Grindavík: Magma sammelt sich weiter, neuer Graben im Entstehen

Grindavík volcanic eruption

Die Magmaakkumulation unter dem Svartsengi-Gebiet geht in der gleichen Geschwindigkeit weiter wie vor den letzten beiden Vulkanausbrüchen. In einer Mitteilung der isländischen Wetterbehörde heisst es, zu diesem Ergebnis seien Wissenschaftler bei einem informativen Treffen heute morgen gekommen.
Wenn sich ein Magmatunnel nahe der Erdoberfläche bilde, zerre dies an der Erdkruste und in der Mitte des Magmatunnels senke sich das Land. Damit entstehe noch mehr Druck auf die Erdkruste beiderseits des Tunnels.

Keine Absenkung in Sicht
In Svartsengi seien GPS Sender dort am Rand des Magmatunnels installiert, wo sich während der Bildung des Tunnels das Land anhob. Das hätten Rechenmodelle gezeigt. „Jetzt, zwei Tage nachdem sich der Magmatunnel gebildet hat, sollte der Sender in Svartsengi langsam eine Absenkung des Landes anzeigen, wenn die Magmaakkumulation zu einem Halt gekommen wäre. Das ist nicht der Fall, und damit ist klar, dass sich dort wie schon zuvor Magma ansammelt.“
In der Mitteilung heisst es weiter, dass die Gefahr durch Erdspalten und wegbrechendem Erdreich im Ostteil Grindavíks weiter steige.

Neuer Graben im Osten der Stadt
Östlich des Grabens, der am 10. November entstanden war, habe sich ein neuer Graben gebildet. Sein Ostrand liegt unter dem Ortsteil Þórkötluhverfi im Osten Grindavíks. Der neue Graben ist 800 bis 1000 Meter breit, die meiste Absenkung über dem Graben beträgt derzeit 30 Zentimeter. Der Graben sinkt und dehnt sich weiter aus. Die westliche Grenze des Grabens verläuft dort, wo aus der südlichen Spalte am Sonntag Lava in die Ortschaft geströmt war.
Innerhalb des neuen Grabens waren zuvor schon Spalten aufgezeichnet worden, die in der Landschaft sichtbar sind. Diese Spalten sind grösser geworden, dazu haben sich neue Spalten aufgetan. Hier findet man eine Karte zu den Gräben und Spalten.
„Zum Vergleich war der Graben vom 10. November quer durch Grindavík etwa zwei Kilometer breit. Die meiste Absenkung betrug 1,30 Meter,“ heisst es in der Mitteilung.

Grindavík: Ausbruch in Ortsnähe ist weiter wahrscheinlich

grindavík evacuation

Auch weiterhin gilt ein Vulkanausbruch auf der Halbinsel Reykjanes als wahrscheinlich, heisst es in einer Mitteilung des isländischen Wetterdienstes. Das Land hebt sich weiter in der Region um Svartsengi, es liegt dort inzwischen höher als noch Anfang November, als sich unter dem Küstenort Grindavík eine unterirdische Magmaintrusion bildete. Damals waren die rund 3000 Bewohner evakuiert worden. Die Evakuierung besteht immer noch, nachdem die seismische Aktivität weiter anhält und eine Grabenbildung innerhalb der Stadt zu massiven Schäden an Häusern, Strassen und Infrastruktur geführt hatte.

Magma könnte den Tunnel vom 10. November nutzen
Am Wochenende hatte die Landhebung etwas nachgelassen, sie ist nach Angaben des Wetterdienstes aber weiterhin hoch. „Solange sich Magma weiter bei Svartsengi ansammelt, bleibt die Wahrscheinlickeit eines neuen Magmaausbreitung und eines Ausbruchs,“ heisst es in der Mitteilung.
„Wenn ein Magmafluss aufkommt, dann sieht das wahrscheinlichste Szenario so aus, dass die Magma von Svartsengi aus in den Tunnel vom 10. November fliessen wird. Der wahrscheinlichste Ort für einen Ausbruch wäre dann nördlich von Grindavík, in Richtung des Berges Hagafell und der Region um die Kraterreihe Sundhnjúksgígar. Die seismische Aktivität ist in den vergangenen Tagen stabil und gering geblieben und hat sich auf den Hagafell beschränkt.“

Schäden in Höhe von 66 Mio EUR
Die Schäden an Wohngebäuden und Infrastruktur könnten bis zu 10 Mrd ISK (66,3 Mio EUR) betragen, schätzt die Leiterin der isländischen Katastrophenschutzversicherung, Hulda Ragnheiður Árnadóttir. Bevor es jedoch zu Auszahlungen kommen kann, müssen die Behörden den Stadtplan prüfen und entscheiden, ob bestimmte Stadtviertel nicht mehr bewohnbar sind. Bislang sind 230 Gebäude als beschädigt gemeldet worden.

Die Blaue Lagune hatte am Freitag angekündigt, bis zum Donnerstag geschlossen zu bleiben und dann die Lage erneut zu prüfen. Es gibt auch weiterhin keine offizielle Einschätzung dazu, ob und wann es zu einem Vulkanausbruch kommen könnte. Daher ist auch nicht klar, wann es für die Bewohner von Grindavík sicher genug ist, nach Hause zurückzukehren.

 

Grindavík: Weiterhin gesperrt, finanzielle Unterstützung unterwegs

Grindavík earthquakes crevasse

Im evakuierten Grindavík ist die Lage unverändert. Die Zahl der Erdbeben ging etwas zurück und kein Beben erreichte mehr eine Stärke über M3. Allerdings besteht auch weiterhin die Gefahr eines Vulkanausbruchs, bestätigte die Katastrophenschutzexpertin beim isländischen Wetterdienst, Kristín Jónsdóttir RÚV gegenüber. Diesbezüglich hat sich der Fokus auf den Berg Hagafell gerichtet, wo zuletzt die stärksten Beben aufgezeichnet wurden. Andere Mutmassungen gingen dahin, ob es sich bei der Grabenbildung durch den Ort nicht um einen rein tektonischen Prozess gehandelt haben könnte.

Weiterhin Zutritt nur in Begleitung
Grindavík bleibt weiterhin aus Sicherheitsgründen gesperrt. Heute erhielten zuvor kontaktierte Bewohner aus der roten Zone Gelegenheit, in Begleitung von Einsatzkräften Wertgegenstände aus ihren Häusern zu holen. Das Viertel ist von der Grabenbildung besonders stark betroffen.
Nachdem gestern das Stadtarchiv fortgebracht werden konnte, war heute Landsbanki an der Reihe, hier wurden sämtliche Safes in den Hauptsitz nach Reykjavík transportiert.
Das Erdwärmekraftwerk Svartsengi wird seit heute vom Kraftwerk Reykjanesvirkjun ferngesteuert. Von der Blauen Lagune verlautete, dass man die Schliessung des Bades bis zum 30. November verlängere.

Währenddessen war noch gestern Abend der grösste Bagger Islands von der Sandmine am Ingólfsfall nach Svartsengi gefahren, um sich an den Bauarbeiten für den Schutzwall rund um das Kraftwerk zu beteiligen. Das vom isländischen Parlament abgesegnete Bauwerk soll durch eine Steuererhöhung für Hausbesitzer finanziert werden. Weder der Svartsengi betreibende Energiekonzern HS Orka noch die dem Kraftwerk angeschlossene Blaue Lagune gelten als Hausbesitzer, die sich an der Finanzierung beteiligen müssen.

Unterstützung für Betroffene
Am Vormittag hat Sozialminister Guðmundur Ingi Guðbrandsson ausserdem einen Gesetzentwurf vorgelegt, mit dem finanzielle Unterstützung für die ortsansässigen Unternehmen bereitgestellt werden soll, die zur Zeit weder Einnahmen haben noch ihre Mitarebiter beschäftigen oder bezahlen können. Die Unterstützung soll nach einem Vorbild aus Pandemiezeiten gestaltet werden, über Gestaltung und Summen wird das Parlament morgen diskutieren.

Grindavík: Sirenen, Räumung wegen Schwefelgas, und neuer Versuch morgen

Grindavík earthquakes Reykjanes

Auch heute erhielten die Bewohner von Grindavík zwischen 12 und 16 Uhr Gelegenheit, Wertgegenstände aus ihren Häusern zu holen. Ähnlich wie gestern verlief die Aktion strassenzugweise, war auf fünf Minuten pro Haus begrenzt und galt für alle, die es gestern nicht in den Ort geschafft hatten. Ein Stadtviertel galt als so gefährdet, dass die Bewohner nur in Fahrzeugen der Rettungsteams an ihre Häuser gebracht werden konnten.

Um 15 Uhr heulten dann die Sirenen der Einsatzkräfte und die Polizei organisierte eine sofortige Räumung des Ortes. Neue Messgeräte des isländischen Wetterdienstes auf dem Berg Húsafjall östlich der Stadt hatten erhöhte Schwefeldioxidwerte angezeigt. Nach Angaben des diensthabenden Vulkanologen kann sich ein solches Gas lösen, wenn die Magma dicht unter der Oberfläche liegt. Vom Zivilschutz hiess es, die Räumung habe aus Sicherheitsgründen stattgefunden, und nicht, weil unmittelbare Gefahr drohte. Morgen früh soll die Lage erneut geprüft werden, und alle, die heute nicht in den Ort kamen, sollen zu ihren Häusern gebracht werden. Die Polizei von Suðurnes liess wissen, dass der Ort nach nur 95 Sekunden geräumt war, eine erfreulich kurze Zeit.

Graben verbreitert sich zusehends
Schäden an Gebäuden und im Boden sind immens und werden immer mehr. Kristín Jónsdóttir, die Bereichsleiterin für Erdbebenüberwachung beim Wetterdienst, warnte die Leute vor unsichtbaren Spalten. „Wir sehen immer noch Bewegung und ein Auseinanderdriften in diesem Graben.“ sagte sie und bekräftigte, ein Ausbruch sei auch weiterhin wahrscheinlich. Oberhalb des Magmaintrusionsganges habe sich der Graben gebildet, ein breiter Streifen, in dem selbst sich wieder zahlreiche Spalten geöffnet haben, die sich ebenfalls stetig verbreitern. Das ganze Gebiet sei hochgefährlich.Zivilschutzleiter Víðir Reynisson verglich die Lage mit dem Gang über eine Gletscherzunge, wo sich unter dem Eis überall Spalten verbergen. Der Zivilschutz hatte heute davor gewarnt, sich der Region generell zu nähern. Der Experte für Plattentektonik beim Wetterdienst, Benedikt Gunnar Ófeigsson, bezeichnete die Vorgänge als viel grösser als alles was man in den vergangenen Jahren auf der Halbinsel erlebt habe.

Erdbeben am Magmagang
Seit Mitternacht sind am Magmagang 700 Erdbeben aufgezeichnet worden, das stärkste am Hagafell lag bei M3,1. Die meisten Beben ereignen sich am Magmagang, in einer Tiefe von 3 bis 5 Kilometern. Vom Wetterdienst hiess es, Messungen zeigten eine anhaltende Verformung des Gebietes. Das decke sich mit der Tatsache dass weiterhin Magma in den Intrusionsgang fließe. Auch weiterhin wird er in einer Tiefe von 800 Metern vermutet, der Zufluss beträgt etwa 75 Kubikmeter pro Sekunde.
Eine Menge neuer Spalten ist auch auf dem Berg Þorbjörn entdeckt worden. Dort befindet sich ein wichtiger Telekommunikationssendemast. Das danebenstehende Servicegebäude hat schwere Schäden erlitten, die Geräte sind jedoch unversehrt.

Auffanglager konnten schliessen
Am Abend berichtet mbl.is, dass alle Auffangstationen des Roten Kreuzes geschlossen und abgebaut worden sind. Das bedeutet dass alle Evakuierten irgendwo untergekommen sind. Beim Roten Kreuz hatte es gehiessen, dass dies einer der grössten Einsätze der letzten Jahre gewesen sei. Die Hilfsbereitsschaft im ganzen Land darf als überwältigend bezeichnet werden. Haus- und Wohnungsbesitzer hatten sich beim Roten Kreuz und in Facebookgruppen melden können, wenn sie Wohnraum zur Verfügung stellen wollten. Viele boten ihn kostenlos an, um Familien ein Dach über dem Kopf zu bieten. Auch Haustiere konnten erfolgreich vermittelt werden, wenn es nicht möglich war, sie in die neue Behausung mitzunehmen. Ausserdem hatte das Reykjavíker Katzenhaus zusätzliche Kapazitäten zur Verfügung gestellt.

Grindavík: Alle durften kurz in ihre Häuser, Graben hat riesige Ausmasse

Grindavík earthquakes crevasse

Im evakuierten Grindavík herrschte heute ein hektisches Kommen und Gehen, nachdem die Polizei am Mittag beschlossen hatte, allen Bürgern Grindavíks die Möglichkeit zu geben, notwendige Dinge aus ihren Häusern zu holen. Diese Aktion wurde viertelweise durchgeführt, auf zwei Personen pro Haus und eine bestimmte Zeit beschränkt, damit es alle in der kurzen Zeit bis 16 Uhr zu ihrem Haus schaffen konnten. Die Strassenschäden waren zuvor von den Rettungsleuten markiert worden, sodass eine gewisse Verkehrssicherheit gegeben war. Um 16 Uhr ist der Ort wieder gesperrt worden, berichtete RÚV im Ticker. Danach sollten Vertreter der Tierschutz- und Kleintierverbände bis 18 Uhr Gelegenheit erhalten, den Ort nach übrig gebliebenen Tieren zu durchkämmen. Einige Katzen und Hühner hatten nicht eingefangen werden können. Von der Rettungsorganisation Landsbjörg hiess es am Abend, die Aktion sei sehr gut verlaufen, alle hätten sich diszipliniert verhalten. Insgesamt seien um 1100 Autos in Grindavík gewesen.

Pferde- und Schafrettung in grosser Hast
Gestern hatten nur 20 Bewohner in ihre Häuser im östlichen Ortsteil Þorkötlustaðahverfi gedurft, um in Begleitung von Einsatzkräften das Allerdringendste zu holen. Ausserdem war es Freiwilligen gelungen, sämtliche Pferde aus dem Ort zu bringen, und auch die ca 200 Schafe konnten abtransportiert werden. In Grindavík gibt es viele vor allem ältere Leute, die sich ein paar Schafe im Stall halten, wie etwa der ehemalige Seemann Guðmundur Sigurðsson, der gestern seine eigenen Schafe und die einiger Bekannter nach Keflavík bringen konnte. Er sagt, der grosse Graben verlaufe quer durch seine Weide, und da wo Erdreich eingebrochen ist, schätzt er die Tiefe auf 10 Meter. Heute kam der alte Herr zurück, um sein selbstgeräuchertes Lammfleisch aus den Gefriertruhen zu holen, an die 400 Kilo, wie er sagt, geschlachtet und geräuchert für die Familie. Für Guðmundur ist sein Weihnachtsfleisch neben seinen Schafen das Wertvollste was er besitzt.

Nicht nur Bürger hatten heute Gelegenheit, Gegenstände aus den Häusern zu holen, auch Unternehmen transportierten alles ab, was in der kurzen Zeit möglich war, ausserdem sind die verbliebenen Boote und Kutter aus dem Hafen von Grindavík nach Sandgerði gebracht worden.

Dampfender Graben quer durch den Ort
Die Erdbebenaktivität in der Region ist seit Samstag beinahe unverändert, bzw ist in der Stärke etwas zurückgegangen. Trotzdem haben die Schäden durch die Erdbeben ein grosses Ausmass angenommen.
In diesem Video ist in Teilen der Graben zu sehen, der sich quer durch den Ort zieht, durch Strassen, Gärten und Häuser. Vielerorts kommt heisser Dampf aus der Spalte, ein klarer Hinweis auf die unterirdische Magma. Der Graben hatte sich gestern gebildet, und damit war klar dass der Magmagang unter dem Ort liegt, und dass jederzeit und an jeder beliebigen Stelle Magma an die Erdoberfläche treten kann. Zahlreiche Gebäude sind durch Risse und aufgewölbten Untergrund so schwer beschädigt, dass Reparaturen nicht mehr möglich sind.

Um einen Meter abgesackt
Das Land im Westteil des Ortes ist um einen ganzen Meter abgesackt. Die Erdbebenabteilung des Wetterdienstes veröffentlichte heute Satellitenbilder, auf denen der Magmagang (blau) zu erkennen ist. Die Verformung des Landes geht auf den Magmaeinschuss vom 10. November zurück, der seinen Ursprung in der Nähe des Erdwärmekraftwerks Svartsengi hatte.
Die Vulkan- und Katastrophenschutzgruppe Südisland schreibt, GPS-Daten zufolge seien immer noch Verformungen im Gange, aber ihr Tempo habe sich seit Freitag stark verlangsamt. Auch weiterhin ströme Magma in den Intrusionsgang, die Menge hatte zu Beginn jedoch etwa 50 Mal mehr betragen als heute.
Der Geophysiker Magnús Tumi Guðmundsson weist darauf hin, dass ein Vulkanausbruch immer noch jederzeit möglich ist. Auch der Vulkanologe Þorvaldur Þórðarsson will dies nicht ausschliessen, eine Rückkehr der Bürger in ihre Stadt hält er auch ohne Ausbruch für ausgeschlossen, denn eine Bebenserie wie die aktuelle könne sich jederzeit wiederholen.

Riesige Stufenbildung
In einem Interview am Abend erklärte der Tektonikexperte und Dozent an der Universität Island, Gregory de Pascale, die Verformungen im Ort erinnerten ihn  an das schwere Erdbeben im neuseeländischen Christchurch im Jahr 2011, wo innerhalb von zwei Minuten ein Teil der Stadt absackte. In Grindavík verlaufe der Prozess über Tage und langsamer, aber auf Drohnenmodellen könne man die Stufe erkennen, und dass sich die Erde im Osten hebe und im Westen absenke. Sie öffne sich also nicht nur senkrecht, sondern auch horizontal. Auch er warnt, eine Eruption könne trotz der momentanen Ruhe jederzeit und ohne Vorwarnung passieren.