COVID: Britische Virusvariante an der Grenze gefunden, Impfung hat begonnen

A screenshot from RÚV. First COVID-19 vaccines being administered in Iceland, December 29, 2020

Bei insgesamt elf Personen ist kurz vor Weihnachten beim Test an der isländischen Grenze die sogenannte “britische” Variante des Sars-CoV-2 Virus gefunden worden, berichtet RÚV. Zehn Personen waren aus Grossbritannien angereist, eine kam aus Dänemark. Islands Chefepidemiologe Þórólfur Guðnason sagte, dies sei ein höheres Aufkommen als in anderen Ländern, allerdings weil in Island alle positiven Ergebnisse auf Virusvarianten untersucht werden. In anderen Ländern liege der Anteil bei 10 bis 20 Prozent.
Die neue Virusvariante hatte international Sorge bereitet, weil Experten davon ausgehen, dass die Variante ansteckender ist als bisher bekannte Varianten.

Nicht viel bekannt über “britisches” Virus
Bei der Pressekonferenz am Vormittag sagte Gesundheitsamtsleiterin Alma Möller, dass sich das Virus in Grossbritannien trotz strikter Präventionsmassnahmen rasch ausgebreitet habe und inzwischen bei 70 Prozent aller Ansteckungsfälle gefunden werde. Bisher wisse man nicht, ob diese Mutation die Wirksamkeit der Impfung beeinträchtige, Ergebnisse diesbezüglich seien in etwa zwei Wochen zu erwarten. Ebensowenig sei bekannt, ob Personen, die von einer COVID-19 Erkrankung genesen sind, sich mit der neuen Virusvariante anstecken können. Alma zitierte den Chef des Pharmaunternehmens BioNTech, demnach sei es möglich, einen Impfstoff gegen die neue Variante in nur sechs Wochen zu entwickeln.

Nachdem über die Feiertage weniger Tests durchgeführt worden waren, sind gestern sieben positive Test eingegangen. Fünf davon waren Personen, die sich nicht in Quarantäne befunden hatten. Eine Person verstarb in der vergangenen Nacht an COVID-19.

Impfung in Island hat begonnen
Derweil hat in Island die Impfung der ersten von zehn Gruppe begonnen. Vier Krankenschwestern erhielten den Impfstoff zuerst, danach war ein Pflegeheim in Reykjavík an der Reihe. Insgesamt werden heute und morgen 1600 Bewohner von Pflegeheimen und 770 Pflegepersonen gegen das Sars-CoV-2 Virus geimpft. Im Norden des Landes sind 520 Impfdosen angekommen. Die Behörden hoffen, in der ersten Jahreshälfte 2021 etwa 75 Prozent der Bevölkerung durchimpfen zu können.

Die ersten vier Personen in Island, die die Impfung erhielten, waren die Intenisivärztin Christina Elí Zondo, die Intensivschwester Kristín Gunnarsdóttir, ein Patient auf der Inneren Medizin namens Elías Eyþórsson und Thelma Guðrún Jónsdóttir, Assistentin in der Notfallabteilung.

Gestern hatte das Gesundheitsministerium verlauten lassen, dass Island weitere 80.000 Impfdosen des Pharmaherstellers Pfizer erhalten wird, zusätzlich für die vertraglich zugesicherten 170.000 Dosen. Damit ist genug Impfstoff vorhanden um 125.000 Personen impfen zu können. Die ersten 10.000 Impfdosen erreichten das Land gestern, weitere 3000 bis 4000 werden dann wöchentlich im Januar und Februar erwartet.

COVID-19: Herdenimmunität nicht vor Mitte des Jahres

Island kann nach Angaben von Chefepidemiologen Þórólfur Guðnason nicht vor der zweiten Jahreshälfte 2021 eine Herdenimmunität erreichen. Bis dahin werde das Land mit Einschränkungen im Alltag leben müssen, sagte Þórólfur bei der heutigen Pressekonferenz in Reykjavík. Die Behörden hatten gehofft, bis April genügend Personen impfen zu können, um eine Herdenimmunität zu erzielen, doch Verzögerungen in der Vakzineherstellung führen dazu, dass zu Beginn des neuen Jahres weitaus weniger Impfdosen auf die Insel geliefert werden als erwartet.

Auch wenn die ersten COVID-Impfdosen um Weihnachten herum ins Land kommen, wird die Menge zunächst nur für maximal 5000 Personen ausreichen. Weitere 8000 Impfdosen werden im Januar und Februar erwartet. Þórólfur sagte, auch wenn er gern gesehen hätte, dass mehr Impfstoff ins Land komme, so sei es doch erfreulich, dass man Personen aus den Risikogruppen gleich zu Anfang impfen könne.

Die Tatsache dass weniger Vakzine ins Land kommt als erwartet, bedeutet aber auch, dass die angestrebte Herdenimmunität durch Impfung nicht vor Mitte des kommenden Jahres erreicht werden kann. Die Lieferverzögerungen sind auch Engpässe in der Herstellung zurückzuführen, nicht auf Verträge, die mit der EU ausgehandelt worden waren, betonten die Behörden.

Das Gesundheitsamt hat bereits Vorzugsgruppen für die Impfung zusammengestellt. Medizinisches Personal, Pflegepersonal und Bewohner von Pflegeheimen stehen als erste auf der Liste. Die ersten fünf Vorzugsgruppen umfassen 20.000 Personen, bis Ende Februar rechnet man mit 13.000 verfügbaren Impfdosen. Damit ist klar, dass nach Verabreichung der ersten Impfdosen weiter priorisiert werden muss, wer im Januar und Februar geimpft werden muss.