Reykjanes: Vulkangebiet geöffnet, dreimal mehr Lava als in Geldingadalir

litli hrútur 2023

Die in den vergangenen vier Tagen geförderte Lavamenge am Litli-Hrútur betrug 13 Kubikmeter pro Sekunde, berichtet RÚV. Das ist nur minimal weniger als in den ersten drei Tagen. Die 8,4 Millionen Kubikmeter grosse Lavadecke erstreckt sich aktuellen Satelittenmessungen zufolge jetzt über 0,83 Qudratkilometer.

Ähnlicher Umfang, hohe Kohlendioxidkonzentration
Auf der Webseite des Geologischen Institutes heisst es, dass die Lavaproduktion der ersten sieben Tage einen ähnlichen Umfang wie beim Ausbruch in den Meradalir im vergangenen Jahr hatte, aber zwei- bis dreimal soviel wie in den Geldingadalir im Jahr 2021.
Die Lavadecke verschiebt sich Messungen zufolge um 300 bis 400 Meter pro Tag. Sie ist durchschnittlich um die 10 Meter dick, und an manchen Stellen bis zu 20 Meter. Die Lava selbst ist von ähnlicher Art wie gegen Ende des Geldingadala-Ausbruchs und bei Meradala-Ausbruch. Auch die chemische Zusammensetzung ist untersucht worden. Interessanterweise wirft die aktuelle Lava, anders als ihre Vorgängerinnen, keine Blasen an der Oberfläche.
Das austretende Gas hingegen ist vergleichbar mit dem zu Beginn des letztjährigen Ausbruchs. Es weist relativ hohe Kohlendioxidkonzentrationen auf, die sich nach Ansicht von Wissenschaftlern wahrscheinlich im Vorfeld des Ausbruchs angesammelt haben.

Weiterhin Gefahr durch Gas und Qualm
Das Vulkangebiet ist gestern für die Öffentlichkeit wieder geöffnet worden. Allerdings gibt es eine Sicherheitszone, in die niemand hineinspazieren sollte. Trotz aller Löschbemühungen wüten immer noch Moosbrände, deren Qualm zusätzlich zu den giftigen Dämpfen aus dem Schlot gesundheitsgefährdend sind.

Das hielt Vulkanlustige jedoch nicht vom Ausflug ab, allein in der vergangenen Nacht sind um die 2000 Besucher am Litli-Hrútur gewesen. Bis auf wenige Zwischenfälle ist die Nacht ruhig verlaufen, hiess es seitens der Einsatzkräfte. In einem Fall hatten sich Besucher bis an den Kraterrand begeben, Polizeieinsatzkräfte waren ihnen gefolgt, und als das Gasmessgerät Alarmsignale von sich gab, drehten die Polizisten wieder um. Auch die Freiwilligen der Rettungstrupps hatten zuvor angekündigt, niemanden aus der Gefahrenzone zu holen, wenn Retter sich dafür selbst in Lebensgefahr begeben müssten.

Auf der Facebookseite von Safetravel werden alle Informationen regelmässig aktualisiert, so auch die verfügbaren Wanderwege und Parkmöglichkeiten.

 

 

Reykjanes: Brennendes Moos als Eruption missdeutet

Mit der inzwischen beinahe permanenten Erdbebentätigkeit auf der Halbinsel Reykjanes und einem möglichen Vulkanausbruch in Aussicht liegen nun wieder tausende im In- und Ausland vor den Webcams, um den Moment der Eruption mitverfolgen zu können. Bislang gibt es jedoch keine Anzeichen für einen Ausbruch, und auch keinen Tremor, obwohl neusten Satellitenbildern zufolge sich die Magma auf einen Kilometer unter der Erdoberfläche hochgearbeitet hat. Vulkanologen gehen davon dass dass ein neuer Ausbruch nur eine Frage von Tagen oder Wochen ist.

Brennendes Moos in der Webcam
In der vergangenen Nacht entdeckten dann aufmerksame Beobachter Flammen im Gebiet der erstarrten Lava am Fagradalsfjall und alarmierten Polizei und Zivilschutz. Mitglieder des Grindavíker Rettungsteams machten sich auf die Suche, aus der Luft wurde das Gebiet vom Hubschrauber der Küstenwache abgeflogen und es stellte sich heraus, dass sich trockenes Moos entzündet hatte.
Eine Brandursache ist bislang unklar, berichtet RÚV.

Sigríður Kristjánsdóttir, eine Expertin für Naturkatastrophen beim isländischen Wetterdienst, hatte ebenfalls zusammen mit den diensthabenden Kollegen in der letzten Nacht die Webcam mitverfolgt und gedacht, dass da möglicherweise wirklich ein Ausbruch beginnt. Sigríður zufolge gab es jedoch keinen Tremor.
Das Feuer war an einem der alten Wanderwege zum Fagradalsfjall ausgebrochen, dort waren auch keine Erdbeben aufgezeichnet worden. “Das war sehr merkwüdig, aber die Natur überrascht uns doch immer wieder,” meint Sigríður.
Die Bebentätigkeit der letzten Nacht sei verhältnismässig ruhig gewesen. “Es fielen ein paar kleine Beben an, dann kam ein kräftiges gegen halb sechs,” berichtet sie. Dieses Beben hatte eine Stärke von M4,6 und seinen Ursprung 3,4 Kilometer südöstlich des Fagradalsfjall.

Lava könnte nach Norden oder Süden strömen
Neusten Messungen zufolge strömt die Magma jetzt in einen Gang, der in den kommenden Tagen oder Wochen aufbrechen könnte. Experten halten es für am wahrscheinlichsten, dass ein Vulkanausbruch sich über die Gemeindegrenzen von Grindavík und Vogur am Vatnasleysuströnd zieht, und damit über die Wasserscheide auf der Halbinsel Reykjanes. Das würde bedeuten, dass Lava aus einer sich dort öffnenden Erdspalte nach Süden oder nach Norden strömen kann. In jedem Fall wäre eine der beiden Hauptverkehrsadern der Halbinsel betroffen.

50% Chancen auf neuen Vulkanausbruch auf der Halbinsel Reykjanes

Geldingadalir eruption lava

Der Vulkanologe Þorvaldur Þórðarson rechnet mit einer 50/50-Chance, dass bis zum Ende des Jahres auf der Halbinsel Reykjanes ein neuer Vulkanausbruch beginnt. Dieser könnte an Land geschehen, wie in den Geldingadalir zwischen März und September 2021, oder vor der Küste im Meer. Der Ausbruch im letzten Jahr hatte nur wenig Auswirkungen auf die umliegenden Regionen gehabt, ein solcher Ausbruch kann jedoch immer die Möglichkeit von Luftverschmutzung, Aschefall oder Störungen im Flugverkehr mit sich bringen, erklärte Þorvaldur RÚV gegenüber.

Erdbebenserie auf Reykjanes
Seit vergangener Woche bebte die Erde wieder auf der Halbinsel. Der zweite Bebenschwarm begann am Sonntagmorgen, zwei Beben kamen mit einer Stärke von M3. Seitdem ist die Aktivität wieder zurückgegangen, doch Þorvaldur meint, dass die Erdbeben ein Zeichen für Magmabewegungen unter der Oberfläche sein könnten. Anzeichen für einen unmittelbar bevorstehenden Ausbruch gibt es derzeit nicht.

Auf See oder an Land?
Ausbrüche im Meer bergen andere Risiken als Eruptionen auf dem Land, erklärte der Vulkanologe. “Wenn das ein kleiner, netter Touristenausbruch ist, wie der am Fagradalsfjall, dann ist es gut, ihn an Land zu haben, aber wenn er grösser und mächtiger ausfällt, dann sieht die Lage anders aus und es gibt mehr Risiken in Bezug auf Lavafluss und Schwefelbelastung in der Atemluft.” sagte er. “Eruptionen an Land bringen viel mehr Schwefelverschmutzung mit sich als Unterwassereruptionen, die viel Dampf erzeugen, doch dieser Dampf kondensiert in der Wolke und beseitigt den Schwefel. Wenn der Ausbruch an Land stattfindet, dann haben wir nicht soviel Dampf und weitaus weniger Schwefel wird sofort beseitigt, der fällt stattdessen auf den Boden oder breitet sich aus und sorgt für Verschmutzung. Das ist der Nachteil von Ausbrüchen an Land.”

Eine Unterwassereruption könnte allerdings dennoch für ordentlichen Aschefall im Südwesten sorgen, und bis in den Hvalfjörður hinauf. Wenn solch ein Ausbruch stattfinde, könne die Magma sich auch an mehreren Stellen den Weg an die Oberfläche des Meeresbodens bahnen.
Experten hatten zuvor erklärt, der Ausbruch in den Geldingadalir markiere wahrscheinlich den Beginn einer Periode von vulkanischer Unruhe auf der Halbinsel.

 

Reykjanes: Touristen bevölkern Lavafläche und hoffen auf Ausbruch

Geldingadalir eruption lava

Um die 1500 Touristen haben sich in den vergangenen drei Tagen in die Geldingadalir begeben, obwohl davor gewarnt wird, weil sich dort jederzeit die Erde öffnen und glühendheisse Lava ausstossen kann. Manche der Touristen sind auch auf die Lavafläche gelaufen, berichtet RÚV. Das ist auch weiterhin streng verboten. Der Vulkanausbruch am Fagradalsfjall war vor Weihnachten als offiziell beendet erklärt worden, kurz darauf begann allerdings eine neue Erdbebenserie, die der vom März 2021 ähnelt und immer noch anhält.

Heute war der Wissenschaftsrat des Zivilschutzes zusammengetroffen, um das aktuelle Erdbebengeschehen auf der Halbinsel Reykjanes zu besprechen. Alleine vor den Feiertagen waren dort fast 2000 Erdbeben aufgezeichnet worden. Nach Analyse der Beben geht man davon aus dass, falls es zu einem erneuten Ausbruch komme, sich dieser im gleichen Gebiet wie im März ereignen werde, schreibt RÚV, es sei allerdings unmöglich, einen genauen Ort zu bestimmen.
Die Erdbeben ziehen Touristen an den Ort, die darauf hoffen, als Erster zugegen zu sein, wenn sich Lava an der Erdoberfläche zeigt. Seit Beginn der Bebentätigkeit wird davor gewarnt, dass eine Eruption ohne jede Vorwarnung und an jedem beliebigen Ort der Region beginnen kann. Auch vor Steinschlag wird gewarnt, denn nun erschüttern die Beben lockeres vulkanisches Gestein und instabile Krater.

Die Polizei von Grindavík beobachtet das Tun der Gäste intensiv, untersagen will man die Besuche jedoch nicht. “Wenn wir es schaffen, die Leute zu warnen und sie wissen, in welche Gefahr sie sich begeben, da bringt es nichts Gutes, das Gelände zu sperren. Wir schaffen das nicht.” sagt Hjálmar Hallgrímsson von der Polizei in Grindavík.
Zu den Besuchern gehören auch Reiseleiter mit ihren Gruppen, die sich jedoch verantwortungsvoll verhalten. “Wir hören allerdings auch, dass Leute weit in die Lava hineinlaufen und das ist natürlich verboten. Das wollen wir nicht sehen.” Auch spielende Kinder sind auf der Lava gesehen worden.
Das Gelände wird gesperrt, sobald ein Vulkanausbruch dort beginnt.

 

Reykjanes: Neuer Erdbebenschwarm im alten Eruptionsgebiet

Keilir in the fog

Keine zwei Tage sind vergangen, dass der Vulkanausbruch in den Geldingadalir offiziell als beendet erklärt wurde, da schüttelt sich die Erde in dem Gebiet erneut. An die 5000 Erdbeben haben sich seit Dienstagnachmittag am Fagradalsfjall auf der Halbinsel Reykjanes ereignet. Ein Beben der Stärke 4,0 in der vergangenen Nacht konnte bis in die Hauptstadt Reykjavík wahrgenommen werden. Es war das fünfte Beben über Stärke 4 in diesem Erdbebenschwarm, berichtet RÚV.
“Seit Mitternacht haben wir um die 800 Beben aufgezeichnet, die meisten fanden nahe des Fagradalsfjall statt, dort wo das Eruptionsgebiet in den Geldingadalir war,” erklärte Einar Bessi Gestsson, ein Experte für Naturkatastrophenschutz. Die heutige seismische Tätigkeit tritt dabei ähnlich wie gestern auf und zeigt sich in Perioden.
Heute soll es neue Satelitenbilder geben, die die Lage auf der Halbinsel, so hofft man, besser beleuchten, auch wenn diese Analysearbeit schwierig ist. Einar Bessi bezeichnet die Aktiviät bei mehreren Erdbeben pro Tag als stark. Das stärkste Beben gestern war mit 4,9 aufgezeichnet worden.

Eins der möglichen Szenarien dieser Bebenserie ist nach Angaben der Vulkanabteilung beim Wetterdienst ein Vulkanausbruch. Die seismische Unruhe ähnele sehr der Situation im März, kurz bevor am Fagradalsfjall Lava an die Erdoberfläche trat. “Damals hatten wir mehrere tausend Beben am Tag,” sagt Einar, “am wahrscheinlichsten ist es, dass dort Magma unter der Oberfläche unterwegs ist. Ob sie allerdings die Oberfläche erreicht, können wir unmöglich sagen.” Im März hatte die Erde gut einen Monat gebebt, bevor sie schliesslich aufbrach.

Wegen der seismischen Unruhe hat die Wetterbehörde den Alarmcode für den Flugverkehr auf Orange erhöht. Er weist Teilnehmer am Luftverkehr darauf hin, dass die Wahrscheinlichkeit auf einen vulkanausbruch steigt oder dass es einen kleineren Vulkanausbruch mit wenig Ascheemmssion gibt. Vor zwei Wochen war die Ungewissheitsstufe in dem Gebiet aufgehoben worden. Sie ist noch nicht wieder ausgerufen worden, eine Entscheidung steht jedoch an.
Hier kann man den Verlauf der Erdbebentätigkeit beobachten.

 

Vulkanausbruch in den Geldingadalir offiziel für beendet erklärt

People admiring the Reykjanes peninsula eruption from the edge of the flowing lava

Die Vulkanabteilung des isländischen Wetterdienstes hat den Vulkanausbruch am Fagradalsfjall offiziell für beendet erklärt, berichtet RÚV. Zuletzt war ausströmende Lava vor genau drei Monaten zu sehen gewesen. Messungen zeigen jedoch, dass sich in der Erdkruste unter dem Vulkan auch weiterhin Magma ansammelt.

Der Vulkanausbruch hatte am 19. März 2021 begonnen und war mit Pausen etwa sechs Monate aktiv gewesen. Er hatte auch international grosses Interesse geweckt, zumal eine Eruption in der Region, so nah an der Hauptstadt für Besucher und gut erreichtbar, äusserst selten vorkommt. Da der Lavastrom die Verbindungsstrasse zwischen Grindavík und Þórlákshöfn sowie im Boden verlegte Glasfaserkabel bedrohte, hatte man versucht, ihn mit Erdwällen aufzuhalten. Er überwältigte mehrere solcher Bauwerke, versiegte jedoch, bevor er die Strasse erreichen konnte, und es kam zu keinerlei Schäden.
Experten hatten zuvor angekündigt, dass gemessen an der ausgeströmten Lavamenge ein Ende des Vulkanausbruchs erst drei Monate nach Erscheinen der letzten frischen Lava erklärt werden könne. Dies ist nun offiziell geschehen, doch weiterhin bleibt es schwierig, etwas über die Zukunft des vulkanischen Geländes auszusagen.

Sara Bersotti, die Fachleiterin bei der Vulkanwacht der Wetterbehörde, sagte RUV gegenüber, man werde das Gebiet weiterhin engmaschig überwachen, auch wenn der Ausbruch offiziell nun beendet sei. Das eine was man wisse sei, dass die Natur ihre eigenen Wege gehe. Denn auch weiterhin dehne sich die Erdoberfläche in den Gebiet aus, weswegen man an Modellen arbeite und Messungen auswerte. “Das ist natürlich immer kompliziert, ganz genau zu sagen wann ein bestimmter Vulkanausbruch zuende ist, weil vulkanische Tätigkeit in Abschnitten erfolgen kann.” erklärt Sara. “Wir haben von Anfang an, als die seismische Tätigkeit in den Geldingadalir begann, darauf hingewiesen dass die Halbinsel Reykjanes eine in Bezug auf Erdbeben und Vulkanausbrüche sehr aktive Region ist, und die Geschichte uns sagt, dass die Aktivität in Abschnitten passiert.”
Auch weiterhin ist es gefährlich, auf der Lavadecke in den Geldingadalir und zu den Kratern selbst zu wandern. Es dauert lange bis die Lava vollständig abkühlt, hinzu kommt. dass Oberfläche und Kraterränder instabil sind und einstürzen können. Dazu besteht die Gefahr von ausströmendem Giftgas, welches sich in Niederungen ansammeln und dem Besucher lebensgefährlich werden kann.