Amnesty-Studie: Island missbraucht Einzelhaft

Island missbraucht die Einzelhaft während der Untersuchungshaft in grossem Mass, hat eine Studie von Amnesty International herausgefunden.
Am vergangenen Dienstag war der Bericht zu ungerechtfertigter Anwendung von Isolierungshaft in Island veröffentlicht worden.
Die Studie basiert auf Nachforschungen und Interviews mit Experten aus dem Rechtssystem, sowie mit Personen, die über einen längeren Zeitraum in Einzelhaft gesessen haben. Demnach wendet Island diese Haftmethode routinemässig für längere Zeiträume an, und auch auf Personen mit vorbestehender Verletzlichkeit, wie Kinder und Behinderte, deren Lage durch die Isolierungshaft nur verschlimmert würde.

15-Jährige in Einzelhaft
Die gefundenen Daten zeigen, dass in den 10 Jahren zwischen 2012 und 2021 insgesamt 825 Personen in Island in Einzelhaft während der Untersuchungshaft verbracht wurden. Von diesen waren zehn Personen zwischen 15 und 17 Jahren alt. In einem kleinen Land mit einer generell geringen Haftrate und einer bestehenden Untersuchungshaft seien diese Zahlen beunruhigend, heisst es in dem Papier von Anmesty.
Die Autoren der Studie weisen darauf hin dass Einzelhaft in Bezug auf das Potenzial für Menschenrechtsverletzungen grundsätzlich problematisch ist. Internationale Standards schreiben vor, dass Einzelhaft nur in den wenigsten Ausnahmefällen angewendet werden sollte und zuvor immer einer strengen Prüfung unterzogen werden sollte. „Jede Anwendung von Einzelhaft kann sich zu Folter entwickeln“, stellt der Bericht fest.

Zusammenbruch am ersten Hafttag
Guðmundur Ingi Þóroddsson, der Vorsitzende des Verbands für Häftlinge und verbesserte Haftbedingungen, Afstaða, sieht das genauso.
“Wir haben vernichtende Beispiele erlebt, wie dies Leute trifft, selbst über einen kurzen Zeitraum, und manche Leute erholen sich davon nicht.” sagte Guðmundur RÚV gegenüber.
Guðmundur hat selbst schon in Einzelhaft gesessen. Er sagt, die Isolierung sei Folter gewesen. Viele Insassen brächen gleich am ersten Tag zusammen.
“Und das wird auf Leute angewendet, die geistig behindert sind, die andere Probleme haben, wo diese Art von Haft nur dazu dient, diese Probleme zu verschlimmern, bis sie ausser Kontrolle geraten, und genau das ist es, was wir heute sehen. Wir haben heute Personen im System, die schlimmer dran sind, weil sie in Isolierungshaft waren. Aber das ist auch so, weil es keine anderen Lösungen in diesem Land gibt,” kritisiert Guðmundur.
Einzelhaft in Island bedeutet, dass der Untersuchungshäftling für 22 Stunden in seiner Zelle sitzt. Er darf Bücher lesen und DVDs anschauen. Es gibt keinen Kontakt zur Aussenwelt, keine Uhr, keinen Kalender. Das Freiganggelände gleicht einer Zelle ohne Dach.

Revision der Praktik gefordert
Eins der Ziele der Amnesty-Studie besteht darin, die bestehenden Gesetze zu überdenken. Die Studie legt der Regierung eine Reihe von Empfehlungen vor:
– Überarbeitung der Strafprozessordnung, um die Möglichkeit auszuräumen, dass Einzelhaft ausschließlich angewendet wird um Eingriffe in polizeiliche Ermittlungen zu verhindern oder die Integrität einer polizeilichen Untersuchung zu schützen.
– Einführung von Maßnahmen, die weniger restriktive Alternativen zur Einzelhaft bieten.
– Für Kinder verbieten; für Personen mit Behinderungen, die durch körperliche, geistige oder neurologische Erkrankungen ausgelöst wurden und die durch eine Einzelhaft verschlimmert würden, maximal 15 Tage Einzelhaft.
– Einführung strengerer Schutzmaßnahmen, um sicherzustellen, dass die Verhängung von Einzelhaft den Menschenrechtsstandards entspricht, ausserdem ein Folterverbot und das Recht auf ein faires Verfahren und Nichtdiskriminierung.

COVID-19: Isolierung auf sieben Tage verkürzt, Schulbeginn nicht verschoben

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Die Isolierungszeit von Personen, die positiv auf COVID-19 getestet wurden, ist von zehn auf sieben Tage verkürzt worden, um die Belastung der COVID-Ambulanzen zu reduzieren, berichtet RÚV. Die Ärzte können die Isolierungszeit jedoch verlängern, wenn sie Anlass dazu sehen. Nach Angaben des Chefepidemiologen können COVID-Patienten mit starken Symptomen auch länger infektiös sein.
Dazu sollte ab heute eigentlich eine sogenannte Dienstquarantäne erlaubt werden, die der Arbeitgeberverband gefordert hatte, um die Wirtschaft am Laufen zu halten. Nach der sollten Arbeitnehmer unter bestimmten Voraussetzungen zum Dienst kommen dürfen. Wie auf der Verbandswebseite zu lesen steht, ist die Einführung vorerst verschoben worden.
In seinem Memo von vor Weihnachten hatte Chefepidemiologe Þórólfur Guðnason auch empfohlen, den Schulbeginn herauszuzögern. Dieser Ansicht sei er noch immer, sagte Þórólfur gegenüber RÚV. “Es herrscht Ungewissheit und wir wissen nicht, ob wir die Spitze erreicht haben und wissen auch nicht, wie sich die Infektionen bei den Kindern auswirken, wenn sie wieder zusammentreffen. Das wird sich aber in allernächster Zeit herausstellen und dann werde ich über neue Empfehlungen für den Gesundheitsminister nachdenken.”

Er befürchte jedoch eine Welle neuer Infektionen, wenn die Schulen wieder beginnen und forderte zeitlichen Spielraum, um die Lage zu prüfen. Die Regierung habe, so Þórólfur, betont, dass der Schulbetrieb so normal wie möglich laufen solle und etas anderes habe er bislang nicht vernommen. Man müsse daher den Schulanfang abwarten und schauen was passiert.
Dennoch soll am Montag noch schulfrei sein, nur Lehrer und Kindergärtner werden sich dann treffen, um zu schauen, wieviele Kollegen eigentlich verfügbar sind, wie man die derzeit gültigen Präventionsmassnahmen umsetzt und wie Stundenpläne geändert werden müssen.

Rekordinfektionszahlen
Gestern sind 1601 Personen positiv getestet worden, das ist die mit Abstand höchste Anzahl seit Beginn der Pandemie. Etwa die Hälfte der positiv Getesteten befand sich bereits in Quarantäne. Von den 1601 COVID-Positiven wurden 44 an der Landesgrenze gefunden.
Insgesamt sitzen derzeit etwa 7500 Personen in Isolierung und 6424 in Quarantäne. Exakte Zahlen dazu gibt es erst nach dem Wochenende.

In stationärer Behandlung befinden sich 20 COVID-Patienten, sechs auf der Intensivstation, fünf von ihnen am Beatmungsgerät. Landspítali informiert, dass fünf der sechs Intensivpatienten ungeimpft seien. Die Klinik hatte gestern ihre Besorgnis über die immer noch hohe Anzahl der Ungeimpften ausgedrückt und erklärt, die Zahlen zu stationärer Aufnahme und Schwere der Erkrankung in dieser Gruppe spreche Bände.
Ebenso wude gestern bekannt, dass Pflegepersonal aus der Quarantäne zum Dienst gerufen werden musste, weil die Arbeitslast auf den Stationen sonst nicht zu bewältigen ist.
Auch die Wartezeiten auf PCR-Testergebnisse ziehen sich in die Länge, dieser Tage kann sie bis zu 72 Stunden betragen.

COVID-19: Isolierung Symptomloser ist rechtmässig, urteilt Gericht

Das Reykjavíker Bezirksgericht hat der Entscheidung des isländischen Chefepidemiologen Recht gegeben, nach der fünf Personen aus der gleichen Familie für zehn Tage in Isolierung gehen mussten, weil sie COVID-positiv getestet worden waren, berichtet RÚV.
Der Anwalt der Leute, Arnar Þór Jónsson, hatte vor Gericht verlangt dass die Isolierung aufgehoben werde, weil alle fünf Personen symptomlos seien und weil der PCR-Test nicht zuverlässig genug sei, um einen Freiheitsentzug zu rechtfertigen.
Das Urteil war gestern Abend gefallen. Die fünf Personen sehen davon ab, Berufung einzulegen, weil ihre Isolierungszeit in der vergangenen Nacht ohnehin abgelaufen war.

Unabhängig vom Gerichtsurteil ist heute mit einem Vorschlag des Chefepidemiologen zur Verkürzung der Isolierungszeit zu rechnen. In den USA ist die Isolierungszeit bei Infizierten ohne Symptome von zehn auf fünf Tage verkürzt worden.

Im Landspítali hat sich die Lage unterdessen weiter verschärft, dort werden 21 Patienten stationär wegen COVID-19 behandelt, sechs liegen auf der Intensivstation, fünf von ihnen werden beatmet. Das Durchschnittsalter der Betroffenen liegt bei um die 60 Jahre.

Kindergarten von Clusterinfektion hart getroffen

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Am vergangenen Mittwoch sind 22 Kinder und 19 Mitarbeiter des Reykjavíker Kindergartens Jörfi mit der COVID-19 Krankheit diagnostiziert worden. Der Leiter des Schul- und Freizeitamtes, Helgi Grímsson, geht davon aus, dass es in der kommenden Woche keinen normalen Betrieb in dem Kindergarten geben wird.
Neben den betroffenen Kindern und Kindergärtnern befinden sich auch 15 Familienmitglieder in Isolierung, nachdem das Virus bei ihnen gefunden wurde, sowie die Leiterin des Kindergartens. Heute werden alle die zum zweiten Mal getestet, die sich seit letzter Woche in Testquarantäne befinden.

In dem Kindergarten werden um die 100 Kinder von 33 Mitarbeitern betreut. Noch ist unklar, wie der Betrieb in der kommenden Woche laufen soll, weil die endgültige Zahl der Infizierten noch nicht vorliegt. Man versuche, Vertretungsleute zu finden und hoffe aber vor allem darauf, dass die Kinder einfach zuhause bleiben können. Aller Voraussicht nach müsse man den Kindergartenbesuch aller Kinder individuell einschränken. Die Lage sei sehr schwierig für die Eltern, weil soviele Kindergärtner erkrankt seien, so Helgi, aber nun müsse man zusammenarbeiten.

Infizierte Person klagt gegen Isolierungsunterbringung
Die Gruppeninfektion im Kindergarten Jörfi ist nachweislich auf eine Person zurückzuführen, die an COVID-19 erkrankt war und sich nicht in Isolierung gehalten hat. Der Mann war am 12. April zwangsweise ins Pandemiehaus verbracht worden, nachdem das Bezirksgericht einem entsprechenden Antrag des Chefepidemiologen stattgegeben hatte, berichtet mbl.is.
Nach Angaben des Leiters des Rückverfolgungsteams der isländischen Polizei, Jóhann Björn Skúlason, gibt es zur Zeit zwei Varianten des britischen Virus, beide gehen auf Personen zurück, die mit dem Virus ins Land eingereist sind.
Der Kindergartencluster hat nun zur Folge, dass mehr als 100 Familien in Quarantäne oder Isolierung sitzen. Weitere 100 Familien befinden sich in Quarantäne, nachdem an der Álftamýrarskóli ein Kind erkrankt ist. Auch diese Infektion geht auf den Kindergarten Jörfi zurück.
Der Urheber des Kindergartenclusters, ein in Island Ansässiger ausländischer Herkunft, hat gegen die Entscheidung des Bezirksgerichts, ihn in Isolierung zu halten, Klage eingereicht.

Bussgeld in 90 Fällen und neuer Bussgeldkatalog
Die Strafen für Quarantänebruch in Island liegen zwischen 50.000 ISK und bis zu einer halben Million ISK, berichtet RÚV. Seit Beginn der Pandemie sind 90 Personen zur Zahlung des Bussgeldes verurteilt worden, darunter 85 Personen und fünf Unternehmen. Wie RÚV schreibt, sind dies 29 Prozent der 312 polizeilich aufgenommenen Quarantänebrüche. Manche Personen sind mehrfach beteiligt.
Ein Bussgeld von 50.000 ISK etwa wird fällig wenn gegen das Versammlungsverbot verstossen wird, bis zu 250.000 ISK kostet ein Verstoss gegen die Quarantänebestimmungen. Bis zu eine halbe Million werden für den fällig, der gegen die Isolierungsregeln verstösst. Auch das Organisieren von Versammlungen und das Benutzen von aus Seuchenschutzgründen geschlossenen Räumlichkeiten wird mit bis zu einer halben Million bestraft.
Im aktualisierten Bussgeldkatalog der Staatsanwaltschaft finden sich jetzt auch Geldstrafen für Verletzungen der Einreisebestimmungen an der Grenze, sowie für die Nichteinhaltung der Maskenpflicht.

Einreise nach Island: 14-Tage- Quarantäne muss in staatlicher Einrichtung absolviert werden

COVID-19 Press conference Þórólfur Guðnason Alma Möller V'iðir Reynisson

Islands Gesundheitsministerin Svandís Svavarsdóttir hat entschieden, dass alle Einreisenden, die sich gegen die Zweifachtestung mit fünftägiger Quarantäne entscheiden, und stattdessen die 14-tägige Quarantäne wählen, ebendiese im Quarantänehaus des Staates absolvieren müssen. Bislang konnte der Einreisende frei entscheiden, wo er diese 14 Tage verbringt. Chefepidemiologe Þórólfur Guðnason hatte in seinem Memo empfohlen, die Testung an der Grenze für alle Reisenden verpflichtend zu handhaben.
Ausserdem müssen nun auch Kinder mit ihren Eltern in Quarantäne gehen. Þórólfur hält diese Änderung für notwendig, um zu verhindern, dass Ansteckungen in die Kindergärten und Schulen eingeschleppt werden.
Die Kontrollen von Personen in Quarantäne werden verschärft.

Ab dem 13. Januar werden einige Beschränkungen im Land selber gelockert, unter anderem wird die zulässige Personenzahlbeschränkung auf 20 angehoben, ausserdem dürfen Theater, Kinos und Sportstätten unter strengen Auflagen wieder öffnen.

Seit dem 3. Januar wurden mehr als 70 Infektionen an der Grenze gefunden, weitaus mehr als im Land innerhalb der Gesellschaft.
Víðir Reynisson hatte am Samstag geäussert, die Zunahme der Fälle sei besorgniseregend. Überall in Europa sehe man den COVID-Notstand, und müsse sich mit allen Mitteln dagegen wehren.

Es sei eine Herausforderung gewesen, so Víðir, den Leuten verständlich zu machen, wie die Präventionsmassnahmen in Island aussähen. Die Pressekonferenzen etwa werden immer auch in polnische Sprache übersetzt, auf der Webseite covid.is sind Informationen in 11 weiteren Sprachen verfügbar.
“Wir sehen, wieviel der Zusammenhalt in der isländischen Gemeinschaft im Kampf gebracht hat, aber gleichzeitig sehen wir andere Länder, wo das nicht erreicht worden ist. Wir sehen das bei Leuten, die aus diesen Ländern kommen, die glauben, sie könnten sich hier in Island so verhalten wie bei sich zuhause. Wir versuchen, den Leuten zu erklären, dass wir dazu eine andere Kultur hier pflegen,” sagte Víðir.
Am 6. Januar waren von 18 an der Grenze positiv Getesteten 17 Personen aus Polen eingereist, alle waren mit Wohnsitz in Island gemeldet. Gestern wurden 17 Personen an der Grenze positiv getestet, 15 von ihnen sind in Island gemeldet.

Auch Þórólfur bezeichnete diesen Trend heute als besorgniserregend, er spiegele die Lage im Ausland wieder. Das Einschleppen von Infektionen durch Reisende ins Land sei jetzt die grösste Gefahr. Er riet seinen Landsleuten von allen unnötigen Reisen ins Ausland ab.

Bei der heutigen Pressekonferenz kündigte der Leiter des Quarantänehauses in Reykjavík, Gylfi Þór Þorsteinnson an, dass ein weiteres Quarantänehaus geöffnet werde, um die steigende Zahl an positiv Getesteten unterbringen zu können. Er führte kurz aus, dass der Aufenthalt in der Einrichtung kein Vergnügen sei, weil alle Gäste in ihrem Zimmer bleiben müssten, ganz gleich ob sie sich in Quarantäne oder in Isolierung befänden. Mitarbeiter des Roten Kreuzes kümmern sich um die Grundbedürfnisse, und es besteht die Möglichkeit, psychologische Betreuung zu erhalten.

Zum Abschluss der Pressekonferenz warnte Rögnvaldur Ólafsson, der stellvertretende Leiter des Zivilschutzes davor, die bestehenden Präventionsmassnahmen zu interpretieren und individuell auszuweiten, oder nach Wegen zu suchen, wie man sie umgehen könne. Die Lockerungen, die am Mittwoch in Kraft träten, seien kein Signal, dass die Pandemie vorüber sei.

Dritte COVID-19 Welle bringt höhere Belastung für Reykjavíker Pandemiehaus

Reykjavík pond

In der aktuellen dritten COVID-19 Welle in Island ist der Gesundheitszustand von Personen, die sich für eine Quarantäne oder Isolierung in das staatliche Pandemiehaus begeben müssen, eher schlechter als bei jenen, die sich bei der ersten Welle im Frühjahr aufgrund einer Infektion dort aufhalten mussten, berichtet Vísir. Die Symptome seien breiter gefächert und anders, sagt Gylfi Þór Þorvaldsson, der Leiter des Pandemiehauses in Reykjavík.
“Das ist nun so, dass die Leute schwer krank werden. Es ist notwendig für alle, die sich noch nicht angesteckt haben, besonders vorsichtig zu sein, weil die Leute richtig übel dran sind,” erklärte Gyfli in den Mittagsnachrichten.

Weitaus mehr Leute als noch im Frühjahr hätten die Pandemiehäuser Hotel Lind und Hotel Rauðará jetzt aufsuchen müssen. Etwa 600 Personen haben sich dort aufgehalten oder sind noch in den Häusern, bei der ersten Welle waren es nur 50 Personen gewesen.
Die Kapazitäten von Hotel Lind sind ausgeschöpft, dort ist kein Platz mehr für alle COVID-19 Patienten, und so soll nun heute oder morgen eine ganze Etage im Hotel Rauðará für Patienten freigemacht werden. Dort hatten sich bislang nur Personen in Quarantäne aufgehalten.
Es bestehe keine Gefahr für eine Ansteckung, so Gylfi, da man die Seuchenschutzmassnahmen akribisch einhalte und die Etagen hermetisch abriegele. Bis zum heutigen Tag hat es in den beiden Pandemiehäusern keinen einzigen Quarantäne- oder Ansteckungsfall unter den Mitarbeitern gegeben.

COVID-Patienten im Sommerhaus gibt Probleme
Viele Gründe haben dazu geführt, dass die Zahl der Patienten ansteige, erklärt Gylfi. Zum Beispiel werden dort Personen beherbergt, die an einer COVID-19 Infektion leiden, aber nicht so krank sind, dass sie stationär aufgenommen werden müssen.
“Wir haben Leute vom Land, die die COVID-Abteilung näher bei sich haben möchte, falls ihr Zustand sich verschlechtert. Wir haben in der ersten Pandemiewelle gesehen, dass Erkrankte ins Sommerhaus gefahren sind, um sich dort zu isolieren, und da konnte Probleme auftreten, wenn der Gesundheitszustand sich rapide verschlechterte. Es ist auch zeitaufwendig, den Krankenwagen hinter alle Berge zu schicken und dort nach Leuten zu suchen. Hierher sind schliesslich auch Leute gekommen, die aus besonderen Umständen nicht bei sich zuhause sein konnten, Grunderkrankungen bei Mitbewohnern und so weiter. Das kann alles mögliche sein, weswegen Leute zu uns kommen müssen.”

Rund um die Uhr im Dienst
Die Pandemiehäuser haben ihren Mitarbeiterstab vergrössert, sodass es nun einen Schichtdienst rund um die Uhr gibt. Eine grosse Belastung für die Beschäftigten, “aber wir haben gute Leute, die ihren Job gut machen und auf sich achtgeben, dass sie sich genügend ausruhen und Energie tanken. Ein guter Geist herrscht in der Gruppe. Das macht Spass, bei uns zu arbeiten – das muss es – auch wenn die Lage schwierig ist und viele schwierige Situationen entstehen. Wir müssen zwischendurch auch mal leichte Töne anschlagen, und das tun wir.”

Drei Schulen geschlossen nach neuer Gruppeninfektion

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Der COVID-Test, der bei Islands Kabinettsmitgliedern vor zwei Tagen hatten durchgeführt werden müssen, nachdem die Minister in möglichen Kontakt zu einer infizierten Person gekommen waren, ist im ersten Durchlauf bei allen negativ ausgefallen. Der zweite Test wird morgen durchgeführt.
Die Ministerrunde hatte nach einer Kabinettssitzung in einem Hotel in Südisland zu Abend gegessen. Zeitgleich kamen in dem Hotel zehn Infektionfälle auf, acht bei Gästen des Hotels, zwei beim Personal.

Zur Zeit befinden sich 850 Personen in Island in infektionsbedingter Quarantäne, das sind fast 200 Personen mehr als noch am Vortag, die meisten dieser 200 sind im Zusammenhang mit der Gruppeninfektion im Hotel zu sehen. 115 Personen befinden sich mit aktiver Infektion in Isolierung.

Bei sechs Personen fiel der Test an der Grenze positiv aus, sie warten auf das Ergebnis der Antikörperbestimmung. Vier Personen wurden gestern auf das Virus im Landspítali positiv getestet, drei davon hatten sich bereits in Quarantäne befunden.

Inzwischen mussten in Reykjavík drei Schulen geschlossen werden, weil zwei Lehrer in Quarantäne geschickt wurden, einer davon unterrichtet an beiden Schulen und hatte sich in oben erwähntem Hotel infiziert. Auch der Kindergarten in Mosfellsbær ist für zwei Wochen geschlossen worden.
Einer der vier COVID-Fälle von gestern wurde in Ísafjörður bei einem Bewohner in einem Seniorenheim festgestellt.

“Wir schicken immer noch Leute zum Test, die schon in Quarantäne sitzen und dann Symptome entwickeln,” sagt Kamilla Sigríður Jósefsdóttir, die Vertretung des Chef-Epidemiologen. Die Sache sei noch nicht vorbei. Auch die genetische Herkunft des gefundenen Virus ist noch nicht abschliessend analysiert, doch scheinen die meisten Fälle im Zusammenhang zu stehen.

Der Kindergarten in Mosfellsbær wird bis zum 3. September geschlossen, alle Kinder und Kindergärtner befinden sich in Quarantäne. Auch Leute, die die Kinder zum Kindergarten gebracht hatten, sowie andere Kontaktpersonen sind in Quarantäne, bis die Ergebnisse vorliegen.
In den Reykjavíker Schulen sitzen an die 100 Lehrer in Quarantäne, nachdem zwei positive Fälle in den Kollegien festgestellt worden waren. Die Nachmittagsbetreuungen sollen nun länger geöffnet haben, um die betroffenen Eltern zu entlasten, doch erweist es sich als schwierig, Personal für die Betreuungsstätten zu finden.

Infektionskurve besorgniserregend, Maskenpflicht auf der Fähre

face mask

Gestern sind in Island 17 neue COVID-Fälle festgestellt worden, bei denen Leute sich innerhalb der Bevölkerung angesteckt haben. Nur in einzelnen Fällen haben sich die Personen bereits in Quarantäne befunden, berichtet RÚV. Drei Personen wurden an der Grenze positiv getestet.
Einige der Infizierten müssen nach Angaben von Víðir Reynisson, dem Leiter des isländischen Zivilschutzes, möglicherweise ins Krankenhaus eingewiesen werden. Er bewertet die derzeitige Situation nicht als Gruppeninfektion, sondern als neue Epidemie.

Auch ein Polizist wurde in Reykjavík positiv getestet, 13 seiner Kollegen mussten daraufhin in Quarantäne, und fünf Kollegen befinden sich in Quarantäne, bis das Ergebnis kommt.

Die vielen neuen Fälle innerhalb der Bevölkerung seien besorgniserregend, zumal sie zum Grossteil eine Folge des Volksfestes am gerade vergangenen Kaufmannswochenende auf den Westmännerinseln sind, wo Leute vom Festland zum Feiern hingefahren waren. Inzwischen befinden sich 48 Bewohner der Inseln in Quarantäne.

Immer mehr Fälle auf den Färöerinseln
Ähnliches ist auf den Färöerinseln passiert, dort breitet sich die Pandemie mit beängstigender Geschwindigkeit aus, berichtet RÚV. In den vergangenen Tagen sind dort 54 neue Fälle festgestellt worden, und allein gestern zusätzliche 38 Fälle. Nicht alle der gestern entnommenen 900 Proben sind bislang ausgwertet worden, und vor den Teststationen hatten sich lange Warteschlangen gebildet.
Auf den Färöerinseln hatte es drei Monate lang keinen COVID-Fall gegeben. Der Leiter des dortigen Gesundheitsamtes geht davon aus, dass die Infektionskette beim Volksfest Ólafsvaka Ende Juli in Gang gesetzt worden war.

Maskenpflicht auf der Fähre
Auf der Fähre Norröna werden die Seuchenschutzmassnahmen nun verschärft. Alle Fahrgäste müssen einen Mund-Nasenschutz überall dort tragen, wo die Zweimeter-Abstandsregel nicht eingehalten werden kann. Die Entscheidung ist nach Angaben von Geschäftsführerin Linda Gunnlaugsdóttir heute morgen gefällt worden.
In Seyðisfjörður hatte die Maskenpflicht bereits bei Ankunft und Abfahrt bestanden, viele Fahrgäste hätten ihre Maske aber auch auf den Färöerinseln bereits vor Aufkommen der vielen Fälle dort benutzt, sagt Linda.

Die Beschäftigten auf der Fähre müssen ihre Maske nun immer tragen, dürfen nicht mehr zusammen die Mahlzeiten einnehmen und werden zweimal die Woche getestet. Linda zufolge sei man bei Smyrillline sehr wachsam und jederzeit bereit, weitere Massnahme zu ergreifen, oder auch vermehrt ab Bord zu testen, wenn dies nötig erscheine.
Bislang hatte es an Bord der Fähre drei positive Fälle gegeben, die Personen waren sofort mit ihren Mitreisenden isoliert worden.

Fahndung nach drei Quarantänebrechern, zwei Infizierte in U-Haft

Selfoss - Suðurland - Ölfusá

Gestern sind in Selfoss drei Personen von der Polizei festgenommen worden, nachdem der Verdacht auf Diebstahl in einem Geschäft aufgekommen war. Die Festnahme wurde auf Bitten der südisländischen Polizei durch Beamte der Hauptstadtpolizei durchgeführt, wie es in einer Meldung der Polizei hiess. Bei näherer Untersuchung stellte sich heraus, dass die Festgenommenen eigentlich in Quarantäne sitzen sollten, denn sie waren erst am vergangenen Dienstag in Island eingereist. Sie wurden daher zum COVID-Test geschickt um zu prüfen, ob sie ansteckend sind, berichtet Vísir.

Heute kam nun das Ergebnis, wie Víðir Reynisson, der Chef des Zivilschutzes der Polizei, RÚV gegenüber angab, sind zwei der drei Personen COVID-positiv, und es waren keine Antikörper nachweisbar, was bedeutet dass sie hochansteckend sind.

Fahndung nach drei weiteren ausgeschrieben
Die Männer werden morgen in eine Quarantäneeinrichtung in Reykjavík verbracht. Nach drei weiteren Männern, die sich bei den Infizierten befunden haben, wird derzeit gefahndet.
Die hohe Infektiosität der Eingereisten bedeutet nicht nur Isolierung für sie, sondern auch, dass 16 Polizisten sich für zwei Wochen in Quarantäne begeben müssen.

Víðir sagte, man überwache die betroffenen Polizisten engmaschig, und es würden in den kommenden Tagen bei ihnen weitere Tests durchgeführt werden.
Die Angelegenheit sei sehr enttäuschend und ernst. Alles war heute sehr schnell gegangen, und das, während in Keflavik die Vorbereitungen für die Einreisetestung auf vollen Touren liefen.
Er sieht die Sache auch als Ansporn, alle Personen, die sich statt Test in Quarantäne begeben, noch besser an den Quarantäneorten zu kontrollieren.

Die drei Männer, die sich bei den Infizierten befunden hatten, sind nicht dort, wo sie sich angeblich in Quarantäne aufhalten wollten.
Inzwischen ist die Bereitschaft des Rückverfolgungsteams zusammen mit Kriminalisten dabei, die drei verschwundenen Männer in Südwestisland zu suchen. Auch die Einsatzleitung der Polizei hat ihr Quartier bezogen und steht bereit. Man sucht nach Hinweisen wo die Männer sich aufgehalten haben könnten und ob sie Verbindungen nach Island hatten. Es ist nicht bekannt, ob die drei Verschwundenen ebenfalls ansteckend sind.

Isolierung und Untersuchungshaft ab morgen
Die Infizierten befinden sich ab morgen dann in COVID-Isolierung, und zusätzlich in Untersuchungshaft, bis weitere Schritte beschlossen werden. Sie sitzen dann jedoch in geeigneten Räumlichkeiten in Reykjavík unter Aufsicht der Infektionsbehörde, und nicht im Gefängnis, weil die Polizei dort keine Ansteckungsgefahr haben will. Selbstverständlich hätten sie aber das Recht auf medizinische Versorgung und würden untersucht werden. Die Verletzung der Quarantäneregel ist eine strafbare Handlung.

Dem Diebesgut nach zu urteilen seien die Männer ziemlich unterwegs gewesen. Víðir hofft dass sie sich kooperativ zeigen, denn das würde die Rückverfolgung sehr vereinfachen. “Die tun sich keinen Gefallen, wenn sie es nicht sind, und hoffentlich machen sie sich den Ernst der Lage klar.”
Die Männer waren alle zusammen am vergangenen Dienstag in einem Flugzeug aus Europa angereist, Quellen von RÚV zufolge stammen sie aus Rumänien.

Ab Montag Test statt Quarantäne
Dem noch gültigen Gesetz zufolge müssen sich alle Einreisenden in eine 14-tägige Quarantäne begeben. Ab dem kommenden Montag kann die Quarantäne durch einen COVID-Test am Flughafen ersetzt werden. Die Teststationen werden zur Stunde fertiggestellt. Für die Fähre Norröna prüft man derzeit die Möglichkeit, auf der Schiffsreise von den Färöerinseln nach Island alle Passagiere zu testen, um Engpässe im Fährhafen Seyðisfjörður zu vermeiden. Zu diesem Zweck ist ein Team gestern auf die Färöerinseln geflogen, und hat sich dort nach Island eingeschifft.

Das Testergebnis der COVID-Tests bei Einreise soll nach bis zu fünf Stunden vorliegen. Reist man am Abend an, muss man den nächsten Tag abwarten, da das Labor nachts nicht analysiert. In der Zwischenzeit kann sich der Reisende in seine Unterkunft begeben und sollte sich aber Quarantäne-konform verhalten, also nicht auf Shoppingtour oder ins Restaurant gehen. Auf der gestrigen Pressekonferenz zum Thema Landesöffnung wurde noch einmal darauf hingewiesen, dass die Einreise in der jetztigen Situation insgesamt ein bis zwei Tage dauern könne.

Der Fall der Infizierten in Selfoss, die statt Quarantäne shoppen gingen, macht deutlich, warum eine der Situation angepasste Verhaltensweise so wichtig ist.