Erstes Kreuzfahrtschiff an Landstrom angeschlossen

An diesem Sonntag ist in Island zum ersten Mal ein Kreuzfahrtschiff vom Land aus mit Strom versorgt worden. In diesen Genuss kam die norwegische Fritjof Nansen, und die Prozedur dauerte nach Angaben von Hafenmarketingleiter Sigurður Jökull Ólafsson gerade mal zehn Minuten: „Um die Maschinen abzustellen, während das Schiff weiter läuft und die Batterie lädt,“ sagte Sigurður RÚV gegenüber.

Spart Abgase, Lärm und Geld
Der Obermaschinist der Fritjof Nansen, Jan Robin Pettersen, sagt, damit spare das Schiff während seines 12-stündigen Aufenthalts im Reykjavíker Hafen rund 8000 Liter Schiffsdiesel. „Normalerweise verbrauchen wir das alles, und das kostet Reykjavík und die Erde Abgase. Die sparen wir jetzt auch.“

Aber nicht nur die Abgase bleiben weg, auch die Lärmbelästigung, die von den dauerhaft laufenden Schiffsdieseln ausgehen, bleibt aus. „Zum ersten Mal ist es still im Maschinenraum, das kommt uns schon ein bisschen komisch vor,“ meint der Maschinist.

Wichtig für die Energiewende
Aus Anlass der neuen Stromverbindung hatte es am Hafen eine kleine Feierstunde gewesen, an der auch die ehemalige Präsidentschaftskandidatin und nun ihr altes Amt zurückgekehrte Direktorin der Energiebehörde, Halla Hrund Logadóttir zugegen war. Die Elektrifizierung der anderen Häfen liege zwar noch in weiter Ferne, so Halla, doch sei sie für die weltweite Energiewende wichtig, und auch wenn dies nicht der grösste Schritt sei, so sei es doch ein wichtiger Schritt auf dem langen Weg.
In Reykjavíks altem Hafen können jetzt alle Kreuzfahrtschiffe mit Strom vom Land aus versorgt werden. Die Stromversorgung für Schiffe soll in ganz Europa bis 2030 eingeführt sein, doch bis dahin, so Sigurður Jökull, sei noch viel Arbeit zu erledigen. Bis dahin müssen wir alle Kreuzfahrtschiffe, alle Containerschiffe und überhaupt alle größeren Schiffe mit Landstrom versorgen. Und das gilt auch für die Häfen Seyðisfjörður und Westmännerinseln, da müsse wir uns hier in Island also ein bisschen ranhalten.“

Kreuzfahrtschiff in 2023 vor Viðey fast auf Grund gelaufen

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Nur etwa 10 Meter war im vergangenen Jahr ein 140.000 Tonnen schweres und 300 Meter langes Kreuzfahrtschiff mit 4.600 Passagieren an Bord davon entfernt, vor der Insel Viðey auf Grund zu laufen. Das Schiff war im Sturm vom Kurs abgekommen, und der Kapitän hatte die Situation offenbar unterschätzt. Die Besatzung des Schleppers Magni habe alles in ihrer Macht Stehende getan, um einen Grossunfall zu verhindern, berichtet RÚV.

Der Beinaheunfall war vom Untersuchungsausschuss für Verkehrsunfälle unter die Lupe genommen worden. Videoausschnitte der Sicherheitskamera zeigen die Zeitspanne von der Abfahrt aus dem Hafen bis zum Erreichen der Schifffahrtsrinne, sowie den Kampf der Schlepperbesatzung, das Kreuzfahrtschiff von den Untiefen fernzuhalten.

Rekonstruktion des Fast-Unfalls
Dem Bericht des Untersuchungsausschusses zufolge war die Norwegian Prima, unter der Flagge von Bahama segelnd, am Abend des 26. Mai mit Unterstützung des Schleppers Magni aus dem Kreuzfahrthafen Sundahöfn in Reykjavík gefahren. Aus Südwest wehte ein starker Wind. Der Lotse empfahl dem Kapitän, die Abfahrt zu verzögern. Der Kapitän entschied, sich an den Fahrplan zu halten, trotz des Wetters und gegen die Empfehlung des Lotsen. Das Schiff musste gedreht werden, bevor es aufs offene Meer fahren konnte. Kurz nach erfolgter Drehung fegten heftige Böen mit 50 Knoten aus West heran. Gleichzeitig erhöhte der Kapitän die Geschwindigkeit. Das Schiff trieb mit dem Wind nach Osten in Richtung der Untiefen, während der Schlepper mit voller Kraft dagegen hielt.

An der Aussengrenze der Schiffahrtsrinne trieb die Norwegian Prima über die Boje, und es war grosses Glück, dass sich eine von der Boje herabhängende Kette nicht in der Schiffsschraube verhedderte.  Da war bereits klar, dass die 140.000 Bruttoregistertonnen schwere Norwegian Prima mit 4600 Mann an Bord weit vom Kurs abgekommen war und sich in grösster Gefahr befand, in den Untiefen zu stranden. Der Kapitän, der zum ersten Mal den Reykjavíker Hafen befuhr, versuchte, mit den Schiffsschrauben gegenzusteuern, doch das reichte nicht aus. Im dem Ermittlungsausschuss vorliegenden Video ist zu sehen, wie die Magni unter Volldampf versucht, das Schiff wieder auf Kurs in die Rinne zu drücken.

Kommunikation für alle verständlich
Im Bericht des Untersuchungsausschusses heisst es, nur noch zehn Meter hätten das Schiff von Untiefen getrennt, die dem Kiel weniger als einen halben Meter Platz gelassen hätten. Der Schlepper musste nach der Aktion repariert werden, das Kreuzfahrtschiff blieb unbeschädigt. Die Ermittlungen waren auf Betreiben der isländischen Behörden aufgenommen worden, berichtet Vísir.

Im Bericht finden sich Empfehlungen, wie solche Vorfälle verhindert werden können. Unter anderem gibt es eine Empfehlung an die Reederei, alle Informationen auszuwerten, um ihre eigene Risikobewertung zu ergänzen. Empfohlen wird ebenfalls, dass der Hafen Faxaflói seine Arbeitsabläufe aktualisiert, um eine gute Kommunikation von Schlepper und Lotsen sicherzustellen. Diese Kommunikation muss in englischer Sprache und für jedermann verständlich erfolgen. Die Regierung wird aufgefordert, die Befugnisse der Lotsen dergestalt zu erweitern, dass diese unter bestimmten Umständen Schiffen die Ausfahrt verweigern können. Schließlich schlägt der Bericht eine Risikobewertung für alle Häfen vor, in denen Passagierschiffe vor Anker gehen.

 

Hochsaison: Vier Kreuzfahrtschiffe zur gleichen Zeit

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Vier Kreuzfahrtschiffe liegen derzeit im Hafen von Reykjavík, eins davon im Aussenhafen, von wo aus die Passagiere mit kleinen Booten in Gruppen an Land gefahren werden. Nach Angaben der Vorsitzenden des Tourismusverbandes sei offensichtlich, dass Hochsaison herrsche.
Am Kai liegen die MSC Preziosa mit 3.502 Fahrgästen, die MS Fram mit 254 Gästen, die Scenic Eclip­se 2 mit 228 Gästen und die Ocean Maje­sty mit 621 Gästen. Der Hafenmeister war nicht erreichbar, dafür hatten Vorbeifahrende darauf hingewiesen, wieviele Kreuzfahrtschiffe im Hafen liegen.

In den vergangenen Wochen hatte es eine vermehrte öffentliche Diskussion über die hohe Zahl an Kreuzfahrtschiffen gegeben, die in isländischen Häfen gebucht sind, sowie Berichte darüber, dass diese Schiffe die grössten Umweltverschmutzer Europas sind.
Bjarn­heiður Halls­dóttir, die Vorsitzende des isländischen Tourismusverbandes, sagte im Gespräch mit Vísir, es sei offensichtlich, dass zur Zeit Hochsaison in der Branche herrsche.
„Die Tourismusbranche ist sich darüber im Klaren, dass eine zu hohe Belastung der Infrastruktur der Branche selbst schadet. Wir wollen das absolut nicht und sind zu Gesprächen bereit, etwa darüber, wie man den Verkehr solcher Schiffe nach Island regulieren kann.“

Die Zahl der Kreuzfahrtschiffe ist in nur einem Jahr um 40 Prozent gestiegen. Bjarnheiður zufolge liegt es ganz in der Hand von Gemeinden und Hafenmeistern, wieviele Schiffe gebucht werden. Die Fahrgäste würden dann gerne in Gruppen raus aufs Land gefahren, wenn auch das in Reykjavík eher selten vorkomme.
„Aber da ist sehr viel zu tun, wenn alle Anlegeplätze belegt sind. Wir haben Verständnis für den Druck, der auf die Regierung ausgeübt wird, die Buchungspraktik für diese Schiffe zu überprüfen, und ich denke, das wäre zum Besten.“

In Akureyri kommt es des öfteren vor, dass zusätzlich zu den drei Anlegeplätzen für grosse Kreuzfahrtschiffe noch ein viertes im „pollurinn“ liegt, dem Stadthafen, der auch von einheimischen Segel- und Kayakschulen genutzt wird.

 

Dynjandi: Hubschrauberlandeplatz im Naturschutzgebiet

Eine Archäologin wundert sich, dass Kreuzfahrtschiffe und Hubschrauber Touristen zum Wasserfall Dynjandi bringen dürfen, immerhin befindet der sich im Naturschutzgebiet des Arnarfjörður. Hingegen ist es verboten, dort Drohnen zu fliegen, weil die den Frieden von Vögeln und Menschen stören.

„Das ist ein superschickes Schiff, mit zwei Helikoptern und einem U-Boot, aber wir haben uns darüber geärgert, dass es verboten ist, hier mit der Drohne zu fliegen, aber es ist in Ordnung, per Hubschrauber durch den ganzen Arnarfjörður zu fliegen,“ sagt Margrét Hrönn Hall­munds­dóttir, eine Archäologin bei Naturbüro der Westfjorde über ein Kruzfahrtschiff im Arnarfjörður.  Sie hatte das Schiff heute bei ihrer Ausgrabung mitbekommen. Die Scenic Eclipse II bietet ihren Kunden Luxus und Abenteuer. An Bord befindet sich ein Butler, und eine Reise kostet 8.120 Pfund Sterling, wenn sie für den Zeitraum zwischen dem 5. und 14. August gebucht wurde.

Pausenloser Fluglärm
Auch im vergangenen Jahr waren Kreuzfahrtschiffe in den stillen Fjord eingefahren, sagt Margrét.
“Wir haben hier gegraben, und bis zum Abend war pausenlos Fluglärm im Fjord. Die fliegen nicht besonders tief, aber du kannst dir die Auswirkungen auf das Vogelleben vorstellen, wenn die auf dem Schiff landen. Das ist ein Hubschrauberlandeplatz mitten im Naturschutzgebiet.”

Auf der Webseite der Umweltbehörde steht zu lesen dass die Benutzung von Flugdrohnen am Dynjandi streng verboten ist. Dabei wird auf Untersuchungen hingewiesen, wonach die Drohnen die Vögel stören. Am Dynjandi seien 35 Vogelarten registriert, darunter einige Arten, die auf der Liste stehen, für die Island eine besondere Verantwortung trägt, etwa weil die Vogelart nur in Island brütet. Auch Arten, die vom Aussterben bedroht sind, halten sich am Dynjandi auf.

“Wir haben bemerkt, dass die Vögel unruhig wurden, als wir ziemlich tief im Fjord gegraben haben. Das muss man angehen.” sagt Margrét. “Im letzten Jahr hat ein Reiseleiter aus Ísafjörður im Büro angerufen, um sich wegen dieser Hubschrauberflüge zu erkundigen, und er erhielt als Antwort, dass das nicht verboten sei.” Neben den Hubschraubern ist nicht nur ihr auch das Kreuzfahrtschiff im Fjord ein Dorn im Auge. “Die Leute flippen darüber aus, dass das erlaubt ist, weil alle anderen ihre Touristen aus Ísafjörður herankarren. Aber da legst du ja ein Hotel mitten ins Naturschutzgebiet.”

 

Kreuzfahrtschiffe verursachen erwartete Mehrbelastung in Klinik

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Die Belastung des Krankenhauses in Akureyri ist seit Beginn der Kreuzfahrtschiffsaison merklich gestiegen. Um die 40% mehr ausländische Touristen suchen die Klinik für eine Behandlung auf, berichtet RÚV.
In diesem Jahr wird mit einer Rekordzahl an Kreuzfahrtschiffen in Akureyri gerechnet. Das wirkt sich natürlich auch auf das isländische Gesundheitswesen aus.
Schon in den ersten Monaten des Jahres hatte die Klinik schwere Zeiten gesehen, weil Personal und Betten fehlten. Mit Beginn der Kreuzfahrtsaison im April wurde das nicht besser, ganz im Gegenteil.

„Das bedeutet mehr Belastung, sowohl in der Notaufnahme als auch auf den Bettenstationen bei uns. Diese ersten Zahlen, die wir bei den ausländischen Touristen in Notaufnahme und stationärer Aufnahme sehen, das sind so um die 30 bis 40 Prozent mehr im Vergleich zum Vorjahr, und das war schon ein Rekordjahr,“ kommentiert der medizinische Direktor der Klinik, Sigurður E. Sigurðsson. Trotz der Mehrbelastung könne man jedoch den Betreb aufrecht erhalten.

Man habe ja schon länger gewusst, dass mit einer Rekordzahl an Touristen zu rechnen sei und entsprechende Vorkehrungen getroffen, um die Belastung zu mindern. Eine Massnahme sei es etwa, bestimmte Aufgaben durch ungelernte Kräfte erledigen zu lassen.
„Dann haben wir Kontakt zu den Unternehmen aufgenommen, die diese Kreuzfahrtschiffe betreuen, und denen unsere Arbeitsweise klargemacht, dass wir uns also in erster Linie um akute Erkrankungen kümmern, aber nicht um andere Gesundheitsleistungen, die dann möglicherweise warten müssen und auch nicht unbedingt unsere Aufgabe ist.“

 

Fast 14.000 Kreuzfahrtgäste an einem Tag in Ísafjörður

Am 7. Juli diesen Jahres erwartet das Städtchen Ísafjörður in den Westfjorden 13.700 Kreuzfahrttouristen am gleichen Tag. Bürgermeisterin Arna Lára Jónsdóttir wiegelt ab, natürlich sei dies eine Belastung für die Infrastruktur der Stadt, aber die 13.000 Leute hielten sich ja nicht alle zur gleichen Zeit in der Stadt auf, berichtet Fréttablaðið.

Bei der letzten Stadtratsversammlung war ein Sitzungsprotokoll der Hafenverwaltung vorgelegt worden, welches die Möglichkeit einer Höchstzahlbegrenzung für Passagiere aus Kreuzfahrtschiffen an einem Tag erörtert. Am 7. Juli diesen Jahres werden im Hafen die Schiffe Star Legend, Norwegian Prima, Azamara Journey, Zuiderdam und das riesige Kreuzfahrtschiff MSC Grandiosa im Hafen erwartet. Neben den insgesamt 13.643 Passagieren befinden sich auch 4500 Besatzungsmitglieder an Bord der Schiffe.

“Wir können nicht über die Belastungsgrenze der Einwohner gehen. Es muss verhindert werden, dass die Leute überfordert sind, und man muss einen Gleichgewichtspunkt finden. Auch wenn wir sehr gastfreundlich sind und gerne Leute in der Stadt haben,” sagte Arna. Der Hafenbetrieb benötige ebenfalls Spielraum.
“Die Gefahr besteht, dass da viel zu viele Leute sind, aber man darf auch nicht vergessen dass die meisten der Fahrgäste gut verteilt werden. Da finden den ganzen Tag über zweiteilige Touren statt, vor und nach Mittag, und die Leute werden überall hingefahren,” erklärt Arna.

Reiseterminal für Kreuzfahrttouristen in Skarfabakki eingerichtet

passenger terminal in Skarfabakki

Im Kreuzfahrtschiffhafen Skarfabakki in Reykjavík wird ein Reiseterminal ähnlich wie am internationalen Flughafen in Keflavík eingerichtet. Ab diesem Sommer findet in dem Hafen nämlich ein Passagierwechsel zwischen den Kreuzfahrtschiffen statt, der Waffenkontrolle und Passkontrolle notwendig macht, berichtet Vísir. Erwartet werden um die 200.000 Kreuzfahrtpassagiere in diesem Sommer.

Passagierumstieg erfordert Kontrolle
“Hier findet ein grosser Wechsel statt. Wir sehen, dass diese Reedereien jetzt von Island aus operieren und den Hafen von Reykjavík vermehrt nutzen wollen.” sagt Hafenleiter Gunnar Tryggvason. Man habe die Entwicklung bereits zuvor beobachtet, doch nun sehe es so aus als ob Reykjavík zu einer Umsteigestation für Kreuzfahrttouristen werde.
Damit muss nun auch dort die an Ländergrenzen übliche Zollkontrolle mit Überprüfung von Reisedokumente und Waffenkontrolle durchgeführt werden. Der Passagierumstieg gilt generell als lukrativ, denn damit steigt auch die Nutzung von Flugzeugen und Übernachtungsmöglichkeiten.
“Die Passagiere lassen mehr Geld im Land. Sie kommen einen Tag bevor sie an Bord gehen, und bleiben vielleicht einen Tag länger, bevor sie nach Hause fliegen.”

Zelt als Vorläufer für Langzeitterminal
Ein riesiges Zelt für die Passkontrolle war bereits vor drei Wochen errichtet worden, das technische Gerät für die Durchleuchtung des Gepäcks wurden in der vergangenen Woche aufgestellt. Man wolle hier eine Art Reiseterminal, ähnlich wie am Flughafen aufbauen, erklärt Gunnar. Das schaue man sich dann zwei Jahre lang an, um mit der Erfahrung dann eine Langzeitlösung aufzubauen.
Die Buchungen der Kreuzfahrtschiffe laufen gut, mit ähnlicher Auslastung wie in 2019. Für den Sommer werden etwa 200 Schiffe mit insgesamt 200.000 Passagieren erwartet.

Hrísey stellt Verhaltensregeln für Kreuzfahrttouristen zusammen

Die Bewohner der Insel Hrísey in Nordisland haben einen Wegweiser zusammengestellt, der den Kreuzfahrttouristen im Sommer helfen soll, Einwohnern und Natur den nötigen Respekt erweisen. Mit dieser Liste von Verhaltensregeln erwartet die Vorsitzende des örtlichen Tourismusverbandes sozusagen Vorbildtouristen im Sommer, berichtet RÚV.

Dazu gab es ein Vorbereitungstreffen von Tourismusverband, Interessensvertretern und dem Gemeinderat der Insel, um die Chancen zu erörtern, die die Kreuzfahrtschiffe für die kleine Insel bedeuten könnten. Dabei geht es auch um ein Projekt zusammen mit internationalen Verbänden für die Kleinkreuzschiffahrt.
Hrísey war erst während der COVID-19 Pandemie zu einem beliebten Ziel für kleine Fahrgastschiffe geworden, und in diesem Sommer werden mindestens zehn von ihnen erwartet. Linda María Ásgeirsdóttir vom regionalen Tourismusverband sagt, die Bewohner sähen in den Schiffen eine Chance für die lokale Wirtschaft, aber sie wollten sich gut darauf vorbereiten. Man müsse aufpassen, dass nicht zuviele Leute auf einmal kommen, zumal diese kleinen Schiffe in der Regel 200 Personen an Bord hätten.

Nun also gibt es schon mal eine Ideenliste, was alles in dem Verhaltensreiseführer stehen muss, bevor die ersten Kreuzfahrer Fuss an Land setzen. Eine Sorge der Insulaner gilt der Vogelwelt, auf die unbedingt Rücksicht genommen werden muss. Linda meint, da sich jedoch der grösste Teil der Insel ohnehin in Privatbesitz befinde, könnten die Gäste gar nicht überall herumlaufen. „Das soll auch nicht so sein, dass man gar nichts darf. Nur diese allgemeinen Regeln. Wir möchten nicht, dass unsere Kinder ohne Erlaubnis fotografiert werden. Dass die Leute nicht in die Gärten gehen. Ich meine, an manchen Orten ist es so, dass die Touristen in die Häuser gehen und vor den Fenstern herumhängen.“
Die Liste mit den Verhaltensregeln soll den Gästen ausgehändigt werden, bevor sie an Land gehen. Sie müssen sich verpflichten, die Regeln einzuhalten.
Linda ist optimistisch. “Wir werden hier nur Vorbildtouristen im Sommer haben,“ sagt sie überzeugt.

Erneut Ansteckungsfall an Bord eines Kreuzfahrtschiffs

Zwei Touristen an Bord des Kreuzfahrtschiffes Viking Sky haben sich in der vergangenen Woche mit COVID-19 angesteckt, berichtet RÚV. Das Schiff hat den Sommer über in Island vor Anker gelegen und die per Flugzeug angereisten Kreuzfahrttouristen rund um die Insel gefahren. Landgänge hatten in mehreren Häfen und auf den Westmännerinseln stattgefunden.

Dies ist der zweite Ansteckungsfall an Bord der Viking Sky. Der Reiseveranstalter hatte die Passagiere nach dem ersten Fall mit einem GPS-Sender am Halsband ausgestattet, um die Rückverfolgung zu erleichtern, ausserdem wurden alle an Bord täglich getestet. Das Schiff befindet sich jetzt im Hafen Faxaflói, alle Passagiere, die ihre Quarantäne absolviert haben, werden noch heute in ihre Heimat zurückgeflogen.

Alle Passagiere waren vollständig geimpft. Die Infizierten sind ins Pandemiehaus gebracht worden, etwa 30 Personen sitzen die Quarantäne in ihrer Kabine ab.

 

Einwohner kämpfen gegen Lachszucht in Seyðisfjörður

In Seyðisfjörður im Osten Islands kämpft eine Gruppe von Einwohnern gegen das Vorhaben, eine Lachszuchtanlage im Umfang von 10.000 Tonnen im Fjord zu bauen. Sie begründen ihre Ablehnung damit, dass die Anlage das Aussehen des Fjordes verschandele. Auch wenn eine Küstengebietsplanung derzeit in Arbeit ist, muss die Zuchtanlage darauf keine Rücksicht nehmen.
Das Fischzuchtunternehmen Fiskeldi Austfjarða will vier Zuchtbecken im Fjord von Seyðisfjörður ausbringen. Die Gemeinde hat keine Planungshoheit über den Fjord, die äusseren Bereiche unterstehen vielmehr dem Marineforschungsinstitut.
Eins der Zuchtbecken soll neben dem Naturschutzgebiet von Skálanes zu liegen kommen. Die ersten Laiche sollen schon im kommenden Jahr in Sörlastaðavík ausgebracht werden, im Jahr darauf dann in Selstaðavík und 2023 dann in Skálanesbót, berichtet RÚV.

Unterschriftenliste gegen die Fischzucht
Nur das dem Land am nächsten liegende Becken bei Háubakki unterliegt der Planungshohheit der Gemeinde, weil es zum Einzugsbereich des Hafengeländes gehört. Die Fischbecken würden von dem Ort aus zu sehen sein, wo Þóra und Benedikta die Jugendherberge Hafalda betreiben. Die beiden haben nun eine Unterschriftenliste gegen die Lachszucht im Fjord angefangen.

“Ich hab in jeder Strasse einen angerufen und die haben dann in ihrer Strasse gesammelt, und das Echo darauf war grossartig,” erklärt die Architektin Þóra Bergný Guðmundsdóttir.
Benedikta Guðrún Svavarsdóttir, die Geschäftsführerin von Hafalda, sagt, manche hätten sich einer Meinung enthalten wollen und wollten sich erst mit der Sache beschäftigen. “Die allermeisten sagten danke, dass ihr gekommen seid, und unterschrieben. Hatten sich mit der Sache befasst und beharrten darauf, dass soetwas keine Zukunft in Seyðisfjörður hat. Das bringe Seyðisfjörður nichts Gutes.”

Arbeitsplätze und Einnahmen
Fiskeldi Austfjarða betreibt bereits im Berufjörður und im Fáskrúðsfjörður Fischzuchtanlagen auf dem Meer. Das Unternehmen weist auf ein Gutachten hin, wonach die Aquakultur Arbeitsplätze und Gemeindeeinnahmen bringe.

Viele Einwohner von Seyðisfjörður hingegen sind der Ansicht, dass die Fischzucht das Panorama vom Stadtberg Bjólfur aus verschandelt, ein beliebter Ausflugsort für die Bewohner. Benedikta glaubt, die Sichtverschandelung schränke auch das Erlebnis der Kreuzfahrturlauber ein, die in den Fjord von Seyðisfjörður einlaufen.
“Das passt nicht zusammen,” sagt sie.

Þóra meint, das sei dann wie der Eingang zu einer Fabrik, wenn man in den Fjord komme. “Da will man 10.000 Tonnen Zuchtlachs über unseren Kopf schütten. Entschuldige bitte, aber dürfen wir nicht einfach in Frieden hier zuhause leben?”

Neuer Küstengebietsplan kommt zu spät
Jetzt wär es nicht schlecht, den neuen Flächennutzungsplan für das Küstengebiet zur Hand zu haben, an dem der Gemeinderat mit Vertretern der Ortschaften der Ostfjorde gerade arbeitet. Dann hätte man ein Kapitel darüber formulieren können, wo Zuchtbecken ins Wasser gelassen werden dürfen, und wo nicht.

In Seyðisfjörður, im Fáskrúðsfjörður, Stöðvarfjörður und möglicherweise an vielen anderen Stellen sind jedoch nun Standorte für Zuchtbecken genehmigt worden, die nicht unter die Küstengebietsplanung fallen, weil ein entsprechendes Gesetz aus dem Jahr 2018 nicht rückwirkend ist und daher nicht für Anträge auf Zuchtbecken gilt, die sich damals schon im Genehmigungsverfahren befanden. Die oberste Planungsbehörde und die Naturschutzverbände haben das bereits kritisiert.

“Es gibt soviele Gründe dafür, dass man das viel besser prüfen muss. Vor allem aber müssen wir, die wir hier leben, etwas dazu zu sagen haben,” sagt Benedikta Guðrún Svavarsdóttir von der Jugendherberge Hafalda.
Das Lachszuchtunternehmen hatte beteuert, mit den Einheimischen gut zusamenarbeiten zu wolen und für demnächst einen Informationsabend in Seyðisfjörður angekündigt.

Biologen und Fischexperten weisen immer wieder auf die Gefahren hin, die entkommene Zuchtlachse für die einheimische Wildlachspopulation darstellen, auch die Umweltverschmutzung durch die vielen tausend Fische in riesigen Zuchtkäfigen wird häufig kritisiert. Lesen Sie hier ein Interview mit dem Biologen Jóhannes Sturlaugsson, der sich eingehend mit der Problematik befasst hat.