Lachszucht: Gesetzentwurf legitimiert 20% Verlust bei Zuchtfisch

aquaculture farm iceland

Der Gesetzentwurf von Fischereiministerin Svandís Svavarsdóttir zur Fischzucht, der seit gestern im Beratungsportal der Regierung vorliegt und von Bürgern und Interessensparteien kommentiert werden kann, kalkuliert „Verluste“ von 20% des Fischbesatzes ein. Das bedeutet, dass jeder fünfte Fisch in isländischen Meereszuchtnetzen verenden kann. Laut Entwurf zählen zu „Verluste“ nicht nur von selbst verendete Fische, sondern auch solche, die wegen Krankheiten oder Parasitenbefall gekeult werden. Bei solchen Keulungsaktionen waren in der jüngeren Vergangenheit bis zu einer Million Fische getötet worden.

Trotz höchster Verluste noch mehr erlauben
„Die Verluste sind hier im Land noch nie zuvor so hoch gewesen. Sie lagen bei 19,1% im letzten Jahr, und waren nie höher. Warum will das Ministerium den Unternehmen erlauben, noch mehr verenden zu lassen?“ hinterfragt Jón Kaldal vom isländischen Naturschutzfonds den Gesetzesentwurf.
Wiederholt sei während der Planungsarbeit darauf hingewiesen worden, so Jón, dass sich die Praktiken hierzulande an den besten Bedingungen in anderen Ländern orientieren sollten. Leider muss man sagen, dass die Fischzuchtpraktiken nigendwo wirklich gut sind.

“Aber eine Messlatte von 20% im Entwurf ist genauso schlecht oder sogar  schlechter als dort, wo es in den Nachbarländern am schlimmsten ist. Im Jahr 2022 lagen die Verluste in Norwegen bei 16,1%, mit 58 Millionen toten Lachsen.” Der norwegische Fischereiminister habe im März bekräftigt, dass das so nicht weitergehen könne. Doch die Litanei höre man seit vielen Jahren, so Jón. Im Jahr 2018 gab es in Norwegen 53 Millionen (15%) tote Zuchtlachse. Der vormalige Fischereiminister habe damals angegeben, das dringendste Projekt der norwegischen Lachszucht liege darin, gegen den Lachstod vorzugehen, der Zustand sei unhaltbar. Passiert sei allerdings nichts.

Nicht im Interese des Tierwohls
“Das ist gelinde gesagt eigenartig, dass die isländische Ministerin vorschlagen will, Aquazuchtkonzernen den Segen der Regierung dafür zu erteilen, dass ein 33% höherer Anteil an Zuchtlachsen in hiesigen Meeresgehegen verenden darf, als der norwegische Minister als ‘untragbar’ bezeichnet hatte, und ‘das gehe so nicht weiter’.” In Norwegen liegt Vísir zufolge der einkalkulierte Verlust bei durchschnittlich 15%, in einigen Regionen bei 10%, im Nordwesten allerdings auch bei 27%. Island hingegen will 20% Verlust legitimieren.
Jón meint, die Tatsache dass die hohen Verlustzahlen mit Segen der Regierung erlaubt werden sollen, sei ein klares Beispiel dafür, wie die Regierung ihre Gesetzgebung nach Konzerninteressen gestalte, aber nicht im Interesse des Tierwohls. Das sei untragbar.

Eyjafjörður und Öxnafjörður in Teilen fischzuchtfrei
Der Gesetzentwurf sieht neben einer stärkeren Aufsichtsführung der Veterinärbehörde MAST auch strengere Bestimmungen für die Maximalbelastungen in Zuchtgebieten und Besatzstärke in Meeresgehegen sowie zur Haltung von geschlechtsreifen Fischen vor, immerhin stellen letztere eine besondere Gefahr dar, wenn sie in die freie Natur entkommen. Das Meeresforschungsinstitut soll die Erlaubnis erhalten, unter bestimmten Voraussetzungen Freilassungsversuche u.ä. mit Zuchtlachsen durchzuführen.
Auch sollen Infektionsschutzgrenzen zwischen Zuchtgebieten gezogen werden, mit dazugehörigen Bestimmungen zu Transport von Fisch und Ausrüstung, ähnlich wie in der Schafzucht, um die Übertragung von Erregern und Parasiten zwischen Zuchtgebieten einzudämmen.
Für den Zuchtfisch gilt dem Entwurf nach das Gesetz zum Tierwohl 55/2013.

Ausserdem will die Ministerin Eyjafjörður und Öxnafjörður in Teilen für die kommerzielle Fischzucht sperren, um den Wildlachsbestand zu schützen. Allerdings geht es dabei wie im Faxaflói, Breiðafjörður, Húnaflói, Skagafjörður, Skjálfandi und im Nordosten des Landes jeweils nur um einzelne Gebiete und nicht um den gesamten Fjord.
Mbl.is schreibt, dass 40% aller eingesandten Einwände im Vorfeld des Entwurfs ein endgültiges Verbot der kommerziellen Fischzucht gefordert hatten.