Islands Surfer wollen die Wellen von Þorlákshöfn retten

Surfer by Snæfellsnes, West Iceland

Die isländische Surfergemeinschaft hat eine Petition gestartet, um eine Hafenerweiterung zu verhindern, die die beliebtesten und so gut wie immer vorhandenen Surferwellen des Land zerstören würde. Im südisländischen Þorlákshöfn, wo der Hafen ausgebaut werden soll, gibt es Wellen, die den Ort für Surfer aus aller Welt zu einem Traumziel gemacht haben.
Auch von anderer Seite war Kritik aufgekommen, denn der Hafen dient natürlich einem Zweck: ein umweltpolitisch äusserst umstrittenes Sandexportvorhaben würden den Hafen für die Verladung aufs Schiff nutzen. Erst im Juni hatte ein Umweltgutachten festgestellt, dass das Sandprojekt “sehr negative” Auswirkungen auf die Umwelt haben werde, und es gab Ideen für eine Hafenanlage in der Nähe von Mýrdalur, um den Transportweg quer durch den Süden zu verkürzen. In Þorlákshöfn arbeitet man indes weiter an dem Ausbauvorhaben.

Steinarr Lár Steinarsson, der Vorsitzende der isländischen Surfervereinigung (Brimbréttarfélag Íslands) sagte gegenüber The Inertia, seine Vereinigung arbeite zusammen mit dem Hafendesigner Simon Brandi Mortensen und der australischen DHI Group an Alternativvorschlägen für den Hafen, die die Wellen nicht beeinflussen würden. Falls das nicht funktionieren, werde man rechtliche Schritte gegen den Hafenbau einleiten.

Doch erst mal ist die Petition in hoffnungsvollen Worten gehalten. “Wir glauben, dass Lösungen gefunden werden können, um alle Parteien zufriedenzustellen und zu gewährleisten dass dieser einzigartige Ort erhalten bleibt,” heisst es in der Petition.

In Keflavík stationierte amerikanische Soldaten waren die ersten, die in Island gesurft sind, vor ihrem Stützpunkt auf der Halbinsel Reykjanes. Sie entdeckten auch die besten Surfplätze im Land. Bei den Einheimischen stiess der Sport jedoch auf wenig Interesse. Vor zehn Jahren gab es zwischen 20 und 30 Surfer im Land, die regelmässig aufs Brett stiegen, doch in den letzten Jahren ist die Gemeinschaft auf mehrere hundert Wellenreiter angewachsen.

Fast 14.000 Kreuzfahrtgäste an einem Tag in Ísafjörður

Am 7. Juli diesen Jahres erwartet das Städtchen Ísafjörður in den Westfjorden 13.700 Kreuzfahrttouristen am gleichen Tag. Bürgermeisterin Arna Lára Jónsdóttir wiegelt ab, natürlich sei dies eine Belastung für die Infrastruktur der Stadt, aber die 13.000 Leute hielten sich ja nicht alle zur gleichen Zeit in der Stadt auf, berichtet Fréttablaðið.

Bei der letzten Stadtratsversammlung war ein Sitzungsprotokoll der Hafenverwaltung vorgelegt worden, welches die Möglichkeit einer Höchstzahlbegrenzung für Passagiere aus Kreuzfahrtschiffen an einem Tag erörtert. Am 7. Juli diesen Jahres werden im Hafen die Schiffe Star Legend, Norwegian Prima, Azamara Journey, Zuiderdam und das riesige Kreuzfahrtschiff MSC Grandiosa im Hafen erwartet. Neben den insgesamt 13.643 Passagieren befinden sich auch 4500 Besatzungsmitglieder an Bord der Schiffe.

“Wir können nicht über die Belastungsgrenze der Einwohner gehen. Es muss verhindert werden, dass die Leute überfordert sind, und man muss einen Gleichgewichtspunkt finden. Auch wenn wir sehr gastfreundlich sind und gerne Leute in der Stadt haben,” sagte Arna. Der Hafenbetrieb benötige ebenfalls Spielraum.
“Die Gefahr besteht, dass da viel zu viele Leute sind, aber man darf auch nicht vergessen dass die meisten der Fahrgäste gut verteilt werden. Da finden den ganzen Tag über zweiteilige Touren statt, vor und nach Mittag, und die Leute werden überall hingefahren,” erklärt Arna.

Kreuzfahrt: Islands Häfen werden immer beliebter

cruise ship Akureyri

Im kommenden Jahr wird eine Rekordzahl an Kreuzfahrtschiffen in Island erwartet, berichtet das Fréttablaðið. An einigen Tagen sind die drei grössten Häfen des Landes bereits ausgebucht. Für die Häfen Reykjavík, Ísafjörður und Akureyri erwartet man einen Zuwachs von bis zu 60 Prozent.
In diesem Jahr hatten 478 Kreuzfahrtschiffe in diesen drei Häfen angelegt. Bis Ende November haben 763 Schiffe für das kommende Jahr einen Ankerplatz gebucht, und die Buchungen gehen weiter.
“Bei uns ist an einigen Tagen bereits ausgebucht,” gibt Hafendirektor Gunnar Tryggva­son vom Hafen Faxaflói an. Einige Schiffe müssten möglicherweise im Aussenhafen vor Anker gehen.
In diesem Jahr hätten 180 Schiffe im Alten Hafen und in Skarfabakki angelegt, für 2023 seien 270 Schiffe gebucht. Die Einnahmen hätten sich in diesem Jahr auf 700 Mio ISK belaufen, für das kommende Jahr rechne man mit mehr als einer Milliarde ISK.

Kreuzfahrt im Norden kommt in Mode
Die steigende Beliebtheit isländischer Häfen habe mehrere Gründe, so Gunnar. “Der grosse Markt im karibischen Meer ist schon lange gesättigt, der Ukrainekrieg hat den Diamanten der Ostseekreuzfahrt – Sankt Petersburg in Russland – versperrt, und dann entdecken neue wie weitgereiste Generationen den Zauber des Nordens.”

Pétur Ólafsson, der Hafendirektor der nordisländischen Häfen sieht zudem einen Rückgang der Kreuzfahrten in Asien, wovon Schiffsrouten im Norden profitierten. Auch er sieht keinen Grund zur Klage. “Wir gehen von 180 Schiffen in diesem Jahr auf mindestens 280.”
Hier gilt das Wachstum auch den kleinen Häfen auf den Inseln Hrísey und Grímsey. Allein für Hrísey haben 60 kleinere Schiffe für das kommende Jahr einen Ankerplatz gebucht. Auch im Norden rechnet man mit Einnahmen von mehr als einer Milliarde ISK.

Für die Westfjorde erinnert sich der scheidende Hafenmeister Guð­mundur Magnús Kristjáns­son sich an keinen derartigen Schiffsverkehr. Man verdoppele gerade die Anlegeplätze, denn im kommenden Jahr werden 213 Schiffe erwartet (118 in diesem Jahr) und die Einnahmen des Hafens dürften ebenfalls ordentlich steigen.

 

Þorlákshöfn wächst dank seines Frachthafens

Dank seines Hafens hat sich der Ort Þorlákshöfn im Süden Islands zu einer Art boomtown entwickelt, und der Bürgermeister sieht für die kommenden 15 Jahre ein Bevölkerungswachstum von auf bis zu 10.000 Einwohner, berichtet Vísir. Dabei spielt der Frachthafen eine entscheidende Rolle.

Vor etwa fünf Jahren hatte die färöische Reederei Smyril Line damit begonnen, den Hafen einmal pro Woche von Rotterdam aus anzulaufen, inzwischen kommen drei Frachtschiffe pro Woche. Dabei ist der Standort attraktiver als der Hafen von Reykjavík, denn der Seeweg um die Halbinsel Reykjanes herum kostet hin und zurück 24 Stunden. Nach Þorlákshöfn sind die Schiffe von Europa aus zweieinhalb Tage unterwegs, erklärt Hákon Hjartarson, Bereichsleiter bei Smyril Line.
Um den steigenden Schiffsverkehr bedienen zu können, werden derzeit die Hafenanlage vergrössert und das Hafenbecken vertieft, ausserdem entstehen neue Kais. Statt den bisher 130 Meter langen Schiffen soll sich der neue Hafen dann für 200 Meter lange Schiffe eignen. Die Umbaukosten belaufen sich auf vier bis fünf Mrd ISK.

Exporthafen für Vulkansand
Für Hafenleiter Benjamín Ómar Þorvaldsson hat Þorlákshöfn definitiv Potential. “Hier gibt es genug Platz, und wir können in alle Richtungen wachsen.” meint er.
Das sehen auch ausländische Konzerne so, die den Ort nutzen wollen, um in grossem Stil Sand in Island abzubauen und nach Europa zu verschiffen. Die deutsche Heidelberg Cement will einen ganzen Berg auf dem Þrengsli-Plateau abbaggern und über Þorlákshöfn exportieren, und die (ebenfalls deutsche) STEAG Power Minerals plant Sandtransporte vom Mýrdalssandur nach Þorlákshöfn. Nicht nur der zu erwartende Schwerlastverkehr quer durchs Südland, auch die mit dem Sandexport entstehende Industrieanlage zwischen Hafen und Wohngebiet ist manchen Einwohnern schon jetzt ein Dorn im Auge. Führende Lokalpolitiker der Unabhängigkeitspartei sprachen sich dafür aus, die Einwohner über die geplante Industrie abstimmen zu lassen.

Wohnraum für Zuzügler
Überall in der Stadt wird emsig gebaut, nicht nur für die Fischzuchtindustrie auf dem Land, auch hunderte von Wohnungen befinden sich im Bau. Inzwischen leben um die 2000 Einwohner in der Hafenstadt, und pro Jahr kommen sechs bis neun Prozent hinzu.
Immer mehr junge Familien mit Kindern ziehen in die Stadt im Süden der Insel, sagt Bürgermeister Elliði Vignisson. “Und wenn die Bevölkerung so schnell wächst, wie das hier passiert, dann muss man am Ball sein, um Bildung und Soziales gewährleisten zu können.” Unter anderem wird zur Zeit ein neuer Kindergarten gebaut, und die Grundschule soll vergrössert werden. In fünf Jahren sieht der Bürgermeister 3500 Einwohner in Þorlákshöfn. Und in 10 bis 15 Jahren dürfte die Bevölkerung auf sieben bis 10.000 Einwohner angewachsen sein.

Reykjavíker Hafen stellt auf Strom für Schiffe um

Im Reykjavíker Faxaflói-Hafen ist die Energiewende bereits voll im Gange, denn dort plant man die Bereitstellung von Strom sowohl für anlegende Schiffe während ihres Aufenthaltes, als auch für Schiffe, die Strom auf hoher See nutzen. Nach Angaben von Hafenmeister Gunnar Tryggvasson steht seine Direktion mit drei ausländischen Unternehmen in Verhandlungen für den Bau einer Elektrotreibstofffabrik in Grundartangi, welcher in der Schifffahrt zum Einsatz kommen soll.

Auch stärkere Stromanschlüsse in den Häfen werden erwogen. Im kommenden Monat gehe der grösste Anschluss im Hafenbereich Sundabakki ans Netz, der für das grösste Containerschiff des Landes gedacht sei. Der Landanschluss für kleinere Kreuzfahrtschiffe soll dann im kommenden Sommer im alten Hafen in Betrieb genommen werden.
„Danach prüfen wir Anschlüsse für die grössten Schiffe, aber da sprechen wir von Investitionen in einer Grössenordnung von einer Milliarde Kronen samt ausgedehnter Bauarbeiten. Da muss der Strom zum Hafen gebracht werden. Das sind riesige Schiffe, und da steht dann quasi ein ganzes Dorf an der Kaimauer, was fünf bis zehn Megawatt an Strom benötigt.“

Und noch mehr sei in Vorbereitung. Unter anderem will man die Gebührenliste für ankommnde Schiffe ändern, sodass umweltfreundliche Schiffe weniger zahlen als schwarze Schlote.
Angedacht sei auch, den Hauptkai in Akranes zu verlängern, damit kleinere Kreuzfahrtschiffe die Stadt in Westisland als attraktives Ziel nutzten, denn das würde auch die Belastung durch die vielen Kreuzfahrtschiffe während der Saison besser verteilen.

Papageitaucher: alljährliche Rettungssaison im vollen Gange

Puffin rescue Westman Islands

Die Kükensaison der Papageitaucher ist in vollem Gange auf den Westmännerinseln. Dort arbeiten derzeit Jung und Alt daran, verirrten Jungvögeln den Weg ins Meer zu zeigen, berichtet RÚV. Mit Ende des Sommers machen sich die Jungvögel auf den Weg ans Wasser, doch viele werden durch die Lichter der Stadt abgelenkt und glauben, sie hätten reflektierende Sterne im Meer vor sich.

Eine Heerschar von Freiwilligen hat in diesem Jahr 50 Prozent mehr Jungvögel gerettet als noch im Vorjahr. Der Leiter des isländischen Instituts für Naturkunde, Erpur Snær Hansen, bezifferte die geretteten Vögel auf 2131 Exemplare.

Die Papageitaucherpatrouille auf den Westmännerinseln, hier gibt es Fotos auf Facebook, wird seit vielen Jahren durchgeführt. Die Freiwilligen machen sich nachts auf den Weg, die verirrten und desorientierten Vögel von den Strassen zu holen, packen sie in Kartons und tragen sie zum Meer. Nach den letzten mageren Aufzuchtjahren sind in diesem Jahr wieder viel mehr Jungvögel unterwegs.

Ich schätze es sind etwa 50 Prozent mehr Vögel, was etwa 10.000 Exemplare macht, und das ist etwa die gleiche Zahl wie vor der Jahrhundertwende,” sagte Erpur.

In diesem Jahr sind die bunten Jungvögel jedoch leichter und magerer als in den Vorjahren, was Erpur auf ihre Nahrungsgrundlage zurückführt. Der Sandaal, der den Hauptbestandteil des Futters ausmacht, ist dieses Jahr spät in isländische Gewässer gekommen, und die Küken haben stattdessen Krill zu fressen bekommen.

Das ist ziemlich nährstoffreich. Da ist wenig Fett drin und das bedeutet, dass sich das Wachstum der Küken verzögert hat. Man könnte sagen, dass die auf Diät gewesen sind.”

Nicht immer kann man desorientierte Jungvögel retten, die sich auf den Weg zum Meer machen und stattdessen in Downtown Heimaey in Öllachen landen. Für Erpur ist die Ölverunreinigung im Hafen besorgniserregend.

Das bleibt lange dort, und der Hafen ist lang und schmal, wenn da irgendwas reinkommt, dann bleibt das da für lange Zeit. Die Lage ist nicht gut und ich denke, da muss was unternommen werden.”

Freiwillige Helfer beim Naturkundeinstitut kümmern sich um die Reinigung der ölverschmierten Vögel.

Erpur ist dennoch mit der Brutsaison zufrieden. “Das sieht nach einem guten Jahr aus, zum ersten Mal nach zehn Jahren,” sagte er Iceland Review gegenüber.