Zuchtlachs: 2023 brachte Invasion in isländische Flüsse, Wildbestand gefährdet

Biologist Jóhannes Sturlaugsson inspects the salmon.

Noch nie zuvor hat das isländische Marineforschungsinstitut soviele Zuchtlachse aus isländischen Flüssen zur genetischen Überprüfung erhalten wie im letzten Jahr, berichtet RÚV. Ein Sprecher des isländischen Sportangelverbandes sagt, die Frage dränge sich auf, ob man zukünftig nicht alle gefangenen Wildlachse wieder in die Flüsse entlässt, um eine Gegenwehr zu den Zuchtlachsen aufzubauen.
Leo Alexander Guðmundsson, ein Meeresbiologe beim Marineforschungsinstitut, erklärte bei einer Sitzung zum Thema Süsswasserfische am Morgen, dass es im vergangenen Jahr zu einer erhebliche Mutation durch die entkommenen Zuchtlachse gekommen sei.

416 Zuchtlachse in 59 Flüssen
Im vergangenen Jahr sind dem Institut 442 Lachse überbracht worden, bei denen der Verdacht bestand, dass es sich um Zuchtexemplare handeln könnte. Sie waren in insgesamt 59 isländischen Flüssen gefangen worden. Bei der genetischen Überprüfung dieser Fische stellte sich heraus, das 416 von ihnen tatsächlich Zuchtlachse aus Fischzuchtanlagen im Meer waren. Der grösste Teil von ihnen war geschlechtsreif. Vor dem Jahr 2023 hatte das Institut maximal bis zu 64 Zuchtfische pro Jahr genetisch identifiziert. Auf dem Foto ist der Biologe Jóhannes Sturlaugsson zu sehen, der im letzten Jahr nächtelang Zuchtlachse aus Flüssen in den Westfjorden gezogen hat, wie in der Dokumentation Laxaþjóð zu sehen ist.

Widerstand gegen Fischinvasion aufbauen
Der Landesverband der Sportangler zeigt sich über diese Nachricht äusserst besorgt. Der Verbandsvorsitzende Jón Helgi Björnsson gab an, wenn auch weiterhin damit gerechnet werden müsse dass man derart viele Zuchtlachse aus den Flüssen ziehe, dränge sich die Frage auf, ob man nicht vielleicht sämtliche gefangenen Wildlachse, die im Land gefangen werden, wieder in die Flüsse zurückwirft.
„Man dürfte den Wildlachs einfach nicht töten, um seine Widerstandsfähigkeit gegenüber dieser Invasion von Zuchtlachsen zu erhöhen,“ meint Jón.

Gegrillter Wildlachs bald Vergangenheit?
Die sogenannte Catch&Release Angelmethode, bei der der Fisch nach dem Fang gleich wieder ins Wasser zurückgesetzt wird, ist bei vielen Sportanglern üblich und in manchen Flüssen sogar Pflicht. In Island wird der grösste Teil der Wildlachse wieder freigelassen. Damit ist es gelungen, die Angelbelastung der Flüsse zu verringern. Jón Helgi sagt, C&R werde zukünftig noch wichtiger als zuvor.
„Das was für uns bislang völlig normal war, dass man sich bei starken Beständen auch ein bischen was zum Essen fischt, das könnte wohl bald der Vergangenheit angehören. Einfach weil wenn wir auch weiterhin mit derart grossen ungewollten Lachsfluchten rechnen müssen, dann braucht der wilde Lachs jeden einzigen Fisch seines Bestandes.“

Immer noch liegt der neue Rahmengesetzentwurf zur kommerziellen Fischzucht dem Parlament zur Debatte vor. Nach dem Amtswechsel im Ministerium für Fischerei und Landwirtschaft war auch der Passus zu Strafen bei Fischflucht aus Meereszuchtanlagen geändert worden. Ursprünglich hatte der Gesetzentwurf einen Verlust der Zuchtquote vorgesehen, an seine Stelle sind nun Geldstrafen getreten, die Rede ist von je nach Region bis zu einer Million ISK (6650 EUR) pro entkommenem Zuchtfisch. Icelandreview hatte berichtet.
Anfang Mai waren junge Zuchtfische aus einer landgestützen Zuchtanlage ins Meer entkommen. Hier lesen Sie auch mehr über unfruchtbare, sogenannte triploide Zuchtlachse.

Lachszucht: Jungfische aus Landzuchtanlage entkommen

two farmed salmon of a Norwegian breed and one wild salmon, native to Fífustaðadalsá river.

Der Lebensmittel- und Veterinäraufsichtsbehörde MAST ist ein Zwischenfall in der landgestützten Lachszuchtanlage des Fischereikonzerns Samherji im Öxarfjörður gemeldet worden. Dabei sind offenbar Jungfische ins Meer entkommen, berichtet Vísir. Der Zwischenfall hat sich am Montag den 6. Mai ereignet. In einer Mitteilung von MAST heisst es, der Zwischenfall sei bemerkt worden, als Fischbrut im Absetzteich der Anlage gesehen wurde.

Jungfische über den Teich entkommen
„Die Fischbrut war zwischen 70 und 80 Gramm schwer und noch nicht geschlüpft,“ schreibt MAST, aber man könne nicht ausschliessen dass sie in dem Absetzteich dann doch geschlüpft und ins Meer entkommen sei.
„Geschätzte 868 Jungfische sind aus einem Container entkommen, zu diesem Zeitpunkt ist die Anzahl der Jungfische unbekannt, die in das Absetzbecken gelangt sind. Der Lizenzinhaber arbeitet daran, die Fische aus dem Absetzbecken herauszuholen und sie zu zählen, um den Umfang der Fischflucht schätzen zu können.“
MAST hat nach eigenen Angaben weitere Daten und Informationen von dem Unternehmen angefordert. Der Fall werde bei der Behörde näher untersucht.
Der Fischereikonzern Samherji macht in einer Bekanntmachung einen Fehler im Steuerungssystem der Zuchtanlage für die Fischflucht verantwortlich. Die entkommene Fischbrut sei noch nicht meerestauglich gewesen. Der Vorfall sei noch am gleichen Tag an die Behörden gemeldet worden.

Genetische Vermischung vernichtet wildes Erbgut
In die Natur entkommene Zuchtfische richten dort grossen Schaden an. Wenn der Zuchtlachs in die Flüsse hochschwimmt und sich mit dem dortigen Wildlachs paart, gelangt sein Erbgut in den wilden Bestand und vernichtet diesen langfristig. Dabei ist es inzwischen möglich, die Geschlechtsreife des Industrielachses mit einer genetischen Manipulation zu verhindern. Der sogenannte triploide Lachs hat einen zusätzlichen Satz an Chromosomen. Diese Fische bilden keine Keimzellen aus und werden nicht geschlechtsreif. Die Methode wird im Dokumentarfilm Laxaþjóð erwähnt und dort als tierschutzrelevant bezeichnet, weil die Fische durch die Temperaturbehandlung körperlichem Stress ausgesetzt sind.

Triploider Lachs kostet Umsatz
Gunnar Örn Petersen, der Vorsitzende des isländischen Angeldachverbandes, hatte Vísir gegenüber angegeben, die Technik (des Sterilisieren) sei vorhanden, und in Island sei auch eine Lizenz dafür erteilt worden, das einzige was fehle sei die Bereitschaft der Konzerne, ihre wirtschaftlichen Erwartungen ein wenig zurückzuschrauben, weil die triploiden Lachse nicht so schnell wachsen wie die geschlechtsfähigen, und weil sie sensibler auf Umweltreise wie etwa volle Zuchtbecken reagierten. Am Ende drehe sich alles ums Geld, und wie man am billigsten produziere, so Gunnar Örn.

Ein Entwurf für ein Rahmengesetz zur industriellen Fischzucht liegt derzeit dem Parlament zur Debatte und Abstimmung vor. Einzelheiten des Rahmengesetzes, wie der Wegfall des Quotenverlustes bei Zuchtunfällen oder die Erteilung einer dauerhaften Betriebslizenz sorgen in Politik und Öffentlichkeit für heftige Kritik. Icelandreview hatte berichtet.

Lachszucht: Lizenzdauer geändert, vollendete Tatsachen vor Ort

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An dem umstrittenen Gesetzentwurf zur Fischzucht, der dem Parlament zur Debatte vorliegt, hat der parlamentarische Wirtschaftsausschuss nach harscher Kritik aus Politik und Öffentlichkeit eine Änderung vorgenommen: die Lizenzdauer ist von ‚dauerhaft’ zurück auf ‚zeitlich begrenzt‘ gesetzt worden., berichtet Vísir.
Zuvor hatte die neue Ministerin für Fischerei und Landwirtschaft, Bjarkey Olsen Gunnarsdóttir, per Gesetz zeitlich unbegrenzte Fischzuchtlizenzen in Islands Fjorden erteilen und ausserdem den Quotenverlust bei Zuwiderhandlung durch Geldstrafen ersetzen wollen.

Nutzungsdauer gehört in die Verfassung
Die Abgeordnete der Reformpartei, Hanna Katrin Friðriksdóttir, die auch im Wirtschaftsausschuss sitzt, betont, selbst mit dieser Änderung müsse sichergestellt werden, dass der Staat auf schwere Verstösse und Zuwiderhandlungen immer noch reagieren könne. Viel stehe auf dem Spiel – die Natur, und auch das Auskommen von Anwohnern und ganzen Siedlungen, die von diesem neuen, wachsenden Wirtschaftszweig leben.
Ihrer Ansicht nach zeige dass „dieser Unfall, der sich da gerade anbahnt – ich sage es so, wie es ist, weil wir das nicht geändert haben -, ein klares Zeichen dafür ist, dass wir Regelungen über die zeitlich begrenzte Nutzung natürlicher Ressourcen in die Verfassung aufnehmen müssen. Nur so kann sichergestellt werden, dass sowas nicht passiert. Das Parlament kann alle möglichen Entscheidungen treffen, auch falsche,“ sagt Hanna Katrin. Sie glaubt, die Änderung bei der Lizenzdauer reiche nicht aus, um einen Konsens über den Gesetzentwurf zu erzielen. Es gebe weitaus mehr zu beachten, und die Angelegenheit sei ausgesprochen kompliziert.

Fischflucht soll richtig Geld kosten
Auch zu den geplanten Geldstrafen bei Fischflucht gibt es nun konkretere Informationen: Für jeden geschlechtsreifen Fisch, der in Flüssen gefunden wird, in denen das Risiko genetischer Vermischung besteht, könnten Unternehmen mit einer Geldstrafe von bis 750 Millionen ISK (5 Mio EUR) belegt werden. Eine Million bis 750 Millionen kostet jeder Fisch, ob geschlechtsreif oder nicht, der in Flüssen außerhalb der Risikobewertung gefunden wird.
Die Geldstrafe für die 3500 im vergangenen Sommer entkommenen Lachse im Patreksfjörður würde demnach gar nicht auf das Display eines Taschenrechners passen.
Ausserdem muss jeder Fjord mindestens 90 Tage Ruhezeit zwischen zwei Fischgenerationen halten. Und natürlich kann ein Unternehmen auch weiterhin seine Lizenz verlieren, wenn es die Regeln nicht einhält. Bislang sind solche Fälle jedoch nicht vorgekommen.

Landbesitzer vor vollendeten Tatsachen
Derweil geht der Kampf um die Aufsetzung einzelner Meeresgehege weiter. Heute hat Gunnar Örn Hauksson, der Landbesitzer von Sandeyri in den Westfjorden, eine schwere Schlappe erlitten, als er die vom westfirdischen Landrat verlangte Bürgschaft zur Sicherung einer einstweiligen Verfügung nicht aufbringen konnte und nun tatenlos zusehen muss, wie der Fischkonzern Arctic Sea Farms Zuchtnetze auf seinem Strandgelände mit Jungfischen vollpumpt.
Gunnars Anwältin Katrín Oddsdóttir hatte für diese Meeresgehege eine einstweilige Verfügung erwirken wollen, weil Arctic Sea Farms nicht geprüft hatte, ob das Fischzuchtgebiet innerhalb von Gunnars Landgrenze liegt. An dem Küstenstreifen fällt der Tidenhub besonders gross aus, und sein Land reicht weit ins Meer hinein.

Sandeyri-Lachs: 100 Millionen für eine Bürgschaft
Der Landrat hatte für die einstweilige Verfügung eine Bürgschaft von 100 Mio Kronen (670.000 EUR) verlangt. Allerdings standen weder er noch seine Vertreterin für eine Antwort darauf zur Verfügung, woher diese Summe stammt. Katrin glaubt, dass es einzig darum geht, den Anspruch auf einstweilige Verfügung zunichte zu machen, die Summe sei unverständlich, und in der Regel handele es sich bei diesen Bürgschaften eher um eine Alibigebühr.
Möglicherweise stamme die Summe von Arctic Sea Farms, was merkwürdig sei, weil das Unternehmen ja bereits seinen Fisch in die Netze gepumpt habe. Sicher sei allerdings, dass die zuvor unberührte Natur dort jetzt zerstört sei.

„Ich hab keine 100 Millionen dafür,“ sagt Gunnar Vísir gegenüber. „Das wäre natürlich gut für die isländische Nation gewesen.“ Nun gebe es niemanden mehr, der die Fischzucht in dem Naturparadies noch stoppen könne.
 „Das war unser letzter Rettungsanker, und der ist jetzt weg. So sieht die Sache aus, man hat dafür gekämpft, man hat verloren. Man hat sein Bestes gegeben, und die haben gewonnen. Das war ein norwegischer Sieg heute,“ sagt Gunnar.

Lachszucht: Gehegering bei Sturm an Land getrieben

Bíldudalur Arnarfjörður

Der Aussenring eines Lachszuchtbeckens ist am vergangenen Wochenende im Patreksfjörður erst aufs Meer hinaus geflogen und dann bei Raknadalshlíð an Land getrieben worden. Einem vorbeifahrenden Autofahrer gelang ein Foto des angeschwemmten Ringes. Heimildin recherchierte, dass der Lachszuchtkonzern Arnarlax Eigentümer des Ungetüms ist.
Arnarlax betreibt am Flughafen von Patreksfjörður eine Anlage zur Reinigung der Seegehegeringe, das sind die Teile der Zuchtbecken, die auf der Meeresoberfläche sichtbar sind. An ihnen befestigt hängt das Netz mit den Lachsen im Wasser.
Arnarlax-Geschäftsführer Björn Hembre schickte auf die Nachfrage des Magazins eine SMS. „Es handelt sich um ein leeres Zuchtbecken, mit dem es Probleme beim Transport gab.“ Man habe den Ring nun sicher befestigt. Weder Personen- noch Sachschaden sei entstanden.

Herumfliegendes Gerät kann Infektionsträger sein
Heimildin verweist auf ähnliche herumtreibende Gehegeringe aus der chilenischen Lachszucht, die im Jahr 2007 ein unrühmliches Ende fand, nachdem dort die ansteckende Blutarmut der Lachse (ISA) dazu führte, dass 60% aller Zuchtbetriebe geschlossen werden mussten. Die ansteckende Erkrankung führt zu innerlichen Blutungen und zum Tod des Fisches. Sie überträgt sich durch kranken Fisch und durch Gerätschaften aus infizierten Anlagen. Im Jahr 2022 waren in den isländischen Ostfjorden mehr als eine Million Zuchtlachs gekeult worden, nachdem dort gleich an mehreren Stelle ISA ausgebrochen war.

Lachszuchtgesetz unter Beschuss
Um Lachszucht ging es auch heute im isländischen Parlament, wo Fischereiministerin Bjarkey Olsen Gunnarsdóttir ihr umstrittenes Gesetz zur Fischzucht verteidigte. Kritiker aus allen Reihen der Opposition warfen ihr vor, Islands Fjorde an ausländische Milliardäre zu verschenken und den heimischen Wildlachs wissentlich zu opfern.
Das neue Gesetz sieht unter anderem eine dauerhafte Lizenzbewilligung (statt vorher auf 16 Jahre begrenzt) vor, ausserdem wird einem Unternehmen bei einem Betriebsunfall nicht mehr die Quote gekürzt, sondern ein kleines Bussgeld in Rechnung gestellt.

 

Walfang: Lizenzerneuerung weiterhin unentschieden

Bjarkey Gunnarsdóttir Olsen, minister of food, agriculture and fisheries

Die neue Ministerin für Fischerei und Landwirtschaft, Bjarkey Olsen Gunnarsdóttir, lässt sich in Bezug auf eine mögliche neue Walfanglizenz für Islands einziges kommerzielles Walfangunternehmen nicht in die Karten schauen. Gestern hatte sie dem Morgunblað gegenüber angegeben, sie werde der Presse ihre Pläne nicht mitteilen, überdies verfüge sie nicht über alle notwendigen Informationen.

Gründliche Prüfung aller Fakten
Heute gab sie in einer Fragestunde im Parlament an, die Sache gründlich prüfen zu wollen, bevor sie eine Entscheidung treffe.
”Dabei gibt es einiges zu beachten. Neben der Stellungnahme zu diesen vorliegenden Anträgen ist es auch notwendig, einen Anhang zur Walfangverordnung über die zulässige Gesamtfangmenge für das Jahr zu erlassen,“ präzisierte die Ministerin. Dieser Anhang basiere auf der Empfehlung des Meeresforschuingsinstitutes, die zeitgleich mit der Fanglizenz zum Jahresende ausgelaufen sei.
Bjarkey sagte, sie könne nicht versprechen dass die Sache bis zu einem bestimmten Datum entschieden werde, aber sie werde so schnell wie möglich entscheiden.

Wenig Hoffnung auf Walfang
Hvalur-Chef Kristján Loftsson hatte in der vergangenen Woche angegeben, so wie die Dinge stünden, gebe es „keine Hoffnung auf Walfang in diesem Sommer.” Der Antrag auf eine neue Lizenz – nach Kristjáns Wunsch sollte die für mindestens zehn Jahre gelten – war im Januar eingegangen, aber bis Ende März nicht bearbeitet worden. Danach verlangte das Ministerium Informationen über die Befolgung von bestimmten Regularien.
Kristján beschuldigt die Linksgrüne Bewegung, aus deren Reihen Bjarkey und ihre Vorgängerin Svandís Svavarsdóttir stammen, die Walfangindustrie systematisch zu zerstören. Svandís hatte vor ihrem Amtswechsel in das Ministerium für Infrastruktur über eine einjährige Fanglizenz nachgedacht, die Kristján aus betriebswirtschaftlichen Gründen aber für unpraktikabel hält. Und jetzt, Ende April, so Kristján, könne man eh kaum noch Leute anwerben und Material für die Fangsaison bestellen.
Bjarkey hatte betont, die Sache werde auf korrekte bürokratische Weise bearbeitet, und es gebe keine Klausel im Walfanggesetz, die für die Ausstellung einer Lizenz einen bestimmten Zeitrahmen vorschreibe.

Die frisch im Amt eingesetzte Ministerin stand auch beim Thema Lachszucht heute im Parlament unter Beschuss. Icelandreview berichtete, dass derzeit ein Gesetzentwurf zur Lachszucht im Parlament zur Debatte vorliegt, wonach die Lachszuchtkonzerne ihre Betriebslizenzen dauerhaft erhalten sollen, und ohne Gefahr zu laufen, bei Betriebsunfällen ihrer Quote verlustig zu gehen. Die Vorsitzende der sozialdemokratischen Fraktion, Kristrún Frostadóttir, warf der Regierung vor, Islands Fjorde an die Lachskonzeren zu verschenken.

Lachszucht: Ministerin will Betriebslizenz dauerhaft an Konzerne vergeben

salmon, salmon farming, laxeldi

Die isländische Regierung plant, den Fischzuchtunternehmen im Land die Lachszuchtquote dauerhaft zu überlassen, berichtet Heimildin.
Bei dem im Parlament vorliegenden Gesetzentwurf der neuen Ministerin für Fischerei und Landwirtschaft, Bjarkey Olsen Gunnarsdóttir, handelt es sich um eine grundlegende Änderung in der Vereinbarung zur meeresgestützten Fischzucht. Bislang sind solche Betriebsgenehmigungen immer auf 16 Jahre begrenzt gewesen.

Übertragung von Volkseigentum auf Privatpersonen
Der Gesetzentwurf stammt noch von Amtsvorgängerin Svandís Svavarsdóttir. Ausgerechnet dieser Passus der unbegrenzten Zeit hat bislang sämtliche Debatten und Einwände im staatlichen Diskursportal unbeschadet überstanden – niemand hat daran Anstoss genommen. „Unbefristete Betriebserlaubnis: Erfüllt der Inhaber der Betriebserlaubnis alle Voraussetzungen dieses Gesetzes und der darauf basierenden Regelungen, so ist die Betriebserlaubnis für die meeresgestützte Fischzucht unbefristet. Betriebsgenehmigungen können aufgrund von Gesetzen und Vorschriften jederzeit geändert und widerrufen werden.“
Heimildin schreibt, diese Bestimmung des Gesetzentwurfs könne mit der grundlegenden Änderung in der Fischereiindustrie verglichen werden, als im Jahr 1990 die Übertragung der Fangquote zugelassen wurde. Diese Übertragung ermöglichte den Quoteninhabern, die ihnen zugesprochene Quote zu verpfänden oder verkaufen, obwohl sie gar nicht ihr Eigentum war, sondern dem isländischen Volk gehört. Die Gesetzesänderung der freien Übertragung gehört zu den umstrittensten der letzten Jahrzehnte und hat in der TV-Serie Verbúðin eine künstlerisch-kritische Aufarbeitung gefunden.

Verfassungswidriges Geschenk
Im Gesetzentwurf zur Fischzucht wird nun noch ein Schritt weitergegangen. Die Fischereiquote kann formal gesehen eingezogen werden, um sie dann neu auszuschreiben, und solche Vorschläge sind auch immer mal wieder auf der Tagesordnung gewesen.
Für die Quote bei der Fischzucht soll dies jedoch ausgeschlossen werden.

Einer der wenigen, die sich kritisch zu dem neuen Gesetz geäussert haben, ist der Vorsitzende des Naturschutzverbandes, Árni Finnsson, der das Gesetz als dauerhaftes Geschenk an die Lachszuchtkonzerne bezeichnete. „Eine der gefährlichsten Bestimmungen des Gesetzentwurfs. Hier wird versucht, die Verteilung natürlicher Ressourcen in isländischen Fjorden und Küstenmeeren für die gesamte Zukunft zu legalisieren, was nahezu als dauerhaftes Geschenk betrachtet werden muss. Das entspricht nicht den Bestimmungen der Landesverfassung.“ sagte Árni Heimildin gegenüber.

Freifahrtschein in jeder Hinsicht
Falls die Regierung die Fischzuchtquote zurückrufen oder die Fischzucht ganz verbieten wollte, so wie Naturschutzverbände und andere Interessenvertreter das fordern, könnte das mit massiven Schadensersatzforderungen seitens der Lachskonzerne enden.
Begründet wird die Gesetzesänderung damit, dass die Konzerne durch eine unbegrenzte Betriebserlaubnis mehr Vorhersehbarkeit für ihre Unternehmung erhielten. Ausserdem werde die „Rechtswirkung der Gültigkeitsdauer“ deutlicher.
Natürlich müssen die Lizenzinhaber unbedingt alle Regeln befolgen, so steht es in dem Entwurf. Aber „Inhaber einer Betriebserlaubnis müssen nicht befürchten, dass die Erlaubnis zu einem bestimmten Zeitpunkt automatisch erlischt, sie müssen andererseits höhere Anforderungen in Kauf nehmen, um den Anforderungen an die Fischzucht und deren Betrieb gesetzeskonform zu genügen.“

Eins der Probleme mit der Formulierung des Gesetzentwurfes ist die Tatsache dass die harten Strafen bei Zuwiderhandlung bzw Umweltunfällen, die im Entwurf von Vorgängerin Svandís Svavarsdóttir noch enthalten waren, von der jetzigen Amtsinhaberin herausgenommen wurden. Svandís hatte beispielsweise auf der Webseite der Regierung angekündigt: “Massenverlust und Läusebefall in den Gehegen wirken sich direkt auf das Produktionspotenzial aus. Die Produktionsquoten werden eingeschränkt, wenn eine Lachsflucht aus den Gehegen stattgefunden hat.”

Das bedeutete, dass Lachskonzerne ihr Quote nach Betriebsfehlern verlieren konnten. Genau dieser Passus ist von der neuen Ministerin aus dem Vorschlag entfernt worden, nachdem die Kommentarfrist im Regierungsportal beendet war und bevor der Vorschlag im Parlament vorgelegt wurde. Die Öffentlichkeit konnte sich also nicht mehr dazu äussern. Statt Quotenverlust sollen nun Strafgebühren fällig werden.
Damit könnten die Lachszuchtkonzerne nun einen Freifahrtschein erhalten: eine unbeschränkte Betriebserlaubnis ohne die Gefahr eines Quotenverlustes nach Betriebsfehlern.

Ministerin agiert gegen Willen des vormaligen PM
Heimildin findet die Änderungen bemerkenswert im Lichte der Tatsache, dass es sich hier um eine Ministerin der Linksgrünen Bewegung handelt, die da grundlegende Änderungen in der Kontrolle natürlicher Ressourcen vorschlägt, welche im Grunde genommen das Eigentumsrecht von Privatpersonen an diesen Ressourcen einschliesst. Ressourcen, die eigentlich der isländischen Nation gehören.

Die vormalige Premierministerin Katrin Jakobsdóttir, ebenfalls Linksgrüne und zur Zeit auf dem Weg in den Präsidentschaftswahlkampf, hatte anlässlich der umstrittenen Aktienübertragung von Eltern auf Kinder innerhalb einer isländischen Fischereidynastie im Jahr 2020 betont, wie wichtig es sei, den Resourcenpassus in die isländische Verfassung aufzunehmen. Damit genau dies verhindert wird: die dauerhafte Aushändigung von natürlichen Resourcen in Volkseigentum an Einzelpersonen.
„Das Recht, die gemeinsamen Ressourcen der Nation zu nutzen, sollte niemals dauerhaft sein, so dass es wiederholt zwischen den Generationen übertragen werden kann, als ob es sich um Privateigentum handelt. Ich denke, es ist absolut klar, dass dies nicht der Wille des Volkes ist.” hatte Katrín seinerzeit angegeben.

Im Gesetzentwurf der linksgrünen Fischereiministerin heisst es, die Idee der dauerhaften Übertragung sei eine „Neuheit“: Statt einer Betriebsgenehmigung für 16 Jahre sollen die Fischzuchtkonzerne sie nun für immer halten.

 

Lachsflucht: Polizei muss weiter nach Fehlern suchen

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Der Polizeileiter der Direktion Westfjorde hat Ende letzten Jahres eine Untersuchung zur versehentlichen Freilassung von Zuchtlachsen aus den Meeresgehegen des Fischkonzerns Arctic Fish eingestellt. Gegen die Verfahrenseinstellung ist Berufung eingelegt worden, nun hat die Staatsanwaltschaft hat entschieden, dass die Ermittlungen fortgesetzt werden sollen, berichtet RÚV.
Helgi Jensson, der Leiter der Polizeidirektion Westfjorde, hatte im Dezember angegeben, die vorliegenden Daten wiesen weder auf Fehler bei der Einrichtung oder auf Unterlassungen des Unternehmens hin.

30 Kläger gegen die Polizei
Im Januar legten 30 Institutionen Berufung gegen Helgis Entscheidung ein. Der Staatsanwalt hat jetzt verfügt, dass Helgi, der im letzten Jahr keine Fehler entdecken konnte, seine Fehlersuche fortsetzen muss. Die Staatsanwaltschaft ist nämlich sehr wohl der Meinung, dass beim Unternehmen Vorschriften nicht befolgt wurden, und dass dort nichts unternommen wurde, um sicherzustellen, dass Arbeiten vorschriftsmäßig ausgeführt wurden. Daher gehe man nicht davon aus, dass es korrekt war, die Ermittlungen einzustellen.
Für Helgi kommt das Urteil nicht überraschend. Nun also wird die Untersuchung wieder aufgenommen, um dann zu entscheiden, ob Anzeige erstattet wird oder das Verfahren eingestellt wird.

Staatsanwalt prüft alle 30 Beschwerden
Bei den Klägern ist man vor allem mit der Tatsache zufrieden, dass die Staatsanwaltschaft „tatsächlich die Beschwerden aller etwa dreißig Beschwerdeführer einer inhaltlichen Prüfung unterzieht, einfach auf der Grundlage, dass die gesamte Öffentlichkeit ein Interesse daran hat, dass wild lebende Süßwasserbestände (Wildlachs) nicht beschädigt werden.“ sagte Gunnar Örn Petersen, Geschäftsführer des klagenden Landesverbandes der Angelvereine.

Neue Gehege verschandeln Sandeyri
Die Lachsbranche schläft unterdessen nicht. Im März hatte Icelandreview berichtet, dass die isländische Veterinär- und Lebensmittelaufsichtsbehörde (MAST) dem Fischzuchtunternehmen Arctic Sea Farms ehf. (Arctic Fish) eine erweiterte Betriebsgenehmigung für die Meeresfischzucht bei Sandeyri im Ísfjarðardjúp erteilt hat. Damit kann die erlaubte Menge an Zuchtlachs und Regenbogenforelle in dem Fjord von 5,300 Tonnen auf 8000 Tonnen steigen. Die Rechtsanwältin und Naturschützerin Katrin Oddsdóttir hatte darauf verwiesen, dass eine notwendige Baugenehmigung für die Zuchtanlage nicht vorliege. Tatsächlich verfügt keine Fischzuchtanlage in Island über eine notwendige Baugenehmigung.

Gestern schrieb sie auf ihrer Facebookseite, die Baugenehmigung für die Zuchtanlage in Sandeyri sei erteilt worden, und der Antrag des Landeigentümers, an dessen Ufer da gebaut wird, die Errichtung der Anlage zu verschieben, bis seine Klage wegen der Betriebsgenehmigung stattgegeben werde, sei abgelehnt worden. Arctic Fish wolle noch vor dem 26. April Lachslaich aussetzen. Heute Morgen, so schreibt Katrin, seien Netzgehege und Futterkahn in Sandeyri verankert worden.
Katrin bezeichnet dies als „schwarzen Tag in der Geschichte des Naturschutzes in Island“.

 

 

 

Lachszucht: MAST erteilt Lizenz, Baugenehmigung fehlt

Bíldudalur Arnarfjörður

Die isländische Veterinär- und Lebensmittelaufsichtsbehörde (MAST) hat dem Fischzuchtunternehmen Arctic Sea Farms ehf. (Arctic Fish) eine erweiterte Betriebsgenehmigung für die Meeresfischzucht bei Sandeyri im Ísfjarðardjúp erteilt. Damit wächst die erlaubte Menge an Zuchtlachs und Regenbogenforelle von 5,300 Tonnen auf 8000 Tonnen im Fjord.

5200 Tonnen fortpflanzungsfähiger Lachs
In einer Mitteilung von MAST heisst es, dass von diesen 8000 Tonnen maximaler Biomasse höchstens 5.200 Tonnen fortpflanzungsfähiger Lachs sein dürfen. Dem Unternehmen waren im August letzten Jahren mehr als 3500 fortpflanzungsfähige Zuchtlachse in die Natur entkommen. In der Folge hatten norwegische Spezialtaucher ins Land gebracht werden müssen, um die Zuchtlachse aus den Angelflüssen zu entnehmen, damit die Zuchtfische sich nicht mit den Wildlachsen paaren.
„Das Ministerium für Fischerei und Landwirtschaft hat ein Belastungsgutachten und eine Risikobewertung für die Erbgutvermischung in der Fischzucht in Island erstellt. Das Belastungsgutachten sieht für das Ísafjarðardjúp 30.000 Tonnen vor, und die Riskobewertung für die Erbgutvermischung erlaubt eine maximale Biomasse von 12.000 Tonnen fortpflanzungsfähigem Lachs im Djúpið,“ heisst es weiter in der Mitteilung. Auch das Umweltgutachten fiel positiv aus. Gegen die Lizenzerteilung von MAST kann beim Berufungsausschuss für Umwelt- und Resoucenangelegenheiten bis Ende März Einspruch eingelegt werden.

Baugenehmigung für Meeresgehege
Allerdings muss seit dem 15. Februar eine Baugenehmigung für jegliche Fischzuchtanlagen auf dem Meer beantragt werden, nachdem die Behörde diese Einrichtungen als „Bauwerke“ klassifiziert hatte.  Eine solche Baugenehmigung ist für die Zuchtanlage im Djúpið bislang nicht erteilt worden.

Die Rechtsanwältin und Naturschutzaktivistin Katrín Oddsdóttir hatte die Ankündigung, dass Fischzuchtanlagen auf dem Meer eine Baugenehmigung benötigen, als „grosse Nachricht“ bezeichnet und verlangt, die kommerzielle Fischzucht im ganzen Land sofort auszusetzen, weil kein Unternehmen in Island eine solche Baugenehmigung halte. Sie verwies auf Paragraf 13 im Baugesetz, wonach bei Ungewissheit darüber, ob das geplante Vorhaben, für das eine Baugenehmigung erforderlich ist, schwerwiegende oder irreversible Auswirkungen auf das Ökosystem hat, der Antragsteller ein Gutachten über die potenziellen und erheblichen Auswirkungen des Bauvorhabens auf das Ökosystem beibringen muss.

In einem Facebookbeitrag von gestern verweist die Anwältin nicht nur auf das geltende Naturschutzgesetz, sondern auch darauf, dass die bereits vorhandenen Zuchtgehege die Schiffahrtsroute in den Fjord behindern und gefährden und rein rechtlich durch die Verkehrswegsbehörde entfernt werden könnten.

Lachslausbefall im Tálknafjörður
Arctic Fish hatte im letzten Jahr nicht nur mit fortpflanzungsfähigen Lachsflüchtlingen zu tun, sondern auch mit der Lachslaus, einem Parasiten, der Zuchtfische verstümmelt und tötet. Einen Massivbefall mit Lachsläusen hat MAST in der Arctic Fish-Zuchtanlage im Tálknafjörður kritisiert. In der Studie, die Ende Februar veröffentlicht worden war, heisst es dass das Unternehmen schlecht vorbereitet war und den Lachsbefall unterschätzt habe. Im Herbst waren rund zwei Millionen Zuchtlachse verendet oder hatten gekeult werden müssen. Bei Zählungen hatten bis zu 100 Lächsläuse auf einzelnen Fischen gesessen. In die Öffentlichkeit geraten war der Befall durch Drohnenvideos der Kajakerin Veiga Grétarsdóttir.
Die Autoren der MAST-Studie empfehlen die Schaffung eines gesetzlichen Rahmenwerks für die kommerzielle Fischzucht in Island, um zu verhindern, dass sich derartige Fälle wiederholen.

 

Filmpremiere von Laxaþjóð – Eine Lachsnation

fish farming iceland

Morgen Abend findet im Reykjavíker Kino Gamla Bíó die Premiere des DokumentarfilmsLaxaþjóð – A Salmon Nation” statt. Der Film war vom US-amerikanischen Outdoorausrüster Patagonia produziert worden und behandelt die Situation der Lachszucht in offenen Meeresgehegen in Island.

Die Veranstaltung ist ein Gemeinschaftswerk von Patagonia, dem Fjordschutzverein Vá, der NASF und des isländischen Naturschutzfonds. Vor der Filmpremiere wird die Kayakerin und Aktivistin Veiga Grétarsdóttir einen Vortrag halten und Bildmaterial aus dem Zuchtbecken zeigen. Ausserdem gibt es eine Podiumsdiskussion und live-Musik.

Dreharbeiten just als Lachse entkamen
Der Film war im vergangenen Herbst aufgenommen worden, just als beim Fischkonzern Arctic Fish im Patreksfjörður rund 3500 geschlechtsreife Zuchtlachse in die Natur entkamen und in der Folge von Anglern in isländischen Flüssen gefunden wurden.
“Wir sind eigentlich mitten in dem Theater gelandet und haben dadurch ein grossartiges Kapitel im Film erhalten, das wir gar nicht geplant hatten, weil die Drehtage in Island schon lange vorher durchgeplant waren, bevor der Fisch entkam,” liess Regisseur Arthur Neumeier wissen.
“Das war so als ob man an den Tatort eines Verbrechens kommt, wo die Beweise davon- und an die Oberfläche schwimmen. Die norwegischen Taucher mit Harpunen kamen gleich nach uns ins Land,” erzählt er.

Hier gibt es Informationen zur Veranstaltung.

Umweltschutz im Fokus
“Seit 50 Jahren konzentrieren wir uns auf den Umweltschutz und sind uns darüber im Klaren, dass die Gesundheit der Natur und unsere Wirtschaft miteinander verknüpft sind,” erklärt Patagonia-Direktor Ryan Gellert sein grosses Interesse an Island. Im November 2019 hatte er der Regierung eine Liste mit 180.000 Unterschriften aus aller Welt ausgehändigt, mit der Aufforderung, die Lachszucht in offenen Meeresgehegen zu beenden. An dem Tag habe er Seite an Seite mit isländischen Angelvereinen und Naturschutzverbänden gestanden und man habe gehofft, dass noch Zeit genug sei, den Schaden an Islands Biodiversität zu mindern.
Heute hält er die Situation, der Islands Fauna und der wilde Lachsbestand ausgesetzt sind, für immer schwieriger. “Aber ich hoffe, weil ich Vertrauen in die Vision und den Mut der isländischen Politiker und der Isländer im Allgemeinen habe, dass da reagiert wird, um eure Natur, den Stolz der Nation, zu schützen, und dass man die Zucht in offenen Meeresgehegen verbietet, bevor es zu spät ist.“

Lachszucht: Anglerverband fordert neuen Ermittler in Fischfluchtfall

aquaculture farm iceland

Der isländischer Anglerverband will gegen die Entscheidung der westfirdischen Polizeidienststelle, die Ermittlungen wegen der Lachsflucht beim Fischzuchtriesen Arctic Sea Farm einzustellen, gerichtlich vorgehen, berichtet Vísir. Im August waren aus Meereszuchtgehegen im Patreksfjörður etwa 3500 Zuchtlachse in die freie Natur entkommen. Der Verbandsvorsitzende bezeichnete die Unfähigkeit des Dienststellenleiters in dieser Angelegenheit als schwerwiegend.

Angelflüsse voller Zuchtfische
In der vergangenen Woche hatte die Polizeidienststelle der Westfjorde angekündigt, die Ermittlungen zur Fischflucht im Patreksfjörður einzustellen. In einem Gehege waren seinerzeit zwei Löcher gefunden worden, durch die 3500 geschlechtsreife Zuchtlachse entkommen konnten. In den folgenden Wochen fingen Angler immer häufiger Lachse in Wildwasserflüssen. Schliesslich waren norwegische Taucher ins Land gebracht worden, um soviele dieser Zuchtfische wie möglich zu fangen und zu entnehmen.
Die Veterinäraufsichtsbehörde MAST hatte die Fischflucht aus der Zuchtfabrik schliesslich bei der Polizei zur Anzeige gebracht.

Fehlen von juristische Wissen
Der Geschäftsführer des Anglerverbands, Gunnar Örn Petersen, gab an, die Entscheidung des Polizeidienststellenleiters sei eine grosse Enttäuschung, und seine Unfähigkeit in dieser Angelegenheit schwerwiegend. Es sei allerdings schwer zu beurteilen, ob der Dienststellenleiter grundsätzlich unfähig sei, solche Fälle zu bearbeiten, weil ihm einfach das juristische Wissen fehle, oder ob er in dieser speziellen Angelegenheit befangen sei, und ob hier nicht sogar beides zutreffe.
Nach Gunnars Ansicht liege vor allem Unwissenheit und eine missverstandene Auslegung strafrechtlicher Befugnis des Fischzuchtgesetzes vor, insbesondere beim Verschuldungsgrundsatz und bei den unterschiedlichen Strafmassen. Derart juristisches Unwissen bei einem Ermittler sei sehr schwerwiegend. Dabei sei doch klar, dass das Gesetz gebrochen wurde.
„Es ist gegen das Gesetz zur Fischzucht verstossen worden, und wenn es wegen dieses grössten jemals in Island vorgekommenen Umweltunfalls zu keiner Bestrafung kommen wird, dann ist wohl klar, dass das Gesetz sein Ziel nicht erreicht.“ sagt Gunnar.

Fordern neuen Ermittler
Der Anglerverband will in seiner Klage fordern, dass ein anderer Ermittler mit dem Fall betraut wird, weil der derzeitige ja offensichtlich befangen sei.
Allerdings komme die Entscheidung, die Ermittlungen einzustellen, nicht ganz überraschend. „Es hat sich auch im Ausland gezeigt, dass soziale Gemeinschaften, die unter die Füsse eines solch grossen Konzerns geraten, in gewisser Weise gelähmt sind, weil Amtsträger und Einwohner sich nicht trauen, gegen die Unternehmen und ihre Leitung vorzugehen. In diesem Fall hat die Unternehmensleitung auch starke politische Kräfte im Rücken, und das kann natürlich zu Befangenheit führen.“ erklärt Gunnar.