Botnapferde sind kulturhistorisches Kleinod, sagt Genetikerin

Das Bændablaðið liefert heute detailliertere Informationen zu der mysteriösen Pferdeherde aus dem Meðalland. Die Geschichte, so das landwirtchaftliche Blatt, sei vor allem deshalb so bemerkenswert, weil diese kleine Gruppe seit 70 Jahren keinen Kontakt zu anderen Pferden gehabt habe. Die sogenannten Botnapferde seien daher sowohl kulturelles Erbe von Islandpferd und Pferdezucht als solche, als auch eine genetische Fundgrube.

Die acht Pferde stammen, soweit ist man inzwischen gekommen, aus zwei Stuten, die in Botnar um das Jahr 1950 abgefohlt hatten. Eine von ihnen war eine Braunscheckstute von Bakkakoti im Meðalland, die andere eine Fuchsstute von Landholt im Meðalland. Die beiden wurden dann tragend von einem Hengst aus der Region und legten damit den Grundstein zu der aktuellen Gruppe, denn danach hat es wohl keine Kontakte mehr zu anderen Herden gegeben. Die kleine Herde hat sich seither im abgeschiedenen Landstrich Botna in der Skaftáreldahraun frei und ungebunden aufgehalten.

Pferdeumzug nach Árbæjarhjáleiga
Heute gibt es in der erblich vollkommen isolierten Gruppe einen Hengst und sieben Stuten. Es findet sich eine Fuchsstute zwischen lauter Braunschecken.
“Ich habe von diesen Pferden schon lange gewusst, bin vor 12 oder 14 Jahren das erste Mal dort hingefahren, habe aber nie etwas unternommen. Páll und Freyja Imsland hatten auch grosses Interesse und haben sich die Pferde angeschaut. Jetzt aber fand der Bauer Kjartan Ólafsson, es sei an der Zeit, die Pferde loszuwerden und war bereit, sie uns zu verkaufen.” erklärt Kristinn Guðnason von Skarð, der Bauer auf Árbæjarhjáleiga.
Vor einigen Tagen hat man die Pferde also abgeholt, und allerlei Leute begleiteten die Aktion, wie Halldór von Ytri Ásum, der Tierarzt Vilhjálmur Svansson mitsamt Helfern, Páll und Freyja Imsland, Kristinn Guðnason mit seinen Leuten, und der Parlamentsabgeordnete Ásmundur Friðriksson.
Und alle waren sie erstaunt, wie zahm und freundlich sich die Pferdchen beim Eintreiben und Verladen verhielten, offenbar sei Bauer Kjartan immer gut zu ihnen gewesen, vermutet Kristinn, denn der war der Einzige, der sie jemals angefasst hatte. Beim Transport hätten sie nicht einmal geschwitzt.

Beobachtung und erste Pläne
Die Pferde gelten als genetisch einzigartig. Sie sind zwischen vier und 18 Jahren alt, bleiben stets eng zusammen und der Hengst führt die Gruppe an oder treibt von hinten, wenn sie ihren Standort wechselt.
Kristinn, der die Herde nun auf seinem Hof beobachtet, findet sie ausgesprochen ruhig. Dem Herdenverhalten zufolge sei die Fuchsstute offenbar die älteste in der Gruppe, denn sie sei am misstrauischsten. Die jüngsten Stuten trinken noch bei ihren Müttern. Ansonsten könne man die Pferde anfassen, sie seien neugierg und freundlich.
Das Stockmass beträgt nicht mehr als 120 Zentimeter, im Gegensatz zu heute üblichen 142 Zentimetern. Die kurzen Hufe und das Haarkleid sehen sehr gut aus, alle sind rundum gesund.
“Die sehen aus wie die Pferde in den alten Tagen. Die sind dick, klein und vielleicht nicht besonders hübsch im Vergleich zum Zuchtziel,” findet Kristinn.
Die kleine Scheckenherde soll nun erst mal völlig in Ruhe gelassen werden, auch um herauszufinden, ob die veränderte Umgebung Auswirkung auf ihre Gesundheit hat, denn man weiss ja nicht, ob sie am neuen Ort Krankheitserregern ausgesetzt sind. Danach wolle man, so Kristinn, sich anschauen, ob sich die jüngsten Pferde zähmen lassen. Als nächstes sei der Plan, die Stuten von einem nicht verwandten Hengst decken zu lassen und zu schauen, was für ein Erbgut in diesen Nachkommen erscheint. Das Erbgut aus den Botnapferden könne nämlich von hohem Wert für den isländischen Pferdebestand sein.

Kulturhistorisches Kleinod
Wenn diese Pferde wirklich so isoliert gelebt haben, wie die Geschichte es will, dann könnten Vergleichsuntersuchungen von hoher kulturgeschichtlicher Bedeutung sein. Diese Pferde könnten nämlich über genetische Anlagen verfügen, die aus dem heutigen Bestand verschwunden sind, glaubt die Genetikerin Freyja Imsland.
“Man kann ruhig sagen, dass diese Herde eine genetische Quelle aus früheren Zeiten ist, aber auch ein genetischer Fundus. Ich habe möglicherweise eine andere Sicht auf die Genetik als Zuchtexperten, aber es ist sonnenklar, dass wir nach Beginn der systematischen Zucht genetische Vielfalt aus der Islandpferdepopulation verloren haben.” sagt Freyja.
“Wenn wir uns den aktiven Zuchtbestand aus der Sicht von Zucht und Sportpferdezucht betrachten und ihn mit dem Bestand von vor 70 Jahren vergleichen, dann ist die genetische Vielfalt heute viel geringer. Die Population als Gesamtes ist viel mehr untereinander verwandt als zuvor.” Damit steige die Gefahr von Erbfehlern in der Zucht.

Seit tausenden von Jahren, seit der Mensch zum ersten Mal Pferde für sich zähmte, hat er unsichtbare genetische Vielfalt aus den Pferden entfernt. Die immer weiter eingeschränkte Auswahl bei Zuchtpferden birgt Gefahren für die genetische Gesundheit. Mit der Zeit sehe man eine schlechtere Bestandsgesundheit, so Freyja, Fruchtbarkeitsprobleme, ein Ansteigen von genetisch bedingten Erkrankungen usw. Von daher sei die Entdeckung solch unberührter Pferde ganz grossartig und ein wichtiges kulturelles Kleinod, unbeschmutzt von den Betrachtungen der Pferdespekulanten und und von Zuchtkultur. Mit der Einkreuzung der Botnapferde in die Hauptpopulation stütze man die Gesundheit des Gesamtbestandes, und erhöhe die genetische Vielfalt. Freyja hält es für ausgesprochen wichtig, Pferde zu bewahren, die mit dem Grossbestand nicht verwandt sind.

“Wir wissen vielleicht noch nicht, was wir da genau in Händen halten, aber wir schulden es der Zukunft, dass wir das Islandpferd für sie bewahren. Unsere Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass zukünftige Generationen nicht in einer årmeren Welt leben. Diese Pferde machen die Welt mit Sicherheit an Vielfalt reicher. Und niemand weiss was er einmal gehabt hat, bevor er es verliert.” sagt Freyja, die einige der Botnapferde erworben hat.

 

Geheimnisvolle Pferdeherde im Skaftárhreppur entdeckt

Kopfzerbrechen bereitet einigen isländischen Pferdefreunden seit heute eine Pferdeherde, die offenbar sechzig Jahre lang, so schreibt Vísir, in Landbrot im Skaftárhreppur isoliert gewesen ist. Diese Pferde haben niemals einen Stall gesehen, oder einen Hufschmied, ihre Zähne sind nie geraspelt worden und Wurmkuren haben sie auch nie erhalten. Dennoch befinden sich die Tiere in einem erstaunlich gutem Zustand, auch wenn alle sehr kleinwüchsig sind. Schon wird spekuliert, ob da wohl eine neue Unterart des Islandpferdes gefunden worden sei.

Die acht Pferdchen sind nun von Landbrot nach Árbærjarhjáleiga í Holtum zu Kristinn Guðnason und seiner Familie gebracht worden, wo sie von Experten des Forschungsinstitutes Keldur untersucht wurden, unter anderem wurden allerlei Proben entnommen.

Kristinn Guðnason. Screenshot Vísir

Kristinn gilt als anerkannter Fachmann in Pferdekreisen, doch solche Pferde hat auch er noch nie gesehen. Diese Pferde, die viel kleiner als die normalen Islandpferde seien, hätten sich wohl selbst gezüchtet.
“Ja die sind klein, das kommt durch die Inzucht, dass die so klein sind und nur wenig Nachkommen haben, obwohl ein Hengst in der Herde ist. Letztes Jahr gab es ein Fohlen, in diesem Jahr keines,” erklärt Kristinn.
Die Experten prüfen nun, ob diese Pferdchen genetisch der heutigen Reitpferdezucht angehören, oder ob sich anderes Erbgut in den Pferden findet.

Und was tun wir jetzt mit unserem Fund?
“Wir wollen einfach, dass die es gut haben. Ihr Gemüt ist offenbar so beschaffen, dass sie sich gut an eine neue Umgebung gewöhnen. Die sind zahm und total furchtlos, vielleicht haben sie da vielen unserer Zuchtpferden so einiges voraus, da ist diese Besonnenheit, da ist diese skaftfellische Ruhe, genau wie in den Menschen dort, die Vulkanausbruch und andere Katatrophen hinnahmen, und diese Pferde machen das auch,” sinniert Kristinn.
Besonders die Hufe sind ein Phänomen. “Die sind natürlich niemals geschnitten worden, das hat die Lava erledigt. Du kannst die Hufe dieser Pferde anschauen, die sind so als ob sie von den besten Schmieden getrimmt worden sind.”

Der Tierschutzmann der Veterinärbehörde MAST pflichtet Kristinn bei, die Pferde befänden sich in bestem Zustand.
“Natürlich sind die viel kleiner, aber der körperliche Zustand ist gut. Die sind halt wie eine andere Rasse,” findet Pferdeexperte Óðinn Örn Jóhannesson, der im Südland die Weidetierhaltung kontrolliert.
Nun warten alle gespannt auf das Ergebnis der Genanalyse, die vielleicht ein Licht auf die Herkunft dieser geheimnisvollen kleinen Pferde wirft.

Die Länderei Landbrot liegt im Meðalland, einer abgeschiedenen Region südlich von Kirkjubæjarklaustur zwischen zwei grossen Gletscherströmen und ist auch als Pferdezuchtbetrieb eingetragen, obwohl niemand dort wohnt.

Screenshot Vísir