Fahrzeug rutscht von der Kaimauer, zwei junge Männer auf der Intensivstation

Der Zustand zweier junger Männer, die gestern Abend in einem SUV am Kai Óseyrarbryggja in Hafnarfjörður ins Hafenbecken gestürzt waren, wird als ernsthaft bezeichnet. Nach Angaben der Polizei liegen die beiden auf der Intensivstation der Universitätsklinik. Der Zustand des dritten Mannes wird als den Umständen entsprechend beschrieben.

Um 21.07 Uhr gestern Abend war bei der Notrufhotline 112 ein Notruf eingegangen, dass das Fahrzeug der jungen Männer vom Kai gestürzt war. Zahlreiche Helfer, darunter fünf Taucher einer Spezialeinheit der Küstenwache, sowie Taucher der städtischen Feuerwehr, waren keine zehn Minuten später vor Ort. RÚV schreibt, dass der dritte junge Mann sich da bereits selbst aus dem versunkenen Fahrzeug hatte befreien können und auf den Kai gelangt war.

Um 21.38 Uhr waren alle Taucher und Verletzte aus dem Wasser gekommen.

In einer Mitteilung der Reykjavíker Polizei heisst es, dass der dritte Mann auf einer anderen Station der Klinik untergebracht sei. Mehr Informationen könne man derzeit nicht geben.

Die Freikirche in Hafnarförður war gestern Abend als Auffangstation geöffnet worden, wo Retter und Angehörige psychologischen Beistand durch ein Notfallteam des Roten Kreuzes erhielten. Heute Nachmittag findet dort eine Betstunde statt, die Kirche ist ab 16 Uhr geöffnet.

Das Hafengelände ist kameraüberwacht, und Lúðvík Geirsson, der Hafenmeister von Hafnarfjörður, gab Vísir gegenüber an, dass die Polizei bereits gestern Abend Zugang zu den Aufzeichnungen aus den Überwachungskameras erhalten habe.

Im Hafengelände war es zum Zeitpunkt des Unfalls sehr glatt gewesen, schreibt RÚV. Im Nachrichtenlink kann man die Bergungsarbeiten von letzter Nacht mitverfolgen.

Rekordlawine in Flateyri – Verschüttete war guter Hoffnung

Lawinenexperten des isländischen Wetteramtes haben in den vergangenen Tagen die Schneemassen der beiden Lawinen von Flateyri untersucht, berichtet RÚV. Ihren Messungen zufolge war dies eine der grössten Schneelawinen, die weltweit auf eine Verbauung gefallen war. Die Verbauung in Flateyri soll Lawinen nicht aufhalten, sondern in eine andere Richtung lenken.

Nach Angaben des Wetteramtes haben sich die Lawinen oberhalb von Flateyri auf einem langen Abschnitt über die Verbauung geschoben, auch sind enorme Schneemassen am Verbindungsstück der beiden Verbauungsäste oberhalb der Stadt zu finden. Sie waren mit einer Geschwindigkeit von 150 bis 200 km/h zu Tal gegangen. Von der Schneemenge her dürfte die Lawine, die in den Hafen abgegangen war, der Lawine vom Jahr 1995 entsprechen. Damals waren 20 Menschen ums Leben gekommen.

Halldór Halldórsson, der Leiter des isländischen Fonds für Verbauungswerke, kritisierte RÚV gegenüber, das Parlament habe die finanziellen Mittel für Verbauungswerke in gefährdeten Gebieten zu knapp bemessen. Im Fonds befänden sich ungenutzte 23 Mio. ISK, und geplante Verbauungsprojekte hätten bis 2010 vollendet sein sollen. Die Projektdauer wurde per Gesetz auf das Jahr 2020 verlängert, doch glaube er nicht an eine Fertigstellung vor dem Jahr 2050.

Bei dem Unglück war niemand getötet oder verletzt worden, jedoch war ein Mädchen in ihrem Zimmer verschüttet worden. Iin einem Interview mit RÚV sagt die 14-jährige Alma, sie habe nicht daran gezweifelt, dass sie aus ihrer Notlage gerettet werden würde.

Das war wie Beton,” berichtete sie. “Ich war eigentlich wie in einer Form. Ich konnte mich vielleicht zwei Zentimeter weit bewegen. Ich konnte eine Faust machen und ein bisschen den Kopf heben. Aber ich konnte mich nicht aufrichten oder mich in eine andere Lage bringen.” Die ganze Zeit habe sie daran geglaubt, dass man sie retten würde. Sie habe viel mehr Sorge um ihre Familie gehabt als um sich selber.

Ich glaube, ich habe das Bewusstsein verloren, aber ich glaube dass ich fünf oder sechs Minuten wach gewesen bin. Ich dachte an Mama und meine Geschwister, weil ich glaubte, dass die auch in der Lawine liegen. Ich hoffte, dass mit denen alles in Ordnung war. Ich hab eigentlich erwartet, dass irgendwer kommen würde.” Der Mutter war es gelungen, mit den beiden Geschwistern durch ein Fenster ins Freie zu klettern. Etwa 30 Minuten später hatte man die verschüttete Tochter ausgegraben.

Gestern hatten sich die isländische Premierministerin Katrín Jakobsdóttir, Finanzminister Bjarni Benediktsson und Verkehrsminister Sigurður Ingi Jóhannesson per Hubschrauber auf den Weg in die Westfjorde gemacht, um sich ein Bild von der Lage zu machen.

Bei dem Lawinenunglück am Dienstag hatte eine der beiden Lawinen ein Wohnhaus verschüttet, ein junges Mädchen hatte gerettet werden müssen. Die grössere Lawine war in den Hafen von Flateyri abgegangen und hatte sechs der sieben Fischerboote des Ortes versenkt. Der Ort war zwei Tage lang nur vom Wasser aus erreichbar gewesen, das Küstenwachschiff Þór hatte den Transport von Rettungspersonal, Ausrüstung und Versorgungsgütern übernommen.

Gestern Abend hatte dann erneut die Ungewissheitsstufe ausgerufen werden müssen, nachdem auf unbewohntem Gebiet in der Nachbarschaft eine kleinere Lawine abgegangen war. Die Strassen nach Flateyri sind aus diesem Grund noch nicht wieder freigegeben worden, und auch die Koordinationsstelle für Katastrophenschutz in Skógarhlíð in Reykjavík bleibt weiterhin aktiv. Rund 20 freiwillige Retter sind in Flateyri im Einsatz, sie räumen Schnee und helfen dabei, Wertgegenstände aus betroffenen Häusern zu bergen. Auch die Auffangstation des Roten Kreuzes ist noch geöffnet, das Team für Traumaersthilfe widmet sich dort Bewohnern, bzw besucht die Leute in Suðureyri, wo nach einem Lawinenabgang am gegenüberliegenden Berg eine Flutwelle das Dorf getroffen hatte. Das Küstenwachschiff Þór konnte gestern endlich im vereisten Hafen anlegen, und erste Reinigungsarbeiten haben begonnen, nachdem etwa 15.000 Tonnen Öl aus einem beschädigten Öltank in den Hafen ausgelaufen waren.

Im Wetterweb blika.is ist zu lesen, dass Lawinenserien wie diese nur alle 10 bis 20 Jahre vorkommen. Die Voraussetzungen für die Lawinen seien gut gewesen, schreibt der Meteorologe Einar Sveinbjörnsson, es habe soviel in den Bergen geschneit dass alle Spalten und Vertiefungen mit Schnee gefüllt gewesen seien. Die Berghänge seien bis an die Bergkämme glatt gewesen und an vielen dafür bekannten Orten seien Lawinen abgegangen, selbst an Berghängen die nach Südwesten zeigten.

Schweres Busunglück am Öræfajökull

Die Rettungsteams zwischen Reykjavík und Höfn im Hornafjörður sind heute nachmittag wegen eines Busunglücks unterhalb des Öræfajökulls in Südisland ausgerückt, berichtet RÚV. Im Bus hatten sich 32 Personen befunden, wie die südisländische Polizei mitteilt.

Der Notfallplan für Gruppenunfälle ist sofort in Kraft getreten, in Selfoss befindet sich das Organisationszentrum. Die Polizei hat die Ringstrasse rund um den Unfallort gesperrt. Bis 16 Uhr war noch nicht klar, wie lange die Sperrung andauern wird.

Um 15.05 Uhr war ein Notruf bei der Notrufhotline eingegangen. Der Unfall hatte sich bei Hofgarð, nördlich von Fagurhólsmýri zugetragen. Ein Bus war von der Ringstrasse gekippt und liegt einem Augenzeugen zufolge auf der Seite.

Bislang ist noch nichts über die Schwere der Verletzungen bekannt, die Polizei meldet jedoch Beinbrüche und Schürfwunden. Der Hubschrauber der Küstenwache ist auf dem Weg zum Unfallort. Der zweite Hubschrauber ist nicht flugbereit, doch ein dänisches Kriegsschiff im Hafen von Reykjavík bereitet seinen Hubschrauber auf den Abflug vor, er wird in Kürze am Unfallort erwartet, berichtet Vísir.is.

Ein Ärzteteam des Universitätskrankenhauses befindet sich an Bord des Flugzeug der Küstenwache auf dem Weg nach Höfn, über der Unfallstelle soll auf dem Weg auch Bergungsmaterial abgeworfen werden. Das Universitätskrankenhaus ist in Alarmbereitschaft versetzt worden, fünf Schwerverletzte sind angemeldet.

Zunächst hatte es geheissen dass sich 53 Personen in dem Bus befunden hätten. Eine halbe Stunde später korrigierte die Polizei die Zahl auf 32 Reisende und einen Busfahrer.

update 18.15 Uhr

Vísir berichtet, dass es sich bei den Fahrzeuginsassen um chinesische Touristen handelt. Fünf sind schwerverletzt, jedoch ausser Lebensgefahr. Bislang gibt es keine Erkenntnisse zum Unfallhergang. Die Strassenverhältnisse in der Region werden als problemlos bezeichnet.

Rekordzahl an Lufteinsätzen der Küstenwache

Die Hubschrauber und Flugzeuge der isländischen Küstenwache sind im vergangenen Jahr 278 mal im Einsatz gewesen,berichtet RÚV. Das sind mehr Einsätze als jemals zuvor in Island.

Die Einsätze von 2018 stellen einen Anstieg von acht Prozent im Vergleich zum Vorjahr dar, als die Hubschrauber und Flugzeuge 257 zu Einsätzen angefordert wurden. Im Jahr 2016 wurden 180 Patienten per Lufttransport ins Krankenhaus gebracht. Insgesamt ist seit 2011 (mit 160 Einsätzen) für die Luftflotte der Küstenwache ein Anstieg von 78 Prozent zu verzeichnen.

Die Hälfte der Einsätze von 2018 wurde für die Rettung von ausländischen Patienten durchgeführt. In einer Mitteilung zur Jahresstatistik heisst es, die gestiegenen Zahlen kämen angesichts der Entwicklungen der vergangenen Jahre nicht überraschend.

Im Jahr 2017 besuchten mehr als 2,3 Millionen Touristen das Land.