Reykjanes: ein aktiver Krater, neue Entwicklungen im Gange

Svartsengi, crater, eruption

Von den vormals drei Kratern am Sundhnúkur ist noch ein Krater aktiv, der inzwischen 25 Meter über der Lavadecke in die Höhe gewachsen und weithin auszumachen ist. Die Vulkangruppe Südisland hatte in einem Facebookbeitrag angemerkt, es sei nur noch eine Frage der Zeit, wann die Lava nicht mehr nach Süden, sondern nach Norden fliesse.
Aus dem Krater ergiesst sich ein Lavastrom nach Süden und bildet einen See. Aus diesem Lavasee fliessen kleinere Ströme in alle Richtungen, aber es scheint auch unterirdische Kanäle zu geben.
„Die Lavadecke südlich des Kraters ist inzwischen höher als das Land nördlich des Kraters. Die Lavadecke hat die Senke zwischen den Bergen Hagafell und Vatnsheiði ausgefüllt,“ schreibt die Vulkangruppe. Wenn die Lava ihre Flussrichtung nach Norden ändere, würde sie über die grosse Lavadecke aus dem Winter fliessen. Die Vulkangruppe schätzt, dass es da ein Gefälle von zehn bis 15 Metern gibt, über das Lava dann einen leichten Weg nach Norden hätte.

Neue Ausbruchsphase mit stetigem Lavafluss
Der Geologe Ari Trausti Guðmundsson schrieb gestern auf seiner Facebookseite, die wachsende Landhebung bei Svartsengi könne dazu führen, dass sich neue Magmakanäle im Spaltensystem öffneten. Er hält es für möglich, dass das Gebiet in eine neue Ausbruchsphase eingetreten ist, berichtet Vikurfréttir.
„Das Zusammenspiel von Magmakammer und einem weitaus grösseren Magmareservoir in 10 bis 20 Kilometern Tiefe unter dem Vulkansystem von Svartsengi ist jetzt sichtbar. Nach wiederholten Lavausbrüchen nordöstlich von Grindavík gibt es nun einen offenen Magmagang zwischen den Überresten der Lavaspalte vom 16. März und dem Zufluss aus dem Reservoir in die Kammer.“ schreibt Ari Trausti. Der Ablauf habe sich geändert. Jetzt fliesse die Magma stetig, wie beim Ausbruch in den Geldingadalir. „Der Druck von unten wird stärker, weil sich das Land über der Magmakammer wieder hebt.“ Das könne die Aktivität des Kraters verstärken, der im übrigen 2000 Jahre alt sei.

Dronenvideo zeigt Krater
Heimildin veröffentlichte heute ein Dronenvideo, welches den aktiven Krater aus der Sicht von Grindavík und dem Erdwärmekraftwerk Svartsengi zeigt.
Die benachbarte Blaue Lagune, die ihr heisses Wasser aus dem Kraftwerk erhält, hatte heute Mittag nach dreiwöchiger Zwangspause wieder ihre Türen für Badegäste geöffnet. Auf dem Lagunengelände sind eine Vielzahl von Gasmessgeräten und eine Wetterstation installiert, liess die Polizeidirektion von Suðurnes wissen. Auch eine Sirene befindet sich auf dem Gelände.

Die Badeanlage ist seit letztem November vulkanbedingt fünfmal für insgesamt 106 Tage geschlossen worden, schreibt Heimildin. Beim ersten Mal dauerte die Schliessung vom 9. November bis 17. Dezember. Am 18. Dezember brach der Vulkan an den Sundhnúkagígar aus, und die darauf folgende Schliessung dauerte bis zum 6. Januar.
Acht Tage später, am 14. Januar, gab es einen weiteren Ausbruch an der Kraterreihe Sundhnúkagígaröð, die Lagune wurde evakuiert und war vom 8. bis 16. Februar geschlossen. Zwei Wochen konnte der Badebetrieb aufrecht erhalten werden, am 2. März kam dann die nächste Schliessung. Noch während dieser Schliessung hatte ein Angestellter wegen Gasvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert werden müssen.
Die Polizeidirektion Suðurnes hatte gestern vermeldet, in der Region Grindavík und Svartsengi seien hohe Schwefeldioxidwerte gemessen worden. Allen Personen in der Region war geraten worden, sich im Haus aufzuhalten, Fenster zu schliessen und die Klimaanlage abzuschalten.
Aktuelle Messungen zur Luftqualität findet man auf loftgaedi.is.

Reykjanes kann jederzeit erneut ausbrechen

Reykjanes, volcano, eruption

Ein erneuter Vulkanausbruch auf der Halbinsel Reykjanes könnte sich schon in der kommenden Woche ereignen, berichtet RÚV. Die Landhebung bei Svartsengi geht rascher voran als vor dem letzten Ausbruch am 14. Januar. Kristín Jónsdóttir, die Leiterin der Abteilung für Naturkatastrophen beim isländischen Wetteramt, sagt, ein Ausbruch oder ein ähnliches vulkanisches Ereignis könnte sich mit minimaler Vorwarnung ereignen.

Magmakammer unter Svartsengi
Das Land am Erdwärmekraftwerk Svartsengi und an der Touristenlagune Blue Lagoon hat sich an den vergangenen Tagen täglich um bis zu acht Millimeter gehoben, und ist damit rascher unterwegs als vor dem letzten Ausbruch am 14. Januar.
Das weist darauf hin dass die Magmakammer unter dem Svartsengi-Gebiet sich ausdehnt und entweder aufbrechen und einen Vulkanausbruch verursachen, oder einen Magmatunnel bilden, wie jener, der Ende letzten Jahres unter dem Küstenort Grindavík entstanden war.

Minimale Vorwarnung
Kristín glaubt dass solch ein Ereignis nicht weit hergeholt ist. „Sollte der Prozess im gleichen Tempo voranschreiten wie zuvor, dann kann man damit rechnen dass es im Februar, Mitte Februar oder sogar in der kommenden Woche zu einem Ausbruch kommen könnte,“ erklärte sie.
„Die Magma könnte dort losströmen, ohne besondere seismische Aktivität und ohne uns grossartig zu warnen.“ Beim Dezemberausbruch an den Sundhnjúkargígar hatte die Erde eine Stunde vor dem Ausbruch zu beben begonnen.

Schweres Erdbeben in Reykjavík möglich
Auch in Reykjavík sollten Bewohner darauf vorbereitet sein, dass sich dort ein Erdbeben der Stärke M6 und höher ereignen kann. Die Beben, die am letzten Wochenende südöstlich der Heiðmörk aufgezeichnet worden waren, seien auf Plattenverschiebungen an der Hvalhnjúks-Verwerfung zurückzuführen, sagt Kristín. In dem Gebiet ereigneten sich alle 50 Jahre schwere Erdbeben mit einer Stärke um M6. Das letzte Beben dort wurde im Jahr 1968 aufgezeichnet, davor gab es 1929 ein schweres Beben.
Die Hauptstadtfeuerwehr erinnert daran, dass es auf der Seite des isländischen Zivilschutzes Anweisungen gibt, wie man sich bei Erdbeben zu verhalten hat.

 

Reykjanes: Landhebung und Chancen auf neuen Ausbruch

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Das Land bei Svartsengi hebt sich weiter, und damit ist die Gefahr auf der Halbinsel Reykjanes alles andere als gebannt. Auch weiterhin muss mit Erdbeben und möglicherweise weiteren Vulkanausbrüchen gerechnet werden. Daher soll in den kommenden Wochen ein Sirenensystem aufgesetzt werden, um die Sicherheit der Bewohner zu erhöhen, berichtet RÚV.

Chancen für neuen Ausbruch steigen täglich
Gestern war offiziell verkündet worden, dass der Ausbruch vom Montag vorüber ist. Auch der isländische Wetterdienst hatte ihn für beendet erklärt. Doch kaum war der Lavastrom versiegt, begann sich das Land um Svartengi herum anzuheben, und zwar rascher als vor dem Ausbruch.
In einer Mitteilung der Wetterbehörde heisst es, dass die Landhebung vor dem Magmaeinschuss am 10. November dadurch gekennzeichnet war, dass sie sich verlangsamte und beruhigt hatte, kurz bevor der Ausbruch losging.

Man geht davon aus dass sich dieser Vorgang wiederholt, und weil sich das Land jetzt schneller hebt, es eher zu einem neuen Ausbruch kommen kann. Die Wetterbehörde ist der Ansicht, dass das Risiko mit jedem einzelnen Tag steigt. Wenn der Prozess im gleichen Tempo wie bisher vor sich geht, dann wäre der gleiche Zustand wie kurz vor dem Ausbruch am Sundhnjúkur in etwa zwei bis drei Wochen erreicht.

Weihnachten in Grindavík erlaubt
Dennoch hatten die Behörden der Bevölkerung von Grindavík erlaubt, sich nicht nur tagsüber in ihren Häusern aufzuhalten, sondern auch dort zu übernachten und die Weihnachtstage dort zu verbringen. Viele haben davon allerdings nicht Gebrauch gemacht. Ewa 400 Personen waren heute in den Ort gefahren, die meisten verbrachten ihre Zeit jedoch eher mit Packen. Nur wenige blieben zuhause. Die allermeisten haben inzwischen eine Unterkunft gefunden, wo sie auch die Weihnachtstage verbringen wollen.

Askja erwacht, Land hob sich um 35 Zentimeter

Der Vulkan Askja ist offenbar aus seinem 60 Jahre währenden Schlaf erwacht. Davon sind Vulkanwissenschaftler inzwischen überzeugt. “Was die Askja besonders macht, war die Landsenkung der letzten Jahrzehnte, seit Ende Juli letzten Jahres hat sich das ins Gegenteil gekehrt und das Land begann sich zu heben, und zwar relativ schnell,” erklärt der Geologe Magnús Tumi Guðmundsson RÚV gegenüber.
Wenn dieser Prozess weiter anhalte, könne er mit einem Vulkanausbruch enden. Die Landhebung misst inzwischen 35 Zentimeter, ihre Mitte befindet sich westlich des Sees Öskjuvatn.

Bislang wenig Erdbebentätigkeit
Einsatzkräfte und Vulkanforscher hatten sich im letzten Jahr und auch gestern getroffen, um die Lage zu besprechen. Seit der Schneeschmelze ist die Landhebung deutlicher zu erkennen.
Auf der Webseite der Wetterbehörde heisst es, die Landhebung entstehe durch vermehrten Druck an den Wurzeln des Vulkans. Als Grund nimmt man eine Magmaansammlung an, die sich etwa zwei Kilometer unter der Erdkruste befindet. Rechenmodellen zufolge verteilt sich die Magma dort waagrecht in der Erdkruste, mitten unter dem Vulkan.
Bemerkenswert in dem Zusammenhang ist, wie wenig Erdbebentätigkeit es im Vergleich zur Landhebung gibt. Sicher sei, dass die Askja eine ganze Zeit benötige, bevor sie reagiert und es einen Ausbruch geben könnte, erklärt Magnús Tumi.
“Aufgrund der Landsenkung der letzten Jahrzehnte könnte man es damit vergleichen, dass der Tank dort unten halbleer ist. Da muss erst mal ordentlich was rein, bevor die Grenze erreicht ist. Das ist die wahrscheinlichste Erklärung. ”

Kurze Vorwanzeit für Askjaeruption
Für die Region um die Askja ist eine kleinere Spalteneruption am wahrscheinlichsten. Sollte sich die Erde unter dem See öffnen, muss mit einer explosiven Eruption gerechnet werden, eine solche ereignete sich im Jahr 1926. Damals bildete sich die kleine Insel in der Seemitte.
Ein weiteres Szenario der Vulkanabteilung beim Wetterdienst zeigt ein Anhalten der Landhebung, die nicht mit einem Ausbruch endet. Eine Eruption hingegen würde sich mit Erdbebentätigkeit ankündigen, auch wenn die Vorwarnzeit mit einigen Stunden da eher kurz sei. Magnús weist darauf hin, dass sich zur Zeit viele Touristen in dem Gebiet befinden, deren Sicherheit man gewährleisten müsse.

Jeder Urlauber, der sich ins Hochland oder in abgeschiedene Regionen Islands begibt, ist wohlberaten, seine Reiseroute samt Telefonummer bei safetravel.is zu hinterlegen, damit er im Notfall schnell erreicht werden kann, bzw im Fall eines Unfalls die Suchtrupps wissen, wo sie ihre Suche konzentieren müssen.

 

Landhebung und Erdbeben auf der Halbinsel Reykjanes

Auf der Halbinsel Reykjanes hebt sich das Land erneut, berichtet RÚV. Die Hebung ist nördlich des Berges Keilir und südlich der Ausbruchsstelle am Fagradalsfjall festgestellt worden. Das Land um den Fagradalsfjall herum war während des Vulkanausbruchs wieder abgefallen, höchst wahrscheinlich weil die Magma aus der Kammer unter der Oberfläche abgeflossen war.
Neusten GPS Daten zufolge war die Absenkung des Landes Ende August abgeklungen, Mitte September hatte das Land sich erneut angehoben. Diese Hebung ist allerdings nur minimal, an den höchsten Punkten zwischen einem und zwei Zentimetern.

Nach Angaben des Wetterames ist die Magmaansammlung tief im Erdinneren der wahrscheinlichste Grund für die Hebung, auch wenn Wissenschaftler glauben, dass der Prozess zu einer monatelangen Welle seismischer Aktivität gehört, die Ende September am südlichen Ende des Keilir eingesetzt hatte. An der Oberfläche ist bislang nichts zu sehen, was bedeuten könnte dass die Magma sich der Erdoberfläche nähert.

Magmaansammlungen unter vulkanischen Systemen können manchmal nach Eruptionen auftreten. Daher ist die derzeitige Landhebung nicht unbedingt ein Zeichen dafür, dass Magma in naher Zukunft an die Erdoberfläche tritt. Es kann auch sein, dass dieser Vorgang Jahre oder Jahrzehnte dauert, was jedoch wissenschaftlich kaum vorhersagbar ist.
Seit dem 18. September hat es am Fagradalsfjall keinen Lavafluss mehr gegeben. Allerdings findet sich dort noch ausströmenendes Gas in geringen Mengen.

Am Morgen berichtet RÚV dass es in der vergangenen Nacht südwestlich der Bergregion Þrengsli und rund um Grindavík eine Erdbebenserie gegeben hat, deren stärkstes Beben mit 3,3 aufgezeichnet wurde. Das stärkste Beben bei Grindavík wurde mit 3,0 etwa 3,5 Kilometer nordöstlich des Ortes protokolliert.

 

Ungewissheitsstufe wegen Landhebung an der Askja

Die isländische Landespolizei hat nach Absprache mit der Polizeidirektion in Norðurland Eystra die Ungewissheitsstufe über den Vulkan Askja ausgerufen, weil sich dort das Land weiter hebt, berichtet Vísir. In der vergangenen Woche waren rasche Veränderungen an der Askja festgestellt worden, sowohl von den GPS-Geräten an Ort und Stelle, als auch auf inzwischen ausgewerteten Satellitenbildern.

Die wahrscheinlichste Erklärung dafür ist eine Magmaansammlung in einer Tiefe von zwei bis drei Kilometern. In der kommenden Woche wollen die Vulkanabteilung des isländischen Wetterdienstes und das Geologische Institut der Universität Messungen und Überwachung der Askja ausweiten, um das Verhalten des Vulkans besser zu studieren. Zuletzt ist die Askja im Jahr 1961 ausgebrochen, der Ausbruch dauerte etwa sechs Wochen an.

In der Ungewissheitsstufe des Zivilschutzes wird die Überwachung von Ereignissen verstärkt, welche zu einem späteren Zeitpunkt die Gesundheit und Sicherheit der Bevölkerung gefährden sowie Umwelt und bewohnte Gebiete bedrohen könnten. Diese Alarmstufe ist Teil des Organisationsplans beim Zivilschutz, um reibungslose Kommunikation und Information zwischen Einsatzkräften sicherzustellen. Für den Alltag der Bevölkerung hat die Ungewissheitsstufe keine direkten Auswirkungen.
Der Überflugcode für die Askja ist von grün auf gelb geschaltet worden. Dies erfolgt, sobald ein Vulkan mehr Aktivität als sonst zeigt.

 

Landhebung an der Askja, Vulkan wird engmaschig überwacht

An der Askja hat sich das Land um einige Zentimeter gehoben, nachdem es 40 Jahre lang abgesunken war, berichtet Vísir. Zuletzt war der Vulkan im Jahr 1961 ausgebrochen, die Absenkung war jedoch schon 1983 festgestellt worden. In einer Mitteilung der Vulkanabteilung beim isländischen Wetteramt heisst es, dass die Hebung seit Anfang August im westlichen Teil des Öskjuvatn in Nähe des Kraters Ólafsgígur festgestellt worden ist. Die GPS-Messstation dort ermittelte eine Hebung um fünf Zentimeter pro Monat.

Nach Aussage von Freysteinn Sigmundsson, Geologe am Geologischen Institut der Universität, könne man auch einen erhöhten Druck an den Wurzeln des Vulkans messen.
Damit wächst die Chance auf einen Vulkanausbruch an dem nordisländischen Touristenhighlight allerdings nicht unbedingt. Freysteinn bestätigt jedoch, jetzt sei die Zeit gekommen, den Vulkan gut zu überwachen, weil möglicherweise Magma in die Wurzeln des Systems eingeströmt sei.

Das ist schon des öfteren passiert, ohne dass es einen Ausbruch gab, weil sich die Lage wieder beruhigt hatte. Die Ereignisse können aber genauso gut Vorboten einer Eruption sein. “Weil der Vulkan vollkommen ruhig gewesen ist, darf man sagen, dass es korrekt ist, dies ernst zu nehmen,” erklärt Freysteinn. Noch bebt es nur verhalten in der Region, das muss jedoch nicht so bleiben. “Es ist normal, dass Erdbeben ein bisschen später dazukommen. Dass Bewegungen in der Erdkruste die ersten Anzeichen sind, ist nicht ungewöhnlich.”

Ein Vulkanausbruch in der Missetäterwüste (Ódáðahraun) hätte kaum Auswirkungen auf bewohnte Gebiete, denn für einen explosiven Ausbruch braucht es mehrere Magmaarten, die zusammenwirken.
Freysteinn macht sich da schon eher Sorgen um Touristen in der Region, die von einem vulkanischen Geschehen kalt erwischt würden. Dazu würde beispielsweise ein Ausbruch im See Öskjuvatn zählen, der heftigen Aschefall mit sich bringen würde. Freysteinn bezeichnet die Spekulationen als Zukunftsmusik, erst mal werde man Askja engmaschig überwachen und schauen, wohin die Reise dort geht.

Keine Magmaansammlung mehr in Reykjanes

Grindavík - Þorbjörn

Die Magmaansammlung unter dem Berg Þorbjörn auf der Halbinsel Reykjanes ist zum Erliegen gekommen, und auch die daraus resultierende Landhebung ist nicht mehr messbar. Wie die Erdbebenabteilung des isländischen Wetterdienstes meldet, ist auch die seismische Aktivität in der Region stark zurückgegangen. Dennoch sollten Bewohner der Region auch weiterhin mit Erdbeben rechnen und entsprechende Vorkehrungen treffen.

Ende Januar hatten die Behörden die Alarmstufe 2 (Ungewissheit) ausgerufen, weil sich ein paar Kilometer westlich des Berges Þorbjörn Magma ansammelte. Eine ganze Reihe von Erdbeben, sowie eine Landhebung konnten aufgezeichnet werden, beides deutete auf die Magmaakkumulation in der Region hin. Die Anwohner wurden auf einen möglichen vulkanischen Ausbruch vobereitet, obwohl die Behörden eher davon ausgingen, dass sich die Aktivitiät wieder beruhigen würde, wie es am Ende ja auch eingetreten ist.

“Anfang April liess die Landhebung am Þorbjörn nach, in der zweiten Monatshälfte hörte sie ganz auf. Es ist wahrscheinlich, dass sich die Region um den Þorbjörn zur Zeit von der grossen Spannung erholt, und die intrudierte Lava kühlt ab und zieht sich zusammen,” heisst es in einer Mitteilung der Erdbebenabteilung.

“Die aktuellen Beobachtungen und natürlich die Ereignisse der letzten Monate legen nahe, dass dort in der Region ein Langzeitprozess im Gange ist,” schreibt die Behörde. “Die Möglichkeit einer wieder erwachenden Aktivität in der nahen Zukunft am Þorbjörn, in Reykjanes oder andernorts auf der Halbinsel kann nicht von der Hand gewiesen werden.”

Die Behörde weist die Anwohner der Region an, auch weiterhin aktive Unfall- und Schadensprävention in ihren Häusern und Wohnungen zu betreiben. Das gilt auch für Bewohner des Grossraumes Reykjavík, wo Erdbeben in Reykjanes durchaus wahrgenommen werden können.

Grindavíks Bewohner zum Thema Vulkanausbruch informiert

Grindavík - Þorbjörn

In der Region rund um den Berg Þorbjörn, wo die Erde in den letzten Tagen kräftig gebebt hatte, ist es ruhig geworden. Benedikt Ófeigsson, ein Geologe der Erdbebenabteilung beim Wetterdienst, sagt, die Landhebung im Raum Grindsvík gehe im gleichen Tempo vor sich wie in den vergangenen Tagen. Das Land dort hatte sich innerhalb einer Woche um drei Zentimeter angehoben, doch gibt es keine Hinweise auf unterirdische Magmabewegungen, berichtet RÚV.

Nein, wir sehen keine Hinweise darauf. Das ist nur eine Ausdehnung an genau dem selben Ort wie die ganze Zeit, und es gibt keine Veränderungen. Wir schauen da auf einen kontinuierlichen Prozess.”

Möglicherweise nicht die erste Landhebung

Auch wenn die Anhebung des Landes auf eine Magmaansammlung in der Region deutet, so heisst das nach Ausage der Geologin Þóra Björg Andrésdóttir nicht, dass es bald einen Ausbruch gibt. “Der letzte Ausbruch in dieser Region hat sich um [das Jahr] 1200 ereignet. Man sagt, dass dies alle 800 bis 1000 Jahre passiert, und wir haben die Grenze erreicht. Auf der anderen Seite wissen wir nicht, ob es solche grossen Veränderungen in Bezug auf Anhebung des Landes schon zuvor gegeben hat, weil die Messtechnologie relativ neu ist. Wir haben das bisher nicht überwacht. Es könnte durchaus sein, dass das viele Male in den letzten hundert Jahren passiert ist.”

Massnahmenkatalog für Bürger vorgestellt

Gestern Nachmittag hatte in Grindavík eine Informationsveranstaltung für die Einwohner stattgefunden, über 1000 Leute waren gekommen. Zusätzlich war die Veranstaltung live übertragen worden. Wissenschaftler und Behördenvertreter präsentierten die Entwicklungen auf verständliche Weise und stellten Evakuierungspläne für den Ernstfall vor. Jeder Einzelne wurde aufgefordert, mit seinem persönlichen Umfeld einen Plan auszuarbeiten, für den Fall, dass es zu einer Evakuierung kommt. Es sei auch die Zeit gekommen, dichter zusammenzurücken und sich umeinander zu kümmern, vor allem was Kinder und Jugendliche betrifft.

Alle Personen, die sich in der Region aufhalten, werden im Ernstfall von der Notrufhotline 112 mit einer sms kontaktiert, und sind angehalten, die Anweisungen darin zu befolgen.

Bürgermeister Fannar Jónsson äusserte sich RÚV gegenüber zufrieden mit der Veranstaltung, sie habe ihren Zweck erfüllt. “Die Redner haben ihre Sache gut gemacht, und die Bewohner stellten wohlüberlegte Fragen. Ich habe gehört, dass die Leute zufrieden waren.”

Leben in einem vulkanischen Land

Der Geophysiker Magnús Tumi Guðmundsson, einer der Redner in Grindavík, erklärte, ein Ausbruch sei nicht sehr wahrscheinlich, auch wenn sich da Magma ausserhalb der Stadt sammle. “Der Grund für diese Vorbereitungsstufe ist, dass wir es nicht darauf ankommen lassen können. Wir müssen bereit sein, wir leben in Island und das ist ein vulkanisches Land.”

Selbst wenn es zu einem Ausbruch komme, würde es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht um einen explosiven Ausbruch handeln, sondern eher um langsam fliessende Lava. Damit hätten die Bewohner der Region genügend Zeit, sich in Sicherheit zu bringen.

Die isländische Strassenmeisterei hat die Aufgabe, die grösseren Fluchtwege aus Grindavík schnee- und eisfrei zu halten, damit eine Evakuierung im Ernstfall nicht am Glatteis scheitert.

Beim Zivilschutz und dem Energieversorger HS Orka sind Überlegungen im Gange, wie man einen möglichen Lavafluss umleiten könnte, damit Bauwerke und Strassen nicht beschädigt werden.