Dutzende sassen auf dem Hellisheiði-Pass fest

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Eine Massenkarambolage auf der Hellisheiði hat am Abend für chaotische Zustände gesorgt. Zwei Fahrzeuge waren auf dem Bergpass zusammengestossen, aus beiden Autos gab es insgesamt vier Verletzte, die ins Krankenhaus gebracht werden mussten. Im Umfeld des Unfalls kamen zahlreiche Autos bei Schnee und Glatteis von der Strasse ab und sassen in den Leitplanken fest. Ein Bus mit 60 Insassen rutschte ebenfalls von der Strasse und blockierte den Verkehr.

Rettungsmannschaften aus dem gesamten Südland waren im Einsatz, über 100 Personen mussten aus dem Schneesturm in die Ortschaften gebracht werden.
Hellisheiði und Þrengsli waren gesperrt worden, dennoch hatten die Fahrzeuge sich auf den Strassenabschnitten befunden.
Für den gesamten Süden, Südosten und Südwesten hatte für heute eine gelbe Wetterwarnung bestanden, von Autofahrten war abgeraten worden.

 

Islands Kraftwerke als Tourismusmagnete

CarbFix Hellisheiðarvirkjun

Ausländische Besucher, die nach Island kommen, zeigen nicht nur grosses Interese an unberührter Natur und kulturellem Leben, auch die Art und Weise, wie Island Energie produziert, weckt die Neugier vieler. Vor allem die Werksausstellungen in Wärmekraftwerken verzeichnen hohe Besucherzahlen, berichtet Fréttablaðið.
Nach Angaben von Hellisheiði-Ausstellungsleiterin Guð­munds­dóttir kommen im Durchschnitt um die 100.000 Besucher pro Jahr in die ganzjährig geöffnete Ausstellung zur Erdwärme. Um die 95 Prozent seien Ausländer, ein Grossteil stamme aus den USA. Erdwärmekraftwerke gebe es zwar auch in anderen Teilen der Welt, doch Island biete einen guten Besucherzugang.

Kraftwerke mit Ausstellungen
Das Hellisheiðikraftwerk befindet sich im Erdwärmegarten zusammen mit den Unternehmen Climeworks und Carbfix, die Kohlenstoff und Schwefel aus dem Kraftwerk saugen und ins Gestein pumpen. Ausserdem produziert VAXA Technologies auf dem Gelände Superfoodalgen.
Aber auch andere Kraftwerke bieten Besichtungsräume, wie etwa Svartengi und das Reykjanesvirkjun auf der Halbinsel Reykjanes, das Tungudalsvirkjun in Ísafjörður und das Fjarðarselsvirkjun in Seyðisfjörður. Im Jahr 2016 hatten einer Umfrage zufolge die Hälfte aller Touristen Interesse an der Besichtigung eines Kraftwerkes bekundet.
Landsvirkjun zeigt den Kraftwerksbetrieb in einer Ausstellung am Ljósafossvirkjun, 10.000 Besucher sind im vergangenen Jahr dort gewesen, 57 Prozent waren ausländische Besucher. Die Ausstellung am Kraflakraftwerk wurde von 11.000 Touristen besucht, hier waren 97 Prozent ausländischer Herkunft.

Hochlandtrip zum Kraftwerk
Nicht alle Kraftwerke sind zugänglich oder haben Ausstellungsräume, trotzdem, so die Pressesprecherin bei Landsvirkjun, Ragnheiður Sverrisdóttir, unternähmen viele Touristen die lange Fahrt ins Hochland, um das Grosskraftwerk Kárahnjúkarvirkjun und die grosse Talsperre Hálslón zu besichtigen. Um die hohe Anzahl der Gäste dort bewältigen zu können, ist Landsvirkjun eine Zusammenarbeit mit den Rangern des Vatnajökull Nationalparks eingegangen, die das Gelände überwachen und zweimal die Woche Führungen anbieten.

Im Sommer 2021 sind pro Tag etwa 90 Autos zum Kraftwerk gefahren. Da auch das Þeistareykjavirkjun im Mývatnssveit von immer mehr Touristen besucht wird, ist dort die Strasse ausgebessert worden, und man rechnet mit mehr Verkehrsaufkommen in dem Gebiet.
Kraftwerksbau zieht wegen Bau und Instandhaltung immer Strassenbau nach sich, und so kommt man auf den “Kraftwerkstrassen” auch in einem normalen PKW auf asphaltierten Strassen relativ weit ins Hochland.

 

Hellisheiði: Neue Anlage verwandelt zehnfache CO2 Menge zu Stein

CarbFix Hellisheiðarvirkjun

Eine neue Anlage in Island soll 36.000 Tonnen Kohlendioxid aus der Atmosphäre einfangen und damit die Menge der im Kraftwerk Hellisheiði eingefangene CO2-Menge verzehnfachen. Die Mammut genannte Anlage gesellt sich damit zu der seit September 2021 operierenden Orca-Anlage, die 4000 Tonnen CO2 abscheidet. Beide Anlagen sind Projekte des Schweizer Unternehmens Climeworks in Zusammenarbeit mit Carbfix und ON Power. Die Technologie ist bislang einzigartig.

Das Kraftwerk Hellisheiði ist das weltweit drittgrösste Erdwärmekraftwerk. Seit 2012 hatte das Carbfix-Projekt Kohlendioxid direkt aus den Abgasen des Kraftwerks gesaugt, in Kooperation mit Climeworks. Danach wird das Kohlendioxid in Wasser aufgelöst, in die Erde gepumpt und verwandelt sich dort zu Stein. Das klimaschädliche Gas ist damit dauerhaft aus der Atmosphäre beseitigt. Orca und Mammut holen das Gas jedoch direkt aus der Atmosphäre, was sich als Schlüsseltechnologie im Kampf gegen die Klimakatastrophe erweisen könnte.

“Heute ist ein sehr wichtiger Tag für Climeworks und für den Betrieb, denn die Bauarbeiten für unsere neuste, riesige CO2-Anlage beginnen,” sagte Jan Wurzbacher, der Mitbegründer und Mitgeschäftsführer von Climeworks.
Der jüngste Bericht des IPCC zeigt, dass neben erheblichen Emissionsminderungen die Abscheidung und Speicherung von CO2 aus der Atmosphäre eine notwendiger Bestandteil der meisten Szenarien ist, die die globale Erwärmung bis zum Jahr 2100 auf 1,5 Grad begrenzen. In dem Bericht heisst es, um dieses Ziel zu erreichen, müssten dann bis zu 310 Gigatonnen CO2 aus der Atmosphäre beseitigt werden.

„Um unsere Klimaziele zu erreichen, ist neben einer schnellen Emissionsreduzierung auch die Entfernung von CO2 in großem Stil von entscheidender Bedeutung, und unsere Mineralisierungstechnologie bietet den sichersten und dauerhaftesten Speichermechanismus für die Abscheidung von CO2,“ erklärte Carbfix-Geschäftsführerin Edda Sif Pind Aradóttir.
Climeworks betreibt derzeit Pilotprojekte auf der ganzen Welt, um geeignete Orte zu finden, wo sich die neue CO2-Technologie anwenden lässt.