Kerlingarfjöll: Grösstes Bauprojekt im Hochland

Kerlingarfjöll

Das Touristenzentrum in den Kerlingarfjöll im südlichen Hochland wird dieser Tage für zwei bis drei Mrd. ISK (13-20 Mio EUR) renoviert und aufgepeppt, berichtet RÚV. Anstelle der alten Hütten entsteht dort nun ein Luxushotel, und auch der Campinplatz erhält notwenige Sanierungen. Damit ist dieses Zentrum möglicherweise die grösse Einzelinvestition im Hochland, die kein Kraftwerk ist.

Die Kerlingarfjöll sind ein Bergzug, den man von der Kjölurroute aus gut an ihren gezackten Gipfeln erkennen kann, sie gehören zu den beliebtesten touristischen Zielen der Region. Die im Jahr 1961 gegründete Sommerskischule war im Jahr 2000 wegen Schneemangels aufgegeben worden, denn auch in den Kerlingarfjöll ziehen die Gletscher sich zurück. Bekannt sind die Riolithberge der Kerlingarfjöll vor allem für ihre spektakulären Farben, und für ihre heissen Quellen. Seit dem Jahr 2020 steht das Gebiet unter Naturschutz.

Luxusresort startete ohne Umweltgutachten
Das Luxushotel hatte vom ursprünglichen 120-Doppelzimmer-Plan ausgehend verkleinert werden müssen. Im Jahr 2016 hatte die isländische Umweltbehörde die Baupläne vor den Berufungsauschuss für Umweltfragen gebracht, weil die erste Bauphase begonnen worden war, ohne das Umweltgutachten abzuwarten.
Jetzt gibt es nur noch Platz für 50 Luxusgäste, sowie eine hostelähnliche Unterkunft für 30 Camper. Neben der Renovierung des Campingplatzes wird es auch ein neues Restaurant vor Ort gehen. Die Fassade des Hotels soll in dunklen Erdfarben gehalten werden, um sich in die Landschaft einzufügen. Das Gesamtkonzept wird auch den Individualverkehr im Gelände einschränken, um das Naturerlebnis der Gäste nicht zu stören.

Wichtiges Brutgebiet
Das isländische Hochland ist eine unbewohnte Region, die den grössten Teil des Binnenlandes umfasst. Es ist nur im Sommer erreichba,r wenn der Schnee geschmolzen und das Schmelzwasser im Boden versickert ist. Erst dann sind die Pisten belastbar und Flüsse furtbar. Das Hochland ist ein wichtiges Brutgebiet für viele Vogelarten, und in Oasen wie dem Þjórsárver unterhalb des Hofsjökull etwa hat die Kurzschnabelgans ihr wichtigstes Brutgebiet weltweit.

Asphaltierte Strassen für den Tourismus
Um das Hochland für Besucher besser erreichbar zu machen und eine nachhaltige Mehrnutzung zu ermöglichen, hatten 11 isländische Gemeinden im vergangenen Jahr einen neuen Flächennutzungsplan für das südliche Hochland entwerfen lassen, demzufolge die Hauptwege dort sechs bis acht Monate im Jahr befahrbar sein sollen. Dazu will man unter anderem die Strassen Kjölur, Sprengisandur und Fjallabak nyðri, sowie die Strasse in die Kerlingarfjöll, zum Skjaldbreiður, nach Skálpanes, Emstrur und ins Húsdalur asphaltieren.
Einem Besuch des oben genannten Luxushotels in den Kerlingarfjöll steht dann ausserhalb der Hauptsaison kaum noch etwas im Wege.

 

Kerlingarfjöll unter Naturschutz gestellt

Kerlingarfjöll mountains.

Die Gebirgskette Kerlingarfjöll und das umliegende Gebiet sind heute unter Naturschutz gesetzt worden, berichtet mbl.is. Eine entsprechende Urkunde wurde von der heute ausnahmsweise amtierenden Umweltministerin Svandís Svavarsdóttir unterzeichnet.

Die Kerlingarfjöll gehören zu den schönsten Regionen des Landes und stellen ein beliebtes Ausflugsgebiet dar. Im Jahr 2016 war eine Arbeitsgruppe aus Vertretern der Gemeinden Hrunamannahreppur und Skeiða-og Gnúpverjahreppur, sowie der Freunde der Kerlingarfjöll gegründet worden, die den Schutzstatus der Region vorbereitet hatte.

Vier Kraftwerksprojekte in der Schutzkategorie des Energieplanes liegen im Bereich des neuen Naturschutzgebietes: Hverabotn, Neðra-Hveradalir, Kisubotn und Þverfell. Der Umweltminister hatte zuvor gesagt, man strebe an, noch in diesem Jahr sämtliche Gebiete unter Naturschutz zu stellen, wo sich Kraftwerksprojekte in der Schutzkategorie befinden. Der Naturschutz des 344 Quadratkilometer grossen Gebietes rund um die Kerlingarfjöll war jedoch ein umfangreiches Vorhaben gewesen, sodass man erst mal nur diese vier Kraftwerksprojekte im aktuell gültigen Energieplanes bearbeiten konnte.

“Wir sind sehr glücklich an diesem Tag, denn mit dem Schutzstatus ist eine Zeitenwende eingetreten, zum Wohle von Land und Volk,” sagte Hildur Vésteinsdóttir, die Projektleiterin der Abteilung für Naturschutz und Planung bei der Umweltbehörde.

Umweltminister Guðmundur Ingi Guðbrandsson hatte die Unterzeichnung seiner Amtskollegin Svandís überlassen, weil er Vorsitzender der Umweltschutzorganisation Landvernd gewesen war, als die Arbeitsgruppe gebildet wurde. Landvernd hatte unter seinem Vorsitz seinerzeit ein positives Gutachten zum geplanten Schutzstatus eingereicht.

Vorschläge zu infrastrukturellem Ausbau der Kerlingarfjöll

Kerlingarfjöll mountains.

Der Bau von zusätzlicher Infrastruktur und Übernachtungsmöglichkeiten in den Kerlingarfjöll, einem bei Touristen wie Einheimischen beliebten Gebirgszug mit Geothermalgebiet im südlichen Hochland, würde negative Auswirkungen auf die derzeitige Planungspolitik für die Region haben, berichtet RÚV.

Dies stellt das nationale Planungsbüro Skipulagsstofnun in einem Gutachten über vier verschiedene Pläne zum infrastrukturellen Ausbau der Kerlingarfjöll fest. Das Büro ist der Ansicht, dass ein weiterer Ausbau der Region noch mehr Druck auf die dortige Umwelt ausüben und deutlich negative Auswirkungen nach sich ziehen werde.

Die Kerlingarfjöll sind erst kürzlich auf der Roten Liste des Umweltamtes gelandet, in welcher sich Naturregionen befinden, die Gefahr laufen, zerstört zu werden. Bislang sind die Kerlingarfjöll offiziell kein geschützer Ort.

Das Unternehmen Fannborg, welches das touristische Angebot vor Ort betreibt, hatte vier verschiedene Optionen für den Ausbau der Infrastruktur an das Umweltamt geschickt.

Im ersten Vorschlag ging es um die Verbesserung existierender Strukturen, die drei anderen Vorschläge beinhalteten zusätzliche Konstruktionen und weiteren Ausbau.

Im zweiten Vorschlag geht es um einen geringfügigen Ausbau der Bettenzahl für Besucher, er würde damit auch eher geringe Auswirkungen auf die Umwelt in den Kerlingarfjöll haben. Die Übernachtungsmöglichkeiten sollen dem Vorschlag zufolge als Hotelzimmer oder Gästehaus vermarktet werden und nicht länger als Hüttenschlafplätze, die Grösse des Restaurants soll sich verdoppeln.

Vorschlag 3 sieht zwei neue zweistöckige Herbergen nebst zusätzlichen Neubauten neben dem im Jahr 2016 errichteten Gebäude. Fünf ältere Häuser auf dem Gelände, die unter dem Namen Nípur bekannt sind, sollen dafür abgerissen werden.

In Vorschlag 4 sollen fast alle älteren Gebäude auf dem Gelände abgerissen werden, stattdessen soll vom Hauptgebäude aus eine grosse Herberge errichtet werden. Die Bauarbeiten dieser beiden Vorschläge sollen 2023 abgeschlossen sein.

Mit den in Vorschlag 3 und 4 geplanten Bettenzahlen für fast 300 Gäste wäre die Region ohne Beispiel im Hochland und würde zu einem der grössten Übernachtungsbereiche auserhalb der Hauptstadt werden.

Für das Umweltamt beinhalten die dritte und vierte Option nicht nur negative Auswirkungen auf das Naturerlebnis von Besuchern der Region, sondern auch zusätzlichen Druck auf die Umwelt durch die steigende Besucherzahl.

Das Amt empfiehlt, eine Entscheidung derartigen Ausmasses zu verschieben, da es das vorrangige Ziel der Regierung sei, einen Nationalpark im zentralen Hochland zu schaffen.

 

 

Stromversorgung auf dem Kjölur birgt neue Möglichkeiten

In diesem Sommer soll ein 67 Kilometer langes Erdkabel entlang der Hochlandroute Kjölur verlegt werden, berichtet RÚV. Die Erdarbeiten sollen Ende Juli/Anfang August beginnen und bis zum Herbst abgeschlossen sein.

Das 24 Kilowatt-Kabel wird vom Bláfellsháls nördlich des Gullfoss entlang der Strasse zu den Hütten Árbúðir, Gíslaskáli, zu den Kerlingarfjöll und bis nach Hveravellir verlegt. Zusätzlich zum Stromkabel soll auch ein Glasfaserkabel für schnelle Internetverbindung verlegt werden.

Das gesamte Projekt trägt einer Pressemitteilung von RARIK nach den Namen “Orkuskipti á Kili” (Energiewende auf dem Kjölur).

Die Kosten für das Stromkabel betragen 270 Mio. Kronen. Hinzu kommen 25 Mio. Kronen für ein Umspannwerk und Verbindungsausrüstung bei Brúarhvammur östlich des Geysir. Finanziert wird das Projekt durch die Anschlusskosten, welche die Kunden zu tragen haben, sowie durch zu erwartende Gebühren aus der Nutzung, aber auch der Staat hat Geld zugesagt. Hinzu kommen finanzielle Mittel, die die Gemeinden Bláskógarbyggð, Hrunamannahreppur und Húnavatnshreppur bereitstellen wollen.

Die Gemeindeleitungen halten das Unterfangen für ein wichtiges Umweltprojekt, welches grosse Möglichkeiten schaffe für eine Energiewende, für die ganzjährige Erlebnisnutzung des Hochlandes und Beheizung der Hütten. Bislang müssen fossile Brennstoffe aufwändig ins Hochland transportiert werden, damit die Hütten betrieben werden können, per Dieselaggregat wird nicht nur Licht und Wärme in die Häuser gebracht, sondern auch Wasser in die Leitungen gepumpt.

Tryggvi Þór Haraldsson, der Direktor des Energieversorgers RARIK, sagte RÚV gegenüber, die Verlegung eines Stromnetzes ins zentrale Hochland sei ein kostenintensives Projekt, zudem sei die Strommenge begrenzt, die man durch die Leitung schicken könne. Die Energie, die am Ende vorhanden sei, müsse daher gut genutzt werden.

Mit der Verlegung des Erdkabels auf den Kjölur erhalten die Tourismusanbieter, die Notfall-Hotline und die Telekommunikationsgesellschaften Zugang zur öffentlichen Stromversorgung, welche ihren Bedarf in der nahen Zukunft absichern sollte. Ausserdem schafft dies nun die Möglichkeit, Tankstellen für Elektroautos aufzustellen. All diese Anbieter können sich dann den Stromlieferanten aussuchen, anstatt fossile Brennstoffe für die Stromversorgung zu verbrennen.” erklärte Tryggvi.

Ministerpräsidentin Katrín Jakobsdóttir begrüsste das Projekt als Erfolg in der Klimapolitik. “Die Zeit für Massnahmen in der Klimapolitik ist abgelaufen. Regierung und Gesellschaft müssen sich nach dieser Tatsache richten, wenn Entscheidungen gefällt werden, die Auswirkung auf den Ausstoss von Treibhausgasen haben. Damit sichern wir, dass Island die Ziele des Parisvertrags bis zum Jahr 2030 einhalten kann. Die Energiewende auf dem Kjölur hat wirkliche Auswirkung und daher ist es befriedigend, dass dieses Ziel nun erreicht wurde,” sagte die Ministerpräsidentin.

Mit Verlegung des Stromkabels dürfte der Dieseltransport ins Hochland, in die Kerlingarfjöll, nach Hvervellir und in die sieben Hütten entlang des Kjölur endgültig der Vergangenheit angehören. Die Stromversorgung löst die Dieselaggregate ab, die ansonsten gegen stärkere Geräte hätten austauscht werden müssen, weil sie den Strombedarf kaum noch hatten decken können. Aber auch der Notfall-Hotline 112 und den Sendern der Mobilfunkunternehmen kommt die neue Stromversorgung zugute.

Das zum Teil internetlose Hochland, etwa in Hveravellir oder in den Kerlingarfjöll, wird zugänglicher, was auch wichtig für die Sicherheit aller Reisenden in der Region ist.

Die Notfall-Hotline hatte bereits im Jahr 2017 Vorrang gehabt, als in Zusammenarbeit mit dem Stromversorger, dem Bláskógabyggð und zwei Tourismusunternehmen ein Kabel von Brúarhvammur bis zum Bláfellsháls verlegt worden war. Die Fortführung dieses Netzes habe grosse Bedeutung, sagte Hotline-Geschäftsführer Þórhallur Ólafsson.

Die Notfall-Hotline ist an diesem Projekt unter anderem deshalb beteiligt, damit die Energiewende durch die Verwendung von umweltfreundlicher Energie anstatt fossiler Brennstoffe vorangetrieben werden kann. In den vergangenen Jahren konnte der Verbrauch von Diesel in den Verteilerstationen um 90 Prozent reduziert werden, das waren 130.000 Liter pro Jahr. Dann ist das Ziel natürlich, die Telefonverbindung durch Strom sicherer zu gestalten als es mit Dieselaggregat möglich war. Damit gibt es weniger Ausfälle, und mehr Möglichkeiten, die 112 zu jeder Zeit zu erreichen, und die Notfallpartner stehen jederzeit in Kontakt. Zum Dritten geht es darum, die Telefonverbindung durch das Glasfaserkabel, welches neben dem Stromkabel verläuft, noch weiter zu verbessern. Der Langwellenbetrieb kann nun beendet werden, er war vor allem in den hohen Bergen schwierig und störungsanfällig. Das Telekommunikationsnetz zwischen dem Norden und Süden erfährt so eine grosse Verbesserung,” erklärte Þórhallur.

Nicht zuletzt die Hütten Arbúðir, Gíslaskáli, Hveravellir und die Hütten in den Kerlingarfjöll profitieren von dem neuen Kabel. In Zukunft sollen auch Abzweigungen zu den Hütten Hvítárnes, Þverbrekknamúla, Fosslæk, Leppistungur und Svínárnes im weiteren Umfeld des Kjölur hinzukommen. Kalte Füsse gehören auch dort bald der Vergangenheit an.

Vilborg Guðmundsdóttir von Myrkholt betreibt drei Hütten entlang des Kjölur. Für sie bedeutet das Stromkabel eine echte Revolution.

Die Hütten und anderen Gebäude entlang des Kjölur kann man nun das ganze Jahr über beheizen, niemand muss mehr kalt und durchnässt schlafen gehen, wenn er ausserhalb der Sommermonate dort übernachtet. Das schafft ganz neue Möglichkeiten und Gelegenheiten für die Leute, das Hochland zu erleben. Das wird eine Revolution, diese Hütten zu betreiben, wenn sie erst an die öffentliche Stromversorgung angeschlossen sind,” freut sich Vilborg.