Zweiter Scrapie-Fall: Kommt DeCODE mit ins Boot?

deCode Genetics CEO Kári Stefánsson

Das isländische Genforschungsinstitut DeCODE könnte möglicherweise ein Forschungslabor einrichten, um Proben aus isländischen Schafen zu untersuchen und das vor Scrapie schützende Gengut zu finden, berichtet RÚV am Abend. Das Gengut konnte bereits in mehreren Schafen lokalisiert werden, diese befinden sich auch bereits in der Zucht. Um bei der Suche nach dem Gen aber so richtig voranzukommen, müsste der gesamte Bockbestand – 200.000 Tiere – in kürzester Zeit untersucht werden. Bislang sind die Proben von einzelnen Höfen genommen und dann zur Untersuchung nach Deutschland geschickt worden, was sehr aufwendig und teuer war.

Heute hat sich nun die isländische Regierung an DeCODE gewandt, nachdem gestern auf einem zweiten Hof im Miðfjörður die tödliche Schafkrankheit Scrapie gefunden worden war. Dort müssen 720 Schafe gekeult werden. Beide betroffenen Höfe gehörten zu den produktivsten Betrieben des Landes.
“Ich bin heute mehrfach angerufen worden,” sagt DeCODE-Direktor Kári Stefánsson. “Parlamentarier und Minister haben mich angerufen und gefragt, ob wir nicht versuchen können, 200.000 Proben zu untersuchen.” Er finde das “ein wenig seltsam”, angesichts der Tatsache dass das Unternehmen noch niemals zuvor Schafe untersucht habe. Nichts desto trotz verfüge das Unternehmen über viel Wissen und Erfahrung auf dem Gebiet der Genforschung und könne im Kampf gegen die Scrapie vonnutzen sein.
Kári sagt, er rechne damit dass man sich gleich am Montag zusammensetzt und die Möglichkeit bespreche, ein Forschungslabor aufzusetzen. Dazu sei es notwendig, Prozesse, Software und Hilfe beim Monitoring einzurichten. Doch so ganz traut er der Sache wohl nicht.

Wollte bereits 2021 Seucheninstitut gründen
Kári Stefánsson hatte schon zuvor vorgeschlagen, ein isländisches Seucheninstitut auf die Beine zu stellen, damit die Regierung bei Ausbruch einer Seuche sofort reagieren könne.
Anfang 2021, als sein Institut der Regierung zur Diagnostizierung von COVID-Antikörpertests zur Hilfe gekommen war, hatte er schon davon gesprochen, ein Seucheninstitut gründen zu wollen, und dafür technische Ausrüstung, Finanzierung und Wissenschaftler zur Verfügung zu stellen. Immerhin wisse er nicht, wie lange es das Unternehmen vor Ort noch geben werde. DeCODE befindet sich in ausländischem Besitz.

Neuer Scrapie-Fall im Miðfjörður ist Katastrophe
Im Miðfjörður sitzt der Schock indessen tief. Gestern war auf dem Hof Syðri-Urriðaá ein Fall von Scrapie aufgefallen, 720 Schafe müssen gekeult werden. Die Keulung auf dem Hof Bergstaðir ist beendet, allerdings können die Kadaver nicht der Verbrennung zugeführt werden, weil der Ofen in Suðurnes defekt ist. Die Bürgermeisterin des Bezirks, Unnur Valborg Hilmarsdóttir, steht in Verhandlungen mit der Umweltbehörde, um Lösungen zu finden. Die anstehende Keulung ist dringend, immerhin beginnt Ende des Monats die Lammzeit und die meisten zu tötenden Schafe sind hochtragend.

Unnur bezeichnete das als Katastrophe für die Gemeinschaft. “Alle sind natürlich wie erschlagen, und all unsere Gedanken sind vor allem bei den Landwirten, die vor diesem Elend stehen. Man muss auch sagen, dass viele Bauern jetzt tief besorgt darüber sind, wie es weiter geht,” sagte Unnur Vísir gegenüber. Zur Zeit wird fieberhaft danach gesucht, ob die Krankheit sich noch weiter verbreitet hat. Für Dienstag hat sie eine Bürgerversammlung organisiert, wo Vertreter von Bauernverbandes und Veterinäraufsichtsbehörde sprechen werden, ausserdem Karólína Elísabetardóttir, die die landesweite Suche nach dem vor Scrapie schützenden Gen vor zwei Jahren angestossen und vorangetrieben hatte, sowie eine Psychologin, die sich um die seelische Verfassung der Bewohner im Miðfjörður kümmern will.
“Das sind zwei grosse Höfe, da geht es nicht nur um seelischen Schaden und Schock, sondern auch um einen finanziellen Schaden. Das kann viel weitreichendere Folgen haben als bisher erwähnt,” erklärt Unnur.
Wie auch andere vor ihr fordert auch Unnur viel mehr Geld für Infektionsprävention, den Bau von Schutzzäunen und die Suche nach dem schützenden Gen, um die tödliche Krankheit ein für alle Mal aus dem isländischen Bestand wegzuzüchten. “Das ist das grösste Projekt, vor dem wir stehen,” sagt die Bürgermeisterin.