und auf der Verpackung ausgezeichnet ist. Eine dritte Partei müsse die Erzeugnisse aus der Schlachtung als isländisch zertifizieren.
Schliesslich wurde ausdrücklich betont, dass der Genossenschaftvorstand und die Geschäftsführer der Konzerngesellschaften ihren Einlegern, also den Landwirten, helfen sollen, ihre Arbeitsbedingungen bestmöglich zu gestalten und danach zu streben, für die Agrarprodukte eine möglichst hohe Rendite an die Landwirte auszuzahlen.

Ungehinderter Landaufkauf bedroht traditionelle Landwirtschaft

Der ungehinderte Aufkauf von Ländereien durch einheimische und ausländische Reiche bedroht die Erneurung vieler landwirtschaftlicher Zweige in Island.
Wie vielerorts in Europa konkurrieren auch auf der Insel finanzstarke Parteien darum, Land zu kaufen, um Kohlenstoffzertifikate zu produzieren, die sich zu einem viel lukrativeren Rohstoff entwickeln als traditionelle landwirtschaftliche Produkte, berichtet Fréttablaðið.
Auf der anderen Seite habe junge Landwirte kaum oder keine Möglichkeit mehr, Höfe mit dazugehörigen Gebäuden und Maschinen zu erwerben, um den landwirtschaftlichen Betrieb weiterzuführen.

Fehlende Zukunftsvision in Island
„So ist der Stand heute – und er ist eine Folge davon, dass es in Island keine Zukunftsvision gibt,“ kritisiert Trausti Hjálmarsson, Bauer auf Austurhlíð im Biskupstungur und Vorsitzende des Schafzüchterverbandes. “Lebensmittelsicherheit gibt es im isländischen Denken nur unter ferner liefen.”
Die Entwicklung bereite ihm Sorge. “Das Durchschnittsalter isländischer Schafbauern geht auf die 60 zu und wird in den kommenden Jahren weiter ansteigen.”

Der Vorsitzende des Bauernverbandes, Gunnar Þorgeirsson, ist derselben Ansicht. “Generell steigt das Durchschnittsalter der Landwirte in Island. Bei Überprüfung des Agrarproduktegesetzes 2019 wurde deutlich, dass wir Gartenbaubetriebe zu den Ältesten der Branche geworden sind – da war ich doch etwas erschrocken,“ sagt Gunnar, der den Gemüseanbau Ártangi in Grímsnes betreibt.

Ländereien verschwinden aus der Produktion
Beide sind sich einig, dass diese Entwicklung bedenklich ist. Immer mehr subventionierte Ländereien geraten in den Besitz Reicher, wie etwa Höfe, die Land an Lachsfischflüssen besitzen. Der britische INEOS-Multimillionär Jim Ratcliffe etwa besitzt inzwischen über 40 Höfe im Osten des Landes, vorgeblich, um den wilden Lachsbestand in Island zu schützen. Er ist durch alle möglichen Beteiligungen neben dem Staat der grösste Landeigentümer in Island.
Andere Ländereien werden als Bauland für Sommerhäuser veräussert. Und dann sehen viele finanzstarke Investoren neuerdings ein neues Spielzeug im Landkauf zur Aufforstung, um dann die Kohlenstoffzertifikate verkaufen zu können.
„Die traditionelle Landwirtschaft kann mit dem enormen Kapital, das in diese Landaufkäufe fließt, nicht mehr konkurrieren,“ sagt Trausti. Gunnar nennt das Kind beim Namen: „Landkauf ist in diesem Land unbeschränkt. Und das bedeutet, dass wer auch immer was auch immer und wo auch immer kaufen kann, zu jedem Preis.“

Fordern Debatte um Gesamtbild
Immerhin die Hektarzahl ist vor zwei Jahren vom Parlament beschränkt worden, dem damals beschlossenen Gesetz nach ist bei 10.000 Hektar pro Rechtsperson Schluss. Ratcliffes Besitztümer liegt weit darüber, und er hatte seinerzeit mit einer Klage vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gedroht.
Gunnar zufolge sei die Lage in Schottland ähnlich. Dem Bericht eines schottischen Landwirts zufolge befinde sich ein grosser Teil des Landes in der Hand von 400 Reichen.
In Dänemark hingegen gibt es zumindest eine Wohnsitzpflicht auf Höfen, ganz gleich, ob der Eigentümer den Hof verpachtet oder selbst dort wohnt.

Eine Debatte um das Gesamtbild sei dringend nötig. “Die Höfe werden für himmelhohe Summen verkauft, die kein normaler Mensch zahlen kann.”
„Die isländische Landwirtschaft hat einen Punkt erreicht, an dem sie die damit verbundenen Investitionen nicht mehr bewältigen kann.“ kritisiert Trausti.

 

Antibiotikaverbrauch in isländischer Landwirtschaft am niedrigsten im EU-Vergleich

Einer in der vergangenen Woche erschienenen Studie der Europäischen Arzneimittelbehörde zufolge ist der Antibiotikaverbrauch der isländischen Landwirtschaft in allen europäischen Ländern am niedrigsten. Nur Norwegen steht noch besser da.

Wie das Bændablaðið schreibt, bestätigt diese Studie einmal mehr die einzigartige Stellung der isländischen Lebensmittelproduktion.
Innerhalb der Europäischen Union benutzt Schweden die wenigsten Antibiotikapräparate, 11,1 mg/CPU, das sind immer noch dreimal mehr Antibiotika als Island.
Der hohe Antibiotikaverbrauch in der Landwirtschaft, und auch in der Humanmedizin, steht in direktem Zusammenhang zur Entstehung multiresistenter Keime, die als grösste Bedrohung für die Menschheit gelten. Infektionen durch multiresistente Keime katapultieren Gesundheitssysteme im Kampf gegen Krankheiten zurück in das vergangene Jahrhundert, hinzu kommen hohe Kosten für die Sozialgemeinschaft, sowie eine hohe Sterberate. Heute sterben in Europa tausende Patienten an den Folgen von Infektionen durch multiresistente Keime.

Als Hauptgrund für den geringen Antibiotikaverbrauch in Island gilt die einzigartig gute Gesundheit des isländischen Viehbestands. Die Kriterien zum Einsatz von Antibiotika sind streng und zielen darauf ab, den Verbrauch noch weiter zu senken.
In der Studie wurde der Antibiotikaverkauf in 31 europäischen Ländern zwischen den Jahren 2010 und 2020 untersucht. Demnach betrug der Gesamtverkauf von Anibiotika in der Lebensmittelproduktion (Agrar und Fischwirtschaft) im Jahr 2019 in den 31 Ländern 5,214,9 Tonen.
Spanien stand mit 1,007,2 Tonnen Antibiotika an der Spitze der Tabelle, gefolgt von Polen mit 840,6 Tonnen, Italien mit 731,3 Tonnen, Deutschland mit 654,5 Tonnen und Frankreich mit 407,4 Tonnen.

Screenshot Bændablaðið

Aus all diese Ländern werden beträchtliche Mengen an landwirtschaftlichen Erzeugnissen nach Island importiert, vor allem Rind- und Schweinefleisch aus Spanien und Deutschland.
Deutschland hingegen ist einer der Hauptabnehmer für PSMG, ein in Island aus dem Blut tragender Stuten hergestelltes Fruchtbarkeitspräparat.

In Island liegt die Menge an verkauften Antibiotika für den Einsatz bei Tieren bei 0,5 Tonnen. Norwegen kaufte 4,7 Tonnen, Schweden 8,6 Tonnen, Finnland 9,4 Tonnen und Dänemark 87,7 Tonnen.

Bauern fürchten Futtermangel im Winter

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Die erste Heuernte des Sommers ist für viele Bauern im Norden und Osten des Landes eher enttäuschend ausgefallen, berichtet RÚV. Viele fürchten, dass sie ihren Viehbestand im Herbst reduzieren müssen, weil sie nicht genügend Futter haben. Ein kalter und trockener Frühling ist schuld an dem schlechten Graswachstum, doch besteht noch Hoffnung, dass der zweite Schnitt mehr Ertrag abwirft.

“In meinen 46 Jahren als Bauer war das, glaube ich, der schlimmste Frost, den ich persönlich erlebt habe, aber das ist von Hof zu Hof unterschiedlich,” sagt Sveinbjörn Þór Sigurðsson auf Búvellir im Aðaldalur in Nordisland. Sveinbjörn sagt, 80 bis 90 Prozent seiner Heuwiesen seien im Frühjahr noch gefroren gewesen, und das trockene Wetter hatte die Lage nur verschlechtert. “Auf den meisten Höfen hat man um die Hälfte weniger Heu vom ersten Schnitt,” sagt er, “hier und auch anderswo.”

Die Gemeinde Þingeyjarsýsla, wo Sveinbjörns Hof liegt, war in diesem Frühjahr am schlimmsten von dem trockenen Frostwetter betroffen, auch wenn es andere Höfe im Osten des Landes ebenfalls böse getroffen hat. Die im Frühjahr noch gefrorenen Felder waren oft neu angesät und hätten das beste Futter gebracht.

Im Süden und Westen Islands war das Wetter heufreundlicher gewesen, hier müssen die Bauern keinen Futtermangel fürchten. Sveinbjörn sagt, trotz des schlechten Frühlings hätten seine Kollegen noch grosse Hoffnungen auf einen guten zweiten Schnitt im Sommer.
“Diese Probleme machen dich nur stärker, und wir Bauern haben oft schlechte Zeiten gehabt. Aber wir kommen immer klar damit.”

Freiwilligenliste für die Landwirtschaft startbereit

Fast einhundert Personen haben sich in eine Reserveliste für die Landwirtschaft in Island eingetragen, um in landwirtschaftlichen Betrieben im ganzen Land zu helfen, berichtet Vísir. Die Initiative, die der isländische Bauerverband (BÍ) gestartet hatte, schickt Aushilfsarbeitskräfte auf Höfe, wo der Landwirt an COVID-19 erkrankt ist und sich nicht um den Betrieb kümmern kann.

Bislang haben sich sechs Landwirte im Vestur-Húnavatnssýsla im Nordwesten des Landes mit dem neuen Coronavirus infiziert.

“Fast 100 Leute sind auf unserer Liste, “ sagte Guðbjörg Jónsdóttir, die Projektmanagerin beim Bauernverband. “Ich bin wirklich gerührt, wie das Land über seine Bauern denkt und bereit ist zu helfen. Da sind Leute, die Erfahrung und Können haben und eine Ausbildung in der Landwirtschaft haben, und dann gibt es die, die ihren Job im Tourismussektor verloren haben, und dann Ratgeber – alles wirklich gute Leute aus dem ganzen Land.”

Bislang hatten die infizierten Landwirte im Nordwesten ihre Betriebe mit Hilfe von Familienmitgliedern oder Arbeitskräften au der Nachbarschaft aufrechterhalten können. Noch ist nicht bekannt, welche anderen Höfe von der Seuche betroffen sind, aber mit der Freiwilligenliste hofft der Bauernverband, weitere Störungen im Landwirtschaftssektor zu umschiffen, da der Virus sich weiter ausbreitet.
“Der Virus ist offenbar auf dem Weg,” sagt Guðbjörg, “und die Lammzeit beginnt in etwa einem Monat. Das ist die grösste Besorgis, wie wir damit umgehen sollen.”