Fluglotsenstreik: Verhandlung abgebrochen, weitere Streiks kurz vor Weihnachten

icelandair757

Die Tarifverhandlung zwischen der isländischen Fluglotsengewerkschaft und dem Arbeitgeberverband (SA) ist heute gegen 14 Uhr ergebnislos geendet. Die staatliche Schlichterin Aldís Magnúsdóttir sagt, es gebe keinen Grund, ein weiteres Treffen einzuberufen. Das lässt darauf schließen, dass die beiden Parteien in ihren Forderungen noch meilenweit voneinander entfernt sind.
Damit geht es nun weiter mit den Streiks der 152 isländischen Fluglotsen, die schon in dieser Woche an zwei Tagen die Insel vollkommenn lahmgelegt hatten. Von der Arbeitsniederlegung am Dienstag und Donnerstag waren um die 13.000 Passagiere betroffen. In der kommenden Woche sind Streiks für den Montag und Mittwoch angekündigt, dann müssen geschätzte 23.000 Passagiere mit Verspätungen und verpassten Anschlussflüge rechnen.

Empfindlichster Zeitpunkt des Jahres
Icelandair-Chef Bogi Nils Bogason gab RÚV gegenüber an, der Tarifstreit zwischen den Fluglotsen und dem Flughafenbetreiber ISAVIA sei sehr ernst und es sei dringend notwendig dass sich so schnell wie möglich geeinigt werde.
“Obwohl Icelandiar sich alle Mühe geben wird, alle Passagiere vor oder zum Weihnachtsfest an ihr Ziel zu bringen, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass das nicht gelingt, weil alle Flüge um diese betriebsame Zeit kurz vor Weihnachten vollgebucht sind.” sagte Bogi Nils.
Die Gewerkschaft der Fluglotsen habe den Zeitpunkt der Arbeitsniederlegung [4.00 bis 10.00 Uhr] gewählt, um den isländischen Fluggesellschaften den meisten Schaden zuzufügen, während andere internationale Fluggesellschaften weniger beeinträchtigt werden, heisst es in einer Mitteilung der Icelandair.
Zwischen vier Uhr und 10 Uhr Morgens landen die meisten Maschinen aus den USA, und Flugzeuge starten in Richtung Europa.

ISAVIA soll für den Schaden aufkommen
Icelandair schätzt, dass der bereits entstandene Schaden auf fünf bis sieben Mio. Dollar anwachsen könne, wenn es nicht bald zu einer Tarifeinigung komme.
Man versuche alles, um den streikbedingten finanziellen Schaden von der ISAVIA ersetzt zu bekommen.
Island sei, so Bogi Nils, für solche Aktionen besonders empfindlich:
“Die Aktionen treffen am meisten die Leute, die am wenigsten damit zu tun haben – Leute, die reisen, um ihre Familien und Freunde in dieser wichtigen Jahrezeit zu treffen. Wir werden selbstverständlich unser Bestes geben, um unsere Passagiere vor Weihnachten an ihr Ziel zu bringen, aber es ist nicht gewiss, ob das gelingen wird, wenn das so läuft, wie es gerade aussieht. Es ist daher dringend notwenig, dass die Streitparteien sich so schell wie möglich einigen.”

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Isavia verlangt Fällung von 2900 Bäumen an der Öskjuhlíð

Reykjavíkurborg. What Öskjuhlíð would look like with the 2,900 trees felled (inside the red dotted line),

Der Flughafenbetreiber Isavia verlangt von der Stadt Reykjavík die sofortige Fällung von 2900 Bäumen im Stadtwaldgebiet Öskjuhlíð, zumindest aber 1200 der höchsten Bäume. Als Grund wird die Flugsicherheit angegeben. Öskjuhlíð ist einer der ältesten Wälder Reykjavíks, ein beliebtes Naherholungsgebiet und ausserdem in der Liste der Naturdenkmäler verzeichnet. Sollte es zur Fällung der Bäume kommen, würde es sich um ein Drittel des Waldes und etwa die Hälfte der ältesten und grössten Bäume handeln.
Isavia schickte der Stadtverwaltung bereits am 6. Juli einen entsprechenden Bescheid darüber, dass die Bäume in der Anflugzone von Osten her gefällt gehörten, um die Flugsicherheit zu erhöhen. Zwei Möglichkeiten stünden zur Wahl: entweder alle 2900 Bäume innerhalb zweier Bereiche im Wald beseitigen, oder nur die höchsten Bäume, das sind um die 1200.

Als Naherholungsgebiet geschützt
Der Wald ist nicht nur als Naherholungsgebiet geschützt, sondern geniesst auch im Gesamtflächennutzungsplan besonderen Schutzstatus. Ausserdem befindet sich Öskjuhlíð in der Liste der Naturdenkmäler. Ein Fällen der Bäume würde also die Konsultation und Zustimmung gleich mehrerer Behörden verlangen, darunter das Institut für Naturgeschichte.

Und dann kommen noch die Kosten: mit mindestens 500 Mio ISK (3,5 Mio EUR) soll die Fällaktion zu Buche schlagen. Nicht mit eingerechnet ist die Wiederaufforstung und Neugestaltung des Waldes, nachdem die gefällten Bäume abtransportiert sind. Im Jahr 2017 waren aus Gründen der Flugsicherheit bereits 140 Bäume gefällt worden. Isavia hatte damals das Projekt von einem Unternehmen durchführen lassen und auch auch die Rechnung beglichen.
Öskjuhlíð und die Aussichtsplattform sind ein beliebtes Naherholungsgebiet. Am Fuss des Berges sitzt die Universität, und auch die heidnische Glaubensgemeinschaft Asatrú betreibt eine Einrichtung, wo regelmässige Zusammenkünfte abgehalten werden. Der Grossraum Reykjavík schmückt sich ohnehin nicht mit vielen Waldgebieten – es gibt Öskjuhlíð, Heiðmörk und Elliðárdalur, und das war es auch schon.

Ewiger Streit um Flughafenstandort
Untersuchungen zufolge hat die Aufforstung des Hauptstadtbereiches seit Mitte des 20. Jahrhunderts die Intensität von Stürmen geschwächt und die durchschnittliche Windgeschwindigkeit in und rund um die Stadt gesenkt. Statt die Bäume zu fällen, sollte eher die Landebahn des Inlandsflughafens von Osten her durch eine Verlängerung nach Westen sicherer gestaltet werden, finden viele. Allerdings würde das eine Landebahn ins Meer hinein bedeuten.

Der Standort des Inlandsflughafens ist ohnehin ein heisses Eisen eigentlich seit dem ersten Tag. Immerhin gibt es eine grundsätzliche Abmachung darüber, den Flughafen aus der Vatnsmýri umzuziehen und das freiwerdende Land für den Bau von Wohnhäusern zu nutzen. Allerdings konnte bislang noch kein neuer Standort für den Flughafen gefunden werden. Sein Standort bleibt daher ein Spannungsthema zwischen der amtierenden Regierung und der Stadt Reykjavík.

 

Acht Millionen Fluggäste in 2023 im Flughafen Keflavík erwartet

Keflavík Airport

Etwa 7,8 Millionen Fluggäste werden für das kommende Jahr am Internationalen Flughafen in Keflavík erwartet, wenn sich die Prognosen der Flughafengesellschaft Isavia bewahrheiten. Dann könnte es dort zeitweise ziemlich eng werden, berichtet RÚV.
Von den 7,8 Millionen werden geschätzte 2,2 Millione Fluggäste n Island als Destination anfliegen. Nur im Jahr 2018 waren mehr Gäste auf die Insel gekommen. Der Flughafen in Keflavík dient auch als Zwischenlandeplatz für Flüge zwischen den USA und Europa. Geschätzte 27 % der Gesamtpassagierzahl dürften Fluggäste in Zwischenlandung sein.

Im Jahr vor der COVID-Pandemie hatte die Zufriedenheit der Fluggäste mit steigender Enge in den Hallen immer weiter abgenommen. Isavia-Chef Sveinbjörn Indriðason kündigt ein besseres Fahrgastmanagement an, um die Belastung über den Tag zu verteilen. Die Zahlen stellten dennoch eine echte Herausforderung dar, und alle, die den Flughafen nutzten, würden dies im nächsten Jahr zu spüren bekommen. “Das wird eng, wir stehen mitten in Umbauarbeiten, aber wir trauen uns das zu und glauben, dass das klappt.”
Der erste Abschnitt der Bauarbeiten soll Ende kommenden Jahres abgeschlossen sein, wenn eine neue Gepäckausgabe ihre Türen öffnet. Der sogenannte Ostflügel soll im zweiten Halbjahr 2023 schrittweise geöffnet und Ende 2024 vollständig genutzt werden. Dann, so Sveinbjörn, gebe es mehr Platz für die Fahrgäste.

Die grösseren Bauprojekte dauern länger. Der gesamte Flughafen soll bis zum Jahr 2030 in Abschnitten um ein Drittel vergrössert werden.
“In den vergangenen Jahren sind wir immer nur so ein bisschen unserem Schwanz hinterhergelaufen, und bis 2028 oder 2030 wird das auch erst mal so bleiben. Aber dann mache ich mir Hoffnungen, dass wir mit dem Markt wachsen können und ihm nicht hinterherlaufen, wie wir das bisher getan haben, weil das Wachstum unsere Vergrösserungskapazitäten überstiegen hat,” erklärt der ISAVIA-Chef.

Luftverkehr über Island erreicht Vor-Pandemiestand, Fluglotsen gesucht

Der Luftverkehr über dem Nordatlantik kommt langsam wieder an die Verkehrsdichte vor der Corona-Pandemie an. Zum ersten Mal seit Ausbruch der Pandemie sucht der Flughafenbetreiber Isavia nun wieder nach Bewerbern für die Ausbildung zum Flugverkehrsleiter, berichtet Vísir.

Ein Teil des Luftverkehrs über dem Nordatlantik läuft über das isländische Hoheitsgebiet. Die meisten Überflüge wurden in den Jahren 2017 bis 2019 verzeichnet, und eigentlich hätte das in 2020 so weitergehen sollen, immerhin brachte der Februar 2020 die höchste Überflugzahl aller Zeiten.

Mit dem Virus brach jedoch auch der Flugverkehr über Island zusammen. Kondensstreifen am isländischen Himmel wurden zur Seltenheit, kaum sah man mal ein Flugzeug in der Sonne blinken. Vor allem in den ersten Wochen der Pandemie war der vollkommen flugzeugfreie Himmel ein Erlebnis für sich.
“Wo an normalen Tagen bei uns zehn bis zwölf Flugverkehrsleiter arbeiten, waren da vielleicht noch drei im Tower,” erinnert sich Þórdís Sigurðardóttir, eine Betriebsleiterin der Isavia.

Als die Welt stillzustehen schien, flogen vielleicht noch 100 Flugzeuge pro Tag über das isländische Hoheitsgebiet. An verkehrreichen Tagen in 2019 waren dies bis zu 800 Flugzeuge gewesen. Daher waren immer weniger Fluglotsen vor Ort, wobei die Isavia keine Kündigungen ausgesprochen hatte. Jetzt kommt der Betrieb wieder in Gang. Þórdís sagt, nach Wochen mit schwankenden Zahlen sei man inzwischen bei fast 80 Prozent der Flugzahlen von 2019 angekommen.

Grund genug für die Isavia, an Nachwuchs für den verantwortungsvollen Job zu denken, denn Flugverkehrsleiter sind nur bis zum 63. Lebensjahr tätig und ein grosser Jahrgang macht sich derzeit bereit, in Rente zu gehen. Die Lücke muss gefüllt werden, erklärt die Fluglotsin Guðný Tómasdóttir.
Þórdís erwartet, dass der Flugverkehr in den kommenden Monaten weiter steigen wird. Im Jahr 2024 könnte er die Zahlen aus 2019 wieder erreicht haben und danach allgemein weiter steigen.