Alkohol, Kraftstoff und Schwimmbad werden teurer

reykjavik pool

Mit dem neuen Jahr kommen auf die Isländer Preis- und Steuererhöhungen zu. Kommunen erhöhen ihre Gebühren, und auch der erst kürzlich ratifizierte Staatshaushalt 2024 sieht neue Steuern und Stererhöhungen vor.

Die Steuer auf Alkohol und Tabak wird um 3,5% teurer, die TV-Steuer steigt ebenfalls um 3,5%, und auch Kraftstoffe werden höher besteuert: Benzin kostet ab heute 4,20 ISK (0,03EUR) mehr, für den Liter Diesel zahlt man 3,70 ISK (0,02EUR) mehr. Kleinwagen zahlen 30 Prozent mehr an KFZ-Steuer, für Besitzer von E-Autos wurde eine neue Kilometerabgabe beschlossen, die den Durchschnittspendler am Jahresende rund 90.000 ISK (599EUR) kosten wird.

Bei den Gemeinden steigen die Entsorgungsgebühren, im Hauptstadtbereich wird gerade ein neues Mülltrennungssystem eingeführt. Damit kommt auf Hauptstadtbewohner die grösste Gebührenerhöhung zu: für zwei Mülltonnen zahlt man dort jetzt statt 52.000 ISK (350 EUR) 73,500 ISK (489 EUR). In der Gemeinde Seltjarnarnes sind es sogar 75.000 ISK.

Auch die Eintrittskarten für öffentliche Schwimmbäder, Museen und Tierparks werden teurer. Ein Einzeleintritt ins Schwimmbad kostet mit 1330 ISK (9 EUR) jetzt sechs Prozent mehr, ein Jahresticket steigt um 5,5 Prozent, auch die Preise für Handtücher und Badeanzug ziehen an.
Schliesslich wird auch der öffentliche Nahverkehr teurer, hier steht den Nutzern eine Preiserhöhung von durchschnittlich 11 Prozent ins Haus.

 

Benzinpreis in Island auf Platz drei weltweit

gasoline, dæla

Nirgendwo in der EU und eigentlich im europäischen Wirtschaftsraum ist der Liter Kraftstoff so teuer wie in Island. Dabei sind die hohen Preise zum Teil auf die hohen Steuern zurückzuführen, aber auch auf die Transportkosten. Hinzu kommt die Handelsspanne der in Island tätigen Mineralölkonzerne, die den Unterschied zwischen Island und Europa erklären, berichtet Heimildin.
Schaut man weiter über die Grenzen, liegt der Preis für Kraftstoff auf der Insel sogar auf Platz drei weltweit. Einer Aufstellung von Global Petrol Prices zufolge ist Benzin nur in Hongkong und in Monaco teurer als in Island. In zwei Drittel aller EU-Staaten liegt die staatliche Abgabe auf Benzin jedoch höher als in Island.

Am 15. Mai kostete in Island ein Liter 95 Oktan-Benzin durchschnittlich 316,6 ISK (2,12 EUR). Dabei lag der Anteil der Mineralölsteuer bei 157,5 ISK (49,8%). Auf Platz zwei liegt Liechtenstein mit 298,4 ISK, in Dänemark kostet der Liter Benzin 288,7 ISK, hier liegt der Anteil der Steuer sogar bei 153,9 ISK ( 53,3%).
In Finnland sind die Steuern noch höher, von 288 ISK pro Liter entfallen 164,8 ISK (57,2%) auf Steuern. Auch die Schweden zahlen 53% Mineralölsteuer auf ihren Benzinliter, den sie für 255,7 ISK kaufen können.

Am billigsten ist das Benzin in Bulgarien, dort zahlt man 194,8 ISK. Die höchste Mineralölsteuer auf den Liter Benzin findet sich mit 58,5% in Griechenland, in Zypern liegt sie mit 42% auf den Liter am niedrigsten in ganz Europa.
Die ganze Liste findet sich hier.

Arbeitskampf: Kraftstoff in riesigen Mengen gehamstert

gasoline, dæla

Der durch den Streik der Tankwagenfahrer ausgelöste drohende Kraftstoffmangel hat offenbar dazu geführt, dass besonders clevere Mitbürger das kostbare Nass zu hamstern begannen. Nicht etwa im 20 Liter Kanister, sondern in riesigen Behältern, berichtet Vísir. Tausende Liter sind nach Angaben von Skeljungur-Chef Þórður Guðjónsson in IBC Tanks eingefüllt worden. Þórður drängt die Leute darauf, diese Praktik einzustellen, weil sie hochgefährlich und ausserdem gesetzeswidrig sei.

In den sozialen Medien wurde ein Video geteilt, wo jemand zwölf 1000 Literbehälter mit Kraftstoff befüllte. Es handelte sich nach Þórðurs Angaben um einen Warenwert von vier Mio ISK. Das Video ist inzwischen gelöscht worden. Und das Beispiel steht nicht alleine da.

“Wir können da nichts machen. Wir sind ja nicht die Polizei. Das einzige was wir machen können, ist die Leute darauf aufmerksam machen, dass das ungesetzlich ist und sie bitten, das zu unterlassen.” meint Þórður. Die Polizei sei von dem Video unterrichtet worden, es liege nun an ihr, darauf zu reagieren.

Þórður zufolge ist es verboten, mit mehr als 900 Litern Kraftstoff in einem Fahrzeug unterwegs zu sein, je nach Kraftstoffart sogar weniger. Liegt man über der Literzahl, benötige man eine besondere Ausrüstung und eine Transporterlaubnis. Er habe Videos erhalten, auf denen Autofahrer mit 6-8000 Litern auf offenen Ladeflächen unterwegs seien. “Das ist unglaublich, und offensichtlich dass die Leute sich nicht klar machen, wie gefährlich das ist, Kraftstoff zu transportieren.”
Auch die Obergrenzen der Bezahlkarten würden an den Zapfsäulen ausgetrickst. Benzin sei noch gefährlicher als Diesel, sagt Þórður. Es gebe genug Kraftstoff, das sei es nun wirklich nicht wert.

Doch Autofahrer könnten das anders sehen. Am Abend hiess es bei Vísir, nach dem Wochenende könnte es in Sachen Kraftstoff im Hauptstadtgebiet ziemlich düster aussehen.Vor dem Streik hatte die Gewerkschaft Efling mehr als 70 Ausnahmegenehmigungen erteilt, für wichtige Institutionen im Gesundheitsbereich, Polizei, Feuerwehr, Rettungskräfte, sowie den Kraftstofftransport an eigens für diese Ausnahmen bestückten Tankstellen.

Neuer Elektrokraftstoff soll Energiewende vorantreiben

Gestern ist in Grundartangi im Westen Islands ein Kooperationsvertrag zur Entwicklung und Produktion von Kraftstoff für Elektrofahrzeuge unterzeichnet worden. Þórdís Kolbrún Reykfjörð Gylfadóttir, Islands Ministerin für Tourismus, Industrie und Innovation, sowie Ólafur Adolfsson, der Vorsitzende des Entwicklungsvereins Grundartanga stellten die Entwicklungspläne vor, die mit 50 Mio. ISK vom Staat unterstützt werden, berichtet skessuhorn.

Bei dem geplanten Verfahren soll nicht nur Kohlendioxid aus Industrieabgasen in Grundartangi aufgefangen werden, sondern zusammen mit industrieller Abwärme und zuviel produzierter erneuerbare Energie in ein neuartiges Produktionssystem zusammengeführt werden. Der daraus entstehende Kraftstoff soll dann aus Wasserstoff und Kohlendioxid bestehen, und für herkömmliche Verkehrsmittel ohne technische Veränderungen nutzbar sein.

Mit der geplanten Produktionsstätte möchten die Initiatoren Islands CO2-Spur in der Atmosphäre verringern.
Die vorhandene Infrastruktur von Kraftstoffvorratstanks, Verteilerstrukturen und Zapfsäulen würde für den neuen Kraftstoff genutzt werden können, der sich auch in das bisherige Vorschriftenumfeld einfügt. Damit würden keine grossen Investitionen in ein neues Infrastrukturnetz notwendig.

Island könnte durch dieses Projekt den Wandel zu einer kohlendioxidneutralen Gesellschaft vollziehen, hin zu mehr erneuerbaurer Energie, weg von der Prodution von Treibstoffgasen, die den Klimawandel vorantreiben. Die Nutzung der geplanten Energieform soll durch Einspeisung von Überproduktion in das neue System verbessert und die Energiewende erleichtert werden. Die Pläne beinhalten neben der Entwicklung von Technologien auch die Herstellung neuer Geräte und deren Export ins Ausland.