Rentierjagd findet auch 2023 unverändert statt

A group of reindeer

Entgegen der Empfehlung des Fachrates für Tierwohl wird die Rentierjagdsaison auch in diesem Jahr unverändert stattfinden, und nicht verschoben werden.
Die Jagd auf Bullen beginnt also am 15. Juli und dauert bis zum 15. September, die Jagd auf Rentierkühe beginnt wie schon in den vergangenen Jahren am 1. August und endet am 20. September.
Der Fachrat hatte schon im Jahr 2019 empfohlen, die Jagd auf Rentierkühe mit Kalb bei Fuss zu verschieben, zum Wohl der verwaisten Kälber, die den Winter dann alleine überleben müssen. Im Bericht des Fachrates war bei der Empfehlung auf eine Vorgehensweise in Norwegen verwiesen worden, wo genau aus diesem Grund die Jagd auf Rentierkühe später stattfindet. Der Empfehlung des Fachrates war schon in den vergangenen Jahren nicht gefolgt worden.

Keine ausreichenden Beweise
Nach Angaben von Bjarni Jónasson von der isländischen Umweltbehörde präsentierten die Ergebnisse einer neueren Studie keine ausreichenden Beweise für eine Verschiebung der Saison. Vísir gegenüber gab Bjarni an: “Ein Vergleich der durchschnittlichen Wintersterblichkeit von Kälbern vor und nach dem Schutz der Kälber weist nicht darauf hin, dass ein höherer Anteil an mutterlosen Kälbern die Gesamtsterblichkeit von Kälbern im Winter erhöht. Indem man die Jagdsaison verkürzt und die Jagd intensiviert, könnte der Jagddruck auf die Herden steigen, was negative Auswirkungen auf die Tiere haben könnte.”

Bjarni bezog sich auch eine eine aktuelle Studie des Ostisländischen Naturkundebüros. Demnach gibt es “immer noch keinen Beweis dafür, dass verwaiste Kälber die meisten Winter nicht alleine überleben. Es gibt allerdings das Risiko, dass sie eine höhere Sterblichkeit aufweisen als Kälber, die in harten Jahren ihren Müttern folgen. Solche Vorfälle sind möglicherweise im letzten Jahrzehnt nicht vorgekommen, ausser an vereinzelten Stellen.”

Jagdführer und klare Regeln
Bjarni betont, dass alle Rentierjäger einen erfahrenen Jagdführer mit einer gültigen Lizenz der Umweltbehörde bei sich haben müssen. Der Jagdführer weist den Jäger an, ein Tier aus der Herde erst nach eingehender Beobachtung auszuwählen, sodass der Jäger sieht, ob eine Kuh ein Kalb bei sich hat oder nicht. Die Umweltbehörde hatte allen Jägern angewiesen, in den ersten beiden Wochen der Jagdsaison ausschliesslich Kühe zu erlegen, die kein Kalb bei Fuss haben. Bis zum 1. August dürfen Bullen nur erlegt werden, wenn sich keine Kuh mit Kalb in der Nähe befindet, und letztere dürfen nicht beim Äsen gestört werden.

Für die Jagd auf Rentiere wird jedes Jahr eine Quote ausgegeben, und nicht jeder Jäger erhält einen Zuschlag. Im vergangenen Jahr lag die Quote bei 1021 Tieren (546 Bullen und 475 Kühe). Die Lizenzkosten für einen Bullen lagen 2022 bei 150.000 ISK (ca 1000 EUR), für eine Rentierkuh bei 86.000 ISK (ca 580 EUR).

Walfang: Isländischer Naturschutzbund meldet Jagdlizenz an EFTA

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Der isländische Naturschutzbund hat die Jagdlizenz für das Walfangunternehmen Hvalur hf an die Aufsichtsbehörde der EFTA gemeldet. Die Anwältin des Naturschutzbundes ist der Ansicht, dass diese Lizenz gegen geltende Bestimmungen in Europa verstösst und hofft auf eine schnelle Reaktion.
Hvalur hf hält für diese Saison noch eine gültige Jagdlizenz. Die Ministerin für Fischerei, Landwirtschaft und Lebensmittel, Svandís Svavarsdóttir, hatte geäussert, es müsse schon viel passieren, damit diese Lizenz nach der Saison erneuert werde. Die derzeitige Jagdlizenz war im Jahr 2019 vom damaligen Minister Kristján Þór Júlíusson ausgestellt worden. Nachdem vor zwei Wochen brisante Fakten aus den Jagden im letzten Sommer veröffentlicht worden waren, hatte die Ministerin angegeben, ein sofortiger Lizenzentzug sei nicht möglich.

Klage wegen Tatenlosigkeit der Regierung
Nun also soll die EFTA prüfen, ob diese Jagdlizenz europäischen Bestimmungen entspricht. Mit der Meldung protestiert der Naturschutzbund gegen die Tatenlosigkeit der Regierung, die diese Jagd weiter erlaubt, obwohl Daten für eine Verletzung des Tierschutzgesetzes vorliegen, gab die Anwältin des Naturschutzbundes, Védís Eva Guðmundsdóttir, Vísir gegenüber an. Man gehe davon aus, dass die Lizenzerteilung nicht den europäischen Bestimmungen zu Tierwohl und Lebensmittelsicherheit entspreche.
“Ausserdem kommt Island seinen Verpflichtungen aus dem Pariser Abkommen und der EES-Gesetzgebung zur Kohlenstoffemission nicht nach. Wir halten es für offensichtlich, dass mit dieser Jagderlaubnis sowohl Tierwohl als auch Lebensmittelsicherheit und Klimaverpflichtungen gefährdet sind.” Man habe bei der ESA um eine beschleunigte Bearbeitung gebeten, da die Waljagd in wenigen Wochen beginnen soll. “Wenn die Ministerin nicht reagiert, hoffen wir dass die Aufsichtsbehörde der EFTA, die auch Aufsicht über Island führt, schnell reagiert,” so Védís.

Die Walfanglizenz ist damit die zweite der ESA vorliegenden Tierschutzklagen aus Island. Erst in der vergangenen Woche war im Ministerium ein Schreiben eingegangen, wonach die isländische Regierung mit ihrem Regelwerk zur Blutgewinnung aus tragenden Stuten gegen die Richtlinie der EFTA zum Schutz von für wissenschaftliche Zwecke genutzte Tiere verstösst. Im Fall der Blutstuten hat Island zwei Monate Zeit, um auf den Brief zu reagieren.

Irischer Premier spricht Walfang an
Der Walfang war auch beim gerade vergangenen Europagipfel in Reykjavík in einem Gespräch zwischen dem irischen Premierminister Leo Vardakar und Premierministerin Katrín Jakobsdóttir thematisiert worden. Vardakar hatte auf die kürzlich veröffentlichte Studie zum langen Todeskampf von Walen hingewiesen, und dass die Ergebnisse Aufsehen und Entsetzen hervorgerufen hätten. Er habe die Waljagd nicht kritisiert, sondern nur angesprochen. Katrín Jakobsdóttir habe ihm gesagt, es sei noch unklar, ob es für die kommenden Jahre eine neue Jagdlizenz geben werden, doch sollte das der Fall sein, dann könnte die Lizenz strengere Voraussetzungen in Bezug auf das Tierwohl enthalten als bisher.
Hvalur-Chef Kristján Loftsson hatte kürzlich wissen lassen, dass sein Unternehmen an neuen Tötungsmethoden arbeite, mit denen die Jagd effizienter werde. Unter anderem teste man eine zusätzlich mit Strom geladene Harpune.

Vardakar zufolge sei die Irische See eine Art Schutzzone für Wale, und dort sei die Zahl der Wale und Delphine in den vergangenen Jahren gestiegen. Dies sei wichtig für den Tourismus und die Biodiversität. Man wolle anderen Ländern nicht vorschreiben, wie sich sich zu verhalten hätten, so Vardakar, man wolle über Zusammenarbeit reden, immerhin teile man das Meer miteinander, damit sei die Biodiversität ein Diskussionsthema für alle.

Rentierjagd: was wird aus den mutterlosen Kälbern?

Die isländische Umweltbehörde will sich derzeit nicht dazu äussern, ob sie der Empfehlung des Fachrates für Tierwohl folgt und die Jagdperiode für Rentiere im kommenden Jahr mit Rücksicht auf die Rentierkälber später einläuten wird, berichtet mbl.is.

Am 24. Juni war der Behörde eine Empfehlung des mit dem Tierschutz betrauten Fachrates vorgelegt worden, welche eine Überprüfung von Jagdleitung und Lizenzen nahelegt.

Unter anderem verwies der Fachrat darauf, dass es an wissenschaftlichen Daten über den Verbleib von Rentierkälbern fehle, deren Muttertier erschossen wurde.

Die Behörde liess wissen, dass es bislang noch keine Entscheidungen zur Jagdsaison 2020 gebe.

Wenn der Empfehlung des Fachrates nachgekommen würde, dann würde das nach breitem Konsens zahlreicher Beteiligter und wissenschaftlicher Revision rufen. Wir können uns daher zu einer möglichen Reaktion in der Zukunft nicht äussern, aber wir begrüssen fachliche und wissenschaftliche Fakten, von wo auch immer die herkommen,” hiess es in der Antwort der Behörde.

Die Jagdlizenzen für das kommende Jahr sollen dennoch Ende des Jahres vorliegen.

In der Empfehlung, die der Umweltbehörde vom Fachrat eingegangen war, geht es um Verbleib und Wohl von Rentierkälbern, denen die Mutter bei der Jagd erschossen wurde.

Wie die Leiterin der Veterinäraufsichtsbehörde, Sigurborg Daðadóttir, mbl.is gegenüber erklärte, sei der Fachrat zu dem Ergebnis gekommen, dass nicht genug wissenschaftliche Erkenntnisse vorliegen, was aus diesen mutterlosen Kälbern wird. Ihre Behörde wolle daher die Rentierjagd im Hinblick auf die Kälber prüfen.

In Norwegen beginnt die Jagdsaison für Rentiere später als in Island. Der Fachrat empfiehlt dennoch, Entwicklungsstand und Verbleib der isländischen Kälber erst mal wissenschaftlich zu untersuchen.

Bislang sind die Tiere nur gezählt worden, und da der Bestand nicht sinkt, gehe man davon aus dass dem Tierwohl Genüge getan wird. Für Sigurborg sind das jedoch keine ausreichenden Informationen, sie wünscht sich wie in der Empfehlung des Fachrates mehr Daten und geht davon aus, dass diese für die Jagdsaison im kommenden Jahr auch gesammelt werden.