Walfang: Erbeutete Walkuh trug grossen Embryo im Leib

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Ein vier Meter langer Walembryo ist heute morgen nach Angaben eines Augenzeugen aus dem Leib einer erbeuteten Walkuh geschnitten worden, berichtet Heimildin.
Das Walfangschiff Hvalur 9 war mit zwei gestern erlegten Walen im Schlepp in den Hvalfjörður eingelaufen. Bei dem ersten zerteilten Wal handelte es sich um einen Bullen, der zweite Wal war ein grosses weibliches Tier. Als man sich daran machte, den Leib des Wals zu öffnen, stellte sich heraus dass die Walkuh ein ungeborenes Kalb trug. Der Embryo war mit geschätzten vier Metern ziemlich gross. Neugeborene Finnwalkälber messen meist um die fünf bis sechs Meter.

Embryo könnte noch gelebt haben
Arne Feuerhahn, der Geschäftsführer der Meersschutzorganisation Hard to Port war Augenzeuge des Vorfalls am Morgen und hat Heimildin gegenüber sein Erlebnis geschildert. Er sagt, die Mitarbeiter von Hvalur hf hätten mit der Zerteilung des Wales begonnen, und als sie ein grosses Stück aus dem Leib herausgeschnitten hätten, öffneten sie die Bauchhöhle mit einem grossen Walschneider, und dannach sei alles sehr schnell gegangen: “Eigentlich ist das Kalb aus dem Leib seiner Mutter herausgerutscht,” sagt Arne Feuerhahn.
Die Mitarbeiter hätten rasch reagiert, sie hätten das Walkalb mit Haken aufgespiesst und weggeschafft, “daher konnten wir nicht mehr Fotos machen.” Immerhin drei sehr aussagekräftige Aufnahmen sind ihm gelungen, die keinen Zweifel an dem Vorfall lassen.
“Ich hab ja Vergleichbares schon des öfteren gesehen, aber das hier, das war anders,” sagt Arne. “Das war fast so … als ob das Kalb aus dem Leib seiner Mutter herausgeschnitten wurde …. als ob es da noch lebte. Ich bin nach diesem Vorfall doch etwas erschlagen, um ehrlich zu sein. Eigentlich fehlen mir die Worte.”

Tragende Walkühe machen grösseren Teil der Beute aus
Nicht zum ersten Mal ist hier eine tragende Walkuh erbeutet worden. Im vergangenen Sommer waren elf tragende Walkühe getötet worden, in der Saison 2018 waren es ähnlich viele gewesen.
Im Aufsichtsbericht der Veterinäraufsichtsbehörde MAST zum Tierwohl von Walen bei der Jagd durch Hvalur hf im vergangenen Sommer hatte es gehiessen, das der grössere Teil der erbeuteten Tiere weiblichen Geschlechts gewesen seien. Den Grund dafür kenne man nicht, es könne sich um einen Zufall handeln. Daten von Hvalur hf. zufolge waren 62% der erbeuteten Finnwale im vergangenen Sommer weibliche Tiere gewesen.
“Wenn der Anteil der weiblichen Tiere höher ist als der männlichen Tiere, könnte es auch wahrscheinlicher sein, dass eine tragende Kuh oder eine Kuh mit saugendem Kalb erbeutet wird “. Die Expertin für Meerestiere und Verhaltensforscherin Edda Elísabet Magnúsdóttir hatte im vergangenen Jahr in einem Interview mit Kjarninn gesagt, um diese Jahreszeit sei die Chance, eine tragende Walkuh zu erbeuten weitaus höher. “Die haben ihre Tragezeit zur Hälfte herum, oder länger, wenn die gejagt werden.”
Das erklärt sich dadurch, dass sie nur alle zwei bis drei Jahre ein Kalb bekommen. Die Paarungszeit ist im Dezember, und meist kommen die Kälber im November nach einer elfmonatigen Tragezeit zur Welt. Danach trinkt das Kalb sechs bis acht Monate bei der Mutter, bevor sie es entwöhnt. Im vergangenen Jahr hatte Hvalur hf eine Walkuh mit Milch erbeutet. Das mutterlose Kalb ist vermutlich verhungert.
Dem Gesetz zum Walfang zufolge ist es verboten, Walkälber, saugende Kälber, sowie Walkühe mit saugendem Kalb zu jagen. Nicht verboten ist es dem derzeitig gültgen Bestimmungen zufolge hingegen, eine tragende Walkuh zu töten. Edda Elísabet erklärt, bei ausgewachsenen Tieren sei es nicht möglich, Geschlecht oder Alter zu bestimmen.

Moralisch nicht zu rechtfertigen
“Wir wissen von 17 Finnwalen, die in dieser Jagdsaison getötet worden sind,” gab Katrín Oddsdóttir, die Anwältin des isländischen Naturschutzbundes an. “Ein Wal ist versunken, als die Fangleine riss, damit war der Tod diesen Tieres vollkommen sinnlos.”
Die oben genannte Walkuh war tragend, und “der Embryo scheint sehr gross gewesen zu sein, damit ist klar dass das unter das Gesetz zum Tierwohl fällt,” sagte Katrín Heimildin gegenüber. “Soetwas ist moralisch nicht zu rechtfertigen.”
Ein weiterer Wal habe sich eine halbe Stunde quälen müssen, bevor er getötet wurde. Ein weiterer sei mehr als einmal harpuniert worden, und die Treffer lagen ausserhalb des in den neuen Bestimmungen von Fischereiministerin definierten Zielgebietes.
“Die Regierung muss jetzt ihren Job machen. Meiner Ansicht nach ist die Zeit gekommen dass MAST seine Befugnis nutzt und diese Branche stoppt, die so ganz offensichtlich gegen Tierschutzgesetze und Bestimmungen verstösst.”

Finnwale sind nach dem Blauwal die zweitgrössten Tiere der Erde. Der Finnwal ist ein Migrant, der sich im Frühjahr nach Norden aufmacht und zum Herbst hin wieder in wärmere Gewässer schwimmt. Im Meer rund um Island befinden sich die Hauptnahrungsgründe der Finnwale im Nordatlantik.
Die Walfangsaison von Hvalur hf hatte Anfang September begonnen, nachdem die Fischereiministerin das im Juni verhängte Fangverbot aufgehoben hatte. Die Walfangschiffe kamen sogleich mit reicher Beute heim, doch dauerte es nicht lange, bis MAST eins der Schiffe wegen tierschutzwidrigen Vorkommnissen stilllegte. Einer der Wale hatte, wie oben erwähnt, eine halbe Stunde mit dem Tod gekämpft, bevor ein zweiter Schuss ihn tötete. Hvalur-Geschäftsführer Kristján Loftsson schob den Vorfall auf technische Probleme.
Inzwischen sind beide Walfänger wieder mit Beute in den Hafen eingefahren – einer von ihnen mit der oben genannten tragenden Kuh.
Die Fangsaison läuft noch bis zum Monatsende.
Walfang ist gleich zu Beginn der parlamentarischen Saison Thema im Plenum gewesen, doch weit war man mit der Debatte über ein von der Opposition vorgeschlagenen Gesetzentwurf zum Verbot des Walfangs nicht gekommen, denn die Abgeordneten konnten sich nicht einigen, in welchem Ausschuss die Frage ihren Platz haben sollte.

 

Hvalur-Chef verteidigt misslungenen Tötungsfall

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In einem Interview mit dem Abendmagazin Kastljós hat Hvalur-Geschäftsführer Kristján Loftsson einen Vorfall verteidigt, der in der vergangenen Woche zur Stillegung eines seiner beiden Walfangschiffe geführt hatte. Kristján zufolge trug ein mechanisches Versagen Schuld an dem Fehlschuss. Gleichzeitig warf er der Veterinäraufsichtsbehörde (MAST) fehlende Erfahrung und Fehler in der Vorgehensweise vor.

Der Vorfall am 7. September war durch einen Haken verursacht worden, der sich in der Seilwinde verfangen hatte. Dadurch sei der harpunierte Wal am Leben geblieben und habe an den Haken gehangen, und die Besatzung habe weder den Wal heranziehen noch den Haken lösen können. Man habe die Situation nicht anders lösen können, so Kristján. Der angeschossene Wal hatte 30 Minuten mit dem Tod gekämpft, bevor der zweite Schuss zu seinem Tode führte.
Kristján kritisierte auch das Video, das der Aufsichtsführende der Fischereibehörde im Auftrag von MAST von der Jagd aufgenommen hatte. Der Vorfall sei mit Zoom aufgenommen worden, was die tatsächliche Entfernung zwischen Wal und Schiff verfälscht habe. Der Wal sei für eine sofortige Tötung viel zu weit weg gewesen, womit die im Video zu sehenden Aktivitäten nicht die Realtität wiedergäben. Der ganze Vorfall sei falsch interpretiert worden und diene dazu, die gesamte Fischereibranche rufzuschädigen.

Seiner Ansicht nach fehle es bei MAST an Personen mit einem breiten Verständnis für die Fischerei, und das Kollegium bei MAST bestehe  sicher zu 70% aus Büroangestellten und Veterinären und sei eine “Stempelelite”. Ausserdem habe MAST vor der Enscheidung, das Walfangschiff stillzulegen, keine Rücksprache mit der Fischereibehörde gehalten und damit die eigene Regeln missachtet.
Der Vorfall sein ein Unfall gewesen, und überall könnten solche Unglücksfälle passieren. Wenn man mit einem anderen Auto zusammenstosse, verliere man doch auch nicht seinen Führerschein auf Lebenszeit, findet Islands einziger Waljäger.

Auf die Frage, wie er die Chancen für eine Aufhebung des Jagdverbotes für die Hvalur 8 einschätze antwortete Kristján Loftsson, er habe keine Lust, in die Gehirne von MAST-Mitarbeitern hineinzuschauen. Und selbstverständlich werde er eine neue Jagdlizenz beantragen, sobald die alte ausläuft (zum Jahresende). Bislang habe sein Unternehmen 15 Wale erbeutet, das sind etwa 10% der diesjährigen Quote von 160 Finnwalen. Die werde man aber kaum ausschöpfen können. Er gab im Interview finanzielle Verluste zu, verweigerte jedoch die Nennung einer Summe.

Am Nachmittag berichtet Vísir, dass MAST dem Unternehmen in Aussicht gestellt habe, mit der Hvalur 8 wieder auf Jagd zu gehen, wenn zwei Bedingungen erfüllt würden:
Der Schütze müsse auf hoher See eine Schiessübung erfolgreich bestehen, um zu beweisen, dass er mit der Harpune umgehen kann. Ausserdem müssen die Verfahrensregeln unter Berücksichtigung der Einwände beider Regulierungsbehörden, Fischereibehörde und MAST, aktualisiert werden. Die Änderungen sollen von beiden Behörden genehmigt und den Besatzungen der beiden Walfangschiffe angemessen mitgeteilt werden.
Sobald diese Forderungen erfüllt sind, darf die Hvalur 8 wieder zur Jagd auslaufen.

 

Walfang: Hvalur 8 wegen Tierschutzverletzung stillgelegt

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Die isländische Veterinäraufsichtsbehörde MAST hat den Betrieb des Walfangschiffes Hvalur 8 vorübergehend stillgelegt, weil bei der Jagd auf Finnwale die Tierschutzbestimmungen nicht eingehalten worden sind. Die Stilllegung bleibt solange bestehen, bis korrigierende Massnahmen von MAST und der Fischereibehörde abgenommen worden sind, berichtet Vísir.

Einer Pressemitteilung von MAST zufolge hatte das Überwachungsvideo der aufsichtsführenden Person zutagegefördert, dass bei der ersten Jagdfahrt am 7. September der erste Harpunenschuss aus der Hvalur 8 ausserhalb des markierten Zielbereichs traf und das Tier nicht sofort tötete, wie es die neuen Walfangverordnung vorschreibt. Der notwendige Zweitschuss wurde erst nach 30 Minuten abgegeben, worauf der Wal nach wenigen Minuten verendete.
Die 30 Minuten Todeskampf zwischen den beiden Schüssen stellen eine Verletzung von Tierschutzrichtlinien und Fischereibestimmungen dar, schreibt MAST. Die Stilllegung des Walfangschiffes wird erst dann aufgehoben, wenn Hvalur hf die Behörden mit Korrektivmassnahmen überzeugen kann.

Der Vorfall trug sich, wie gesagt, vor einer Woche zu. Auch der zweite erbeutete Wal trug zwei Harpunen im Körper, zum Hergang wurde bislang nichts veröffentlicht. Trotz des Gesetzverstosses konnte das Unternehmen jedoch weitere 13 Wale erbeuten, bevor heute zumindest eins der beiden Fangschiff stillgelegt wurde.

Neue Verordnung ist wirksames Werkzeug
Valgerður Arnadóttir, die Sprecherin der Walschutzorganisation Hvalavinir, sagte Heimildin gegenüber, sie finde es eigenartig, dass nicht der gesamte Fangbetrieb des Unternehmens stillgelegt wird, sondern nur eins der beiden Schiffe. Allerdings habe die neue Verordnung den Behörden jetzt Werkzeug an die Hand gegeben, was es für Kristján Loftsson schwer machen würde, seine Jagdsaison wie geplant zu beenden. Mit der nächsten “Abweichung” ist auch bei der Hvalur 9 Schluss, die Saison ohnehin fast zuende, das Wetter wird nicht besser, und die Jagdlizenz läuft zum Jahresende aus. Fischereiministerin Svandís Svavarsdóttir hatte schon mehrfach angedeutet, dass es mit ihr eine Lizenzverlängerung nicht geben werde.

Drei weitere Wale auf dem Weg
Derzeit befinden sich beide Schiffe mit heute geschossenen Walen auf dem Weg in den Hafen von Hafnarfjörður. Die seit Mittag stillgelegte Hvalur 8 wird in der Nacht mit einem Finnwal im Schlepp am Kai erwartet, der vor dem Mittag geschossen worden sein soll, die Hvalur 9 läuft morgen früh mit zwei Walen ein.
Damit sind seit letzter Woche 14 Finnwale erbeutet worden. Die ersten drei Wale waren gleich am 7. September geschossen worden, die nächsten vier am vergangenen Sonntag, und weitere vier am Dienstag. Erst heute reagierte die Veterinäraufsichtsbehörde. Man habe nicht schneller arbeiten können, gab Behördenleiterin Hrönn Jörundsdóttir Heimildin gegenüber an.
Wie es mit der Hvalur 9 weitergeht, entscheidet erst mal das Wetter, sie wird voerst nicht auslaufen können, weil für Samstag sehr schlechtes Wetter aus Südost erwartet wird.