Jóhann Rúnar Skúlason bleibt von Nationalmannschaft ausgeschlossen

Der isländische Sportgerichtshof hat eine Klage des mehrfachen Töltweltmeisters Jóhann Rúnar Skúlason gegen den nationalen Reitsportverband abgewiesen, berichtet RÚV. Der Verband hatte im letzten Jahr entschieden, den Reiter aus der isländischen Riternationalmannschaft zu entfernen, der Kläger hatte verlangt, dass diese Entscheidung aufgehoben wird. Das Urteil war bereits am 15. Februar gefällt worden, berichtet Eiðfaxi.

Wegen Sexualdelikt ausgeschlossen
Islands Reiterverband Landssamband hestamanna (LH) hatte Jóhann Rúnar Skúlason im Jahr 2021 aus der Nationalmannschaft entfernt, weil er im Jahr 1993 eine Strafe wegen sexueller Gewalt gegenüber einer Minderjährigen erhalten hatte.
In der damaligen Mitteilung des Verbandes hatte es gehiessen: „Der Vorstand des LH betrachtet es als unhaltbar, dass jemand, der sich eines schweren Sexualdelikts schuldig gemacht hat und eine Strafe dafür erhalten hat, Mitglied der Nationalmannschaft ist und als Vertreter des LH im Namen Islands handelt, ob in diesem Land oder auf fremdem Boden.”

Jóhann zeigte sich mit dieser Entscheidung unzufrieden und war der Ansicht, dass er als amtierender Weltmeister (WM 2019) einen Anspruch auf einen Platz in der Nationalmannschaft für die WM 2023 habe.  Er sei über die Entscheidung, ihn aus der Nationalmannschaft zu entfernen, nicht offiziell unterrichtet worden und habe keine Möglichkeit gehabt, sich in der Sache zu äussern, bevor die Entscheidung gefallen war.

Jóhann beschuldigt Metoo-Bewegung
Im Urteilstext heißt es: „Da verwies der Kläger darauf, dass er über die Strafe hinaus, die er bereits mit dem Urteil von 1994 abgesessen habe, nun noch einmal bestraft werde.” Es sei offensichtlich, dass die “Metoo”-Bewegung federführend bei der Abweisung seiner Klage gewesen sei.
Der Reiterverband gab an, den Reiter noch am selben Tag, an dem die Stellungnahme veröffentlicht wurde, über die Entscheidung informiert zu haben.
Die im LH tätigen Personen seien vor und nach der Entscheidung, Skúlason aus der Nationalmannschaft zu entfernen, Drohungen, Belästigungen und anderem unentschuldbarem Verhalten durch Jóhann ausgesetzt gewesen. Dieses Verhalten gegenüber der Leitung des LH und dem Reitsport generell wurde als so schwerwiegend betrachtet, dass es allein ausgereicht hätte, um den Reiter aus der Mannschaft auszuschliessen.

Drohungen und Belästigungen reichen für Ausschluss
In seiner Schlussfolgerung stellt das Gericht fest, dass die Entscheidung des LH, Jóhann aus der Mannschaft zu entfernen, sich nicht auf die Rechtsquellen bezieht, die Jóhann in seiner Klage angeführt hat.
Strafrechtliche Verurteilungen können zum Turnierausschluss führen, und Jóhanns Verhalten gegenüber einzelnen Personen innerhalb des LH, seine Drohungen und Belästigungen, waren so beschaffen, dass sie ihn von der Turnierteilnahme ausschlossen.
Daher müsse Jóhanns Forderung zurückgewiesen werden. Allerdings ist der LH verpflichtet, den Reiter über die Dauer des Ausschlusses in Kenntnis zu setzen.

 

WM-Reiterausschluss: Reiter im Nationalteam sollen Vorbild sein

Der Ausschluss zweier Teilnehmer aus der isländischen Reiternationalmannschaft, knapp sechs Wochen vor der Weltmeisterschaft der Islandpferde im niederländischen Oirschot, hat in der Pferdewelt mehr als Verwunderung hervorgerufen, immerhin handelte es sich bei beiden Betroffenen um WM-Titelverteidiger.
Dabei sind die Gründe für den Ausschluss unterschiedlich. Der Reiter Jóhann Rúnar Skúlason war schon zuvor wegen Sexualstraftaten aus der isländischen Mannschaft ausgeschlossen worden, der Passreiter Konráð Valur Sveinsson nun aus Gründen, die auch nach dem Wochenende nicht wirklich bekannt sind.

Reitervertrag mit Pflichten
„Alle Reiter, die unter isländischer Fahne antreten und oder in der Nationalmannschaft sind, unterschreiben einen Reitervertrag, und damit die Ethikregeln des Nationalteamgremiums und die Benimmregeln des isländischen Olympiasportverbandes (ÍSI),“ erklärte der Ausschussvorsitzende Kristinn Hugason in einem Interview mit Eidfaxi. „Das gilt für amtierende Weltmeister wie für andere Nationalreiter. Wenn Reiter diesen Vertrag brechen, werden sie angemahnt oder ausgeschlossen, je nach Schwere des Verstosses. Im Vertrag geht es um ganz unterschiedliche Dinge wie Teilnahme an Veranstaltungen des Nationalteams, Kleiderordnung, sportliches Verhalten, Benutzung von Sicherheitsausrüstung, Tierwohl, Rauschmittelkonsum, Verhalten, Benehmen und Informationsfluss. Das Recht einer Person, ihren WM-Titel zu verteidigen, reicht nicht weiter als seine Pflicht gegenüber diesem Vertrag, den er mit der Nationalmannschaft geschlossen hat. Es geht ganz klar aus den Regeln von FEIF und LH hervor, dass Weltmeister, die formal vom jeweiligen Nationalverband registriert werden, sich der Autorität des Nationaltrainers unterwerfen und die Gesetze und Regeln der Nationalmannschaft im jeweiligen Land befolgen müssen.“

Sexualstraftat bedeutet keine Wiederkehr
Beide Reiter sind wegen Vorstössen gegen die Disziplinar- und Ethikregeln vom Nationalteam ausgeschlossen worden, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen.
Im Fall Jóhann Rúnar Skúlason liegen ein älteres und ein neueres Gerichtsurteil wegen sexueller Gewalt vor. „Auf Grundlage des Sportgesetzes sind Personen, die wegen Sexualstraftaten verurteilt wurden, nicht im Sport tätig, und sie können dieses Recht auch niemals zurückerlangen.“
Für Island an einem Turnier teilzunehmen sei weder ein Arbeitsrecht noch ein Menschenrecht, betont Kristinn Hugason.

Einführung von Ethikregeln vor 10 Jahren
Nationaltrainer Sigurjón Bárðarson präzisierte Vísir gegenüber, mit der Vertragsunterzeichnung verzichte ein auserwählter Reiter auf einen bestimmten Lebensstil und werde im Namen der isländischen Nationalmannschaft zum Vorbild im Pferdesport.
Vor gut zehn Jahren habe man innerhalb des Nationalteams eine einheitliche Strategie aufgenommen, um dem Reitsport mehr Bekanntheit und Respekt zu verschaffen und auf eine Stufe mit anderen anerkannten Sportarten zu heben – nicht zuletzt im Hinblick auf geltende Disziplinar- und Ethikregeln. Ein Bewusstsein dafür zu entwickeln habe einige Jahre gedauert, in der man das Team mit fachlicher Hilfe entsprechend geschult habe, schliesslich habe es für alle Reiter, die unter der Flagge des isländischen Olympiasportverbandes antreten, eine Anpassungsphase für die gestiegenen Anforderungen gegeben.
„Heute ist diese Anpassungsphase vorbei, und für die Reiter gelten die gleichen Anforderungen wie für alle anderen Sportler.“ so Sigurjón.

Zu den Verstössen von Konráð Valur Sveinsson, die zu seinem Ausschluss führten, hüllen sich auch am Montagmorgen alle Sprecher weiterhin in vage Andeutungen und Schweigen. Die Entscheidung basiere jedoch  auf mehreren Vorkomnissen und sei von Nationaltrainer und dem Ernennungsgremium gefällt worden, so LH-Vorstand Guðni Halldórsson gegenüber Eidfaxi.

WM-Team: Konráð Valur Sveinsson aus dem Nationalteam entfernt

Konráð Valur Sveinsson

Das Reitergremium und der isländische Nationaltrainer haben gestern die Entscheidung getroffen, den Reiter Konráð Valur Sveinsson aus dem Nationalteam der isländischen Reiter auszuschliessen. In einer Mitteilung des isländischen Reiterdachverbandes LH heisst es, Konráð werde aufgrund von “Verstößen gegen die Disziplinar- und Ethikregeln des Gremiums aus der Mannschaft entfernt”. Näheres zu den Hintergründen ist nicht bekannt.
Der LH-Verbandsvorsitzende Guðni Halldórsson sagte Vísir gegenüber, er könne sich nicht dazu äussern, um welche Verstösse es sich handle, aber es habe mehrere Verstösse gegeben. Weder Nationaltrainer Sigurjón Bárðarson noch Ausschussvorsitzender Kristinn Skulason waren Vísir zufolge für Kommentare erreichbar.
Konráð Valur ist mehrfacher Islandmeister im Rennpass und hält den Weltmeistertitel in der Disziplin 250 Meter Rennpass. Er ist der zweite Reiter, der wegen Verstössen aus der Nationalmannschaft entfernt wird.

Vor zwei Jahren war der mehrfache Weltmeister Jóhann Rúnar Skúlason aus dem Team ausgeschlossen worden, nachdem bekannt geworden war, dass er im Jahr 1994 eine 13-Jährige sexuell missbraucht hatte. Das Magazin mannlíf schrieb im Oktober 2021, Jóhann sei auch wegen häuslicher Gewalt gegen seine damalige Ehefrau rechtlich belangt worden.

Guðni Halldórsson hatte Vísir vor zwei Jahren gesagt, es sei eine schwere Entscheidung gewesen, Islands grössten Namen aus der Nationalmannschaft zu entfernen, aber sexueller Missbrauch vor allem gegen Kinder könne und werde nicht toleriert.
Auch die isländische Fussballwelt war vor zwei Jahren von Missbrauchskandalen im Nationalteam der Herren erschüttert worden. „Es gibt heute eine andere Diskussion und eine andere Art, mit den Dingen umzugehen als noch vor fünf Jahren. Diese Entscheidung [Jóhann auszuschliessen] ist aufgrund der Umgebung und der heutigen Lage getroffen worden und wir stehen dazu.“ sagte Guðni Halldórsson damals.
Die diesjährige WM der Islandpferde findet vom 8. bis 13. August im niederländischen Oirschot statt.