Zuchtlachs: 2023 brachte Invasion in isländische Flüsse, Wildbestand gefährdet

Biologist Jóhannes Sturlaugsson inspects the salmon.

Noch nie zuvor hat das isländische Marineforschungsinstitut soviele Zuchtlachse aus isländischen Flüssen zur genetischen Überprüfung erhalten wie im letzten Jahr, berichtet RÚV. Ein Sprecher des isländischen Sportangelverbandes sagt, die Frage dränge sich auf, ob man zukünftig nicht alle gefangenen Wildlachse wieder in die Flüsse entlässt, um eine Gegenwehr zu den Zuchtlachsen aufzubauen.
Leo Alexander Guðmundsson, ein Meeresbiologe beim Marineforschungsinstitut, erklärte bei einer Sitzung zum Thema Süsswasserfische am Morgen, dass es im vergangenen Jahr zu einer erhebliche Mutation durch die entkommenen Zuchtlachse gekommen sei.

416 Zuchtlachse in 59 Flüssen
Im vergangenen Jahr sind dem Institut 442 Lachse überbracht worden, bei denen der Verdacht bestand, dass es sich um Zuchtexemplare handeln könnte. Sie waren in insgesamt 59 isländischen Flüssen gefangen worden. Bei der genetischen Überprüfung dieser Fische stellte sich heraus, das 416 von ihnen tatsächlich Zuchtlachse aus Fischzuchtanlagen im Meer waren. Der grösste Teil von ihnen war geschlechtsreif. Vor dem Jahr 2023 hatte das Institut maximal bis zu 64 Zuchtfische pro Jahr genetisch identifiziert. Auf dem Foto ist der Biologe Jóhannes Sturlaugsson zu sehen, der im letzten Jahr nächtelang Zuchtlachse aus Flüssen in den Westfjorden gezogen hat, wie in der Dokumentation Laxaþjóð zu sehen ist.

Widerstand gegen Fischinvasion aufbauen
Der Landesverband der Sportangler zeigt sich über diese Nachricht äusserst besorgt. Der Verbandsvorsitzende Jón Helgi Björnsson gab an, wenn auch weiterhin damit gerechnet werden müsse dass man derart viele Zuchtlachse aus den Flüssen ziehe, dränge sich die Frage auf, ob man nicht vielleicht sämtliche gefangenen Wildlachse, die im Land gefangen werden, wieder in die Flüsse zurückwirft.
„Man dürfte den Wildlachs einfach nicht töten, um seine Widerstandsfähigkeit gegenüber dieser Invasion von Zuchtlachsen zu erhöhen,“ meint Jón.

Gegrillter Wildlachs bald Vergangenheit?
Die sogenannte Catch&Release Angelmethode, bei der der Fisch nach dem Fang gleich wieder ins Wasser zurückgesetzt wird, ist bei vielen Sportanglern üblich und in manchen Flüssen sogar Pflicht. In Island wird der grösste Teil der Wildlachse wieder freigelassen. Damit ist es gelungen, die Angelbelastung der Flüsse zu verringern. Jón Helgi sagt, C&R werde zukünftig noch wichtiger als zuvor.
„Das was für uns bislang völlig normal war, dass man sich bei starken Beständen auch ein bischen was zum Essen fischt, das könnte wohl bald der Vergangenheit angehören. Einfach weil wenn wir auch weiterhin mit derart grossen ungewollten Lachsfluchten rechnen müssen, dann braucht der wilde Lachs jeden einzigen Fisch seines Bestandes.“

Immer noch liegt der neue Rahmengesetzentwurf zur kommerziellen Fischzucht dem Parlament zur Debatte vor. Nach dem Amtswechsel im Ministerium für Fischerei und Landwirtschaft war auch der Passus zu Strafen bei Fischflucht aus Meereszuchtanlagen geändert worden. Ursprünglich hatte der Gesetzentwurf einen Verlust der Zuchtquote vorgesehen, an seine Stelle sind nun Geldstrafen getreten, die Rede ist von je nach Region bis zu einer Million ISK (6650 EUR) pro entkommenem Zuchtfisch. Icelandreview hatte berichtet.
Anfang Mai waren junge Zuchtfische aus einer landgestützen Zuchtanlage ins Meer entkommen. Hier lesen Sie auch mehr über unfruchtbare, sogenannte triploide Zuchtlachse.

Lachszucht: Ministerin will Betriebslizenz dauerhaft an Konzerne vergeben

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Die isländische Regierung plant, den Fischzuchtunternehmen im Land die Lachszuchtquote dauerhaft zu überlassen, berichtet Heimildin.
Bei dem im Parlament vorliegenden Gesetzentwurf der neuen Ministerin für Fischerei und Landwirtschaft, Bjarkey Olsen Gunnarsdóttir, handelt es sich um eine grundlegende Änderung in der Vereinbarung zur meeresgestützten Fischzucht. Bislang sind solche Betriebsgenehmigungen immer auf 16 Jahre begrenzt gewesen.

Übertragung von Volkseigentum auf Privatpersonen
Der Gesetzentwurf stammt noch von Amtsvorgängerin Svandís Svavarsdóttir. Ausgerechnet dieser Passus der unbegrenzten Zeit hat bislang sämtliche Debatten und Einwände im staatlichen Diskursportal unbeschadet überstanden – niemand hat daran Anstoss genommen. „Unbefristete Betriebserlaubnis: Erfüllt der Inhaber der Betriebserlaubnis alle Voraussetzungen dieses Gesetzes und der darauf basierenden Regelungen, so ist die Betriebserlaubnis für die meeresgestützte Fischzucht unbefristet. Betriebsgenehmigungen können aufgrund von Gesetzen und Vorschriften jederzeit geändert und widerrufen werden.“
Heimildin schreibt, diese Bestimmung des Gesetzentwurfs könne mit der grundlegenden Änderung in der Fischereiindustrie verglichen werden, als im Jahr 1990 die Übertragung der Fangquote zugelassen wurde. Diese Übertragung ermöglichte den Quoteninhabern, die ihnen zugesprochene Quote zu verpfänden oder verkaufen, obwohl sie gar nicht ihr Eigentum war, sondern dem isländischen Volk gehört. Die Gesetzesänderung der freien Übertragung gehört zu den umstrittensten der letzten Jahrzehnte und hat in der TV-Serie Verbúðin eine künstlerisch-kritische Aufarbeitung gefunden.

Verfassungswidriges Geschenk
Im Gesetzentwurf zur Fischzucht wird nun noch ein Schritt weitergegangen. Die Fischereiquote kann formal gesehen eingezogen werden, um sie dann neu auszuschreiben, und solche Vorschläge sind auch immer mal wieder auf der Tagesordnung gewesen.
Für die Quote bei der Fischzucht soll dies jedoch ausgeschlossen werden.

Einer der wenigen, die sich kritisch zu dem neuen Gesetz geäussert haben, ist der Vorsitzende des Naturschutzverbandes, Árni Finnsson, der das Gesetz als dauerhaftes Geschenk an die Lachszuchtkonzerne bezeichnete. „Eine der gefährlichsten Bestimmungen des Gesetzentwurfs. Hier wird versucht, die Verteilung natürlicher Ressourcen in isländischen Fjorden und Küstenmeeren für die gesamte Zukunft zu legalisieren, was nahezu als dauerhaftes Geschenk betrachtet werden muss. Das entspricht nicht den Bestimmungen der Landesverfassung.“ sagte Árni Heimildin gegenüber.

Freifahrtschein in jeder Hinsicht
Falls die Regierung die Fischzuchtquote zurückrufen oder die Fischzucht ganz verbieten wollte, so wie Naturschutzverbände und andere Interessenvertreter das fordern, könnte das mit massiven Schadensersatzforderungen seitens der Lachskonzerne enden.
Begründet wird die Gesetzesänderung damit, dass die Konzerne durch eine unbegrenzte Betriebserlaubnis mehr Vorhersehbarkeit für ihre Unternehmung erhielten. Ausserdem werde die „Rechtswirkung der Gültigkeitsdauer“ deutlicher.
Natürlich müssen die Lizenzinhaber unbedingt alle Regeln befolgen, so steht es in dem Entwurf. Aber „Inhaber einer Betriebserlaubnis müssen nicht befürchten, dass die Erlaubnis zu einem bestimmten Zeitpunkt automatisch erlischt, sie müssen andererseits höhere Anforderungen in Kauf nehmen, um den Anforderungen an die Fischzucht und deren Betrieb gesetzeskonform zu genügen.“

Eins der Probleme mit der Formulierung des Gesetzentwurfes ist die Tatsache dass die harten Strafen bei Zuwiderhandlung bzw Umweltunfällen, die im Entwurf von Vorgängerin Svandís Svavarsdóttir noch enthalten waren, von der jetzigen Amtsinhaberin herausgenommen wurden. Svandís hatte beispielsweise auf der Webseite der Regierung angekündigt: “Massenverlust und Läusebefall in den Gehegen wirken sich direkt auf das Produktionspotenzial aus. Die Produktionsquoten werden eingeschränkt, wenn eine Lachsflucht aus den Gehegen stattgefunden hat.”

Das bedeutete, dass Lachskonzerne ihr Quote nach Betriebsfehlern verlieren konnten. Genau dieser Passus ist von der neuen Ministerin aus dem Vorschlag entfernt worden, nachdem die Kommentarfrist im Regierungsportal beendet war und bevor der Vorschlag im Parlament vorgelegt wurde. Die Öffentlichkeit konnte sich also nicht mehr dazu äussern. Statt Quotenverlust sollen nun Strafgebühren fällig werden.
Damit könnten die Lachszuchtkonzerne nun einen Freifahrtschein erhalten: eine unbeschränkte Betriebserlaubnis ohne die Gefahr eines Quotenverlustes nach Betriebsfehlern.

Ministerin agiert gegen Willen des vormaligen PM
Heimildin findet die Änderungen bemerkenswert im Lichte der Tatsache, dass es sich hier um eine Ministerin der Linksgrünen Bewegung handelt, die da grundlegende Änderungen in der Kontrolle natürlicher Ressourcen vorschlägt, welche im Grunde genommen das Eigentumsrecht von Privatpersonen an diesen Ressourcen einschliesst. Ressourcen, die eigentlich der isländischen Nation gehören.

Die vormalige Premierministerin Katrin Jakobsdóttir, ebenfalls Linksgrüne und zur Zeit auf dem Weg in den Präsidentschaftswahlkampf, hatte anlässlich der umstrittenen Aktienübertragung von Eltern auf Kinder innerhalb einer isländischen Fischereidynastie im Jahr 2020 betont, wie wichtig es sei, den Resourcenpassus in die isländische Verfassung aufzunehmen. Damit genau dies verhindert wird: die dauerhafte Aushändigung von natürlichen Resourcen in Volkseigentum an Einzelpersonen.
„Das Recht, die gemeinsamen Ressourcen der Nation zu nutzen, sollte niemals dauerhaft sein, so dass es wiederholt zwischen den Generationen übertragen werden kann, als ob es sich um Privateigentum handelt. Ich denke, es ist absolut klar, dass dies nicht der Wille des Volkes ist.” hatte Katrín seinerzeit angegeben.

Im Gesetzentwurf der linksgrünen Fischereiministerin heisst es, die Idee der dauerhaften Übertragung sei eine „Neuheit“: Statt einer Betriebsgenehmigung für 16 Jahre sollen die Fischzuchtkonzerne sie nun für immer halten.

 

Lachsflucht: Polizei muss weiter nach Fehlern suchen

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Der Polizeileiter der Direktion Westfjorde hat Ende letzten Jahres eine Untersuchung zur versehentlichen Freilassung von Zuchtlachsen aus den Meeresgehegen des Fischkonzerns Arctic Fish eingestellt. Gegen die Verfahrenseinstellung ist Berufung eingelegt worden, nun hat die Staatsanwaltschaft hat entschieden, dass die Ermittlungen fortgesetzt werden sollen, berichtet RÚV.
Helgi Jensson, der Leiter der Polizeidirektion Westfjorde, hatte im Dezember angegeben, die vorliegenden Daten wiesen weder auf Fehler bei der Einrichtung oder auf Unterlassungen des Unternehmens hin.

30 Kläger gegen die Polizei
Im Januar legten 30 Institutionen Berufung gegen Helgis Entscheidung ein. Der Staatsanwalt hat jetzt verfügt, dass Helgi, der im letzten Jahr keine Fehler entdecken konnte, seine Fehlersuche fortsetzen muss. Die Staatsanwaltschaft ist nämlich sehr wohl der Meinung, dass beim Unternehmen Vorschriften nicht befolgt wurden, und dass dort nichts unternommen wurde, um sicherzustellen, dass Arbeiten vorschriftsmäßig ausgeführt wurden. Daher gehe man nicht davon aus, dass es korrekt war, die Ermittlungen einzustellen.
Für Helgi kommt das Urteil nicht überraschend. Nun also wird die Untersuchung wieder aufgenommen, um dann zu entscheiden, ob Anzeige erstattet wird oder das Verfahren eingestellt wird.

Staatsanwalt prüft alle 30 Beschwerden
Bei den Klägern ist man vor allem mit der Tatsache zufrieden, dass die Staatsanwaltschaft „tatsächlich die Beschwerden aller etwa dreißig Beschwerdeführer einer inhaltlichen Prüfung unterzieht, einfach auf der Grundlage, dass die gesamte Öffentlichkeit ein Interesse daran hat, dass wild lebende Süßwasserbestände (Wildlachs) nicht beschädigt werden.“ sagte Gunnar Örn Petersen, Geschäftsführer des klagenden Landesverbandes der Angelvereine.

Neue Gehege verschandeln Sandeyri
Die Lachsbranche schläft unterdessen nicht. Im März hatte Icelandreview berichtet, dass die isländische Veterinär- und Lebensmittelaufsichtsbehörde (MAST) dem Fischzuchtunternehmen Arctic Sea Farms ehf. (Arctic Fish) eine erweiterte Betriebsgenehmigung für die Meeresfischzucht bei Sandeyri im Ísfjarðardjúp erteilt hat. Damit kann die erlaubte Menge an Zuchtlachs und Regenbogenforelle in dem Fjord von 5,300 Tonnen auf 8000 Tonnen steigen. Die Rechtsanwältin und Naturschützerin Katrin Oddsdóttir hatte darauf verwiesen, dass eine notwendige Baugenehmigung für die Zuchtanlage nicht vorliege. Tatsächlich verfügt keine Fischzuchtanlage in Island über eine notwendige Baugenehmigung.

Gestern schrieb sie auf ihrer Facebookseite, die Baugenehmigung für die Zuchtanlage in Sandeyri sei erteilt worden, und der Antrag des Landeigentümers, an dessen Ufer da gebaut wird, die Errichtung der Anlage zu verschieben, bis seine Klage wegen der Betriebsgenehmigung stattgegeben werde, sei abgelehnt worden. Arctic Fish wolle noch vor dem 26. April Lachslaich aussetzen. Heute Morgen, so schreibt Katrin, seien Netzgehege und Futterkahn in Sandeyri verankert worden.
Katrin bezeichnet dies als „schwarzen Tag in der Geschichte des Naturschutzes in Island“.

 

 

 

Lachszucht: MAST erteilt Lizenz, Baugenehmigung fehlt

Bíldudalur Arnarfjörður

Die isländische Veterinär- und Lebensmittelaufsichtsbehörde (MAST) hat dem Fischzuchtunternehmen Arctic Sea Farms ehf. (Arctic Fish) eine erweiterte Betriebsgenehmigung für die Meeresfischzucht bei Sandeyri im Ísfjarðardjúp erteilt. Damit wächst die erlaubte Menge an Zuchtlachs und Regenbogenforelle von 5,300 Tonnen auf 8000 Tonnen im Fjord.

5200 Tonnen fortpflanzungsfähiger Lachs
In einer Mitteilung von MAST heisst es, dass von diesen 8000 Tonnen maximaler Biomasse höchstens 5.200 Tonnen fortpflanzungsfähiger Lachs sein dürfen. Dem Unternehmen waren im August letzten Jahren mehr als 3500 fortpflanzungsfähige Zuchtlachse in die Natur entkommen. In der Folge hatten norwegische Spezialtaucher ins Land gebracht werden müssen, um die Zuchtlachse aus den Angelflüssen zu entnehmen, damit die Zuchtfische sich nicht mit den Wildlachsen paaren.
„Das Ministerium für Fischerei und Landwirtschaft hat ein Belastungsgutachten und eine Risikobewertung für die Erbgutvermischung in der Fischzucht in Island erstellt. Das Belastungsgutachten sieht für das Ísafjarðardjúp 30.000 Tonnen vor, und die Riskobewertung für die Erbgutvermischung erlaubt eine maximale Biomasse von 12.000 Tonnen fortpflanzungsfähigem Lachs im Djúpið,“ heisst es weiter in der Mitteilung. Auch das Umweltgutachten fiel positiv aus. Gegen die Lizenzerteilung von MAST kann beim Berufungsausschuss für Umwelt- und Resoucenangelegenheiten bis Ende März Einspruch eingelegt werden.

Baugenehmigung für Meeresgehege
Allerdings muss seit dem 15. Februar eine Baugenehmigung für jegliche Fischzuchtanlagen auf dem Meer beantragt werden, nachdem die Behörde diese Einrichtungen als „Bauwerke“ klassifiziert hatte.  Eine solche Baugenehmigung ist für die Zuchtanlage im Djúpið bislang nicht erteilt worden.

Die Rechtsanwältin und Naturschutzaktivistin Katrín Oddsdóttir hatte die Ankündigung, dass Fischzuchtanlagen auf dem Meer eine Baugenehmigung benötigen, als „grosse Nachricht“ bezeichnet und verlangt, die kommerzielle Fischzucht im ganzen Land sofort auszusetzen, weil kein Unternehmen in Island eine solche Baugenehmigung halte. Sie verwies auf Paragraf 13 im Baugesetz, wonach bei Ungewissheit darüber, ob das geplante Vorhaben, für das eine Baugenehmigung erforderlich ist, schwerwiegende oder irreversible Auswirkungen auf das Ökosystem hat, der Antragsteller ein Gutachten über die potenziellen und erheblichen Auswirkungen des Bauvorhabens auf das Ökosystem beibringen muss.

In einem Facebookbeitrag von gestern verweist die Anwältin nicht nur auf das geltende Naturschutzgesetz, sondern auch darauf, dass die bereits vorhandenen Zuchtgehege die Schiffahrtsroute in den Fjord behindern und gefährden und rein rechtlich durch die Verkehrswegsbehörde entfernt werden könnten.

Lachslausbefall im Tálknafjörður
Arctic Fish hatte im letzten Jahr nicht nur mit fortpflanzungsfähigen Lachsflüchtlingen zu tun, sondern auch mit der Lachslaus, einem Parasiten, der Zuchtfische verstümmelt und tötet. Einen Massivbefall mit Lachsläusen hat MAST in der Arctic Fish-Zuchtanlage im Tálknafjörður kritisiert. In der Studie, die Ende Februar veröffentlicht worden war, heisst es dass das Unternehmen schlecht vorbereitet war und den Lachsbefall unterschätzt habe. Im Herbst waren rund zwei Millionen Zuchtlachse verendet oder hatten gekeult werden müssen. Bei Zählungen hatten bis zu 100 Lächsläuse auf einzelnen Fischen gesessen. In die Öffentlichkeit geraten war der Befall durch Drohnenvideos der Kajakerin Veiga Grétarsdóttir.
Die Autoren der MAST-Studie empfehlen die Schaffung eines gesetzlichen Rahmenwerks für die kommerzielle Fischzucht in Island, um zu verhindern, dass sich derartige Fälle wiederholen.

 

Filmpremiere von Laxaþjóð – Eine Lachsnation

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Morgen Abend findet im Reykjavíker Kino Gamla Bíó die Premiere des DokumentarfilmsLaxaþjóð – A Salmon Nation” statt. Der Film war vom US-amerikanischen Outdoorausrüster Patagonia produziert worden und behandelt die Situation der Lachszucht in offenen Meeresgehegen in Island.

Die Veranstaltung ist ein Gemeinschaftswerk von Patagonia, dem Fjordschutzverein Vá, der NASF und des isländischen Naturschutzfonds. Vor der Filmpremiere wird die Kayakerin und Aktivistin Veiga Grétarsdóttir einen Vortrag halten und Bildmaterial aus dem Zuchtbecken zeigen. Ausserdem gibt es eine Podiumsdiskussion und live-Musik.

Dreharbeiten just als Lachse entkamen
Der Film war im vergangenen Herbst aufgenommen worden, just als beim Fischkonzern Arctic Fish im Patreksfjörður rund 3500 geschlechtsreife Zuchtlachse in die Natur entkamen und in der Folge von Anglern in isländischen Flüssen gefunden wurden.
“Wir sind eigentlich mitten in dem Theater gelandet und haben dadurch ein grossartiges Kapitel im Film erhalten, das wir gar nicht geplant hatten, weil die Drehtage in Island schon lange vorher durchgeplant waren, bevor der Fisch entkam,” liess Regisseur Arthur Neumeier wissen.
“Das war so als ob man an den Tatort eines Verbrechens kommt, wo die Beweise davon- und an die Oberfläche schwimmen. Die norwegischen Taucher mit Harpunen kamen gleich nach uns ins Land,” erzählt er.

Hier gibt es Informationen zur Veranstaltung.

Umweltschutz im Fokus
“Seit 50 Jahren konzentrieren wir uns auf den Umweltschutz und sind uns darüber im Klaren, dass die Gesundheit der Natur und unsere Wirtschaft miteinander verknüpft sind,” erklärt Patagonia-Direktor Ryan Gellert sein grosses Interesse an Island. Im November 2019 hatte er der Regierung eine Liste mit 180.000 Unterschriften aus aller Welt ausgehändigt, mit der Aufforderung, die Lachszucht in offenen Meeresgehegen zu beenden. An dem Tag habe er Seite an Seite mit isländischen Angelvereinen und Naturschutzverbänden gestanden und man habe gehofft, dass noch Zeit genug sei, den Schaden an Islands Biodiversität zu mindern.
Heute hält er die Situation, der Islands Fauna und der wilde Lachsbestand ausgesetzt sind, für immer schwieriger. “Aber ich hoffe, weil ich Vertrauen in die Vision und den Mut der isländischen Politiker und der Isländer im Allgemeinen habe, dass da reagiert wird, um eure Natur, den Stolz der Nation, zu schützen, und dass man die Zucht in offenen Meeresgehegen verbietet, bevor es zu spät ist.“

Lachsflucht in den Westfjorden: Polizei stellt Ermittlungen ein

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Die Polizeidirektion der Westfjorde hat ihre Ermittlungen im Fall der Lachsflucht beim Fischzuchtkonzern Arctic Sea Farm ehf. eingestellt. Im August waren im Patreksfjörður um die 3500 Zuchtlachse aus einem Meeresgehege in die freie Natur entkommen. Im September hatte MAST den Fall zur Anzeige gebracht.

In einem Facebookbeitrag der Polizeibehörde heisst es, die Ermittlungen seien eingestellt worden, weil es keine Grundlage gebe, um sie weiter voranzutreiben. Aus den Akten gehe nicht hervor, dass die Ausrüstung der Meeresgehege aufgrund von Handlungen oder unterlassenen Handlungen mangelhaft gewesen sei, oder dass es sich um ein grosses Verschulden handle.
Dem Gesetz nach haftet die Unternehmensleitung mit Geldstrafen oder Gefängnis von bis zu zwei Jahren, wenn Zuchtfische aus einer Zuchtanlage in die freie Natur entkommen, wenn die Ausrüstung vorsätzlich oder durch Leichtsinn mangelhaft war, heisst es in einer Mitteilung von MAST.

Der Sportangler Elías Pétur Viðfjörð Þórarinsson war einer der ersten, der seinerzeit die vielen Zuchtlachse in den Flüssen entdeckt hatte. “An einem Tag fingen wir sechs Zuchtfische, die sich alle in sehr schlechtem Zustand befanden. Die hatten offene Wunden, zerfetzte Flossen und waren voller Lachsläuse. Wir fingen auch Wildlachs, und der war auch voller Lachsläuse, und wir waren überrascht, dass da kein Mitarbeiter der Fischereibehörde unterwegs war, um die entkommenen Zuchtfische in den Flüssen zu suchen.“ sagte Elías Vísir gegenüber.
Im Herbst wurden dann Spezialtaucher aus Norwegen ins Land geholt, die die entkommenen Lachse in den Flüssen aufspürten und vor Ort töteten.

 

Lachsflucht: Risikobewertung 2023 muss überarbeitet werden

Bíldudalur Arnarfjörður

Aufgrund veränderter Bedingungen hat das Marineforschungsinstitut beschlossen, die Risikobewertung der genetischen Vermischung von Lachsen zu überarbeiten, berichtet RÚV. Im August waren etwa 3.500 Lachse aus einem Meereszuchtgehege des Unternehmens Arctic Fish im Patreksfjörður in die freie Natur entkommen, und viele dieser Zuchtlachse waren Sportanglern an die Angel gegangen.

Risikobewertung aus 2020 und 2023 veraltet
Eine der Aufgaben des Marineforschungsinstituts besteht darin, in regelmäßigen Abständen Risikobewertungen für die Fischzucht durchzuführen. Dabei wird analysiert, wie viel Zuchtlachs in einem Jahr die Flüsse hochwandern kann, ohne dem Wildbestand genetischen Schaden zuzufügen. Die letzte Risikobewertung stammt aus dem Jahr 2020. Damals war vereinbart worden, dass die maximale inländische Produktion von Zuchtlachs in offenen Meeresgehegen 106.500 Tonnen betragen würde. Das ist etwa doppelt so viel, wie bereits jetzt im Land produziert wird.

Das Marineforschungsinstitut hat Anfang des Monats seine aktuelle Risikobewertung an den Beratenden Ausschuss für Fischzucht geschickt. In der Bewertung ging man nicht davon aus, dass viele ausgewachsene Zuchtlachse in die Lachsflüsse eindringen. Die Realität sah jedoch anders aus, und inzwischen ist auch klar geworden, dass ein beträchtlicher Teil der aus den Meeresgehegen von Arctic Fish entkommenen Zuchtlache die Geschlechtsreife erreicht hat: Anfang dieses Monats hatte nämlich die Fischereibehörde norwegische Taucher ins Land geholt, um in Flüssen der Westfjorde nach Fluchtlachsen zu jagen. Bei Untersuchung der erbeuteten Fische stellte sich heraus, dass 40 von 42 Zuchtfischen geschlechtsreif und damit fruchtbar waren.

Defekte Beleuchtung schuld an der Frühreife
Ein Grund für die frühe Geschlechtsreife der Fische (die laut Zuchtplan eigentlich noch nicht hätten fortpflanzungsfähig sein sollen) ist bislang nicht angegeben worden, als wahrscheinliche Erklärung gilt jedoch eine defekte Lichtsteuerung. In einer Bekanntmachung von Hafro hiess es, wegen dieser veränderten Bedingung müsse die Risikobewertung überprüft werden. Der Verband der Fischereiunternehmen hat diese Entscheidung akzeptiert.

Die Flucht der Zuchtlachse in den Westfjorden wird derzeit von der örtlichen Polizeidirektion untersucht. Ebenso prüft man, ob Arctic Fish gegen das Fischzuchtgesetz 71/2008 verstossen hat, dort sieht Art. 22 vor, dass Manager und Vorstandsmitglieder eines Lizenzinhabers mit einer Geldstrafe oder Freiheitsentzug von bis zu zwei Jahren belegt werden können, wenn es sich um schwerwiegende Verstöße handelt.
Als schwerwiegender Verstoss würde etwa die Flucht eines Zuchtfischs aus einer betrieblichen Zuchteinrichtung gelten, wo die Ausrüstung aufgrund vorsätzlicher oder fahrlässiger Handlungen oder Unterlassungen unzureichend war.