Tierschutz: Tauziehen um vernachlässigte Lämmer im Borgarfjörður

Die Auseinandersetzung zwischen Tierschützern und einem der Vernachlässigung beschuldigten Schafzüchter im Borgarfjörður ist gestern in einem Eklat geendet. Die Tierschützer hatten Heu über den Zaun geworfen, daraufhin hatte der Schafzüchter den Tierschützern erst den Weg versperrt und sie dann massiv bedroht.  Die herbeigerufene Polizei wies die Tierschützer an, das Heu von der Weide zu beseitigen, da es sich um Privatland handle. Die möglicherweise schlechte Haltung der Tiere spiele dabei keine Rolle.

DÍS wirft MAST Untätigkeit vor
Die Haltungsbedingungen auf dem Hof Höfði im Borgarfjörður beschäftigen inzwischen Tierschützer im ganzen Land. Der isländische Tierschutzbund (DÍS) hatte vor einigen Tagen der zuständigen Veterinäraufsichtsbehörde MAST schriftlich vorgeworfen, das Wohlergehen dieser Tiere nicht zu gewährleisten. Verbandsvorsitzende Linda Karen Gunnarsdóttir war mit einer Journalistin von Vísir vor den Zäunen der Schafweide zusammengetroffen und hatte auf abgemagerte, ungeschorene Auen, verhungernde und verendete Junglämmer und einen Schafskadaver hingewiesen. Keins der Lämmer trage eine vorgeschriebene Ohrmarke, viele seien krank oder mangelernährt.
In seinem Schreiben erklärte der Verband, die schlechten Haltungsbedingungen seien seit Jahrzehnten bekannt und ein offenes Geheimnis. Die Behörde komme ihrer gesetzlichen Aufgabe, das Wohlergehen der Tiere zu sichern, nicht nach. Daher habe der Verband eine Beschwerde an den parlamentarischen Ombudsmann geschickt.
Hier lesen Sie mehr über den Fall.

MAST: Abhilfe wurde geschaffen
MAST antwortete auf das Schreiben, die Behörde habe sich in den vergangenen Monaten in die Tierhaltung des Hofes eingemischt. Ein Inspektor sei dort gewesen und habe allerlei Zustände moniert. Manches sei entsprechend geändert worden. Für die Umsetzung der Forderungen habe es eine Frist gegeben, sowie die Androhung von Zwangsmassnahmen, wenn die Umsetzung nicht „akzeptabel“ war. In der Erklärung von MAST heisst es: „Die Hofbetreiber wurden aufgefordert, sich Hilfe für den Betrieb zu beschaffen, insbesondere während der Lammzeit, was auch durchgeführt wurde, indem die Ablammung überwacht, Lämmer markiert und Medikamente verabreicht wurden. Es wurde Wert darauf gelegt, dass die Schafe innerhalb der Zäunung bleiben, bis die Lämmer gross genug sind. Es wurde sichergestellt, dass den Tieren jederzeit ausreichend sauberes Wasser und Futter zur Verfügung steht.“ Die Behörde bearbeite den Fall und verfolge die Entwicklungen. MAST-Direktorin Hrönn Ólína Jörundsdóttir verwahrte sich gegen Vorwürfe, die Behörde komme ihren Verpflichtungen nicht nach.

Ministerin will Tierschutzgesetz überprüfen
Immerhin haben es die Lämmer aus dem Borgarfjörður bis ins Parlament geschafft: am vergangenen Mittwoch sprach die Fraktionsvorsitzende der Volkspartei, Inga Sæland, bei einer parlamentarischen Fragestunde die Ministerin für Landwirtschaft und Fischerei, Bjarkey Olsen Gunnarsdóttir, auf den Fall an und erkundigte sich, was das Ministerium zu unternehmen gedenke.
In einer Tonaufnahme des Parlamentes bezeichnet Bjarkey die Lage als unerträglich. Sie habe gleich bei Amtsantritt eine Arbeitsgruppe einberufen, um das inzwischen 10 Jahre alte Tierschutzgesetz zu prüfen und Lücken im Tierschutz zu finden. Dort bearbeite man zudem Hinweise, die zu dem Fall aus der Öffentlichkeit eingegangen seien. Bjarkey erwähnte auch den Bericht des Rechnungshofes zur mangelhaften Tierschutzkontrolle der Behörde MAST.

Auf erneute Nachfrage von Inga, was denn nun im Fall der Schafe konkret unternommen werde, versprach die Ministerin eine zügige Stärkung der Verwaltung, damit bereits vorhandene behördliche Massnahmen besser greifen als bisher. Sie wolle hier nicht, so Bjarkey, die Verantwortung auf die Allgemeinheit übertragen, aber wenn man an so einem Fall vorbeikomme, sei ein jeder verpflichtet, Tieren oder Menschen zu helfen.

Weniger Lämmer, Fleischvorräte fast aufgebraucht

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Die Zahl der Schafe in Island ist seit dem Jahr 2017 stetig gesunken, und damit auch die Zahl der Lämmer, die im Herbst geschlachtet werden.
In diesem Herst werden es um die 426.000 Lämmer sein, in 2017 waren es noch 560.000 gewesen. Der Vorsitzende der Abteilung Schafzucht beim Bauernverband sagt, zum Ende des Sommers sei das Lammfleisch in den Lagern fast aufgebraucht gewesen, berichtet RÚV.

Für die Produktion sind 6900 Tonnen Lammfleisch geplant, das sind 2300 Tonnen weniger in den vergangenen sechs Jahren. Trausti Hjálmarsson sieht den Rückgang im Preisverfall der Ware begründet. “Im Jahr 2017 fiel der Preis, den die Schafbauern für ihr Fleisch bekamenm um 30%, davor waren wir, so kann man sagen, in einer Phase der Höchstproduktion, danach ist die Zahl der Schafbauern stetig zurückgegangen, und zum letzten Jahreswechsel war ein Rückgang von 23% bei den Schafen im Winterfutter zu verzeichnen.”

Trausti sagt, der Rückgang betreffe sowohl die in der Landwirtschaft tätigen Schafzüchter als auch ihre Produktion, denn viele müssten sich Arbeit ausserhalb ihres Hofes suchen. “Das ist so als ob keiner versteht, dass wir unsere Rechnungen bezahlen müssen, und unseren Verpflichtungen nachkommen, wenn wir Lammfleisch herstellen, und damit das möglich ist, muss man uns mit einem fairen Preis entgegenkommen, und der Staat muss seinen Verpflichtungen bei Agrarproduktverträgen und -gesetzen ebenfalls nachkommen. Denn es ist klar festgelegt, dass es die landwirtschaftlichen Produktverträge gibt, um den Bauern unter anderem ein Gehalt ähnlich wie anderen Berufsständen im Land zu sichern.”
Die Produktion reiche für den Inlandsbedarf so gerade aus, allerdings haben nicht viel gefehlt, dass die Lager geräumt seien.
“Zu Beginn der Schlachtsaison Ende August befanden sich nur noch 180 Tonnen Fleisch im Land, und das bedeutet, dass die Lammfleischvorräte so gut wie leer waren.”

Lammfleisch wichtig im nationalen Plan für Lebensmittelsicherheit
Dafür konnte man im Sommer in den Supermärkten Lamfleisch aus Neuseeland und Portugal oder Spanien kaufen, und manche Packung war sogar als isländisch gekennzeichnet, was nicht wenige Landwirte erzürnte.
In der im Jahr 2021 im Auftrag der Regierung erschienenen Studie zur Nahrungsmittelsicherheit Islands wurde das Schaf als die Nutztierart gerühmt, die als einzige keine Zusatzfuttermittel benötigt und auf Flächen weidet, die anderweitig nicht für die Lebensmittelproduktion genutzt werden kann, und daher wichtig für die Inlandsversorgung ist. Ähnliches gilt übrigens auch für das Pferd, weswegen die eigentlich zu hohe Zahl an Equiden auf der Insel nicht reduziert wird.

Gemüsebauern wünschen sich mehr Unterstützung
Eine anderer landwirtschaftlicher Berufsstand, der sich über mehr staatliche Hilfe gefreut hätte, ist der Verband der Gemüsebauern. Das Bændablaðið berichtet, im Haushaltsentwurf für 2024 seien lediglich der Getreideanbau und die Krankheitsprävention bei Nutztieren (hier vor allem für die Forschung und Aufzucht von Scrapie-freien Schafbeständen) mit zusätzlichen Summen bedacht worden. Die Gemüsebauern hingegen hätten auch weiterhin mit hohen Strompreisen für den Betrieb ihrer Gewächshäuser und mit hohen Lohnkosten zu kämpfen, der den Wettbewerb mit billigen Importwaren erschwert, obwohl im Koalitionsvertrag der Regierung stehe, dass der Gemüseanbau im Land mit festen Subventionen beim Strompreis und besonderer Unterstützung des Ackergemüseanbaus durch den Agrarproduktvertrag gefördert werde. Seitens der Gemüsebauern heisst es, offenbar erinnere man sich in der Regierung nicht mehr an dieses Versprechen.

 

Lammsaison mit langen Arbeitstagen

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Islands Schafbauern arbeiten zur Zeit Tag und Nacht um ihren lammenden Auen bei der Geburt zu helfen. Die Lammsaison dauert von Ende April bis in den Juni hinein, jenachdem, wie hoch der Hof gelegen ist. Mancher Bauer kann das Ende der anstrengenden Zeit kaum erwarten. Die meisten Auen bringen ihren Nachwuchs ohne Unterstützung zur Welt, doch manche benötigen Hilfe, weil etwa statt zwei Füssen nur einer kommt, oder keiner, dafür ein Kopf, oder weil das Lamm mit den Hinterbeinen zuerst kommt oder Lammgeschwister gleichzeitig geboren werden wollen.

RÚV besuchte den Hof Halldórsstaðir in Nordisland, wo innerhalb von einer Woche 150 Lämmer zur Welt kamen. Auf dem Hof leben 700 Schafe, die um die 1000 Lämmer gebären werden. Die meisten Auen bringen zwei Lämmer zur Welt. Bauer Ragnar Jónsson sagt, auf dem Hof greife man nur ein, wenn etwas schief zu laufen droht. „Wenn die Leute immer helfen, dann wird die Aue bei der nächsten Geburt nicht mehr so stark sein.“

Lämmer nach schwerer Geburt. (Dagmar Trodler)

Jede Aue hat ihre eigene kleine Box, wo sie ihre Lämmer zur Welt bringt und wo der Bauer kontrolliert, ob die Lämmer saufen, ob genug Milch im Euter und auch sonst alles in Ordnung ist. Nach ein paar Tagen, sobald Mutter und Nachwuchs fit genug sind, werden sie in eine Gemeinschaftsbox gebracht, wo die Mütter sich von den Strapazen erholen und die Lämmer gemeinsam herumtollen können. Hier lernen sie auch, ihre Mutter unter mehreren zu finden, bevor es dann, sobald das Wetter gut genug ist, nach draussen in eine noch grössere Gruppe auf eine grosse Wiese geht. Dort lernen die Lämmer, bei ihrer Mutter zu bleiben, ein wichtiger Aspekt für den Sommer, wenn es ins Hochland geht, wo man mit der Mama dann alleine ist und kein Bauer mehr nach dem Rechten schaut.

Aue mit ihren Lämmern. (Dagmar Trodler)

Ein Monat Bereitschaftsdienst
Während der Lammsaison verbringen die Bauern den grössten Teil des Tages im Stall, um sicherzustellen, dass man jederzeit eingreifen kann, sollte es nötig werden. Rósa Steinunn Hreinsdóttir von Halldórsstaðir findet die Zeit nicht wirklich schwer. “Das ist halt eine Routine, die wir so gut wie möglich zu bemannen versuchen und alles überwachen, damit es gut läuft.” Guðbjörn Elfarsson, ein anderer Bauer auf Halldórsstaðir, sagt, er nimmt sogar seine Mahlzeiten im Schafstall ein. Aber nein, er sei gewiss kein Fan dieser Jahreszeit und freue sich auf einen langen und tiefen Schlaf, wenn das alles vorüber ist.

Nur 15 Prozent der Autofahrer melden Schafunfälle

Nur 15 Prozent aller Autofahrer, die in Südisland Schafe anfahren, melden dies der Polizei oder dem Eigentümer des Tieres. Alle anderen fahren einfach davon, schreibt Vísir. In jedem Jahr werden etwa 130 Schafe oder Lämmer im Bezirk Austur Skaftafellssýsla angefahren, vor allem im Frühjahr und Sommer.

Die Lammzeit neigt sich vielerorts nun dem Ende zu, oder ist zuende. Das bedeutet, dass Schafe und Lämmer auf die Sommerweiden gehen. In vielen Regionen laufen die Tiere auch an der Ringstrasse entlang, und bringen entsprechende Gefahren mit sich, vor allem dort, wo der Freigang gesetzlich erlaubt ist.

Das gestiegene Verkehrsaufkommen durch die Touristen hat dazu geführt, dass im Südland immer häufiger Tiere angefahren werden, vor allem Schafe sind betroffen. Am schlimmsten ist die Lage im Bezirk Austur Skaftafellssýsla, wo im vergangenen Jahr 130 Schafe und Lämmer im Strassenverkehr getötet wurden.

Grétar Már Þorkelsson, Polizist in Höfn, kümmert sich für das Südland um diese Angelegenheit, sein Bereich ist etwa 220 Kilometer lang. Nur etwa 30 Kilometer der Ringstrasse bei Nesja sind eingezäunt, dort ist die freie Haltung von Schafen verboten. Überall sonst dürfen die Tiere laufen, wo sie wollen.

Allgemein gesehen ist der Freigang nicht verboten, nicht mal für Grossvieh, und das ist etwas, was geprüft werden muss. Das ist natürlich ein Problem, welches die Strassenverwaltung, die Gemeinden und die Bauern in Gemeinschaft lösen und eine Lösung finden müssen,” sagt er.

Ein Verkehrsunfall mit einem Tier verursacht grosse Schäden am Fahrzeug. Grétar Már sagt, dass die Auen oder Lämmer in der Regel sofort tot sind. Allzu wenige Autofahrer melden jedoch, dass sie ein Tier angefahren haben.

Das wird nun selten gemeldet. Ich würden denken, das sind etwa 15 Prozent aller Vorfälle, die der Polizei gemeldet werden. Das ist etwas, was wir von den Bauern hören oder auf den Strassen sehen,” meint er.

Hinzu kommen unzählige Fälle, wo das Tier angefahren, aber nicht getötet wird, sondern auf der Weide an den Spätfolgen verendet. Die Dunkelziffer der getöteten Tiere könnte somit noch höher liegen.

Bitte denken Sie daran, dass Schafe in der Regel zwei Lämmer mit sich führen. Dort wo ein Schaf zu sehen ist, folgen in der Regel ein bis zwei weitere, die möglicherweise in der Böschung verborgen sind und urplötzlich auftauchen.

Lämmer laufen immer ihrer Mutter hinterher, auch wenn diese sich auf der anderen Strassenseite befindet, sie warten nicht, bis das Auto vorbeigefahren ist.  Nicht alle Schafe reagieren auf die Autohupe, daher ist langsam fahren wichtiger als hupen.

Wenn Sie ein Tier angefahren haben, melden Sie dies bitte der Polizei oder auf dem nächsten Hof. Alle Tiere in Island tragen eine Ohrmarke mit Nummer, hilfreich ist es, diese Nummer mitzumelden, damit der Besitzer verständigt werden kann.