Kooperationsabkommen zwischen Island und Grönland unterzeichnet

Ein neues Kooperationsabkommen zwischen Island und Grönland ist im Rahmen der Konferenz des Arktischer Rates gestern im Safnahúsið in Reykjavík unterzeichnet worden. Premierministerin Katrín Jakobsdóttir hielt aus dem Anlass eine Rede unter anderem in dänischer und grönländischer Sprache, bevor sie und der grönländische Spitzenpolitiker Múte Bourup Egede das Abkommen unterzeichneten, berichtet Fréttablaðið.

“Es ist ein bemerkenswerter Schritt in der Zusammenarbeit zwischen Island und Grönland, diese vertraglich festzulegen. Da geht es um mehrere Bereiche, wo bestimmte Ziele erreicht werden sollen,” sagte die Premierministerin. “In dem Abkommen wird die Zusammenarbeit in Forschung, Hochschulbetrieb, Kultur und Gleichstellung der Geschlechter festgeschrieben. Dann wollen wir auch den Grundstein legen für ein Freihandelsabkommen zwischen Island und Grönland.” Bislang habe es zwischen den beiden Ländern kaum eine nennenswerte Zusammenarbeit gegeben.
“Wir haben bei isländischen Unternehmen grosses Interesse bemerkt, ihren Betrieb auf Grönland auszuweiten, ich denke, da liegen viele Möglichkeiten.” sagte Katrín.

Historischer Tag für Island und Grönland
Múte Bourup Egede, der Vorsitzende der grönländischen Bezirksregierung, bekräftigte, dass es sich um einen historischen Tag in Bezug auf Kooperation und Freundschaft beider Länder handle. “In Zeiten wie diesen, wo in Europa Krieg herrscht, da glaube ich, dass es wichtig, dass Länder, die Demokratie und Freiheit zu ihren Werten zählen, auf diplomatischem Weg mit einem Abkommen wie diesem zusammenarbeiten. So stärken wir unsere Gesellschaften,” sagte Múte.

Die Idee zu der Zusammenarbeit stammte Katrín zufolge von ihrem grönländischem Amtskollegen, der sie vorgeschlagen hatte, als die isländische Politikerin im Frühjahr als erster Premierminister seit 25 Jahren das Nachbarland besuchte. Nun sei er nach Island gekommen, um die Idee in die Tat umzusetzen, das zuvor ausgearbeitete Abkommen zu besiegeln, und nebenbei die Konferenz des Arktischen Rates zu eröffnen.

Múte war schon gestern nach Island gereist. Am bemerkenswertesten bezeichnete er das Wetter auf der Insel. “Ich denke, normalerweise erlebt ihr Sonne und Regen am gleichen Tag. Ich freue mich schon darauf, wenn es am Nachmittag zu regnen beginnt.” sagte der Grönländer. In Grönland regnet es im Vergleich zu Island nur sehr wenig und das Wetter ist eher beständig. Der isländische Regen ist daher für den Gr0nländer ein regelrechtes Sightseeing-Erlebnis.

Erster Staatsbesuch in Grönland seit 24 Jahren

Premierministerin Katrín Jakobsdóttir ist in dieser Woche zum ersten Staatsbesuch in Grönland seit 1998 gewesen. In Nuuk traf sie mit ihrem grönländischen Amtskollegen Múte B. Egede zusammen.
Katrín und Múte besprachen Möglichkeiten für eine vermehrte Zusammenarbeit zwischen den beiden Staaten. Vor allem widmete man sich einem möglichen Freihandelsabkommen, der Fischerei und dem Tourismus, sowie Ausbildung, Forschung, Gleichberechtigung, Energiefragen und der Klimakrise. Ein weiteres Treffen für die Jahresmitte ist bereits in Vorbereitung, wo die begonnene Arbeit dann fortgesetzt werden soll.

Bei ihrem Besuch traf Katrín auch mit dem grönländischen Finanzminister Naaju Nathanielsen zusammen, um den wirtschaftlichen Stand beider Länder zu diskutieren. Ausserdem besuchte Islands Premierministerin das grönländische Parlament, das Nationalmuseum, die Universität in Nuuk und traf grönländische Frauen aus Politik, Wirtschaft, Kultur und der Universität, um die Herausforderungen und Möglichkeiten zu besprechen,, mit denen sie konfrontiert sind, sowie Parallelen zwischen beiden Ländern.

 

Grönland stoppt COVID-bedingt Passagierverkehr nach Island

Die grönländischen Behörden haben den Passagierflugverkehr von und nach Grönland für alle Länder ausser für Dänemark gesperrt, berichtet RÚV. Die isländische Fluglinie Air Iceland Connect hatte am vergangenen Freitag noch einen Flug nach Nuuk bedient, doch nun gibt es erst mal von Island aus keine Grönlandflüge mehr, bis der Luftverkehr in das arktische Land wieder gestattet ist.
Frachtflüge und Notflüge könnten möglicherweise auch weiterhin erlaubt sein.
Zuletzt hatten die Fluggesellschaften Air Greenland und Air Iceland Connect den Passagierverkehr nach Grönland bedient. Air Greenland hatte die Verbindung nach Dänemark aufrecht erhalten, Air Iceland Connect war zwischen Island und Grönlands Hauptstadt Nuuk verkehrt.

Hoffen auf Ausnahmegenehmigung für Frachtverkehr
Wie Ásdís Ýr Pétursdóttir, die Pressesprecherin von Icelandair, sagte, seien die Flugangebote von und nach Nuuk sehr unterschiedlich stark genutzt worden. Manche Flüge seien fast leer gewesen, andere relativ gut ausgelastet.

Air Iceland Connect hatte auch eine grosse Anzahl von Frachtflügen zwischen den beiden Ländern übernommen, und Ásdís Ýr gab an, man prüfe derzeit die Möglichkeit von Ausnahmegenehmigungen für den Frachtverkehr. Ansonsten stehe das Unternehmen in den Startlöchern, sobald die Sperrung des Flugverkehrs wieder aufgehoben wird.

“Es geht darum, dass wir uns absichern wollen, so wie es gegen die weltweit wachsende Coronapandemie und die Ansteckungsgefahr von Island aus gemacht wird. Das ist nicht speziell gegen Island gerichtet,” erklärte Nels Ulrik Winther, der grönländische Seuchenschutzbeauftragte im Interview mit Grönlands Radiosender KNR. Seine Behörden wollten dass alle, die in das Land reisen, über einen einzigen Flughafen kommen, damit sichergestellt wird, dass die Angelegenheit auf ein und dieselbe Weise behandelt wird. Dieser Flughafen sei Kastrup in Kopenhagen.
Nach Angaben des grönländischen Radios haben sich seit Ausbruch der Pandemie 17 Personen mit COVID-19 angesteckt. Zur Zeit ist niemand in Grönland positiv.

Keflavík ist Zwischenlandeplatz für Luftbrücke nach Grönland

Die vielleicht ungewöhnlichste Flugroute, die in diesen Tagen noch offengehalten wird, ist wohl die Luftbrücke, die die grönländische Regierung eingerichtet hat, um COVID-19 Proben aus Grönland zur Untersuchung nach Dänemark zu fliegen, berichtet Vísir. Zwei dieser Flugzeuge von Air Greenland waren die einzigen, die heute gegen Mittag auf dem Radar zu sehen war. Beide kamen zur Zwischenlandung ins ansonsten verwaiste Leifstöð.

Dreimal pro Woche findet ein Flug zwischen Grönlands Hauptstadt Nuuk und Kopenhagen mit Zwischenlandung in Island statt, was insgesamt sechs Zwischenlandungen macht. Heute kamen zwei Flugzeuge auf einmal, weil der Freitagsflug von letzter Woche wetterbedingt ausgefallen war und am Wochenende nachgeholt wurde, was eine Verspätung für die Proben und neue Fallzahlen für die Gesundheitsbehörden nach sich zog.

Die Luftbrücke war geschaffen worden, nachdem die fahrplanmässige Flugverbindung durch einen Airbus 330 zwischen Kangerlussaq und Kopenhagen wegen der Pandemie kurzfristig ausgesetzt wurde.

Die Flüge über die Luftbrücke finden nun mit DASH 8 Q-200 Propellermaschinen statt, das sind 37-sitzige Maschinen die auch bei Air Iceland in Gebrauch sind. Diese Maschinen sind nun die einzigen, die Grönland mit der Ausenwelt verbinden.

Auf dem Rückflug von Kopenhagen dienen sie als Transportmaschinen für notwendige Güter für Grönland. Es werden keine Fahrgastplätze vergeben, im Notfall können Passagiere aber transportiert werden.
Die Q-200 Flugzeuge fliegen mit einer Geschwindigkeit von 490 km/h und sind langsamer unterwegs als Grossraumflugzeuge. Die Flugzeit zwischen Nuuk und Kopenhagen beträgt ohne die Zwischenlandung in Keflavík acht Stunden.

Thin Ice – neue Thrillerserie im isländischen TV

Im kommenden Monat beginnt im isländischen Fernsehen bei RÚV eine neue Thrillerserie mit dem Titel Thin Ice. Die Serie ist ein Kooperationsprojekt der beiden Produktionsfirmen Sagafilm und Yellowbird. Das Drehbuch stammt von Birki Blær Ingólfsson, Jónas Margeir Ingólfsson und Jóhann Ævar Grímsson, Regie führten Cecilie Mosli, Thale Persen und Guðjón Jónsson. Die Dreharbeiten wurden zum grossen Teil in Stykkishólmur durchgeführt, wobei das Städtchen auf der Halbinsel Snæfellsnes dafür in ein grönländisches Dorf verwandelt worden war.

Thin Ice war im vergangenen Jahr das grösste Kinoprojekt in Island und eins der grösseren Projekte in Skandinavien. Die Serie soll im Februar und März in allen skandinavischen Ländern gezeigt werden und danach auf Europareise gehen. TV Rechte sind bereits in eine ganze Reihe von europäischen Ländern verkauft worden.

Jónas Margeir und Birkir Blær Ingólfsson, zwei der Drehbuchautoren, hatten sich für die Arbeit einige Zeit in Grönland aufgehalten, um Land und Leute besser kennenzulernen und das Lebensgefühl in der Serie besser wiedergeben zu können.

Auch wenn die Geschichte in Grönland spielt, so wurde der Film in weiten Teilen in Island gedreht. Stykkishólmur war zu diesem Zweck in ein grönländisches Dorf verwandelt worden. Die Dreharbeiten hatten im letzten Jahr zwischen Januar und April stattgefunden. Insgesamt waren 300 Isländer an der Produktion direkt und indirekt beteiligt.

In der Serie geht es darum, dass Schweden versucht, den Arktischen Rat dazu zu bringen, die Ölprospektion im Nordmeer zu verbieten. Ein schwedisches Schiff vor der Küste Grönlands wird Schauplatz eines Terroranschlags. Die Politiker müssen entscheiden, ob sie ihre Konferenz nach dem Terroranschlag verschieben oder die Verhandlungen trotz der drohenden Gefahr weiterer Anschläge fortsetzen. Die kurzfristigen Interessen einzelner Nationen, Zukunftsinteressen aller Erdbewohner und der Klimawandel stehen auf dem Spiel.

Kidda Rokk, eine der Produzentinnen von Thin Ice, sagte, der Film sei eins der grössten Filmprojekte, das mit isländischem Einfallsreichtum produziert worden sei. Es sei kompliziert, eine solche Geschichte zu verfilmen, doch öffne die Durchführung nun Möglichkeiten für ausländische Produzenten in Island.

Die Serie ist mit Produktionskosten von 1,5 Mrd ISK auch eine der teuersten, die je in Island produziert worden ist.

Im Nachrichtenlink findet man einen Trailer zur Serie.

Rekorde für Hitze und Blitze

Nauthólsvík geothermal beach.

Die heisseste Temperatur des Sommers in Island, die erst vor zwei Tagen in Ásbyrgi im Norden der Insel mit 25,9 Grad aufgezeichnet worden war, wurde schon am folgenden Tag in den Schatten gestellt, als gestern in Hjartaland 26,9 Grad und am Geysir 26,7 Grad gemessen wurden, berichtet RÚV.

Auch wenn sie die Toptemperaturen in diesem Jahr darstellen, so kamen sie doch nicht in die Nähe des Hitzerekordes vom 22. Juni 1939, als in Ostisland 30,5 Grad gemessen wurden.

Ganz offensichtlich bekommt Island nun die Ausläufer der Hitzewelle zu spüren, die Europa fest im Griff hält. Auch in den kommenden Tagen muss mit ungewöhnlich hohen Temperaturen gerechnet werden.

Der Fotograf Ragnar Axelsson, RAX, postete heute morgen Fotos von den Gletschern in Grönland auf seiner Facebookseite. Die Hitzewelle reicht heute bis dorthin und lässt die Temperaturen auf bis zu sieben Grad auf den Gletschern steigen. Auf den Fotos sind blaue Seen im Eis zu sehen.

Die ungewöhnliche Wetterlage hat in der Nacht zu heftigen Gewittern geführt, berichtet mbl.is. In den vergangenen 24 Stunden wurden mehr als 1800 Blitze gezählt, vor allem im Südosten und Ostteil des Landes krachte es ordentlich.

In normalen Jahren, so der Gewitterexperte Þórður Arason vom isländischen Wetterdienst, kämen vielleicht um die 100 Blitze auf einmal vor, doch soviele wie in der vergangenen Nacht habe man seit Beginn der Zählungen vor etwa 20 Jahren noch nicht verzeichnet. Er machte die Wetterlage dafür verantwortlich und weist darauf hin, dass auch in den kommenden Tagen mit Gewittern zu rechnen sei. Gewitter mit Blitz und Donner kommen in Island eher selten vor.