Krankenschwestern dürfen jetzt bis 75 arbeiten

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Das isländische Parlament hat dem Vorschlag von Gesundheitsminister Will­um Þór Þórs­son­ zugestimmt, wonach es eine Befreiung von der üblichen Regel zum Ruhestandssalter von 70 Jahren für Staatsangestellte geben soll.
In einer Mitteilung der Regierung heisst es, man ermögliche nun medizinischem Personal in Kliniken, auf Grundlage eines Arbeitsvertrags bis zum Alter von 75 Jahren in Einrichtungen des öffentlichen Gesundheitswesens zu arbeiten. Mit dem Gesetz wird dem Gesundheitspersonalgesetz eine neue vorläufige Bestimmung hinzugefügt, die vorsieht, dass es vom 1. Januar 2024 bis 31. Dezember 2028 zulässig ist, medizinisches Personal auch nach dem 70. Lebensjahr in staatlichen Gesundheitseinrichtungen zu beschäftigen.

Als Voraussetzung für die Ausnahmeregelung gilt, dass die Tätigkeit im direkten Kontakt mit Patienten, in der Betreuung oder Forschung im Zusammenhang mit Patientendienstleistungen, oder in der Anleitung von jüngerem medizinischem Personal oder Auszubildenden besteht.

Eine Anstellung nach dieser Bestimmung gibt es nur zeitlich befristet, jeweils auf ein Jahr, und niemals länger als zwei Jahre. Die zeitlich befristete Anstellung kann aber verlängert werden, bis der Beschäftigte das 75. Lebensjahr erreicht hat, berichtet mbl.is.
„Es liegt zu erwarten, dass sich mit einem flexiblen Ruhestand und den damit verbundenen verbesserten Rechten mehr Menschen als bisher nach dem 70. Lebensjahr für eine Arbeit im Gesundheitswesen entscheiden. Mit der Gesetzesänderung soll eine bessere personelle Ausstattung des Gesundheitswesens gefördert werden, was dessen Qualität und damit die Patientensicherheit erhöhen kann,“ heisst es in der Regierungsmitteilung.

 

Neues Höchstalter für Pflegepersonal als “Verzweiflungstat” bezeichnet

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Als Verzweiflungstat, schlecht durchdacht und völlig fehleingeschätzt bezeichnen die Sprecher der Pflegeverbände die Idee des isländischen Gesundheitsministers, das freiwillige Rentenalter für Mitarbeiter in den Pflegeberufen auf 75 Jahre hochzusetzen. Die Regierung bestätige damit nur die ernste Lage in der Pflege in Island.
Gesundheitsminister Willum Þór Þórsson hatte gestern angekündigt, dem Parlament einen entsprechenden Gesetzesvorschlag vorzulegen, nachdem Krankenschwestern auf freiwilliger Basis bis zum 75. Lebensjahr im Beruf verbleiben können. Damit wolle man dem Personalmangel im Pflegebereich des staatlichen Gesundheitswesens begegnen.

Neuer Plan trifft vor allem Frauen
Halla Eríksdóttir, die stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft der Krankenschwestern, sagte RÚV gegenüber, es sei Ironie, dass dieser Plan ausschliesslich medizinisches Fachpersonal und Frauen betreffe.
“Wir glauben, dass das eher eine Verzweiflungstat der Regierung ist als wohl durchdacht, denn so die die Lage derzeit aussieht, ist der Wille der Krankenschwestern, über das 70. Lebensjahr hinaus zu arbeiten, nicht ganz so gross wie die Regierung glaubt.” erklärte Halla. Auch die Arbeitsbeziehung zwischen Krankenschwestern und und Regierung sei nicht besonders positiv.
Halla zufolge gebe es im Gesundheitssystem Kündigungen, und der Glaube, dass ältere Pflegekräfte unter schwierigen Bedingungen länger arbeiten wollen, stelle nach Ansicht des Verbandes eine Unterschätzung der Lage dar.

Auch die Vorsitzende des Verbands der Pflegehelfer kann nur mit dem Kopf schütteln, immerhin habe ihr Verband seit Jahren auf die Lage aufmerksam gemacht. Sie bezweifle stark, dass die Idee des Ministers zu einem Erfolg führen werde. Ihre Verbandsangehörigen fänden es sicher gut, eine Wahlmöglichkeit zu haben, doch die meisten würden wohl eher zur rechten Zeit in Rente gehen, denn der Beruf sei sehr anstrengend. “Ich sehe nicht, dass diese Krankenschwestern, die dann auf die achzig zugehen, Schlange stehen, um Schwerkranke zu pflegen, das bezweifle ich doch stark.“ sagte Sandra. „Die hören doch eher früher auf. Ja, viel, viel eher.“

Pflegepersonal: “Arbeitsfreudigste Berufsgruppe” soll bis 75 arbeiten dürfen

From the night shift at the COVID-19 ward.

Islands Gesundheitsminister Willum Þór Þorsson beabsichtigt, einen Gesetzentwurf vorzulegen, nach dem das Höchstalter von Beschäftigten im staatlichen Gesundheitswesen auf 75 erhöht werden soll, berichtet RÚV. Unter anderem soll damit dem Personalmangel im öffentlichen Gesundheitswesen begegnet werden, zumal ein grosser Teil des Pflegepersonals bald das 70. Lebensjahr vollendet.

Der Minister hofft auf positives Echo bei den Krankenschwestern, immerhin sei eine Beschäftigung mit flexiblem Rentenalter ja auch eine freiwillige Sache.
„Das ist natürlich ein wichtiges Thema und steht im Koalitionsvertrag und betrifft eine flexiblere Pensionierung von Staatsangestellten.“ erklärte Willum. „Im stark wachsenden Bereich des Gesundheitswesens, wo es überall an Mitarbeitern fehlt, ist das nicht auf einfache Weise zu lösen, da werden viele Lösungen benötigt, und diese kann eine davon sein.“

Sein Vorschlag sei eigentlich ganz simpel: alle die möchten und körperlich dazu in der Lage sind, sollen länger arbeiten dürfen als bis zum normalen Rentenalter. Auf die 75 Jahre sei man gekommen, weil dieses Alter bei den Selbstständigen als Rentenalter gelte. Heute löse man das erreichte Rentenalter bei einem Staatsangestellten, der gerne weiter arbeiten möchte, mit einem Werkvertrag, was allerdings für beide Seite ungünstig sei.

Der Gesetzentwurf befindet sich im Beratungsportal, um soviele Ansichten wie möglich zu erhalten, denn beim flexiblen Rentenalter gehe es um Arbeitsmarkt, Berufsfreiheit und um Themen älterer Menschen. Jeder Mitbürger kann in diesem Beratungsportal seine Ansicht äussern, sie ist öffentlich einsehbar.
Willum drückte seine Hoffnung aus, Beifall vom Pflegepersonal zu erhalten, denn dies sei die arbeitsfreudigste Berufsgrupe, die er in seinem Leben kennengelernt habe.

 

Gravierender Hausärztemangel ist besorgniserregend

Island hat den geringsten Prozentsatz an Hausärzten in ganz Europa, auf 100.000 Bewohner kommen nur 60 Allgemeinmediziner. In einem Interview mit dem Fréttablaðið sagte die Vorsitzende des isländischen Ärztebundes, Steinunn Þórðardóttir, diese Zahlen seien besorgniserregend, sowohl was eine adäquate medizinische Versorgung der Patienten angehe wie auch in Bezug auf die Arbeitslast der einzelnen Mediziner. Am dramatischsten sei der Mangel an Kinderärzten.
Den 60 Ärzten auf der Insel stehen in Europa durchschnittlich 100 Ärzte für 100.000 Patienten gegenüber. Die meisten skandinavischen Länder haben sogar doppelt soviele Ärzte für ihre Einwohner.

Medizinausbildung im Ausland
In Island kann man weder Humamedizin noch Veterinärmedizin bis zum Examen studieren, daher müssen Medizinstudenten ins Ausland gehen, um ihr Studium abzuschliessen. Viele bleiben dann einfach dort. Zur Zeit arbeiten 847 isländische Ärzte im Ausland. Steinunn macht vor allem die harten Arbeitsbedingungen auf der Insel für die Abwanderung verantwortlich. Um Ärzte davon abzuhalten, sich einen Job im Ausland zu suchen und Mediziner nach Hause zu holen, müsste das Gesundheitssystem die Arbeitsbedingungen verbessern.
Weil es auch an Spezialisten auf anderen Gebieten fehle, müssten viele Allgemeinmediziner zusätzlich auch als Psychiater oder Sozialarbeiter tätig sein. Eine unklar definierte Tätigkeitsbeschreibung erschwert die Arbeitslast da nur noch mehr.
Kern des Problem sei es, so Steinunn, dass Island einfach zu wenig Ärzte und Krankenschwestern ausbilde. An der Universität werden jedes Jahr 60 Bewerber für ein Medizinstudium zugelassen, aber viele beginnen ihr Studium auch direkt an einer ausländischen Hochschule.
Steinunn sagt, Island könne nicht erwarten, dass andere Länder in die Bresche springen. Die Universität des Landes müsse ihre Kapazität und Ausbildungsangebot erweitern.

Zuwenig Krankenschwestern  und Lehrer
Nicht nur an Allgemeinmedizinern mangelt es im Lande, auch Krankenschwestern gibt es viel zu wenige, nicht zuletzt weil viele ihre Posten nach der anstrengenden COVID-19 Pandemie verlassen haben und sich weniger anstrengenden Tätigkeitsfeldern widmen.
Isländische Krankenschwestern absolvieren ihr vierjähriges Studium an der Universität, für den Beruf der Hebamme kommen noch einmal zwei Jahre dazu. Ausländische Interessenten, die nur eine nicht-akademische Berufsausbildung in dem Bereich haben, müssen beim Gesundheitsamt eine Berufslizenz beantragen, um in ihrem Beruf arbeiten zu dürfen.

Auch in anderen Bereichen der isländischen Gesellschaft sieht es mit Personal düster aus. Magnús Þór Jónsson, der Vorsitzende des isländischen Lehrerverbandes, sprach kürzlich über die Schwierigkeiten, genügend Lehrer für das kommende Winterschulhalbjahr zu finden. Während der Pandemie hätten Lehrer sich an ein verändertes Lehrumfeld gewöhnen müssen, mit damit verbundenen Verantwortungen und zusätzlicher Arbeitslast. Magnús zufolge haben viele Lehrer ihren Job aufgegeben, weil sie vorübergehend eine andere Arbeit gefunden haben oder einen Job mit besseren Arbeitsbedingungen. .

Krankenschwestern stimmten für Generalstreik ab dem 22. Juni

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Bis heute Mittag hatten sie ihre Stimmen abgeben können, nun hat die Auszählung ergeben, dass die 2600 stimmberechtigten Krankenschwestern in Islands öffentlichen Kliniken und medizinischen Einrichtungen sich für einen Generalstreik entschieden haben. In zwei Wochen geht es los, nachdem sie 15 Monate lang ohne gültigen Tarifvertrag gearbeitet hatten. Die Aussichten für die medizinische Versorgung im Land sieht schlecht aus, der Verhandler auf staatlicher Seite zeigte sich enttäuscht.

Der Streik war mit 85 Prozent aller abgegebenen Stimmen beschlossen worden, 13 Prozent sprachen sich dagegen aus, ein Prozent enthielt sich der Stimme. Die Teilnahme lag bei 82 Prozent. Im Vorfeld hatte es grosse Unterstützung für die Streikmassnahme gegeben.

“Das war das meiste was wir je erlebt haben, fast 100 Prozent mehr als noch vor fünf Jahren,” kommentierte die Verbandsvorsitzende Guðbjörg Pálsdóttir.
Wenn es nicht gelingt, vor dem 22. Juni zu einem Ergebnis zu kommen, beginnt der Streik am Montag in zwei Wochen um acht Uhr Morgens. “Das betrifft zwei Drittel aller beschäftigten Krankenschwestern, oder 2600 Mitarbeiter im ganzen Land.” erklärte Guðbjörg.

„Das Ergebnis kommt nicht unerwartet, wenn man die Gespräche der letzten Tage betrachtet, aber wir sind sehr enttäuscht”, kommentierte Sverrir Jónsson, der für den Staat verhandelt hatte.
„Das sind sehr ernste Nachrichten, dass der Streik organisiert wird,” sagt auch Páll Matthíasson, der Leiter der Uniklinik in Reykjavík.

Für den Notdienst und die Ambulanzen soll eine Ausnahmeliste den Betrieb sicherstellen. Páll sagt, man müsse noch prüfen, ob man Abteilungen im Streikfall schliessen müsse. Nicht lebensnotwendige Operationen würden in den Sommermonaten ohnehin nicht durchgeführt.

“Akutpatienten werden mit Streikausnahmen versorgt, wenn das nötig ist, aber sehr viel wird warten müssen, und das wird unseren Betrieb stören. Alles was warten kann, wird warten müssen.”

Die Verhandlungen waren über etwa einen Monat geführt worden, nachdem die Krankenschwestern einen Tarifvorschlag im April abgelehnt hatten. In einer Umfrage des Verbandes hatte die Mehrheit angegeben, der Grund- und Tagdienstlohn sei der Grund für die Ablehnung. Den Krankenschwestern gehe es, so erklärt Guðbjörg, um einen höheren Grundlohn, da seien sie sehr entschlossen.

„Nun haben wir den Lohn diskutiert, und wir haben uns da weit aus dem Fenster gelehnt, oder innerhalb des Rahmens, den die Gesellschaft als akzeptabel betrachtet. Wir werden die Gespräche in den kommenden Tagen fortsetzen und versuchen, eine Grundlage zu finden, aber wir haben uns soweit gedehnt wie wir nur konnten,” erklärt Sverrir. Die verlangte Summe der Gegenseite liege ausserhalb des Rahmens, den man für andere Berufsgruppen verhandelt habe.

Guðbjörg bezeichnet es sehr schwierig, für einen Arbeitgeber tätig zu sein, der eigentlich über Jahre nicht bereit ist, einem höheren Gehalt zuzustimmen. Das haben schwerwiegende Auswirkungen auf die Personalsituation, und ob Leute überhaupt für das isländische Gesundheitswesen arbeiten wollen.

Am Montag will man sich wieder am Verhandlungstisch treffen.

Isländische Krankenschwestern drohen mit Streik mitten im Sommer

Emergency room

Der Verband der isländischen Krankenschwestern (FÍH) hat alle seine im öffentlichen Gesundheitswesen beschäftigten Mitglieder aufgefordert, über einen Streik abzustimmen. Die Krankenschwestern arbeiten seit einem Jahr ohne Tarifvertrag und hatten im April einen Tarifvorschlag abgelehnt, den der FÍH mit dem Staat ausgehandelt hatte. Weitere Verhandlungen blieben ergebnislos.

Die elektronische Abstimmung hatte gestern begonnen und ist bis Freitagmittag möglich. Etwa 2500 Krankenschwestern in öffentlichen Einrichtungen sind zu Teilnahme berechtigt.
Abgestimmt wird über einen Generalstreik, der am Montag den 22. Juni beginnen würde, falls es bis dahin keinen Vertrag gibt. Der Streik würde alle staatlich betriebenen Krankenhäuser und Einrichtungen, wie etwa die dem Hausarzt vergleichbare Gesundheitszentren in der Stadt und auf dem Land betreffen, wo Krankenschwestern, anders als in Deutschland, eine wichtige Rolle im Tagesbetrieb spielen.

Einer Umfrage vom 7.-10. Mai zufolge sind fast die Hälfte aller Krankenschwestern (49,6 Prozent) zu einem Streik bereit, und 32 Prozent wollen auch länger streiken. Aus der Umfrage ging hervor, dass die Beschäftigten an dem gefällten Tarifvertrag vor allem eine unzureichende Erhöhung ihres Grundgehaltes kritisierten.

Pflegeheim in den Westfjorden schwer von COVID-19 betroffen

Bolungarvík

Zwei weitere COVID-19 bedingte Todesfälle hat es gestern in Island gegeben, damit ist die Gesamtzahl auf sechs gestiegen. Ein Mann um die 60 Jahre war im Universitätskrankenhaus Landspítali an den Folgen der Infektionskrankheit gestorben. Ein weiterer Mann erlag der Krankheit in einem Pflegeheim in Bolungarvík in den Westfjorden.
In dem Pflegeheim sind noch zwei Personen an COVID-19 erkrankt, drei Personen befinden sich in Isolation, während man auf die Testergebnisse wartet. Fünf Bewohner sind symptomlos und in Quarantäne.

Reserveeinheit kommt zum Einsatz

Ein Grossteil von Pflegepersonal und sonstige Mitarbeiter musste sich in Quarantäne begeben, fünf von ihnen wurden einer Mitteilung der örtlichen Gesundheitsbehörde nach positiv auf das Virus getestet. Nachdem die Heimbewohner erstmal von Mitarbeitern der Reserveeinheit und Schwestern aus anderen Gesundheitszentren notversorgt wurden, transportierte der Hubschrauber der Küstenwache gestern dann weiteres Pflegepersonal der Reserveeinheit in den abgelegenen Ort in den Westfjorden. Am Wochenende hatte auch in den Westfjorden sehr schlechtes Wetter geherrscht und es war nicht möglich gewesen, den Ort zu erreichen.

Hilfspaket für Kleinunternehmer

In Bolungarvík, wo 931 Einwohner gemeldet sind, waren Zusammenkünfte von mehr als fünf Personen verboten worden, damit ist das Versammlungsverbot dort strikter als im restlichen Land. Bolungarvíks Bürgermeister Jón Páll Hreinsson sagte, es gebe sehr viel Solidarität in der Gemeinschaft, doch zeigte er sich auch besorgt über die Lage kleinerer Unternehmen, die besonders sensibel auf die Auswirkungen der Seuche reagierten.
“Die, die in dieser Situation Opfer bringen, sind die Kleinstdienstleister,” sagte er RÚV gegenüber. “Die Kosmetiksalons und die gesamte Restaurantbranche, die natürlich an diesen kleinen Orten besonders verwundbar ist. Das Einkommen verschwindet einfach.”
Die Gemeinde hat ein Hilfspaket geschnürt, um kleine Unternehmen zu unterstützen. Jón Páll bestätigte, er sei in Kontakt mit seinen Amtskollegen im ganzen Land, die vor den gleichen Herausforderungen stehen.
“Sie sind alle sehr besorgt und die meisten Gemeinden wollen intervenieren.”

Schichtzulage wird nun doch weitergezahlt

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Die Schichtzulage der Krankenschwestern am Universitätskrankenhaus Landspítali, die fristgerecht zum Monatswechsel entfallen war, ist nun für die kommenden Monate verlängert und die Finanzierung der Zahlungen gesichert worden, berichtet RÚV. Dies wurde in einem Brief des Finanzministers an die Klinikleitung bestätigt. Die Zulage war ursprünglich ein zeitlich befristetes Pilotprojekt der Klinik gewesen und im Herbst vergangenen Jahres gestrichen worden.

Die durch den Wegfall der Zulage bedingte Gehaltskürzung bei den Krankenschwestern zum vergangenen Monatswechsel hatte heftige Reaktionen in der Öffentlichkeit hervorgerufen.

Anlässlich der aktuell besonderen Umstände ist nun entschieden worden, diese Zahlungen innerhalb des Projektes zu verlängern, nach eingehender Prüfung des Krankenhauses bis zum 1. Oktober 2020.

Wenn man die ernste Lage betrachtet, in der sich das Gesundheitswesen durch COVID-19 befindet, wo die Belastung der Pflegeberufe höher ist als sonst, ist es für mich ein klarer Fall, dass Massnahmen die die Gehaltssituation der Krankenschwestern verschlechtern, jetzt absurd sind,” schrieb Gesundheitsministerin Svandís Svavarsdóttir in einer Regierungserklärung.

Wir werden grundsätzliche Änderungen in den Verträgen einarbeiten, die den Schichtdienstvereinbarungen folgen. Hoffentlich hilft die Fortzahlung für die Schichtdienstbelastung, die Tarifstreitigkeiten zwischen Staat und Krankenschwestern gütlich zu regeln. Ich will das gerne hoffen.” sagte Finanzminister Bjarni Benediktsson.

Der staatliche Vermittler hatte die Vertreter von Krankenpflegegewerkschaft und Staat für kommenden Montag an den Verhandlungstisch gebeten. Zuletzt hatte man sich am 24. März getroffen.

Islands Krankenschwestern arbeiten seit einem Jahr ohne Tarifvertrag.

In der Regierungserklärung heisst es weiter, Zweck der als Pilotprojekt im Jahr 2017 gestarteten Schichtzulage sei es gewesen, die Krankenschwestern zu ermuntern, ihre Dienstpflicht auch ausserhalb der Tagschichtzeiten auszuüben. Das Projekt war im April 2017 angelaufen und eigentlich auf sechs Monate befristet gewesen. Die Uniklinik hatte das Projekt jedoch dreimal verlängert, es war dann zum Jahresende 2019 ausgelaufen. Die Zahlungen setzten dann bei vielen schon länger Beschäftigten fristgerecht zum 1. April diesen Jahres aus.

Bei Krankenschwestern mit langer Berufslaufbahn hat der Wegfall um bis zu 40.000 ISK (257 EUR) ausgemacht.

Krankenschwestern: Schichtzulage fällt mitten in der COVID-Krise weg

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Eine Einsparmassnahme des Universitätskrankenhauses aus dem vergangenen Jahr ist gestern in Kraft getreten und hat dafür gesorgt, dass vielen Krankenschwestern die Schichtzulage gestrichen wurde und sie mehrere tausend Kronen weniger Gehalt als sonst auf ihrem Lohnzettel vorfanden, berichtet RÚV.
Der Zeitpunkt der Massnahme wurde von Finanzminister Bjarni Benediktsson als “unglücklich” bezeichnet.

“Wie kann man die Gehälter dieser Gruppe mitten in der COVID-Pandemie beschneiden? Wie kann man morgens auf wachen und in den Spiegel schauen, wenn man für diese Entscheidung verantwortlich ist?” fragte der Oberarzt der Notaufnahme, Jón Magnús Kristjánsson.

Die Uniklinik hatte im letzten Herbst beschlossen, den Krankenschwestern keine Schichtzulage mehr zu zahlen, diese Kürzungsmassnahme sollte dann drei bzw. sechs Monate später in Kraft treten, jenach Länge der Dienstzugehörigkeit. Das bedeutet, dass einige der ältesten und erfahrensten Pflegekräfte des Hauses in diesem Monat bis zu 40.000 Kronen weniger Gehalt bekommen.
Islands Krankenschwestern arbeiten seit einem Jahr ohne gültigen Tarifvertrag, und die Verhandlungen zwischen Gewerkschaft und Arbeitgeber hatten sich festgefahren. Aktuell sind keine neuen Verhandlungen anberaumt.
Die Gehaltskürzungen und ihr Zeitpunkt treffen zwar eher zufällig aufeinander, mehren aber nur die öffentliche Unterstützung für die Position der Krankenschwestern.

Universitätsklinik braucht 1 Mrd. Kronen zusätzlich für Löhne

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Die Universitätsklinik in Reykjavík benötigt etwa eine Milliarde ISK (7,2 Mio EUR) zusätzlich aus dem Staatssäckel, um Löhne auszahlen zu können, die mit Abschluss der Tarifverhandlungen im Frühjahr zugesagt worden waren, berichtet RÚV. Derzeit überlegt der parlamentarische Hauhaltsausschuss, wie man diese Angelegenheit angeht. Klinikvertreter liessen wissen, dass wenn keine Gelder einträfen, man Dienstleistungen beschneiden oder das Krankenhaus mit Defizit betreiben müsse.

Ebba Margrét Magnúsdóttir, die Vorsitzende des Ärzterates, sagte dass die Regierung den finanziellen Bedarf der Klinik zu gering kalkuliert habe, nachdem die Tarifverhandlungen unter Dach und Fach gewesen waren. Informationen der Klinik zufolge werden 500 Millionen Kronen benötigt, um die Gehaltserhöhungen auszahlen zu können, die nach einer Vereinbarung mit den Ärzten im Jahr 2017 ausgelegt worden waren.

Die doppelte Summe wird benötigt, um die Gehaltserhöhungen der gesamten medizinischen Belegschaft zahlen zu können.

Gesundheitsministerin Svandís Svavarsdóttir sagte, dass auch wenn es langfristig wichtig sei, die Finanzierung des Gesundheitswesens sicherzustellen, dieses besser organisiert werden müsse und schlug vor, dass die neue Gesundheitspolitik der Regierung Teil der Finanzierung werde.

Die Universitätsklinik hat bereits umfangreiche Restrukturierungen hinter sich, um das betriebliche Defizit auszugleichen. Die leitenden Positionen im Krankenhaus sind reduziert worden, die Schichtzulagen von Krankenschwestern und Hebammen wurden gekürzt. Ebba findet jedoch, dass dies Massnahmen seien, die die Klinik nicht hätte ergreifen sollen.

“Die Leute an der Basis haben die Nase voll,” sagte sie.