Lachszucht: 450.000 tote Lachse nach besonders kaltem Winter

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Rund 300.000 Zuchtlachse sind im März diesen Jahres in Meereszuchtgehegen des Lachskonzerns Arnarlax in den Westfjorden verendet. Unter anderem werden Wintergeschwüre für das Massensterben verantwortlich gemacht. Im gesamten Land verendeten im letzten Monat etwa 450.000 Zuchtlachse, das ist doppelt soviel wie im gleichen Zeitraum des letzten Jahres und etwas weniger als im Jahr 2022, berichtet Heimildin.

Qualvoller Tod in eisigem Wasser
Wintergeschwüre entstehen in besonders kalten Wintern mit entsprechend niedrigen Meerestemperaturen, die sich negativ auf den Zuchtlachs auswirken. Von den 450.000 verendeten Zuchtfischen im Land hatten sich zwei Drittel im Besitz des Arnarlax Konzerns befunden. Die meisten toten Lachse (290.000) verendeten im März im Arnarfjörður. Ende Februar schwammen 18 Millionen Zuchtlachse in den Meeresgehegen rund um die Insel, 2,5 Prozent des Gesamtbestandes sind im letzten Monat verendet.
Diese Zahlen stammen aus einer Mailantwort der Veterinäraufsichtsbehörde (MAST) an Heimildin. Der Behörde ist es nicht gestattet, die Verluste nach Unternehmen aufzuteilen. Allerdings sei das Massensterben besonders gross bei Arnarlax gewesen. „Hauptgrund des Verlustes sind Moritella viscosa, Parvicapsulose und Tenacibaculum.“
Moritella verursacht Wintergeschwüre und ist verursacht besonders schwere Schäden in der isländischen Fischzucht, weil das Meer hier so kalt ist. Parvicapsulose ist eine Parasitenerkrankung, die hierzulande zum ersten Mal im Jahr 2019 diagnostiziert wurde. Die Bakterie Tenacibaculum verursacht Geschwüre an den Flossen und führt zum Tod des Fisches.

Sensible Daten nicht kommentiert
Die Fischzuchtstatistiken bei MAST sind wegen eines Systemfehlers derzeit deaktiviert, daher hatte Heimildin die Informationen per Email direkt von der Behörde erhalten. Arnarlax Direktor Björn Hembre wollte sich auf Anfrage des Magazins nicht äussern, weil es sich um wirtschaftlich sensible Daten handle. Sein Unternehmen werde den Schaden im Vierteljahresbericht Mitte Mai behandeln, liess er wissen.

Bemerkenswert sei, so schreibt Heimildin, dass diese Zahlen verendeter Zuchtlachs in isländischen Meeresgehegen zwar hoch seien, doch trotz des bakteriellen Hintergrunds seien sie nicht ungewöhnlich hoch. Im März 2022 seien rund 470.000 Zuchtlachse in Meeresgehegen verendet, damals hatte sich der Gesamtbestand auf 15 Millionen Zuchtfische belaufen. Der Anteil verendeter Zuchtfische hatte demnach bei 3,1 Prozent gelegen.

Strassenbau in den Westfjorden: aus Asphaltbrösel wird wieder Schotterpiste

Der Vestfjarðavegur Nr. 60, die Strasse die durch die Dalir und die Region Reykhólarsveit führt, ist in einem so schlechten Zustand, dass die isländische Strassenverwaltung entschieden hat, den Asphalt streckenweise abzutragen und eine Schotterpiste zu glätten. Der Gebietsleiter der Behörde sagte RÚV, im Frühling bestehe für zahlreiche weitere Strassen die Gefahr, dass sie unbefahrbar würden.

Asphalt zerbröselt mit dem Tauwetter
Die alten Strassen können den steigenden Schwerlastverkehr von und in die Westfjorde nicht bewältigen. Pálmi Þór Sævarsson meint, für eine solche Massnahme müsse die Strasse schon wirklich schlecht aussehen. „Das ist natürlich eine absolute Notlösung. Der Zustand hat sich so verschlechtert, dass dort tiefe Löcher entstanden und der Asphalt zerbröselt ist. Dann lösen sich grosse Brocken, die für den Verkehr sehr gefährlich sind.“ Diese Strassenschäden seien in kurzer Zeit entstanden. „Es hatte dort lange Frost geherrscht, und dann gab es ein paar Mal plötzliches Tauwetter. Da hat sich das völlig zerlegt.“
Eine Asphaltdecke kann nicht vor dem Sommer verlegt werden. Derzeit schaut sich die Behörde den Strassenzustand von der Brattabrekka zur Brücke über den Þorskafjörður an. „Das bereitet uns grosse Sorgen, wie es dort weitergeht. Das sind ja nicht die einzigen Abschnitte, die so schlecht aussehen.“ Bis zum Sommer vergehe noch einige Zeit, in der es abwechselnd gefriere und taue, das stelle für viele Strassen in den Westfjorden ein Problem dar.

16 LKW-Transporte mit Lachs pro Tag
Das Strassennetz in Islands äusserstem Nordwesten ist durch die verstreuten Einzelhöfe riesig, aber für den Individualverkehr früherer Zeiten konzipiert, ganz anders als sich die heutige Verkehrssituation darstellt. „Das sind alte Strassen, die da in grossem Stil Schwerlastverkehr bewältigen müssen. Wir schaffen das gar nicht, die so instandzuhalten, wie wir müssten,“ sagt Pálmi. Die Kosten für die Auffüllung der Schlaglöcher hätten sich in den letzten Jahren verfünffacht, zusammen mit der erhöhten Arbeitsbelastung.

Auch das Geld vom Staat reiche bei weitem nicht aus, wenn durch die Schwerlasstschäden gleich soviele Strassenabschnitte auf einmal zerstört würden. „Als ich hier vor acht Jahren bei der Strassenverwaltung angefangen habe,“ erzählt Pálmi, „da fuhren hier nur ganz wenige Autos. Jetzt sind das rund 16 LKW pro Tag, wenn zum Beispiel die Lachse geschlachtet werden.“

Kaputter Asphalt auf Snæfellsnes
Als klar wurde, wie der Strassenzustand aussieht, setzte die Behörde eine Maximalbelastung von 10 Tonnen fest. Damit können die Transporteure nun weniger Ladung aufnehmen. In den Dalir wurde die Achslast auf sieben Tonnen verringert, damit kam der Weg für kaum noch einen Transport in Frage. Die Transporteure wichen auf andere Strassen aus, wie durchs Djúpið, oder den Innstrandavegur, oder sie nahmen die Fähre Baldur über den Breiðafjörður nach Stykkishólmur.
Für den Schwerlastverkehr wurden dazu die Fährenabfahrten erhöht. Aber rund um Stykkishólmur sieht es auf den Strassen auch nicht besser aus, sagt Pálmi. „Die ersten Kilometer aus Stykkishólmur heraus sind kaputt. Auf Snæfellsnes in Richtung Borgarnes ist die Strasse in schlechtem Zustand und müsste ausgebessert werden.“

Lachsfabriken brauchen Islands Strassen
Die Lebensmittelhersteller in den Westfjorden, allen voran die grossen Lachszuchtfabriken, benötigen das Strassennetz, um ihre Waren zum Verbraucher bringen zu können. Aber natürlich müssen auch Lebensmittel wie Milchprodukte, Obst und Gemüse, sowie Waren des täglichen Bedarfs von Reykjavík aus in die Westfjorde transportiert werden, weil das isländische Warenversorgungsnetz im Hauptstadtbereich zentralisiert ist. So reisen etwa Milchprodukte der Molkerei Arna aus Bolungarvík nach Reykjavík und von dort aus zurück in die Supermärkte von Ísafjörður und Bolungarvík.
Linda Gunnlaugsdóttir vom Fischzuchtunternehmen Arnarlax in den Westfjorden kritisiert, der Strassenzustand verursache Zusatzkosten, zusätzliche Reparaturen und Unfallgefahren.
Pálmi findet es schlimm, die nötige Dienstleistung nicht für die erbringen zu können, die die Strassen benutzen müssten. „Es ist wirklich traurig, dass wir bei diesem Aufbau, der im ganzen Land stattfindet, sowohl in den Westfjorden als auch in Snæfellsnes, nicht mithalten können.“

Lachsflucht in den Westfjorden: Polizei stellt Ermittlungen ein

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Die Polizeidirektion der Westfjorde hat ihre Ermittlungen im Fall der Lachsflucht beim Fischzuchtkonzern Arctic Sea Farm ehf. eingestellt. Im August waren im Patreksfjörður um die 3500 Zuchtlachse aus einem Meeresgehege in die freie Natur entkommen. Im September hatte MAST den Fall zur Anzeige gebracht.

In einem Facebookbeitrag der Polizeibehörde heisst es, die Ermittlungen seien eingestellt worden, weil es keine Grundlage gebe, um sie weiter voranzutreiben. Aus den Akten gehe nicht hervor, dass die Ausrüstung der Meeresgehege aufgrund von Handlungen oder unterlassenen Handlungen mangelhaft gewesen sei, oder dass es sich um ein grosses Verschulden handle.
Dem Gesetz nach haftet die Unternehmensleitung mit Geldstrafen oder Gefängnis von bis zu zwei Jahren, wenn Zuchtfische aus einer Zuchtanlage in die freie Natur entkommen, wenn die Ausrüstung vorsätzlich oder durch Leichtsinn mangelhaft war, heisst es in einer Mitteilung von MAST.

Der Sportangler Elías Pétur Viðfjörð Þórarinsson war einer der ersten, der seinerzeit die vielen Zuchtlachse in den Flüssen entdeckt hatte. “An einem Tag fingen wir sechs Zuchtfische, die sich alle in sehr schlechtem Zustand befanden. Die hatten offene Wunden, zerfetzte Flossen und waren voller Lachsläuse. Wir fingen auch Wildlachs, und der war auch voller Lachsläuse, und wir waren überrascht, dass da kein Mitarbeiter der Fischereibehörde unterwegs war, um die entkommenen Zuchtfische in den Flüssen zu suchen.“ sagte Elías Vísir gegenüber.
Im Herbst wurden dann Spezialtaucher aus Norwegen ins Land geholt, die die entkommenen Lachse in den Flüssen aufspürten und vor Ort töteten.

 

Lachszucht: Gesetzentwurf legitimiert 20% Verlust bei Zuchtfisch

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Der Gesetzentwurf von Fischereiministerin Svandís Svavarsdóttir zur Fischzucht, der seit gestern im Beratungsportal der Regierung vorliegt und von Bürgern und Interessensparteien kommentiert werden kann, kalkuliert „Verluste“ von 20% des Fischbesatzes ein. Das bedeutet, dass jeder fünfte Fisch in isländischen Meereszuchtnetzen verenden kann. Laut Entwurf zählen zu „Verluste“ nicht nur von selbst verendete Fische, sondern auch solche, die wegen Krankheiten oder Parasitenbefall gekeult werden. Bei solchen Keulungsaktionen waren in der jüngeren Vergangenheit bis zu einer Million Fische getötet worden.

Trotz höchster Verluste noch mehr erlauben
„Die Verluste sind hier im Land noch nie zuvor so hoch gewesen. Sie lagen bei 19,1% im letzten Jahr, und waren nie höher. Warum will das Ministerium den Unternehmen erlauben, noch mehr verenden zu lassen?“ hinterfragt Jón Kaldal vom isländischen Naturschutzfonds den Gesetzesentwurf.
Wiederholt sei während der Planungsarbeit darauf hingewiesen worden, so Jón, dass sich die Praktiken hierzulande an den besten Bedingungen in anderen Ländern orientieren sollten. Leider muss man sagen, dass die Fischzuchtpraktiken nigendwo wirklich gut sind.

“Aber eine Messlatte von 20% im Entwurf ist genauso schlecht oder sogar  schlechter als dort, wo es in den Nachbarländern am schlimmsten ist. Im Jahr 2022 lagen die Verluste in Norwegen bei 16,1%, mit 58 Millionen toten Lachsen.” Der norwegische Fischereiminister habe im März bekräftigt, dass das so nicht weitergehen könne. Doch die Litanei höre man seit vielen Jahren, so Jón. Im Jahr 2018 gab es in Norwegen 53 Millionen (15%) tote Zuchtlachse. Der vormalige Fischereiminister habe damals angegeben, das dringendste Projekt der norwegischen Lachszucht liege darin, gegen den Lachstod vorzugehen, der Zustand sei unhaltbar. Passiert sei allerdings nichts.

Nicht im Interese des Tierwohls
“Das ist gelinde gesagt eigenartig, dass die isländische Ministerin vorschlagen will, Aquazuchtkonzernen den Segen der Regierung dafür zu erteilen, dass ein 33% höherer Anteil an Zuchtlachsen in hiesigen Meeresgehegen verenden darf, als der norwegische Minister als ‘untragbar’ bezeichnet hatte, und ‘das gehe so nicht weiter’.” In Norwegen liegt Vísir zufolge der einkalkulierte Verlust bei durchschnittlich 15%, in einigen Regionen bei 10%, im Nordwesten allerdings auch bei 27%. Island hingegen will 20% Verlust legitimieren.
Jón meint, die Tatsache dass die hohen Verlustzahlen mit Segen der Regierung erlaubt werden sollen, sei ein klares Beispiel dafür, wie die Regierung ihre Gesetzgebung nach Konzerninteressen gestalte, aber nicht im Interesse des Tierwohls. Das sei untragbar.

Eyjafjörður und Öxnafjörður in Teilen fischzuchtfrei
Der Gesetzentwurf sieht neben einer stärkeren Aufsichtsführung der Veterinärbehörde MAST auch strengere Bestimmungen für die Maximalbelastungen in Zuchtgebieten und Besatzstärke in Meeresgehegen sowie zur Haltung von geschlechtsreifen Fischen vor, immerhin stellen letztere eine besondere Gefahr dar, wenn sie in die freie Natur entkommen. Das Meeresforschungsinstitut soll die Erlaubnis erhalten, unter bestimmten Voraussetzungen Freilassungsversuche u.ä. mit Zuchtlachsen durchzuführen.
Auch sollen Infektionsschutzgrenzen zwischen Zuchtgebieten gezogen werden, mit dazugehörigen Bestimmungen zu Transport von Fisch und Ausrüstung, ähnlich wie in der Schafzucht, um die Übertragung von Erregern und Parasiten zwischen Zuchtgebieten einzudämmen.
Für den Zuchtfisch gilt dem Entwurf nach das Gesetz zum Tierwohl 55/2013.

Ausserdem will die Ministerin Eyjafjörður und Öxnafjörður in Teilen für die kommerzielle Fischzucht sperren, um den Wildlachsbestand zu schützen. Allerdings geht es dabei wie im Faxaflói, Breiðafjörður, Húnaflói, Skagafjörður, Skjálfandi und im Nordosten des Landes jeweils nur um einzelne Gebiete und nicht um den gesamten Fjord.
Mbl.is schreibt, dass 40% aller eingesandten Einwände im Vorfeld des Entwurfs ein endgültiges Verbot der kommerziellen Fischzucht gefordert hatten.

Fischzucht: Verbraucherschützer wollen kranken Zuchtlachs kennzeichnen

Der isländische Verbraucherschutzverband (Neytendasamtökin) zeigt Interesse daran, Zuchtfische aus Meeresgehegen speziell zu kennzeichnen. Ähnliches verlautete auch aus Norwegen. In den vergangenen Monaten hatte die Flucht von Zuchtlachsen in die freie Natur Kritik an der Umweltverträglichkeit der Branche laut werden lassen. Eine Kennzeichnung des Zuchtfisches würde seinen Gesundheitszustand zum Zeitpunkt der Schlachtung festhalten.

Norwegen könnte Vorbild sein
In Norwegen könnte der Verbraucher schon bald eine Art medizinische Geschichte auf der Verpackung von Zuchtlachs finden. Inger Lise Blyverket, die Leiterin des norwegischen Verbraucherschutzverbands, sagte kürzlich der staatlichen Sendeanstalt NRK, sie glaube, “viele Verbraucher würden ein Kennzeichnungssystem für Lachs begrüssen.”
Obwohl Lachs als Premium Produkt vermarktet wird, findet sich auf der Verpackung kein Hinweis darauf, dass der Fisch krank gewesen sein könnte, sagt Inger. Dabei leiden Fische an so manchen Erkrankungen, wie Parasitenbefall oder Herzkrankheiten, und werden trotzdem für den menschlichen Verzehr geschlachtet.
Inger kündigte an, dass der Verbraucherschutzverband diese Praktik beenden wolle. Es sei an der Zeit, dass die Fischzuchtindustrie in Norwegen den Gesundheitszustand des Lachses zum Zeitpunkt der Schlachtung auf der Verpackung angebe.
“Norwegische Lachsproduzenten und andere Lebensmittelhersteller müssen sich klarmachen, dass der Verbraucher mehr über die Herstellungsbedingungen und über Tierwohl wissen möchte,” sagte Inger NRK gegenüber.

Unnötig und undurchführbar, finden Gegner
Ähnlich wie in Island gibt es auch in Norwegen eine öffentliche Debatte über die industrielle Fischzucht. Und auch dort ereignete sich erst kürzlich ein Massensterben bei Norwegens grösstem Fischkonzern.
Die Idee findet natürlich nicht nur Anhänger. Jon Arne Grøttum, der Aquakulturdirektor bei der Norwegian Seafood Federation etwa sagte in einem Interview mit NRK, er halte eine solche Kennzeichnung für unnötig, weil die Fischkrankheiten sich nicht auf den Menschen übertragen.

“Alles um uns herum ist voller Bakterien und Viren, die sind überall, aber das hat nicht unbedingt Auswirkungen auf die Lebensmittelsicherheit,” sagte Jon. “Ich sehe nicht, dass das irgendeinen Zweck hat. Zweitens ist die Durchführung sehr schwierig: man würde jeden Fisch einzeln untersuchen müssen, selbst wenn man den Grund kennt. Drittens ist es ein bisschen seltsam, diese Art der Kennzeichnung für Lachs einzuführen, aber nicht für andere Fleischsorten.”

Erkrankte Fische gelangen in den Verkauf
In Island findet man die Idee hingegen gar nicht so abwegig. Breki Karlsson, der Vorsitzende des isländischen Verbraucherschutzverbandes, befürwortet eine Kennzeichnung. Verbraucher hätten ein Recht, mehr über die Herkunft ihrer Lebensmittel zu erfahren, erst recht nach den Vorkommnissen der letzten Wochen und Monate bezüglich Lachsflucht und Lachslaus.
Die MAST-Tierärztin Berglind Harpa Bergsdóttir, die auf Gesundheit und Tierwohl von Zuchtfischen spezialisiert ist, sagte RÚV gegenüber, in Island würden viele erkrankte Fische für den menschlichen Verzehr geschlachtet. Sie erwähnte die Infektiöse Fischanämie (ISA) aus dem Jahr 2021, die der Öffentlichkeit mitgeteilt worden war. Damals hatte es gehiessen dass der infizierte Fisch durchaus verzehrt werden könne. Berglind betont dass solche Virusinfektionen sich nicht auf den Menschen übertragen.

 

Angellizenzen grösstenteils ausverkauft

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Die Angellizenzen für die meisten Lachsflüsse in Island sind ausverkauft. Jón Helgi Björnsson, der Vorsitzende der isländischen Flussbesitzer (Landsamband Veiðifélaga) gab RÚV gegenüber an, dass es trotz der schwierigen wirtschaftlichen Lage auf der Insel und im Ausland ein sehr gutes Jahr für Angellizenzen sei, und viele der besten Standorte seien bereits komplett ausgebucht.

Die Lizenzen verkauften sich zwar gut, dennoch sei der beliebte Sport leicht rückläufig. “Die besten Angelplätze befinden sich möglicherweise in Ostisland,” sagte Jón Helgi, “aber es gab dort im letzten Jahr eine Menge kleiner Lachse dort. Ich denke wir können dieses Jahr eine Verbesserung erwarten, letztes Jahr war kein so gutes Jahr.”
Die Sportangler sähen ihren Sport immer häufiger als Naturerelebnis und soziales Ereignis und es ginge weniger um den Fisch. Dieser Trend führe dazu, dass immer mehr Fische nach dem Fang in den Fluss zurückgelassen würden.
“Diese Praxis ist aber auch notwendig, weil diese Bestände unter einem hohen Umweltdruck stehen. Es ist wichtig, diese Bestände verantwortlich zu behandeln, und in den vergangenen Jahren haben wir durch unsere Anstrengungen auch Erfolge sehen können.”

Interessierte können eine Angellizenz für 36 Seen in Island erwerben. Für Flüsse auf Privatland, vor allem die Lachsflüsse, benötigt man eine spezielle Lizenz, und die Tagespreise können je nach Standort schwindelnde Höhen erreichen.
Die ersten Lachse auf dem Weg zu ihren Laichplätzen werden um den 20. Mai herum erwartet, die Angelsaison beginnt dann Anfang Juni.

 

Immer mehr Isländer sind gegen Lachszucht in Meeresgehegen

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Um die 61 Prozent aller Isländer stehen der Lachszucht in offenen Meeresgehegen negativ gegenüber. Das ist das Ergebnis einer neuen Umfrage, die die Interessensgruppe zum Schutz der Lachse hat durchführen lassen, berichtet Vísir. Nur 14 Prozent der Befragten sprach sich für die Lachszucht im Meer aus.
Auf die Frage, ob die Lachszucht in offenen Meeresgehegen verboten werden sollte, sprachen sich von den 79% der abgegebenen Antworten 52% für ein Verbot aus.
Die Befragung war in allen Landesteilen zwischen dem 16. und 27. Februar durchgeführt worden. Per Zufallsprinzip ausgewählt worden waren 1822 Personen, 956 Personen nahmen an der Befragung schlussendlich teil.

Das ist eine starke Veränderung seit der letzten Befragung im Herbst 2021. Damals hatten sich noch ca,. 28% für die Lachszucht in offenen Becken ausgesprochen und ca. 35% waren dagegen. Auch die Anzahl der Personen ohne Meinung ist geschrumpft, von 38,4% im Februar 2021 auf 24,7% bei der jetztigen Befragung.

Regierung gefordert, auf den Volkswillen zu hören
Der Fonds zum Schutz des Wildlachsbestandes (NASF), der isländische Naturschutzfonds (IWF), der Landesverband der Angelvereine und Laxinn Lifi fordern gemeinsam die isländische Regierung auf, auf den Willen des Volkes zu hören und sich von der umweltbelastenden und schädlichen Industrie der offenen Meeresgehege abzuwenden.
“Die Erfahrung anderer Länder zeigt, dass die Umweltauswirkungen der Fischzucht in offenen Meeresgehegen untragbar ist, und dass eine Ausrottung des Wildlachsbestandes und der Ökosysteme für den Reibach der Lachszuchtkonzerne mit nichts zu gerechtfertigen ist,” heisst es in einer Mitteilung der Verbände.

“Der gerade veröffentlichte Bericht der Steuerprüfung zeigt, dass Regelwerk und Aufsicht der Industrie nicht funktionieren und dass die Lobbyisten der Industrie unnatürlich grossen Einfluss auf die Gesetzgebung gehabt haben. Die Industrie darf sich selber beaufsichtigen, und es hat schon ausgesprochen schwerwiegende Umweltunfälle gegeben. Allem voran ist da der Vorfall bei Arnarlax zu nennen, wo 88.000 geschlechtsreife norwegische Zuchtlachse aus einem Meeresgehege in das isländische Ökosystem entkommen sind.”
Alle Pläne zur Ausweitung der Industrie seien ein echter Angriff auf die Natur des Landes, und auf den Wildlachs, gegen den Willen eines grösseren Teils der Bevölkerung.
Der grösste Teil der in Island aktiven Lachszuchtkonzerne befindet sich in ausländischer Hand.

 

Lachslausbefall im Dýrafjörður

Bíldudalur Arnarfjörður

Die Lachslaus, ein Parasit, der bei Zuchtlachsen wirtschaftliche Schäen verursacht, hat sich in den vergangenen Monaten in den Meerwasserkäfigen der Westfjorde weiter ausgebreitet. Zählungen nach wurden im November im Durchschnitt 1,41 weibliche Läuse auf Käfiglachsen in Island gefunden. Die Zahl dürfte allerdings weitaus höher liegen, schreibt mbl.is, weil die Laus in den Ostfjorden offenbar nicht zu finden ist.
Für die einzelnene Landesteile liegen keine Novemberzahlen vor, aber in den Westfjorden wurden im Oktober 0,94 weibliche Läuse gezählt. Der Grenzwert in vielen Ländern liegt bei 1,5 bis 3 erwachsenen Läusen pro Fisch.

Wenn man allerdings die einzelnen Fjorde zahlenmässig untersucht, sieht die Sache schon wieder anders aus. Im Dýrafjörður fanden sich im Oktober nämlich 3,95 weibliche Läuse pro Fisch.
In einem Brief an die Gemeinde Ísafjarðarbær vom 12. Oktober kündigte Arctic Fish an, dass man die Zuchtlachse im Hvanna­dalur (Tálknafjörður), im Kvíg­ind­is­dalur (Pat­reks­fjörður) und im Hvestu­dalur (Arnar­f­jörður) mit Emamectin Benzoate, auch “Slice” genannt, gegen Läuse behandeln müsse. Die Behandlung sei am 21. November beendet.

Eine solche Therapie bedürfe der Genehmigung durch die Veterinäraufsichtsbehörde MAST, schreibt Arctic Fish. Der Ausschuss für Fischkrankheiten prüfe den Befall in Bezug auf Umweltaspekte, Beckengrösse, Ausmass des Läusebefalls und zu erwartende Befallsentwicklung im Gebiet.
Zu Jahresbeginn hatte das isländische Umweltamt bekanntgegeben, den Umwelteinfluss der Antiparasitika prüfen zu wollen, darunter auch das Medikament Slice.

 

Lachs aus Landzucht in Þorlákshöfn geplant

Die Produktion von Zuchtlachs in der südisländischen Gemeinde Ölfus könnte auf 100.000 Tonnen pro Jahr an wachsen, wenn die Pläne dreier Unternehmen in die Tat umgesetzt werden. Der Fisch soll in Zuchtbecken an Land produziert werden. Hierbei stehen die Unternehmen vor der Herausforderung, ausreichend Frischwasser für den Betrieb sicherzustellen, berichtet RÚV.

Mehr Investitionen als für Islands grösstes Kraftwerk
Die drei Unternehmen Landeldi hf., Geo Salmo und Fiskeldi Ölfus sind bereits mit dem Aufbau ihrer Betriebe westlich von Þorlákshöfn beschäftigt, jedes Unternehmen für sich plant die Produktion von 20.000 Tonnen pro Jahr. Damit könnte die Gesamtproduktion einer Rechnung von Bürgermeister Elliði Vignisson zufolge auf über 100.000 Tonnen jährlich steigen – mehr als die zweifache Menge der gesamtisländischen Lachsproduktion in 2021. Die Investitionen belaufen sich auf 160 bis 180 Milliarden ISK über fünf bis sieben Jahre. Das Kraftwerk Kárahnjúkarvirkjun habe zum Vergleich, so Elliði um die 149 Mrd ISK gekostet.

Der Fisch würde 500 bis 700 direkte und indirekte Arbeitsplätze schaffen und einen Exportwert von 120 bis 130 Mrd ISK bringen. Wenn denn genügend Frischwasser aufgetrieben werden kann. Man rechne mit einem Wasserbedarf von 66.000 Sekundenliter für die Betriebe in voller Auslastung.
Der Fisch würde nicht nur in Þorlákshöfn gezüchtet, sondern auch vom dortigen Hafen exportiert werden. Ein Ausbau des Hafens ist ab dem kommenden Jahr ohnehin geplant, damit auch 200 Meter lange Schiffe dort anlegen können. Schon jetzt sei klar, dass auch das nach Fertigstellung nicht mehr ausreiche, meint der Bürgermeister.

Grosses Wachstum für kleine Stadt
Þorlákshöfn hat sich in kürzester Zeit zu einer Art Boomtown im Süden der Insel gemausert. Vor allem die Schiffsverbindung nach Europa macht den Hafen so attraktiv, sie spart Containerschiffen viele Stunden Fahrt durch oft unruhige See um die Halbinsel Reykjanes herum. Mindestens zwei Konzerne wollen Þorlákshöfn als Exporthafen für Sand und Tuff nutzen, den sie in Island abbauen: der eine Konzern besitzt im Mýrdalssandur Ländereien und will dort Sand abbaggern, der andere plant einen ganzen Berg auf dem Þrengslipass abzutragen. Auch im Grímsnes steht das Abbaggern eines Berges zur Debatte. Nun ist ein drittes Vorhaben hinzugekommen, wo am Strand vor Hjörleifshöfði Sand abgebaggert und über Þorlákshöfn nach Europa exportiert werden soll. Die  Mýrdalssandgräber wollen alle 15 Minuten einen LKW auf die Reise durchs Südland schicken, vom Hjörleifshöfði sind nur sechs LKW pro Tag geplant.
Mit Anwachsen des einst kaum bekannten Fischerortes kommt auch der Tourismus ins Spiel, ein Investor plant in Þorlákshöfn ein 180-Betten Hotel mit Spa direkt am Meer.

Arnarlax muss 120 Mio. ISK wegen entkommenem Zuchtfisch zahlen

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Die Veterinär- und Lebensmittelaufsichtsbehörde MAST hat dem Fischzuchtunternehmen Arnarlax die Zahlung einer Strafgebühr von 120 Millionen ISK auferlegt, weil das Unternehmen ein Loch im Netz eines Zuchtbeckens im Arnarfjörður nicht gemeldet hatte. Solche Betriebsunfälle sind meldepflichtig. Bei der Lachsschlachtung im Oktober stellte sich heraus, dass sich viel weniger Fische im Becken befanden als gedacht. Das Unternehmen hatte keine Erklärung für den Verbleib der fehlenden 82.000 Fische liefern können, die offenbar aus dem Becken entkommen waren, berichtet RÚV.

Höchste Strafe in der Fischerei
Mehr als die Hälfte aller Lachse, die die Fischereibehörde in diesem Jahr im Fluss Mjólká im Arnarfjörður aus dem Wasser gezogen hatte, stammte aus dem zerlöcherten Zuchtbecken.
Bei den 120 Mio ISK handelt es sich um die höchste Strafe, die MAST je verhängt hat, und auch um die erste für einen Verstoss gegen das Gesetz zur Aquazucht. Dort ist eine Höchststrafe von 150 Millionen ISK vorgesehen.
In einer schriftlichen Antwort auf Anfrage von RÚV bedauert Unternehmensleiter Kjartan Ólafsson den Betriebsunfall. Zwei Dinge hätten oberste Priorität in seinem Unternehmen: dass die Mitarbeiter heil nach Hause kommen, und dass keine Fische aus den Becken entkommen. Die Voraussetzungen für die Strafe hält er jedoch für falsch und kündigte an, vor Gericht zu ziehen,

MAST vermutet wissentliche Verheimlichung
Das Loch im Zuchtbecken war Ende August 2021 gemeldet worden, jedoch nicht, dass dort bereits Lachse entkommen waren. Einer Untersuchung von MAST zufolge muss das Unternehmen mindestens zwei Monate lang von dem Loch gewusst haben, und auch davon, dass Lachse entkommen waren, denn ab Juni waren deutliche Abweichungen in der Futtermenge für dieses Becken festgestellt worden.
MAST-Direktorin Hrönn Jörundsdóttir gab an, ihre Behörde betrachte den Vorfall als sehr ernst. Die Verantwortung liege beim Unternehmen, derartige Vorfälle zu kontrollieren. „Man traut ihnen zu, Fischzucht auf verantwortungsvolle Weise zu betreiben, und wir glauben, dass dort wissentlich Fahrlässigkeit am Werk gewesen ist“.  Ob auch die Meldung des Unfalls wissentlich ausgeblieben ist, dazu wollte Hrönn sich nicht äussern.

Zuchtlachs ist Gefahr für Wildlachs
Das Entkommen von Zuchtfischen in die freie Wildbahn hat schwere Auswirkungen auf die Fauna, denn es besteht die Gefahr dass diese Fische in die Lachsflüsse hochschwimmen und sich mit Wildlachsen paaren. Damit wird das Erbgut des wilden Bestandes nachhaltig verändert.
Wie schon erwähnt, waren im August in den Westfjorden ungewöhnlich viele Zuchtlachse geangelt worden, die aus dem zerlöchertem Becken stammten. Die Fischereibehörde hatte die Hälfte der aus der Mjólká gezogenen Lachse auf den Unfall bei Arnarlax zurückverfolgen können.