Dýrafjarðargöng in den Westfjorden verkürzt Fahrzeit

Dýrafjarðargöng

Der Tunnel Dýrafjarðargöng ist gestern nach dreijähriger Bauzeit offiziell eröffnet worden. Der 5,6 Kilometer lange Tunnel verkürzt die Fahrzeit zwischen Dýrafjörður und Arnarfjörður um 27,4 Kilometer. Zuvor hatten Autofahrer über den Gebirgszug Hrafnseyrarheiði fahren müssen, der einen Grossteil des Jahres wetterbedingt unbefahrbar ist.
Der Tunnel war von Bewohnern der Region seit Jahren herbeigesehnt worden. Im Jahr 2010 hatten Schulkinder aus Þingeyri aus eigenem Antrieb den ersten Spatenstich unternommen. Die offiziellen Bauarbeiten begannen jedoch erst 2017, berichtet RÚV.
Es waren daher auch die Schüler der Schule von Þingeyri, die gestern als erste mit dem Schulbus den Tunnel nutzen durften.”Wir haben das verdient,” sagt eine Schülerin. Sie hätten dem Verkehrsminister einen Brief geschrieben und darum gebeten, als erste durch den Tunnel fahren zu dürfen.

Mit von der Partie war auch Schneepflugfahrer Gunnar Gísli Sigurðsson, der die Hrafneyrarheiði seit 1974 vom Schnee befreit hatte. Gunnar feierte die Tunneleröffnung und kommentierte, er vermisse seinen Winterjob keineswegs.
“Das ist ein gutes Gefühl, Es war wirklich an der Zeit.”
Der Tunnel ist ein grosser Schritt, um sichere, ganzjährig befahrbare Verkehrswege in den Westfjorden zu gewährleisten.

 

Der Schneepflugfahrer von der Hrafnseyraheiði

Wenn dereinst der Tunnel Dýrafjarðargöng die Hochlandstrasse Hrafnseyrarheiði in den Westfjorden abgelöst hat, bin ich weg hier und reise,” sagt der Mann, der die abgelegene Strasse 46 Jahre lang vom Schnee befreit hat. Gestern startete er seinen Schneepflug zum alljährlichen Schneereinemachen, berichtet RÚV.

Gunnar Gísli Sigurðsson ist der Frühjahrsbote auf der tiefverschneiten Heiði, seit dem Jahr 1973 fährt er das Räumfahrzeug in den Tiefschnee.

“Ja vielleicht ein oder zwei Jahre mal nicht,” überlegt er. Und dann wurde die Heiði nicht geöffnet? “Doch doch, da ist es halt von selbst getaut,” meint er lapidar.

Der Weg über die Hrafnseyrarheiði trennt die südlichen von den nördlichen Westfjorde und wird im Winter nicht geräumt. Er ist offiziell per Schild gesperrt, was manche Touristen freilich nicht davon abhält, trotzdem weiterzufahren. Erst kürzlich mussten zwei mit ihrem Mietwagen aus dem Tiefschnee befreit werden. Um den 20. März herum beginnt hier der Winterdienst, und in manchem Jahr lag noch viel mehr Schnee als jetzt.

Das ist ja nur ein Teil dessen, was hier mal gemessen wurde. Einmal wurden 22 Meter Schnee gemessen,” erinnert sich der Schneepflugfahrer an Schneewände der Vergangenheit. Dann braucht er eine Woche bis zehn Tage, um die Strasse zu räumen.

Dieses Jahr wird vermutlich das vorletzte Mal sein, dass Gunnar die Strasse im Frühjahr öffnet, denn der Dýrafjarðartunnel soll die Hochstrasse ablösen. Im Herbst 2020 will man den Tunnel einweihen. Und was passiert dann?

Das gehen wir mal ruhig an, und so. Dann reise ich, und so,” lächelt Gunnar.

Natürlich gibt es Pläne, die Strasse im Verkehrsnetz zu halten, und ganz ausgeschlossen ist ein Winterdienst auch weiterhin nicht.

Wir hoffen, dass dies eine Sommerstrasse wird, die wir Anfang Juni räumen, und dann wird das eine Ringstrasse und eine Verbindung nach Hrafnseyri,” verrät Guðmundur Björgvinsson, der Leiter der Strassenverwaltung in Ísafjörður.

Gunnar Gísli hat die Tücken dieser Hochlandstrasse auch am eigenen Leib zu spüren bekommen. “Ich bin zweimal hier mit meinem Pflug vom Weg abgekommen,” sagt er und zeigt auf einen steilen Abhang. Offensichtlich ist alles gut gegangen. “Ich bin ja noch da.” Die Unfälle hielten ihn nicht davon ab, weiterzumachen.

Ob er diese Heiði eigentlich mag? “Tja ich weiss nicht, ich glaube schon.”

Im Nachrichtenlink gibt es ein Video mit beeindruckenden Aufnahmen der abgelegenen Strasse.

Lawine in den Westfjorden schliesst Touristen ein

Die Touristen, die gestern Abend zwischen der Hrafnseyrarheiði und der Dynjandisheiði in den Westfjorden von einer Schneelawine eingeschlossen worden waren, sind an zwei Sperrschildern vorbeigefahren, bevor sie auf das Hochplateau fuhren, berichtet RÚV.

Der Weg wurde von Lawinenmassen versperrt, die immer noch rutschten, als die örtliche Rettungseinheit den Urlaubern zu Hilfe kam.

Die freiwillen Retter in den Westfjorden waren gestern Abend gegen 19 Uhr ausgerückt, um zwei Ausländern beizustehen, die auf der Hrafnseyrarheiði eingschlossen waren. Die Leute waren bis dort oben gefahren, vorbei an zwei Schildern, auf denen klar und deutlich die Sperrung des Weges kommuniziert wurde, eins davon war sogar an einem Tor befestigt, welches den Weg versperrt.

Hrafnseyrarheiði und Dynjandisheiði fallen beide unter die G-Regel bei der Strassenverwaltung und werden den Winter hindurch bis zum 20. März nicht vom Schnee geräumt.

Da ist hier am Hof ein Sperrschild, und ein weiteres, noch grösseres bei Brekkudalur. Das sollte wohl klar sein, dass man das verstehen kann. Aber der Fehler liegt darin, dass die Leute sich nur an die Navigationsgeräte im Auto halten und genau den Weg fahren, und das Gerät sagt aber nicht, ob man dort durchkommt oder nicht,” erklärt der Gruppenleiter der Rettertruppe Dýri in Þingeyri, Kristján Gunnarsson.

Es komme durchaus oft vor, dass seine Gruppe Leuten helfen müsse, die sich auf diese Weise selbst in Schwierigkeiten gebracht hätten. Die Touristen seien über die Hrafnseyrarheiði und bis zum Wasserfall Dynjandi gekommen, aber nicht über die Dynjandisheiði. Als sie umdrehten, um den gleichen Weg zurückzufahren, habe eine Schneelawine den Weg über die Hrafseyrarheiði versperrt.

Vor drei Wochen war die Hrafnseyrarheiði für Angestellte des Dýrafjarðar-Tunnels geräumt worden. Guðmundur Björgvinssn, Projektleiter beim Strassenamt in Ísafjörður, sagte, die Strasse sei einige Zeit danach noch befahrbar gewesen, weil das Wetter gut gewesen sei, und dann hätten die Tunnelleute nur hier und da etwas geräumt. Deshalb seien die Touristen gestern überhaupt so weit gekommen.

Die Retter fuhren den Touristen entgegen und führten sie über die Lawinenmassen. Das Mietfahrzeug wurden zurückgelassen.

Trotz des milden Winters können Wetterbedingungen in der Region gefährlich werden. Das war ein echtes Gefahrengebiet, weil die Lawine abging, während wir auf sie warteten.”

Die Strassenverwaltung überlegt nun, ob die beiden Strassenabschnitte ab Donnerstag wieder geöffnet werden können.