Komponistenverband verlangt RÚV-Rückzug aus Eurovision wegen Gazakrieg

Eurovision Söngvakeppnin 2020 Daði Freyr Dimma

Der isländische Verband der Komponisten und Songschreiber (FTT) hat die nationale Sendeanstalt RÚV aufgefordert, am Eurovision Song Contest nicht teilzunehmen, ausser Israel wird von dem Wettbewerb ausgeschlossen. RÚV-Intendant Stefán Eiríksson hatte zuletzt angekündigt, dass die Sendeanstalt an der Teilnahme festhalte.

Künstler könnten selber zurücktreten
In einer Erklärung des FTT-Vorstands an Stefán heißt es, der Verband halte Island für verpflichtet, gegen den Krieg im Gazastreifen Stellung zu beziehen, und zwar auf der gleichen Grundlage, nach der Russland im vergangenen Jahr wegen der Invasion in die Ukraine vom Wettbewerb ausgeschlossen worden war.
“Die Mitglieder unseres Verbandes drängen darauf, dass wir unsere Stimmen laut werden lassen,” sagte Verbandsleiter Bragi Valdimar Skúlason RÚV gegenüber gestern. Bragi betonte, dass sein Verband für Songschreiber spreche, und nicht für Musiker im Allgemeinen.
“So wie wir die Stimmung sehen, werden die Leute ziemlich unzufrieden sein und sich möglicherweise sogar selbst zurückziehen,” hat Bragi beobachtet. Mit seiner Erklärung will der Verband die Verantwortung auf die staatliche Sendeanstalt legen, die sich gestern zu einer Vorstandssitzung getroffen hatte.

Vorschlag gelangte nicht zur Abstimmung
Aus dieser Sitzung berichtete Vorstandsmitglied Mörður Áslaugarson, dass der von ihm eingebrachte Vorschlag, am kommenden Eurovision Song Contest nicht teilzunehmen, wenn Israel teilnimmt, nicht zur Abstimmung vorgelegt wurde. Mörðurs Vorstandskollegin Margrét Tryggvadóttir, die Einzige die den Vorschlag unterstützte, sagte RÚV gegenüber, die Angelegenheit sei hochkompliziert, und eigentlich sei es unfair, dass der Intendant alleine da stehe und eine Entscheidung in der Sache treffen soll. Die Forderung, Israel eine Teilnahme am Wettbewerb zu verwehren, sei schwieriger als seinerzeit bei den Russen, weil diese kurz zuvor aus dem Verband der Europäischen Sendeanstalten (EBU) ausgeschlossen worden waren.

Mehr Druck auf die EBU
Margrét und zwei weitere Vorstandsmitglieder äußerten im Protokoll ihre Besorgnis über die Teilnahme Islands am Eurovision Song Contest im kommenden Jahr und fordern den Sender auf, die Lage regelmäßig zu bewerten. Sie verlangten außerdem, dass mit allen Mitteln Druck auf die EBU ausgeübt wird, damit Staaten, die sich der Kriegsverbrechen schuldig gemacht haben, Beschränkungen auferlegt und sie von einer Teilnahme ausgeschlossen werden. Margrét ist ausserdem der Ansicht, dass diese Angelegenheit innerhalb des Sendevorstands weiter diskutiert werden müsse.
Das Sitzungsprotokoll ist RÚV zufolge erst im Januar einsehbar.

 

 

Isländische Ärzte und Krankenschwestern fordern Waffenstillstand

Mehr als 400 isländische Ärzte haben eine Petition unterzeichnet, mit der sie die isländische Regierung auffordern, Israel für seine Angriffe auf Gaza zu verurteilen und einen sofortigen Waffenstillstand zu fordern. Ein separat formulierter Brief isländischer Krankenschwestern mit den gleichen Forderungen trägt 254 Unterschriften, berichtet RÚV.
In dne Briefen werden Todesfälle und die Zerstörung von Infratruktur durch die israelischen Angriffe beschrieben. Die Situation sei eine humanitäre Krise.
„In den vergangenen Wochen hat Israel ausgedehnte Angriffe auf Gaza gefahren, als Racheakt für einen terroristischen Angriff auf Israel. Israels Angriffe haben mindestens 10.569 Palästinenser getötet, darunter mindestens 4,324 Kinder. Die Angriffe haben auch eine furchtbare Zerstörung in der palästinensischen Infrastruktur angerichtet, die vor dem völligen Zusammenbruch steht. Israel hat Wasser und Strom abgedreht und die Lebensmittelversorgung der Bevölkerung unterbrochen und verbietet derzeit jegliche Hilfe aus Ägypten. Es passiert gerade eine ernste humanitäre Notlage, auf die so rasch wie möglich reagiert werden muss,“ heisst es in dem Brief der isländischen Ärzte.

Der Brief beschreibt die Auswirkungen der Angriffe auf das Gesundheitswesen in Gaza, darunter auch der Tötung von medizinischem Personal und der Zerstörung von Krankenhäusern, Kliniken und Krankenwagen. „Das Gesundheitssystem in Gaza ist schon vor langer Zeit zusammengebrochen“, heißt es. „Krankenhäuser in Gaza können ihre Rolle nicht erfüllen.“
„Wir, die Unterzeichner, senden diesen Brief mit dem aufrichtigen Wunsch und der Forderung, dass die isländische Regierung auf die ernsten Ereignisse reagiert und einen Waffenstillstand fordert“, heißt es weiter. „Die Regierung sollte Druck auf Israel ausüben, den anhaltenden Angriffen auf unschuldige Bewohner des Gazastreifens und auf medizinisches Personal in der Region Einhalt zu gebieten, und [Israels] Vorgehen verurteilen.“

In Island wird seit Ausbruch der Kämpfe regelmässig gegen den Krieg protestiert und die Regierung aufgefordert, sich für einen Waffenstillstand einzusetzen. Auch heute hat wieder eine solche Protestkundgebung vor der US-Botschaft in Reykjavík stattgefunden.