Islands erstes Hanfkalkhaus fertiggestellt

Hemp / Hempcrete building in South Iceland

Islands erstes Hanfkalkhaus ist im November fertiggestellt worden. Das von japanischen Teehäusern inspirierte Projekt nutzt regionale Materialien und legt Wert auf natürliche, ökofreundliche Bautechniken. Dazu zählt auch die Verwendung von Seetang. Das aus Hanfkalk hergestellte Haus stammt aus der Designschmiede von Anna Karlsdóttir und Jan Dobrowolski von Lúdika Architects – und erblickte im Jahr 2020 im südisländischen Grímsnes das Licht der Bauwelt.

“Die Idee kam uns, als wir im Herbst 2020 von London nach Island zogen. Als wir hörten, dass der Import und der Anbau von Industriehanf in dem Jahr legalisiert worden war, sahen wir darin eine grossartige Gelegenheit – nicht nur für die Baubranche sondern auch für die Landwirtschaft und andere Innovationen,” erzählte Anna Iceland Review.
Das Projekt erhielt Stipendien vom Design Fund, dem Fonds für technologische Entwicklung und Klima, Rannís, dem Askur Fonds, dem Unternehmerfonds der Íslandsbanki und Svanni, einem Entwicklungsfonds speziell für Frauen.

CO2-Wunder Hanf
Anna zufolge schätzt man, dass die globale Bauindustrie für rund 40% des gesamten CO2-Ausstosses weltweit verantwortlich zeichnet. Hier komme der Hanf ins Spiel, sagt sie. Industriehanf sequestert nämlich jährlich neun bis 15 Tonnen CO2 pro Hektar, das ist doppelt soviel wie Bäume schaffen. Ausserdem kann Hanf während der Trocknungsphase CO2 aus der Atmosphäre einfangen, damit ist er ein CO2 negatives Baumaterial.
Hanfkalk kann man relativ einfach herstellen. Man benötigt die Hanfschäben, Kalk und Wasser. Die Mischung ist toxinfrei und isoliert, sie widersteht Schimmel und Feuer, hat eine gute Geräuschdämmung und kann am Ende zermahlen und als Dünger genutzt werden.

Wandergesellen legten Hand an
Inspiriert wurden die beiden Erbauer von japanischen Teehäusern, die aus natürlichen Materialien handwerklich hergestellt werden und oft sehr klein sind.
Der Prototyp des isländischen Hanfhauses misst nur 15 Quadratmeter und besteht zum grossen Teil aus regional verfügbarem Material. Mit am Bau geholfen haben den Sommer über deutsche Wandergesellen auf der Walz. “Das waren fähige Handwerker, und wir führten viele Gespräche über die Baubranche hier und in Europa, über verschiedene Lösungen und was die Zukunft wohl bringen wird. Das war eine bereichernde Zusammenarbeit,” erinnert sich Jan.

Im kommenden Jahr sollen dann Messinstrumente in das Haus integriert werden, die aufzeichnen, wie sich das Material verhält und wie der Hanfkalk dem isländischen Wetter widersteht.

Gesündestes Haus der Gegenwart
“Wir haben volles Vertrauen in Hanfkalk als Baumaterial in Island, das ist eine Lösung mit Potential. Unsere Vision ist eine umweltfreundlichere Bauindustrie und gesündere Häuser. Hanfkalkbauten gelten als gesündeste Häuser, die man zur Zeit bauen kann, weil die Mauern aus natürlichen Materialien bestehen, die atmen. In Innenraum halten sie eine gute Temperatur und einen guten Feuchtigkeitsgrad,” erklärt Jan.
Der zweite innovative Baustoff ist der Seetang, den die beiden Designer für die Fenster nutzten. In Zusammenarbeit mit Alberte Bojesen wurden Fensterrahmen gebaut und mit Scheiben aus Seetang gefüllt.
“Seetang ist in gewisser Weise der Hanf des Ozeans, denn er absorbiert einen beträchtlichen Anteil an CO2 aus der Atmosphäre und wächst ähnlich schnell wie Hanf. Es gibt genug davon an Islands Küsten, daher freuen wir uns darauf, das als Baumaterial zu benutzen,” sagt Anna.

 

Polizei durchsucht experimentellen Anbau von Nutzhanf

Gestern sind drei Polizisten in einem in Ostisland registrierten Polizeifahrzeug nach Gautavík im Berufjörður gefahren. Sie hatten sich auf den Weg gemacht, um für die isländische Arzneimittelbehörde herauszufinden, ob auf dem Hof illegale Pflanzen gezogen werden, berichtet das Bændablaðið.

Wie die Bewohner von Gautavík erzählen, hätten die Polizisten das Gelände erkundet, sie waren dabei sowohl draussen als auch in den Gebäuden, und zwar mit Erlaubnis des Bauern, weil sie keinen richterlichen Durchsuchungsbefehl vorweisen konnten.

Es wurden Fotos vom Umfang des Nutzhanfanbaus vor Ort aufgenommen, von Erzeugnissen und Papieren, wie etwa die schriftliche Erlaubnis der Lebensmittelüberwachungsbehörde MAST zum Import von Saatgut, ausserdem wurden Proben genommen.

Die Bauern wurden nicht verhört, da sie das Recht haben, erst mit ihrem Anwalt zu sprechen, bevor sie polizeilich verhört werden.

Im vergangenen Sommer hatten die Bauern auf Gautavík auf einem Hektar Land mit einem Versuchsanbau von Nutzhanf begonnen. Sie wollten damit auf die Verwendbarkeit des Rohstoffs aufmerksam machen, geplant war, Hanfplatten für den Zuschnitt von Modellbausätzen herzustellen. Bisher wird dafür Hartpappe verwendet. Die Hanfplatten wären nachhaltiger in der Produktion. Der Hanfanbau verlief trotz des nassen Sommers recht erfolgreich.

Die Samen waren im vergangenen Frühjahr mit Erlaubnis der Lebensmittelüberwachungsbehörde offiziell importiert worden. Sie hatten eine MAST-Nummer erhalten, nachdem das Zertifikat des Samenherstellers eingegangen war, dass das Saatgut desinfiziert sei und weniger als 0,2 Prozent THC enthalte. Dieses Zertifikat müssen alle Importeure von ausländischem Saatgut ausfüllen. Das Saatgut für Gautavík war auch vom isländischen Zoll ordnungsgemäss abgefertigt worden.

Oddný Anna Björnsdóttir, die Landwirtin auf Gautavík, sagte dem Bændablaðið, dass im Parlament kürzlich ein Gesetz debattiert worden sei, nach dem sämtliche Kannabispflanzen als Rauschgift klassifiziert sind, ganz gleich, welche Menge THC sie enthalten.

In der Debatte ging es darum, dass man genau das ändern müsse, weil es vermutlich auf einem Missverständnis beruhe, und dass es nicht Ziel des Gesetzgebers sei, den Gebrauch von Nutzhanf zu verbieten, sondern nur die Kannabispflanzen, die mehr als nur Spuren von THC enthalten.”

Nutzhanf, so erklärt die Landwirtin, wird inzwischen in grossem Stil in Europa, den USA und Kanada angebaut und gilt als umweltfreundlichste Pflanze der Welt. Aus Hanf kann man nicht nur Lebensmittel und Tierfutter, sondern auch Textilien, Papier, Platten, Fussbodenbelag, Beton, Fahrzeugteile, umweltfreundliches Plastik und vieles mehr herstellen. Die beiden Konzerne Lego und Levi seien derzeit dabei, ihre Produktion von Plastik und Baumwolle auf Hanf umzustellen.

MAST habe, so Oddný, nach der Parlamentsdebatte alle Anfragen zur Einfuhr von Hanfsamen an die Arzneimittelbehörde geschickt, die obige Absage erteilte: Hanf in jeglicher Form und egal mit welchem THC-Gehalt ist in Island verboten.

Im Jahr 2012 hatte das noch anders ausgesehen. Damals hatte die Behörde zunächst die Einfuhr von Lebensmitteln, die aus Hanfsamen hergestellt sind, verboten, weil sie der Ansicht war, dass diese berauschend und suchtauslösend wirken.

Dann jedoch änderte die Behörde ihre Ansicht, als sich herausstellte, dass die Erzeugnisse aus Nutzhanf hergestellt waren, der weder Rauch noch Sucht auslöst, ausserdem waren diese Erzeugnisse innerhalb der EU anerkannt und wurden dort als Gesundheitsprodukte vermarktet.” sagt Oddný. “Zusätzlich gestattete die Umweltbehörde die Einfuhr von Hygiene- und Kosmetikartikeln, die aus den Samen des Nutzhanfs hergestellt worden waren.”

Seit der Zeit hatten die Bauern auf Gautavík die Erlaubnis von MAST, Hanfsaatgut einzuführen, unter der Voraussetzung, dass dieses Saatgut weniger als 0,2 Prozent THC enthalte, genau wie es im Reglement der EU vermerkt ist. MAST war an den Hanfversuchen im Jahr 2008 und 2013 beteiligt bzw habe davon gewusst. Beide Zuchtversuche hatten mit schriftlicher Erlaubnis der Arzneimittelbehörde stattgefunden.

Die Hanfbäuerin fragt sich, ob die Polizei nun nicht auch die Lebensmittelgeschäfte besuchen müsse, die Öle und Samen aus Hanf im Rega stehen haben, und auch Apotheken und Reformhäuser und all die Läden, wo Hygieneartikel und Kosmetika und Kleidung, und Einkaufstaschen und Seile und Segeltuch aus Hanffasern verkauft würden.

Die Ministerin für Tourismus, Industrie und Innovation, Þórdís Kolbrún Reykfjörd Gylfadóttir wolle, so sagt Oddný, sich der Sache nun annehmen und alle beteiligten Parteien an einen Tisch holen, um Hindernisse in der Gesetzgebung aus dem Weg zu räumen, die Erzeugern und Konsumenten das Leben derzeit schwermachten.

Ein Anwalt habe Oddný beruhigt, sie müsse keine Klage fürchten, weil sie ja die Importerlaubnis von MAST habe, und damit ganz normal habe erwarten können, dass die Einfuhr der Samen legal gewesen sei.

Wir schlafen nun etwas ruhiger, aber wir halten es für wichtig, dass diese Änderungen so schnell wie möglich durchgeführt werden, damit all die Leute, die am Hanfanbau Interesse gezeigt haben, gleich nächsten Sommer, oder im Gewächshaus schon früher loslegen können.”

 

Anbau von industriellem Hanf soll geprüft werden

Alþingi Icelandic parliament

Die isländische Ministerin für Tourismus, Industrie und Innovation, Þórdís Kolbrún R. Gylfadóttir, ist bereit, die Möglichkeiten für eine Gesetzesänderung zu prüfen, um den Anbau von Hanf für industrielle Nutzung in Island zu gestatten, berichtet RÚV.

Halldóra Mogensen, die für die Piratenpartei im Parlament sitzt, hatte die Diskussion angestossen und darauf hingewiesen, dass die Drogengesetze in Island an Hanfprodukten interessierten Unternehmen und Einzelpersonen das Leben schwer machten. Sie betonte, dass sie sich hier nicht auf Hanf im Sinne von Cannabis oder anderen Produkten, die hohe Mengen an der psychoaktiven Droge THC entahlten, beziehe, sondern von industriellem Hanf spreche, welcher nicht psychoaktiv sei, für medizinische Zwecke, aber auch Kleidung und vieles andere genutzt werden könne.

Halldóra zufolge sieht das isländische Gesetz Hanf in einer Grauzone, daher sei die Zusammenarbeit mehrerer Ministerien gefragt, um die Lage zu klären.

In ihrer Antwort auf Halldóras Frage sagte Þórdís, sie sei bereit, sich das anzuschauen, wenn sich Produktionsmöglichkeiten böten. Hanf ohne THC stehe durchaus zur Debatte, sollte dies Wertschöpfung und Arbeitsplätze schaffen. Die Vorurteile, die für die Droge bestünden, sollten kein Hinderungsgrund dafür sein, andere Hanfsorten zu nutzen, befand die Ministerin.

Der experimentelle Hanfbau ist bereits im Gange. In Gautavík baut Pálmi Einarsson industriellen Hanf an, der Landwirt gehörte zu den Referenten auf einer Konferenz Anfang Oktober, die den Namen Hemp for the future trug, wo die vielen Nutzungsarten für industriellen Hanf und seine mögliche Rolle für Islands Zukunft diskutiert wurden. Dies war die erste Konferenz ihrer Art in Island.