Hassbotschaft gegen LGBTQIA vor Grafarvogskirche ist Rückschlag im Kampf um Anerkennung

Als herben Rückschlag im Kampf der LGBTQIA-Gemeinschaft um Anerkennung bezeichnet eine Genderwissenschaftlerin die Schmierereien vor der Grafarvogskirche, die in der letzten Woche und gestern erneut dort gefunden wurden.
Am 23. Juli hatte jemand das Wort Antichrist auf den in Regenbogenfarben gestrichenen Boden gesprüht. Eine schwedische Familie, die die Kirche besuchte, erklärte sich sofort bereit, die Schmierei zu übermalen.
Zwei Tage später gab es erneut eine gesprühte Botschaft an derselben Stelle, diesmal lautete sie Leviticus 20,13. In dem alttestamentarischen Text heisst es unter anderem, dass Männer, die mit Männern schlafen, getötet werden müssen.

Undenkbar für Island, dachte man
Die Dozentin für Genderwissenschaften an der Universität Íslands, Auður Magndís Auðardóttir, hat ähnliche Entwicklungen in Grossbritannen schon länger beobachtet, und weist auf bereits erfolgte Übergriffe auf homosexuelle Jugendliche in Island hin. “Das war eigentlich nur eine Frage der Zeit, wann das hier auftaucht, und vor einigen Jahren war es noch undenkbar, dass sowas in Island passiert,” meint Auður. “Aber nun sehen wir dennoch, dass da eine Art Rückschlag im Gange ist. Was uns daran erinnert, dass es im Kampf immer zwei Schritte vor und einen zurück geht.”

Auch für andere Bevölkerungsgruppen macht Auður sich Sorgen, denn zeigten die Leute wenig Geduld mit einer Randgruppe, sei es nur ein kurzer Weg dahin, einer anderen Randgruppe die Geduld zu versagen. Wie etwa den Behinderten, bei denen es zudem viele homosexuelle Menschen gebe, die nun besonders gefährdet seien, schreibt RÚV.

Machtmissbrauch durch Personen in leitender Position
In der vergangenen Woche war ein Oberstaatsanwalt mit Hetzreden gegen homosexuelle Asylbewerber und Männer generell ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. Da er damit nicht zum ersten Mal aufgefallen war, hatte der LGBTQIA-Verband Samtökin 78 angekündigt, Anzeige gegen den Juristen zu erstatten.

Auður verweist auf diesen Vorfall als gefährliches Vorbild. “Wir haben sowas bei Leuten in Machtpositionen der Gesellschaft erlebt, wie der stellvertretende Oberstaatsanwalt, einzelnen Politikern und Leuten, die Macht in der Gesellschaft besitzen. Diese Leute haben die Macht leider missbraucht und Öl ins Feuer gegossen.” Auður verlangt, dass diese Personengruppe Nabelschau betreibe und die Verantwortung übernehme, die ihre Position mit sich bringe, damit alle in Frieden miteinander leben können.

Schulen stehen in der Aufklärungspflicht
Schon in den Schulen fehle es an entsprechender Aufklärung zum Thema, damit man nicht zwei Schritte vor und einen zurück gehe. “Wir haben ja immer gedacht, Rechte der Homosexuellen, haben wir die nicht längst, hatten wir die nicht schon, als die Leute im Jahr 2010 heiraten durften? Aber so einfach ist das nicht.” Hier fehle es an Kenntnis und Verstehen, dass LGBT Sexualität marginalisiert wird und wurde. “Und das wird so lange so bleiben, bis wir diese erzwungene Dynamik verstehen, die da stattfindet. Das gilt auch für andere Gruppen der Gesellschaft.“

Gemeinde steht hinter LBGTQIA
Pastorin Guðrún Karls Helgudóttir von der betroffenen Grafarvogskirche schrieb auf der Facebookseite ihrer Kirchengemeinde: “Wir in der Grafarvogskirche möchten lieber der Botschaft Christi folgen, der uns sagte, wir sollen einander lieben. Wir glauben, dass jeder einzelne Mensch eine geliebte Kreatur Gottes ist, der sein Leben leben darf, so wie er geschaffen wurde. Die Botschaft Christi entspricht den Menschenrechtserklärungen, und wir in der Grafarvogskirche stehen hinter den Menschenrechten und kämpfen gegen Hass und Vorurteile.”

Seehund am Kai von Grafarvogur

Die Bewohner im Hafengebiet von Grafarvogur in Reykjavík haben in den vergangenen Tagen einen ungewöhnlichen Besucher am Kai bemerkt: ein Seehund, der den Hafen offenbar regelmässig besucht und sich es an der Bootsanlegestelle gemütlich macht.

Hjörtur Geir Björnsson, einer der Bewohner des Viertels, hat das Video im Nachrichtenlink mit einer Drohne aufgenommen. Dem Seehund schien weder das Gerät noch der Krach etwas auszumachen.

Seehunde sind seit Mai letzten Jahres an den Stränden und Flussmündungen in Reykjavík geschützt, nachdem der städtische Natur- und Gesundheitsausschuss dem Schutzstatuts zugestimmt hatte. Auch die Jagd auf die beiden Seehundearten, die in Island vorkommen, ist innerhalb der Hauptstadtgrenzen seitdem verboten.

Seehund und Kegelrobbe stehen beide auf der Liste der bedrohten Tierarten, ihre Zahlen sind in den vergangenen Jahren beträchtlich zurückgegangen.

Seehunde wurden in Island seit der Besiedelung gejagt. Sauer eingelegte Seehundflossen galt als Delikatesse, aber auch Speck und Fleisch wurden verzehrt.

Eine regelmässige Zählung des Marineforschungsinstitutes hatte ergeben, dass der Bestand von 33.000 Tieren im Jahr 1980 auf 8000 Tiere im Jahr 2016 zurückgegangen war. Die entsprechende Grafik dazu findet man im Nachrichtenlink.